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 08/02 - Alpenlandforum 

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Heute war die erste Fahrt des Winters in Sawiris Apres-Ski-Wagen angesagt. Die beiden Wagen fahren für mich viel zu früh in Andermatt weg, aber sie kommen ja auch zurück. Um halb zwölf habe ich zuschauen können, wie der erste Wagen in Andermatt ankommt und dann in die Mittagspause geht. So bin ich dem zweiten entgegengefahren. Oberalp-Passhöhe an 11.50, umsteigen auf den Gegenzug. Kurz vor der Galerie am Oberalpsee hat der Sturm begonnen. In Oberalp Station war es nicht möglich, draussen auf den Gegenzug zu warten, es chutete zu heftig. Beim Warten auf den etwa 8 Minuten verspäteten Gegenzug aus Disentis bewegte der Lokführer den Zug, mit dem ich gekommen war, dauernd hin und her, damit nichts festfrieren konnte. Die paar Meter vom Wartsaal zum Apres-Ski-Wagen auf Gleis 2 haben gereicht, mich von oben bis unten einzupudern. Glücklich im schönen Wagen angekommen, hielt ich die Bestellung eines Zwetschgen-Luz (Innerschweizer Spezialität: Heisses Wasser mit etwa gleich viel Kaffee wie Zwetschgenwasser drin) für angebracht.

Die Talfahrt nach Andermatt verlief perfekt. Der Zug holte die Verspätung ein, und ich hatte genug Zeit, auf den zweiten Apres-Ski-Wagen mit Abfahrt um 12.28 zu wechseln. Unterhalb der neuen Station Nätschen musste wir drei- oder viermal anhalten, weil der Sturm das ganze Mobiliar des Ski-Kindergartens auf die Strecke geweht hatte. Der Lokiführer hatte zufällig einen Kollegen dabei, der packte die Aufblasmöbel fortlaufend in den Zug, deshalb hatten wir bis Nätschen nur etwa 15' Verspätung eingesammelt. In Nätschen kreuzte uns der letzte Zug, der heil über den Oberalp gekommen ist, ein gut gefüllter Autoverladezug aus Sedrun.

Auf dem Zahnstangenabschnitt oberhalb von Nätschen wunderten sich die Fahrgäste, weshalb der Wagen heute so unruhig fährt. Das war der festgepresste Schnee in der Zahnstange. Auf dem Adhäsionsabschnitt vor der langen Galerie sank die Geschwindigkeit laufend. 5 Meter vor der Galerie war fertig. Der vor der Lokomotive aufgetürmte Schnee verhinderte die Weiterfahrt. In einer solchen Situation gibt es keinen schöneren Platz als den im Apres-Ski-Wagen. Ruhe bewahren, Bier trinken, Lachsplättli geniessen. Die Zugchefin und der zufällig mitfahrende Direktor der Skiarena richteten im Apres-Ski-Wagen das Krisenzentrum ein. Der Zug aus Disentis konnte uns nicht helfen, denn auch auf der anderen Seite der Galerie lag der Schnee schon zu hoch. Er verkroch sich in den Tunnel vor dem Bahnhof.

Völlig professionell wurde unser Entsatz an die Hand genommen. Die von einer HGm 4/4 geschobene grosse Schleuder machte die Trasse frei und zog sich dann zum Nätschen zurück. Dann kam eine HGe 4/4. Alle Passagiere mussten in die letzen zwei Wagen wechseln, diese wurden dann sicher nach Andermatt gebracht, Ankunft ca. 16.30 Uhr. Die Zugchefin hat den Feriengästen aus Disentis den Zug für die Heimfahrt über Arth-Goldau und Chur angegeben, Disentis an um 22 Uhr. Der Skipass der Skiarena gilt für die Fahrt über Zürich oder Biberbrugg nach Disentis. Wer wollte, durfte im Bahnhofbuffet Andermatt noch ein Getränk auf Kosten der MGB schlürfen.

Die Lokomotive und drei oder vier Wagen stehen aktuell immer noch vor dem Eingang der Galerie am Oberalpsee. Der Sturm hat grosse Mengen Schnee unter und zwischen die verbliebenen Wagen geweht. Das wird ein hartes Stück Arbeit, die da von der Strecke zu holen.

Wie ich gehört habe, wird der andere Zug von Sedrun her mit einer Schleuder befreit. Die Lokomotive konnte im Bahnhof Oberalp noch umsetzen, sodass die Talfahrt nach Sedrun oder sogar Disentis gesichert sein sollte, sobald die Strecke frisch geräumt ist.

Morgen fährt jedenfalls am Oberalp nichts.

Fazit: Grosses Kompliment an die Krisenorganisation. Ich glaube, besser kann man es nicht machen.

Gruss aus Rümlang, Werner



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.01.18 13:10.
Guete Morge Werner,

ganz lieben Dank für diesen grossartigen Bericht, wie eine Eisenbahn und deren Personal, das eben nicht nur "Dienst nach Vorschrift" macht, mit solch einer Störung umgehen können!

Und das ist es doch, was sich der Kunde wünscht: Ob eine Störung auftritt oder nicht, wodurch auch immer verursacht, ist zweitrangig. Entscheidend ist vielmehr, wie man mit einer solchen umgeht und wie sich der Kunde behandelt fühlt. Eben das ist einer der wenigen Punkte, wo die "Grossen" noch bzw. wieder ganz viel von den "Kleinen" lernen könnten...

Gruass aus Landquart
Max

"Ein Flugzeug besteigen und wenige Stunden später in einer ganz anderen Welt ankommen, ohne dass man Zeit gehabt hätte, einzelne Bilder von der Strecke dazwischen in sich aufzunehmen - das mochte er nicht, und es verstörte ihn.
"Es ist nicht richtig", hatte er zu Florence gesagt.
"Was meinst du: nicht richtig?", hatte sie gereizt gefragt.
Er hatte es nicht erklären können..."

(Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon, 2004)

Der kleine Unterschied...

geschrieben von: Hubert G. Königer

Datum: 04.01.18 11:48

Salü mitenand,

sieht man hier nicht ein wenig den Unterschied zwischen der Schweiz und Deutschland, den Unterschied zwischen Professionalität und Hilflosigkeit? Vielleicht geht es bei der Bündner Staatsbahn auf Grund der Winter-Erfahrungen nochmal besser zu. Andererseits hat mich gewundert, als ich heute früh in Radio DRS hörte, die Gotthard-Bergstrecke Südseite sei zwischen Airolo und Faido wegen Schneefalls gesperrt. Gab es das zu Vor-Basistunnel-Zeiten auch schon mal?

Viele Grüsse,
Hubert.

http://666kb.com/i/d3suyhxde7atexkr4.jpg 07/01/2015 JE SUIS CHARLIE - 13/11/2015 NOUS SOMMES PARIS - 14/07/2016 NOUS SOMMES NICE

Re: Der kleine Unterschied...

geschrieben von: Eisbär

Datum: 04.01.18 12:18

Hubert G. Königer schrieb:
Salü mitenand,

sieht man hier nicht ein wenig den Unterschied zwischen der Schweiz und Deutschland, den Unterschied zwischen Professionalität und Hilflosigkeit? Vielleicht geht es bei der Bündner Staatsbahn auf Grund der Winter-Erfahrungen nochmal besser zu. Andererseits hat mich gewundert, als ich heute früh in Radio DRS hörte, die Gotthard-Bergstrecke Südseite sei zwischen Airolo und Faido wegen Schneefalls gesperrt. Gab es das zu Vor-Basistunnel-Zeiten auch schon mal?

Viele Grüsse,
Hubert.
Hallo Hubert

das Problem bei der heutigen Sperrung zwischen Airolo und Faido lag darin, dass keine Güterzüge mehr die Strecke befahren und es ordentlich Neuschnee gegeben hat. Da heute praktisch nur noch die "leichten" FLIRT Triebzüge die Bergstrecke befahren, konnten die ersten Züge die Strecke nicht vom Schnee befreien. So blieb ein FLIRT heute morgen wegen dem vielen Schnee zwischen Sordo und Faido blockiert und musste abgeschleppt werden, nachdem die grosse Schneemenge vor dem Fahrzeug mit Mannskraft weggeräumt wurde.
Anschliessend wurde dann eine Räumfahrt durchgeführt. Dinge die früher selbstverständlich waren.....

Gruss
Eisbär
Wäre es nicht angebracht gewesen, unter diesen Witterungsumständen eine Schneeräumungskomposition vorauszuschicken )sowohl am Oberalp als auch am Gotthard)?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.01.18 12:55.

Re: Der kleine Unterschied...

geschrieben von: Urs Nötzli

Datum: 04.01.18 13:04

Eisbär schrieb:
Hubert G. Königer schrieb:
Salü mitenand,

sieht man hier nicht ein wenig den Unterschied zwischen der Schweiz und Deutschland, den Unterschied zwischen Professionalität und Hilflosigkeit? Vielleicht geht es bei der Bündner Staatsbahn auf Grund der Winter-Erfahrungen nochmal besser zu. Andererseits hat mich gewundert, als ich heute früh in Radio DRS hörte, die Gotthard-Bergstrecke Südseite sei zwischen Airolo und Faido wegen Schneefalls gesperrt. Gab es das zu Vor-Basistunnel-Zeiten auch schon mal?

Viele Grüsse,
Hubert.
Hallo Hubert

das Problem bei der heutigen Sperrung zwischen Airolo und Faido lag darin, dass keine Güterzüge mehr die Strecke befahren und es ordentlich Neuschnee gegeben hat. Da heute praktisch nur noch die "leichten" FLIRT Triebzüge die Bergstrecke befahren, konnten die ersten Züge die Strecke nicht vom Schnee befreien. So blieb ein FLIRT heute morgen wegen dem vielen Schnee zwischen Sordo und Faido blockiert und musste abgeschleppt werden, nachdem die grosse Schneemenge vor dem Fahrzeug mit Mannskraft weggeräumt wurde.
Anschliessend wurde dann eine Räumfahrt durchgeführt. Dinge die früher selbstverständlich waren.....

Gruss
Eisbär
Bin am 29.12. mit dem Flirt über den Berg. Abgesehen von der ruppigen Fahrart des TILO-Führers (mit viel Schleuder und Gleiten schon in der Ebene ab Bellenz fliel mir auf, dass der Schneeim Gleis bis zu 15 cm über SOK lag, Schläge von Eis unterr dem Fahrzeug (tiefer Boden!) waren bis Airolo alle paar Minuten in grosser Lautstärke zu hören. Da ich im ersten Abteil hinter den Fst. sass, war ich einer der Privilegieren, welche dies mitbekamen. Auf der Nordseite lag der Schnee nur bis SOK und die Fahrt verlief ruhig. Einzig bei der Tunneleinfahrt Airolo sah ich einen schneeschaufelnden SBB-Mitarbeiter. Nach meinem Dafürhalten hätte man auch an diesem Tag räumen müssen.

Klar ist, dass man früher schlauer war und z. B. den TEE-Zügen jeweils ab Zürich bereits Vorspann gab, allenfalls spätestens ab Erstfeld, Gegenrichtung desgleichen ab Bellenz. Dei Re 4/4 I der Pendelzüge wurden notfalls umfahren und nicht vom Steuerwagen aus geführt. All dies weiss man heute scheinbar nicht mehr in den Verwaltungsetagen.

Klar ist, dass bei andauerndem Schneefall selbst das stündliche Fahren der Flirts praktisch nichts bringt. Wie Eisbär schreibt, war früher klar, was zu tun war - egal wie viele Züge fuhren. Notfalls wurde zum Schleudern gesperrt und erst danach wieder freigegeben.

Zudem sei gesagt, dass dies zur Zeit eine Ausnahmeerscheinung ist, weil solche Schneemassen jahrelang kaum mehr bekannt waren und erst in den bieden letzten Jahren wieder vorkamen, Stichwort "Perrondach Airolo"! Am 29. war es allerdings nicht so schneebedeckt wie vor zwei Jahren . . .

Urs

Re: Der kleine Unterschied...

geschrieben von: Florian Ziese

Datum: 04.01.18 14:06

Urs Nötzli schrieb:
Klar ist, dass man früher schlauer war und z. B. den TEE-Zügen jeweils ab Zürich bereits Vorspann gab, allenfalls spätestens ab Erstfeld, Gegenrichtung desgleichen ab Bellenz. Dei Re 4/4 I der Pendelzüge wurden notfalls umfahren und nicht vom Steuerwagen aus geführt. All dies weiss man heute scheinbar nicht mehr in den Verwaltungsetagen.
Nur ist der FLIRT aber eben kein Leichtriebwagen, oder gar ein leichter Steuerwagen, sondern bringt relativ viel Achslast auf das erste Drehgestell. Mit einer Re 4/4 I kann er mithalten. Probleme bekäme er erst bei Schneehöhen, wo man früher nicht mal mehr eine Re 4/4 I auf die Strecke gelassen hätte (gab es das?). Wobei, mit was fuhr man dann, eine Ae 4/7 ist ja auch nicht so viel schneetauglicher als ein FLIRT, erst die Ae 6/6 war dann wirklich besser.
Einziger Vorteil der Loks war noch die meist höhere Anhängelast, damit liessen sich recht kurze Schneeverwehungen durch mehr "Schwung" etwas besser meistern. Müsste man alternativ bei Schnee nur mit FLIRT-Doppeltraktionen fahren, damit der Zug schwerer wird.
Früher fuhren vor allem mehr Züge und das auch die ganze Nacht durch, so dass jeder einzelne Zug nur weniger Schnee wegräumen musste. Und die Strecke war viel bedeutender, da hat man dann einen Schneepflug/-schleuder lieber einmal zu viel über die Strecke gejagt als einmal zuwenig.

Gruss

Florian



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.01.18 14:08.

Re: Der kleine Unterschied...

geschrieben von: Viersieben

Datum: 04.01.18 19:34

Wurde nicht etwa am 27. Dezember eine BoBo über den Berg geschickt? Oder war die hier abgebildete eine Überführungsfahrt: [www.meteosvizzera.admin.ch] ?
Ähnliches, ebenfalls in Airolo, war heute Abend im Fernsehen (Il Quotidiano, RSI LA1) vor ca. einer halben Stunde zu sehen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.01.18 19:34.

Re: Der kleine Unterschied...

geschrieben von: 19haemmerl58

Datum: 06.01.18 15:42

Hallo,
hier ist der gleiche Link in deutscher Sprache: http://www.meteoschweiz.admin.ch

Richtiges Feuer braucht Zeit
LittleJoe4 schrieb:
würden helfen, so wie in den USA auch praktiziert...
Nun, aber am Oberalp sind die Verhältnisse ein wenig anders: Da auf dem Pass die Bahn quer liegt, ist es schon mehrfach vorgekommen, dass ein Zug umgeworfen wurde.
[www.luzernerzeitung.ch]
Ich als Verantwortlicher hätte bei dieser Wetterlage auch gezögert, Passagiere dort rüber zu lassen!
Der Sturm war ja nicht von schlechten Eltern, wie man im Simmental spüren konnte:
[www.luzernerzeitung.ch]

Das Gebiet ist auch noch Lawinengefährdet:
[www.blick.ch]
Sturm und Schneeverfrachtungen schaffen vielfach gute Voraussetzungen, um eine Lawine auszulösen! Nicht auszudenken, wenn gerade ein Zug dort gestanden wäre, mit Passagieren.
Der Oberalp gehört ins Gebiet "B"
[www.slf.ch]

Im warmen Sofa sitzen und kritisieren ist das Eine, und draußen stehen und Verantwortung tragen, das Andere.

Und ob es in den USA noch eine schmalspurige Zahnradbahn gibt, die öffentlicher Verkehr anbietet, ist auch fraglich.
Gruss Leo



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.01.18 11:46.
Mir ist die Gegend durchaus bekannt, ich weiß auch, dass vor Jahren schon einmal ein Zug von einer Lawine erfasst wurde. Und ich kenne in den USA auch eine Schmalspurbahn, die auch im Winter eine Rotary einsetzt, früher das Schmalspurnetz von RIO GRANDE RR und heute Columbres and Toltec RR...Wer nicht nach USA will, es gibt bei [www.greenfrog.com] eine 5 DVD Sammlung unter der Bestellnummer 20097 gefilmt vom legendären Bahnfilmer Emery Gulash, u.a. auch Einsatz der Schneeschleuder...