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 08/02 - Alpenlandforum 

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Bona Sera!

Hier endlich mal wieder gute Nachrichten: An diesem Freitag, dem 22. Dezember konnte endlich der Lückenschluss zwischen Stabio und Varese gefeiert werden. Der Lückenschluss ist grenzüberschreitend und verbindet mit Varese ein weiteres Oberzentrum der Lombardei mit Mendrisio und Lugano im Tessin (über Eck auch mit Chiasso und nicht zuletzt auch mit Como, also quasi im lombardischen Transit durch die Schweiz).

Das bislang fehlende Teilstück auf italienischer Seite ist eine Neubaustrecke, dessen Fertigstellung sich um Jahre verzögert hatte. Wegen des Fundes von natürlichem Arsen im Boden kam der Bau zum Erliegen.
Jahrelang zeigte sich die verlassene, aber abgesperrte Baustelle in jener Melancholie, die man sonst von zahlreichen Bauruinen im mediterranen Raum kennt: Ein Tunnel im Rohbau und Betonpfeiler in der Landschaft für ein Talviadukt, aus denen die Bewehrungsstahlstreben rostend gen Himmel zeigten. Doch es waren tatsächlich in der Hauptsache Sachzwänge, die dieses Bild entstehen lies und ganz so gelassen wie man vielleicht unterstellen wollte, nahmen die Lombarden die Situation nicht hin.

Und jetzt haben sie es geschafft: Die Einweihung mit hohen Vertretern beider Staaten und der Begegnung eines italienischen Triebwagen mit einem der SBB im neuen Bahnhof von Induno Olona konnte noch vor Weihnachten erfolgen.

Der Betriebsstart wird allerdings dennoch erst der 8. Januar 2018 sein.


Wer des italienischen mächtig ist, oder mit dem Googleübersetzer umzugehen weiss:
[www.varesenews.it]

Wer zumindest mit italienischen Bildern umzugehen weiss:
[www.varesenews.it]

Und das ganze nochmals kurz gefasst im Video in (schweizerhoch)deutsch:
[www.srf.ch]


Es ist die dritte Verbindung zwischen der Lombardei und dem Tessin und sie wird durch die bessere Verknüpfung beider ohnehin schon wirtschaftlich starker Regionen sicherlich Erfolg haben.
Ich wünsche es ihr jedenfalls, insbesondere für die Menschen der Region.

Ganz nebenbei ergeben sich auch für die reiselustigen Bahnfans, die es immer wieder in den warmen Süden zieht jetzt neue Möglichkeiten bei der Reiseplanung.

Bon Natale,
Dirk



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:12:23:00:45:24.
Alle haben gezweifelt, ob diese Linie noch in diesem Winter in Betrieb gehen wird.

Ich selbst habe bei einer Reise gestaunt, in welchem Umfang da in dieser italienisch - schweizerischen Grenzregion die Eisenbahn leistungsfähig gemacht wurde und wird.

Es betrifft ja alle 3 grenzüberschreitenden Linien. Von uns deutschsprechenden wird das wenig beachtet. Umso mehr bin ich jeweils erstaunt, wenn selbst in Milano plötzlich Regional-Triebwagen in SBB-Farben bestiegen werden und dann bis weit in die Schweiz gefahren werden kann.

Das gleiche, in noch grösserem Masse, wird sich bald auch in der Genfersee-Region abspielen. Da hört man in diesem Forum auch wenig davon.

Hier wird oft von Niedergang der Bahn in Grenzregionen geschrieben. Hier in der Schweiz wird da kräftig ausgebaut. Gerade auch weil der Strassenverkehr in diesen Regionen zu unhaltbaren Zuständen geführt hat.

Was heisst Lückenschluss? Da ist viel mehr entstanden. Da wurden moderne, leistungsfähige S-Bahnen "neu" gebaut.

Schöne neue Eisenbahnwelt.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:12:23:07:44:15.
Hallo zusammen

weiss jemand, ob diese neue Strecke im grösseren Masse auch für den Güterverkehr genutzt werden wird (insbesondere nach Öffnung des Ceneri Basistunnel)?

Gruss

Jürgen
Ciao Dirk,

siehe Überschrift, das könnte die passende italienische Beschreibung dafür sein. ;) - ma 100% senza garanzia.

Buon natale altrettanto!
Tobias

Du genießt die ruhige samtene Kraftentfaltung, die satte Beschleunigung, das leise Summen begleitet harmonisch den ungebrochenen Drang zur Bewegung. Du lehnst Dich zurück und weißt:

Nichts...bewegt Dich wie eine Drehstromlok !




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:12:23:12:37:46.
Jestetter_Zipfel schrieb:
Hallo zusammen

weiss jemand, ob diese neue Strecke im grösseren Masse auch für den Güterverkehr genutzt werden wird (insbesondere nach Öffnung des Ceneri Basistunnel)?

Gruss

Jürgen
Nein, das ist nicht vorgesehen. Ich glaube es gibt auch kein Platz für Güterzüge inzwischen die viele S-Bahn Stabio/Porto Ceresio-Varese-Gallarate. Aber vielleicht in Zukunft, wer weiss: die Streckenklasse ist D4 mit Gabarit C, also für G auch tauglich...
Im moment ist dies vorschriftlich verboten.
Im Netznutzungsplan 2025 sind auf dieser Strecke keine Güterzugtrassen vorgesehen. Ich weiss jetzt nicht, ob man es sich mit Güterzügen überhaupt traut, die fahrende Transition durchzuführen. Wechsel zwischen Zugsicherung und Stromsystem erfolgt bei voller Fahrt zwischen Stabio und Gaggiolo.

Dass die Infrastruktur von der Streckenklasse her auch für Güterzüge tauglich wäre, ist bei einer NBS jedoch sinnvoll. So hat man sich für die Zukunft nichts verbaut. Man weiss nicht, was in 30 oder 50 Jahren sein wird.

http://abload.de/img/twindexx_175x8079drp.jpg
Einweihung der grenzüberschreitenden S-Bahn zwischen Mendrisio und Varese

Bern, 22.12.2017

Bundespräsidentin Doris Leuthard und der italienische Verkehrsminister Graziano Delrio haben am 22. Dezember 2017 die grenzüberschreitende S-Bahn zwischen Mendrisio und Varese eröffnet. Sie verbessert die Erreichbarkeit und dient dazu, das Südtessin vom Autoverkehr der Grenzgänger zu entlasten. Die neue S-Bahn wird von der binationalen Bahngesellschaft TILO bedient. Der Bahnverkehr bis Varese wird am 7. Januar 2018 aufgenommen, und ab 18. Juni 2018 sind zweistündliche Verbindungen zum Flughafen Malpensa geplant.
Bundespräsidentin Doris Leuthard und Verkehrsminister Graziano Delrio trafen sich am 22. Dezember 2017 in Mendrisio, um gemeinsam mit dem Zug nach Induno Olona (Italien) zu fahren, wo sie die neue italienisch-schweizerische Bahnverbindung einweihten. Diese verbessert die Erreichbarkeit und ermöglicht es, das Südtessin vom Autoverkehr zu entlasten. Mangels attraktiver Bahnverbindung pendelten viele Grenzgänger bisher mit dem Auto ins Tessin. Die Strecke Stabio–Arcisate war vor rund 90 Jahren für kurze Zeit bereits einmal mit der Bahn erschlossen. Es sei daher erfreulich, dass die grenzüberschreitende Strecke nun wieder in Betrieb genommen werden könne, sagte Bundespräsidentin Leuthard an der Eröffnungsfeier: „Das ist ein Zeichen der engen Verbundenheit zwischen der Schweiz und Italien.“

Bundespräsidentin Leuthard und Verkehrsminister Delrio nutzten ihr Treffen auch, um über verschiedene weitere verkehrspolitische Themen zu sprechen. Sie nahmen mit Befriedigung zur Kenntnis, dass die von ihnen 2016 mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung angestossene Förderung der Schifffahrt auf dem Lago die Lugano und dem Lago Maggiore vorankommt. Die italienische Gestione Governativa Navigazione Laghi (GGNL), zu der die Navigazione Lago Maggiore (NLM) gehört, und die schweizerische Società Navigazione del Lago di Lugano (SNL) werden bis Februar 2018 ein Konsortium gründen. Damit kann die SNL künftig unter anderem die Linienschifffahrt auf dem Schweizer Seebecken des Langensees unter der Konzession der NLM betreiben.

Weitere Themen des Treffens waren der Ausbau der Simplon-Eisenbahnachse, die in Bau befindlichen Umlade-Anlagen des kombinierten Verkehrs in Norditalien sowie die längerfristige Infrastrukturplanung. Die Entwicklung der Infrastruktur für den Schienengüterverkehr ist ein zentraler Punkt in den bilateralen Beziehungen zwischen den Verkehrsministerien und trägt zur Umsetzung der Verlagerungspolitik der Schweiz bei.

Die Strecke Stabio–Arcisate ging erstmals am 28. Juni 1926 in Betrieb, wurde am 31. Mai 1928 aber wieder geschlossen. Die italienische Ferrovie Nord Milano (FNM) führten damals Züge zwischen Castellanza (Italien) und Mendrisio, bis die Zollabfertigung an der Grenze vom italienischen Staat geschlossen wurde. Während das Gleis auf italienischer Seite zum grössten Teil abgebaut wurde, blieb die Strecke in der Schweiz als Anschlussgleis in Betrieb. Die neue S-Bahn-Verbindung Mendrisio-Varese wurde gemäss Territorialprinzip finanziert. In der Schweiz entstanden Kosten von rund 160 Millionen Franken, von denen der Bund via den Infrastrukturfonds 67 Millionen übernahm, während der Kanton Tessin den Rest finanzierte. Am 14. Dezember 2014 konnte das Teilstück von Mendrisio nach Stabio als Teil der S-Bahn Tessin in Betrieb genommen werden. Am 7. Januar 2018 wird die Verbindung bis Varese aufgenommen, mit Umsteigemöglichkeiten auf das italienische Bahnnetz. Am 18. Juni 2018 folgen zweistündlich Züge von Como via Mendrisio zum Flughafen Milano Malpensa. In einer gemeinsamen Absichtserklärung des Kantons Tessin und der Region Lombardei ist die Einführung direkter Züge Bellinzona–Lugano–Varese–Malpensa ohne Umsteigen in Mendrisio vorgesehen, sobald die betrieblichen Voraussetzungen in Italien es zulassen. Damit wird der Flughafen Malpensa im Stundentakt an die Schweiz angebunden.

Adresse für Rückfragen
presse@bav.admin.ch

Soweit die Pressemitteilung.


Mit nun mehrjähriger Verspätung kommt die grenzüberschreitende Strecke nun in zwei Wochen in Teilbetrieb! Gleichzeitig soll auch die seit langem eingestellte Strecke vom Luganersee/Ceresio von Ponte Ceresio nach Varese und weiter nach Milano Porta Garibaldi wieder in Betrieb gehen.

Urs
Urs Nötzli schrieb:
Einweihung der grenzüberschreitenden S-Bahn zwischen Mendrisio und Varese

Bern, 22.12.2017

...

Die Strecke Stabio–Arcisate ging erstmals am 28. Juni 1926 in Betrieb, wurde am 31. Mai 1928 aber wieder geschlossen. Die italienische Ferrovie Nord Milano (FNM) führten damals Züge zwischen Castellanza (Italien) und Mendrisio, bis die Zollabfertigung an der Grenze vom italienischen Staat geschlossen wurde. Während das Gleis auf italienischer Seite zum grössten Teil abgebaut wurde, blieb die Strecke in der Schweiz als Anschlussgleis in Betrieb.
...

Adresse für Rückfragen
presse@bav.admin.ch

Soweit die Pressemitteilung.
Da war jemand vom Bundesamt für Verkehr nicht nur im winterlichen, sondern auch im historischen Nebel etwas hilflos.
Weil Stabio - Arcisate ein kompletter Neubau ist, gab es auch den grossen Zeitverlust wegen der unerwarteten Menge von natürlichem Arsen im Erdreich, für das man erst noch eine Entsorgung organisieren musste.

Hier der Ausschnitt aus der damaligen Dufour-Karte:
http://666kb.com/i/dpig3wy2caa47j1vy.png
(Nebenbei: Mit etwas scharfem Auge kann man auch die zu jener Zeit noch bestehenden Trambahnen (Como) - Chiasso - Mendrisio - Riva San Vitale sowie jene in Viggiù (IT) erkennen.)


Gruss

Johannes
Hallo zusammen,
nebenbei bemerkt: es gab auch noch eine weitere Bahnverbindung zwischen einem Grenzbahnhof zur Schweiz und Italien in unmittelbarer Nähe: Die Linie von Ponte Tresa nach Ghirla (IT), diese Strecke war sogar elektrifiziert.
Viele Grüße