DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 08/02 - Alpenlandforum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!
Hier sind alle Beiträge zu schweizer und österreichischen Themen willkommen.
Bitte unbedingt vor Benutzung des Forums die Ausführungsbestimmungen durchlesen!
Für bessere Übersicht: Bitte Länderkennzeichen nach ISO 3166 Alpha-2 in [eckigen Klammern] verwenden! Bei der Suche nach Ländern nur vordere Klammer verwenden, z.B. "[NO" als Suchbegriff.

[CH][SH] Die neue S 16 für Schaffhausen

geschrieben von: Ernani

Datum: 11.12.06 00:58

Tages-Anzeiger vom 11.12.2006

Die neue S 16 für Schaffhausen

http://tagi.ch/images/dynamic/news/artikel/291484.jpg
Schaffhausens Regierungspräsident Hans-Peter Lenherr und Regierungsrätin Rita Fuhrer.

Dank der verlängerten S 16 ist Schaffhausen nun direkt mit dem Flughafen verbunden. Die Pendler schätzen den Komfort, der Kanton erhofft sich neue wirtschaftliche Impulse.

Von René Staubli

Schaffhausen/Zürich. - Der Kanton Schaffhausen zählt 35 000 Beschäftigte. Rund 7000 pendeln täglich Richtung Zürich zur Arbeit, ungefähr hälftig mit dem Auto und mit dem Zug. Die SBB transportieren pro Jahr 2,4 Millionen Passagiere auf der Hauptstrecke von Schaffhausen via Bülach nach Zürich. Und weitere 1,2 Millionen via Andelfingen nach Winterthur. So weit, so bequem. Allerdings mussten die Schaffhauser, wenn sie ins Ausland fliegen wollten, auf dem Weg nach Kloten stets umsteigen, entweder in Zürich, Winterthur oder Bülach, was umständlich war. Jene, die abgekämpft von einer Flugreise zurückkehrten, griffen mangels direkter Zugsverbindung zuweilen tief ins Portemonnaie und leisteten sich für über 100 Franken eine Taxifahrt nach Hause.

Damit ist nun Schluss: Seit heute Montag verfügt Schaffhausen über einen direkten Bahnanschluss nach Kloten. Die S 16 fährt jede Stunde von Thayngen via Schaffhausen, Andelfingen, Winterthur und Effretikon zum Flughafen. Von dort geht es via Zürich-Oerlikon, Hauptbahnhof und Stadelhofen bis nach Meilen am Zürichsee weiter. Am Sonntag absolvierte eine 200-köpfige Schaffhauser Delegation aus Politik und Wirtschaft in einem Extrazug die Jungfernfahrt zum Flughafen, wo die Zürcher Regierungsrätin Rita Fuhrer (SVP) und Flughafenchef Josef Felder die Gäste zum Brunch im Eventdock erwarteten. Schaffhausens Regierungspräsident Hans-Peter Lenherr (FDP) bezeichnete in seiner Festrede die Verlängerung der S 16 als «wichtigen Meilenstein» in der Geschichte seines Kantons. Der guten Laune tat es keinen Abbruch, dass man mit einer «alte Büx» angereist war, wie ein Fahrgast spöttelte: Mindestens zwei Jahre lang werden noch die betagten «Mirage»-Kompositionen den Liniendienst versehen.

S 16 befriedigt viele Bedürfnisse

Dennoch stiftet das neue Angebot breiten Nutzen. Im Extrazug erzählt eine junge Schaffhauserin, sie absolviere in einer Krippe eine Lehre als Kleinkinderzieherin. Weil es in ihrem Kanton an Ausbildungsplätzen mangle, habe sie eine Stelle in Erlenbach am Zürichsee angetreten. Unter der Woche wohne sie dort. Nun freue sie sich, mit ihrem Gepäck am Freitagabend ohne Umsteigen in eineinviertel Stunden nach Hause zu kommen.

Die kantonale Wirtschaftsförderung wiederum erhofft sich die Ansiedlung neuer Firmen in der Region. Ihr Sprecher Thomas Moser sagt, man preise Schaffhausen im Ausland als «Stadt mit eigenem Flughafen» im Herzen Europas an. Besonders US-Unternehmen staunten immer wieder über die verkehrsgünstige Lage. Die S 16 sei ein weiteres gutes Argument.

Weil eine direkte Zugsverbindung bislang fehlte, mussten Geschäftsleute am Flughafen den teuren Limousinenservice in Anspruch nehmen. Ab heute können sie sich in den Zug setzen und innert 43 Minuten Schaffhausen erreichen, respektive in 53 Minuten Thayngen, wo etwa die Firma Unilever ihren Schweizer Hauptsitz hat. Laut Moser wohnen viele Unilever-Mitarbeiter im Raum Zürich. Etliche dürften künftig die S 16 benützen. Insgesamt pendeln derzeit täglich 3278 Beschäftigte aus der Region Zürich zu einem Arbeitsplatz im Kanton Schaffhausen.

Dort haben sich seit 1998 rund 200 neue Firmen angesiedelt, darunter international bekannte Unternehmen wie Timberland, John Deere, Accenture oder Tyco. Rund 1000 neue Arbeitsplätze konnten so geschaffen werden, was der ehemaligen Industriestadt Schaffhausen den Strukturwandel erleichterte. Diese Firmen liefern laut Moser jährlich rund 40 Millionen Franken Steuern ab. Für die Schaffhauser Wirtschaftsförderer ist die Eröffnung der S 16 zwar «ein bedeutender Schritt», letztlich aber nur ein wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zur Realisierung des Halbstunden-Fahrplantakts nach Zürich. Daran könne man aus finanziellen Gründen «frühestens im Jahr 2015 denken», dämpfte Rita Fuhrer allzu hohe Erwartungen.

Unique-Chef Josef Felder nutzte derweil die Gelegenheit, die Werbetrommel für den Flughafen zu rühren. Gemäss Fluglärm-Index seien nur 27 Schaffhauser von übermässigen Immissionen betroffen, 316 arbeiteten auf dem Flughafen und 211 990 seien letztes Jahr geflogen.

Bello è affrontar la morte
Gridando libertà!
Amor di patria impavido
Mieta i sanguigni allori,
Poi terga i bei sudori
E i pianti la pietà.

Vincenzo Bellini, "I Puritani"