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[CH] Körbligen - historische Feldbahn gelb/weiss

geschrieben von: diema2054

Datum: 26.07.26 21:44

Meist sind museale Feldbahnzüge (natürlich auch in Körbligen) mit klassischen Kipploren unterwegs. Etwas weniger beachtet und nur selten im Einsatz wurden aber auch zwei "moderne" Kastenkippwagen zur musealen Verwendung abgestellt. Beide Wagen wurden für die 1989 durchgeführte Umspurung gebraucht aus Belgien vom Hersteller SPY für die auf 60cm umgespurte Feldbahn angeschafft. Vom gelben Wagen konnten damals 9 Wagen gekauft werden - 1 Wagen zuwenig für die ursprünglich angedachte Bildung von zwei Zugstämmen welche abwechselnd mit einer Lokomotive von der Grube zur Ziegelei gefahren worden wären. (analog zu den zwei Zugstämmen aus 13 Kipploren). Als Notlösung spendierte SPY dann noch ein 4-achsiges Einzelstück dazu. Nun es kam anders als geplant als man merkte, dass die Beladung der "neuen" Wagen viel schneller als zu Zeiten der Kipploren von statten ging und vom Lokführer mit Baggerausbildung selbst erledigt werden konnte. So wurden zuerst 4 der gelben ungebremsten Wagen mit der ebenfalls gebraucht beschafften DFL60/1.1 als Zug eingesetzt. Nach der Ankunft 1990 von der fabrikneuen Lok "Titanus" welche auch eine für Feldbahnen ungewöhnliche Schienenbremse besitzt, konnte der Zug dann auf 6 Wagen ergänzt werden. Der Verbleib der überzähligen 3 Wagen ist unklar. Das besondere 4-achsige Einzelstück blieb, obwohl nie im regulären Einsatz aber auch museal erhalten.
Da aktuell gerade zwei Diema Lokomotiven in gelb und weiss in Körbligen weilen, gab es mit den ebenfalls in gelb und weiss erhaltenen Wagen die Gelegenheit mal einen farblich bunten Zug in gelb/weiss zu bilden.

Grüsse Heinz
ein paar Bildchen mehr auch am Ende unter [www.bebrail.ch]

CH-Koerbligen_20260725-B022ak.jpg
Moin,
Was heisst denn "SPY"? - "Stevens Poperinge Ypern" ?
(Stevens Gebroeders S.P.Y. aus Ieper (Ypern) und Poperinge)

Die sind ja inzwischen mit "Stevens Punch" (Umformtechnik?) und "Stevens Farming ..." eher im Landmaschinenbau unterwegs.

Vielleicht in Belgien oder Frankreich - Gab es deren Kastenkipper noch bei anderen Betrieben? Erinnern mich irgendwie entfernt an die Diema-Hydraulikkipper (z.T. als Triebwagen)
Cheerz

Der Unglaeubige Thomas

Re: [CH] Körbligen - historische Feldbahn gelb/weiss

geschrieben von: diema2054

Datum: 31.07.26 14:23

Salü Thomas

genau so ist es wie Du vermutet hast.
Das Interessante ist, dass die SPY Wagen eigentlich wirtschaftlicher konstruiert waren als die Mühlhäuserwagen welche als Ersatz beschafft wurden.
SPY: 5m3 Inhalt bei Tara 2,2t Selbstentlader mit hydr. Zylinder jedoch ohne Bremsen
Mühlhäuser: 6m3 bei Tara 4,0t Fremdentlader mit Bremsen.
Die SPY Wagen waren mit Hohlprofilen verrippt mit eher dünnen Blechen konstruiert, die rippenlosen Mühlhäuser erreichen die Festigkeit nur über die Blechdicke.

ZZ in der Bözenegg hat ihre frühen (Mühlhäuser) Kastenkipper später noch mit einem Kragen erhöht. Sowas wäre theoretisch auch bei den SPY Wagen möglich gewesen.


Grüsse Heinz
CH-Koerbligen_20260509-023aaa.jpg



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 31.07.26 20:04.
Salü retour !
diema2054 Wrote:
[.....] SPY: 5m3 Inhalt bei Tara 2,2t Selbstentlader mit hydr. Zylinder jedoch ohne Bremsen
Mühlhäuser: 6m3 bei Tara 4,0t Fremdentlader mit Bremsen.
Die SPY Wagen waren mit Hohlprofilen verrippt mit eher dünnen Blechen konstruiert, die rippenlosen Mühlhäuser erreichen die Festigkeit nur über die Blechdicke. [....]
Danke - Das bezieht sich jetzt aber auf die Wagen in Körbligen?
MH hatte durchaus auch mit aussenliegenden Waffeleisen-Rastern aus Hohlprofilen oder mit mit aussen gerippten Klappen gearbeitet. Eher nicht bei den extern gekippten Granby- und Granby-ähnlichen Typen (u.a. Typ "Dradenau") mit hubseitiger Klappen-Zugstange und kippseitigem Kippscharnier wie eben auch neu in Körbligen.

Innen will man bei derlei Wagen ja möglichst glatte Flächen zum Wegrutschen und/oder Ausfliessen des Ladegutes.
Die Selbstentlader ESG 4/600/1000 für ZEAG Lauffen (600 mm, Aussenrahmen) und Teutonia Misburg (1000 mm, innenrahmen) als m.E. typische Vertreter mit kippseitigen Klappen-Steuerstangen, Abrollkulisse und Kippscharnieren hubseitig besassen hubseitig vertikale U-Profile auf der Kastenwand, an welche die unten liegenden Entriegelungs-,Hub- und Rückstellgelenk-Scheren angelenkt waren / sind. Ähnlich die ESG 2/600 in Saalfelden, alles glatt.

Auch diese geilen Geschosse MH-Typ "Furka" für 750 mm Spurweite auf Drehgestellen, 10 m³ Fassungsvermögen, 4,5 t Eigenmasse. Analog der ähnliche MH-Typ "Grimsel" 10 m³ auf nur 2 Losradachsen 5,1 t Eigenmasse auch für 750 mm; wird beides als "Gesamtgewicht" statt "Tara" oder "Leermasse" beschrieben (was bei 10 m³ Ladung allenfalls bei Bimsstein hinkäme; wo waren die Dinger eigentlich nach deren Baustellen-Ende verblieben? 750 mm wirken für mich "Outsider" beim Furkatunnel etwas seltsam ...).

Vgl. ex-Hürlimann mit ebenfalls kippseitiger Steuerstange für die Klappe, kurze Profile hubseitig, sonst glatte Wand, Kippscharnier beim Kippen zunächst hubseitig [bebrail.ch] . Die Klappen jedoch waren dort wie bei vielen anderen Typen auch eng gerastert mit aussen liegenden U-Profilen versteift. Oder es gibt welche wie beim Typ TML (Channel Tunnel 900 mm => Werksüberholung => Vereina 1000 mm => ??) längs mit trapezähnlichen Hohlprofilen an der Klappe versteift.

Es gibt da wohl nix was es nicht gibt. Belastungen durch Ladegut und Belademechanik dürften ausschlaggebend sein. Der "Niederflur-E-Wagen Typ "Rotakipp" von MH hat die Profile INNEN. Bei Kreiselkipp-Entladung - geht also auch. Anwendungen bei "klebendem" Ladegut kenne ich jedoch nicht; bei Ladegut Lehm hätte ich allerdings Vorbehalte. Der gesamte selbsttragende Wagenkasten stellt eigentlich ansonsten eine Art nach oben offenes "dickwandiges U-Profil" dar. Bei 5 m³ Eigenmasse Tara 2,4 t, Langversion bei 9 m³ Tara 2,7 t (!); Lenker-geführte gefederte Losradpaare ... und Variationen. Die Laufwerke hätte man - für engere Radien - vtl. weder durch EEF noch Drehgestelle ersetzen können.

Ich vermute mal ins Blaue hinein, dass vor/bei der Umstellung in Körbligen von SPY auf MH auch ein Betrieb mit "Rotakipp" und Kreiselkipper-Entladung (bergmännisch "Wippe") im gekuppelten Zugverband diskutiert, aber verworfen wurde (Achslasten, Achsstände, Kurvengängigkeit, teure Peripherie & Bauhöhe mit Ausschachtung oder erfdl. Zufahrtsrampe bei einer Kreiselkipp-Entladung ...?).

Aber zurück zu SPY: Kann es sein, dass die auch oder vornehmlich nach Frankreich geliefert hatten? Leider existiert auf deren Websites keine diesbezügliche Referenzliste (mehr?). Zukauf, Hersteller evtl. Diema, Unkel&Meyer, Mühlhäuser, o.ä. ? Grund der Frage: Meine handschriftliche Skizze zur Kipp- und Klappenmechanik der Wagen von Vicat, Grenoble 1989 deutet zwar darauf hin, aber da war ich nach Ausmessen der 800-mm-Spurweite unter den kritischen Blicken der Belegschaft offenbar nicht recht bei der Sache, vielleicht habe ich schlicht nur "Granby hydraulique" fehlinterpretiert. Obendrein anscheinend alles "Stand der Technik", konnte also von jedem gebaut worden sein.

Der Unglaeubige Thomas




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.08.26 16:59.

Re: [CH] Körbligen - historische Feldbahn gelb/weiss

geschrieben von: diema2054

Datum: 03.08.26 16:29

Salü Thomas

Danke für deine Ausführungen. Über SPY habe ich leider auch keine weiteren Informationen. Ich denke es ist/war eine Firma im Bereich Traktoren/Landwirtschaft die einfach mal in einem benachbarten Marktgebiet tätig wurde. Vergleichbar mit Schöma die umgekehrt ja mal ein Abenteuer in der Landwirtschaft gemacht hat.
Die Wagen und Lok waren aber reine (sehr günstige) Occasions-Gelegenheitskäufe aus Belgien immerhin ca. 4 Jahre vor der Umspurung auf 60cm. Wahrscheinlich in einer Ziegler-Zeitschrift angeboten. Die Ziegelei Wiest bei Ulm hat sich von der selben Quelle "bedient" (Lok und 2 SPY Wagen) und das Material sogleich noch 1985 in Betrieb genommen. Das hatte den Vorteil dass Hr.Schumacher 1985 das Material da im Einsatz mal besichtigen konnte und als brauchbar auch für seinen Betrieb einstufte. Da gab es sicher keine Vorstudien und morphologische Kästen mit Kreuzchen zur Produkteauswahl ;-)
Das Bild hier hat Hr. Schumacher 1985 bei eben diesem Besuch gemacht. Da gab es übrigens auch noch einen zweiten Zug mit Diema Kastenkipper die sich von den SPY Wagen aber deutlich unterschieden.

Die Ironie der Geschichte ist, dass Wiest begann ab etwa 1989 seine Bahn auf LKW umzustellten, während im gleichen Jahr in Körbligen die "neue" Bahn mit dem selben Material mit einem Volksfest mit Dampfzug feierlich eingeweiht wurde. Das Problem beim Kauf 1985 mit dem fehlenden 10ten Wagen für ein angedachtes 2 Zugstammkonzept hätte sich ab 1989 mit einem SPY Wagen von Wiest leicht lösen lassen - aber wie erwähnt, änderte zwischenzeitlich das Einsatzkonzept auf einen Zug mit Lok. Im Gegensatz zu Wiest wurden aber Lok und Wagen bei der Ziegelei Schumacher vorgängig noch gründlich revidiert.
Aber Dank dieser Besonderheit der Geschichte kam man in Körbligen zu einem eher seltenen 4-achsigen Kastenkipper, wenn auch nie im Einsatz eine Besonderheit im Museum.


Beiliegend Bild und Text von meiner Webseite (Körbligen Teil 3) [www.bebrail.ch]

Grüsse Heinz


z-1985_000a.jpg

Zeitgleich mit der Ziegelei Schumacher erwarb 1985 von derselben Quelle in Belgien (Ziegelei "Steenbakkerijen van Biervliet", Zonnebeke) das südlich von Ulm gelegene Ziegelwerk Wiest in Bellenberg die Schwesterlokomotive Diema DFL60/1.1 Fabrik-Nr. 2804 und 2 identische Kastenkippwagen von Stevens Gebroeders Poperinge Ypern S.P.Y. (Belgien). Während der Zug in Bellenberg noch im gleichen Jahr in Betrieb ging, mussten sich die Fahrzeuge bei der Ziegelei Schumacher noch bis zur Umspurung der Bahn im Jahr 1989 gedulden. So konnte Herr Schumacher bereits 1985 seine Zukunft besuchen. Dabei entstand auch das Bild in Bellenberg. Allerdings meinte es das Schicksal mit den Fahrzeugen in Körbligen weitaus besser. 1989 als die auf 600mm umgespurte Bahn der Ziegelei Schumacher mit Feierlichkeiten in Betrieb gehen konnte, wurde die Bahn der Ziegelwerke Wiest zur nahen Grube bereits grösstenteils durch Lastwagen ersetzt und zu Beginn der 90er Jahre komplett stillgelegt.
Danke für den Link
- ich sehe, dass der gelbe 2x und der weisse 4x SPY-Einseiten-Kipper zueinander verkehrt herum gekuppelt sind; der gelbe Zweiachser kippt in Fahrtrichtung (Lok vorn angenommen) nach rechts, der weisse Vierachser nach links. Absicht?
OK, dann konzentriert sich die Quelle auf die Firma "Steenbakkerijen van Biervliet", Zonnebeke, BE als Primärkunden von SPY - im Falle dieser Kipper. Patentsuche eben: Negativ. Nur Kühlanlagen.

Ich habe also einige Bücher von A.Christopher wie "Die Feldbahn, Band 4" (Gifhorn, Zeunert 1995) durchgeschaut und bin auf Seite 102 oben zu Wiest, Bellenberg, fündig geworden. Und, hallo, dort sind 2 Züge am 08.05.1989 abgebildet, der vordere mit Diema 2804 und den beiden SPY-Kippern, der hintere mit Diema 2600 und je einem SPY- und einem Diema-Hydraulikkipper im selben Zug. Also hatte Wiest, Bellenberg 3 Kipper von SPY; vielleicht deshalb das "Guetzle" in Form des Vierachsers an ZSK? Jedenfalls fällt mir das auch erst jetzt auf: SPY und Diema unterscheiden sich doch krass voneinander.
[bahn-express.de] (OK, SPY zweiachsig, oder?)
[ssdw.de] (Bahn-Express 5/1982, Titelbild und S.28/29 : früherer Zustand mit alten Kippern, ungünstige Streckenführung ersichtlich)
Schade jedenfalls um den 600-mm-Betrieb Wiest in Bellenberg.
Von den Kippern in Börgermoor (alt) her konnte ich es nicht klar erkennen. Neu: auch MH [www.youtube.com] , aber hier OT

Zu diversen MH-Kippwagen (1x Granby-Version MH, 1x "TML", 1x "Sölk") sind bemasste Skizzen im selben Buch auf S. 10 - 12.
Im Vergleich erkennt man u.a. das abkippseitige (abwurfseitige) Kippscharnier des Kastens beim "Granby" (stabiles Gleichgewicht im Ruhezustand, externe Kraft oder Hydr.Zylinder zum Kippen) und das hubseitig verlagerte Kippscharnier der beiden anderen Wagen fürs Schwerkraft-Selbstkippen nach Entriegeln (dann Übergewicht). Kippseitige Klappe schwingt jeweils hoch.
Ansonsten: Sorry fürs Texten, ich darf die Datenblätter ja nicht ins Netz stellen. Ich hätte vielleicht schreiben sollen: "MH produziert auftragsspezifische Konstruktionen" - und sonst nix. Wäre Feuilleton und Suppe ohne Salz gewesen, finde ich.
Doch - Mist, habbich verpennt - ich hätte gleich auf user "achristo"'s Buch verweisen sollen. Tut mir leid.
Cheerz

Der Unglaeubige Thomas

Re: [CH] Körbligen - historische Feldbahn gelb/weiss

geschrieben von: diema2054

Datum: 04.08.26 22:24

Salü Thomas

besten Dank für die interessanten Links. Als nur Wagenhersteller blieb SPY offenbar immer etwas unter dem Radar der Feldbahnspezialisten. Bis auf das kleinere Transportvolumen waren die 1978 gebauten und von 1989- 2016 in Körbligen eingesetzten Wagen aber mit einer Einsatzzeit von insgesamt ca. 35 Jahren doch sehr gute Konstruktionen.
Dein Auge hat Dich nicht getäuscht, dass der SPY Wagen in Körbligen heute verkehrt rum eingereiht ist. Der Grund war einfach, das Abstellgleis neben dem Depot für die beiden Wagen stösst direkt an eine schmale (interne) Zufahrtsstrasse an. Das vorstehende Sicherungsblech wäre eine Gefahr für da vorbeifahrende Autos. Statt die Stolper- und Kratzfalle abzuschneiden drehte man den Wagen einfach um. Übrigens der weisse "Bonus" Wagen hatte nie ein solches Blech da in Körbligen nie im Einsatz. Er bekam mal stirnseitig eine Türe eingebaut um als Stehwagen für Personentransport zu dienen. So aber nur kurz im Einsatz bevor die beiden grossen Personenwagen ex Rekingen in Betrieb gingen.

Grüsse Heinz

P.S. der BEB Ausflug nach Körbligen ist am 3.8. nach gut 3 Monaten zu Ende gegangen [www.bebrail.ch]
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