Moin und willkommen zum dritten Teil der Radtour entlang der Schweizer Schmalspur. In drei Tagen geht es in diesem Teil von Münster bis Täsch und zurück und anschließend noch kurz zur DFB und nach Hospental. Viel Spaß!
Mittwoch, 25. Juni 2025:
Aus Münster geht es heute entlang der MGB das Goms hinab nach Visp und dann hinauf ins Mattertal bis St. Niklaus. Besonders die bald abgängigen Deh-Umläufe stehen dabei noch einmal im Fokus.
Das Hotel Landhaus machte zwar etwas auf schick, aber es war auch wirklich ein angenehmer Aufenthalt hier und als Last-Minute-Bucher war der Preis von 81€ inklusive Frühstück für das Einzelzimmer unschlagbar gewesen. Allein das Frühstück wäre schon 20CHF Wert gewesen und obwohl das Buffet erst um 7.30 Uhr öffnet, ließ ich mir untypisch viel Zeit, mischte noch einen Obst-Joghurt, nahm eine Scheibe frisches Brot mehr als sonst und zog einen Extra-Kaffee aus der Maschine. Kurz nach acht vebrachte ich das Auto vom Hotelparkplatz runter zum Bahnhofsparkplatz und drehte an der digitalen Parkuhr in der App bis morgen Abend, packte wieder alles Nötige ans Rad und ließ das Auto zurück. Einen kleinen Pflegeservice hatte ich gestern Abend noch durchgeführt - der Vorteil, wenn man doch alle paar Tage am Auto vorbeikommt.
Am Bahnübergang vor dem Bahnhof Münster wartete ich für das erste Bild des Tages. Es kam, wenig spektakulär, ein einzelner Orion von hinten mit Markise runter. Naja, muss man nicht zeigen. Mehr von Interesse war da schon, dass mir beim Blick in die Oberrohrtasche das Fehlen des Lightning-Kabels an der Powerbank auffiel. Die bringt einem nicht viel, wenn man sie mangels passendem Kabel nicht mit dem iPhone verbunden bekommt. Nach kurzer Suche stand fest: Das Kabel muss noch im Hotel liegen. Ich schaute also nochmal im Zimmer vorbei und wurde fündig. Jetzt konnte es dann richtig losgehen, erstmal ein paar Stellen Richtung Oberwald, dann das Tal hinunter über Brig nach Visp. Einen obligatorischen Verpflegungsstopp gab es am Volg von Ulrichen an der Zufahrt zum Nufenenpass.
Eine erste Aufnahme der bald wohl abgängigen Pendelzüge kurz unterhalb Oberwald. Deh 4/4 II 96 schiebt seine fünf Wagen das Tal hinunter Richtung Brig. Die ab 1979 für die FO gebauten Deh 4/4 II 91-96 sind nicht so viel jünger als die rundlichen Deh 4/4 I der ehemaligen FO und BVZ von 1972 und 1975 und dürften mit der nächsten Orion-Welle wohl mindestens teilweise verdrängt werden.
Die Radroute zwischen Münster und Oberwald führt komplett auf der Südostseite auf einer nur für Berechtigte freigegebenen, kleinen Asphaltstraße entlang. Entsprechend viele Rennrad- und Tourenfahrer waren hier unterwegs. Am Morgen und Vormittag bietet sich das Sträßchen natürlich perfekt für Aufnahmen an. Nachdem ich bis kurz vor Oberwald hinaufgerollt war, ließ ich mich den restlichen Vormittag die Strecke wieder hinunterrollen.
Der Komet 2021 mit einem zweiteiligen Niederflursteuerwagen im Schlepptau bei Obergesteln Richtung Furkatunnel.
Eine ganze Zeit lang verbrachte ich im Baumschatten bei Ulrichen und wartete nach einem Glacier Richtung St. Moritz auch den nächsten Regio Richtung Andermatt ab. Der brachte mit 93 wie erhofft noch einmal einen Deh 4/4 II. Meist hatte ich mich in den letzten zehn Jahren doch auf die Deh 4/4 I der BVZ konzentriert. Die für ihre Zeit so charakteristischen Deh 4/4 II waren dabei etwas vernachlässigt worden und standen daher heute noch einmal mit ein, zwei schönen Aufnahmen auf dem Zettel.
Kurz vor Münster wechselt die Veloroute auf die Südseite der Rhone. Von hier an geht es auf Schotter weiter und zwischen meiner Route und der Bahn liegt immer der Fluss. Schon auf Höhe von Münster ergab sich dabei ein schöner Durchblick, den ich für einen Glacier Richtung St. Moritz nutzte.
Nachdem man sich im oberen Teil der Strecke die Straße noch mit Rennrädern teilte, ging es nun auf mein Terrain: Eine herrliche Gravel-Strecke entlang der Rhone am Talgrund abseits von Asphalt. Selbst ein Gravel-Bike konnte ich hier hinter mir lassen, da konnte ich den Cross King auf den Felgen voll ausspielen. Technisch anspruchsvoll war es derweil aber nicht. Auch vereinzelte Tourenradler waren hier noch ohne Probleme unterwegs, nur eben etwas langsamer.
Zwischen Biel und Blitzingen muss die Rhone in letzter Zeit bei einem Unwetter ihren Lauf etwas geändert haben, oder zumindest einiges an Bäumen mitgerissen haben, denn es ergab sich von der Schotterpiste ein schöner Durchblick über das breite Flussbett auf die Strecke, den ich so noch nirgends gesehen hatte. Gleich eine knappe Stunde wartete ich hier einige Züge ab, denn anschließend wäre eh erstmal böses Hochlicht und ich rechnete entlang meiner geplanten Route auch nicht mehr mit vielen Motiven.
Überraschend kam eine HGe 4/4 II zwischen Biel und Blitzingen mit einem kurzen Dienstzug Richtung Visp durch.
Ein Deh 4/4 II an derselben Stelle Richtung Andermatt.
Wenig später der Gegenzug, ebenfalls mit Deh 4/4 II, Richtung Brig.
Die Veloroute am Gegenhang ist hier wirklich wunderschön, mal auf Schotterpiste, mal auf dem Sträßchen, das die kleinen Örtchen Steinhang, Mühlbach und Ernen am Talhang verbindet. Einen letzten schönen Durchblick hat es zwischen Mühlbach und Ernen auf die Strecke zwischen Fürgangen-Bellwald und Niederwald. Die an diesem Abschnitt sonst so präsente Kantonsstrasse 19, die Furkastrasse, fällt aus den weiten Landschaftsperspektiven gar nicht auf.
Ein Glacier Express Richtung Zermatt mit HGe 4/4 II 104 zwischen Niederwald und Fürgangen Bellwald.
Hat schon ein bisschen was von Modellbahn, wie die Züge hier am Gegenhang entlangkriechen.
Wenig später in Gegenrichtung der stündliche Regio mit Deh 4/4 II.
In Ernen galt es anschließend eine Entscheidung zu treffen: Von hier die Abfahrt auf der Straße nehmen und entlang der Bahn nach Brig hinabrollen, oder auf dieser Talseite bleiben und zunächst abseits der Bahn einen großen Schlenker auf der Binntalstrasse und anschließend über einen in Ausserbinn abzweigenden, die Schlucht querenden Römerpfad, hinüber zum kleinen Dorf Bächerhyschere und weiter nach Grengiols gelangen, wo auf dieser Talseite wieder eine kleine Straße beginnt. Ersteres wäre deutlich schneller und energiesparender, allerdings auch wirklich kein schöner Weg zum Radfahren auf der vielbefahrenen Furkastrasse. Ich entschied mich also für die zweite Variante, bei der ich erst in Mörel auf die Furkastrasse treffen würde. Zunächst versorgte ich mich aber noch beim Volg in Ernen, denn diese Streckenvariante würde so schnell keine Versorgungsmöglichkeit mehr aufweisen. Die "interessanten" Öffnungszeiten zwangen mich noch zu einer Viertelstunde Pause am Dorfplatz vor dem Volg, aber es fand sich ein schattiges Plätzchen, an dem ich die Pause gern hinnahm.
Mittagspause am Volg von Ernen. Warum die Viertelstunde Verspätung am Sonntagmorgen?
Die anschließende Fahrt in der Mittagshitze war durchaus schweißtreibend, die Wahl der Route aber genau richtig gewesen. Jetzt im Hochlicht hätte ich auch an der Bahnstrecke nicht viel anzufangen gewusst. Nachdem es in Ausserbirn von dem kleinen Asphaltsträßchen abging, wurde es ein richtig schöner Offroad-Trail. Fragwürdig, dass diese Strecke auch als normale Velo-, nicht nur als MTB-Route beschildert ist. Eine Alternative gibt es allerdings auch nicht wirklich. Nur dieser und ein weiterer Pfad führen hier über die Binnschlucht, eine Straßenverbindung gibt es nicht. Zwei schweren E-Bikes machte die schmale geröllige Abfahrt hinab zur Römerbrücke über die Binn jedenfalls ordentlich zu schaffen. Gute Entscheidung, dass die beiden abstiegen und schoben, was bergab, ohne Offroad-Bereifung, mit so einem Koloss auf gerölligem Untergrund aber auch kein großer Spaß ist. Mit dem griffigen Conti Cross King und auf dem Fully war es selbst mit meiner höchstens mittelmäßigen Fahrtechnik aber ein leichtes, den Serpentinenweg hinabzukommen. Da hatte man schon wilderes gesehen.
Auf einem steilen Pfad geht es hinab in die Binnschlucht. Eine alte Römerbrücke erlaubt hier für Wanderer und geländegängige Radfahrer die Querung.
Ich legte eine kurze Pause ein und genoss das sommerliche, aber erfrischende Klima in der Schlucht.
Blick hinab in die Schlucht von der Römerbrücke.
Was es eben in die Schlucht hinabgegangen war - nur die letzten Höhenmeter werden einem durch die Brücke erspart - ging es jetzt wieder hinauf. Zum Glück größtenteils auf Waldboden, sodass ich mich ohne Traktionsprobleme im niedrigen Gang den Hang hinaufkämpfen konnte. Oben gelangt man vor Grengiols schon bald wieder auf ein Asphaltsträßchen. Ich folgte weiter der kleinen Straße auf dieser Talseite, die kontinuierlich, mit nur wenigen Serpentinen hinab Richtung Talgrund führt, den sie bei Mörel erreicht. Auch von hier folgte ich weiter der MTB-Route, die südlich der Rhone über eine kleine Schotterpiste verläuft. So kam ich an diesem Tag fast komplett ohne Fahren auf der unangenehmen Furkastrasse aus. Nur für das Nachmittagsmotiv vor Bitsch musste ich dann doch mal ein Stück auf die Straße wechseln, aber schon hinter Bitsch beginnt die Uferpromenade entlang der Rhone, der man letztlich bis auf Höhe von Visp, weitgehend ungestört vom Straßenverkehr, folgen kann.
Fotohalt vor Bitsch. Deh 4/4 II 96 mit einem Regio Richtung Visp.
Trotz des gut ausgebauten Weges - oder gerade wegen dieser Monotonie? - zog es sich bis Visp ordentlich. Ein sommerlich heißer Gegenwind zog mir hier direkt entgegen. Wenn Wind nicht mehr erfrischend ist, dann ist es wirklich heiß. Über 30 Grad hatte es hier im Schatten. Nichts wie zurück in die Berge. Direkt unterhalb der Lötschbergrampe näherte ich mich Visp und bog dann bald Richtung Süden ab, um durch das Ortszentrum Richtung Mattertal zu gelangen. Es hatte dann doch eine gute Stunde gedauert, bis ich von kurz vor Brig bis ans erste Motiv hinter Visp gelangt war. Die Distanz hatte ich definitiv unterschätzt. An der Ortsausfahrt Visp wartete ich im kühlenden Schatten an der Vispa auf den nächsten Zug Richtung Zermatt. Ein doppelter Orion kam des Weges, der Zaun störte weniger als gedacht.
Orion 309 und 311 an der Ortsausfahrt Visp entlang der Vispa Richtung Zermatt. Erstaunlich, dass sich bei dieser Hitze heute keine Gewitter über den Bergen zusammengebraut hatten.
Ab Visp gibt es wieder eine wunderschöne MTB-Route bis hinauf nach St. Niklaus, von dort etwas weniger anspruchsvoll bis Täsch und über einen letzten Steilanstieg weiter bis Zermatt. Die Strecke war ich über die Jahre schon komplett gefahren, aber es ist immer wieder schön. Mein Zwischenziel für heute Abend war St. Niklaus, wo ich bereits eine Unterkunft gebucht hatte. Bis dahin wollte ich einfach schauen, was noch geht. Viel war es allerdings nicht, denn die Sonne dreht hier recht früh ungünstig hinter den Talhang. Nur wenig hinter der letzten Stelle gab es aber von der Veloroute noch einen weiteren Blick über die Vispa.
Von unterhalb des Autobahnzubringers ergibt sich am späten Nachmittag ein schöner Blick über die Vispa. HGe 4/4 II 107 bringt hier einen Glacier Express Richtung Zermatt.
Das Ganze ist dann doch weit weniger idyllisch, als es den Anschein macht...
Einige Kurven weiter bei Neubrück fand sich ein weitere schöner Blick in das enge Tal. Der Güterzug von hinten bekam noch gut Licht.
Während der Wartezeit auf einen Zug aus der richtigen Richtung kämpfte sich ein älterer Herr mit Wanderstock den Hang zu seinen Weinreben hinauf und blieb für einen kurzen Plausch stehen. Um ihn zu verstehen, musste ich aber schon alles zusammennehmen, obwohl ich mit den deutschsprachigen Dialekten und Mundarten eigentlich ziemlich gut zurechtkomme. Die Schatten wurden währenddessen bedrohlich lang, der nächste Regio Richtung Zermatt ging nur noch so halb.
Für den nächsten Regio Richtung Zermatt wurde es mit dem Licht dann schon arg knapp.
Das war es dann wohl mit Bahnbildern für heute. Die Strecke wechselt bei Stalden sogar noch die Hangseite, was sie noch früher in den Schatten rückt. Obwohl gerademal 18 Uhr und quasi die längsten Tage des Jahres, war da nichts mehr zu holen. Umso entspannter konnte ich die noch verbliebenen 10 km bei rund 400 m Anstieg angehen. Nur den kleinen Migros-Partner in Stalden musste ich noch vor Ladenschluss um 18:30 Uhr erreichen. Das ging sich aber gut aus und ich deckte mich mit Proviant für die restliche Fahrt und das Abendessen ein. Blöd halt, dass ich das ganze Essen jetzt noch den Berg hochfahren musste, aber in St. Niklaus würde schon alles geschlossen haben.
Ankunft im malerischen Ort Stalden. Hier hatte ich 2020 mal in einem sehr authentischen Holzhaus in einem Privatzimmer übernachtet. Damals waren vom heute begleiteten Streckenabschnitt einige andere Aufnahmen entstanden und zwischen Visp und St. Niklaus etwas mehr bei Tageslicht: Auf steilen Pfaden V: Entlang der MGB vom Goms ins Mattertal
Fahrt durch die engen Gassen von Stalden
Blick über Stalden
Den Trail, der von hier entlang der Strecke über Kalpetran nach St. Niklaus führt, fahre ich immer wieder sehr gern. Es ist zunächst ein gemütlicher Single Trail auf Schotter, nicht übermäßig steil, technisch anspruchslos. Es zieht einfach wunderbar den Berg hinauf, erst recht jetzt in den kühlenden Schatten des Abends. Bei Tageslicht bieten sich immer wieder Ausblicke auf die tiefer gelegene Bahnstrecke (siehe den eben verlinkten Artikel aus 2020). Jetzt musste ich mir darüber keine Gedanke machen und kurbelte einfach den Berg hinauf. Bei Kalpetran wechselt der Weg die Talseite. Über einen sehr steilen Abstieg geht es über den Bahnhof an den Südosthang. Ich nutzte das kleine Dorf, um am Brunnen noch einmal die Wasserreserven zu ergänzen, dann ging es auch schon weiter über den nächsten steilen Pfad, den Chipfeweg. Womit man hier nun wirklich mitten im Wald auf einem schmalen Pfad nicht rechnet: Ein Bagger, der die Strecke blockiert. Der war anscheinend extra nach der Zeit der Wanderer ausgerückt, um den an einigen Stellen in Mitleidenschaft gezogenen Weg wieder herzurichten. An sich ja vorbildlich, nur wie jetzt an dem, mit dem Heck zu mir arbeitenden, Kleinbagger vorbeikommen. Auf jegliche akustischen Signale reagierte der angesichts des Eigenlärms verständlicherweise nicht. Ich näherte mich mal vorsichtig an und versuchte auf dem schmalen Weg irgendwie von der Seite auf mich aufmerksam zu machen. Irgendwann bemerkte mich der ältere Herr auf seinem Bagger, stellte den Betrieb ein, wir wechselten ein paar nette Worte und ich hangelte mich seitlich am Bagger vorbei. Der war genauso überrascht, mich hier um diese Zeit anzutreffen, wie umgekehrt.
Zwischen St. Niklaus und Kalpetran geht es auf einem wunderbaren Panoramatrail oberhalb der Bahn am Nordwesthang entlang.
Nach dem Wechsel der Talseite bei Kalpetran geht es etwas anspruchsvoller und steiler, teils in engen Serpentinen durch den Wald. Hier rechnet man auch nicht unbedingt damit, einem Bagger zu begegnen.
Auf diesem Abschnitt zwischen Kalpetran und St. Niklaus folgen auf dem schmalen Waldweg noch ein paar richtig zornige Serpentinen. Danach geht es zum Glück wieder einigermaßen. Direkt neben der Bahn wird die Matter Vispa gekreuzt. Noch ein paar Wiesen, dann gelangte ich nach St. Niklaus, wo ich schnell an der Unterkunft war. Das Einchecken erfolgte kontaktlos, sodass ich auch unbemerkt das Rad mit auf's Zimmer nehmen konnte. Auch hier war es wohl einem günstigen Restkontingent zu verdanken, dass ich um 100 CHF noch ein Zimmer im Hotel la Réserve bekommen hatte, dass innen quasi komplett neu ausgebaut und modern daherkam. Weiter talaufwärts Richtung Zermatt wird es zunehmend unbezahlbar allein, wenn man nicht noch irgendwo 500 Höhenmeter den Talhang hinauffahren will. Das Zimmer war wirklich schön. Blöd nur, dass die bodengleiche Dusche zu gleichen Teilen in den Abfluss und ins Badezimmer selbst entwässerte. Die Fluten gelangten bis unter der Badezimmertür hindurch ins Zimmer. Der von unten ordentlich durchfeuchteten Tür, sah man die Folge dieser zwar in Mode gekommenen, aus meiner Sicht aber extrem unpraktische Bauform jedenfalls schon deutlich an.
Noch die zimmereigene Kaffeemaschine angeschmissen, das großzügige mittgebrachte Abendessen genossen und ein wenig nach Hause geschrieben, dann ging auch bald das Licht aus, denn die Akkus waren auch nach diesem Tag wieder ordentlich leer. Langsam wurde die Energie doch weniger nach dem fünften Tag im Sattel bei zwar 94 km, aber nur noch 870 m Anstieg.
Für morgen ist dann das Quellgewölk angesagt, über dessen Fehlen ich mich bei der Hitze heute schon etwas gewundert hatte. Vielleicht sind auch paar "normale" Regenwolken dabei, jedenfalls sind die Aussichten nicht sonderlich gut. Kurze Sonnenphasen sollten aber drin sein. Ich hatte hier im Grunde auch nur ein fixes Ziel: Den mittäglichen Güterzug an der Steilrampe zwischen Herbriggen und Randa. Ein Motiv, das schon ewig auf dem Zettel steht. Würde morgen eine Lotterie werden, aber ich wollte das Glück mal herausfordern.
Donnerstag, 26. Juni 2026:
Für heute habe ich nur ein konkretes Ziel auf dem Zettel, das allerdings schon seit einer gefühlten Ewigkeit: Der Güterzug nach Zermatt am Mittag. Den restlichen Tag würde ich mich zurück Richtung Goms treiben lassen und dem ein oder anderen Regenschauer ausweichen.
Genauso anonym wie ich gestern eingecheckt hatte, ging es heute auch wieder raus aus dem Hotel la Réserve. Mir macht das wenig aus bei so einem Aufenthalt, wo man eh nur ein paar Stunden zum Schlafen da ist. Und es erübrigt sich die Frage, wo man das Rad unterbringen kann. Denn wenn niemand da ist, kann sich auch niemand daran stören, wenn man es kurzerhand mit auf das Zimmer nimmt.
Ich hatte mir wirklich lang Zeit gelassen heute, noch ein wenig auf dem Bett gedöst und einen Kaffee aus der Espressomaschine gelassen, denn vor dem Fenster regnete es gerade ganz ordentlich als ich aufwachte. Der Güterzug hat an meinem Zielspot eine ungefähre Planzeit um kurz nach zwölf zwischen Herbriggen und Randa, sodass auch dahingehend keinerlei Eile bestand. Gegen halb zehn deuteten sich dann blaue Lücken über St. Niklaus an und ich startete mal rüber zum Bahnhof, um dort den Lokzug Richtung Zermatt abzupassen. Mit der durchkommenden Sonne konnte ich den jetzt natürlich nur von der Steuerwagenseite nehmen, aber solche Bilder wird man wahrscheinlich am ehesten irgendwann suchen müssen in den Archiven.
Nachdem es am Morgen sogar noch geregnet hatte, zeigte sich am Vormittag gegen zehn die Sonne über St. Niklaus. Zumindest recht hell war es beim kurzen Halt des Lokzuges Richtung Zermatt im Bahnhof. Natürlich nur echt mit Postautoanschluss. Zuglok ist die unmodernisierte Werbelok HGe II 4/4 5. Die würde ich auf der Rückfahrt mal abpassen müssen.
Schöner ist eigentlich die Sicht vom Hang mit Blickrichtung Zermatt. Solange hier nicht gekreuzt wird, fahren die Züge aber immer auf dem falschen Gleis, wie hier der ABDeh 4/10 2013 Richtung Visp.
Auf der meist auf dem gleichen Weg verlaufenden MTB- und Veloroute brach ich anschließend talaufwärts auf. Nur an wenigen Stellen unterscheiden sich in diesem Abschnitt die Routen und die Geländestrecke führt dann mal einige Meter über schmalere Pfade. Hin und wieder eröffnen sich bis Herbriggen Durchblicke auf die Bahnstrecke. Nichts Spektakuläres, dafür hatte ich die Stellen aber auch noch nie bewusst irgendwo gesehen. Ich nahm einfach mit, was so kam und das war nicht eben wenig, denn mindestens am Vormittag scheint der Verkehr hier Richtung Zermatt inzwischen auf einen ungefähren Halbstundentakt verdichtet.
ABDeh 4/10 2014 mit einem weiteren, dreiteiligen Kometen zwischen St. Niklaus und Herbriggen.
Kurz vor Herbriggen schlängeln sich die drei Orions 302, 311 und 308 Richtung Zermatt.
In Herbriggen steuerte ich den kleinen Detailhändler im Ort für ein spätes Frühstück an, füllte vor der Tür am Brunnen die Flaschen nach und wartete dann im Bahnhof auf die Rückkehr des Lokzuges Richtung Visp. Genau als der durchkam, war dann eine Wolke zur Stelle. Angesichts des Bedeckungsgrades würde das auch bei den nächsten Aufnahmen ein Vabanque-Spiel werden. Ich radelte weiter in Richtung der Zahnstangenrampe zwischen Herbriggen und Randa, wo ich am Stück parallel zur Straße zunächst noch einen dem Güterzug vorausfahrenden Regio Richtung Zermatt mitnahm. Da die Veloroute hier unterhalb der Bahnstrecke am Talgrund verläuft und vormittags auf der Nicht-Sonnenseite liegt, musste ich dieses Stück nun wohl oder übel auf der stark befahrenen Straße Richtung Täsch zurücklegen. Gerade bergauf ist das kein großer Spaß, zwischen all den Reisebussen, Baustellen-LKW und knapp überholenden Autos - ich weiß schon, warum ich kein Straßenrad fahre...
ABDeh 4/10 2014 in der Zahnstangenrampe zwischen Herbriggen und Randa.
Es war nun Mittag und nach grafischem Fahrplan wäre das jetzt die Planlage des mittäglichen Güterzuges Richtung Zermatt. Schon oft hatte ich den auf dem Zettel gehabt, wirklich umgesetzt habe ich ihn bislang allerdings nur einmal im Jahr 2020 an der Fotokurve bei Neubrück. Hier im Zahnstangenabschnitt wäre es natürlich noch einmal außergewöhnlicher. Güterzüge auf Schmalspur sind abseits der Jurabahn, der MBC und der Rhätischen ansonsten quasi gar nicht mehr anzutreffen. Dann noch auf einer steilen Zahnstangenstrecke ist schon etwas Besonderes. Die Versorgungszüge der Bergbahnen zähle ich mal nicht hinzu. Jedenfalls ging das Licht fröhlich an und aus, wie ich dort so an der Serpentine stand und den Streckenverlauf aus Herbriggen weit einsehen konnte. Das übliche, machtlose Hoffen und Bangen bei so einem Wetter kennt natürlich jeder und hier war es besonders nervenaufreibend, denn es gab nur diese eine Chance für den Güterzug und die Sterne - bzw. Wolken - standen gerade nicht sehr gut. Als ich den Zug erblickte, war alles Dunkel, doch bis der sich durch die Kurve in der Zahnstange hier hinaufgeschoben hatte, drehte tatsächlich genau im passenden Moment das Licht nochmal voll auf. Jackpot! Da war der weitere Tagesverlauf jetzt im Grunde egal.
HGe 4/4 II 107 mit dem mittäglichen Güterzug Visp-Zermatt zwischen Herbriggen und Randa.
Bildlich entwickelte sich der weitere Tag dan auch ziemlich schmal, denn nach diesem Highlight folgte nicht mehr viel. Ich radelte noch bis Täsch weiter und wechselte dabei bei nächster Gelegenheit in Randa wieder auf die Veloroute. Von Zermatt her hatte es inzwischen aber komplett dicht gemacht,. Eine einheitliche graue Suppe, bei der es eher eine Frage der Zeit war, wann da ein ordentlicher Wolkenbruch rauskäme. Ich besorgte mir beim Coop in Täsch ein Mittagessen, setzte mich damit an die Bahnhofsausfahrt und beobachtete paar Züge nach und von Zermatt aus- und einfahren.
Es schien fast aussichtslos, den Regenwolken noch zu entkommen, dennoch machte ich mich nach einiger Zeit auf den Rückweg und schaute mal, wie weit ich trocken kommen würde. Die Antwort war: Bis Randa. Zum einen gefiel dem Magen gerade irgendwas an dem Mittagessen nicht, sodass ich lieber vorsorglich das Bahnhofs-WC aufsuchte, zum anderen fing es auch eben in dem Moment an zu schütten. Ich suchte mit dem Rad unter dem Bahnsteigdach auf der alten Güterrampe Zuflucht und ließ erstmal eine knappe Stunde lang das Gröbste durchziehen. Notfalls würde ich mich mit der Bahn evakuieren, aber das Tal mit dem Rad hinunter zu fahren, war natürlich deutlich verlockender.
Am Rückweg zwischen Täsch und Randa passte ich noch einmal den Lokzug ab. Über den Bergen hatte sich schon ordentlich was zusammengebraut.
Im Bahnhof von Randa ließ ich das Gröbste erstmal durchziehen, genauso wie BDeh 4/4 II 91 mit einem Regio Richtung Zermatt.
Als es nurmehr ein wenig nieselte und sich auch die Verdauung wieder beruhigt hatte, brach ich auf und ließ mich auf der Veloroute abseits der Straße das Tal hinunterrollen. Der MTB-Track zwischen St. Niklaus, Kalpetran und Stalden machte nun bergab natürlich auch noch einmal deutlich mehr Spaß, als gestern bergauf. Fotografisch war nicht mehr viel zu wollen. Erst ab Kalpetran wurde es zwischenzeitlich noch einmal etwas heller, sodass ich einen Glacier im sanierten Bahnhof abwartete und vom Panoramaweg anschließend noch die Blicke ins Tal mit einem Regio umsetzte.
HGe 4/4 II 4 mit einem Glacier Richtung Zermatt im inzwischen sanierten Bahnhof von Kalpetran.
Eine Kometen-Garnitur vom Wander-/MTB-Weg aus gesehen zwischen Kalpetran und Stalden. Im Hintergrund sind die Häuser des kleinen Dorfes zu sehen.
Gleicher Standpunkt, gleicher Zug, diesmal als Nachschuss Richtung Stalden gesehen.
Aus Vorsicht vor dem Wetter, das sich hier in den Bergen zusammenbraute, studierte ich immer mal wieder das Regenradar und die Warnmeldungen. Während es sich hier weitgehend beruhigt hatte, gab es in Richtung Goms noch immer Warnungen vor schweren Gewittern und auch das Regenradar bestätigte tief lilafarbene Zellen mit gelegentlichen Blitzen bis in den frühen Abend. Nichts, wo man mit dem Rad hineingeraten möchte, erst recht nicht auf der schönen, aber zufluchtsfreien Route abseits der Furkastrasse. Die "sichere" Route über die Furkastrasse zu fahren, macht dann aber auch überhaupt keinen Spaß, egal bei welchem Wetter. So fiel die Entscheidung letztlich auf die Evakuierung per Bahn und ich rollte in Visp zum Bahnhof, besorgte mir dort Abendessen und einen Kaffee für sofort und wartete auf die nächste Abfahrt Richtung Andermatt. Irgendeine Störung gab es noch, die schien aber eine abendliche Sperre des Furkatunnels zu betreffen. Da ich nur bis Reckingen wollte, war mir das egal.
Da freut man sich doch mal über die großzügigen Velokapazitäten auf der MGB. Und ehrlicherweise auch über ein niederfluriges Fahrzeug mit breiten Türen. Irgendwann habe ich in der Rheinschlucht bei der RhB mal ein Fahrrad durch die Falttüren eines Einheitswagens zum angeblichen Velostellplatz manövriert. Das war wirklich der übelste Krampf. Sowohl der Ein- und Ausstieg, als auch die Fahrt selbst bei komplett beengten Platzverhältnissen.
Mit einigen Rekruten im Vierer war es im Kometen eine angenehme Fahrt das Tal hinauf bis nach Münster. Vor über 15 Jahren bin ich diesen Abschnitt mal per Bahn gefahren, da war es schön, die Strecke auch mal wieder von dieser Seite zu erleben. Bei gelegentlichem Regen war draußen noch alles klitschnass und ich war nicht traurig über meine Entscheidung, die Bahn genommen zu haben. In Reckingen sprang ich aus dem Zug und rollte hinüber zu meiner heutigen Unterkunft im Hotel Joopi, nur wenige Meter entfernt vom Bahnhof. Checkin lief an einem Automaten im ersten Stock, das Zimmer in dem alten Holzhaus war wirklich hübsch. Ein bisschen rustikal, aber wie man so schön sagt mit "Charakter" ;-) Für 75 CHF mit eigenem Bad konnte man da wirklich nichts sagen. Bevor ich mir Dusche und Abendessen gönnte, rollte ich noch eben die kurze Strecke Richtung Münster hinüber, um das Auto abzuholen und auf den kostenfreien Hotelparkplatz zu verschieben. So standen am Ende auch heute trotz Bahntransport noch einmal 56 Kilometer auf dem Tacho. Da der Löwenanteil heute aber auch bergab gegangen war und ich bergauf ins Goms die Bahn genommen hatte, zählt das alles nicht so richtig.
Danach verließ ich das Zimmer nicht mehr. Stattdessen ging es noch an die finale Planung für den Rest dieser Reise. Die beiden großen Radrunden waren nun abgeschlossen und ehrlicherweise zeigte der Körper in Gestalt leichter Knieprobleme auch langsam erste Verschleißerscheinungen, sodass ich mindestens morgen einen Tag Pause einlegen wollte. So richtig etwas auf dem Zettel hatte ich hier jetzt auch nicht mehr und würde morgen einfach mal ohne großen Plan an der DFB vorbeischauen. Was mich schon eher reizte, war auf der Rückfahrt noch einmal ein Tag an der RhB und zwar an der Strecke Chur-Arosa, denn dort fahren im Sommer die Ge 4/4 II noch zwei der drei Umläufe und ich war ewig nicht an dieser Strecke gewesen, eigentlich überhaupt noch nie ernsthaft. Problem: Erstens wäre das morgen Abend noch eine ziemliche Strecke, zweitens gab es dort bei booking keine halbwegs anständige und gleichzeitig bezahlbare Unterkunft. Da spielte es seinen Vorteil voll aus, dass ich wieder mit dem Auto unterwegs war und ich würde morgen einfach irgendwo auf dem Weg Richtung Chur nächtigen.
Freitag, 27. Juni 2025:
Heute steht ein weitgehend planloser Zwischentag ohne Rad an. Verbringen wollte ich diesen mit etwas Herumhängen an der Dampfbahn Furka Bergstrecke auf Seite Oberwald und an dem immer wieder schönen Stück der MGB zwischen Hospental und Realp.
Gut erholt von der eh nicht sonderlich anstrengenden, gestrigen Etappe, verließ ich gegen acht das Hotel. Frühstück war hier nicht inkludiert, also verzichtete ich wie immer darauf und fuhr direkt los an die erste Stelle für heute, das "Drone only"-Viadukt unterhalb Lax. Nachdem das muntere Fluggerät bislang den ganzen Urlaub auf irgendwelchen Parkplätzen im Kofferraum verbracht hatte, sollte es heute etwas Flugstunden bekommen. Überhaupt mit der erste "ernsthafte" Einsatz, seit ich mir das Gerät Anfang des Jahres zugelegt hatte. Entsprechend waren teilweise auch noch die Ergebnisse. Sowohl das richtige Auge für das Motiv, als auch das Fliegen selbst brauchen eben schon ein wenig Übung, damit hinterher irgendwas mit Mehrwert bei rauskommt. Ich stellte das Auto in Lax auf den Bahnhofsparkplatz und lief Richtung Südwesten aus dem Ort hinaus bis auf Höhe des Viaduktes. Der erste Versuch hatte einen leicht unpassenden Auslösezeitpunkt, es wäre aber auch ein Kunststück gewesen, den einzeln Richtung Visp fahrenden Orion genau in dem kleinen Spot auf der Brücke zu platzieren. Ich hoffte also auf einen längeren Zug in Gegenrichtung. Blöd nur, war der dann zu lang, bzw. ich hatte mich beim Motiv massiv verschätzt. Blieb es also doch beim Orion, denn die DFB drückte nun doch langsam.
Traut sich eigentlich niemand, diese Fehlversuche zu zeigen, oder können das Timing alle anderen von Anfang an perfekt? Das Problem ist in diversen Foren jedenfalls hinlänglich bekannt. Wie es sich technisch erklärt, ist mir ein Rätsel, denn die ganzen Steuerbefehle laufen quasi in Echtzeit, warum dann nicht das Foto-Auslösen? Etwas besser wird es bei mir mit Vorfokussieren und dem Reduzieren auf 12MP (mehr gibt die Optik ohnehin nicht her, die 45MP sind eher ein Marketing-Gag). Eine halbe Sekunde Verzögerung bleibt gefühlt trotzdem noch. Die Serienbildfunktion ist derweil vollkommen nutzlos, die macht gefühlt fünf Bilder innerhalb einer hundertstel Sekunde und das Intervall lässt sich nicht verändern. Wer hat sich das denn ausgedacht? Steuerungsseitig sind die DJI-Drohnen wirklich absolut ausgereift und ziemlich genial. Sowohl was das HMI-Interface angeht, als auch alles, was die Sensorik und Software selbst tut - und das ist eine ganze Menge. Es braucht inzwischen im Grunde schon Vorsatz, die Teile irgendwie zu versenken. Aber bei der ganzen, zu sehr "androidisierten" Foto- und Videosteuerung, ist doch noch einiges an Potenzial, wo sich "normale" Kameras einfach extrem zuverlässig, intuitiv und schnell bedienen lassen.
Die unerklärliche Auslöseverzögerung der DJI-Drohnen, von ungefähr einer halben Sekunde, erfordert viel Übung beim genauen Platzieren der Fahrzeuge im Motiv. Ein so kurzer Spot wie am Viadukt südlich Lax ist da natürlich denkbar schlecht zum Üben. Ein Orion ist hier Richtung Visp unterwegs und ich löste erheblich zu früh aus.
Wie fast jedes Jahr, wurde der Fahrplan der DFB auch zur vor einer Woche gestarteten Saison 2025 erneut etwas geändert. Für den heutigen Freitag bedeutete das eine durchgehende Dieselfahrt von Realp bis Oberwald mit Ankunft 10.45, anschließend von 11.45 bis 12.05 nach Gletsch. Von Oberwald würde vorher der Dampfzug Richtung Realp abfahren mit Fahrzeit 10.50 bis 13.05, ein zweiter von 13.50 bis 16.15. In Gegenrichtung laufen die zwei Züge von 10.20 bis 12.35, sowie von 14.20 bis 16.35. Wer genau aufgepasst hat vermisst jetzt die Rückfahrt des Dieselzuges. Der huscht im waldbrandgefährdeten Bereich - vermutlich zwischen Gletsch und Oberwald - als Löschzug durch die Gegend. Am Abend geht der dann wahrscheinlich als Betriebsfahrt nach Realp zurück.
Ich gondelte nun also einmal das ganze Obergoms hinauf, besorgte ein Frühstück am Coop in Münster und ließ das Auto in Oberwald am Ortsparkplatz stehen. Den Gommer Höhenweg am Ortsrand lief ich bis zur Kreuzung mit der DFB hinauf und richtete mich dort für die nächste Stunde mit meinem Frühstück auf der Bank ein. Überraschend kam ein Mountainbiker-Pärchen vorbei und wollte angesichts der schweren Befahrbarkeit wissen, ob der Weg wieder besser würde. Ich konnte auch nur meine Ahnungslosigkeit eingestehen, kommt ja auch immer auf das eigene Material und die Fahrkünste an. Grundsätzlich erlaubt ist es in der Schweiz ja überall, solange es nicht ausdrücklich verboten ist, was dieses Land zur Mountainbike-Destination Nummer 1 in den Alpen macht. Jedenfalls schlugen die sich weiter den Berg hinauf. Bald kam dann mit leichter Verspätung auch der Dieselzug hinabgerollt und die Drohne stand ein erstes Mal in der Luft.
HGm 4/4 62 kommt mit dem Wander-Express, der zu deutlich reduzierten Preisen genutzt werden kann, aus Realp und erreicht gleich den Endpunkt in Oberwald. Mir als nicht sonderlich Dampflokaffinen, wäre ja ehrlich gesagt ein Stundentakt mit solchen Zügen lieber, als zwei Dampfzüge am Tag. Aber das ist natürlich ein ganz anderes und wahrscheinlich deutlich schlechter laufendes Konzept. Über dem zweiten Wagen ist die Bank zu sehen, auf der ich die gute Stunde an dieser Stelle verweilte.
Kurz nach der Einfahrt des Dieselzuges startete schon der Dampfzug in Gegenrichtung, gezogen von der altbekannten HG 3/4 9.
Einige Meter weiter Richtung Gletsch behält die Drohne den Überblick.
Die HGm 4/4 62 hat sich in Oberwald schnell den Löschwagen geschnappt und folgt dem Dampfzug mit einer Minute Abstand.
Zwischenzeitlich war HGm 4/4 62 wieder hinab nach Oberwald gerollt und hatte sich ihren Wander-Express geschnappt, mit dem es eine Dreiviertelstunde hinter dem Dampfzug bis Gletsch geht. Das Goms schob sich derweil schon ordentlich mit einem gräuslich hellen Wolkensiff zu.
Auch dem Wander-Express lauerte noch einmal der Quadrocopter auf.
Ich brach meine Zelte hier anschließend ab und lief zurück zum Auto. Den ersten Dampfzug Richtung Oberwald wollte ich in der Schlucht unterhalb Gletsch mit der Drohne abfangen. Klappte nur so mäßig, von meinem Standpunkt aus war das Funksignal beim tiefergehend allzu schnell verschattet, zum Positionswechsel blieb keine Zeit mehr. Man lernt eben noch... Dafür kam wenigstens mal die HG 4/4 704. Die beiden Maschinen dieses Typs fehlten mir hier noch.
Notschuss mit der Drohne auf den Dampfzug Richtung Oberwald in der Schlucht unterhalb Gletsch.
Ein Blick in den Bahnhof Oberwald hatte eben etwas Ungewöhnliches erkennen lassen: Eine vierteilige Pullmann-Garnitur. Ich erinnerte mich, dass es doch schon seit vielen Jahren ein oder zweimal im Jahr den sogenannten "Swiss Alps Classic Express" gibt. 2016 hatten wir den hier im Goms sogar mal fotografiert. Ob der jetzt überführt wurde oder mit Fahrgästen unterwegs war, wusste ich zwar nicht, aber man könnte ja mal schauen. Ich fuhr nochmal zurück nach Oberwald, wo der Zug mit der HGe 4/4 36 Richtung Zermatt noch immer im Bahnhof stand und beschloss, dem ein Stück voraus zu fahren. Die Wahl fiel noch einmal auf mein vorgestern entdecktes Flussmotiv zwischen Biel und Blitzingen. Ich rollte das kurze Stück aus dem Ort schnell mit dem Rad runter. Am Ende ließ sich der Zug dann aber doch noch etwas Zeit und ging letztlich auch ziemlich im Siff durch. Naja, kann man mitnehmen.
HGe 4/4 I 36 mit der Pullman-Garnitur zwischen Biel und Blitzingen.
Auf der Suche nach Sonne beschloss ich, jetzt bereits am Nachmittag über den Furka zu fahren und zu schauen, ob es auf der anderen Seite besser ist. Von oben wollte ich nochmal die Drohne ins Tal zur DFB schicken, irgendwie verflog ich mich aber arg und aus der Aufnahme wurde nichts.
Richtung Andermatt war es dann tatsächlich wunderbar locker bewölkt, anstelle dieser grellen Suppe im Goms. Aus einer Laune heraus beschloss ich, den restlichen Tag einfach mit dem Rad ein wenig zwischen Andermatt und Realp umherzugurken. Ich ließ das Auto am bekannten "Viadukt-Blick-Parkplatz" oberhalb Hospental stehen, radelte für einen Einkauf nach Andermatt hinab und anschließend im Laufe des weiteren Nachmittages die Strecke bis kurz vor Realp hinauf.
Der klassische Straßenblick auf das Viadukt bei Hospental direkt vom Parkplatz mit Blick Richtung Andermatt und Oberalppass. Die Kometen-Garnitur passt perfekt von der Länge. Der zweiteilige Niederflursteuerwagen hat bereits das neue Design mit roter Frontpartie.
Eine gute Stunde später bin ich mit dem Rad vom Einkauf aus Andermatt zurück und auf die andere Seite der Strecke oberhalb Hospental gewechselt. Deh 4/4 II 95 schiebt einen Regio Richtung Furka, der Gegenzug steht noch im Bahnhof Hospental.
Der Blick zur Seite zeigt denselben Zug unterhalb der Stützmauer der Straße Richtung Furka, darüber der Beginn des Gotthardpasses.
Die lange Gerade an der Straße kurz vor Realp durchfährt man normalerweise ohne einen weiteren Blick. Vom Trail auf der anderen Seite des Flusses bekommt man aber eine andere Ansucht und eine Brücke hinüber zur Straße erlaubt zumindest ein Motiv mit etwas weniger prominentem Asphalt. Da der späte Glacier Richtung Zermatt mit HGe 4/4 II 4 sowieso gerade an stand und die Sonne sich blicken ließ, drückte ich hier mal auf den Auslöser.
Weiter auf der Nordseite der Reuss auf einem schmalen Trail bleibend, entdeckte ich noch dieses mir noch unbekannte Motiv. Gemütlich setzte ich mich auf einen der Felsen, hörte Podcast und sah zu, wie sich bei jeder Zugdurchfahrt zuverlässig die Wolkenkante über mir ein Stück Richtung Motiv schob und alles verdunkelte. Es sollte nicht sein. Ohne Erfolg im fotografischen Sinne, aber nach einem super entspannten Nachmittag, radelte ich bald zurück Richtung Hospental.
Ein bisschen was gab es während der gemütlichen Siesta doch zu fotografieren: iPhone sagt ein Spinnweb Hauswurz.
Völlig unerwartet tat es sich kurz vor Hospental doch noch einmal auf. Für Sekunden zumindest und genau in diesen Sekunden kam der nächste Regio Richtung Furka mit Deh 4/4 II 92 hinten über das Viadukt gerollt. Rad hingeschmissen, Kamera herausgerissen, abgedrückt. Drive-By-Shooting nennt sich das, wenn ich mich nicht irre ;-)
Um 19 Uhr war ich zurück am Auto. Während der Siesta hatte ich mir ein Zimmer in der Arena Lodge in Flims gesichert. Großes Einzelzimmer mit eigenem Bad, ohne Frühstück für 84 CHF: check! So konnte ich dann heute Abend auch noch ein ganzes Stück Strecke auf dem Weg nach Arosa abreißen. Und die Strecke über Oberalp und das Rheintal hinunter fährt sich am Abend auch einfach wunderbar angenehm. Das ist Cruisen vom Feinsten. Dachte sich wohl auch eine Rallye-Ausfahrt. Ich hatte mich schon gewundert, was all die Fotografen dort am Oberalp trieben, zumal die MGB auf dieser Strecke den Betrieb so früh einstellt, dass da jetzt nichts mehr kommen würde. Die Menschen schienen sich auch eindeutig mehr Richtung Straße zu orientieren. So kamen mir dann von der Passhöhe hinab bis nach Disentis hinein immer wieder tolle Fahrzeuge verschiedenster Couleur entgegen. Vom modernen Supersportwagen über klassische 911er, bis zu Rallye-Fahrzeugen aus den 80ern und älter. Am Straßenrand in den Orten immer wieder kleinen Menschengruppen, die sich das teils lautstarke Spektakel nicht entgehen lassen wollten und den Piloten zujubelten.
Im Rheintal wurde es dann ruhig und rollte ganz entspannt bei etwas Musik das Tal hinab. Noch den kleinen Anstieg hinauf nach Flims genommen, dann erreichte ich gegen 21 Uhr meine Unterkunft. Das zwischenzeitlich noch am Bahnhofs-Avec neben einem Kaffee für die Fahrt erworbene Abendessen wurde vertilgt, dann hieß es bald Schlaf tanken für den letzten Tag dieser Reise zwischen Peist und Arosa. Dann, nach fotografisch zwei eher schmalen Tagen, auch nochmal mit einigen echten Motiv-Highlights. Eine Etappenstatistik gibt es heute nicht. Das bisschen hin und her rollen rund um Hospental zählt nicht.
Einen letzten Teil gibt es dann demnächst noch zum Tag an der Arosabahn.
Bis dahin VG,
Tobias