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Montag, 23. Juni 2025: Mürren – Grindelwald – Grosse Scheidegg

Die dritte Etappe der Tour führt nach einigen trüben Bildern an der BLM wieder hinab ins Lauterbrunnental. Mit einem Schwenk über Zweilütschinen geht es von Grindelwald über die Grosse Scheidegg nach Innertkirchen. Außer einigen Aufnahmen am Morgen bei Winteregg, läuft der Tag weitgehend bahnfrei ab.


Nach der Gewalttour gestern Nachmittag und Abend gönnte ich mir heute eine Mütze mehr Schlaf und lief erst nach acht hinunter zum Frühstück. Zwar hatte SRF Meteo eher noch für die frühen Morgenstunden Chancen auf Sonne gesehen, aber nicht sicher genug, als dass es mir die Regeneration wert gewesen wäre. Tatsächlich schien dann noch die Sonne durch die großen Fenster des Frühstücksraums, aber ich ließ mich jetzt auch nicht mehr aus der Ruhe bringen. Nach reichhaltigem Frühstück hatte mich der Kaffee langsam in Gang gebracht, ich packte meine wenigen Sachen zusammen, holte das Rad aus dem Seminarraum und gab den Schlüssel ab. Sehr entspannt hier, diese einfache und pragmatische Sportunterkunft, die sicher im Winter weit voller und teurer gewesen wäre. Zwischen den ganzen teuren Snob-Hotels hier in Mürren, ein herrlicher Kontrast.

Das trübe Wetter veranlasste mich dazu, den wolkenverhangenen Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau an der BLM anzusteuern. Bei Sonne ist das nur in den letzten Sonnenstunden des Tages halbwegs im Licht und hätte jetzt am Vormittag gar nicht funktioniert. So aber sah es gar nicht schlecht aus, wie die 4000er in die trübe Wolkensuppe stachen und obwohl mir die neuen Stadler hier eigentlich gar nicht gefallen mit den silbernen Köpfen, hoben sie sich bei diesem Wetter für einmal wunderbar als Farbtupfer im Bild ab. Mit den Altwagen wäre das nichts gewesen.

Es war noch nichts los am bekannten Höhenspazierweg hinüber zur Grütschalp und so rollte es die zehn Minuten ganz entspannt hinüber zu meinem Spot hinter Winteregg. Nur einige Jogger liefen mir über den Weg und man grüßte sich freundlich unter Sportlern.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-23_003-BLM-102-Winteregg.jpg
Erstaunlich hoch hängen die Wolken an diesem Morgen, sodass vom Dreigestirn recht viel zu sehen ist. Bei der ersten Perspektive auf die Kehre mit Be 4/6 102 hinter Winteregg rückt nur die Jungfrau mit ins Bild.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-23_005-BLM-102-Winteregg.jpg
Der Gegenzug hat in Winteregg gekreuzt und dient jetzt für die weitere Perspektive mit dem kompletten Dreigestirn aus Eiger, Mönch und Jungfrau.

Abgesehen von diesem Motiv, das bei Sonne nie wirklich im Licht liegt, hatte ich hier doch über die Jahre mit den Altwagen schon alles mehr als einmal abgearbeitet. Zuletzt an einem herrlichen Herbsttag 2023, als ich mich von den alten Be 4/4 verabschiedet hatte: CrossCountry Switzerland II: Abschied an der Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren. So blieb nicht viel mehr zu tun an diesem Morgen, da es am Himmel nun vorerst komplett zumachte. Ich steuerte noch einmal den Bahnübergang zwischen Winteregg und Grütschalp an - inzwischen technisch gesichert und nicht mehr mit Fahrplanaushang - dann wandte ich mich zurück gen Mürren, um heute die Abfahrt über Gimmelwald nach Stechelberg zu nehmen, für die es gestern Abend bergauf nicht mehr gereicht hatte.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-23_007-BLM-101-Gruetschalp-Winteregg.jpg
Man kennt sie inzwischen in und auswendig die Strecke der BLM. Hier am Bahnübergang zwischen Grütschalp und Mürren. Mit den neuen Be 4/6 kann der Viertelstundentakt mit zwei, statt zuvor drei Triebwagen bewältigt werden und so kamen abwechselnd die Wagen 101 und 102 durch. Hier ersterer auf dem Weg nach Mürren.

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Wenig später kommt an derselben Stelle Be 4/6 102 nach der Kreuzung in Winteregg Richtung Grütschalp durch.

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Neben Fahrzeugaufnahmen entstand auf dem Rückweg nach Mürren noch ein Bild an der Einfahrt Winteregg mit Be 4/6 101 Richtung Grütschalp. Die Infrastruktur wurde in den letzten Jahren für den Einsatz der neuen Triebwagen komplett ertüchtigt. Etwas von ihrem Charme, mit krumm und schief stehenden Holzmasten und für Schweizer Verhältnisse mäßiger Gleislage, hat die Strecke dadurch schon eingebüßt.

In Mürren hielt ich noch am Coop für ein wenig Verpflegung, dann ging es auf das kleine Asphaltsträßchen hinab nach Gimmelwald. Fahrtechnisch ist dieser Abschnitt entsprechend erstmal recht langweilig, für den Blick hinab ins Lauterbrunnental bleibt durch die rasante Fahrt dennoch nur während kurzer Pausen Zeit. An einem zu Tal schleichenden E-Bike konnte an passender Stelle vorbeigezogen werden.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-23_014-Berner-Oberland-Gimmelwald_DSO.jpg
Blick auf Gimmelwald an den steilen Flanken des Lauterbrunnentals.


In Gimmelwald enden alle Straßen. Der Ort ist eine Sackgasse und über die Schlitthornbahn an das Lauterbrunnental angeschlossen. Als Wanderung oder per MTB ergeben sich natürlich ganz andere Möglichkeiten. Als schmaler Trail führt der Weg in einem Schwenk durch das Tal der Selfinen Lütschine, teilweise auf Waldboden, kurze Abschnitt auch felsig verblockt. Bergab war es vollgefedert und mit leicht abgesenktem Sattel auch mit mäßiger Fahrtechnik zu schaffen. Bergauf hätte ich sicher an der einen oder anderen Stelle schieben müssen, wo es verblockt bergauf ging. Viel war nicht los, einige vereinzelte Wandergruppen ließen mich passieren. Auf solchen Wegen abseits der Massen, ist es irgendwie immer ein freundliches und problemlosen Miteinander, egal ob Radfahrer, Wanderer oder Trailläufer: Man grüßt sich, jeder lässt jeden mal durch, hier und da ein Kompliment. Die Route ist übrigens als Wander- und MTB-Strecke ausgewiesen. Das mit dem MTB sollte man in der Schweiz aber ernst nehmen. Mit einem Straßenrad wäre hier nicht viel zu holen gewesen. Selbst ein Hardtail hätte ich hier mit Gepäck nicht unbedingt runterfahren wollen.

Immer wieder fällt Wasser rechts und links die steilen Hänge hinab ins Tal. An einer kleinen Brücke legte ich einen Halt ein und genoss eine Weile die fast schon mystische Umgebung. Nicht von irgendwoher inspirierte Tolkien diese Region bei der "Erschaffung" von Bruchtal.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-23_017-Lauterbrunnental-Wasserfall_DSO.jpg

Überall entlang des Trails fällt Wasser von den Hängen Richtung Talgrund und vereinigt sich in der Sefinen Lütschine, die bei Stechelberg in die Weisse Lütschine fließt.


https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-23_020-Lauterbrunnental-Wasserfall_DSO.jpg

Wie durch einen Bilderrahmen fiel der Blick durch den Wald auf einen der großen Wasserfälle, der aus dem Felsen in die Selfinen Lütschine hinabstürzt.


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Nur wenige Meter weiter den steilen, verblockten Trail hinunter, kreuzt unter der nächsten kleinen Holzbrücke das Chlyns Rufibächli und stürzt in die Selfinen Lütschine.


https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-23_025-Lauterbrunnental-Wasserfall_DSO.jpg


Bald weitet sich das enge Tal in das breite, aber tiefe Lauterbrunnental und auch der Weg erreicht wieder 4X4-befahrbare Breite und geht auf Schotter, später auf Asphalt über. In einem großen Schwenk nach Süden fällt die Route ins Lauterbrunnental hinab und wendet sich Richtung Norden und zum Talgrund. An einer Bank mit Ausblick auf Stechelberg legte ich eine kurze Rast bei Kaffee und Schokobrötchen ein.

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Kurze Rast oberhalb Stechelberg. Dort unten beginnt bald wieder der Massentourismus.

Von Stechelberg nach Lauterbunnen ging es dann im Slalom durch schönsten Massentourismus. Je näher Lauterbrunnen, desto mehr internationale Besucher wimmelten auf den Wegen herum. Nur schnell einen Versorgungsstopp im Coop am Bahnhof, dann entfloh ich diesem Auftrieb auch schnellstmöglich wieder. Über Zweilütschinen wollte ich der BOB folgend nach Grindelwald wechseln. Die entspannte Schotterstrecke, meist auf einem breiten Weg, kenne ich nach vielen Besuchen nun auch langsam auswendig. Dennoch immer wieder ein schöner Abschnitt, um sich bergab eine kleine Pause zu gönnen, oder sich bergauf, ohne zu starke Steigung, etwas warmzufahren für die später folgenden Steilanstiege. Heute braute sich am Himmel aber Ungemach zusammen. Es wurde schon am Lauterbrunner Ast vor Sandweidli am Himmel immer dunkler. Sehr dunkel. Gerade noch an Sandweidli vorbeigefahren, blieb ich dann doch stehen und checkte das Regenradar. Das sah gar nicht gut aus und so eilte ich schnell zurück bis Sandweidli und suchte an der dortigen Bushaltestelle Zuflucht. Die richtige Entscheidung bei dem nur wenige Momente später losdonnernden Sommergewitter. Zum Glück hatte ich eben noch eingekauft und konnte die ungeplante Pause sinnvoll nutzen. Nicht umsonst ist der Osthang hier mit einigen Warnungen versehen, nicht zu verweilen: Es polterten doch einige unangenehm große Steine Richtung Tal - schon ein wenig unheimlich.

Als nach einer halben Stunde das Gröbste durch war, wagte ich mich aus meiner Schutzhütte und wartete noch den ABeh 4/4-Kurs ab, der eben im kompletten Unwetter Richtung Lauterbrunnen gefahren war und nun zurückkommen müsste. Das Bild war dann nicht besser als gestern. Wieder ein Nachschuss, diesmal aber nicht mit Licht in der Achse, sondern ganz ohne Licht.

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Manches sitzt man besser aus: Ein kurzes aber heftiges Sommergewitter entlädt sich bei Sandweidli zwischen Zweilütschinen und Lauterbrunnen. Gut, sich bei solchem Wetter stets den letzten Zufluchtspunkt zu merken.

Wenn auch meist auf Asphalt, fährt es sich auf dem alten Nebensträßchen Richtung Grindelwald auch wunderbar. Der Verkehr rollt auf der Grindelwaldstrasse, während die wie immer bestens beschilderte Radroute sich mit nur wenigen Berührungspunkten einen Weg, wahlweise durch die malerischen Dörfer, oder die großen Wiesen entlang der Lütschine am Talgrund sucht. In Grindelwald ging es dann einmal durch den Talgrund, mit dem passend benannten Bahnhof Grindelwald Grund. Am dortigen Depot für die Ostrampe der Wengernalpbahn Richtung Kleine Scheidegg stand nur das Übliche herum: Ein eingebauter BDhe 4/4 und der Bhe 4/8 142. Immerhin mit der Tissot-Werbung fehlte letzterer mir auch noch.

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Kurz vor Grindelwald bietet sich querab ein kurzer Blick auf die Züge der BOB.

In Grindelwald ging es noch einmal kurz in den Coop unweit des Bahnhofes. Wirklich erschreckend, wie zugemüllt das Gebäude war. Wenn ein Mülleimer voll ist, wirft man einfach alles irgendwo mit drauf. Die Schattenseite des Massentourismus, der hier inzwischen herrscht und mit dem Aigerexpress gefühlt noch einmal angezogen hat. Nichts wie raus hier. Schon nach wenigen Kurbelumdrehungen auf der Oberen Gletscherstrasse war ich dem Ganzen wieder recht schnell entflohen. Nurmehr einige Leute mit geliehenen E-Rollern und E-MTBs blieben übrig auf dem Weg zum Ortsausgang Richtung Grosse Scheidegg.
Die Grosse Scheidegg ist eigentlich ein äußerst beliebter Pass unter Straßenradfahrern, aufgrund der bis hinüber nach Meiringen durchgehend asphaltierten kleinen Straße. Mit dem XC-MTB und entsprechend grobstolliger Bereifung gewinnt man dagegen keinen Blumentopf. Zumal auch noch bepackt mit der sparsamen Reiseausstattung. Aber ein Rennen sollte das hier auch nicht werden, stattdessen genoss ich am Anstieg die wunderschöne Landschaft, die sich bietet, sobald man sich etwas aus Grindelwald hinaufgekämpft hat. Der Pass führt auf Grindelwalder Seite weite Strecken unterhalb der steilen Flanken des Wetterhorns entlang. Mit jeder Serpentine wird der Blick auf das Panorama aus Mettenberg und Eiger-Mittelgrat besser. Die knapp 1000 Höhenmeter einfach durchziehen, ist da sowieso keine Option, denn das tolle Panorama will natürlich fotografisch umgesetzt werden.

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Nachdem Grindelwald einige Höhenmeter unter mir liegt, ergeben sich erstmals schöne Blicke auf die markante Flanke des Wetterhorns.


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Über die Grosse Scheidegg fährt sogar eine touristische Postautolinie. Sicher eine der schönsten Linien der Schweiz. Für den restlichen motorisierten Verkehr (leider zählen E-Bikes und -Roller nicht dazu) ist der bis Meiringen durchgehend asphaltierte Pass gesperrt.

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Das Spiel der schweren Wolken sorgte für eine tolle Lichtstimmung. Der Blick fällt zurück Richtung Grindelwald auf den Mettenberg und den Eiger-Mittelgrat.

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Gelegentliche, fotografische Pausen sind bei diesen Ausblicken Pflicht. Die Schotterabkürzungen mied ich heute nach der Plackerei gestern und nahm stattdessen mit blockierter Dämpfung das konstanter fahrbare Asphaltsträßchen.

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Überall stürzen kleine Wasserfälle aus der Flanke des Wetterhorns.

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Im Juni ist auf diesen Höhen schönster Frühling.

Knapp zwei Stunden hatte es dank ausgiebiger Pausen in dieser herrlichen Ruhe nun doch gedauert, bis ich nach einer letzten Serpentine das Berghotel Grosse Scheidegg erblickte. Noch kurz den Ausblick von oben genossen, dann stürzte ich mich auf der anderen Seite des Grats in die Tiefe Richtung Meiringen.

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Nach rund 1000 Höhenmetern ab Grindelwald, fällt der Blick auf die Passhöhe am Berghotel Grosse Scheidegg.

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Die Passhöhe liegt auf einem Grat, von dem aus es dann Richtung Meiringen hinab geht. Der Blick fällt vom Berghotel erstmals in diese Richtung knapp an der Baumgrenze.

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Am Berghotel war genau gar nichts los. Entweder hatte man um 17.30 schon Feierabend, oder es ist noch nicht so richtig Saison Ende Juni.

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Die ersten Höhenmeter sind wieder abgebaut und der Blick fällt zurück auf das wolkenumwobene Wetterhorn.


Nicht nur die Grosse Scheidegg wollte ich seit langem einmal fahren, seit ich eine Doku über die hiesige Postautolinie gesehen hatte, auch die Gletscherschlucht am Rosenlaui-Tal stand seither auf meiner Bucket List. Heute war ich dafür leider zu spät, denn die Schlucht macht um 18 Uhr zu. Schade, vielleicht ein andern Mal. Von Meiringer Seite ist es ja nicht gar so weit bis hier und auch für den MIV freigegeben. Also weiter runter den Pass bis zum Bahnhof Meiringen. Einen letzten Fotostopp gab es noch beim Blick zurück Richtung Wellhorn im schönsten Abendlicht.

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Von Grindelwalder Seite bildet das Wetterhorn die markante Kulisse Richtung Grosse Scheidegg, aus dem Rosenlaui-Tal gesehen ist das Wellhorn nicht weniger ikonisch. Links der Rosenlaui-Gletscher, den ich gestern noch am Rand des Brünigpasses aus dem Hotelfenster gesehen hatte.

Die Abfahrt bis Meiringen war ein Genuss. Dank der asphaltierten Straße völlig anspruchslos und fast schon langweilig, aber auch das macht mal Spaß. Am Bahnhofs-Avec von Meiringen zog ich mir einen Kaffee und aß am Bahnsteig ein erstes Abendessen, während die Züge vom Brünig und die Regios von und nach Interlaken ein- und ausfuhren. Eine Unterkunft hatte ich gestern Abend in Innertkirchen gebucht, sodass jetzt nur noch die letzten Meter über die drei Serpentinen zwischen Meiringen und Innertkirchen auf dem Programm standen, die von der Meiringen-Innerkirchen-Bahn im Tunnel mit der Station Aareschlucht unterfahren werden. Leider ereilte mich noch vor den drei Serpentinen der nächste heftige Sommerschauer, wenn auch diesmal ohne Gewitter. Zum Glück hatte das Regenradar recht behalten und die drei Stunden an der Grossen Scheidegg hatte das Wetter gehalten. Dort hätte sowas bisweilen unangenehm werden können. Ich stellte mich jetzt lieber mal eine Viertelstunde unter, anstatt auf den letzten Metern noch komplett durchnässt zu werden. Als es nachließ, nahm ich die kurze Strecke bis zum Hotel Post in Angriff, genau am Treffpunkt von Susten- und Grimselpass im Ortszentrum. Typisch altes Posthotel eben.
Die Unterbringung des Rades in einer der vollgerümpelten Garagen-/Werkstätten war etwas müselig, zumal dort auch schon alles mit Schrott und Rennrädern vollgestellt war. Wenigstens muss man sich hier in der Schweiz weniger Gedanken darum machen, ob das Rad morgen noch da ist.

Viel ging dann nicht mehr. Zweites Abendessen, kurz das Nötigste Gewaschen und aufgehangen, dann war Schicht. Morgen soll dann dieser Viertageskreis geschlossen werden. Es geht zurück an den Brünig für die morgendlichen Lokzüge und dann weiter bis zum Auto bei Dallenwil, mit dem es dann einen kleinen geografischen Sprung hinüber ins Wallis gibt. Dieser Teil dann auch wieder mit ein paar mehr Bahnbildern.

Bilanz dieser dritten Etappe: 80 km bei 5:42h Fahrzeit und 1600 Meter Anstieg. Der erste etwas entspanntere Tag, zumal es eben auch 2600Hm bergab ging insgesamt.
Dienstag, 24. Juni 2025: Zurück über den Brünig und weiter ins Wallis

Heute geht es noch einmal zu den Lokzügen am Brünig, bevor sich die erste Runde dieser Tour in Dallenwil schließt und ich mit dem Auto hinüber ins Wallis wechseln werden.


Die Überschrift dieses Tages mag erstmal verwirrend klingen: Zurück über den Brünig Richtung Luzern ist ja eher die falsche Richtung, um anschließend ins Wallis zu fahren. Aber ich hatte mich entschieden, die aktuelle Radrunde nach vier Tagen vorerst zu schließen und das Auto für die nächste Runde nachzuziehen. Zu ungewiss war in Abhängigkeit des weiteren Wetters der Reiseverlauf, um noch weiter vom Auto weg zu fahren.
Für heute standen zunächst aber noch einmal die beiden morgendlichen Lokzüge am Brünigpass Richtung Interlaken auf dem Programm. Ungefähr um halb zehn und halb elf wären die an der Betriebsausweiche Chäppeli kurz vor der Passhöhe. Da ich dort noch nie war, man mit dem Auto eher mäßig gut hinkommt und aus dem Zug nicht aussteigen kann, war das nun mit dem Rad die perfekte Gelegenheit. Nur früh losgehen müsste es heute, denn aus Innertkirchen ist es dann doch noch ein kleines Stück bis über die Passhöhe und weiter nach Chäppeli. Das personell unbesetzte Frühstück war hier schon ab 6 Uhr freigegeben. Perfekt, um schonmal etwas im Magen zu haben für den morgendlichen 550m-Anstieg.

Dem um 7 Uhr öffnenden Volg in Innertkirchen machte ich auch noch eine kurze Aufwartung, dann konnte es losgehen. Fast, denn genau passend begann gerade der Übergang der Meiringen-Innertkirchen-Bahn zu läuten. Den GTW 2/6 125 013 nahm ich im schönen Morgenlicht gern mit.

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Auch am frühen Morgen dreht der GTW 2/6 125 013 schon unermüdlich seine Runden zwischen Meiringen und Innertkirchen. Nach dem Halt in Innertkirchen Grimseltor, erreicht der Wagen gleich den Endbahnhof Innertkirchen MIB.

Die rund 14 km auf der schon in Gegenrichtung von Vorgestern bekannten Piste zogen sich bergauf nun durchaus. Es ist zwar steil, aber gleichmäßig fahrbar, der Untergrund wechselt zwischen Asphalt und leichtem Schotter. Ein schönes Programm für den Morgen. Gegen 8.30 war ich oben am Brünigpass und rollte auf dem Wanderweg entlang der Strecke weiter Richtung Chäppeli. Wiedermal hatte sich eine kleine Horde E-Biker um die 60 auf diesen Weg verirrt. Auf einem Weg der als Wander-/MTB-Route ausgewiesen ist, sollte man wirklich nur fahren, wenn man selbst und das Rad auch dafür geeignet ist...
Vor dem ersten Lokzug war noch eine normale Zugkreuzung an der Passhöhe dran, sodass ich mir erstmal noch ein Motiv in Fahrtrichtung Luzern suchen konnte. Ganz einfach ist das hier oben aber in beide Richtungen nicht, alles ziemlich eng im Wald außer rund um die Betriebsausweiche. Situativ entdeckte ich aber ein schönes Hochkantmotiv mit blühendem Zeugs im Vordergrund, dass den eigentlichen, eben beschriebenen Charakter der Strecke ziemlich gut zeigt. Ein Bild, dass man so eher nicht plant, sondern spontan entdeckt, wenn man an der Strecke entlangwandert oder -radelt. Nach kurzer Wartezeit kam die Adler-Komposition Richtung Luzern. Und wenig später war das Motiv auch schon wieder Vergangenheit, denn das motivbereichernde Blühezeugs versank bereits wieder im Baumschatten.

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Anstieg auf den Brünig bei Hasliberg Hohfluh.

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Eine Adler-Komposition mit 150 202-6 an der Spitze Richtung Luzern zwischen Brünigpass und Chäppeli.


Die Betriebsausweiche Chäppeli ist eine der wenigen Stellen hier in der Ecke, wo es mit dem Licht am Morgen ganz gut funktioniert mit einem Lokzug Richtung Interlaken. Nach einem kurzen Check der Aussicht vom Wanderweg auf den Lungernsee, wechselte ich auf die Lichtseite der Strecke und schaute mich etwas um. Zu einem Hof führt hier ein Weg, den man ein ganzes Stück reinlaufen kann, um vernünftig seitlich zu stehen und die Betriebsausweiche samt dem Berner Oberland ins Bild zu bekommen. Irgendwann verschwimmen die Wege hier aber alle in der Wiese, sodass man nicht so recht auf die Lokseite kam, was mein eigentliches Ziel gewesen war. Letztlich war aber der seitliche Blick vielleicht sogar schöner und noch besser war: Irgendwas kam da gefahren weit vor Planzeit. Es war die Reservekomposition für den Regio Meiringen - Interlaken mit HGe 4/4 101-965-2, die ich bislang immer nur in Meiringen hatte herumstehen sehen. Den hübschen kleinen Zug mit drei Einheitswagen und Steuerwagen nahm ich hier natürlich auch gern mit. Die Komposition wartet dann noch gute fünf Minuten auf den entgegenkommenden Verstärker-Lokzug aus Luzern.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_007-Lungernsee.jpg
Blick von meiner Offroad-Route auf den Lungernsee bei der Betriebsausweiche Chäppeli.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_015-zb-101-965-2-Chaeppeli.jpg
Aus Meiringen kommt die Reserve-Komposition mit HGe 4/4 101 965-2 Richtung Luzern. Der Zug fuhr dann schon in Lungern auf Seite und blieb dort einige Zeit stehen, bevor er wohl zurück Richtung Berner Oberland entschwunden war. Vermutlich hat der irgendeine Reisegruppe aus Fernost aus Lungern abgeholt und Richtung Jungfraujoch oder Brienz gebracht. Beides beliebte Zwischenstopps der internationalen Gruppenreisen.

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Wenig später kommt der lokbespannte Verstärker aus Luzern entgegen. Eigentlich hätte ich gern irgendwo da hinten an der vorletzten Hütte gestanden. Das war mir aber alles schon zu viel Wiese um dort einfach durch zu marschieren. Diese Variante mit dem Berner Oberland als Kulisse, war letztlich vielleicht gar nicht schlechter. Und das dort eine Lok an der Spitze des Pendelzuges hängt, ist durch die seitliche Perspektive gut erkennbar.

Quasi parallel rollte ich dann mit der Reserve-Komposition in Lungern ein. Für ein Bild reichte es aber nirgends mehr - hätte auch erstmal ein Motiv gebraucht... Ein bisschen was ging kurz vor dem Bahnhof Lungern. Dort wartete ich auf den nächsten IR Richtung Interlaken, der nun nicht mehr fern sein konnte. Über Lungern ist irgendwie der fernöstliche Gruppentourismus hereingebrochen, das war mir schon auf der Hinfahrt aufgefallen. Überall stehen hier rund um Lungern nun Schilder, dass das Betreten der Wiesen verboten ist (eigentlich eine Selbstverständlichkeit im Sommer), dass das Drohnenfliegen verboten ist und überhaupt: Alles Privat hier. Tja, wer diesen Tourismus ruft und davon profitiert, der bekommt auch diesen Tourismus. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_020-zb-150-103-6-Lungern.jpg
Der nächste IR Richtung Interlaken fährt aus Lungern aus, an der Spitze 150-103-6.

Zum Abschluss hier an der Brünigstrecke wollte ich nun noch einige klassische Motive rund um Lungern mit dem See umsetzen und dabei auch den zweiten Lokzug abpassen. Irgendwie war ich zu den Motiven hier noch nie gekommen. Oberhalb der Strecke gibt es hier ein kleines Sträßchen und einen markierten Wanderweg durch eine Wiese, von wo sich das alles recht gut umsetzen lässt. So lungerte ich an diesem Vormittag noch eine Stunde in Lungern herum und schoss die verschiedenen Perspektiven. Es war einfach herrlich hier an der Wiese oberhalb des Sees. Die Sonne kam gerade ziemlich seitlich. In Kombination mit den Schlenkern der Strecke, ließ sich so in beide Richtungen was anfangen.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_021-zb-160-002+105-204+105-304+161-013-Lungern.jpg
Diese endlosen Adler/Fink-Kompositionen hier bei Lungern ganz drauf zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Hinter der Bahnhofsausfahrt Richtung Luzern passte es ganz knapp mit dem nächsten IR, gebildet aus - hier mal vollständig - 160 002, 105 204, 105 304 und 161 013.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_022-zb-101-966-0-Lungern.jpg
Um kurz nach halb elf erreicht der zweite Vormittagsverstärker aus Luzern Lungern, gezogen von HGe 4/4 101 966-0.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_023-zb-101-966-0-Lungern.jpg
Am Hang entlang schlängelt sich der Zug oberhalb des Sees in den Bahnhof.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_024-zb-Lungern.jpg
Auch der nächste IR Richtung Luzern ist eine in der Hauptsaison übliche, zehnteilige Adler/Fink-Komposition.

Jetzt war ich hier durch und das Hochlicht wurde langsam brutal. Also Strecke machen. Ich fuhr zurück in den Ort, um wieder die schöne, autofreie Schotterpiste am gegenüberliegenden Ufer zu nehmen. Die nächste Stunde rollte es einfach nur wunderbar das Tal hinab, nur einen kurzen Abschnitt am Sarnersee war wieder Straße angesagt. Wenn auch sehr hoch am 24. Juni, stand das Licht an der großen Wiese vor der Bahnhofseinfahrt Sarnen doch gerade richtig. Ich wartete in der brütenden Mittagssonne die nächste S-Bahn nach Giswil ab und zog dann doch lieber wieder den Fahrtwind vor.

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Ein Fink eilt als S-Bahn über die Wiese hinter dem Bahnhof Sarnen Richtung Giswil.

Die Route über Kerns und Ennetmoos nach Stans hatte ich schon in Teil 1 vor drei Tagen beschrieben. Die ging es nun einfach stumpf zurück, mit dem schönen Unterschied, dass diesmal umgekehrt weite Teile des kleinen Anstieges im kühlen Wald lagen und die durch Fahrtwind gekühlte Abfahrt in der Sonne.

Mit den Lokzügen auf der Engelberger Linie hatte ich jetzt noch drei Nachmittagsmotive offen, die auf der Hinfahrt durch den Siff geschluckt worden waren. Das erste befand sich direkt an meiner Einfallsroute nach Stans. Vorteil wiedermal, dass sich das Rad ganz einfach an der Wiese parken ließ. Kurz auf den nächsten IR nach Engelberg gewartet und das Bild war im Kasten.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_028-zb-Stans.jpg
Vor Stans macht die Strecke der Engelberger Linie eine große Kurve in den Ort hinein. Zumindest die Umgebung des vordergründig idyllischen Wiesen-Motives wird allerdings immer mehr verbaut.

Ich hatte nun fast eine Stunde Zeit und nutzte das, um am Coop am Bahnhof Stans für ein Mittagessen vorbeizuschauen. Im Schatten vor dem Coop Zuflucht suchend, ließ sich Energie nachschieben, auch wenn es heute in Summe mehr bergab, als bergauf gegangen war. Mit der nächsten IR-Kreuzung in Dallenwil ließen sich dann mit wenigen Minuten Abstand die beiden anderen Motive zwischen Dallenwil und Stans umsetzen.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_029-zb-101-961-1-Stans-Dallenwil.jpg
HGe 4/4 101 961-1 zwischen Stans und Dallenwil Richtung Engelberg.

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Wenige Minuten später die Gegenrichtung mit 101 961-1 Richtung Luzern an der langsam aus allen Blickwinkeln abgelichteten Kapelle vor Stans.

Damit war die erste Viertagesrunde dieser Tour auch am Ende. ich rollte die letzten Meter nach Dallenwil zurück zum Auto und verlud das Rad. Immerhin noch einmal 65 km waren bei dieser Halbtagsetappe bei 4 Stunden Fahrzeit zusammengekommen, erstmals mit 860 Metern Anstieg aber nicht die 1000er-Marke geknackt.

Der weitere Nachmittag war dann eine sehr gemütliche Autofahrt hinüber ins Wallis. Im Grunde fuhr ich die erste Strecke einfach wieder zurück, was ich eben mit dem Rad gefahren war, denn ich musste jetzt wieder zurück nach Innertkirchen, um über den Grimsel ins Goms zu kommen. In Giswil hielt ich für einen Kaffee gegen das Mittagstief am Bahnhofs-Avec. Unterwegs war mir der reaktivierte BDeh 4/4 mit seiner Pendelgarnitur entgegengekommen. Dem Anschein nach aber nicht im Fahrgasteinsatz. Dem jetzt irgendwie nachzusetzten, erschien wenig vielversprechend. Also weiter im Programm über den Brünig zum Grimselpass. Dort genoss ich hier und dort die atemberaubende Aussicht auf den von der Passstraße nicht mehr sichtbaren Bächligletscher, den schroffen Grimselsee und den Totesee an der Passhöhe.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_031-Grimselpass.jpg
Der Grimselpass von Meiringen hinüber nach Gletsch ist einer der klassischen Alpenpässe der Schweiz und führt hinauf auf 2163m an der Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer.

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Vom Bächligeltscher ist von der Straße aus nurmehr der zurückgelassene Fels zu sehen.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_038-Grimselsee.jpg
Der Grimselsee hat irgendwie etwas von einer Filmkulisse.

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Direkt an der Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer liegt an der Passhöhe der Totesee. Ab hier geht es dann hinunter Richtung Gletsch, wo der Grimsel- auf den Furkapass trifft und beide weiter hinunter Richtung Goms führen.

https://www.tramtrain-bilder.de/wp-content/Bilder/2025/T2025-06-24_044-Grimselpass-Totensee.jpg
Blick über den Totesee

In Münster hatte ich eine Nacht im Hotel Landhaus gebucht. Dort war gerade eine Kleingruppe am einchecken, sodass ich erstmal rüber zum Coop lief und mir mein Abendessen besorgte. Als ich wiederkam, servierte man mir in einer kleinen Sitzecke erstmal ein Getränk nach Wahl aufs Haus, während die Formalitäten geklärt wurden. Wo war ich denn hier gelandet? Machte irgendwie alles etwas auf chic. Da passte ich mit meinen verschwitzten Radklamotten mal so gar nicht rein. Trotzdem kümmerte man sich sehr freundlich - für mich eine Spur zu freundlich - irgendwie wirkte das alles schon sehr künstlich. Für 81€ hatte ich mit sowas jetzt mal gar nicht gerechnet. Vermutlich Spätbucherrabatt auf Booking, um die Zimmer noch auszulasten. Ich war wiedermal einfach nach dem Preis gegangen und hatte geschaut, dass die Durchschnittsbewertung halbwegs ordentlich ist. Mit diesen zwei Filtern bleibt in der Schweiz dann meist schon nicht mehr viel Auswahl übrig. Auf eine Tischreservierung verzichtete ich dankend, vermutlich hätte das Essen mehr gekostet als das Zimmer. Nicht ganz zum Anspruch passte dann, dass mir beim Versuch auf meinem kleinen Einzelzimmer zu Duschen, das Fehlen sämtlicher Handtücher auffiel. Aber das ließ sich mit einem Gang zur Rezeption auch lösen, auch wenn man mir erst nicht ganz glauben wollte, dass ein solcher Fehler passiert sein könnte. Aber ich hatte wirklich überall nachgeschaut mit dem Ergebnis, dass keine Handtücher zu finden waren.

Anschließend lief ich noch hinunter zur Wiese an der Ortseinfahrt, aber es wird langsam zum Running Gag, dass ich dort abends immer knapp zu spät ankomme, wenn die Sonne gerade hinter den Bergen verschwunden ist. Naja, ist eh nur die Steuerwagenseite und das Motiv auch kein "must have". Es war einfach schön, am Abend noch einmal ein Runde durch den Ort zu laufen. Überhaupt: Gehen. War mal ein ganz ungewohntes und angenehmes Gefühl nach vier Tagen am Rad.

Gemütlich bei reichlich Essen klang der Tag auf dem Zimmer aus. Als nächstes steht dann nochmal eine Zweitagestour an: Von hier aus will ich das Goms hinunterradeln, dann bis Täsch das Mattertal wieder hinauf und retour. Sollte gut zu schaffen sein in zwei Tagen - wenn das Wetter halbwegs mitspielt.
Bis dahin wünsche ich erstmal ein schönes Wochenende.

VG,
Tobias

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.07.26 06:33.
Wundervolle Bilder.... auch die ohne Eisenbahn gefallen mir sehr gut.
Vielen Dank für den Beitrag
DB 399 101-5 schrieb:Zitat:
Tja, wer diesen Tourismus ruft und davon profitiert, der bekommt auch diesen Tourismus. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Hallo Tobias

Du darfst ruhig ein bisschen Mitleid haben, denn diesen Tourismus hat Lungern nicht explizit gerufen. Eine asiatische Fernsehserie, in welcher offenbar einige Szenen am Lungernsee spielen, hat diesen Hype ausgelöst!
Die Einheimischen und Touristiker wurden davon komplett überrumpelt und wissen nun nicht mehr, wo wehren. Ähnliches ist auch schon in anderen Orten vorgekommen, z.B. Iseltwald oder Grindelwald, und ist hoffentlich nur vorübergehend beständig.

Grüsse aus dem Berner Oberland
Woody
Hallo Tobias,

herzlichen Dank für den Beitrag, bei dem mir schon beim Lesen schwindelig vor Erschöpfung wird. Was für eine Energieleistung!


Grimsel 1.1280.jpg
Der Grimselsee als Panoramaaufnahme (das ist eine Puzzelarbeit aus mehreren zusammengebastelten Hochkant-Weitwinkelaufnahmen)


Grimsel.1.DSO.jpg
Blick vom Grimsel auf Furka-Bergstrecke, Furka-Passstraße, den Rotten sowie den fast nicht mehr vorhandenen Rhone-Gletscher.


Beste Grüße, Michael


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Vielen Dank. Freut mich, dass es gefällt!

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Hallo Woody,

Danke für die Aufklärung. In dem Fall habe ich natürlich dann Mitleid ;-)
Das kennt man ja inzwischen aus mehreren Orten, in denen in Asien populäre Serien und Filme gedreht wurden. Das extremste Beispiel in den Alpen ist sich er Hallstadt...

VG,
Tobias

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Hallo Michael,

Danke! Freut mich, wenn es gefällt.

Schöne Ergänzung mit den zwei Panoramen.
Das Panorama vom Grrimselsee habe ich tatsächlich auch gemacht, allerdings gab es dann beim Zusammensetzen in Lightroom Probleme mit den über den See gespannten Kabeln und den Wellen. Da wäre bei mir noch etwas Nacharbeit nötig, die ich bislang nicht investiert habe.

VG,
Tobias

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Hallo Tobias, vielen, vielen Dank für Deinen exzellenten Reisebericht aus dem Berner Oberland. Auch die bahnlosen Fotos haben mich begeistert. Überhaupt haben mich die Aufnahmen trotz der modernen Züge an meine Besuche vor mindestens 2 Jahrzehnten dort erinnert. Allerdings damals meist per Auto. Per MTB, da sollt ich doch noch 40/50 Jahre jünger sein.🙂 Bin schon einmal gespannt auf das Wallis.
Es grüßt vielmals
Detlef

Hallo Detlef,

Danke Dir für die netten Worte! Freut mich wenn es wiedermal gefallen hat.

VG,
Tobias

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DB 399 101-5 schrieb:
Hallo Woody,

Danke für die Aufklärung. In dem Fall habe ich natürlich dann Mitleid ;-)
Das kennt man ja inzwischen aus mehreren Orten, in denen in Asien populäre Serien und Filme gedreht wurden. Das extremste Beispiel in den Alpen ist sich er Hallstadt...

Wobei wir "Hallstatt" mit dreimal "t" schreiben, und dafür ganz ohne "d"
LG Robert
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