Im Juni 2025 ging es an den längsten Tagen des Jahres für eine Radtour in die Schweiz. Im ersten Teil geht es entlang der Zentralbahn vom Engelbergertal hinauf bis Hasliberg am Brünig und am zweiten Tag weiter ins Berner Oberland zur BOB und Wengernalpbahn.
In drei Teilen möchte ich euch wiedermal mitnehmen auf eine Reise mit dem Rad entlang der Schweizer Schmalspur. Schon knapp über ein Jahr liegt diese Reise nun zurück, aber erst jetzt bin ich mit dem Reisebericht fertig geworden. Vieles was ich zeigen werde sind keine großen Besonderheiten. Aber ein paar Highlights, wie die inzwischen beendeten Einsätze der Abeh 4/4 bei der BOB oder Anregungen wie die bald vor der Ablösung stehenden Lokzüge bei der ZB, die Fahrzegvieltfalt bei der MGB, oder die letzten Lokzüge auf der Arosabahn, sind vielleicht dabei. Damit wünsche ich auch schon viel Spaß bei dieser Reise!
Prolog
Nachdem die jährliche Foto-/Radtour in die Schweiz vergangenes Jahr kurzfristig ausfallen musste, war in diesem Jahr ein erneuter Anlauf geplant. Bis in den September warten, in dem die Tour letztes Jahr angedacht war, wollte ich allerdings nicht mehr. Also noch vor der großen Sommerhitze mit täglichen Gewittern dachte ich mir, und plante die Tour um die längsten Tage des Jahres Ende Juni. Ein paar Wochen früher wäre mir noch lieber gewesen, das ging sich allerdings aus verschiedenen Gründen nicht aus.
Der Fokus sollte dabei in diesem Jahr noch einmal mehr in Richtung Radfahren schwenken, als ohnehin schon. Erstmals wollte ich das Auto einfach irgendwo paar Tage stehen lassen und sozusagen "unsupported" völlig ohne die "Last" des täglichen Autoverschiebens unterwegs sein. Am Setup musste dafür natürlich ordentlich gebastelt werden, um das MTB zum vollwertigen Reisemobil auszubauen, ohne dass dabei durch einen komplett schwer berödelten Bock der Fahrspaß abhanden geht. Die Schnittmenge der Leute mit diesen beiden von mir bei meinen Schweizreisen verbundenen Hobbys mag zwar gering sein, aber vielleicht interessieren die Gedanken zur Ausrüstung doch den ein oder anderen. Wenn nicht: Die folgenden Absätze einfach überspringen ;-)
Es musste also vorrangig reduziert werden: Was braucht es wirklich unterwegs? Die große Vollformat? Sicher nicht! Das über den FTZ-Adapter an meiner Nikon Z50 montierte AF-S 18-35 3,5-4,5 war es auch schonmal nicht. Das bringt mit dem Adapter 500g auf die Waage und ist viel zu sperrig. Ich schoss also für paar Euronen gebraucht das APS-C Kit-Objektiv Z DX 16-50 3,5-6,3. Bei der vor zwei Jahren ebenfalls gebraucht gekauften Z50 hatte ich darauf extra noch verzichtet, da ich der Qualität nicht wirklich über den Weg traute. Aber paar Testrunden bestätigten dann, dass es für Landschaft im Hellen vollkommen ausreicht. Es fühlt sich zwar bisschen billig an, ist aber anständig verarbeitet und vor allem haben selbst diese, für die spiegellosen Mounts neu entwickelten "Billig-Objektive" einen enormen Qualitätssprung gemacht. Nicht zu vergleichen mit dem, was man vor zehn, zwanzig Jahren zum Kamera-Body "geschenkt" dazu bekam. Der Kompromiss ist hier vorrangig die Lichtstärke und weniger die Abbildungsleistung, erst recht nicht an einem "nur" 20MP-Sensor. Und was man bei diesem Kompromiss durch die pencakeartige Bauweise gewinnt: Das Teil wiegt keine 150 Gramm und baut gerade einmal 3,5 cm tief. Zusammen mit der Z50 bringt die Kombi gerade einmal knapp 580 Gramm auf die Waage. Für optimierte Abbildungsleistung und Lichtstärke holte ich mir vor der Reise noch spontan die Viltrox 25mm 1,7 Festbrennweite, von Maßen und Gewicht fast identisch zum Nikon Kit-Zoom (Edit 2026: Inzwischen hat Nikon mit dem Z DX 16-50 2,8 endlich ein lichtstarkes DX-Standardzoom für das Z-Bajonett rausgebracht, das sogleich den Weg zu mir gefunden hat und die Kombination von der 2025er-Reise weitgehend abgelöst hat). Gesamtgewicht der Fotoausrüstung somit nur 800 Gramm. Zum Vergleich: Meine Nikon Z6II mit dem 24-120 f4 bringt allein 1300 Gramm auf die Waage und hätte einen beträchtlichen Teil des Rucksacks in Anspruch genommen.
Womit wir beim Thema Rucksack wären. Normalerweise nutzte ich bislang beim Biken den Evoc Photop 22l. Ich glaube diese Version mit Rolltop wird aktuell gar nicht mehr produziert. Zumindest ist der super geräumig auch für eine Vollformatkamera mit Standard-Zoom und Verpflegung für einen ganzen Tag. Aber dann doch viel zu groß und schwer, um den tagelang durchgehend beim Fahren zu tragen. Als Alternative holte ich mir daher den Evoc Stage Capture 16. Perfekt, für eine kleine Kamera und ein kleines Wechselobjektiv. Ins Fotofach passt dann sogar noch ganz entspannt das kleine Medi-Kit und die Ladegeräte für Kamera und Smartphone. In die zwei Fächer über dem Kameraabteil passt bisschen Verpflegung und Krimskrams, den man schnell im Zugriff haben möchte. Optional ist noch Platz für eine Trinkblase, falls ich doch mal wieder Wandern gehen sollte. Das Rucksack-Setup war damit klein und kompakt und wusste zu überzeugen.
Der kleine Fotorucksack Evoc Stage Capture 16 trug sich auch tagelang auf der Tour super angenehm dank des Rückennetzes mit Luftzirkulation sowie Brust und Beckengurt. Das Fotofach mit externem Zugriff ist erstaunlich geräumig und bot mir Platz für die Nikon Z50 mit dem Z DX 16-50 3,5-6,3, dem Viltrox 25mm 1,7, einem Medi-Kit für den Notfall, sowie Ladegeräte für Kamera und Smartphone/Powerbank und zwei ND-Filter. Am Außennetz für eine Trinkflasche, die es dank Fahrrad nicht brauchte, konnte ich ein kleines Manfrotto-Ministativ unterbringen. Über dem Fotoabteil bietet ein kleines Fach Platz für den Ersatzakku, Portmonee, Sonnen- und Sitzcreme und ein größeres Fach für die nächste Essensration. In ein separates Rückenfach geht zudem noch ein Trinkblase, die aber eher auf Wanderungen interessant wird. Nachdem ich den Evoc Photop 22l schon seit vielen Jahren nutze, kann ich auch diesen kleinen Stage Capture 16 absolut empfehlen. Die Evoc-Produkte haben zwar ihren Preis, hin und wieder gibt es aber gute Rabatte und die Qualität konnte mich bislang absolut überzeugen. Zudem sind die Teile schön dezent und tragen weder auffällig als Fotorucksäcke, noch als Outdoorrucksäcke auf.
Galt es noch das Rad zu bepacken. Bei einem MTB-Fully ist das mit der komplexen Rahmengeometrie und den nötigen Freiheitsgraden für die Dämpfung ja etwas komplizierter. Es war im Vorhinein etwas trial&error und Bestellungen liefen hin und her. Um es kurz zu fassen: Es wurde am Ende die Restrap Top Tube 1,5l auf dem Oberrohr für die Powerbank, Radbrille und paar schnelle Energiesnacks, die Apidura Backcountry Downtube Pack 1.8L für Ersatzschläuche, Bremsbeläge und die nötigsten Wartungsutensilien und die Vaude Trailsaddle II "Arschrakete" mit bis zu 10l Volumen, für die wenigen Wechselklamotten, Regenjacke, paar Hygieneartikel und optionalen Stauraum für Verpflegung, die unterwegs zeitweise nicht in den kleinen Rucksack geht. Im Rahmendreieck die üblichen zwei Flaschenhalter für insgesamt 1,5l.
Es war schon ein ziemliches Gewurschtel, ausprobieren und Hin- und Herüberlegen, eine große Testrunde im Harz und nach Celle, aber am Ende stand ein gutes Setup, mit dem ich auch im Nachhinein weitgehend zufrieden war. Im Fahrstil fühlte ich mich zu keinem Punkt eingeschränkt, die gesamten Anbauten haben alle Schläge in Abfahrten, Stein- und Wurzelüberfahrten klaglos mitgemacht, ohne das sich einmal etwas gelöst oder zu klappern begonnen hätte. Einzig der nach oben und hinten wandernde Schwerpunkt durch die Arschrakete ist voll beladen zunächst etwas gewöhnungsbedürftig.
Nach dem Rucksack gilt es noch das Rad zu berödeln - hier das finale Setup: Auf dem Oberrohr die Restrap Top Tube 1,5l, am Unterrohr konfliktfrei zum Federweg des Vorderrades und der Umdrehung der Kurbel (beides wurde bei anderen Herstellern zum Problem) die Apidura Backcountry Downtube. Als großer Stauraum die "Offroad-Arschrakete" von Vaude, die Trailsaddle II. Der Packsack in der Halterung der Arschrakete ist mit einer Schnalle super schnell "befreit" und kann dann zusammen mit dem Rucksack mit auf's Zimmer genommen werden. Alles weitere kann über Nacht am Rad bleiben. Es war gefühlt einfacher und schneller, als auf anderen Reisen jeweils am Abend aus dem Auto alles Nötige zusammen zu kramen: Rucksack und Packsack mitnehmen und fertig. Gewichtsmäßig bewegte sich das alles im Rahmen, sodass auch wie hier, die Überquerung der Grossen Scheidegg kaum merklich schwerer war, als ohne "Reisegepäck". Ach und das Rad? Nach wie vor das 2021er XC-Fully Cube AMS 100 C:68 TM 29. Hat technisch deutlich mehr Reserven als sein Fahrer. Viele der zu fahrenden Strecken in den nächsten Tagen wären auch mit einem klassischen Hardtail-XC oder gar Gravel-Bike zu meistern gewesen. Aber will man sich das Gerüttel antun? Muss nicht sein. Und bei 10% bis 20% der Strecken war ich mehr als froh, an manchem verblockten oder verwurzelten engen Aufstieg oder Abfahrt mit meiner eingeschränkten Fahrtechnik so viel Reserve durch das Bike zu haben.
Nun aber genug des Nerd-Talks. Wo sollte es eigentlich hingehen? Berner Oberland wäre definitiv eine Option, bisschen die letzten Lokzüge auf der zB noch einmal würdigen, zum wiederholten Mal und kurz vor Ladenschluss einen weiteren Versuch starten, einen modernisierten ABeh 4/4 II auf der BOB zu erwischen und sonst mal zu den neuen Triebwagen nach Mürren hoch schauen und bisschen was an der Wengernalpbahn machen. Viele Ideen für bestimmt vier Tage am Stück auf dem Rad. Das Auto wollte ich erstmal an der zB in Dallenwil stehen lassen, eine erste Nacht hatte ich oben am Brünig in Hasliberg gebucht. Der Rest wie immer situativ. Das Wetter schien erstmal grob zu passen.
Samstag 21. Juni 2025: Von Dallenwil auf den Brünig
Streng genommen war es noch Freitag der 20. Juni, als ich die Anreise startete, denn wie zur Gewohnheit geworden, sollte es in einer Nachtfahrt hinunter in die Schweiz gehen. Um 21 Uhr war das Auto beladen, und der Motor startete. Ziel war das Frühstück an einem Coop Pronto gegen 6 Uhr irgendwo zwischen Basel und Luzern. Bis Mitternacht wollte ich erstmal durchfahren, dann gab es eine fast einstündige Schlafpause und im weiteren Verlauf nochmal zwei knapp halbstündige Powernaps. Ansonsten fuhr es sich wieder super entspannt durch die Nacht: ACC auf 120, Podcast an und bisschen lenken...
Es ging in den längsten Tag des Jahres und so dämmerte es schon zwischen drei und vier langsam wieder. Die Schweizer Grenze bei Basel war wie immer unkompliziert passiert, die Vignette schon im Vorhinein digital gekauft. Ab 6 Uhr öffnen die Coop Prontos an den Tankstellen und so hieß es ab Basel Ausschau halten und hinter dem Dreieck Härkingen fündig werden. Auto gefüttert, Mensch gefüttert und schon ging es weiter, sodass ich gegen halb acht den Bahnhofsparkplatz von Dallenwil erreichte. Via SBB-Parkapp löste ich schonmal für drei Tage vor, das lässt sich aber auch jederzeit bis zu sieben Tage verlängern. Kostete hier 6 CHF pro Tag, was vollkommen in Ordnung ist. Und irgendwie ist es maximal sorglos den Wagen an so einem Parkplatz abzustellen, anstatt mühsam einen der wenigen kostenfreien Stellplätze der Schweiz zu finden, wo man sich doch immer nicht ganz sicher ist, ob der Wagen nicht verräumt wird, wenn es offensichtlich eine Touristen-Karre ist, die dort ewig parkiert.
Gerade kreuzten zwei Lokzüge aus und nach Engelberg, sodass ich mich jetzt beim "Aufbau" des Rades nicht hetzen musste, sondern in Ruhe vorging, um nichts Wichtiges für die voraussichtlich mindestens nächsten vier Tage zu vergessen. Dann konnte es losgehen. Weit fuhr ich zunächst allerdings nicht, denn die Wiesen zwischen Dallenwil und Stans liegen am Morgen im schönsten Licht. So rollte ich nur wenige Meter wieder hinaus aus dem Tal und wartete dann mal auf die nächsten Züge. Aber diese ersten Meter sind auch gleich immer einer der schönsten Momente so einer Tour, wenn man richtig realisiert, dass es jetzt losgeht. Die nächsten Tage nurmehr das Rad, die Kamera und die Berge, auf der Jagd nach dem nächsten Zielfoto und der nächsten Passhöhe. Der Urlaub hatte begonnen!
Zunächst würden in Dallenwil jetzt die bei S4er kreuzen, bevor wieder die nicht ganz eine halbe Stunde dazu versetzten Lokzüge des IR von und nach Engelberg dran wären.
Aus Wolfenschiessen kommt ein Doppel aus Fink und Spatz zwischen Dallenwil und Stans als S4 Richtung Luzern durch. Hinten hängt der Spatz 130 002-9.
Dann folgt in Gegenrichtung der Luzern-Stans-Engelberg-Express, nach wie vor mit den HGe 4/4, einigen Einheitswagen und einem dreiteiligen Niederflursteuerwagen geführt. Acht Maschinen erhielt die SBB 1989 bis 1990 für die heutigen Strecken der Zentralbahn. Zwei werden täglich für die beiden stündlichen Expresszüge nach Engelberg benötigt, eine für Verstärkerleistungen auf dieser Linie, zwei weitere fahren aktuell vormittags zwei Verstärkerzüge über den Brünig nach Interlaken und abends wieder zurück nach Luzern. Ein Dispozug mit HGe 4/4 steht zudem normalerweise in Meiringen und springt von Zeit zu Zeit auf den Regios Meiringen-Interlaken ein. Mit der weiteren Bestellung neuer Stadler-Triebzüge dürfte die Zeit der HGe 4/4 vor regulären Personenzügen bald vorbei sein.
Nachschuss auf den von HGe 4/4 101 964-5 geführten Zug nach Engelberg.
Für den Gegenzug verschob ich mich nur wenige Meter, mehr ließ die nahe Kreuzung in Dallenwil auch nicht zu. Der Express wurde von HGe 4/4 101 961-1 Richtung Luzern geschoben.
Die kleine als Motiv beliebte Kapelle vor Stans lässt sich aus drei Blickwinkeln den ganzen Tag über ablichten. Die morgendliche Perspektive fehlte mir dabei noch und konnte mit HGe 4/4 101 965-2 festgehalten werden. Die Lok führte einen fahrplanmäßigen Verstärkerzug nach Engelberg, für den kein Niederflursteuerwagen mehr übrig ist. Entsprechend wirkt der Wagenzug für diese Linie ungewöhnlich harmonisch.
Ebenfalls sehr harmonisch sind die aus zwei Spatzen gebildeten S-Bahnen, hier mit 130 001-1 an der Spitze Richtung Luzern. Oft hat es auch gemischte Doppel aus Finken und Spatzen - die Zusammenstellung scheint eher zufällig.
Blick an derselben Stelle in die Gegenrichtung mit dem von HGe 4/4 101 961-1 Richtung Engelberg geführten Express in Stans.
HGe 4/4 101 964-5 am Ortsrand von Stans Richtung Luzern.
Den großen Vorteil des Rades konnte ich hier schon perfekt ausspielen: Das motivnahe Parken ist besonders in der Schweiz ja nicht immer ganz einfach. Mit dem Rad super entspannt. Einfach an den nächsten Zaun gelehnt und zwei Meter zum Motiv gestanden. So ging es hier in den ersten 1 1/2 Stunden eigentlich immer nur auf einer Strecke von vielleicht zwei Kilometern hin und her. Schließlich hatte ich, abgesehen von einem trüben Vormittag 2013, noch nie ernsthaft länger an dieser Strecke verbracht.
Jetzt sollte es aber einen kleinen Sprung bis hinter Wolfenschiessen geben. Bis dorthin verläuft die Strecke ab Dallenwil direkt neben der Straße und die Sonne scheint am Vormittag von der Straßenseite. Da war also nicht viel zu machen. Hinter Wolfenschiessen geht's mal kurz weg von der Straße, bevor es bis fast zum Tunnelportal wieder genauso aussieht. An dieses kurze Stück wollte ich jetzt, denn dort könnte durchaus was gehen. Aufgrund beschriebenem Streckenverlaufes, konnte ich für die kurze Etappe dann auch gleich den schönen Radweg auf der anderen Seite des Tals abseits der Hauptstraße nehmen.
Die Sonne arbeitete noch fleißig daran, weit genug herumzuwandern für die Motive auf der Lokseite des Zuges. Bei Ankunft in Wolfenschiessen war eher noch Steuerwagenseite angesagt. Etwas überrascht wurde ich hier vom letzten morgendlichen Verstärkerzug, aber der Stundetakt mit HGe 4/4 101 961-1 kam dann auch zwanzig Minuten später in Gegenrichtung nach Luzern durch. In Wolfenschiessen enden die S-Bahn-Kurse, sodass ab hier dann die meiste Zeit des Tages ein Stundentakt herrscht.
Wenige hundert Meter weiter Richtung Engelberg der Gegenzug mit HGe 4/4 101 964-5.
Im weiteren Verlauf geht es dann wieder direkt neben der Straße her, dort sind frühestens am Nachmittag Aufnahmen möglich. Außer man gewinnt Höhe. Die seit kurzem in der Foto-Ausrüstung befindliche Drohne war jetzt am Rad allerdings nicht dabei, sondern wartete im Auto, ob sich irgendwann auf dieser Reise doch noch eine Gelegenheit ergibt. So war der Höhengewinn wiedermal mit Muskelantrieb zu machen. Die erfolgversprechende Straße, die ich hinter Wolfenschiessen hinaufkurbelte, war dann aber ein kompletter Reinfall. Dort war noch ein Hügelkamm in der Sichtlinie. Andere geeignete Wege in die Höhe an Osthang des Tals konnte ich nicht ausmachen. Also wieder auf die andere Seite des Tals und bis zum Tunneleingang vorgefahren. Fast direkt vor dem Portal geht da was um diese Zeit und der Stundentakt bot noch ausreichend Zeit, um etwas Kohlenhydrate nachzuschieben. Die Speicher für die weitere Fahrt Richtung Brünig mussten schließlich angefüttert werden.
HGe 4/4 101 961-1 erreicht hinter Grafenort das Tunnelportal hinauf nach Engelberg.
Seit Ende 2010 hier der neue Tunnel eröffnet wurde, der die alte Steilrampe mit Zahnstange überflüssig machte, braucht man ab hier quasi nicht weiterfahren. Auf dem kurzen Reststück oben hinter dem Tunnelportal nach Engelberg hinein bieten sich nicht wirklich Motive an. So ging es dann für mich zurück. Noch weiter in die falsche Richtung nach Engelberg zu fahren, hätte die noch bevorstehende Etappe nach Hasliberg auch ganz ordentlich gezogen. Auf die Nachmittagsmotive zu warten, schien mir irgendwie auch nicht so sinnvoll. Das hätte noch ewig gedauert und ich hatte noch ordentlich Strecke vor mir. Am Rückweg das Tal hinab nach Stans hatte ich aber noch zwei Motive offen. Das erste wieder an den Wiesen bei Wolfenschiessen, wo die Sonne nun weit genug rum war. Im Schatten des Dörfli-Turms wartete ich auf den nächsten Express nach Engelberg.
Kurz hinter Wolfenschiessen eilt HGe 4/4 101 964-5 über die Wiesen Richtung Engelberg. Rechts die Straße, die weite Teile dieser Strecke prägt.
Eine zweite Idee war mir vorhin an den vielen Stellen zwischen Stans und Dallenwil gekommen: Dort den einen Hang hoch könnte was gehen. Jetzt in der für Mitte Juni brütenden Mittagshitze war es aber erstmal an der Zeit den Volg in Dallenwil für einige kühle Getränke zu konsultieren. Mit denen ging es dann den Hang an der Talseite hoch und einen erfrischenden kalten Milchkaffee und eine halbe Rivella wurden beim kurzen Warten auf den Zug geleert. Die Stelle selbst stellte sich dann leider als für die Lokzüge um einen Wagen zu kurz heraus. Das Licht war aber eh gerade ordentlich am abschmieren, ein Top-Schuss wäre das so oder so nicht mehr geworden.
Ein Luzern-Stans-Engelberg-Express zwischen Stans und Dallenwil auf dem Weg nach Engelberg.
Hier hatte ich jetzt gerade keine Ideen mehr, bzw. die Ideen die da waren, wären alle erst am späteren Nachmittag und nicht im Sifflicht umsetzbar. Also entschied ich, die Fahrt Richtung Brünig etwas früher anzutreten als geplant. Den Bogen über Stansstad muss man mit dem Rad natürlich nicht nehmen, stattdessen bietet sich der Short Cut über Ennetmoos, St. Jakob und Kerns an. Der Anstieg sind eigentlich nur 130 Meter und es geht nur das kurze Stück bis Ennetmoos etwas steiler bergauf, danach rollt es sehr angenehm bis St. Jakob. Aber dieser kurze Anstieg ohne Fahrtwind in der Mittagshitze auf dem Asphalt jetzt, war kurz davor, den Stecker zu ziehen. Mit dieser Hitze komme ich einfach schlecht klar und war extrem froh, als es hinter Ennetmoos wieder mit höherer Geschwindigkeit lief. Schon war der Druck am Pedal wieder da und hinter St. Jakob wird es dann richtig schön, denn es geht offroad durch den kühlen Wald, mit abwechslungsreichen Kurven und dynamischen kurzen Zwischenanstiegen in der Abfahrt - herrlich! Doch aus dem Wald draußen, wurde dann klar, was den weiteren Tag bestimmen sollte: Richtung Brünig hing es aber mal komplett voll mit Wolken. Und zwar richtig schwere Gewitterwolken. Da fährt man ohne Not nicht rein. Am Ortsrand von Kerns suchte ich mir daher erstmal eine schöne Bank oberhalb des Fußballplatzes, schob die eben verbratenen Kohlenhydrate nach und studierte das Regenradar. Am Brünig sollte das erst am Abend langsam aufhören mit der hohen Gewittergefahr und dort hineingeraten wollte ich auf keinen Fall. Hätte ich vielleicht doch besser noch paar Stunden drüben bei Stans verbracht, denn Richtung Talausgang hielt sich hartnäckig der blaue Himmel. Jetzt in die falsche Richtung zu fahren, war aber keine Option, die Unterkunft in Hasliberg war schon bezahlt und über den Brünig ins Berner Oberland wollte ich so oder so. Ich war hier also gefangen und beschloss, einfach so weit wie möglich an die Grenze der Gewitter vorzufahren. In Sarnen noch ein wenig am Bahnhof herumgelungert, bis auch dort die Sonne ausging und dann beschlossen: Bis Giswil reicht's noch.
Eine S5 nach Giswil mit 130 002-9 an der Spitze erreicht den Bahnhof von Sarnen.
Das Westufer des Sarnersees war ich noch nie gefahren. Etwas weiter und ein paar Höhenmeter sind es gegenüber dem Ostufer, aber die Strecke an sich, abseits des Brünigzulaufes, sah eigentlich schöner aus. Das stellte sich als Fehleinschätzung heraus, denn die Straße war größer als gedacht, aber nicht so groß, dass es einen Veloweg gegeben hätte und eine Offroad-Alternative fehlte auch, außer man wollte richtig unnötig Höhenmeter machen. Irgendwie knallten hier auch gerade paar geistesgestörte mit ihren Karren durch den Wald. Radfahrer? Können zur Seite springen! Westufer Sarnersee muss nicht sein - gut, wusste ich das jetzt auch :D
Durch die Route hatte ich mich natürlich auch dem möglichen Zwischenrückzugspunkt Sachseln beraubt. Es gibt zwar zwei kleine Dörfer am Westufer, aber dort gibt es null Infrastruktur, um zwei Stunden ein Gewitter auszusitzen. Es begann mal kurz zu tröpfeln und ich überlegte kurz, ob weiterfahren oder Deckung suchen. Weiterfahren, hier wollte ich nicht hängen bleiben!
Die unerwartete Störung am Nachmittag: Schwere Gewitter aus dem Berner Oberland haben sich auch über den Brünig gewälzt. Mehrer Unwetterwarnungen waren rausgegangen, da macht man besser keine unüberlegten Dinge... Bis ans Ende des Sees nach Giswil wollte ich jetzt aber noch kommen.
Giswil wurde dann eine Punktlandung: Kaum im Bergab-Sprint unter dem Bahnhofsdach angekommen, begann es abartigst zu schütten. So, dass man in wenigen Sekunden komplett durch gewesen wäre. Getoppt wurde das Ganze wenig später von dicken Hagelkörnern und Gewitter. Aber hier in Giswil lässt es sich aushalten. Man steht trocken und geschützt und direkt im Bahnhof hat es einen avec, wo ich mir erstmal einen Kaffee zog. Eine kurze Regenpause nutzte ich, um über die Straße zum coop zu kommen und mir das Abendessen einzukaufen, denn Giswil wäre jetzt auch die letzte geöffnete Versorgungsstation auf meiner weiteren Fahrt, die Detailhändler schließen in der Schweiz bekanntlich größtenteils zwischen 18 und 19 Uhr.
Bisschen was mampfend studierte ich immer wieder das Regenradar. Ich müsste eigentlich gegen 20 Uhr am Hotel sein. Auf paar Minuten käme es sicher nicht an, denn dort ist auch ein Restaurant angeschlossen, sodass meist noch länger jemand da ist, aber überstrapazieren wollte ich es nicht. Der Zug um 18:37 Uhr Richtung Interlaken war meine Deadline. Wenn sich bis kurz nach 18 Uhr keine halbwegs trockene Passage auf den Brünig auftat, würde ich den Zug bis zur Passhöhe nehmen und dann nurmehr das Reststück nach Hasliberg hinüberradeln. Irgendwie aber auch ein Dämpfer: Gleich am ersten Tag aufgeben und mit dem Zug evakuieren? Das kratzte schon am Ego. Doch Meteo sollte recht behalten: Die schweren Gewitter waren um 18 Uhr abgeklungen und es nieselte nurmehr ein bisschen. Also los jetzt! Die Regenjacke wanderte auch direkt am Anstieg hinter Giswil wieder in die Arschrakete und es wurde wieder bergauf pedaliert.
In Giswil ging zwischenzeitlich etwas die Welt unter. Zwei Stunden musste ich hier ausharren, bis das Ärgste durch war.
Beim Verstauen der Regenjacke an der Rampe hinter Giswil traf ich auf diesen netten Kollegen.
Der hatte noch einige Bekannte mitgebracht die unbeeindruckt der Wetterkapriolen fröhlich Richtung Sarnersee grinsten.
Dort erhaschte ich sogar einen Blick auf einen der zwei abendlichen Verstärkerzüge mit HGe 4/4 von Interlaken nach Luzern, der hier am Ende der Zahnstangenrampe Giswil erreicht.
Der Weg auf den Brünig war wirklich richtig schön. Ich hatte vorher nicht genau recherchiert und ein wenig befürchtet, man müsste irgendwo Straße fahren. Aber es waren ausschließlich die schmalen, für den Normalverkehr gesperrten Asphaltpisten, die mich bis Lungern hinaufbrachten. Den Lungernsee konnte ich auf einer kleinen Offorad-Piste auf der Westseite umfahren und dann in den Ort hinaufstechen. Der Offroad-Piste hatte der Starkregen etwas zugesetzt, aber es war nirgends kritisch viel weggespült worden. Am Brunnen noch das Wasser nachgefüllt, dann stand die nächste Höhenstufe zur Passhöhe am Plan. Etwas überrumpelt war ich von den zahlreichen asiatischen Touristen im Ort. War mir bislang gar nicht so bewusst, dass Lungern scheinbar einer deren Hotspots als Zwischenstopp ins Berner Oberland ist. Vielleicht ein Grund dafür, warum der Brünigverkehr in den letzten Jahren verstärkt wurde.
Die Höhenstufe zum Lungernsee ist gemeistert. Aus den Wolken taucht langsam auch das Berner Oberland auf und spiegelt sich in den Hinterlassenschaften der schweren Gewitter.
Eine herrliche Gravel-Piste führt am Westufer des Lungernsees abseits der Straße um den See. Drüben ist schon die Ortslage des inzwischen vom Überseetourismus entdeckten Ortes zu sehen.
Die Aufnahmen querab über den See hätten jetzt im schönsten Abendlicht liegen sollen. Nun ja, ich war schon froh, dass es wenigstens aufgehört hatte zu schütten. Das Nass kam jetzt nurmehr zweitweise von unten von den Reifen.
Lungern liegt hinter mir und es geht wieder in die Rampe. Die Brünigstrecke ist hier allerdings recht unzugänglich, auch wenn die MTB-Route meist nur wenige Meter entfernt verläuft.
Im Weiteren war es dann im Grunde nur noch kurbeln und weiter kurbeln. Wirklich anspruchsvoll ist der Brünig zwar nicht, aber nach einer Nacht fast ohne Schlaf und bald 80 Kilometern in den Beinen, merkte ich es schon langsam. Der Druck am Pedal blieb aber irgendwie und an dem "Flachstück" von der Passhöhe hinüber nach Hasliberg zum Hotel Gletscherblick (160 Hm auf 6 km) wurde nochmal komplett geisteskrank attackiert, einfach nur um der Navigation Minuten abzunehmen. Dumm? Ja! Aber ich fühlte es gerade richtig :D Mal sehen, ob ich mich jetzt für morgen komplett zerschossen hatte...
Kurz nach 20 Uhr am Hotel angekommen, den Schlüssel an der Rezeption abgeholt, das Rad im Ski-Keller verstaut und dann ging es direkt rauf auf's Zimmer. Noch ein Gang über den Flur zur Dusche, dann galt es nur noch Essen, alle Geräte und Powerbank an den Strom anschließen und alsbald Schlafen. Draußen zeigte sich derweil der Grund für den Namen des Hotels: Ein wunderbarer Blick auf den Rosenlauigletscher und selbst die Sonne gab sich nach den Gewittern noch einmal die Ehre und beleuchtete die felsigen Berggrate im schönsten Abendlicht. Ein Tag mit Höhen und Tiefen nahm ein wunderbares Ende. In solchen Momenten lebe ich solche Touren: Komplett leergefahren mit einem Haufen Essen am offenen Fenster sitzen und zufrieden diesen Ausblick genießen. Einfach nur sein im hier und jetzt.
Manchmal bekommt man in der günstigsten Einzelzimmerkategorie mit Dusche am Gang auch nur einen Fensterblick auf die Hangseite. Hier hatte ich Glück. Zur Seite aus dem Fenster geschaut, fällt der Blick hinüber zum Rosenlauigletscher.
Die Sonne hat es hinter den Gewitterwolken tatsächlich noch einmal geschafft, die Bergflanken mit letzten Stahlen zum Leuchten zu bringen.
Zum Abschluss noch die Bilanz dieser ersten Etappe: Knapp 88 km und 5:36h Fahrzeit stehen auf dem Sigma, die Navigation meint ca. 1000Hm. Alles ausbaufähig, aber für einen solchen Gewalttag ohne Schlaf nicht so schlecht.
Morgen geht es dann hinab nach Meiringen und dann mitten hinein ins Berner Oberland. Als abendliches Ziel habe ich gerade eine Unterkunft in Mürren reserviert. Was unterwegs gemacht wird, entscheide ich spontan.
Sonntag, 23. Juni 2025: Vom Brünig nach Wengen und Mürren
Am zweiten Tag geht es wieder hinab vom Brünig und mitten hinein ins Berner Oberland, zunächst noch an der Zentralbahn, später an der Berner Oberland Bahn und der Wengernalpbahn bis hinauf nach Mürren.
Herrlich, hier am Morgen in dem leicht museal angehauchten, typischen Schweizer Gasthofzimmer mit Blick in das prächtige Bergpanorama zu erwachen, sich kurz die frische Bergluft um die Nase wehen zu lassen und dann zum Frühstück runter zu stiefeln. Frühstück sollte es jetzt am Sonntag zwar erst um Acht geben, aber ich musste heute Nacht eh erstmal ordentlich Schlaf nachholen und hatte keine frühen Gewaltstart geplant. Auch das Frühstück war typisch Schweizer Gasthof: Reichhaltig und frisch, ein Stahlkännchen mit frisch aufgebrühtem Kaffee. Ein guter Start in den Tag.
Typisches Schweizer Gasthauszimmer mit Blick in die morgendliche Bergwelt.
Auch körperlich ging es überraschend gut, eigentlich sogar besser als gestern Morgen nach der Nachtfahrt. Erstaunlich immer wieder, dass der Körper bei solchen Touren irgendwie in einem anderen Modus unterwegs ist. Wenn man zuhause an einem Tag eine anspruchsvolle Trainingsrunde hinlegt, ist man am nächsten Tag irgendwie mehr gerädert. Noch schnell die Tourismus-Abgabe gezahlt und Schlüssel abgegeben, das Rad aus dem Keller geholt und schon konnte es losgehen. Oder es hätte losgehen können. Denn das Schloss wollte nicht aufgehen. Ich hatte mir am Tag vor der Abfahrt noch so ein Alibi-Zahlenschloss mit so einem dünnen Draht zum Ausziehen gekauft. Nicht mehr als eine Wegfahrsperre, die mit einer starken Zange zu durchtrennen ist, aber eben ein Verhinderer der Gelegenheit. Nur ging das Teil jetzt nicht auf mit der dreistelligen Zahlenkombination, von der ich meinte, ich hätte sie vorgestern eingestellt. Kurzer Schockmoment. Dann mit Köpfchen an die Sache, man hat ja unendlich viele Versuche, aber es gibt nur endlich viele Kombination. Gut 9^3 durchzuprobieren hätte länger gedauert, als sich irgendwo einen Seitenschneider zu besorgen :D Aber eigentlich konnte es ja nicht sein, dass die Kombination nicht passt. Vielleicht war nur eine Ziffer versehentlich falsch gewesen vorgestern. Hinten angefangen drehte ich die letzte Ziffer mal einen nach oben, dann einen nach unten weiter. Und beim zweiten Versuch machte es leise "klack". Dann konnte es ja losgehen, die "neue" Kombination natürlich gleich notiert :D
Am Kellerausgang noch ein Blick durch die Rabatten zum Rosenlauigletscher.
Für die geplante Talfahrt nach Meiringen ging es zunächst ein Stück auf der Höhenstraße zurück Richtung Brünig und im Ortsteil Hasliberg Hohfluh dann auf eine schmale Piste, die steil den Berg hinunter nach Meiringen abfällt und dabei ein paar kleine Alpsiedlungen passiert. An der letzten Serpentine oberhalb von Meiringen entdeckte ich eine kleine Rodung mit freiem Blick hinab ins Tal. Spontan wartete ich auf den nächsten Zug vom Brünig und setzte so ungeplant ein erstes Motiv um an diesem Tag.
Es geht hinab von Hasliberg Hohfluh entlang einiger Alpsiedlungen Richtung Meiringen.
Die schmale Asphaltpiste hinab nach Meiringen, unten teilweise auch auf Schotter.
An der letzten Serpentine oberhalb Meiringen zweigt eine andere schmale Schotterpiste ab, an der einige Bäume gerodet wurden oder einem Sturm zum Opfer gefallen sind. Der Blick fällt hier aktuell recht ungestört ins Tal. Auch von unten ist die Lücke im Wald deutlich erkennbar. Ein Panorama-Express Richtung Interlaken kommt vom Brünig hinab und erreicht Meiringen.
Blick hinterher in die Einfahrtskurve von Meiringen. Nach der Wende im Bahnhof fährt der Zug gleich auf der anderen Strecke geradeaus nach Interlaken.
Rund zehn Minuten später eilt der Zug von Meiringen die Rennstrecke entlang der Aare weiter nach Brienz und Interlaken.
Meiringen ist nicht übermäßig touristisch, zumindest nicht im Vergleich zu anderen Orten im Berner Oberland und so waren hier wie erwartet alle Detailhändler geschlossen. Am Bahnhof wäre ein avec gewesen aber das Frühstück war reichhaltig, sodass ein paar Riegel bis zum Volg von Wilderswil reichen sollten. So radelte ich gleich an die Wiesen hinter Meiringen rüber, wo ich mindestens einen der beiden morgendlichen Verstärker-Lokzüge abpassen wollte. Durch die Spitzkehre in Meiringen ist die Lok hier dann ja auf der Sonnenseite, wenn auch als Nachschuss. Aber bei den sehr seitlichen Perspektiven hier stört das nicht. Vor dem Lokzug mit Abfahrt 10:11 Uhr in Meiringen, waren aber noch die Regios nach und aus Interlaken dran.
Der Regio Richtung Interlaken hat Meiringen verlassen und eilt zum nächsten Halt Brienzwiler.
Auch die Gegenrichtung brachte wie üblich einen Fink auf dem Regio Interlaken-Meiringen, diesmal mit etwa Tele gesehen.
Für den Lokzug vom Brünig stellte ich mich wieder etwas seitlicher. Auf dem kurzen Stück fanden sich genügend Variationsmöglichkeiten. Fast pünktlich hat der Zug Meiringen verlassen, ganz konnte er die Abfahrtszeit 10:11 Uhr nicht einhalten. Wohl um auch ausreichend 1. Klasse bereitstellen zu können, ist bei dem Zug auf beiden Seiten ein Steuerwagen eingereiht.
Nur zehn Minuten später folgt der normale Stundentakt vom Brünig, hier in der Standardkonfiguration aus einem siebenteiligen Adler und einem dreiteiligen Fink.
Nachschuss querab auf denselben IR nach Interlaken.
Für den zweiten Lokzug wollte ich dann eigentlich ein Stück weiter entlang der Strecke auf der Nordseite der Aare. Dummerweise war die Piste dann ein Stück weiter hinten gesperrt. Und das ebenso für Fußgänger, sodass diese Sperre wohl durchaus ernst zunehmen war. Ich hatte eben aber noch eine weitere Variante an der langen Geraden gesehen, die ich nur nicht umgesetzt hatte, um noch genügend Vorsprung auf den Lokzug für einen Ortswechsel zu haben. Dann nahm ich die Stelle eben für den Lokzug in einer halben Stunde. Die Sonne wäre dann zwar schon grenzwertig steil, aber viele Optionen blieben mir nicht. Anschließend war ich dann aber auch froh, hier mal wegzukommen. Ich hatte es nun doch gesehen und vor allem schepperte die Sonne hier im Tal ohne jeglichen Schatten um kurz nach elf dann doch schon ordentlich.
Ein letztes Bild auf den Wiesen hinter Meiringen. Der zweite Lokzug aus Luzern hat Meiringen mit Abfahrt 11:11 Uhr verlassen und rollt Richtung Interlaken. Die Rückfahrt treten die beiden Züge dann erst gegen späten Nachmittag an, wenn sich die Hauptlast Richtung Luzern umgekehrt hat.
Da der Weg auf der Nordseite des Aaretals gesperrt war, nahm ich dann eben den auf der Südseite, der auf einem schmalen Asphaltsträßchen abseits der Hauptstraße durch die kleinen Ansiedlungen von Höfen führte. Wirklich sehr beschaulich, Autoverkehr war hier quasi gar nicht, ich vermute es war nur für Anrainer gestattet. Dafür jede Menge Straßenradfahrer, die mir mit ihren Rennrädern entgegenkamen, wohl größtenteils auf dem Weg zu den zwei Pässen Grimsel und Susten, die beide in Innertkirchen starten. Am Beginn des Brienzersees fiel die Rennraddichte dann extrem ab, denn die Passage auf der Südseite des Sees ist mit dem Straßenrad doch eher schwierig, fehlt doch rund um das bekannte Giessbach Hotel und die Giessbachfälle ein ganzes Stück Asphalt und es geht auf einem Wanderweg dahin. Wenige hundert Meter rund um die stark besuchten Giessbachfälle stand dann sogar ein Hinweis zum Schieben des Velos. Die offizielle Veloroute führt dort aber schon durch. Na gut, dann wird eben geschoben. Schon nach kurzer Zeit verloren sich die Menschenmassen aber und man durfte wieder Radeln. Die Giessbachfälle selbst ließ ich heute mal aus. Dort war ich zur Off-Season im März 2018 quasi allein gewesen, das musste ich mir jetzt nicht nochmal mit ganz vielen Menschen geben.
Außer dem steilen 160hm-Anstieg bis Giessbach, fährt sich die Strecke hier auch recht gemütlich. Es geht immer mal ein wenig auf und ab, aber selten für längere Zeit. Über den idyllisch eine kleine Bucht beschreibenden Ort Iseltwald ging es weiter Richtung Interlaken. An der Uferstraße vor Bönigen nahm die Menschendichte dann wieder rapide zu, genossen hier doch viele Badegäste den heißen Sommertag im Wasser oder am Ufer unter den Schatten spendenden Bäumen.
In Iseltwald hielt ich zumindest kurz an, um ein Bild der idyllischen Ortslage am Brienzersee zu machen.
Interlaken ließ ich rechts liegen und fuhr von Bönigen direkt entlang des alten Flugplatzes hinüber nach Wilderswil. Der Vorrat an Riegeln war nun mittlerweile auch zur Neige gegangen, sodass direkt der Volg gegenüber vom Bahnhof angesteuert wurde. Mit den eingekauften Fressalien setzte ich mich auf die schattige Bank auf dem kleinen Platz vor dem Volg mit Blick auf den Bahnhof. Man weiß ja nie - vielleicht habe ich heute doch mal Glück mit einem der ABeh 4/4 311 bis 313? Seit die Kisten modernisiert wurden habe ich immer wieder Ausschau nach ihnen gehalten, bislang aber nie erfolgreich, wurde doch die Reservekomposition seit 2018 nur eingesetzt, wenn von den ABDeh 8/8 321 bis 326 ein oder zwei Fahrzeuge ausfielen. Seit der Eröffnung des Großparkplatzes Matten im vergangenen Jahr, erfreuten sich die ABeh 4/4 zwar wieder regelmäßiger Einsätze, sobald an Großkampftagen der zusätzliche Shuttle ab Matten eingesetzt wurde, der verkehrte heute aber nicht, sodass es wieder zur Glückssache werden würde.
Manchmal hat es aber auch einfach Glück: Wie ich dort so mampfend herumsaß und das Treiben beobachtete, fuhr Richtung Interlaken eine Komposition mit einem alten Steuerwagen in der Mitte ein. Das müsste doch der Reservependel sein? Und tatsächlich hing am Ende der ABeh 4/4 313. Das Bild im Bahnhof war erstmal nur eine Notschlachtung. Ich checkte kurz, wann der aus Interlaken wiederkäme mit dem Ergebnis, das ich etwa eine halbe Stunde Vorsprung hätte, wenn ich jetzt aufbrechen würde.
Auf dem Weg nach Interlaken hält die in Zweilütschinen aus Grindelwald und Lauterbrunnen zusammengefügte Endloskomposition im Bahnhof von Wilderswil. Am Zugschluss der ABeh 4/4 313 mit dem kürzeren Zugteil aus Lauterbrunnen.
Ich machte mich also zügig auf in Richtung Zweilütschinen. Mit diesem Endloszug wollte ich den aber nicht aufnehmen, irgendwo am Abschnitt nach Lauterbrunnen sollte es sein. Dumm nur, war die Sonne schon weiter rum als vermutet und am Klassiker über den Fluss bei Sandweidli überrumpelte mich der Zug dann etwas. Mir fehlten vielleicht 200m Vorsprung. Ist eben manchmal so. Dann eben als Nachschuss, schließlich kommt der in zehn Minuten aus Lauterbrunnen zurück.
Wenn schon nur so halb gut, dann aber auch so richtig nur halb gut: Nachschuss und Sonne schon arg in der Gleisachse bei Sandweidli an der Weissen Lütschine. Egal, es könnte auch regnen, oder der ABeh 4/4 313 gar nicht fahren...
Es hatte jetzt beim aktuellen Sonnenstand eigentlich nur noch ein richtiges Motiv am Lauterbrunner Ast, von der Hauptstraße kurz vor Lauterbrunnen auf die Strecke bei der Lochbrücke hinuntergesehen. Dort wurde das Licht dafür nur besser, also konnte ich mich auch eine gute halbe Stunde an den Straßenrand lungern, das Hochlicht aussitzen und einen Kartoffelsalat und einen geradeso noch kühlen Eistee nachschieben. Gäbe zwar gemütlichere Orte zum Warten, als hier an der viel befahrenen Straße nach Lauterbrunnen hinein, aber was willste machen...
Das Bild sollte dafür einer der Top-Schüsse des Urlaubs werden. Dafür hatte sich das Warten gelohnt.
Kurz vor 15 Uhr ist der ABeh 4/4 313 zurück im Lauterbrunnental und erreicht hinter der Lochbrücke gleich das Ziel seiner Fahrt mit Übergang auf die Wengernalpbahn und die Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren.
Damit war ich mehr als zufrieden. Als ich vor wenigen Tagen herausfand, dass der Verstärker ab Matten aktuell nicht läuft, hatte ich das Thema ABeh 4/4 innerlich schon abgeschrieben. Klar: alibimäßig vorbeischauen ob er läuft war Pflicht, wo ich hier eh durchkam, aber bei meinem bisherigen "Glück" in den letzten Jahren bei der BOB, rechnete ich irgendwie nicht damit. Ein schöner Treffer an diesem Tag.
Das weitere Programm für diesen Tag war bislang noch nicht klar, abgesehen davon, dass ich am Abend nach Mürren hinauf musste. Die Rezeption an der Sportunterkunft dort hatte mir aber via booking.com schon mitgeteilt, man würde den Schlüssel einfach an der Rezeption hinterlegen, wenn es später werden würde. Mürren hatte also kein Zeit-Limit und jetzt am Nachmittag dort hochzufahren, machte quasi null Sinn. Zum einen liegt dort dank der Lage am Westhang alles sehr früh im Schatten, zum anderen Hängen dort an heißen Sommertagen wie heute ohnehin meist Quellwolken an den Bergen, sodass das Licht noch früher weg wäre. Noch einen Nachmittag komplett verdaddeln wie gestern, wollte ich dann doch nicht. Also eine zweite Idee umsetzen: Hinauf nach Wengen. Zunächst schaute ich aber noch an der eh am Weg liegenden Kreuzungsstation oberhalb Lauterbrunnen vorbei, an der ich bislang noch nie gewesen war. Die Hoffnung, aus Wengen würde einer der neuen Lokzüge mit Steuerwagen starten, erfüllte sich nicht. Das talfahrende Panorama-Doppel machte auf dem Absatz kehrt und fuhr direkt wieder Richtung Berg. Überhaupt stellte sich der Fahrzeugeinsatz als maximal langweilig heraus: Es liefen ausschließlich doppelte Panorama-Garnituren, eine davon noch mit einem zusätzlichen Steuerwagen. Güterverkehr war jetzt am Sonntag natürlich auch nicht. Dafür wurde zumindest ein Halbstundentakt bis hinauf zur kleinen Scheidegg gefahren, sodass an diesem späten Nachmittag trotz Wolkenkrimi noch einige Aufnahmen entstanden. Und hier in der Nachmittagshitze einfach mal gemütlich eine halbe Stunde unter dem Baum auf der ruhigen Bank zu pausieren, war gerade auch nicht das Schlechteste.
In der Kreuzungsstation am Ortsrand von Lauterbrunnen rollt das Pano-Doppel mit dem talseitigen Bhe 4/8 146 hinab zum Endbahnhof.
Dann aber sollte es hinauf nach Wengen gehen. Die Bergfahrt hier hatte ich ehrlicherweise komplett unterschätzt: Nicht die Höhendifferenz, die lässt sich ja ganz gut einschätzen, wenn man schon paarmal nach Mürren hochgefahren ist, oder man schaut einfach auf der Karte. Der Weg hinauf war dann auch nur als MTB-Route in OSMand eingezeichnet und vielleicht hätte ich doch einen Blick auf das Steigungsprofil werfen sollen, denn auf gerade einmal 2,8 Kilometern ging es im Wald in engen Serpentinen 440m bergauf bis zum Bahnhof Wengen. War zwar wenigstens im Schatten, aber ohne Fahrtwind einfach zu warm und zu steil, sodass ich zwischenzeitlich an jeder zweiten Serpentine einen 30-sekündigen Stopp einlegte, damit der Puls wieder etwas runterging. Das war wirklich der komplette Abschuss hier an der Rampe. Eine kleine Passage von vielleicht 100m schob ich dann sogar - war einfach leichter als zu treten. Zu meiner Ehrenrettung traf ich aber auf keinen einzigen anderen Biker, der hier bergauf fuhr. Zwei kamen bergab entgegen und von unten insgesamt nur drei E-Biker, die dem äußeren Anschein nach hier im Leben nicht hochgekommen wären ohne Unterstützung. Auch Wanderer hielten sich stark in Grenzen, sodass wenigstens ungestört die beste Linie gewählt werden konnte. Zwischendurch ging es ein Stück an der alten Steilstrecke der Wengernalpbahn entlang, bevor diese an einem Durchlass unterquert wurde und sich die Wege wieder trennten.
Der Serpentinenweg von Lauterbrunnen hinauf nach Wengen. Die Steigung kommt dabei immer schlecht zur Geltung, aber das Stück rechts, parallel ansteigend zur alten Trasse der Wengernalpbahn, war einer der flacheren Abschnitte... Zum Glück bot wenigstens der Untergrund ausreichend Grip, sodass es sich auf dem 51er Ritzel geradeso im Schritttempo fahren ließ. Nachmachen wird nicht empfohlen :D
Zog sich dann doch eine gute Stunde, bis ich den Bahnhofplatz von Wengen erreichte und erstmal noch im Coop alle weitere Verpflegung für sofort und den restlichen Abend besorgte, denn um 18:30 Uhr wäre hier Schicht. Alles soweit verstaut, ging es dann noch die Höhenmeter bis zur Ausweiche zwischen Wengen und Allmed hinauf, wo ich mir ein, zwei Stellen erhoffte. Obwohl nurmehr weitere 140 Höhenmeter, war das Stück dann wirklich zach. Ich war einfach zu lang in den Hunger hineingefahren und hätte eigentlich unten in Wengen schon ordentlich nachschieben müssen, aber man wartet dann ja doch lieber im Motiv ;-) An der Ausweiche angekommen, war ich dann aber erstmal komplett ausgebrannt und es wurde sich an den Rand gehauen, ordentlich Kalorien nachgeschoben und der nächste Kurs von oben abgewartet.
Auf dem Weg zur Ausweiche zwischen Wengen und Allmend, gab es recht spontan noch eine Aufnahme in der bekannten Kurve mitten im Ort. Das Doppel mit Bhe 4/8 146 ist schon wieder auf Bergfahrt.
Während des stärkenden Spätnachmittagsimbisses, ist Bhe 4/6 wieder auf Talfahrt in der Ausweiche zwischen Allmend und Wengen.
Irgendwie immer recht spannend, wie in Orten wie Wengen gefühlt der größte Trubel aus Bergsportlern und internationalen Touristen herrscht und kaum 15min am Rad, sitzt man schon wieder irgendwo recht ungestört in der Landschaft herum. Lag jetzt natürlich auch daran, dass um diese Zeit in Wengen gerade viele vom Berg hinuntergekommen waren und wie ich noch schnell vor Ladenschluss einkaufen wollten. Trotzdem ist der Kontrast für mich immer wieder spannend zu beobachten und meist bin ich doch froh, nach kurzem Stopp aus diesen Orten wieder zu verschwinden.
Eine weitere Stelle wollte ich noch kurz oberhalb der Ausweiche ausprobieren, wo ein kleiner Pfad vom Hauptweg abzweigt und über die Trasse führt. Einen 100% optimalen Standpunkt gab es nicht und ein kurzer Baumschatten war schon auf der Strecke. Aber es war dann trotzdem nett und gerade wurde eine Herde Kühe unten über den Hauptweg getrieben, was doch immer eine interessant zu beobachtende Prozedur ist. Meist findet sich doch irgendwo etwas ab vom Weg das schmackhafteste Stück Gras und lässt ein Tier mit dem Gedanken spielen aus der Truppe auszubrechen, was dann direkt mit erzürnten Rufen und eindringlichem Zurücktreiben quittiert wird.
Nachdem der Nachschuss auf den nächsten Bergfahrer mit Wolkenschaden durchging, passte es dann wie bestellt mit dem Talfahrer.
Ein Langzug aus zwei Bhe 4/6 und einem Niederflursteuerwagen rollt unterhalb Allmend talwärts.
Nun ging es flott zu Tal, hatte ich doch in Wengen noch bisschen was auf dem Zettel. Die Motive dort unterhalb des Bahnhofes, bevor die Strecke ab Wengwald im Schatten der Bäume verschwindet, hatte ich bislang noch nie umgesetzt. Durch die Kreuzung in Wengen war natürlich Eile angesagt, um jeweils zwischen Berg- und Talfahrer etwas zu variieren, aber es ging sich beide Male aus, sodass ich noch zwei Berg- und zwei Talfahrer im schönsten Abendlicht erwischte. Zuerst in der Ortslage unmittelbar unterhalb des Bahnhofes Wengen, dann am Haltepunkt Wengwald.
Die rasante Talfahrt wurde oberhalb Wengen noch einmal unterbrochen, um den im Streiflicht liegenden Ort samt Bahnhof festzuhalten. Der Zug, den ich eben noch unterhalb Allmend aufgenommen hatte, ist gerade dabei, aus dem Bahnhof Richtung Lauterbrunnen auszufahren.
Unterhalb des Bahnhofes Wengen bieten sich zwei freie Stellen für Abendansichten. An der unteren der beiden ist es wiedermal der Bhe 4/8 146, der auf Bergfahrt gleich den Bahnhof erreicht.
Schnell zur oberen Stelle gewechselt, gelang auch die Aufnahme mit dem Pano-Doppel mit Bhe 4/8 147 auf Talfahrt mit Ortskulisse und dem Jungfrau-Massiv.
Eine halbe Stunde später stand ich bei Wengwald bei den Häusern am Gegenhang, wo sich erneut eine Ansicht mit dem Jungrau-Massiv anbietet. Das Pano-Doppel ist gerade aus dem 180-Grad-Tunnel aufgetaucht und erreicht den Haltepunkt Wengwald.
Für den Gegenzug ging es schnell hinüber zum Haltepunkt, denn mehr als hier einen Frontalschuss zu versuchen, fiel mir nicht mehr ein.
Dann ging es mit schönstem Ausblick in Richtung Abfahrt hinab ins längst im Schatten liegende Lauterbrunnental.
Jetzt war wirklich nichts mehr zu holen. Es hatte sich aber auf jeden Fall gelohnt, hier noch hinaufzufahren am späten Nachmittag. Zwar war der Fahrzeugeinsatz maximal langweilig, aber alle gezeigten Motive hatten mir bislang noch gefehlt und zwei, drei schöne waren auf jeden Fall dabei. Die Talfahrt jetzt um kurz vor acht ließ mir sogar noch die Option, die letzte Seilbahn hinauf nach Mürren um 20:30Uhr zu nehmen. Aber wozu eigentlich? Ich hatte mich schon mit dem Gedanken angefreundet, mich dort heute Abend noch aus eigener Kraft hinauf zu kämpfen.
Die Abfahrt bis Lauterbrunnen ging dann wie natürlich zu erwarten war maximal in die Bremsen. Grund anzuhalten und kurz die Hände zu entspannen gab es aber auch nicht, denn Aussicht hat es hier mitten im Wald nirgends. Ursprünglich hatte ich geplant, "hinten rum", also über Stechelberg aufzufahren nach Mürren. Das wäre aber nur etwas gewesen, wenn ich den Abstecher nach Wengen weggelassen hätte. Denn die Strecke kannte ich bislang nicht, wusste nicht wie anspruchsvoll und fahrbar das Ganze wäre. Und das dann in die abendliche Dämmerung hinein? Wäre eine doch zu dumme Idee gewesen, sodass ich jetzt gar nicht darüber nachdachte, sondern gleich den bekannten Weg direkt aus der Ortsmitte Lauterbrunnen hinauf nach Winteregg einschlug. Am Brunnen vor dem Anstieg noch die Wasserflaschen aufgefüllt und dann ging es an den Berg.
Die Strecke ist technisch vollkommen anspruchslos. Es geht mal auf Asphalt, mal auf Asphaltresten, mal auf Schotter ein schmales Serpentinensträßchen hinauf. Steil? Teilweise ja, aber nichts im Vergleich zu dem Weg hinauf nach Wengen vorhin und durchgehend gut tretbar, ohne überpacen zu müssen. Ziehen tat es sich jetzt trotzdem, aber es war irgendwie eine angenehme Art des Kampfes, denn es gab keinen Zieldruck mehr. Ich musste einfach nur noch ankommen, hatte das Abendessen schon im Rucksack und ein Zimmer stand bereit. Langsam wanderten die letzten Sonnenstrahlen am Dreigestirn hinauf, bis die darumwabernden Wolken sich langsam lila färbten. Es war eine geniale Stimmung jetzt am späten Abend und beim bergauf fahren, kann man das richtig genießen und alle Anstrengung vergessen. Als es langsam dunkel wurde, tauchte das Sträßchen um kurz nach neun aus dem Wald auf. Bis dahin war mir in der ganzen Zeit nur ein einziges Moped entgegengekommen und nur ein Auto hatte ich vorbeigelassen. Das hielt sich die Waage mit den tierischen Besuchern, einem Fuchs in den Wiesen unterhalb Winteregg und einer auf der Strecke entlangspazierenden Gämse auf den Gleisen kurz vor Mürren.
Endlich taucht das Sträßchen um kurz nach neun zwischen Grütschalp und Winteregg aus dem Wald auf. Oben sind die Fahrleitungsmasten der BLM zu erkennen.
Der kurze Anstieg der MTB-Route hinter Winteregg über die Kuppe nach Mürren zog wirklich noch einmal die letzten Reserven, dann rollte es erschöpft, aber zufrieden in den Ort hinunter. Die letzten Meter von OSmand auf Apple Karten geswitcht, navigierte es mich ohne Umwege zur Unterkunft mitten im Ort.
Sportherberge hat den Vorteil: Es hat meist viel Platz. Denn es war natürlich niemand mehr da, den ich hätte fragen können, wo ich mit dem Rad hinsollte. Aber es gab direkt am Eingang einen großen Seminarrraum, in dem nur eine Tischtennisplatte stand. Würde wohl niemanden stören, wenn ich dort über Nacht parken würden. Schlüssel lag wie geschrieben an der Rezeption und nachdem ich nach kurzen Irrwegen auch das Zimmer gefunden hatte, war es dann um ca 22 Uhr geschafft. Zimmer war einfach, aber vollkommen ausreichend und die Gemeinschaftsduschen um diese Zeit auch eine private Angelegenheit. Noch routiniert alle technischen Geräte angesteckt und am kleinen Tischchen das Abendessen reingefahren, dann war Schicht.
Bilanz dieser zweiten Etappe: 82 km und 6:23h Fahrzeit stehen auf dem Sigma bei ca. 2100Hm. Da war jetzt im Gegensatz zu gestern auch nicht mehr viel ausbaufähig bei diesem Streckenprofil: Ich war einfach nur platt am Abend.
Für morgen ist das Wetter sehr durchwachsen angesagt. Auch wenn am Morgen potenziell noch bisschen Sonne sein sollte, hatte ich die Idee, vor dem Frühstück schonmal an die Strecke zu stehen, wieder fallengelassen. So sicher war das mit dem Sonnenschein auch wieder nicht und sieben, acht Stunden Schlaf wollte ich mir nach dieser Tour nun doch genehmigen. In Innertkirchen fand ich für morgen Abend ein Zimmer, denn der Plan bei recht wahrscheinlichem Nicht-Fotowetter war eine Tour über die Grosse Scheidegg zwischen Grindelwald und Innertkirchen. Wollte ich schon ewig mal fahren und nun bot sich eine gute Gelegenheit dazu.
Das war es auch schon zum Einstieg. Mehr demnächst auf diesem Kanal.
VG,
Tobias
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.07.26 18:20.