Hallo Freunde;
wie ihr wißt, baue ich schon seit einiger Zeit an einem Lokmodell der Ok 22.
Diese Lokomotive ist eine von m.W. zwei existierenden Exemplaren. Die eine ( Ok22 31 )
Bei der Ausfahrt aus dem Bf Wloszakowice- es regnete Bindfäden und ich habe nur einen 100ASA-Film in der Kamera
Auf dem Rückweg nach Wolsztyn-inzwischen ist auch das Wetter besser
ist in Wolsztyn bis Dezember 2009 betriebsfähig gewesen, die andere( Ok22 23) steht seit vielen Jahren in Jaworzyna Slaska im Museum.
Dabei ist letztere eigentlich nur noch ein ausgestellter Schrotthaufen.
Arg ausgeschlachtet steht die Lok schon seit Jahren im Freien, aber man kann trotzdem erkennen, daß sich die Kesselaufbauten unterscheiden.
Nach einem Abendessen im "Europa" (Wolsztyn-Besucher werden wissen-was ich meine) entstand die Idee, eine polnische Dampflok entstehen zu lassen.Die Frage war bloß, welche.
Einer der Eisenbahnfreunde meinte so beiläufig-die Ok 22 wäre eine schöne Lok.So habe ich begonnen, die Lok zu vermessen,Fotos und Zeichnungen und Detailaufnahmen von dieser (der Ok22 31) zu sammeln.
Nach und nach entstanden Zeichnungen und Ätzbögen.
Mittlerweile ist der Bau der Lokomotive recht weit fortgeschritten. Das heißt, das Fahrwerk ist weitestgehehnd fertiggestellt. Und auch der Umlauf, Kessel und Führerstand sind weitestgehend komplett.
Jetzt geht es darum, die Lokomotive mit den typischen Armaturen zuzurüsten.Und damit beginnen die Schwierigkeiten: bei einem ausländischen Modell sind die hier erhältlichen Zurüstteile nur sehr eingeschränkt einsetzbar.Es bleibt nur der vollständige Eigenbau...
Als erstes ist hier das Abschlammventil zu sehen, welches sich am Kesselbauch unterhalb der Speiseventile befindet.
Auf dem Foto ist es lediglich auf die Seite gekippt, gefertigt wurde es aus einem Stück Messingrundmaterial und einem Stück Messingsechskant mit einer Schlüsselweite 3mm.
Die auf dem zweiten Bild zu sehenden Schraubenbolzen sind von Böhnlein und haben eine Schlüsselweite von nur 0,5mm.
Der nach links zeigende Hebel ist der Betätigungszug, der über ein Gestänge auf dem Umlauf vom Lokführer (!) betätigt wird.
Das Ausblaserohr ist hier noch nicht angebracht.
Auf dem nächsten Bild ist das Anstellventil für die, unter dem Führerstand befindliche, Frischdampfpumpe (Bauart "Nathan") zu sehen
Das Fünf-Cent-Stück dient zur Verdeutlichung der "Größe"
Die polnischen Eisenbahnen haben sehr spät mit dem Bau von eigenen Fahrzeugen begonnen. Die Ok 22 war die erste Eigenentwicklung der PKP. Die ersten,nach dem ersten Weltkrieg beschafften Lokomotiven waren Güterzugloks der Bauart Pershing von den Baldwin-Locomotive Works.Dadurch war eine enge Verbindung mit dem Amerikanischen Lokomotivbau entstanden.
Infolgedessen wurden bei den später entwickelten Lokomotiven Speisepumpen amerkanischer Bauarten eingesetzt.
Hier die "Nathan"-Speisepumpe der Ok22 31
Im Modell sieht sie dann so aus- wobei die hier gezeigte Pumpe zum Modell der Ty 43 gehört.
Auf der Heizerseite befindet sich eine Abdampfspeisepumpe der Bauart "Matcalf"
Hier das Modell, ebenfalls von der Ty 43, aber die Bauart und Größe ist gleich.Diese Pumpe war recht aufwendig herzustellen, dazu habe ich die Pumpe in einige Baugruppen "zerlegt" und die Teile aus verschiedenen Messinghalbzeugen gefeilt und hart miteinander verlötet. Die einzelnen Baugruppen sind dann weich verlötet worden.
Bei dieser Pumpe fehlt lediglich noch das Rohr zum Abblasen des Dampf-Wassergemisches der noch nicht fördernten Pumpe, sowie der Zulauf des (kalten) Tenderwassers.Beide Teile werden nach der Montage der Pumpe an die Lok noch angebaut.
An dieser Pumpe habe ich etliche Tage gebaut-die erste ist dann auch prompt in den Müll geflogen
In der Abdampfleitung (vom Blasrohr abgezweigt) befindet sich dann dieser recht markante Entöler.Der ist notwendig, damit das im Abdampf befindliche Öl nicht beim Speisen in den Kessel gelangt.Sonst würde u.U. das Kesselwasser anfangen zu schäumen-und die Lok würde anfangen zu "kotzen", d.h. nicht verdampftes Wasser würde über den Regler/Überhitzer in die Zylinder kommen und dort schwere Schäden verursachen.
Im Vergleich zum Original, kann man feststellen, daß das Hähnchen zum Ablassen des "Masuts" noch nicht angebracht wurde. Ich habe im Moment auch keine Idee wie ich es fertigen soll , da es ja nur etwa 1,5 x 2 mm groß ist. Auch die Gußrippen sind hier nicht dargestellt worden.
Andere nicht erhältliche Zurüstteile sind die Sandfalldüsen. Hier wurde eine preussische Sandfalldüse mittig zersägt und so gedreht, daß die Luftseite nachschräg oben zeigt.
Die "Sandseite" wurde mit einem 0,35 mm Draht verlötet. Die eigentlichen Sandrohre sitzen in einem ovalen Flansch der direkt am Sandkasten angebracht ist. Die Sandfalldüsen sind in diesem Falle lediglich "Luftdüsen".
Auch hier wieder das Geldstück zur Verdeutlichung der Größe.
Eine andere, aber für polnische Lokomotiven typische, Armatur ist die vom Gestänge angetriebene Schmierpumpe. Davon besitzt jede Lokomotive zwei Stück. Lediglich die Baureihen Ok22; Ty 2/ 42 ex BR 52 und der polnische Nachbau sowie die Baureihe Ty 3 /43 ex BR 42... haben lediglich eine dieser Schmierpumpen.
Dieses Bild zeigt die Schmierpumpe der Tkt48 148.
Das Modell der Schmierpumpe ist auch ein recht aufwendiges Teil, welches mich viel Zeit und Nerven gekostet hat. Da bei der Ok22 der Antrieb unterhalb des Umlaufes liegt wurde er hier nur teilweise (weil nicht zu sehen) und nicht beweglich dargestellt.
Bei dem hier zu sehenden (unvollständigen) Modell der Ty43 92 ist der Antrieb beweglich.
Da ich noch mehr Lokomotiven nach polnischem Vorbild bauen möchte, müßte ich jedoch eine größere Anzahl dieser Teile fertigen. Mein Gedanke ist jedoch-noch einmal einen Satz dieser und noch einiger anderer Teile als Urmodell zu fertigen. Dann würde ich die Teile gießen lassen wollen- ich weiß bloß nicht wo.
Die Firma weinert macht soweit ich weiß keinen Lohnguß mehr.
Hoffentlich habe ich Euch nicht mit meinen Ausführungen über meine, gewiß exotische, Bastelei gelangweilt.
Hier sind noch ein paar Bilder der Ty43 zu sehen:
[
www.drehscheibe-foren.de]
Viele Grüße aus Jena
Christian
Vielleicht hat ja einer von Euch eine Idee.
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:03:01:21:45:41.