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Piko WBS 70 mit dem Vorbild verglichen (mit 32 Bildern)

geschrieben von: bean

Datum: 06.02.10 20:16


So,

nachdem der Vorbildvergleich von Auhagens Mehrfamilienhaus 11402 positiv aufgenommen wurde und auch an meinem Angebot, ähnliches für den WBS 70 von Piko zu machen, Interesse geäußert wurde, hier nun also auch dieser Vorbildvergleich in Bildform (in Stichpunkten postete ich sie ja schon vor 2 Jahren).

Besonders würde ich mich freuen, wenn sich Leute aus den alten Bundesländern für diesen Vorbildbericht begeistern können und nebenbei lernen, dass auch im Osten Platte nicht gleich Platte ist und es unzählige Unterschiede gibt.

Vorgeplänkel zum DDR-Wohnungsbau und zum WBS 70
Wie vieles in der DDR war auch Wohnraum sehr knapp. Nicht selten mussten sich mehrere Generationen nicht nur eine Wohnung, sondern teilweise auch die Zimmer teilen. Etagentoiletten in Altbauten waren durchaus noch an der Tagesordnung (bis in die 90er Jahre hinein), mitunter mussten sich auch mehrere (fremde) Familien auch dieselbe Küche teilen.

Das Ganze war natürlich kein Zustand. Zwar bestand durchaus die Möglichkeit, sich selbst ein Einfamilienhaus zu bauen, allerdings war dies aufgrund knapper Ressourcen ohne Vitamin B und unglaublich viel Eigeneinsatz kaum möglich, und selbst dann war so ein Haus nicht binnen weniger Monate fertig. Der Sanierung von Altbauten (vor allem in pravater Hand) stand im Weg, dass staatlich festgelegte Mietsätze einen Werterhaltung dieser Gebäude kaum ermöglichte. Zuschüsse gab es nicht, also hat sich dort auch nichts geändert.

Der industrialisierte und standardisierte Wohnungsneubau war daher das Mittel der Wahl und unter dem Motto "jedem seine Wohnung" auch "Chefsache". Die ersten Typenbauten in Blockbauweise wie IW57 und Nachfolger, Q3A und andere boten zwar annehmbaren Wohnraum, waren aber zur Lösung der Wohnraumprobleme noch nicht automatisiert genug.

Wie auch in anderen Ländern ging man daher letztendlich zur Großtafelbauweise über. Basis waren hierbei industriell gefertigte, standardisierte Komponenten, die auf der Baustelle nur noch endmontiert werden mussten. Man vermied es nun, arbeitsintensive Sachen an der Baustelle zu erledigen (wie beispielsweise die Gebäude zu verputzen) und lieferte die Platten und andere Komponenten bereits fertig gestaltet zur Baustelle (darunter zum Beispiel auch die fertig eingerichteten Modulbäder, an die nur noch Strom und Rohre angeschlossen werden mussten). Schon in den 60er Jahren konnten so Großprojekte wie Ha-Neu auf der grünen Wiese realisiert werden. Hierbei setzte man außerdem nicht mehr auf Kohleheizung, sondern belieferte die Blöcke zentral mit Heizwärme/Warmwasser. Die dazugehörigen Rohrsysteme hat man aus Kostengründen oft oberirdisch bis zur Siedlung verlegt und natürlich nicht immer perfekt isoliert. Auch heute noch findet man derartige Rohrleitungen...

http://img18.imageshack.us/img18/7215/06217t.jpg

...neu isoliert in der Nähe vieler Plattenbausiedlungen.

Die Entwicklung bei Großtafelprojekten ging natürlich weiter und blieb nicht bei den ersten Serien wie QP62 oder P2 stehen. Eine der letzten Entwicklungen war die Wohnungsbauserie 1970, kurz WBS 70 - laut Wikipedia auch die meistgebaute. Technischer Unterschied gegenüber früheren Plattenbauprojekten war die Lastgrenze (=Maximalgewicht der zu verbauenden Teile) von 6,3 Tonnen statt der zuvor verwendeten 5 Tonnen (beim IW 57 unter 1 Tonne). Außerdem wurde dem Gebäude ein Grundraster von 12,0x1,2 Metern zugrundegelegt. Mit standardmäßig gut 12 Meter Gebäudetiefe (ohne Balkons) ist er zugleich der Plattenbau mit der größten Gebäudetiefe, es sind bis zu 11 Stockwerke vorgesehen. Der Welt erste WBS 70 von 1973 steht übrigens in Neubrandenburg und mittlerweile unter Denkmalschutz. Mit einem Bild von ihm kann ich aber leider nicht dienen.

Erst einmal für alle, die von einem WBS 70 keine konkrete Vorstellung haben - so zum Beispiel kann ein WBS 70 aussehen:

http://img69.imageshack.us/img69/6137/vorbild1.jpg

Auch wenn derartige Häuser sich nicht mit Dorfgestaltungen vertragen, so wurden dennoch vereinzelt solche "Monster" irgendwo an den Dorfrand platziert.

WBS 70 gibt es aufgrund ihrer hohen Stückzahl und der über 15jährigen Bauzeit mit sehr unterschiedlichen Gestaltungsvarianten. Einerseits hängt dies mit den jeweils zuständigen Wohnungsbaukombinaten und deren Möglichkeiten zusammen, andererseits auch mit den zugrundegelegten Grundrissen. Auch hier gibt es - wie schon bei den älteren IW vereinzelt auch Blöcke mit Balkonen, die in den Grundriss eingearbeitet sind und damit glatte Fassadenfronten ergeben.

Um einen WBS 70 sicher von anderen Plattenbautypen unterscheiden zu können, sollte man sich die hier gezeigten und verlinkten Plattenelemente gut einprägen. Andere/ältere Plattenbautypen haben oft (manchmal auch nur auf einer Seite) andere Fensterteiler. Durch nachträgliche Zusatzdämmung und Verputzen oder andere bauliche Veränderungen ist eine Unterscheidung der einzelnen Plattenbautypen teilweise recht schwer. Aber im Moment gibt es - je nach Region - durchaus noch WBS, die sich äußerlich weitgehend in Originalzustand befinden und sich daher gut für Studien eignen. Es werden aber immer weiger, drum: Macht ruhig einige Fotos von unsanierten Plattenbauten in Eurer Gegend - wer weiß, wofür ihr die Aufnahmen noch brauchen werdet. Der Wochenendspaziergang muss doch nicht immer nur zum Bahndamm sein...

Das IEMB hat zum WBS 70 eine informative Seite erstellt, auf der auch viele Grundrisskonzepte vorgestellt werden. Pikos Bausatz basiert auf dem hier: [www.iemb.de]

Hier auch einmal ein paar Bilder zur Herstellung der Vorbilder: [www.horstmueller-galabau.de]

Das Tägliche Dresdenbild hat auch einmal eine schöne Zuarbeit zum Aufbau und Einzug, zur Sanierung und zum Abriss eines WBS 70 veröffentlicht, wo ebenfalls viele interessante Aufnahmen gezeigt werden: [www.kamillenweg.taegliches-dresdenbild.de]

Da die Dresdener WBS 70 unter anderem in der Fenstergestaltung abweichen, sollen sie hier nicht weiter Thema sein.

Der Bausatz
Nachdem die inzwischen wohl nicht mehr existente Firma Casalux bereits einen speziellen Dresdener Plattenbau als Laserkartonmodell umgesetzt hatte, kündigte Piko 2005 etwas preiswerter den "normalen" WBS 70 als Kunststoffbausatz an. Das ist insofern verwunderlich, da der WBS 70 grundsätzlich erst ab der zweiten Hälfte der Epoche IVb einsetzbar ist, in manchen Gegenden gar erst in den frühen 80er Jahren Einzug erhalten hat (und damit erst in Epoche IVc "universell" einsetzbar ist). Zeitlich flexibler einsetzbar wären frühere Plattenbautypen gewesen, aber Piko wird sich schon was dabei gedacht haben. Immerhin war man so ambitioniert, zeitgleich auch einen Rgs mit typischen WBS70-Platten als Ladegut auf den Markt zu werfen.

Zumindest meine Erwartungen an und Hoffnungen in einen solchen Bausatz waren sehr hoch. Denn auch wenn (oder gerade weil) so ein WBS70 mit einer Hand voll genormter Elemente auskommt, so ließen sich bei einem Plattenbau im Modell beliebige Vorbilder gestalten. Die Idee ist einfach wie genial: Man fertigt einfach wie beim Vorbild ein paar Platten und fügt sie dann nach Vorbildschema zusammen. So ließen sich mit vergleichsweise geringen formtechnischen Aufwand und überschaubarer Teileanzahl unzählige WBS70-Vorbilder nachbilden. Angefangen vom fünfstöckigen Würfelhaus bis hin zum völlig anders aufgebauten, elfstöckigen Hochhaus könnte man praktisch alles realisieren und hätte dem kreativen Modellbahner ein wunderbar flexibles Werkzeug in die Hand gegeben. Auch unterschiedliche Modernisierungsstufen nebeneinander für Epoche V/VI könnten ansprechend gestaltet werden. Da Pikos Nachwendeentwicklungen im "Hochpreissegment" (zu denen auch dieser Bausatz zählt) zum Großteil ansehnliche Modelle geworden sind und man die Ansprüche von Modellbahnern an preisintensive Modelle kennt, sollte eigentlich was gutes herauskommen.

Angefangen hat Piko seine Plattenbau"serie" mit einem Basis-Set (Artikel 61146, bestehend aus einem Aufgang) und einem zweistöckigen Ergänzungsset (Artikel 61147) - beides werksseitig "gealtert". Auf den Katalogbildern sah (und sieht) der Bausatz natürlich nur nach einem frühen, unfertigen Handmuster und auch deutlich zu hell aus. Leider ist der Bausatz bis bis auf Kleinigkeiten der Abbildung identisch. Aber erst einmal Bilder von den Spritzlingen, denn es kommt richtig dick.

Zunächst: Der Karton ist recht groß und innen nicht verstärkt. Ein großes, weiches Stück Packpapier hält die Spritzlinge im Karton halbwegs in "Transportlage".

Fangen wir bei den Spritzlingen harmlos an:

http://img713.imageshack.us/img713/36/inhalt5.jpg

Piko legt dem Bausatz vier dieser Fenster- und Türspritzlinge bei. Über die Eingangstürgestaltung muss man sich nicht streiten, da gab es natürlich auch beim Vorbild beliebige. Im Handmuster auf der Verpackung zu sehen ist eine andere, die im Vorbild in etwa so aussieht:

http://img651.imageshack.us/img651/812/vorbild19.jpg

Aber über derartige Details muss man sich nicht streiten, genauso wie über die asymmetrische Teilung der Doppelfenster:

http://img692.imageshack.us/img692/4593/vorbild24.jpg

Da die Fenster oben und unten gleich dick sind, handelt es sich beim Bausatz um die Ursprungsfenster. Wären es nach der Wende ausgetauschte, so müssten die Fensterrahmen im unteren Bereich dicker ausgeführt sein als an den anderen drei Kanten.

Was etwas einfallslos ist, das ist der generische Fensterbogen, der aufgrund der zahlreichen Fenster dem Bausatz schon mit nur einem Aufgang mehrfach beiliegen muss zur vollständigen Abdeckung. Aber da kann man sich ja recht einfach selbst was basteln.

Soweit eigentlich noch okay, arbeiten wir uns mal weiter durch die Spritzlinge:

http://img692.imageshack.us/img692/1641/inhalt4.jpg

Das hier sind die Balkonelemente. Die oberen Spritzlinge sind die Balkonbrüstungen (oben) sowie die Balkonfußböden (unten) - jeweils von vorn und von innen. Die unteren Spritzlinge sind die Seitenwände der Balkons. Man sieht deutlich die Brandspuren, ähm, die aufgetragene "Alterung". Das zieht sich auf den andern Spritzlingen (Betonplatten und Dach) so fort, dass man auf den Rückseiten der Spritzlinge mehr von der Alterung sieht. Meiner Ansicht nach ist das Schwachsinn und verteuert das Modell nur ohne Nutzen - zumal man gut beraten ist, so manches Teil vor dem Zusammenbau einzufärben. Einige Ideen sehr ihr auf den gezeigten und verlinkten Bildern.

Was man sehr deutlich sieht, das sind die einzelnen, fiktiven Platten bei den Balkonwänden. Die sieht man zwar beim Vorbild nicht immer gut, da teilweise im Original gestrichen...

http://img163.imageshack.us/img163/3039/vorbild14.jpg

...aber mit dem Komprimiss kann man im Hinblick auf eine theoretische Aufstockung im Modell und der dann vorhandenen Problematik der Kaschierung eventuell leben. Kritikpunkt meinerseits ist, dass diese "Bretterfugen" aber genauso tief sind wie bei den eigentlichen Betonplatten - und dass ist beim Vorbild nirgends der Fall. Ich erinnere mich an die Diskussion über die "Verschlagwagen-Bretterfugen" bei Märklins neuem Oppeln vor einigen Wochen...das hier ist recht ähnlich.

Ich persönlich hätte die Stützen für die Balkonbrüstungen etwas länger gestaltet, denn die stehen beim Vorbild oft deutlich hervor.

Nun aber zu den eigentlichen Plattenelementen. Ganz ehrlich: Als ich meinen Bausatzkarton öffnete, dachte ich echt, ich werd' nicht mehr. Was zum Henker ist das?! Schaut selbst:

http://img682.imageshack.us/img682/264/inhalt1.jpg

http://img682.imageshack.us/img682/4659/inhalt2.jpg

Ich bin einfach schockiert. Da verguckt sich ein Hersteller in ein modulares Bausystem, um zum Schluss dann doch große, unflexible Fertigteile auf den Markt zu schmeißen, die keinerlei Variation ermöglichen. Was bin ich froh, dass ich erst einmal nur einen Bausatz zur Anschauung gekauft hatte und nicht gleich 6 oder noch mehr.

Nun ist auch klar, wieso Pikos Ergänzungsset gerade 2 Etagen vorsieht - es besteht dann einfach aus dem unteren der gezeigten Spritzlinge, zwei Fensterspritzlingen und eben etwas Fensterdeko. Dumm nur, dass es so keine 7stöckigen WBS 70 gibt. Die Sache ist nämlich folgende: Auch in der DDR gab es Bauvorschriften, die ab einer bestimmten Geschosshöhe Aufzugsanlagen vorgeschrieben haben. Je nach Bezirk waren Aufzüge entweder ab 6 oder ab 7 Etagen Pflicht. Nun waren Aufzüge aber Mangelware - ein Grund, wieso in den zuletzt gebauten Plattenbausiedlungen nur noch selten Hochhäuser als markante Punkte in der Wohngebietsgestaltung zu finden sind, man eher mit Nachverdichtungen des Wohnraums gearbeitet hat und in aufzugsfreien Wohngegenden meist nicht mit der Geschosszahl gespielt, sondern in aller Regel das Maximum ausgenutzt hat.

Und wenn man nun schon Fahrstuhltechnik hatte, dann hat man sie eben nicht für 6- bzw. 7stöckige Häuser verschwendet (okay, ich kenne ein siebenstöckiges Punkt"hochhaus" in Berlin. Ob dort aber tatsächlich ein Fahrstuhl eingebaut wurde oder ob hier aus irgendeinem Grund eine Ausnahme gemacht wurde, entzieht sich meiner Kenntnis). Es gibt einige achtstöckige WBS70, auch eher untypisch sind neunstöckige. Wesentlich öfter hat man 10 oder auch gleich die mit einem WBS70 maximal möglichen 11 Stockwerke gebaut.

Also: 5stöckige WBS70 gibt es sehr viele, je nach Bezirk waren auch sechsstöckige die Regel. Wieso man nun gerade auch siebenstöckige kommt, ist mir ein Rätsel.

Man könnte nun sagen: Na gut, dann stocke ich eben gleich auf 11 Etagen auf. Aber gucken wir uns doch mal einen beliebigen Elfstöcker genauer an:

http://img534.imageshack.us/img534/9974/vorbild25.jpg

Logisch, dass die Fahrstühle in der Nähe der Eingänge und Treppenanlagen sind und ja auch für alle Bewohner irgendwo die Briefkästen untergebracht werden müssen. Ebenfalls wurden in deratigen Gebäuden auch Müllschlucker eingebaut. Der von Piko vorgegebene Grundriss entspricht einem 5/6stöckigen WBS70, aber eben keinem mit Fahrstuhl und Müllschlucker.

Das Aufstockungsset ist also - so wie es ist - absolut vorbildfern. Und wer tatsächlich eine vorbildferne siebenstöckige Variante bauen wollte, könnte auch einfach den normalen Bausatz kitbashen. Schon bei 2 Aufgängen kommt das preislich auf's selbe hinaus, nur hat man dann gleich noch ein paar Teile für die Bastelkiste...

Was man auch sehr gut sieht, sind Montagelöcher und -nuten für die Balkons. Zwar lassen sich die Balkons auf diese Weise einfach montieren (wie wohl der gesamte Bausatz), das ist aber nicht gerade vorbildgerecht. Wie man vier Bilder weiter oben sehr gut sieht, gibt es eben keine derart ausgeprägte Verbindung zwischen Balkon und Platte. Als kleine Arretierung hätten Montagelöcher besser bei den Balkonfußböden gepasst.

Zu den Balkonfußboden-Tür-Abständen... Ich sage mal so: 30 cm Absatz gibt es bei manch Vorbild durchaus.

Ein weiteres Ärgernis sind die von Piko vorgesehenen Nuten für Leute, die zum Beispiel einen WBS70-Ratio darstellen wollen. Ratio? Ja. Das Wohnungsbauprogramm brachte zwar vielerorts eine erhebliche Steigerung des verfügbaren Wohnraums, der Bedarf konnte aber auch weiterhin nicht gedeckt werden. Um dieses Ziel schneller zu erreichen, begann man in den 80er Jahren, den Wohnungsbau weiter zu rationalisieren. Dies erreichte man zum Beispiel durch die Veränderung der Grundrisse - man verlagerte die Küchen größtenteils ebenfalls in den Innenraum, sodass insbesondere die Mitte/Ende der 80er Jahre gebauten Plattenbauten oft auch keine Küche (und Essecke) mit Fenster mehr haben (wurde und wird teilweise bei Sanierungen geändert). Hierdurch wurden vorhandene Zimmer kleiner, es konnte aber dort, wo ursprünglich eine Küche geplant war, ein weiteres Zimmer geschaffen und derselbe Wohnungsgrundriss größeren Familien angeboten werden. Ebenso sparte man etwas Baumaterial ein, indem die Balkone verkleinert wurden und mitunter auch ganz entfielen. Das hier ist zum Beispiel einer solcher Blöcke:

http://img197.imageshack.us/img197/9291/vorbild9.jpg

Teilweise wurde auch der Wohnungseingang mit Treppe eingespart, um diesen "Vorraum" im Flur wie in den höheren Stockwerken als Wohnraum zu nutzen. Verschiedene Balkonformen sind bei Pikos Bausatz nur in geringem Maß realisierbar. "Gläserne Balkons"...

http://img713.imageshack.us/img713/2301/vorbild2.jpg

...wie sie bei Sanierungen manchmal angebaut werden, kann man vergessen. Einzige Änderungsmöglichkeit ist ein Austausch der Balkonbrüstungen an sanierten Blöcken:

http://img69.imageshack.us/img69/3166/vorbild11.jpg

Dieses Bild ist außerdem deshalb interessant, weil es eine weitere typische Plattenanordnung zeigt. Nicht immer wurden zwischen den Balkonen noch einmal 2,4 m breite Platten verbaut und damit je ein weiteres Zimmer nach vorn und hinten geschaffen - hängt eben alles vom Grundriss ab. Es wäre - wenn Piko die Platten wirklich als einzelne Platten dargestellt hätte - so einfach gewesen, den zu bauenden Wohnblock dahingehend abzuändern. Das wäre besonders auch für Leute interessant gewesen, denen gerade 5 cm fehlen für einen vorbildgerechten Block.

Wie das mit den Eingängen bei durchgehenden Balkonfassaden gelöst wurde, zeigt zum Beispiel dieses Bild:
http://img163.imageshack.us/img163/3999/vorbild13.jpg

Was durch diese feste Platten und diese elendigen Anbauhilfen für die Balkons ebenfalls nicht möglich ist, das sind alternative Stirnseiten. Es ist nämlich mitnichten so, dass es an den Stirnseiten keine Fenster und Balkone gibt. Schauen wir uns den zuerst gezeigten Block von etwas weiter rechts an:

http://img163.imageshack.us/img163/1072/vorbild8.jpg

Selbst wenn man Pikos Gebäudeplatten entsprechend zersägen würde, die Anbauhilfen machen jegliche Idee dieser Art zunichte. Es wäre derart viel Nacharbeit durch Spachtelnn etc. nötig, dass man die WBS70-Platten eigentlich auch gleich selbst fertigen könnte. Nur, wozu dann noch den Bausatz kaufen?

Ebensowenig ist es möglich, WBS70 mit nur einem Aufgang zu basteln - sog. Punkthoch- oder Würfelhäuser. Eigentlich wären das dankbare Vorbilder für Modellbahner, weil sie schöän platzsparend sind. Denn auch wenn der Piko-Bausatz es suggeriert: Einzelne, freistehende Aufgänge dieser Art gibt es beim Vorbild nicht. Möglicherweise macht Piko das für Noch-Fertigplattenbesitzer, deren Bahnsteige auch selten länger als 30 cm sind, vorbildorientierte Modellbahner sollten das aber tunlichst vermeiden.

Zur Info: Ein typischer WBS70-Standardblock normaler Bauform hat 3-4 (manchmal auch 5 oder 6, je nach Region) Aufgänge. Piko hat dem Rechnung getragen und in einem Beipackzettel darauf hingewiesen, dass die Seitenwände (auch eine Balkonwand) zwischen den Aufgängen nicht montiert werden sollen...

http://img682.imageshack.us/img682/6492/inhalt8p.jpg

...und legt auch Fügeelemente fürs Innere des Gebäudes bei (das sind diese "Knochen" an den Fassadenspritzlingen). Hier ebenfalls im Bild zu sehen sind als nettes Detail Straßenschilder, Hausnummern und eine rudimentäre "Klingelanlage". Allgemein ist die Anleitung (so man sie überhaupt braucht) ebenfalls ausführlich und erklärt auch, wie oft jedes Teil beiliegt und welche Teile entfallen.

Wer jetzt aber auf die Idee kommt, 10 Aufgänge auf diese Art aneinanderzureihen, lese noch einmal, was ich 4 Sätze zuvor geschrieben habe: typisch sind (je nach WBK) 3-4 (6) Aufgänge. Trotz aller Rationalisierungsmaßnahmen hat man nämlich eines nicht gemacht: theoretisch unsinnige Stirnwände an aneinandergereihten Blöcken wegzulassen. Schaut euch noch einmal das gezeigte Bild des WBS 70 Ratio an, dann erkennt ihr neben der Laterne einen dicken, braunen Streifen. Wenn man direkt davor steht, kann man dann zwischen den beiden Blöcken hindurchgucken. Warum man das hier nicht eingespart hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Eine Erklärung dafür sind aber unterschiedliche AWGs, denen die einzelnen Blöcke gehören können. Und nicht zuletzt ist das auch ein großer Vorteil bei Rückbauten, so können auch einzelne Blöcke in einer Reihe abgerissen werden, ohne die Blöcke daneben zu beeinträchtigen.

Wie sehen eigentlich die Fassadenelemente des Bausatzes aneinandergereiht aus? So:

http://img689.imageshack.us/img689/1446/inhalt3.jpg

Man sieht, dass der Spalt durch die Patina trotz des ausgeklügelten Schichtsystems des Bausatzes immer noch gut sichtbar sein kann. Auf der Anlage indes sollte das allerdings nicht so sehr auffallen.

Kleine Anmerkung zu den Stirnteilen, die im Plattenmaß 2,8 m x 6 m gehalten sind: Mir sind beim Vorbild bisher nur dann derart große Plattenelemente bekannt, wenn dort auch Fenster und Balkone angebracht sind. Ansonsten sind es eher vier Platten so ca. 3 x 2,8 m bekannt, bei den Dresdenern auch 3 Platten (ca. 4 x 2,8 m). Ich schließe aber nicht aus, dass es irgendwo auch diese großen Stirnplatten verbaut wurden (alles eine Frage der Laststufe und der verfügbaren Transport- und Montagetechnik). Bei der Gelegenheit möchte ich die Angabe widerlegen, dass WBS70 immer 12 m (bzw. 12370 mm) tief sind:

http://img94.imageshack.us/img94/5290/wbs70gesamt.jpg

Teilweise (wohl auch eher selten) wurden noch diese Zwischenelemente in die Mitte eingesetzt. (in dem ganzen Wohngebiet, nicht nur bei diesem speziellen WBS70. Die anderen Blöcke sind bisweilen aber längst verputzt und daher nicht so anschaulich) Der hierdurch gewonnene Platz konnte in die Ratiowohnungen ein wenig strecken; zumindest balkonseitig sind die Wohnzimmer um ebendiese Platte tiefer. Das Fenster an den Stirnseiten indes ist dabei Bestandteil der Küchen, die so zumindest an den außen gelegenen Wohneinheiten mit Fenster ausgestattet werden konnten (allerdings schmalere Fenster als hier abgebildet - abgebildet ist wie gesagt ein Spezialbau). "Natürlich" ginge solch eine Variation beim Piko-Bausatz ohne umfangreiche Bastelarbeiten nicht.

So, genug über die Fassadengestaltung gemeckert, kommen wir zur Bodenplatte und den Eingangsbereichen:

http://img85.imageshack.us/img85/5757/inhalt7.jpg

Wie bereits beim Vorbildvergleich des Auhagenbausatzes erwähnt, wurden bei beiden Eingangsbereichen (Treppenpodest und Schwelle) keine Fußabtrittroste vorgesehen. Sie sind auch nicht angraviert. Schade, muss man diese durch Farbe oder durch ein geätztes Messingblech selbst darstellen. Für die Treppe gibt es Verkleidungen. Haben nicht alle Vorbilder und können daher auch ohne größere Probleme weggelassen werden. Leider ist dies die einzige Variationsmöglichkeit, die der Bausatz direkt aus der Schachtel bietet. Für ein modulares Plattenbausystem...na ja, ihr wisst schon.

Die Treppe selbst kann man locker in die Kategorie vergeigt einordnen. Denn wie durch das Geodreieck dargestellt ist sie (anders als der Rest des Bausatzes) stark verkürzt dargestellt und im 45°-Winkel gehalten. Ja, steil sind die Treppen mitunter, aber 45° sind es dann doch nirgends. Da könnte man den Sonnebergern aufs Dach steigen...aber ducken wir uns lieber das Dach des Bausatzes an:

http://img689.imageshack.us/img689/526/inhalt6.jpg

Auch hier weiß ich nicht, was Piko eigentlich geritten hat. Dass die "Regenrinne" für die Mitte des Flachdachs (Regenabfluss geschieht beim Vorbild durch die Versorgungsschächte zwischen Küche und Bad) in der deutlich zu hell geratenen Farbe der Fassadenelemente gehalten ist, kann man ja ändern. (sieht man auf dem Bild nicht gut...das rechte Dachteil ist dort draufgesetzt auf dem Bild). Aber was bitteschön soll diese ungeteilte Fläche?

Schauen wir uns doch nochmal das Vorbild an:

http://img708.imageshack.us/img708/7606/vorbild6.jpg

Man kann sehr gut erkennen, dass das Dach bei den Wohnblöcken durchaus nicht aus einem Guss ist. Auch auf der ausgerollten Dachpappe sind sehr gut Bahnen zu erkennen. Schade, denn bei der modellbahnüblichen Betrachtung von oben dieht man doch gerade Dächer... :(

Bevor ich weitermache, ein kleiner Rückblick. Schaut euch nochmal alle Spritzlinge an: Fehlt da nicht irgendwas bei dem Bausatz?

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JA! Sogar 3 Sachen:

1.) Darauf werden die meisten gekommen sein: Geländer der Außentreppe. Wie man so etwas "vergessen" kann, ist mir schleierhaft. Hat übrigens das Handmuster im Katalog und auf der Verpackung auch nicht.

2.) Vielleicht erinnert ihr euch daran, dass ich eingangs von innenliegenden Bädern bei allen DDR-Plattenbauten und auch innenliegenden Küchen bei WBS70R schrieb. Immerhin hat man eine Entlüftungsablage vorgesehen. Außerdem befinden sich in den Kellern zusätzlich Wirtschaftsräume zur Wärmeregulierung. Man muss noch nie auf dem Dach eines WBS 70 gewesen sein oder selbiges von einer beliebigen DDR-Platte oben gesehen haben um zu bemerken: Da fehlt was.
Natürlich kann auch für einen Schornsteinfeger oder für eine aufs Dach gerannte Katze nicht immer gleich ein Leiterwagen anrücken (die, wie wir wissen, selbst bei Feuerwehren lange Zeit ein Problem waren) - selbstverständlich gibt es Dachluken. In vielen Treppenhäusern (nicht allen) gibt es eine Luke zum Zwischenboden. Dieser "Dachboden" ist nicht ausgebaut und nicht von den Mietern zu nutzen, daher kommt man auch nur per mobiler Trittleiter dorthin. Die richtigen Dachluken sind dann ein wenig versetzt; wo genau, wird sicher von Gebäude zu Gebäude variieren.
Es ist nicht zielführend, mal eben auf das nächstbeste WBS70-Dach zu klettern und dann Maße der Aggregate abzunehmen. Viele Dächer wurden mittlerweile neu gedeckt und fast überall ist schon seit längerer Zeit neue Lüftungstechnik installiert. Daher freue ich mich, dieses Bild eines noch komplett unangetasteten Dachs gefunden zu haben:
[www.informationszentrum-plattenbau.de]
Diese flachen "Schornstein"abdeckungen sind typisch (neuerdings sind sie ja eher kugelförmig), allerdings können zum Beispiel die Abdeckungen beim Vorbild auch etwas größer sein.

3.) Das dritte Fehlteil sind die Regenfallrohre. Ja, ich schrieb weiter oben, dass der Regenabfluss über die Versorgungsschächte erfolgt (und man somit in der Badewanne oder auf dem Pott auch ohne Fenster mitbekommt, wenn es draußen amtlich schifft). Für die Balkondächer trifft dies aber nicht zu. Schauen wir uns aber das zuerst gezeigte WBS70-Bild noch einmal im Detail an:

http://img94.imageshack.us/img94/9194/vorbild27.jpg

Deutlich sind die Regenfallrohre zu sehen. Ich kenne keinen WBS70, bei denen die originalen Balkons - egal ob Ratio oder nicht - keine Regenrinne haben. Natürlich ist das ein Detail, welches schon aus Montagegründen weggelassen werden könnte. Vorbildgetreu ist es aber nicht.

Manch Vorbildkundiger moniert vielleicht die fehlende Überdachung der Eingänge. Hier gilt aber Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber die Ausführung der Überdachung ist wieder sehr vorbildspezifisch. Außerdem ist es mitnichten so, dass zwingend beide Eingänge überdacht sind, mitunter ist es auch nur einer (welcher der beiden, ist wiederum sehr unterschiedlich gelöst). Ich kann es nicht ausschließen, dass irgendwo auch einzelne Blöcke ohne Überdachung gebaut wurden, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist. Es ist aber richtig, auch bei diesem Detail hat sich Piko nicht mit Ruhm bekleckert und hätte ruhig optional zu verbauende Dächer beilegen können. Hier ist also wieder einmal der Bastler gefragt.

Zwei weitere Eingangsüberdachungen desselben Wohnungsbaukombinats:

http://img85.imageshack.us/img85/8430/vorbild26.jpg

http://img85.imageshack.us/img85/9210/vorbild21.jpg

Zusammenfassung uns Ausblick
Piko hat sehr viel Gehirnschmalz dafür verwendet, dass der Bausatz auch von unerfahrenen Modellbastlern zusammengebaut werden kann. Leider blieb dabei die theoretisch mögliche Flexibilität komplett auf der Strecke. Für mich unverständlich - denn was wäre das Problem gewesen, wenn man die Platten zusammenhängend übereinander gestaltet hätte? Dann wäre zwar eine Aufstockung immer noch schwierig gewesen, aber die Anordnung der Platten (die allenfalls im Unterstock in den Türbereichen von den oberen Etagen abweichen) hätte beliebig verändert werden können. Die Spritzlinge sind außerdem so gestaltet, dass Variationen im Balkonbereich unmöglich sind. Als Bastelgrundlage ist der Bausatz - abgesehen von den Fenstern und den Balkonen - ungeeignet für beliebige WBS70-Projekte. Besonders interessant für Modellbahner wären meiner Ansicht nach auch die Punkthochhäuser gewesen: Einerseits hätte man sich die Entwicklung eines gesonderten Hochhaussystems (wie das WHH GT 18) sparen können und dem Modellbahner mit geringem, zusätzlichen Formaufwand auf kaum größerer Grundfläche als Pikos Einzelaufgang realistische Hochhäuser ermöglicht. Vielen vorbildorientierten Modellbahnern wäre man dann außerdem schon allein aus Platzgründen sehr entgegengekommen, ist ein vorbildgerechter WBS 70 mit mind. 3 Aufgängen ein ordentlicher Kaventsmann. Ein direktes Bild eines Punkthochhauses habe ich nicht, aber mal einen Luftbildlink zu Bing: [www.bing.com]

Neben den praktisch nicht vorhandenen Möglichkeiten zur Veränderung ist es besonders prekär, dass der Bausatz zudem unvollständig ist. Unrealistisch steile Außentreppe ohne Geländer sowie komplett fehlender Dachgarten auf einem nicht vorbildgerecht gestalteten Dach sind für mich aufgrund des veranschlagten Preises von nunmehr 35,50 Euro indiskutabel und für eine Firma, die vorbildgerechtes Rollmaterial fertigt, nicht verständlich. Da können auch die ansonsten maßstäblichen Plattenelemente nichts mehr reißen. Der Bausatz wäre damit so wie er ist im Hobby-/Niedrigpreissegment wesentlich besser aufgehoben, dann wäre auch die deutlich zu helle Grundfarbe egal. So wie der Bausatz aus der Packung kommt, hat er mit dem Vorbild nur etwa so viel zu tun wie Rocos Playtime-120 mit dem Original. Man sieht also, was es darstellen soll, aber das war's dann auch.

Sinnvoller wäre es gewesen, wenn Piko einen Phantasieplattenbau entworfen hätte, der dann auch im Westteil der Republik hätte eingesetzt werden können. Dass dieser dann keinem DDR-Plattenbau entspricht, dürfte dem meisten der Ost-Modellbauer, die das Vorbild nur aus dem Fernsehen kennen, auch nicht auffallen.

Eher lieblos umgesetzt sind auch die WBS 70, die nicht als Wohngebäude sondern als Büro oder ähnliches gebaut wurden. Also solche Gebäude zum Beispiel:

http://img22.imageshack.us/img22/806/vorbild28.jpg

http://img22.imageshack.us/img22/9489/vorbild29.jpg

Die *räusper* "Kaufhalle" (61151) und "Gaststette" (61148) sind lediglich Zweitverwertungen der unteren Gebäudeteile. Eine unterkellerte Gaststätte ist schon etwas befremdend, und die mir bekannten Wohngebietsgaststätten sahen dann doch etwas anders aus. Hier wäre die "Kaufhalle" der etwas glaubwürdigere Bausatz.

Diese "Kaufhalle"...also eine typische Ost-Kaufhalle sieht anders aus. Auhagens Minikaufhalle 11406 kann in Verbindung mit den Zusatzdächern 41613 eine Bastelgrundlage für eine vernünftige Kaufhalle sein (eventuell macht man die Seitenwände auch komplett selbst), ansonsten hat Armin Mühl eine realistisch aussehende Kaufhalle auf Mühlenroda platziert: [www.muehlenroda.de] (-> dort dann "Gebäude in Mühlenroda" anwählen)

Und dann war da ja noch diese...ähm..."Schule" (61150). Auch bei diesem Modell dient der WBS70 als Grundlage. Nun überlegt mal: POS hatten 10 Klassenstufen, also ohne irgendwelche Fachkabinette wären schon einmal 10 Unterrichtsräume allein für eine einstufige Schule notwendig. Hinzu kommen noch so Sachen wie sanitäre Anlagen, Lehrerzimmer/Sekretariat, auch ärztliche Versorgung. Wie gut ist das mit dem Fensterteiler zu bewerkstelligen, wie ist das mit der Schulspeisung, mit dem Hort? Die Klassenzimmer wären außerdem allesamt reichlich klein. Abgesehen davon, dass natürlich auch eine Turnhalle fehlt... Und ja, es gab natürlich standardisierte Schulbauten in der DDR. Am ehesten modellbahntauglich wäre vielleicht der halbe Schultyp Magdeburg, also für einspurige Schulen in ländlichen Gebieten [www.bing.com]. Leute mit zu viel Platz könnten dann zwei dieser Bausätze nebeneinander stellen und hätten dann den "normalen" Typ Magdeburg. Aber auch dieser Schultyp dürfte mit Maßen von gut 20x30 Meter in der einspurigen Ausführung zuzüglich Turnhalle (selbst mit nur einem Basketballspielfeld mit ähnlichen Abmaßen) und zuzüglich Schulhof und Außensportanlage für die meisten Interessenten immer noch den Platzrahmen sprengen.

Kommen wir zu möglichen Modifikationen des WBS 70. Es ist wie gesagt kaum etwas möglich, ohne derart viel abändern zu müssen, dass vom Originalbausatz kaum noch etwas übrig bleibt. Zum einen könnte man die Zahl der Fenster im rückseitigen Treppenaufgang erhöhen. Die Rückseite:

http://img11.imageshack.us/img11/4511/vorbild7.jpg

Man sieht deutlich diese schmalen Fenster, die das Treppenhaus mit Tageslicht versorgen. Insbesondere im obersten Stock ist es daher im Treppenhaus recht dunkel, teilweise wurde daher bei Sanierungen hier ein weiteres Fenster im oberen Stock eingebaut. Teilweise sind haben die Treppenhäuser aber auch gleich zwei Fenster auf jeder Etage ausgestattet worden - wie das ungefähr aussieht, kann man bei dem Bild des Elfstöckers sehen. Leider hat Piko nicht - wie bei manchen Vorbildern - im Treppenhaus an den Stellen fiktiver Fenster die Bauteile verjüngt. Leider liegen dem Bausatz aber nur soviele Treppenfenster bei, wie man unbedingt benötigt. Für jedes weitere Treppenfenster bräuchte man also auch einen weiteren Fensterspritzling.

Theoretisch ist es denkbar, jeden Aufgang eines Blocks um 2,4 m zu kürzen - um dann komplette Balkonfronten zu haben. Was auf der Balkonseite noch recht gut möglich ist, wird auf der Rückseite aber zu einem etwas größeren Problem. Denn die Plattengestaltung ist dort mitunter etwas anders:

http://img713.imageshack.us/img713/2315/vorbild18.jpg

Es können aber natürlich auch zwei kleine Platten sein beim Vorbild. Sieht meiner Meinung nach aber nicht aus. ;-)

Zuletzt noch ein Bastelvorschlag, für den eher wenig Änderungen an dem Bausatz nötig sind. Und zwar einen Kellereingang. :)

http://img713.imageshack.us/img713/4683/vorbild30p.jpg

Vereinzelte Blöcke haben (hatten) einen solchen Kellereingang als Hausmeisterstützpunkt oder ähnliches.

Ebenso vereinzelt gibt es Blöcke mit einer Wohnetage mehr (Umgehung der Fahrstuhlregelung, nannte sich dann "5+1"...), indem die erste Etage rollstuhlgerecht gestaltet ist. Das heißt, die Treppe ist einer großzügig angelegten Rampe gewichen und die Balkone wurden im Untergeschoss auch deutlich großräumiger gestaltet:

http://img96.imageshack.us/img96/9134/vorbild4.jpg

Auf eine Treppe wurde teilweise auch durch einen aufgeschütteten Weg direkt an den Balkonen verzichtet - vor allem dann, wenn die Wohnungen in der ersten Etage von Ärzten genutzt werden.

Auf weitere Änderungsmöglichkeiten bei Grundrissen möchte ich nicht eingehen, da diese mit diesem Bausatz nicht zu realisieren sind. Wer interessiert ist, wird sicher eh' schon Vorstellungen für eine vorbildgerechte Umsetzung haben. Daher abschließend nur noch ein paar Bilder als weitere Gestaltungsvorschläge:

http://img163.imageshack.us/img163/503/vorbild22.jpg

http://img163.imageshack.us/img163/9899/vorbild20.jpg

Eine Magdeburger Variante:
[www.informationszentrum-plattenbau.de]
[www.informationszentrum-plattenbau.de]
[www.informationszentrum-plattenbau.de]

Ich hoffe, Euch hat dieser (sehr umfangreiche) Bericht ebenso gefallen wie der zu Auhagens Bausatz und ich konnte Euer Interesse wecken, sich auch einmal mit derartigen Vorbildern zu beschäftigen. Wer noch etwas ergänzen kann (auch Bilder von Gestaltungsvarianten), ist herzlich dazu eingeladen. :)

Gregor.





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:02:06:20:22:31.
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