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Moderatoren: allgäubahn - MWF

Archäologie: Güterwagenfund mit Fragen

geschrieben von: Enno

Datum: 27.05.21 15:38

Hallo zusammen,
bei einer kleinen Exkursion am vergangenen Sonntag, stolperte ich im Bereich Bützow über ein Güterwagenfragment. Aufgrund seiner, innerhalb eines Gebäudeensembles eingebauten Lage, war es nicht ganz einfach ein paar Fotos anzufertigen. Für mich bemerkenswert, ist die Konstruktion des Wagenkastens mit hölzernenen Stützen, was ich eigentlich nur aus dem 19. Jahrhundert kenne. Andererseits, hat der Wagen eine deutlich größere Länge als Waggons dieser Periode. Ich könnte mir daher auch vorstellen, dass es sich um einen ehemals Russischen Waggon handelt, der als Strandgut des Krieges nach 1945 in Deutschland blieb. Wer also etwas Genaueres weiß (oder sich an Spekulationen beteiligen mag) kann gerne seinen Senf dazu geben.
Hier kommen die Bilder:

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=361336
1) Erster Blick auf den Aufbau. Hölzerne Wagenkastenstützen Kastenrungen (Danke Norbert) und kaum lesbare Beschriftungen "Deutsche Reichsbahn"

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=361337
2) Detail mit schmaler Tür und eisernen Verbindungselementen am Ständerwerk

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=361338
3) Auf der Rückseite. Dank Maiengrün war keine Gesamtansicht fotografierbar, man erkennt aber die große Gesamtlänge.

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=361339
4) Rudimentäre Beschriftung. Bemerkenswert: Schwarze Schrift

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=361340
5) "Nach Entladung sofort leer nach dem Heimatbahnhof zurück senden"

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=361342
6) Was steht da? Butter???

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=361345
7) Manchmal hilft es etwas mit Kontrasten und Farben zu spielen. Ich lese als erstes Wort tatsächlich "Butter". Das würde auch die schwarze Farbgebung der Beschriftung erklären, wenn der Waggon weiß lackiert war.

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=361343
8) "Materialwagen", allerdings nicht in schwarzer Schrift, was auf eine Zweitnutzung hindeuten könnte.

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=361341
9) Noch ein Seitenwanddetail

https://www.drehscheibe-online.de/foren/file.php?099,file=36134410) Zum Schluss noch die Reste der Stirnwand, von der man aber kaum noch etwas erkennen kann.

http://www.abload.de/img/_dsc4941.2403pp3g.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 29.05.21 09:28.

Re: Archäologie: Güterwagenfund

geschrieben von: andreas +

Datum: 27.05.21 19:01

Zitat
6) Was steht da? Butter???
Buttertransportwagen soll es ja gegeben haben:

https://eisenbahnwesens.de-academic.com/642/Buttertransportwagen

Zum Bild 1

geschrieben von: Norbert Bank

Datum: 28.05.21 16:01

Hallo Enno,

Du hast geschrieben:

1) Erster Blick auf den Aufbau. Hölzerne Wagenkastenstützen und kaum lesbare Beschriftungen "Deutsche Reichsbahn"

Zitat Ende.


Das sind Kastenrungen oder Kastensäulen oder auch Kastenprofile. Auch wenn die aus Holz sind.

Kastenstuetzen verbinden Kastenprofil und Langträger des Wagens unter dem Wagenboden.

die schwarzen, asymetrischen Teile mit Löchern drin:

[www.spurnull-magazin.de]

Diese Bauart mit hölzernen Kastensäulen war weit- und lange in den kuk Landen verbreitet.
Meist in ähnlicher Größe wie ein IId8 / A2 , es gab aber wohl auch längere Wagen.
Aber ob Dein Fund aus den kuk Landen stammt ???
Solche Wagen kamen 1938 noch zur DRB.

Gruß

Norbert
So sahen die erwähnten kuk Wagen in ca. IId8 Größe aus.
Vielleicht finden sich ja ähnliche/gleiche Bauteile ?
Wenn ein Hersteller aus dem kuk Gebiet in Frage kommt böte sich auch ein Blick in das Nesselsdorfer Tatra- Archiv an.

Gruß

Norbert

! zu Butterwagen

geschrieben von: Alberto

Datum: 05.06.21 18:05

Hallo Enno,

eine kleine Anmerkung habe ich zu Butterwagen. Jn der Lokalzeitung meiner Heimatstadt, der „Preetzer Zeitung“ stand am 13. Juli 1902:

„ Zwei Güterwagen mit Eiskühlvorrichtung für Buttersendungen sind auf Anregung der Jnteressenten nunmehr in den Betrieb eingestellt worden. Dieselben treffen vorläufig jeden Sonntagabend von Kiel und Heiligenhafen kommend in Neumünster ein und gehen nachts 1 Uhr 10 Minuten weiter nach Hamburg.
Von da nimmt der eine Wagen die Richtung Berlin, Magdeburg, Halle, Leipzig, Dresden, der andere die Richtung Köln. Zuladungen sind gegen Zuschlag von 20 Pfg. für je 50 Kilogramm Butter gestattet. “

Gruß aus Preetz

Alberto




Nachtrag: Ganz vergessen hatte ich (weil es schon so lange her ist) den „großen Butterdiebstahl vom Oktober 1919“
--->
Ein Jugendlicher war auf dem Bahnhof Preetz beim Anfahren des Zuges von der dem Bahnsteig entgegengesetzten Seite in den Butterwagen hineingestiegen, hat 12 Fässer Butter (1200 Pfund) zwischen Preetz und Kühren herausgeworfen, ist dann in Kühren unbemerkt wieder ausgestiegen und zurückgegangen. Die Fässer wurden mit Komplizen gemeinschaftlich fortgeschafft und versteckt. Später wurden die Fässer dann verteilt. Jm Januar 1920 kamen eigens 3 Kriminalbeamte aus Altona nach Preetz, um die insgesamt 6 Täter, darunter ein Eisenbahnarbeiter (der später als Haupttäter zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde), zu ermitteln.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.06.21 18:22.