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Moderatoren: allgäubahn - MWF

...nur lauwarm, und daher besser als richtig warm! (m 4 B)

geschrieben von: VB995

Datum: 16.12.20 19:41

Ja, wenn es denn Kaffee wäre, da fällt mir der alte Mitropa-Spruch ein:
"Kalter Kaffee -- warmes Bier..."

Aber hier geht es um frisch eingeschabte Gleitlager, die nach einigen Hundert
Metern hin und her im Werksgelände bei SFW Eberswalde für die Rücktour nach
Hause zeigen mussten, was in ihnen steckt.

Und welches Fahrzeug hat heute noch Gleitlager? Richtig!
(Eine Lösung von mehreren:)
Ein 3-achsiger Reko-Packwagen der DR.

Wie bekannt, hatte die DR, anders als die DB mit ihren Umbauwagen, an den
Laufwerken in den Grundprinzipien bei der Rekonstruktion meist nichts geändert.
Daher haben leider noch einige dieser Wagen die alte Länderbahn-Konstruktion
unten drunter, mit den Bandeisen-Achsgabeln sowie Achslagern der Bauart A02
samt den dafür engeren Führungsweiten. Manchmal haben aber auch Gabeln
aus Pressblech-Wangen noch dieses alte Maß.
Achslager der Baurt A01 bzw. die für deren größere Führungsweite nutzbaren
außenringlosen Rollenlager der Bauarten 022 bzw. 167 passen da nicht rein, es sei
denn, die Gabeln sind im Rahmen früherer Revisionen bereits einmal durch Auf-
weiten und Umnieten geweitet worden.
Also gehörte zur Revision (Hauptuntersuchung) des vorliegenden Wagens mit dem
alten Laufwerk auch der Arbeitsumfang der Lagerbearbeitung inklusive Einschaben
der Lagerschalen für Achslager der Bauart A02 und eine Reihe zugehöriger Neben-
arbeiten.
Hilfreich hierbei waren Unterlagen und persönliche Hinweise aus dem Kreis der
früheren VES-W, Delitzsch.

So wurde denn heute der frisch bei SFWE revidierte (12.12.2020) Reko-Packwagen
D-BEF 75 80 93 29 103-0 (historische authentische Nummer 751-173) von
Eberswalde nach Basdorf mit der WFL 230 120-1 überführt, die zuvor von Wustermark
kam.

20201216_101021-_1024x768.jpg
Bereitgestellt im Werk SFWE.

Erste Kontrolle nach 12 Kilometern Lauf ergab sich bei einer Überholung in Biesenthal.
Alles nur noch nicht einmal handwarm. Mit "alles" ist lediglich der Wellenstumpf am Bund
ertastet gemeint, nicht jedoch das Lagergehäuse selbst, das blieb jeweils kalt.
Wenn es denn bis hierher nichts Nennenswertes gab, so die einhellige Meinung, dann
würde auch nichts mehr kommen:

IMG_3413-_768x1024.jpg
Biesenthal

Immerhin war der nächste Halt erst in Schönfließ vorgesehen, also nach weiteren gut
32 Kilometern, wo auch der Fahrtrichtungswechsel im Plan vorgesehen war.
Das ursprünglich geplante Umlaufen in Berlin-Blankenburg entfiel wegen der Bauarbeiten
in Karow mit dortiger technischer und fahrplanbestimmender Engstelle.

IMG_3401-_1024x768.jpg
Schönfließ. WFL-Lok 203 120-1 läuft um.

Auch in Schönfließ das gleiche Bild: alles nur lauwarm, alle Schmierpolster in der richtigen
Lage, kein wesentlicher Schmierölverbrauch, keine nennenswerte Graufärbung des Öls
von etwa vorhandenem Mikroabrieb.

IMG_3402-_768x1024.jpg
DR-Stilleben in Schönfließ: Reko-Packwagen und Hl-Signal.


IMG_3410-_1024x768.jpg
Schönfließ. Bremsprobe nach Umlaufen der Lok.

So ging es denn bis Basdorf, also ab Schönfließ weitere 24 Kilometer. Auch hier alles nur
maximal lauwarm, teilweise noch kühler.

Der Wagen löst einen Pwi-31 ab, der bereits Fristablauf hatte.
Aufgrund der Coronavirus-Pandemie entfielen in diesem Jahr die lokgezogenen Museums-
bahn-Züge, lediglich einige Schienenbusfahrten konnten mit Hygienekonzept stattfinden.
Der 3-achsige Rekopackwagen wird in der kommenden Zeit sukzessive auch sein Äußeres
sowie sein schon etwas abgeschabtes Inneres zum Besseren hin verändern.
Dann wird er noch besser zum seit 2018 wieder auf die Räder gestellten 3-achsigen Reko-
Sitzwagen passen.

Wieder ein 3-achsiger Reko-Packwagen auf der Schiene! Jetzt muss nur noch das blöde Virus weg!

Viel Spaß beim Gucken und Lesen.
Beste Grüße
VB995


Tante Edit meinte, ich solle noch Dreckfuhler beseitigen...
Und noch ein Foto ergänzt.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:12:17:07:48:08.
Hallo Ralf.

Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Fahrwerksrevision. Wieder ein seltenes Schmuckstück mehr auf den Schienen. 💪🏻
Wie geht's denn eurem dritten Reko (358-656) mittlerweile?

Gruß Gunnar -> http://abload.de/img/118104-995kow.jpg
Danke der Nachfrage.
Es geht ihm besser. Die Entrostungsmaßnahmen, wozu auch neues Metall gehört, gehen voran.

IMG_7976-_1024x768.jpg

Die genauen Rundungen der Fensterausschnitte werden später nachgeführt.

Dies als ein Eindruck der Arbeiten.

Beste Grüße
VB995
VB995 schrieb:
Danke der Nachfrage.
Es geht ihm besser. Die Entrostungsmaßnahmen, wozu auch neues Metall gehört, gehen voran.

[attachment]

Die genauen Rundungen der Fensterausschnitte werden später nachgeführt.

Dies als ein Eindruck der Arbeiten.
Vielen Dank. 😃

Gruß Gunnar -> http://abload.de/img/118104-995kow.jpg
Hallo VB995,

Glückwunsch zum wieder einsatzbereiten Packmeister und allzeit gute Fahrt!
Schön, daß ihr die Radsätze mit Gleitachslager darunter gelassen habt, ist inzwischen ja doch sehr selten geworden.

Und dank des Bildes vom dritten Wagen kann man ja auch erahnen, warum es "Reko"-Wagen heißt: der Wagen wird erneut rekonstruiert... ;-)

Herzliche Grüße
Uwe
...hallo Schwellenleger, es blieb ja gar nichts anderes möglich, als wieder Gleitlagerradsätze
mit Achslagern der Bauart A02 zu verwenden, wie ja deutlich aus den technischen Erläuterungen
meines Ur-Beitrages ersichtlich war.

Oder kennst Du einen Hersteller, der Rollenlagerradsätze mit 208 mm breiten (besser: schmalen)
Achslagergehäusen und Federbundzapfen-Querabstand von 1956 mm herstellt?
Inzwischen sind nämlich auch Museumsbahnen drauf und dran, nicht auf Teufel komm raus

unökonomische und allzu pflegeaufwendige Achslager-Bauarten im Betrieb zu erhalten, für die es z.B.
langsam keine rückseitigen Doppellippen-Dichtungen der Achslagergehäuse mehr gibt, für die ein
Lagerausguss zur längeren Suche nach qualitätsgerechten Herstellern wird, für die eine Herstellung
von neuen Einlegeplatten nur noch CNC-Verfahren möglich sind etc.

Sicherlich ist es schön anzusehen, die ganz alten Achslagerbauarten auch unter einem Rekowagen
laufen zu haben, und damit die Entwicklungsgeschichte auch dieser Wagen aufzuzeigen.

Aber nicht umsonst hat damals das Raw Potsdam für die beiden Rekos, die aktuell bei unseren
Kollegen in Berlin-Schöneweide in Pflege und Betrieb sind, genau jene Wagen ausgewählt, bei
denen bereits die Achsgabeln sowohl in der Preßblech-Bauform, als auch in der aufgeweiteten
Führungsbreite vorgelegen haben, welche Achslager der Bauart A01 zuließen, und damit eben
pflege- und unterhaltungseinfachere Rollenlager. Das war beim 2-Achser ja recht einfach, da es sich
bei diesen eher später hergestellten Wagen zumeist um fast vollständige Neubauten handelte, bei
denen vom Spenderwagen oft nur noch die Wagennummer übrig geblieben war.
Typischerweise hatte man bei den nun in Schöneweide stationierten Rekos dafür jene der DR-Bauart
167 (Umbau-Rollenlagerradsätze [URR]) gewählt, damit dadurch wenigstens eine Epochen- bzw.
Bauart-Identität zur DR vorliegt.

Aber auch Rollenlager-Radsätze der nicht-UIC-Bauarten wie 022, 024, 025, 167, also jene mit
Gehäusebreiten von 238 mm und Federbundzapfen-Querabständen von 1956 mm, die z.B. unter alle
landläufig als Donnerbüchse bekannten Wagen passen, werden langsam rar.
UIC-Radsatzbauarten mit Lager-Gehäusebreiten von 265 mm und Federbundzapfen-Querabständen
von 2000 mm passen da nun wirklich nicht.

Wir haben aus unseren Gleitlager-Radsätzen das beste gemacht und hoffen so auf reibungslosen Betrieb.

[berliner-eisenbahnfreunde.de]

Beste Grüße
VB995



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:12:20:13:13:34.

Pw3g 751-173

geschrieben von: Kanzleirat

Datum: 17.12.20 22:56

Servus VB995,

nun mal etwas sachlichere: Der Wagen verlies das Raw Hlb am 04.03.1965: seine späteren UIC-Nr lauteten 50 50 93-25 048-6 -> 50 50 93-15 173-4: aufgebaut auf einem Untergestell von 1914 / Wegmann.

Kanzleirat

Langsam glaube ich, daß die Profilneurose doch ansteckend ist.