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Moderatoren: allgäubahn - MWF
Hallo Zusammen,

ich habe derzeit paar Fragen bzgl. der Güterwagentypen der ehem. Sowjetunion.

Erstens werden immer noch zahlreiche gedeckte Güterwagen produziert, aber warum hat sich im Gegensatz zu hier nicht die Schiebewagen vom Typ H durchgesetzt?
Liegt es daran, dass die Waggons ebenfalls für Schüttgüter eingesetzt werden sollen (wie die Güterwaggeons gattung Gags-v /Gagrs-v der DR)? Oder dass die Doppelschiebetür durch das größere Maß als Schiebewandersatz adäquat ist?
Video von Schüttgutverladung von gedeckten Güterwagen: [www.youtube.com] [www.youtube.com]
Video von der Verladung von Papierrollen (normalerweise typisches Gut für die Verladung in Schiebewandwagen): [www.youtube.com]
Aktuelle Meldungen von Beschaffungen/neue Bauarten gedeckter Güterwagen (Englisch):
[www.railwaygazette.com]
[www.railwaygazette.com]

Zweitens, werden immer noch Kühlwaggons für die Länder gebaut? Wenn ja, sind das eher Wärmeschutzwagen, Kühlwagen mit Kältemittel oder eher Maschinenkühlwagen?

Und zu guter Letzt, welche Waggonbauart, die wir hier in Deutschland haben, gibt es grundsätzlich nicht in den GUS-Ländern bzw. konnten sich nicht durchsetzen (bspw. Coiltrainsportwagen)?
Übersicht über Waggonbauarten hier in Europa: [de.wikipedia.org]

Danke für Eure Infos
Zum Thema Kühlwagen ect. pp.

Dieses Land geht von der Ostsee bis zum Pazifik und vom Nordpolarmeer bis an das Schwarze Meer.
Unterschiedlichste Klimazone werden bedient. Straßenverkehrsinfrastruktur ist in einigen Gegenden nur marginal vorhanden.
Daher wird sehr viel mit der Bahn, auch oft über sehr große Entfernungen transportiert.
Die GOST verlangt eine Einsatzfähigkeit der Fahrzeuge von -50°C bis +50°C. Daher sind dort in der Regel für Lebensmitteltransporte Fahrzeuge eingesetzt, welche eine gleichmäßige Laderaumtemperatur sorgen können. Also mehr oder weniger Klimagüterwagen. Mit reinen Kälte-/Wärmeschutzwagen ist weder in der südlichen Wüste, noch in der nördlichen Taiga etwas anzufangen. Wobei eine begrenzte lokale Nutzung solcher Wagen nicht ausgeschlossen werden kann.
Der Hauptzulieferer für Thermoszüge, der VEB Wagonbau Dessau war ja mit der Währungsunion für die ex. SU nicht mehr bezahlbar.
Und die SZD war der Hauptkunde für dieses Werk. Nun baut man so etwas halt in Russland auf hohem Niveau selbst, wie vieles anderes auch.

Zwei Trapeze pro Bahnhof statt zwei einfacher Weichenverbindungen !!!




3-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.11.20 22:28.

Für Freunde der Arbeitssicherheit....

geschrieben von: rhein-ruhr

Datum: 13.11.20 12:42

Hallo,
"spektakulär" ist auf jeden Fall die Arbeitssicherheit:
GERHUN schrieb:
Video von Schüttgutverladung von gedeckten Güterwagen: [www.youtube.com]
Die Waggons werden auf Socken oder mit Schlappen erklettert und wer von der Wagenkante abrutscht landet auf dem Wellblech und rutscht dann ohne Halt sofort zusammen mit dem Getreide in den Tiefbunker. Und dabei rammt man sich dann nochmal ordentlich den Kopf an der Ladekante.
Ein paar Tage zu spät als Gruselfilm zu Halloween.
Schönes Wochenende
rhein-ruhr
Guten Abend,

aus eigener Beobachtung in Litauen kann ich zu den Kühlwagen sagen, dass sowohl Kühlwagenzüge mit Maschinenwagen, als auch Kühlcontainerzüge mit Maschinenwagen im Einsatz sind (bzw. waren). Vereinfacht gesagt war es ein Ziel der Sovietunion mit möglichst wenig Wagentypen auszukommmen, um überhaupt grosse Serien bauen zu können, zum anderen waren gedeckte Güterwagen lange nicht in ausreichender Zahl vorhanden um überhaupt den Grundbedarf zu decken, auch konnte man nicht einfach noch ein Werk bauen, da es an Spezialisten fehlte und eben auch an Transportmöglichkeiten. Durch diese Reduktion auf (vereinfacht gesagt) nur wenige Wagentypen konnte aber 99% des Transportbedarfs abgedeckt werden, was für die Planerfüllung wesentlich war, Wie man endlich in der Lage war sich solchen Kleinserien zuzuwenden kam der Container auf, der auch schnell verfügbar war und in den vorhandenen offenen Wagentypen transportiert werden konnte.

Heute gibt es weitere Ansätze für Spezialwaggons, inwieweit die sich aber tatsächlich dursetzen können entzieht sich meiner Kenntnis. Es gibt aber einen grossen Gebrauchtmarkt an billigen Waggons, da ist es nicht so wirtschaftlich viel Geld für einen Spezialwaggon auszugeben.

Schönen Abend noch

Krisai
Hallo,

ich hoffe, die Frage ist noch aktuell, so versuche ich, ein wenig Licht auf die Sache zu werfen.

Zunächst etwas, warum die gedeckten Güterwagen in ex-SU immer noch so zahlreich vorhanden sind. Es ist allgemein bekannt, dass die Eisenbahn in der Sowjetunion eine "strategische" Stellung im Sinne des Militärs resp. eines Kriegsfalls genoss. Im heutigen Russland wird diese Funktion genauso, wenn auch nicht mehr so offensichtlich, and die RZD delegiert. Und gedeckte Wagen werden zur Stunde X ganz schnell und einfach zu (Massen-)Personentransportwagen. Einen kleinen Hüttenofen rein, vier kleine Lüftungsklappen auf, und fertig ist das Quartier für die Muschkoten. Moderne Schiebewandwagen sind dazu einfach ungeeignet.

Die Verladung von Schüttgut in gedeckte Wagen ist dagegen nicht so verbreitet. So etwas kann nur passieren, wenn keine F-Wagen 9xx-Wagen zur Verfügung standen, oder der Wageneigentümer (ja, es gibt auch in Russland praktisch nur noch Privatgüterwagen) schlichtweg keine in seinem Wagenpark hatte.

Was Spezialwagen angeht, so gibt es heute durchaus interessante Vehikel, so z.B. Transportwagen für Coils mit Deckeln, Modell 13-9906. Und für Blattstahl gibt es ein mit Weichentransportern verwandtes Modell 13-4107. Und hat jemand schon mal einen Wagen für Trolleybusse gesehen? Ja! 23-4082. Auf [scaletrainsclub.com] kann man mit oder ohne Translate durch die Kategorien stöbern, Spoiler aufklappen und teils auch gut staunen.

Zu Kühlwagen: praktisch ausgestorben. In einem Fachartikel von 2017 [www.rzd-partner.ru] (russ.) wird erwähnt, dass der Wagenpark von Kühlwagen zu 80% verschlissen ist. Mein Eindruck ist, dass 2020 praktisch kaum Kühlwagen unterwegs sind, egal ob Einzelwagen oder Kühlwagenzüge mit Maschinenwagen. Der Grund: teils sind die Transporte auf die Straße verlagert worden, teils aber auch durch Kühlcontainer abgewickelt. Dass Container in vielerlei Hinsicht handlicher sind und auch ein einfacher Umschlag auf Normalspur eine Rolle spielt, muss ich nicht extra erwähnen. Nennenswert sind vielleicht noch die Maschinenwagen aus ehemaligen 5-Wagen-Kühlzügen, Dessau (nur noch selten) oder BMZ, zur Stromversorgung von Containern - wobei inzwischen viele Container auch vollautonom sind.

Die mechanisch noch brauchbaren ex-Kühlwagen aus 5-Wagen-Zügen wurden teilweise umgebaut in: isothermische Wagen. Diese sind doch noch vereinzelt anzutreffen, immer, wenn die Transportgüter keine zu strengen klimatischen Bedingungen erfordern.

Allgemein kann ich vielleicht noch hinzufügen, dass der Betrieb von 5-Wagen-Kühlzügen und Kühleinzelwagen eigentlich nur unter Rahmenbedingungen einer großen Staatsbahn wirtschaftlich aufrechterhalten werden konnte, und die meisten ex-SU-Bahnen sind entweder keine Staatsbahnen, oder einfach zu schwach für solche Sondergefäße in nennenswerten Mengen. In der Sowjetunion hat es komplette Bahnbetriebswerke ausschließlich für Kühlwagen gegeben, die größten waren m.E. Podmoskownaja in Moskau und Gheorghiu-Dej (heute Liski) bei Woronesch; im Ersteren sind heute nach Komlettumbau die Desiro RUS der Moskauer Region zu Hause, das zweite ist heute eher ein Aw für alles.

Die Verbreitung von Containern, die auf jedem lausigen wartungsarmen Flachwagen ein beliebig spezielles Gefäß darstellen können, tat sein Übriges. Als Nächstes stehen beim Prozedere übrigens die Kesselwagen für chemische Produkte an, wie man mittlerweile erkennt: selbst Gelbphosphor wird in schon in Tanktainer verladen. Wer weiß, womöglich gibt es in ein paar Jahren nur noch Kesselwagen für Gas und Petrochemie auf Breitspur.

Viele Grüße, tk
Berlin/Moskau
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