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Moderatoren: allgäubahn - MWF

? Zu G10-Identität: Mahnmal Verden

geschrieben von: Dennis Mellerowitz

Datum: 25.01.20 02:20

Hallo alle beisammen,

auf dem Gelände der Verdener Berufsschule steht seit einigen Jahren ein alter Verbandsgüterwagen, umgangssprachlich Typ G 10. Der Wagen wurde im Rahmen eines Schul- und Ausbildungsprojekts als Mahnmal zur Erinnerung an die Deportation von Juden und anderen Minderheiten in der NS-Zeit hergerichtet. Leider fiel der Wagen Anfang 2007 einem Brandanschlag zum Opfer. Täter und Motiv konnten nie zweifelsfrei ermittelt werden. Nach vielen Plänen und Diskussionen ist der Wagen nun erneut restauriert worden und soll in Kürze wieder als Mahnmal auf dem Gelände der Berufsschule aufgestellt werden.

Im Zuge der als Qualifizierungsmaßnahme durchgeführten erneuten Restaurierung kam auch die Frage nach der Bau(art)geschichte des Wagentyps und seiner Einsatzbiografie auf. Bekannt ist bislang nur, dass er nach 1945 in Ostdeutschland verblieb und bei der Reichsbahn zuletzt die DR-Nummer 20-50-020 005-1 trug. Eine letzte Zweijahres-HU erhielt er offenbar am 24. Januar 1976. Offenbar diente er zuletzt als Bahndienstwagen und war grau lackiert. Wenn ich mich recht erinnere, fand ihn der Lehrer, der das Mahnmalprojekt damals initiierte, auf der Durchreise im Raum Leipzig. Die Schiebetüren fehlten und mussten rekonstruiert werden. Der Wagen sollte aber ansonsten in seinem äußerlichen Übernahmezustand erhalten bleiben und diente im Innern als Ausstellungsraum.

https://abload.de/img/imm033_34-16d5kjy.jpg

https://abload.de/img/imm032_33-160oj53.jpg

https://abload.de/img/imm030_31-18fbj2x.jpg

Der Brandanschlag machte dieses Konzept dann zunichte. Während das Fahrwerk den Brand augenscheinlich relativ gut überstand, verbrannte alles Holz und alle Innenausstattung. Insbesondere unter dem (als Wetterschutz) doppelt ausgeführten Holzdach staute sich die Brandhitze, so dass sich die Dachsparren und z. T. auch andere Wagenkastenprofile verbogen:

https://abload.de/img/img_423516k72.jpg

Der erneuerte Aufbau wurde nun braun lackiert, das Fahrwerk weiterhin im Übernahmezustand belassen. Hier befinden sich noch Reste der Beschriftung, z. B. der Abdruck des Fabrikschildes:

https://abload.de/img/g10fabrikschildz2j3g.jpg

Die Revisionsdaten:

https://abload.de/img/g10revisionsraster1j2jim.jpg

Die letzte DR-Nummer:

https://abload.de/img/g10wagennummer2jkzu.jpg

Vielleicht können Forenleser hier noch ein paar ergänzende Angaben machen? Die Initiative sucht noch nach Anregungen zur authentischen Beschriftung im Zustand der Deutschen Reichsbahn während des Krieges.

Nachtrag: Ich meine mich zu erinnern, dass an dem Wagen irgendwo Leipzig-Eutritzsch als Heimatbahnhof stand oder mal erwähnt wurde...

Vielen Dank für die Unterstützung,

mit freundlichen Grüßen,

Dennis Mellerowitz



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.01.20 01:35.

Auffällige Abweichung

geschrieben von: D.Herzig

Datum: 25.01.20 10:12

Hallo,

gegenüber dem Urzustand und der Einsatzzeit im Krieg hat er später Rollenachslager erhalten. Seinerzeit fuhren alle diese Wagen mit Gleitlagern.

Freundliche Grüße
Detlev

Re: ? Zu G10-Identität: Mahnmal Verden

geschrieben von: Matthias Muschke

Datum: 25.01.20 14:31

Hallo Dennis,

der Wagen war ja alles, aber zum Schluss kein normaler G-Wagen und kein Bahndienstwagen! Diagonalprofile, grauer Anstrich und Nummer deuten auf einen Privatwagen eines VEB. Deren Bestand wurde Anfang der 80er umgezeichnet, da ist er schon nicht mehr dabei, was mit der 76er Revision in M auch zu erwarten war. Gedeckte Privatwagen gab es bei so Firmen wie "Lebkuchenwerke Pulsnitz"; "Weinbrand Wilthen" oder "Getränkekombinat Leipzig". Schade das es davon kaum Bilder gibt.
Gibt es denn kein Bild der weggeflexten Beschriftung rechts? Eigentlich hätte man den vor dem Brandanschlag gegen einen "normalen" G10 tauschen sollen - Schade. Als DRB-Wagen wäre er als "Kassel" oder "München", nicht aber "Karlsruhe" und den entsprechenden Eigentumsmerkmalen zu beschriften.

MfG

"Damit auch ich was zu meckern habe: Ich finde immer die künstliche Dampfentwicklung durch Abblasen an den Zylindern fürchterlich. Sicher gibt das für den ambitionierten Laien tolle Fotos, den Sound jedoch zerstört es vollkommen. :-("

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2-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.01.20 14:47.

Re: ? Zu G10-Identität: Mahnmal Verden

geschrieben von: tim goorman

Datum: 25.01.20 23:19

Sieht aus wie eine k.k.St.B Wagen, fast gleich wie unsere (siehe Bild), jedenfalls die gleiche Bauweise. Die Wagen ist 1918 bei die Ringhoffer Werke hergestellt (Prag). Diese k|onnte etwas älter sein.

Es gibt (gab?) in Dieringhausen auch ein solche Wagen.

IMG_1471.jpg

Re: ? Zu G10-Identität: Mahnmal Verden

geschrieben von: Matthias Muschke

Datum: 25.01.20 23:30

tim goorman schrieb:
Sieht aus wie eine k.k.St.B Wagen, fast gleich wie unsere (siehe Bild), jedenfalls die gleiche Bauweise. Die Wagen ist 1918 bei die Ringhoffer Werke hergestellt (Prag). Diese k|onnte etwas älter sein.
Es gibt (gab?) in Dieringhausen auch ein solche Wagen.
Ooch nööö... Das es ursprünglich so einer hier war, ist doch gar nicht strittig...

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Re: Wälzachslager ...

geschrieben von: Christian Kehr

Datum: 26.01.20 11:01

Bei der DR gab es ein Umbauprogramm für Gleitlagerradsätze auf Wälzlager für Verwendungszwecke mit verhältnismäßig geringen Achslasten.

Aber ein Paar passende abgelutschte Gleitlagerradsätze nur noch für Standzwecke, lassen sich sicher bei der einen oder andren MuBa eintauschen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.01.20 11:51.

Re: Auffällige Abweichung

geschrieben von: Norbert Bank

Datum: 28.01.20 20:39

Hallo,

Achsen und Achslager sind Tauschteile.
Viel auffälliger sind die Türdiagonalen und ihre teilweise genieteten Anschlüsse.
Die erinnern an die des späten Nachbaus des A2 in Polen. Allerdings waren diese anders ausgeführt.
Und egal wo die Bretterbude gebaut wurde, es war sicherlich ein Zeichnungssatz vom A2 mit im Spiel.

Gruß

Norbert