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 10 - Wagen 

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Moderatoren: allgäubahn - MWF
Die Südharzbahn (SHE) hat 1903 eine Serie Trichter-Selbstentladewagen bekommen, die auch zum Schottern der Gleise benutzbbar sein sollten. Daher bekamen sie Entladeschütten nicht nur nach den Seiten, sondern auch in die Schienenzwischenräume. Infolgedessen konnten der Bremszylinder und der Hilfsbehälter nicht wie üblich unterm Wagenboden angeordnet werden, stattdessen auf der Ebene der Plattform. Leider geben die vorhandenen Fotos nicht her, wie der Bremszylinder auf die Hauptbremswelle wirkte. In einer vorhandenen Zeichnung sieht das so aus:
https://abload.de/img/bremszylinderwirkung-ahk77.jpg
Das rot eingezeichnete Teil ist von mir, kann aber so nicht funktionieren, weil es die Bremswelle andersherum drehen würde als die Handbremse. Wie aber sonst kann es gewesen sein? Der Handbremsteil ist so verbürgt, Position des Bremszylinders ebenso. Ein Vakuum-Bremszylinder zieht beim Bremsen den Kolben hoch! Kann jemand helfen oder kennt jemand, der es wissen könnte?
Gruß

Otto

Alle meine Eisenbahn- und Modellbahn-relevanten Seiten findet man hier: [ferrook-aril.jimdo.com]
Werter Otto! Um diese Funktion sicher beurteilen zu können, sollte man eine Zeichnung des Bremsgestänges haben. Ich kann mir auf die Schnelle allerdings nur diese einfache Lösung der einfachen Hebelübersetzung auf der unten stehenden selbsterklärenden unmaßstäblichen Freihandskizze vorstellen. Mal einfach gesagt. Gruß Fritzle.
002.jpg
Nach allem, was ich von der Saugluftbremse weiß, ist es sehr wahrscheinlichch, daß der Bremszylinder hier nach unten drückt und nicht nach oben zieht.
Der im sog. Sonderbehälter aufgespeicherte Unterdruck wirkt beim Bremsen auf die Unterseite des Bremskolbens, während beim Lösen der Kolben durch Unterdruck nach oben gehoben und gleichzeitig wieder der Sonderbehälter "ausgesaugt" wird.
Man schaue sich auch einfach mal das Funktionsschema im Wiki-Artikel über Saugluftbremsen an.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.02.18 10:18.
Heizer Jupp schrieb:
Nach allem, was ich von der Saugluftbremse weiß, ist es sehr wahrscheinlichch, daß der Bremszylinder hier nach unten drückt und nicht nach oben zieht.


Werter Jupp!
Das war auch mein erster Gedanke, den ich aber aus folgendem Grunde sofort wieder verwarf: Bei diesen alten Saugluftbremsen ist die Schwerkraft ein wichtiger Funktionsfaktor, bei dem dadurch das Auslösen der Bremse durch den nach unten sinkenden extra schwer gebauten Kolben bewerkstelligt wird. Infolge dessen kann die Wirkung auf die Bremswelle am einfachsten durch ein sinnreiches Hebelgestänge erreicht werden. Anderes würde ja dieser einfachen und recht betriebsicheren Konstruktion durch Verkomplizierung zuwiderlaufen.



Der im sog. Sonderbehälter aufgespeicherte Unterdruck wirkt beim Bremsen auf die Unterseite des Bremskolbens, während beim Lösen der Kolben durch Unterdruck nach oben gehoben und gleichzeitig wieder der Sonderbehälter "ausgesaugt" wird.
Man schaue sich auch einfach mal das Funktionsschema im Wiki-Artikel über Saugluftbremsen an.

Selbstverständlich ist das bei den modernen Saugluftbremsen, wie sie u.a. zahlreich bei schweizer Bahnen im Betrieb sind, (siehe o.g. Wiki-Artikel) möglich, daß der Kolben durch den Unterdruck drückt und nicht zieht, was aber noch eine zusätzliche Undichtigkeitquelle an der Kolbenstangenliderung zu Folge hat. Durch technische Kniffe ist man bei diesen modernen Bremsen auch nicht mehr zum vertikalen Einbau des Zylinders gezwungen, im Gegensaatz zu dem oben abgebildeten Wagen, der wohl schon über 110 Jahre auf dem Buckel (Rädern) hat. Aber ich lerne gerne dazu. Mal einfach gesagt. Gruß Fritzle.
Das ist ja alles recht plausibel, was Du schreibst. Aber m.W. haben die von Dir angesprochenen älteren Hardy- und Körting-Saugluftbremsen nirgendwo einen zusätzlichen Luft- oder besser Unterdruckbehälter...
Noch eine kleine Bemerkung zu diesem techn. interessantem Thema: rein theoretisch bräuchten diese Bremsen den Hilfsunterdruckbehälter nicht, da dieser ja der Bremszylinder selber ist. Aber um beim Bremsen einen ausreichend kräftigen Bremszylinderunterdruck zu erreichen müsste der Bremszylinder sehr groß sein, was eben gerade bei Schmalspurbahnen unter dem Wagenboden ein Platzproblem werden kann. Ebenso kann u.U. der Luftsauger nicht schnell genug nachspeisen (nachsaugen). Infolge dessen haben Wagen und Lok diese Vakuumbehälter eingebaut. Siehe untenstehende Zeichnungen aus einem über 100 Jahre alten Lehrbuch, da die heutige Literatur dazu nicht viel hergibt. Der Bremszylinder ist bei der Hardy-Br. schwingend, bei der Körting-Br. feststehend eingebaut. Saugluftbremsen konnte man bei der DB zu letzt noch in den 80er-Jahren an den normalspurigen Fährbootwagen beobachten, wobei das Zusammenspiel der Gestänge der beiden Bremssysteme eine längere Betrachtung erforderte. Allerdings war die Handbremse dieser Wagen nach engl. Vorbild als seitliche Handhebelbremse ausgebildet. Mal einfach gesagt. Gruß Fritzle.




001.jpg002.jpg
Sehr erhellend; vielen Dank!

Um nochmal zum Ursprungsbeitrag zurückzukommen: Wenn der Bremszylinder beim nach oben Gehen die Bremsklötze an die Räder drückt und umgekehrt beim nach unten Sinken die Bremsklötze wieder von den Rädern abzieht, so würde das doch über einen Winkelhebel, der andersherum als der rot eingezeichnete liegt, viel einfacher gehen, als über den von Dir vorgeschlagenen "Wippenhebel".

Bei der von Dir angedachten Konstellation müßte dieser "Wippenhebel" an der Verbindungsstelle zu dem von Dir rechts gezeichneten dreiarmigen Hebel ja auch einen Ausgleich der auslenkungsbedingten Längendifferenz haben, z.B. in Form einer Schleife.

Nun weiß man aber, daß mit jedem zusätzlichen Hebel, mit jedem zusätzlichen Bolzen und erst recht mit einer ständig beanspruchten Schleife die Reibung innerhalb des Bremsgestänges eklatant größer wird und daher der Gestänge-Wirkungsgrad sinkt.
Das wirkt sich unter dem Einfluß von unausbleiblicher Verschmutzung und Verschleiß um so mehr aus.

Nun kann man mit der Saugluftbremse ohnehin schon geringere Druckunterschiede nutzen, als mit der Druckluftbremse. Deshalb würde man doch tunlichst kräftezehrende Verbindungen vermeiden und ein möglichst einfaches Bremsgestänge bauen.

Außerdem sollte es doch so sein, daß man das Bremsgestänge bevorzugt für die gewöhnlich genutzte Saugluftbremse konstruiert und auslegt, während man dann erst die manuell betätigte Feststellbremse an irgendeinem geeigneten Zugpunkt mit einer Schleife angreiften läßt.

Ich kann es mir nur so vorstellen, daß die uns vorliegende Abbildung eine recht freie Interpretation der Wirklichkeit darstellt, so wie z.B. auch die Dampfloksteuerungen auf zeichnerischen Darstellungen oft eine recht freie Interpretation zeigen.
Immerhin ist es ja selbst für Fachleute nicht immer auf den ersten Blick überschaubar, welcher Hebel sich in einem komplexen Bremsgestänge, womöglich noch mit Ausgleich zwischen rechter und linker Seite wohin verschiebt oder dreht oder warum sich manches nicht wie erwartet verhält.
Es geht ja schon bei der unterschiedlichen Ausführung der Ausgleichhebel am Floridsdorfer Steifrahmentender der 52er los...

Fazit: Es bleibt weiter nebulös. Vielleicht stellt der Beitragseröffner ja doch die Fotos vom Original ein und vielleicht bekommen wir anhand derer mit geballter Schwarmintelligenz ja doch mehr heraus. Ich bedanke mich für und freue mich weiterhin auf das überaus kameradschaftliche und konstruktive Diskutieren. So macht DSO Spaß!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.02.18 09:31.
Hallo,

auf dieser Seite ist ein Vorbildfoto vorhanden: [www.ig-hsb.eu]

Gruß Michael

Dann haben wir ja das unglaubliche Privileg, das Fahrzeug bei Gelegenheit mal in Augenschein nehmen zu können, auch wenn es vor langer Zeit in einen Ow umgebaut wurde. Vielleicht sind ja noch Rudimente der alten Bremsanlage erkennbar.
Oder wir bitten die Kollegen der IG HSB um Hilfe und Aufklärung.
Ich habe beim letzten Dresdener Dampfloktreffen mit unserem Infostand genau neben dem Stand der IG HSB gestanden und da sind freundliche Kontakte entstanden. Da sollte also was zu machen sein.
Wo ist der Wagen eigentlich hinterstellt? Egal, ob in Nordhausen oder in Wernigerode oder irgendwo dazwischen - ist alles gar nicht so weit weg für mich. Müßte sowieso mal wieder hin...



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.02.18 13:21.
Ich meine der O-Wagen müsste im Bereich Wernigerode aufzufinden sein. Kann sich aber je nach letztem Einsatzort sicherlich auch mal ändern.

Gruß Michael