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 10 - Wagen-Forum 

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Hallo,

seit ein paar Wochen befindet sich ein gedeckter Güterwagen, der zuvor als Werkwagen im Waggonbau Görlitz gedient hatte, in Rothenburg/O.L. in Obhut des dortigen Kleinbahnvereins. Bei Facebook sind ein paar Bilder der Überführung zu sehen, zudem ist dort zu lesen, dass der Wagen einst dem Materialtransport zwischen Werk 1 und Werk 2 diente, danach als Lager für Loksand genutzt wurde. 1999 wurde er durch Auszubildende aufgearbeitet. Hier ein Foto des Wagens in Rothenburg:

https://s1.directupload.eu/images/user/260512/67nvwegf.jpg

Ich gehe davon aus, dass der Wagen immer nur dem Werksverkehr gedient hat und nie andernorts unterwegs war. Aber gibt/gab es ähnliche Wagen, die im regulären Einsatz standen, d. h. ist er Teil einer Serie von Güterwagen gleicher Bauart?

Fahrt frei!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.05.26 11:32.
Hallo Singrovka,

zum abgebildeten Wagen direkt kann ich zwar nichts beitragen, aber beim Betrachten des Bildes fällt auf:
1) Flacheisenachshalter.
2) Die Seitenwandfelder sind ungefähr gleich breit.
3) Die Seite mit der Bühne ist ein späterer Umbau. Das ganz rechte Seitenwandfeld entspricht von der Breite dem Stück von der Stirnwand bis zur 2. Kastensäule. Außerdem sieht man, dass die Seitenwandverstärkung nach links oben weiter gegangen wäre.
Ich würde deshalb auf einen Wagen aus der Zeit der Länderbahn-Normalien tippen, ähnlich den bedeckten Standardgüterwagen nach Blatt 8 der preußischen Normalien. Wie ist denn der Achsstand des Wagens? Daraus könnte man ggf. weitere Rückschlüsse ziehen?

Jedenfalls dürfte der Wagen in der abgebildeten Form so nur als Werkswagen im Einsatz gewesen sein.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael

ex MAV Güterwagen in Rothenburg/O.L. EDIT: m.n.L.

geschrieben von: Norbert Bank

Datum: 20.05.26 19:48

Moin,

der Wagen stammt ursprünglich aus Ungarn.
Den Fachwerksachshalten nach, mit kurzem Achsstand und ohne Sprengwerk ist er wohl vor 1915 für eine ungarische Bahn gebaut worden.
Siehe Zeichnung im Anhang.
So tief bin ich aber in der Materie nicht drinnen.
Einige ungarische G Wagen dieser Bauart(en) verblieben nach 1945 in D, vor allem bei der DR-USSR Zone.
Die DR baute die Wagen (Luken/Dächer/Türfüllungen, Griffe und Tritte) oft, entsprechend ihrer Möglichkeiten und Bedürfnisse um.
Darüber kann man in Güterwagen 1.2 (wimn. irre, wenn doch dann Band 1.1) nachlesen.
Der vom TE gezeigte Wagen wurde in seiner Ladelänge/Wagenkasten gekürzt um eine Bremserbühne zu schaffen.
Das hier ist die jüngere Weiterentwicklung, im September 2004 in Gramzow von mir abgelichtet.
Der Achsstand ist größer, der Wagen hat ein Sprengwerk und die Tür hat wohl noch eine Füllung in ursprünglicher Bauart.
Der Wagen in Rothenburg wird wohl über die DR(USSR-Zone) zum privaten Eigner gekommen sein.

Gruß

Norbert

Gramzow , Angerm. Belzig 09.04 005.jpg
Gramzow , Angerm. Belzig 09.04 002.jpg
MAV 67741.15.jpg MAV Wagen mit kurzem Achsstand und originaler Bremserbühne.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.05.26 22:25.

Re: ex MAV Güterwagen in Rothenburg/O.L. EDIT: m.n.L.

geschrieben von: Singrovka

Datum: 24.05.26 21:44

Hallo Norbert,

Vielen Dank für die interessante Antwort. Ich hätte nicht gedacht, dass der Wagen nicht vom Waggonbau stammt, sondern durch die Kriegswirren nach Görlitz gekommen ist.

Grüße!

Sichtbare Maßabweichungen und VIEL SPEKULATION

geschrieben von: Schlußscheibe

Datum: 26.05.26 13:27

Moin,

der Wagen hat zweifelsohne den Wagenkasten von der Zeichnung. Die oberen Knotenbleche der Tür weisen sogar noch die Nieten für die kreuzförmig angeordneten Zugbänder auf.

Was aber gar nicht passt, ist das Fahrwerk ohne Sprengwerk, mit falschem Radstand und den breiten Fachwerkachshaltern, wie sie in Preußen zwischen etwa 1898 und 1906 üblich waren.

Den Radstand kann man überschlägig aus den Zeichnungsangaben berechnen, da die Achslagerführungen sich in beiden Fällen unter dem 2. Seitenwandfeld befinden, aber original mit der senkrechten Strebe an der äußeren Säule und beim Museumswagen an der inneren Säule des Feldes orientiert.

Bei 70mm Breite der senkrechten Strebe, 245mm lichter Weite der Achslagerführungen und 905mm Breite der Seitenwandfelder kommt man auf jeweils ca. 520mm, die die Achsen nach innen verschoben sind, also etwa 4m Achsstand; bei deutschen Länderbahnen recht häufig zu finden.

So, Spekulation an:

Entweder gab es zu der MAV-Zeichnung von 1915 einen unbekannten Vorgänger mit preußisch anmutendem Fahrgestell, oder hier hat ein altes deutsches Untergestell einen gekürzten MAV-Wagenkasten bekommen (Vgl. SC's Band 1.1 - da ist das Gegenstück zu sehen: ein MAV-Untergestell mit deutschem Aufbau).

Da das Fahrwerk auf dem Foto nahezu symmetrisch zur Tür des Wagenkastens ist, aufgrund der einseitigen Kürzung des Wagenkastens Abweichungen im cm-Bereich irrelevant sind, würde hier ein Wagen mit 4m Achsstand und ca. 7,5m Kastenlänge als Untergestellspender genau passen. Ein preußischer Verschlagwagen mit Kastenlänge 7,4m wäre da sehr nah dran gewesen.

Lässt man Kürzungen des Untergestells zu, kämen weitere ältere offene, gedeckte und Kesselwagen-Bauarten mit 4m Achsstand und ggf. sogar Handbremse hinzu, aber dann wäre es sicher einfacher gewesen, den Kasten ungekürzt und asymmetrisch draufzustellen, deshalb halte ich das für sehr unwahrscheinlich.

LG,
Schlußscheibe


Norbert Bank schrieb:
Moin,

der Wagen stammt ursprünglich aus Ungarn.
Den Fachwerksachshalten nach, mit kurzem Achsstand und ohne Sprengwerk ist er wohl vor 1915 für eine ungarische Bahn gebaut worden.
Siehe Zeichnung im Anhang.
So tief bin ich aber in der Materie nicht drinnen.
Einige ungarische G Wagen dieser Bauart(en) verblieben nach 1945 in D, vor allem bei der DR-USSR Zone.
Die DR baute die Wagen (Luken/Dächer/Türfüllungen, Griffe und Tritte) oft, entsprechend ihrer Möglichkeiten und Bedürfnisse um.
Darüber kann man in Güterwagen 1.2 (wimn. irre, wenn doch dann Band 1.1) nachlesen.
Der vom TE gezeigte Wagen wurde in seiner Ladelänge/Wagenkasten gekürzt um eine Bremserbühne zu schaffen.
Das hier ist die jüngere Weiterentwicklung, im September 2004 in Gramzow von mir abgelichtet.
Der Achsstand ist größer, der Wagen hat ein Sprengwerk und die Tür hat wohl noch eine Füllung in ursprünglicher Bauart.
Der Wagen in Rothenburg wird wohl über die DR(USSR-Zone) zum privaten Eigner gekommen sein.

Gruß

Norbert

[attachment]
[attachment]
[attachment] MAV Wagen mit kurzem Achsstand und originaler Bremserbühne.
Hallo,

unter der Zeichnung hatte ich noch einen Link positioniert .

Der dort gezeigte Wagen wurde 1968 in Wels abgelichtet.
Der Achsstand ist hier kürzer als auf der Zeichnung, deswegen brauchte es wohl auch kein Sprengwerk.
Den Rest müsste man ausmessen.

Für mich ist die Sache recht eindeutig, siehe auch die unten anhängenden Bilder.

Mein erster Gedanke war: ungarische Konstruktion.
Der nächste Gedanke: welcher Wagentyp sollte es denn sonst sein, was käme da noch in Frage?

Ein Untergestell zu kürzen ist ein Aufwand den sich niemand ohne Not antut.
Wenn der Überhang identisch ist (der Wagen sieht so aus), müsste man vermutlich auf beiden Seiten das Untergestell kürzen.
Das man ein Kastengerippe neu baut, auch das macht keiner einfach mal so und vor allem nicht in den alten Maßen und mit alten Profilen.

Die DR hat etliche ungarische G-Wagen weiterhin genutzt, davon aber vorzugsweise die modernsten, für den Regelverkehr.
Was nicht als Bahndienstwagen (siehe unten) genutzt werden konnte wurde eben auch an Betriebe abgegeben die Bedarf anmeldeten.
Die mussten meistens nehmen was verfügbar war.

SC geht in GW 1.1 nur auf Wagen ab Baujahr 1920 ein.
Das die MAV auch ältere Gw im Bestand hatte sollte nachvollziehbar sein, Bücher können niemals alle Wagentypen vorstellen .

Hier noch mal die Variante mit abweichenden Seitenwanddiagonalen , 5000mm Achsstand und Sprengwerk.

In Magdeburg gab/gibt es genau solch einen Wagen (mit Bremserbühne) mit den Merkmalen des Rothenburger Wagens.

Edit:
Jochen TT hatte einen solchen Wagen ohne Bühne gezeigt. J. Steckel hatte den im Bauzugeinsatz erwischt.
Quelle .

Ich hoffe der Spekulatius konnte zerkrümelt und weggewischt werden!
78_01_23 Magdeburgl 09.2004 031.jpg
78_01_23 Achshalter Magdeburgl 09.2004 040.jpg
DSCF4023.JPG



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.05.26 19:06.
Hallo, Danke auch für Deinen Beitrag, sehr interessant das Ganze. Wo hast Du den Ungar mit dem größeren Achsstand ablichten können?

Bei dem "Kleinen" in Rothenburg /Ol finde ich die einseitige Abbremsung bemerkenswert.

Grüße

P.S.: ein "n" war zuviel



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.05.26 12:40.
Moin Christian,

den "Ungarn", mit Sprengwerk und 5,0m Achsstand, habe ich in Gramzow (Uckermark) im dortigen Eisenbahnmuseum 2004 dort abgelichtet.

Einseitige Abbremsung gab es durchaus mehrfach und nicht nur bei der DR.
Gerne wurden dafür ursprünglich Handgebremste Wagen benutzt, die Bremsanlage entsprechend für eine Achse zurückgebaut.
Das fungierte dann nur noch als Feststellbremse.
Beim "Rothenburger" Wagen würde ich vermuten das der aber so nicht an die MAV geliefert wurde.

Gruß

Norbert


Christian Kehr schrieb:
Hallo, Danke auch für Deinen Beitrag, sehr interessant das Ganze. Wo hast Du denn Ungar mit dem größeren Achsstand ablichten können?

Bei dem "Kleinen" in Rothenburg /Ol finde ich die einseitige Abbremsung bemerkenswert.





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.05.26 12:25.
Hallo,

ich hatte jetzt nochmal Zeit in Rothenburg vorbeizuschauen und bin dabei mit einem der dortigen Eisenbahnfreunde in Gespräch gekommen. Demnach stammt der Wagen angeblich aus einer Kleinserie von 18(?) Stück für "die Kohle" (damit ist wahrscheinlich das Lausitzer Revier gemeint) und wurde vom Waggonbau Görlitz gebaut. Ob der Wagen von dort wieder zurück an den Waggonbau ging oder aus der Serie stammt, aber nie ausgeliefert wurde, ist mir aber nicht klar geworden. In wie weit diese Aussagen der Wahrheit entsprechen, weiß ich natürlich nicht. Unterlagen, die diese Aussagen bestätigen (oder überhaupt was zu dem Wagen aussagen), gibt es wohl nicht.
Der Wagen hat einen Radstand von 4,0 m, die Länge beträgt rund 8,80 m.

Viele Grüße und Fahrt frei!
Singrovka schrieb:
Hallo,

ich hatte jetzt nochmal Zeit in Rothenburg vorbeizuschauen und bin dabei mit einem der dortigen Eisenbahnfreunde in Gespräch gekommen. Demnach stammt der Wagen angeblich aus einer Kleinserie von 18(?) Stück für "die Kohle" (damit ist wahrscheinlich das Lausitzer Revier gemeint) und wurde vom Waggonbau Görlitz gebaut. Ob der Wagen von dort wieder zurück an den Waggonbau ging oder aus der Serie stammt, aber nie ausgeliefert wurde, ist mir aber nicht klar geworden. In wie weit diese Aussagen der Wahrheit entsprechen, weiß ich natürlich nicht. Unterlagen, die diese Aussagen bestätigen (oder überhaupt was zu dem Wagen aussagen), gibt es wohl nicht.
Der Wagen hat einen Radstand von 4,0 m, die Länge beträgt rund 8,80 m.
Alle Lieferungen des Waggonbau Görlitz stehen aber hinten im gleichnamigen Buch verzeichnet - dann sollte er sich da ja finden lassen.

MfG

"Gibt es zwei- bzw. dreiachsigen Reko-Wagen der DR (Bage, Baage, Dage oder Bagtre), die die gleiche Breite aufweisen, wie die vierachsigen Reko Wagen z. b. der zuvor genannten Hersteller? Also schmaler sind, als die Wagen von Piko und Roco!
Viele mögen die 1-1,5 mm breitenuntershcied nicht stören und mich wiederum ist es egal, welche breite nun die Maßstabsgereue ist - mir wäre nur wichtig, dass die Personenzugwagons der DR in meiner Zugkombi ziemlich gleichbreit sind..."
Quelle: Stummiforum..
[www.stummiforum.de]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 30.06.26 09:32.
Auch wenn mir die hier dargestellte ungarische Herkunft des Wagens richtig erscheint, habe ich jetzt nochmal im Buch zur Geschichte des Görlitzer Waggonbaus gestöbert. Es finden sich darin auch Lieferungen an das Braunkohlenwerk der Stadt Görlitz (vier Selbstentladewagen) sowie die Niederlausitzer Kohlenwerke (insgesamt 32 Selbstentladewagen), aber eben keine Lieferung von G-Wagen, bei denen sich eine Recherche nach dem genaueren Typ lohnen würde.
Aus meiner Sicht bleibt es damit bei der Theorie, dass es sich - wie in diesem Thread dargestellt - um einen Wagen ungarischer Herkunft handelt, der durch die Kriegswirren nach Deutschland kam und nach dem Krieg vermutlich für eine Reparatur nach Görlitz kam, dort aber als Werkwagen verblieb oder nach Ausmusterung bei der Deutschen Reichsbahn dem Waggonbau als Werkwagen übergeben wurde. Genau wird sich die Geschichte des Wagens wohl nicht mehr entschlüsseln lassen...
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