Hallo liebe Wagenfreunde,
heute habe ich eine besondere Kesselwagenbaureihe für Euch. Irgendwie könnte man sie auch „dreifache Zweiachser" nennen, weil sie mit ihrem für Vierachser eher kleinen Kesseldurchmesser bei gleichzeitig etwas längerer Wagenlänge so aussehen, als hätte man drei 25 m³-Zweiachser-Kessel zusammengefügt. Sie haben eine Länge von 18,36 m, aber nur ein Kesselvolumen von um die 72 m³. Damit erinnern sie auch irgendwie an die Kesselwagen in den USA, nur dass sie im Gegensatz zu diesen stirnseitige Kesselaufstiege besitzen. Ursprünglich hatte sie die Ermewa eingestellt, sie waren/sind zum Transport von wasserfreiem Fluorwasserstoff vorgesehen.
Hier zunächst zwei Fotos aus dem Jahr 2022, als Fa. Kaminski Waggonbau einen ihr zugeführten Vertreter dieser Spezies mit abgelaufenen Fristen erst einmal in Hameln auf den sog. „unteren Stadtanschluss“* der Hafenbahn abgeschoben hatte.
Zacns 33 80 792 9 445-4 P am 06.08.22:
Sein Handbremsende:
Fabrikschilder waren nicht zu entdecken, ebenso fehlte die Stanzplatte des Kesselschildes. An ihm waren einige Roststellen zu erkennen, und man hatte an seinem Kessel bereits mehrere Zustandsprüfungen vorgenommen, was an den „Löchern“ in seinem Anstrich zu sehen ist. Was mit ihm danach geschah, weiß ich leider nicht, irgendwie verlor ich ihn in der Folgezeit aus den Augen.
Aber auch in den Folgejahren fanden sich immer wieder weitere Waggons dieser Reihe in Hameln ein und wurden von Kaminski auch revidiert.
Am 15.05.24 stand z. B. der Zacns 33 80 7929 108-8
D-ERMD mit frisch am 13.05. revidiertem Fahrgestell und Kessel auf dem Abgangsgleis im ehem. Gbf Hameln:
Leider habe ich nicht näher an das Fabrikschild neben der LüP-Angabe herangezoomt, so dass ich immer noch nicht den Hersteller kenne. Aber sicher kann jemand von Euch dazu etwas sagen. Man sieht deutlich die zugespachtelten und überlackierten Prüfstellen am Kessel:
Erstaunlicherweise tauchte derselbe Wagen drei Wochen später, am 08.06.24, wieder hier auf. Evtl. hatte ihn Kaminski aber auch nur zur Erledigung abschließender Arbeiten zu ihrer Außenstelle in Hannover-Misburg rübergeschickt:
Bald danach war er dann wieder verschwunden.
Vor zwei Wochen, am 12.03.26, bot sich mir folgendes Bild:
Eine ganze Reihe dieser Waggon waren nach Hameln gekommen! Ihre Fristen waren alle noch länger gültig, so dass sie aus anderen Gründen hierherkamen (Radsatztausche, Kesselinnenreinigung o. ä.).
Ja, und alle trugen nun das Logo und die Kennung der On Rail in Mettmann. Die alten Ermewa-Schriftzüge sind beim Heranzoomen noch schwach an den Kesseln erkennbar.
Hier der Zacns 33 80 7929 444-7
D-ORME, ein unmittelbarer Bruderwagen vom eingangs gezeigten … 445-4:
Sie laufen alle auf Parabelfeder-Drehgestellen, und auch hier sieht man deutlich noch die Mess-/Prüfpunkte am Kessel:
Der erste Wagen links in der Reihe, der Zacns 33 80 7929 149-2
D-ORME, ist ganz grün in den eigentlichen On Rail-Hausfarben lackiert:
Und seine Aufstiegsleiter ist nach oben gerundet, nicht geknickt, wie bei den anderen Waggons:
Inzwischen hat man die Waggonreihe zur weiteren Bearbeitung auseinanderrangiert. Leider steht immer noch keiner der Wagen an solch einer Stelle, von der aus ich Fabrik- und Kesselschilder sichten kann. Aber das kommt noch, ich muss nur regelmäßig das Abgangsgleis im Bf oder das Bereitstellungsgleis „Guter Ort“ im Auge behalten :).
Ja, und zum Schluss bleibt für mich nur noch die Frage, weshalb diese Wagen gerade diese schlanke Kesselbauform haben, ein größerer Kessel hätte ja den Vorteil einer kürzeren Wagenlänge. Aber auch hierzu wird bestimmt jemand von Euch etwas schreiben können?
*An dieser Stelle liegen seit zwei Jahren keine Gleise mehr, da sie für den Kaminski-Betrieb nicht mehr benötigt wurden, und so eine Verbindung der beiden neben den Gleisen liegenden Betriebsteilen der Fa. Ammann hergestellt werden konnte, ohne Abstellgleise überqueren zu müssen. Ein Ausgleichs-Flächenrücktausch Ammann -> Kaminski ist in den kommenden Jahren im Zuge der Bauarbeiten zur neuen Hamelner Ortsumgehung geplant. Der Begriff "Unterer Stadtanschluss" rührt daher, dass die im Eigentum der Stadt Hameln stehende Industriebahn zwei Anschlüsse an die damals noch der DB gehörenden Hafenbahn hat(te): Den "oberen", der heute im Bereich Guter Ort abzweigt und den direkten Anschluss zu Fa. Kaminski herstellt, und den "unteren", der über den Hafenbahnhof (= Übergabebahnhof DB - Stadt) erreichbar war, und über den zu DB-Zeiten der gesamte Verkehr zur Industriebahn - auch zu Fa. Kaminski - lief.
Viele Grüße,
Dieter