Hallo Wagenfreunde,
der dem Segment gehobene Schienen-Gastronomie zuzuordnende
Majestic Imperator ist einigen vielleicht schon durch diverse Sonderfahrten bekannt - das auffällige Design der schwarz lackierten Wagen mit ihren elfenbeinfärbig-weißen Zierlinien erinnert ein wenig an kostbare Edelholz-Vertäfelung. Wie schon der Name verrät, ist das Thema des Zuges der Habsburger Kaiser Franz Joseph der Erste und seine berühmte Gattin Elisabeth, genannt Sisi.
Während man auf der Homepage des Unternehmens (majestic-train.com) genügend Details über das sehr aufwändig und luxuriös gestaltete Innere der Speise- bzw. Salonwagen erfahren kann, ist über die Herkunft und Geschichte der Spenderwagen dort leider nahezu nichts zu finden. Gleichwohl Kaiser Franz Joseph I. seinerzeit natürlich über einen luxuriösen Hofzug verfügte, handelt es sich bei den Wagen des
Majestic Imperator größtenteils um Nachkriegsbauarten der ÖBB, die in den 1990er Jahren im tschechischen České Velenice umgebaut wurden.
7 Wagen stehen derzeit zur Verfügung - ein kurzer Halt des
Majestic Imperator in der vergangenen Woche am Wiener Hauptbahnhof bot Gelegenheit, 5 davon im Bild festzuhalten:
Wagen 1 war
A-MITL 51 81 09-70 000-6 SRw
Salon Elisabeth:
Salon Elisabeth entstand aus einem 1957 von SGP unter der Nummer 11525 gebauten A4üh. Damals noch mit Faltenbälgen ausgeliefert, war er Anfang der 1980er Jahre (inzwischen mit Gummiwülsten und getauschten Drehgestellen) im Eurofima-Orange als Am unterwegs, bevor er, zu einem Bm deklassiert, als 50 81 20-71 505 von
Le Majestic gekauft und 1998 bei ŽOS České Velenice zum SRw umgebaut wurde.
Aus demselben Baulos (SGP 1957) stammt auch der nächste Wagen,
A-MITL 51 81 08-70 000-7 SRmz
Ambassador:
Der
Ambassador entstand aus A4üh 11521 - heute verfügt der in Tschechien umgebaute SRmz über eine Küche und 36 Speiseplätze.
Wagen 3 des Majestic Imperator war
A-MITL 51 81 08-43 010-0 P WRmz
Excelsior:
Der
Excelsior entstand 1966 in der Werkstätte St. Pölten als Halbspeisewagen BR4üho unter der Nummer 31904. Auch er landete nach diversen Umbauten Mitte der 1990er Jahre in České Velenice. Heute verfügt er neben Bar und Küche auch über eine kleine Tanzfläche.
Wagen 4 war
A-MITL 51 81 09-40 001-1 P Fourgon:
Wie der Name schon andeutet, ist der
Fourgon der Servicewagen des Zuges. Der ehemalige MITROPA WR4ü 1011 der Reichsbahn, Baujahr 1929, lief nach dem Krieg zunächst als Bahndienstwagen, später als Gepäckwagen bei den ÖBB. Dort 1993 ausgemustert wurde er 1994 für
Le Majestic in Tschechien zum
Fourgon umgebaut. Dort befindet sich heute neben Küche, Kühlhaus, Büro des Zugchefs und Personalräumen auch ein Dieselgenerator für eine eigene Stromversorgung.
5. und letzter Wagen des Zuges war
A-MITL 51 81 09-40 000-3 P Salon 1:
Der mit 21,27 m LüP etwas kürzere
Salon 1 basiert auf einem Wagen, der 1905 bei Ringhoffer in Prag entstand - jener Firma, die 1891 auch den Hofsalonzug des Kaisers konstruierte. Der somit älteste (Spender-)Wagen des
Majestic Imperator (BBÖ-Nummer 19166), der gleichzeitig auch der erste Wagen war, der für
Le Majestic umgebaut wurde, verfügt heute neben Bar und Speiseraum auch über 3 Luxusabteile.
Bei der Sonderzugfahrt diesmal nicht dabei waren 2 weitere Wagen, die der Vollständigkeit halber kurz vorgestellt seien:
A-MITL 51 81 08-30 000-6 P Equipage
Entstanden aus der 1951 bei SGP gebauten ersten Neubau-Serie internationaler Reisezugwagen als ABC4ü Nr. 12501 gelangte der mittlerweile von den ÖBB deklassierte Wagen als B 50 81 28-30 301 Anfang der 1990er Jahre zu
Le Majestic, die ihn zum Speisewagen umbauen liessen. Hier ein Archivfoto von Februar 2011:
Jüngste Neuerwerbung des
Majestic Imperator ist der im Oktober 2015 zum 100. Todestag des Kaisers 2016 fertiggestellte
A-MITL 51 81 89-80 504-8 P Franz-Josef
Der gegenständliche Wagen entstand aus einer 1954 gebauten Serie Liegewagen, welche die ÖBB in den 1980er Jahren zu Gesellschaftswagen umbauen ließ. Der spätere
Franz-Josef wurde 1987 in Simmering zu SRmz 51 81 89-80 504 umgebaut und lief später bei ÖBB Erlebnisbahn. Der heutige Speisewagen verfügt neben Bar, Küche und 42 Speiseplätzen auch über eine Tonkabine mit Mischpult.
Die ursprünglichen Nummern der 7 Wagen habe ich dem Standardwerk "Reisezugwagen österreichischer Eisenbahnen" von Reinthaler/Heless entnommen; allfällige Fehler bitte ich zu entschuldigen und danke für Korrekturhinweise.
Die für die meisten der Umbauten verantwortlich zeichnende, traditionsreiche Werkstätte in České Velenice an der österreichisch-tschechischen Grenze, einstmals
kaiserliche Centralwerkstätte der Kaiser Franz Josephs-Bahn am Bahnhof Gmünd, war ab 1871 Hauptwerkstätte der KFJ-Bahn mit Zweigstellen in Pilsen und Wien. In ihrer bewegten Geschichte über die Weltkriege hinweg wurde sie 1920 der Tschechoslowakei zugeschlagen; in den 1950er und 1960er Jahren wurden hier Schnellzugdampflokomotiven repariert, ab den 1970er Jahren konzentrierte man sich zunehmend auf Wagen. Im Jahre 1993 privatisiert, reparierte ŽOS České Velenice weiterhin Eisenbahnwagen. Nach mehreren Verkäufen und Konkursen war im Juni 2014 endgültig Schluß.
Die ehemalige Servicierung der Wagen in České Velenice, noch an manchem Lackraster herauslesbar, wird heute von VRMS übernommen, zumindest lassen dies die REV-Daten erkennen. Hier noch einmal die komplette Reihung des Sonderzuges inklusive Heimatbahnhof und Revisionsdatum:
Wien Hbf, 04.03.2026:
D-ATLU 9180 6193 588-1 REV MMAL 04.08.20
A-MITL 51 81 09-70 000-6 SRw Salon Elisabeth Wien FJB 6 REV VRMS 07.08.2025
A-MITL 51 81 08-70 000-7 SRmz Ambassador FJB 6 REV VRMS 13.08.2024
A-MITL 51 81 08-43 010-0 P WRmz Excelsior FJB 6 REV VRMS 10.11.2025
A-MITL 51 81 09-40 001-1 P Fourgon FJB 6 REV VRMS 26.03.2025
A-MITL 51 81 09-40 000-3 P Salon1 FJB 6 REV VRMS 07.01.2025
Bei den je nach Anlaß oder Bestellung (Charterzug) wechselnden Zugmaschinen empfiehlt sich natürlich eine Dampflok oder zumindest eine Altbau-Ellok. Der gelb-blaue WLC-Vectron mag da nicht so recht zum edlen Zug passen:
Einen wirklichen Stilbruch stellt m.E. jedoch die Zugschlußbeleuchtung dar: erlesene Scheußlichkeit aus dem Baumarkt, daß die Kameralinse beschlägt... hätte man das unsägliche weiße Plastik nicht wenigstens mit ein bißchen dunkler Farbe wegtarnen können?
Da erfreut man sich - zum Abschluss - doch lieber an diesem kunstvollen Monogramm: es steht für
Franz Joseph I an der Tür des Salon 1:
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.03.26 13:58.