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Transport liegender Drahtcoils ?

geschrieben von: Bullok

Datum: 25.06.25 00:21

Hallo allerseits,

besitzt jemand evt Bilder von Rs-Wagen, auf denen Drahtcoils liegend verladen sind, also mit der Wicklung parallel zum Wagenboden?
War dies früher häufiger zu sehen?
In Eisenbiegereien beispielsweise werden die Drahtcolis liegend abgewickelt, um daraus gebogene Stäbe oder gerichtete, geschnittene Stäbe zu produzieren. Dementsprechend ist es vorteilhaft, wenn die Drahtcoils gleich liegend angeliefert werden, um per Kran und speziellem Coilgreifer entladen zu werden.
Im Februar 1995 standen Rs-Wagen im Anschluß einer Eisenbiegerei am Nürnberger Nordwestbahnhof. Wenn man das Foto vergrößert, erkennt man auf dem zweiten Wagen, daß die Drahtcoils liegend verladen sind.
Besitzt vielleicht jemand Fotos von solch beladenen Wagen, auf denen die Verladung besser zu erkennen ist? Besonders die Sicherung der Coils, ob vorhanden oder auch nicht, würde mich interessieren.

Bild 1: Der Anschluß der Eisenbiegerei im Februar 1995:
Agl Stahlhandel Bf Nbg-NW Feb 95 - 1.png


Bild 2: In der Vergrößerung erkennt man auf dem zweiten Wagen die liegend verladenen Coils:
Agl Stahlhandel Bf Nbg-NW Feb 95 - 2.png


Heutzutage werden leider nur noch relativ wenige Eisenbiegereien per Bahn beliefert. Kennt jemand noch solche Betriebe, die per Bahn Betonstabstahl oder Coils erhalten?

Vielen Dank im Voraus für Antworten oder auch Aufnahmen zu diesem Thema!

Edit: Den Begriff "stehend" durch "liegend" ersetzt.

Schöne Grüße

Ralph



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2025:06:26:08:44:58.

Re: Transport stehender Drahtcoils ?

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 25.06.25 06:33

In Rothenburg an der Saale gibt es die "Drahtbude" (Westfälische Drahtindustrie GmbH, Werk Rothenburg; frühere Draht- und Seilwerke Rothenburg (DSRO)), welche regelmäßig per Schiene auf der ehemaligen Kleinbahn Könnern - Rothenburg mit Drahtcoils beliefert wird.

Allerdings verwirrt mich ein wenig, dass du die flach auf dem Wagen liegenden Coils als stehend bezeichnest.
Mit Drahtrollen ist es wie mit Autoreifen: Ein einzelner Autoreifen liegt flach auf dem Boden. Würde er aufrecht stehen, dürfte er wahrscheinlich wegrollen. So findet man auch im Baumarkt fertig konfektioniertes (z.B.) Lautsprecherkabel als Rollen liegend im Regal vor. Mehrere flach übereinanderliegende Drahtrollen oder auch Autoreifen wären ein Stapel, welcher nun aber steht. Dabei bezieht sich "stehen" allerdings auf den aus Rollen, Reifen oder anderen übereinanderliegenden Gegenständen gebildeten Stapel und nicht auf die Rollen oder Reifen oder Gegenstände selbst.
Fragt man nach einer einzelnen Drahtrolle oder einem einzelnen Reifen, heißt es: "Liegt da hinten." Fragt man nach mehreren übereinander aufgestapelt liegenden Drahtrollen, sagt man immer noch: "Die liegen da hinten.", während man bei aufgestapelten Reifen allerdings manchmal auch sagt: "Die stehen da hinten."

Einzelne Drahtrollen, wie auf deinem Foto werden also liegend transportiert! Und zwar, damit sie nicht wegrollen können.
Bei einem ganzen Wagen voller Coils kann man diese stehend transportieren, weil sie sich gegenseitig stabilisieren und dadurch weder umkippen, noch wegrollen können.

Außerdem ist der innerbetriebliche Transport, sowie das Be- und Entladen mehrerer Coils gleichzeitig mittels Gabelstapler auch viel einfacher, wenn sie auf der Außenseite stehend vorgefunden werden. Dann kann man nämlich mit einem Dorn hineinfahren und so gleich mehrere Coils mit einem Mal anheben und transportieren.
Bei einem Drahtwickel, der flach auf festem Boden oder auf einem Wagen liegt, ist das Unterfahren mit den Gabelstaplergabeln nicht ganz so einfach und es besteht die Gefahr, die unteren Lagen zu verbiegen und zu verkratzen.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2025:06:25:06:35:50.

Re: Transport stehender Drahtcoils ?

geschrieben von: Bullok

Datum: 25.06.25 07:16

Hallo,

vielen Dank für die Antwort.
Wird diese von dir erwähnte "Drahtbude" nun mit "liegenden" oder "stehenden" Coils beliefert?
Mir ist auch ein Stahlmattenwerk in Schlüsselfeld (Bayern) bekannt, das nach wie vor Drahtcoils "stehend" per Bahn bezieht. Diese Verladensweise sieht man doch häufiger.
Hier in der Eisenbiegerei dürfte ausschließlich per Kran entladen worden sein, und da ist eben die "liegende" Verladung einfacher zu handhaben, da die Coils auch so zwischengelagert werden und auch auf den Abwickelautomaten "liegen".

MfG

Ralph

Re: Transport stehender Drahtcoils ?

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 25.06.25 09:50

In Rothenburg werden die Coils ausschließlich dicht gepackt und stehend angeliefert.

Re: Transport stehender Drahtcoils ?

geschrieben von: Bullok

Datum: 25.06.25 12:37

Hallo,
interessant, danke.
Was wird denn dort aus den Drähten gefertigt?

Re: Transport stehender Drahtcoils ?

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 25.06.25 15:31

Bullok schrieb:
Hallo,
interessant, danke.
Was wird denn dort aus den Drähten gefertigt?
Das gesamte Portfolio der Westfälischen Drahtindustrie umfasst folgende Produkte:

Qualitätsdraht | Blankstahl | Baustahl | Hochleistungsseile | Spannstahl | Schweisstechnik | Freileitungsseile | Geflechte & Zäune

Welche Produkte genau davon in Rothenburg aktuell hergestellt werden, weiß ich allerdings leider nicht, da ich schon lange keine Bedienfahrt mehr in das Werk gemacht habe.

Re: Alles klar. Danke! (o.w.T)

geschrieben von: Bullok

Datum: 25.06.25 15:59

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Hallo,

hab mal mit "Drahtrollen, Bahn" in eine Suchmaschine eigegeben. Da kommen viele Ergebnisse stehend, u.a.:
[www.bahnbilder.de]
[www.bahnbilder.de]
[www.bahnbilder.de]

Gruß aus Magdeburg

Klaus
Hallo dampfbahner,

danke für die Links!

Diese Verladeweise ist nach wie vor häufiger zu sehen.
Wie gesagt, mir geht es um eine liegende Verladeweise wie auf meinem Foto oben zu sehen.
Da ich diese gerne im Modell nachbilden möchte, geht es mir dabei vor allem darum, inwiefern am Wagenboden die Coils gegen Verrutschen gesichert worden sind, oder eben auch nicht.

MfG

Ralph
Hallo Ralph,

ein vielleicht noch aktueller Bahnverkehr:
[eisenbahn.blog]

In den aktuellen Verladerichtlinien findet man nur die stehende Verladung:
[www.dbcargo.com]
Abschnitte 1.10.4 bis 1.10.6
dazu Wagen:
[gueterwagenkatalog.dbcargo.com]
[gueterwagenkatalog.dbcargo.com]
Es dürfte kein Problem sein, die Drahtrollen um 90° gedreht abzulegen.

Gruß aus Magdeburg

Klaus




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2025:06:27:10:58:08.
Zwischen Přerov und Ostrava habe ich immer wieder einen tschechischen oder slowakischen Güterzug mit derartiger Ladung gesehen.

Re: Transport liegender Drahtcoils ?

geschrieben von: nordermartin

Datum: 26.06.25 19:55

Hallo Ralph,


Danke für die Anschlußaufnahme, wieder eine Idee mit dem Tor usw auf der MoBa umzusetzen....

Kennst du den Anschluss des Stahlhandels in Ingolstadt DONAU EISEN direkt am Bhf ? Da passt nur ein Wagen rein, das sieht da echt klasse aus ! !

Ich habe soeben mal auf dem Rechner geschaut und kann dir folgendes anbieten:


1) ÖBB Rs im Jahre 2023 Salzburg -München, dünne Holzleisten aussen herum, mehr nicht:

Drahtrollen auf Rs ÖBB 2023..JPG


2) in einem DB - Res im Jahre 2020 aus dem Zug heraus wo auch immer, mittig verladen :

Drahtrollen hochkant auf Res 2020.JPG



3) und für uns unsichtbar unterwegs - aber beim Kunden dann so, Mülheim RheinRuhrHafen 2009:

Drahtrollen im Rilns 2009.JPG



Beste Grüße
Martin

Re: Transport liegender Drahtcoils ?

geschrieben von: Bullok

Datum: 26.06.25 23:07

Hallo Martin,

vielen Dank für Deine tollen Aufnahmen!
Die auf dem ÖBB-Wagen befestigten kleinen Holzlatten wirken schon irgendwie putzig. Sie sollen wohl einfach ausschließen, daß sich die Coils in Richtung Ladeflächenkante bewegen.
Die elf Coils auf dem zweiten Bild dürften einzeln ein deutlich höheres Gewicht aufweisen als die relativ kleinen auf dem Österreicher. Und manche Coils sollten wohl witterungsgeschützt transportiert werden, wie auf Deiner dritten Aufnahme zu sehen. Von einer anderen Bildquelle kenne ich seit heute die Verladung von 18 Drahtcoils liegend auf einem Res 686. Jeweils acht über den Drehgestellen und zwei nebeneinander in Wagenmitte. Von Sicherungen der Coils ist dabei nichts zu sehen, also gleitend verladen.

Den Anschluß von Donau Eisen in Ingolstadt Nord kenne ich. Dort stand vor 25 Jahren ein einzelner Res, der vmtl bereits entladen war:
Agl Donaueisen Ingolstadt Nord April 2000.png


Eine ähnliche Situation mit einem kurzen Anschlußgleis, auf dem gerade ein Res-Wagen Platz findet, ist bei Inn-Stahl am Mühldorfer Bahnhof anzutreffen.

Schöne Grüße

Ralph
Hallo Klaus,

vielen Dank für die Links!
Sehr interessant die Verladerichtlinien. Da habe ich ganz schön zu schmökern.

MfG

Ralph
Hallo no-right,

vielen Dank für Deine Sichtungen!


MfG

Ralph
Hallo Ralph,

ist gern geschehen. Da gibt es noch Teil 1:
[www.dbcargo.com]
Noch ein Bild von !974:
[eisenbahnstiftung.de]
Eisenbahnstiftung
Für Bild und Text:
[eisenbahnstiftung.de]
und "051 341 in Duisburg-Hochfeld" in die Volltextsuche eingeben.

Gruß aus Magdeburg

Klaus




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2025:06:27:11:35:53.

Re: Nachbildung im Modell 1:87

geschrieben von: Bullok

Datum: 29.06.25 16:06

Hallo allerseits,

hier wollte ich mich nur noch einmal bedanken für Eure Antworten und Fotos zum Thema.

Mittlerweile habe ich auf meinem Diorama einer Eisenbiegerei mit Stahlhandel fürs Handwerk einen Wagen mit Drahtcoils beladen im Einsatz.
Ich habe mich für die Coils von Juweela entschieden und sie statt in der originalen Aluminiumfarbe in Eisengrau umbemalt.
Sie dürften im Original etwa 2,5 Tonnen wiegen und so habe ich den Res 687 von Märklin mit 20 Coils gleitend beladen, was die Nutzlast von 54 Tonnen nicht ganz ausreizt. Man könnte noch ein bis zwei zusätzliche Coils in der Mitte der Ladefläche hinlegen, aber darauf habe ich jetzt erst einmal verzichtet.
Der Wagen steht im Anschluß nun unter dem Verladekran:
20250629_134149.jpg


Entladen werden die Coils mittels einer speziellen Coilzange:
20250629_134203(0).jpg


Auf dem dahinter stehenden Rs-Wagen sind Eisenstäbe verladen. Sie werden mit einer Traverse entladen, die ebenfalls vorhanden ist. Außerdem werden Lagermatten bevorratet und auf Wunsch gebogen oder beschnitten. Sie werden mit dem Turmdrehkran umgeschlagen:
20250629_134214.jpg


Das Lager mit den Eisenstäben in 12 bzw 18 Metern Länge sowie für Drahtcoils mit jeweils unterschiedlichen Materialstärken:
20250629_134219.jpg


Rechts oben liegen Stäbe mit 12 Metern Länge in den 8 unterschiedlichen Stärken auf einer Art Tisch, um von der rechts erkennbaren Schneidmaschine (mit Schutzdach) auf die gewünschten Längen zu schneiden. Die Schneidmaschine fährt dazu entlang der gelagerten Stäbe, um sie aufnehmen zu können:
20250629_134223.jpg


In der Halle (hier natürlich mit abgenommenem Dach) werden die geschnittenen Stäbe kommissioniert oder an einer Biegemaschine in die gewünschte Form gebogen:
20250628_201854.jpg


Direkt daneben werden Profile oder Bleche geschnitten und an der dunkelgrünen Maschine werden Drähte von Coils abgewickelt, zentriert und bis zu einer Länge von 4 Metern geschnitten:
20250628_201900.jpg


An einer vollautomatischen Bügelbiegemaschine können fünf Coils mit jeweils unterschiedlichen Materialstärken abgewickelt werden:
20250628_201930.jpg


Hier die Biegeeinrichtung der vollautomatischen Bügelbiegemaschine:
20250628_201942.jpg


In der Halle werden auch die LKW beladen, die den Stahl zu den Kunden und auf die Baustellen bringen. Hier werden gerade Bündel mit 18 Metern langen Stäben auf einen ausgezogenen Teletrailer mittels Kran verladen:
20250628_201912.jpg


Wer sich für das Thema Eisenbiegerei interessiert, dem sei z.B. dieses Video empfohlen, in dem die einzelnen Verarbeitungsmaschinen kurz zu sehen sind: [www.youtube.com] .

Schöne Grüße

Ralph

Re: Nachbildung im Modell 1:87

geschrieben von: nordermartin

Datum: 02.07.25 19:42

Hallo Ralph,


das sieht ja mal sehr gut aus !!!!

AAAAber der Kran kann sich nicht drehen ;-(

Beste Grüße
martin


(PN beachten)
Gerade eben fuhr ich Kralupy nad Vltavou durch, da stand ein Zug mit stehend geladenen Drahtrollen, Flachwagen gehören zu DB Cargo. Fahrtrichtung und Lok konnte ich aber nicht sichten.
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