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Die bedeutende Veranstaltungen der ungarischen Eisenbahnen, die sogenannte Retro-Wochenenden, die in den letzten Jahren international an Popularität gewonnen haben haben, in diesem Jahr große Veränderungen erfahren. Nicht nur die Anzahl der Events hat sich von zwei auf vier erhöht (was jetzt eigentlich acht Tage bedeutet), auch die Standorte haben sich verändert, und Fahrzeuge von Unternehmen, die früher nicht an der Veranstaltung beteiligt waren, wurden ebenfalls vorgestellt. Obwohl einige Forumkollegen hier im DOF schon viele schöne Bilder von diesem Event geteilt hat, ich hoffe, es wird keine große Sache sein, wenn zeige ich selbst auch jetzt auch eininge Impressionen.
In den letzten Jahren haben wir uns daran gewöhnt, daß die rund um den Balaton verkehrende Züge, vor allem auf der Nordseite des Sees, regelmäßig mit mehr oder weniger Verspätungen verkehren. Dies liegt vor allem an der schlechten Einsatzbereitschaft der älterer Diesel-Zugfahrzeuge, insbesondere aber auch von Desiro Triebzügen. Zu Beginn der Sommersaison 2021 wurde jedoch der teilweise umgebaute und elektrifizierte Streckenabschnitt Szabadbattyán - Balatonfüred übergeben, dadurch wurde eine deutliche Verbesserung im fahrplanmäßigen Verkehr erwartet. Leider geschah dies nicht, und es entwickelte sich eine viel schlimmere Situation. Im dritten Junidrittel war in Ungarn extreme Hitze, mehrere Tage lang erreichte die Temperatur um die 38 Grad. Dadurch entstanden auf den brandneuen Gleiskörper derartige Tensionen, daß die Streckengeschwindigkeit von 80 km/h auf 40 - 60 km/h reduziert werden musste. Hinzu kamen einige betriebsgefährliche Gleisfehler, aufgrund dessen der Schienenverkehr auf den betroffenen Abschnitten ein paar mal kurzzeitig, bis zur Reparatur eingestellt werden musste. Auf der Nord-Balaton-Strecke an diesen Tagen neben erheblichen Verspätungen kamen es auch Zugausfällen.
Nach meinem besten Wissen begannen die Gleisfehler-Behebungen in den ersten Tagen des nächsten Monats. Die Arbeiter waren normalerweise am Nachts tätig um den Schienenverkehr so wenig wie möglich zu stören. Dann war die Situation so "normalisiert", daß hatten die Züge auf dem betreffenden Abschnitt nur 10 - 20 Minuten Verspätung. Mitte der folgenden Woche kam es jedoch wieder zu extremer Hitze im Land, es war so ein Tag, an dem das Thermometer 40 Grad anzeigte. Dies führte erneut zur Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen und zu einer Zunahme der Zugverspätungen. Am Freitag, 9. Juli, zog schließlich eine Kaltfront durch Ungarn, die mit den Gewittern eine leichte Abkühlung mit sich brachte, und am nächsten Tag begann das erste Retro-Wochenende am Balaton.
Bisher habe ich jedes Retro-Wochenende, mindestens einen Tag zu erscheinen, aber dies war die erste Veranstaltung, an der ich nicht teilnehmen konnte. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits haben an unserem Haus Dachdecker gearbeitet, die wir nicht allein lassen wollten, anderseits ein paar Tage früher bekam ich plötzlichen einen leichteren Hexenschuss. Am Ende haben wir unsere Entscheidung, also zu Hause zu bleiben, nicht bereut, da der Zug, mit dem wir von Budapest nach Balatonfüred reisen wollten, fast eine Stunde Verspätung hatte, und außerdem aus technischen Gründen weniger Retro-Loks im Einsatz kamen als geplant (laut Forumsbeiträgen blieben eine Nohab liegen). Für das zweite Retro-Wochenende aufgrund des seither eher unzuverlässigen Bahnverkehrs und trotz der ständig steigender Benzinpreise entschieden wir uns mit PKW zu fahren.
Am Samstag, 7. August machten wir uns relativ früh, um 6 Uhr auf den Weg. Der Grund dafür war, daß wir am Samstagmorgen den üblichen Stoßverkehr in Richtung Balaton vermeiden und gegen 10 Uhr an unserem ersten Fotostandort ankommen wollten. Dieser Standort war in Balatonszepezd, in der Gegend neben dem Strand. Glücklicherweise gab es keine Probleme auf unserem Weg, so daß wir ziemlich schnell dort waren. Als Ergebnis konnte ich auch einen nicht Retro Schnellzug fotografieren mit der remotorisierten 628 314 an der Spitze, dahinter laufte die 418 317, die die für der Reisezugwagen nötige Energie erstellte.
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Der nächste Zug, den wir hier fotografieren konnte, war der Schnellzug "Kék Hullám" (Blaue Welle) 19797 von Szombathely nach Budapest, gezogen von der M61 006. Leider wurde der rote Stern auf der Loknase auf ziemlich häßliche Weise verdeckt. Dieser Zugtyp ist übrigens offiziell InterCity, worin auch zuschlagfreie Wagen eingereiht ist. Ich bin jedoch altmodisch und nenne es eher einfach als Schnellzug.
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Wir blieben in der Nähe um auf den Gegenzug zu warten, mit dem der "Kék Hullám" am Bahnhof Zánka-Köveskál kreuzen musste. Auch dieser Zug wurde von einer Nohab gezogen, nämlich die M61 020. Dies war eine Enttäuschung für mich, weil ich das Auftauchen der 408 224 gewartet habe. Später stellte sich heraus, daß ich das Programm übersehen hatte, da diese Lok erst am Sonntag kam zum Einsatz.
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Gleich nachdem der Entfernung des Zuges fuhten wir los, denn die vielleicht größte Attraktion des Tages war in kurzer Zeit fällig, und bis dahin wollten wir am nächsten Bahnhof, Révfülöp sein. Und diese Attraktion war nichts anderes, als der Verkehr eines von einer fahplanmäßigen Dampfzuges. Die Teilnahme einer Dampflok war ursprünglich für beide Retro-Wochenenden angekündigt und sein Erscheinen wird ebenfalls Mitte September am geplanten Retro-Wochenende auf der Bahnstrecke Békéscsaba - Szeged erwartet. Beim letzten Mal lief die Dampfroß jedoch nicht, da die offizielle Erklärung lautete, sie musste reparieren. So konnten wir nun diese ikonische ungarische Dampfmaschine an der Spitze der enzianblauen Schnellzug-Abteilwagen von Szeged bewundern, wie sie würdevoll zum Bahnhof einrollte. Im Bild, rechts vom einfahrenden Zug ist ein bedeutendes Denkmal der Siedlung, die Kirchenruine aus der Árpádischen Zeit zu sehen.
Révfülöp ist im ganzen Land, aber auch über unsere Grenzen hinaus bekannt, vor allem für die jährliche Balaton-Durchschwimmen. Bei diesem Massensportereignis müssen die Teilnehmer eine Strecke von 5,5 Kilometern von Révfülöp nach Balatonbolglár zurücklegen. Die diesjährige Veranstaltung war ursprünglich für Samstag, den 31. Juli geplant, wurde jedoch aufgrund der damaligen widrigen Wetterbedingungen eine Woche später verschoben. Aufgrund dessen war eine größere Menschenmenge in diesem Bereich erwartet, zum Glück haben wir davon kaum etwas erlebt. Da die Durchschwimmen, als wir in Révfülöp ankamen, bereits begonnen hatte, wir sahen nur sehr viele PKW-s, die an fast allen möglichen Stellen geparkt waren.
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Ab dieser Saison verkehren in der Relation Balatonfüred - Tapolca auch im Zweistundentakt - zwischen den Schnellzüge "Kék Hullám" - Personenzüge, die alle zwei Stunden laufen. Weil der Personenzug 19735 bald ankommen musste, beschlossen wir in Révfülöp darauf zu warten. Das für diesen Zug versprochene Triebfahrzeug war mal wieder ein Novum in der Geschichte der Retro-Wochenenden, und auch für mich, da ich es bisher noch nicht sehen konnte. Dies ist ein Triebwagenzug der Br 117 (früher Bzmot), der ankam als Gast aus Balassagyarmat um die Ufer des Balatons zu besuchen. Obwohl der 117 343 seit fast einem Jahrzehnt seines originale Farbschema trägt (der Triebwagen anlässlich des 35-jährigen Bestehens der Fahrzeugbaureihe in Ungarn erhielt am Dezember 2012 die altertümliche Lackierung), war der in diesem Jahr zum ersten Mal Teilnehmer an einem Retro-Wochenende. Aber bei seiner Premiere, also letztes Retro-Wochenende, konnte die breite Öffentlichkeit kaum sehen: nach Auskunft des ungarischen Eisenbahn-Forums konnte der Fahrzeug wegen technischer Schwierigkeiten nur Sonntagnachmittags im Einsatz stellen. Dann kehrte der 117 343 nicht nach Hause zurück, bis zum zweiten Retro-Wochenende verblieb im Bw Celldömölk und verkehrte auf nahegelegenen Nebenbahnen. Das Bild zeigt den Triebzug, wann den Bahnhof verlässt.
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Aufgrund von Verspätungen unvorhersehbaren Ausmaßes fand ich keinen Sinn den Verlauf der Fotografie genau zu planen. Natürlich hatte ich Ideen, einige davon habe ich während des Tages spontan geändert. Dies war auch der Fall, als wir diese gemütliche Stelle am Rande des Dorfes Pálköve, an einer Bahnübergang an einer schmalen Straße, die zu einer Industrieanlage führt sahen und hier eher Halt machten als am bekannten, klassischen Fotostelle in Ábrahámhegy. Hier konnten wir zum ersten Mal einen Schnellzug "Kék Hullám" sehen, der von der 418 148 gezogen wurde. In Transdanubien gilt dieser Loktyp bereits als Retro, da seit Ende letzten Jahres im Landesteil westlich der Donau sind nur noch remotorisierte Loks der BR 418 im Einsatz.
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Dieser Zug kreuzte mit dem Schnellzug 19702, aufgrund dessen Verspätung, am Bahnhof Révfülöp anstelle von Badacsonytomaj. Der Zugfahrzeug dieses Schnellzuges war die M62 127, dahinter ist die M41 2103 zu sehen. Dieser Sergej hat mit seinem letzten Zug des letzten Retro-Wochenendes auf dem letzten Bahnhof liegen geblieben, als in einem seiner Drehgestelle ein Traktionsmotor Feuer fing. Damals sagten einige Experten ihm eine lange Reparaturzeit voraus, aber lagen sie zum Glück falsch, denn die Maschine war kurz darauf wieder im Einsatz.
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Es folgte dann eine weitere klassische Fotostelle: der Bahnhof Badacsonytomaj. Hier kam erstmals die M62 194 mit dem Retro-Wendezug als Personenzug Balatonfüred - Tapolca an. In dieser Wagengarnitur befand sich an diesem Retro-Wochenende auch ein älterer gebauter Speisewagen, der - nach meiner Meinung - komplett ruinierte das Gesamtbild des Zuges, also ich habe versucht es so zu fotografieren, damit dieser Speisewagen nicht auf den Bildern auftaucht.
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Bald kam der bereits gesehene Gegenzug an, der wurde aus klassische Bhv und By Wagen zusammenstellt, mit der M61 020 an der Spitze. Im Hintergrund ist der "regierende Fürst des Balaton-Oberlandes", der Basaltberg Badacsony ist zu sehen. Dieser Anblick erinnert perfekt an die 80-er, 90-er Jahre.
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Unser letzter Zwischenhalt war am Bahnhof Badacsonytörmedic-Szigliget. Hier trafen wir zwei Bekannte: die M62 127 + M41 2103 arbeiteten schon an der Spitze des nach Budapest verkehrendes Schnellzuges "Kék Hullám".
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Durch die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Szabadbattyán - Balatonfüred hat sich die Fahrplanstruktur der gesamten Bahnlinie geändert. Davon waren natürlich auch die Retro-Wochenenden betroffen, da sich die Dieseltraktion auf den 52 km langen Abschnitt Balatonfüred - Tapolca statt auf die vollständige 117 km lange Relation beschränkt. Für Bahnfotografen hatte dies den Vorteil, daß die Retro-Loks eine kürzere Strecke zurücklegen mussten, sodaß diese Triebfahrzeuge zwischen den oben genannten Stationen an der Spitze fast aller Züge dienen konnten. Gleichzeitig tauchen aber die Loks mehrmals am Tag auf und kann man sie so an unterschiedlichen Orten fotografiert werden. Wir haben auch mehrmals "wiederholt", an dieser Station zum Beispiel der vorhin gesehene Lokpaar und auch die M61 006.
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Der im vorherigen Bild abgebildete Schnellzug mit seiner etwa Dreiviertelstunde war der Verspätungsrekorder des Tages, aus diesem Grund konnte auch der nachfolgende Personenzug nicht pünktlich starten. Den 117 343 fotografierten wir bereits am Eingang des letzten Bahnhofs unseres ersten Tages, Tapolca.
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Es war eine große Menschenmenge am Bahnhof, die meisten kamen nicht zum Reisen, sie waren nur neugierig auf die Retro-Lokomotiven. Ich beneidete weder die diensthabenden Eisenbahner und auch die Leute vom Sicherheitsdienst, deren Aufgabe war den Verkehr an diesem Tag zu regeln, besonders wenn die Dampflok sich bewegte und gingen viele Leute hin und her. Zum Glück kam es aber meines Wissens zu keinen Unfällen oder außergewöhnlichen Ereignissen. Die Veranstalter boten auch eine besondere Speiseoption an: der mit einem der Morgenzüge ankommende Speisewagen wurde auf einem Nebengleis abgestellt, wo man bis zum frühen Nachmittag zu Mittag essen konnten. Den Speisewagen versorgte die 418 308 mit Strom.
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Inzwischen brachte die 424 247 den aus enzianblauen Wagen zusammenstellte, nach Szolnok verkehrende Schnellzug abfahrbereit am Bahnhof, und fuhr dann pünktlich um 16,29 ab. Die extrem spektakulär gelungene Aktion überwachten viele Leute und wurden Hunderte von Aufnahmen davon gemacht.
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Zu den Neuheiten an den diesjährigen Retro-Wochenenden gehörte, daß auch einige Oldtimer des Busunternehmens Volánbusz teilgenommen haben. Dies liegt unter anderem daran, daß das Volánbusz durch eine Entscheidung vor einem Jahr in den Besitz der MÁV übergegangen ist. Zwei Tage vor unserer Reise wurde uns jedoch bewusst, daß sich das Verkehrsangebot für diese Altfahrzeuge im Vergleich zum vorigen Anlaß deutlich verringert hatte und außerdem war es nur auf Samstag beschränkt. Daher haben wir uns entschieden die Oldie Busse nur an einem der beiden Orte, hier in Tapolca zu beobachten. Diesmal kamen ein Ikarus 55 Lux und ein Ikarus 266 im Einsatz.
Heutzutage ist ein auf der Straße fahrender Heck-Ikarus ein seltener Anblick, ich selbst habe solcher seit Jahren nicht mehr gesehen. Als ich diesen grünen Bus auf dem Platz vor dem Bahnhof sah, kamen mir alte, fast ein halbes Jahrhundert alte Erinnerungen in den Sinn. Als ich in der Grundschule war, als vielleicht dreizehn war, wann meine erste große, mehrtägige Klassenfahrt unternahm. Die Schule mietete bei der örtlichen Busgesellschaft einen Bus, natürlich mit Fahrer (der war der Onkel Bandi). Dies war ein roter Ikarus 55, das war anders als die anderen Busse die ich kannte, daß sich auf der Vorderseite oben ein dritter Scheinwerfer befand. Wir besuchten mehrere schöne Orte in Westungarn, von denen der denkwürdigste der Besuch der "Siebenbründel" war. Dieses beliebte Ausflugsziel, da es direkt an der österreichischen Grenze liegt, konnte damals nur noch mit Erlaubnis besucht werden. Erstmals hielt ein Grenzschutzbeamter für der Kindergruppe einen Vortrag die Gefahren illegaler Grenzübertritte, dann marschierten wir begleitet von bewaffneten Soldaten zur Quelle.
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Der Tag verging sehr schnell, aber bevor wir uns vom Tapolca verabschiedeten, fotografierten sogar einen nach Keszthely abfahrende Interregion-Zug. Nachdem der Zug den Bahnhof verlassen hatte, beschlossen wir unsere Unterkunft zu suchen. Nach fast zwei Jahren dies war das erste Mal, daß wir nicht zu Hause, nicht in unserem eigenen Bett geschlafen haben. Aber leider dies konnte für eine Weile das letzte Mal sein, da die vierte Welle des Coronavirus stark näher rückt. Vorher besuchten wir aber noch ein gemütliches Restaurant, wo wir unseren Tag mit einem leckeren Abendessen krönten. Dann gab es wirklich die Erholzeit, da wir am Sonntag wieder unsere Kraft brauchten.
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Am nächsten Morgen, nach einem erholsamen Schlaf und anschließendem leckeren Frühstück ging unsere Abenteuer mit neuem Elan weiter. Der inhaltliche Teil dieses Tages begann für uns in Balatonfüred mit der Ankunft des 19712 Interregió-Zuges. Das war interessant für uns dafür, da dieser Zug aus einer Retro Intercity-Wagengarnitur ausgestellt wurde. Wir hatten diese Zusammenstellung zum ersten Mal am ersten Retro-Wochenende dieses Jahres gesehen, wann die als Sonderzug von Budapest nach Miskolc kam. Diesmal verkehrte jedoch als fahrplanmäßiger Zug und machte tagsüber drei Runden zwischen Budapest und Balatonfüred als Interregió "Vízipók" (der Phantasiename dieser Zugarte ist Wasserspinne, die eine Hauptdarstellerin einer beliebten ungarischen Zeichentrickserie). Die sogenannte Komfortwagen im Zug verfügen über bequeme, tiefe Liegesitze, die in Fahrtrichtung oder sogar in Richtung Balaton gedreht werden können, und die klassischen IC-Abteilwagen der 1. Generation verfügen über Holzverkleidungen, weinrote Stoffpolster und klassische Fenster. Leider ist meine Aufnahme des ankommenden Zuges nicht gut geworden, daher zeige ich das Foto, das nach dem schnellen Umsetzen der 431 150 aufgenommen wurde. Obwohl auf dem Bild nicht zu sehen, war das Entfernen des zuvor seitlich an den Wagen angebrachte Aufklebers mit der InterCity-Aufschrift wurde auf sehr amateurhafte Weise geschafft.
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Scharf kritisiert das Publikum des ungarisches Eisenbahnforums, aber auch "normale" Fahrgäste machen sich Sorgen darüber, daß in Balatonfüred aufgrund des Traktionswechsels Passagiere in jedem zweiten Zug müssen umsteigen. In diesem Fall, der mit dem Zug aus Budapest angereist ist und weiter nach Tapolca reisen willt, kann dies mit dem auf der anderen Seite des Bahnsteigs wartenden Personenzug tun. Dieser Zug wird im Gegensatz zum Vortag jetzt wahrhaftig mit der 408 224 "Bucklige" an der Spitze.
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Wir brechen bald in Richtung Tapolca auf um diesen Zug zu überholen und in Aszófő zu fotografieren, aber leider ist es uns nicht gelungen. Wir mussten jedoch nicht lange auf den nächsten Zug warten. Der von Szolnok nach Tapolca fahrende Zug wurde am Samstag von der Dampflok, und diesmal von der M62 127 gezogen.
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Demnächst kam das bereits am Samstag fotografierte Schnellzug Szombathely - Budapest, der wurde erneut von der M61 006 gezogen. Weil die Nohab keine Ausrüstung hat, die Strom erzeugen kann, unmittelbar der Lok wurde ein sogenannter Elektroheizwagen im Zug aufgereiht, der den Einsatz von Klimaanlagen und anderen elektrischen Geräten in den Reisezugwagen ermöglichte. Soweit ich weiß, ist dies der einzige, noch im Einsatz befindliche Elektroheizwagen in Ungarn.
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Die Veranstaltung wurde von großem internationalen Interesse begleitet. Meistens - natürlich erst nach den Ungarn - haben wir mit österreichische und deutsche Eisenbahnfotografen getroffen, es gab diejenigen, mit denen wir uns am zweiten Tag fast wie Bekannte begrüßten. Dieses Foto wurde jedoch zusammen mit solche Bahn-Enthusiasten am Rand von Balatonudvari aufgenommen, in wessen Fall wir nicht feststellen konnten, welche Sprache sie sprachen.
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Von hier fuhren wir nach Zánka. Der Name der Siedlung ist neben einer Naturattraktion in der Nähe, das sogenannte "Steinmeer" vor allem für sein Kinderlager ist auf dem Land bekannt. Die Geschichte der mehr als 150 Hektar großen Anlage, die sich im Káli-Becken, in einer malerischen Umgebung zwischen Tihany und Badacsony befindet, begann am 25. Mai 1975, wann es als Pionierlager eingeweiht wurde. Der Komplex hat auch einen eigenen Bahnhof, Zánka-Úttörőváros (Pionierstadt), der wurde 4. Dez. 1991 Zánkafüred, nächstes Jahr Zánkafürdő umbenannt, und seine heutige Name ist Zánka-Erzsébettábor. Dies ist jedoch nur eine Haltestelle, die Siedlung hat auch ein Bahnhof, der mit dem etwa 7 km entfernten Köveskál geteilt wird. Hier war gerade eine Zugkreuzung fällig, zuerst kam der lokale Personenzug mit der M62 194 an der Spitze an.
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Bald traf auch der IC "Kék Hullám" aus Tapolca ein, der von der M41 2103 diesmal alleine gezogen wurde.
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Eine weitere große Neuheit der Veranstaltungsreihe war die Beteiligung von Triebfahrzeugen der Budapester Lokalbahnen MÁV-HÉV. Möglich wurde dies dadurch, daß die bisher von der Hauptstadt Budapest geführte Bahngesellschaft ab dem 23. Februar 2017 eine vollwertige Tochter der MÁV-Gruppe wurde, und dann die Loks der Baureihe DL XVI die Verkehrszulassung für das ganze nationale Schienennetz erhielten. War der Loktyp selbst als M44 der MÁV früher regelmäßig auf der Strecke unterwegs, daher verleiht seine Anblick der älteren Generation eine echte Retro-Atmosphäre. Dies war jedoch nur am Retro-Wochenende im Juli der Fall, im August wurden diese Loks durch die "gestreifte" M40 219 ersetzt. Und um es noch spannender zu machen, der Einsatz dieser Lokomotive war nur auf nur einen Tag des Wochenendes beschränkt. In der Sommersaison gibt es ein Zugpaar zwischen Nyíregyháza und der Haltestelle Zánka-Erzsébettábor. Die Zuggarnitur läuft natürlich weiter bis zum Bahnhof Zánka-Köveskál, da an der Haltestelle gibt es keine Möglichkeit die Lok ans andere Ende des Zuges umsetzen. Allerdings am Samstag dieser Zugpaar, die in den kurzen, nicht elektrifizierten Streckenteil die M40 219 hätte abschleppen sollen, nicht auf der gesamten Strecke verkehrte. Dann kam dieser Zug auf seinem Hinweg aufgrund eines, gerade an meiner Heimatsiedlung geschenen Unfalls mit erheblicher Verspätung in Balatonfüred an, deshalb wurde auf dem restlichen Abschnitt (zwischen Balatonfüred und Zánka) absagen um die Verspätung des zurückfahrenden Zuges zu verringern. Also verkehrte der Zug nur nach und von Balatonfüred, blieb die M40 219 am Samstag arbeitslos, und die Bahnfotografen warteten vergeblich entlang der Bahnstrecke.
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Nachdem der "Bäderzug" angekommen war, machten wir uns auf den Rückweg, aber zuerst haben wir nach einem großen Umweg nur bis zum Eingang des Bahnhofs gelangen. Wir kamen am Rande des Erzsébet tábor (Elizabeth Camp) an, aber da dies sich ein geschlossenes Gebiet handelt, konnten wir nicht weiter gehen. Also warteten wir hier auf die nächsten Züge. Nach kurzer Wartezeit kam ein Kék Hullám aus Budapest.
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Wie gesagt, der Zug hat die wenigen Kilometer zwischen der Bahnhof und den Haltepunkt Zánka-Erzsébettábor ohne Fahrgäste gemacht, die Zeitangaben für diesen Abschnitt sind auch nicht im offiziellen Fahrplan enthalten. Dies liegt daran, daß der Zug kam aus bahntechnischen Gründen auf einem Bahnsteiglosen Gleis an. Normalerweise steht ca. eine halbe Stunde, diesmal stand sind es jedoch nur 20 Minuten zur Verfügung, daß die Lok ans andere Ende des Zuges umsetzen kann, und dann startete der Zug zurück bis zur Erzsébettábor natürlich wieder ohne Fahrgäste. Dieses Bild zeigt den bereits zurückfahrenden Bäderzug.
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Nur ein paar Minuten später hörten wir wieder das charakteristische Geräusch eines Jendrassik-Motors, das sich noch verstärkte, als der von Tapolca nach Balatonfüred verkehrende Personenzug näherte sich auf uns. Dann sahen wir bald auch die zum Geräusch gehörende 408 224, die kam aus dem Bw Hatvan um an den Retro-Wochenende teilzunehmen. Die Maschine eilte in der Nacht nach Hause, um am nächsten Tag den Zug auf seinem Stammstrecke den dreimal wöchentlich verkehrende Nahgüterzug nach Jászberény gezogen können.
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Nachdem die Züge abgefahren waren, wurde es still und wir machten uns auf die Heimreise. Unterwegs machten wir aber noch eine kurze Pause in Balatonakali, damit wir einen letzten Retro-Zug sehen konnten, der war der Bz-Triebwagen 117 343.
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Als Bonus wurde am Bahnhof Balatonakali-Dörgicse sogar zufällig ein Sonderzug fotografiert. Dieser Zug, der bestand aus für den Budapester Vorortverkehr modernisierten sogenannten Schwalbenwagen, an den noch ein aus Österreich gebraucht gekaufter Schlierenwagen gekoppelt war, fuhr nach Zánka-Erzsébettábor, hunderte Kinder reisten mit diesem Zug in dem Kindercamp. Wir hätten uns jedoch über die Ankunft eines anderen Zuges gefreut, der später fällig war, und den haben nicht gewartet. Dieser Zug wurde von einer Retro-Lok gezogen, die nur am Sonntagnachmittag verkehren musste. Dies ist der Stolz des Bws Szolnok, die M62 001, die deshalb wir an diesem Wochenende leider nicht sehen konnten.
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Dieses Wochenende am Balaton war ein voller Erfolg und nach unserer Erfahrung der beiden Tage waren, nicht nur wir uns, auch viele andere sich super wohl gefühlt. Das größte Erlebnis war natürlich der Auftritt der Dampflok in Aszófő. Ich halte mich nicht für eine allzu sentimentale Figur, aber als der Zug hat ziemlich spektakulär den Bahnhof verlassen, stiegen mir Tränen in die Augen. Dies wurde nicht durch den Rauch oder durch den Anblick verursacht, sondern durch die Reaktion der Anwesenden. Obwohl der Zug Verspätung hatte, dann diese Tatsache war es egal. Das Geschehen selbst war für mich gleichzeitig selbstverständlich und besonders, währenddessen konnte ich in der Luft deutlich den der sich am Bahnhof erhaltete vielen Leute - vor allem der Kinder - wolkenlosen gute Laune und die Freude spüren. Dass so ein Erlebnis für viele machen konnte, es hat sich auf jeden Fall gelohnt dieses Retro-Wochenende zu schaffen, wofür ich sage bei den Veranstaltern ein großes Dankeschön.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.08.21 08:21.
Hallo Tamas,

wie immer ist dieser Bericht wieder sehr gut gelungen. Besonders gefallen mir die Geschichten zu den Bildern. Als Beispiel nenne ich den Text zu den Ikarusbussen. Ich hoffe, dass du uns zukünftig weiterhin mit derartigen Reportagen erfreuen wirst.

noch viele Grüße
Lieber Tamas, auch ich bedanke mich für Deinen wie immer tollen Beitrag sowie die Ankündigung für das nächste Event, von dem ich nichts wusste. Zu diesem Zeitpunkt sind wir bei der Oma meiner Frau, die genau an der Strecke zwischen den beiden Stationen lebt. Weißt Du eventuell schon ein Programm und die angekündigten Lokomotiven für das Event in September?

danke. Lg jochen
Hallo,

die Veranstaltung findet am 18.-19. September statt. Die teilnehmenden Fahrzeuge sind noch nicht bekannt, aber es wird versprochen, daß an den beiden Tagen alle Züge in Retro-Zusammenstellungen werden verkehren, und auch ein Retro-IC als Sonderzug von Budapest nach Békéscsaba geplant ist. Details werden auf dieser Seite veröffentlicht: [www.mavcsoport.hu]. Darüber hinaus hat das MÁV Rail Tours bereits den Verkehr eines Dampfsonderzuges auf der Route Budapest – Békéscsaba – Szeged – Budapest angekündigt:
[www.mavrailtours.hu]
[www.mavrailtours.hu]
[www.mavrailtours.hu]
[www.mavrailtours.hu]
eine kleine Interpretationshilfe: (geplante) Fahrplan = MENETREND

Viele Grüße aus Ungarn

Sehr schön, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 17.08.21 09:35

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Lieber Tamas, herzlichen Dank. Ich freue mich schon. Ist bekannt, wie viele Wochen im Voraus die MAV die Infos dazu preis gibt? Danke. Lg. Jochen.