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Tour de Turk („TdT“) – Geturktes von West nach Ost

Teil 7a: Dampf im „painted desert“ - Wenn der Schlonz ausnahmsweise mal für Farbe sorgt



Im letzten Bericht hatten wir einen schlonzigen Nachmittag zwischen Himmel und Hölle verbracht. Das Wetter wurde leider nicht besser, aber man muss es eben für sich zu nutzen wissen. Wie das geht, erfahrt ihr in diesem Bericht.

+++ Kurzes Update für alle Interessierten: vor wenigen Tagen wurde der Betrieb der Kohlemine um weitere zehn Jahre verlängert. Ob und inwieweit die Dampfloks weiter zum Zuge kommen, wird aktuell noch diskutiert. +++

Wie immer zu Beginn zunächst eine Karte:

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Bild 5: Übersichtskarte des Tagebaus von Sandaoling. Die Kohle wird mittlerweile per Förderband zur Kohleverladeanlage zwischen den Bahnhöfen Xikeng und Dongkuang auf halber Höhe der Grube transportiert. Dort erfolgt die Umladung in die Kohlenzüge, die dann in Form eines umgekehrten S über Kengkouzhan („Grubeneinfahrtsbahnhof“; in der Karte fälschlicherweise als Kengkongzhan bezeichnet) und Dongbolizhan („Ostbahnhof“) entweder zur Kohlewäsche nach Xuanmeichang oder zur Kohleentladestelle kurz vor dem Bahnhof Nanzhan („Südbahnhof“) fahren. Zwischen Dongkuang und Xibolizhan ist die Strecke zweigleisig. Nach erfolgter Kohlenwäsche erfolgt in Nanzhan die Umladung in Waggons der Staatsbahn, die beladenen Waggons werden dann mit Dieselloks abgeholt und zum Anschlussbahnhof an der Staatsbahnstrecke (außerhalb der Karte rechts unten) gebracht. In Nanzhan befindet sich auch ein größerer Rangierbahnhof.
Einst wurde der Abraum aus den oberen Ebenen des Tagebaus direkt nach Xibolizhan („Westbahnhof“) gebracht, in den tieferen Ebenen mussten die Abraumzüge erst mit einer 180°-Kurve auf die andere Seite des Tagebaus in den Bahnhof Xikeng fahren. Dort machten die Abraumzüge Kopf und wurden nach Xibolizhan geschoben. Die Strecke zwischen Xikeng und Xibolizhan war ebenfalls zweigleisig. Hinter Xibolizhan verzweigte sich die Strecke auf mehrere Gleise hinauf zu den Abraumhalden westlich und südlich des Bahnhofs.
Auf der Verbindung zwischen Dongbolizhan und Xibolizhan verkehrten nur Arbeits- und Arbeiterzüge zum Schichtwechsel.
In Jichangzhan befindet sich eine große Werkstätte. Die Bekohlung und das Wasserfassen erfolgen meistens in Dongbolizhan, obwohl die dortige Großbekohlungsanlage schon länger stillgelegt ist. Stattdessen erfolgt die Bekohlung meist einfach per Schaufellader.
In Yijing („erste Mine“) und Erjing („zweite Mine“) gibt es noch Untertageminen, die ebenfalls an das Schienennetz angeschlossen sind (Abzweig in Nanzhan).
2014 endete dann die Dampfherrlichkeit in weiten Teilen. Nordwestlich des Tagebaus wurden neue Untergrundminen erschlossen (links außerhalb der Karte). Die wurden zwar auch von Nanzhan ausgehend an das Bahnnetz angebunden, der Transport obliegt aber komplett Dieselloks (Strecke ist nicht in Karte eingezeichnet). Im Gegenzug wurde der weitere Abbau von Deckgestein im Tagebau eingestellt und das gesamte Schienennetz westlich von Dongkuang und Dongbolizhan abgebaut. Es wird jetzt lediglich die noch verbliebene Kohle im Tagebau mit Dampfloks abtransportiert.
In diesem Bericht bewegen wir uns am Bahnhof Dongbolizhan sowie an der Strecke zwischen Kengkouzhan und Dongkuang.




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Bild 2: Wie jeden Morgen starteten wir den Tag am Bahnhof Dongbolizhan. Dort war der Heizer der neuen Schicht gerade dabei, die Schmierölvorräte an der Lok zu ergänzen.



Ich verließ den Bahnhof aber schnell wieder. Zum einen wegen der Fotografenmeute, zum anderen weil ein mit Kohle beladener Zug im Bahnhof stand, der höchstwahrscheinlich nach dem Schichtwechsel Jichangzhan zum Kohleabladeplatz fahren würde. So suchte ich mir auf der Abraumhalde am westlichen Bahnhofsende ein Plätzchen für das erste Sonnenaufgangsmotiv. Leider ließ sich die Lokmannschaft viel Zeit und die Sonne hing schon wieder in einer dicken Schlonzschicht fest.

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Bild 3: Typische Morgenstimmung zum Schichtwechsel am Bahnhof Dongbolizhan. Die Sonne ist längst aufgegangen, aber es ist noch immer recht düster.


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Bild 4: Endlich fährt der Kohlenzug ab. Im Hintergrund sieht man die Silhouette der Kohlenwäsche und der Zementfabrik. Das Gleis ganz im Vordergrund führte einst zum Bahnhof Xibolizhan, dem Sammelpunkt der Abraumzüge, wo man einst zum Schichtwechsel ein rundes Dutzend Dampfloks antreffen konnte. Zum Schichtwechsel fuhr dann sogar ein Personenpendel mit Waggons (allerdings keine Personenwaggons, sondern geschlossene Güterwagen). Alles vorbei.


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Bild 5: Jetzt bleiben einem nur noch die Kohlenzüge. Und die dampfen nicht mal richtig...



Die weiteren Züge würden den Bahnhof in die andere Richtung verlassen, also stiefelte ich den Weg zurück zum Bahnhof und weiter in Richtung Bahnübergang. Dort wollte ich ein Silhouettenmotiv versuchen, das aber komplett in die Hose ging.

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Bild 6: Die Fotografenmeute belagert noch immer die Dampfloks im Bahnhof Dongbolizhan.


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Bild 7: Statt Silhouettenmotiv eben Kohlediebmotiv. Ein paar Anwohner klettern in der Zeit, wenn die Nachtschicht die Lok bereits verlassen hat, die Tagesschicht aber noch nicht angerückt ist, auf den Tender und werfen Kohlestücke auf den Boden. Wenn die Loks dann den Bahnhof verlassen haben, werden die heruntergeworfenen Kohlenstücke aufgesammelt. Und der Kohlendieb von heute kommt nicht mehr zu Fuß, sondern natürlich mit dem e-Bike.


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Bild 8: “Den Kohlendieb in seinem e-Bike-Lauf halten weder Hund noch Hündchen auf”. So erfolgt der Abtransport der geklauten Kohle. Die Hunde sind übrigens wilde Hunde und keine Wachhunde, die aber ab und an vom Personal mit Knochen und Fleischresten gefüttert werden. Sie bellen anfangs, sind aber sonst ganz friedlich. Mich kennen die meisten schon.



Es gab zwar keinerlei Bewölkung am Himmel, aber ein tief hängender Schlonz dämpfte das Licht. Das brachte mich und Jun auf eine Idee. Die nördliche Abbruchkante am Bahnhof 82 hat eine wunderschöne, bunte Färbung. Allerdings lässt sich die nur schwer in Szene setzen, da das Licht für die ersten Züge nach dem Schichtwechsel bereits meistens zu hoch steht. Durch den Schlonz wurde das Licht aber gedämpft und wir wollten es auf einen Versuch ankommen lassen. Also ging es zur „pub/pipe location“ in der Kurve und von dort hinab an die Gleise, wo uns gleich der erste Zug vor die Linse fuhr.

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Bild 9: Kaum hatten wir die Gleise erreicht, kam auch schon JS8190 angedampft. Das war eigentlich gar nicht die geplante Fotoposition, stattdessen müssen wir noch einige hundert Meter entlang der Gleise laufen.


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Bild 10: Aber das Motiv nehmen wir einfach mal mit, auch wenn die Lichtverhältnisse besser sein könnten.


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Bild 11: So kommen auch die Schräg-von-vorne-fans auf ihre Kosten.



Die Beladung scheint heute ja ziemlich flott zu sein. Vielleicht ist die Delegation aus Peking gerade an der Verladeanlage und da will man zeigen, was man so drauf hat. Also liefen wir schnell in Richtung Bahnhof 82 und suchten uns eine passende Fotoposition.

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Bild 12: So hatten wir uns das mit den Farben vorgestellt. JS8167 wartet vor dem Bahnhof 82 auf Einfahrt in das Ladegleis. Das heißt im Gegenzug, dass wohl beide Ladegleise gerade mit Zügen belegt sind.


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Bild 13: Der Blick durchs Teleobjektiv offenbart sogar gleich drei Dampfloks. Jetzt muss nur noch eine davon mit ihrem Zug in unsere Richtung losfahren. Unser australisches Gruppenmitglied hat übrigens seinen bevorzugten Videostandpunkt von gestern mit einer Bierflasche markiert, damit er ihn heute Abend wieder einfacher findet. Pfandflaschensammler sind in einem Tagebau ja auch eher nicht zu erwarten. Habt ihr die prominent aufgestellte Bierflasche schon erkannt?


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Bild 14: JS8081 erbarmt sich schließlich und macht sich mit ihrem Kohlenzug auf den Weg.


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Bild 15: Die Dampfwolke ist noch ausbaufähig, aber ansonsten entspricht das genau unseren Vorstellungen.


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Bild 16: Jetzt könnt ihr euch auch denken, wie auch den Beitragstitel kam.


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Bild 17: Holzschwellenstapel wie im Vordergrund findet man in dieser Stelle einige. Sie wurden von Eisenbahnfotografen zusammengebaut, um einen erhöhten Standpunkt zu haben. Die Minenpolizei macht sie dann zwar von Zeit zu Zeit immer wieder kaputt, aber sie schießen dann wieder schnell aus dem Boden.



Da uns die Stelle, die Farben und das Licht so gut gefielen, beschlossen wir auch den folgenden Zug an der fast identischen Stelle abzulichten.

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Bild 18: Mit einer großen Rauchwolke kündigt sich JS8197 an. Die Temperaturen sind schon so hoch, dass die Luft flirrt und Teleaufnahmen eigentlich keinen Sinn mehr machen.


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Bild 19: Da hat der Heizer aber ordentlich aufgelegt. Wir befinden uns im alten Teil des Tagebaus, der bereits teilweise mit Abraum aus den neueren Teilen aufgefüllt wurde. Man kann noch ganz gut den Verlauf der Abraumgleise links erkennen. Die Verfärbungen stammen größtenteils von Schlacken, die man hier einfach den Hang hinuntergekippt hat.


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Bild 20: Das Doppel JS8167 und 8197 hatten wir in diesem Urlaub ja auch schon öfters. Die beiden passen nicht nur nummerntechnisch zusammen.


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Bild 21: Besser wird es heute wohl nicht mehr werden.


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Bild 22: Schwer stampfend und keuchend zieht JS8197 ihre angehängte Last aus dem Tagebau heraus..


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Bild 23: Vor der nun folgenden Kurve macht der Lokführer den Regler leider zu.


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Bild 24: Jetzt kann sich auch JS8167 auf den Weg in das nun freie Ladegleis machen.



Der Rest der Reisegruppe wollte nun unbedingt zurück an die Kurve. Darauf hatte ich zwar keine Lust, da aber ich und Jun an den letzten beiden Tagen weitgehend das Programm diktiert hatten, fügten wir uns und wanderten zurück zur Kurve, zumal am Bahnhof 82 der Pick-Up mit dem bipolaren Mineningenieur zu sehen war. Also lieber gleich freiwillig den Rückzug antreten.

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Bild 25: An der fast genau gleichen Stelle wie am Morgen begegnete uns wieder JS8190.


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Bild 26: Mittlerweile ist es so warm, dass es gar keine Dampfwolke mehr zu sehen gibt.


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Bild 27: Da ich mich für die Kurve nicht so richtig begeistern kann, fertigte ich während der Wartezeit auf den nächsten Zug eine 180°-Panoramaaufnahme der Kurve, die ich dann zuhause am PC zusammengesetzt habe.


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Bild 28: Als nächstes kam JS8167 mit ihrem Kohlenzug aus der Verladeanlage gedampft. Um die riesigen Dimensionen des Tagebaus darzustellen, habe ich mal ein sehr weitwinkliges Motiv gewählt. Man sieht hier ganz gut, wie der alte Teil des Tagebaus teilweise mit Abraum wieder aufgefüllt wurde.


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Bild 29: Dank des Schlonzes kann man sogar zur Mittagszeit in der Kurve ganz nette Aufnahmen machen.


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Bild 30: Aber ohne Dampfwolke macht das nicht so viel Spaß.



Damit war auch schon wieder die Mittagspause erreicht und wir zogen uns in unser uigurisches Stammlokal zurück, wo noch ein paar Aufnahmen ohne Eisenbahnbezug entstanden.

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Bild 31: Die Moschee in der Nähe unseres Stammlokals. Es ist neben der Moschee in Alt-Sandaoling/Nanqan, die ihr im nächsten Bericht zu sehen bekommt, inzwischen die einzige größere Moschee in Sandaoling. Ein Jahr später war übrigens eine große Überwachungskamera über dem Eingang installiert. Wenn einen die Überwachungskamera oft genug filmt, bekommt man einen „Ausbildungsplatz“ in einem der zahlreichen „Ausbildungszentren“ der Regionalregierung. Der Mann rechts neben dem Eingang verkauft übrigens irgendwelche Wundermittelchen.


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Bild 32: Der Blick der beiden Han-Chinesen spricht Bände. Dieser Schnappschuss an einem Stand direkt neben unserem Stammlokal ist für mich eines eindrücklichsten Bilder aus Sandaoling, auch wenn kein bisschen Eisenbahn darauf zu sehen ist.


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Bild 33: Eine weitere Straßenszene nahe unserem Stammlokal. Hinter der Backsteinmauer befindet sich der eigentliche Markt. Mit Reisegruppen kam man da nur schwer rein, 2019 gelangte ich im Schlepptau von zwei jungen chinesischen Eisenbahnfotografen dann mal hinein. War allerdings sehr enttäuschend, keinerlei Basar-Atmosphäre, stattdessen gab es nur han-chinesische Händler und es sah nicht anders aus wie in einem Markt in Peking.



Damit endet auch schon wieder dieser Beitrag. Abgesehen von der schön eingefärbten Stelle vor dem Bahnhof 82 war die Ausbeute äußerst mager. Ob es am Nachmittag wohl besser wird? Das Wetter macht einem jedenfalls nicht allzu viel Hoffnung.




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2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2021:05:20:10:45:50.
mager? Mir gefiel die Farbenpracht und auch der Panoramablick!

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