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Von Irkutsk bis Wladiwostok

Teil 1/6: Irkutsk und seine Straßenbahn
Teil 2/6: Baikalbahn und Listwjanka
Teil 3/6: Ulan-Ude, Hauptstadt Burjatiens
Teil 4/6: Sowjet-Architektur in Tschita
Teil 5/6: hier


Hallo zusammen,

nun geht es hier endlich mal weiter. Die vorletzte Station auf unserer Reise vom letzten Sommer war Chabarowsk. Die Stadt mit 616.000 Einwohnern liegt am Amur im Fernen Osten Russlands und ist vom 5000-Rubel-Schein her bekannt. Sie ist nur um die 60 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt, wirkt aber durch und durch europäisch. Das heutige Zentrum der gleichnamigen Region entstand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und so stammt gerade in der Innenstadt ein Großteil der Gebäude aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Später Klassizismus, Jugendstil und Konstruktivismus begegnen auf der Uliza Murawjowa-Amurskogo, der Hauptflaniermeile der Stadt. Als wir dort waren, war es hochsommerlich heiß und so schwül, dass die Wäsche nicht trocknen wollte.

Das hielt mich aber nicht davon ab, bei feuchtwarmem Wetter auf Straßenbahnjagd zu gehen. Denn was Chabarowsk für den Tramfan besonders interessant macht, sind die RVZ-6 aus Riga, von denen es hier noch so viele gibt wie nirgends sonst in Russland. Auch ansonsten bietet das recht überschaubare Netz interessante Fahrzeuge: KTM-5, KTM-8, KMT-23, LM-99AVN und einen LM-99K, dazu alles in den wildesten Lackierungsvarianten. Es gibt ganze drei Linien. Die 1 führt vom Bahnhof weit in den Süden parallel zum Amur. Die 2 folgt zunächst der 1, zweigt dann jedoch zur Bahnstation Ruberoidnyj Sawod ab. Die 5 bedient die nördlichen Vororte.

Und noch etwas Politik: Chabarowsk war bis 2018 Hauptstadt des Föderationskreises Fernost. Damals verlegte Präsident Wladimir Putin per Dekret den Sitz der Kreisverwaltung nach Wladiwostok. Das werteten viele als Antwort darauf, dass kurz zuvor bei den Gouverneurswahlen in der Region Chabarowsk der LDPR-Kandidat Sergej Furgal gewonnen hatte, während der Kandidat der Regierungspartei Einiges Russland unterlag. Im vergangenen Sommer, also gerade zu der Zeit, als wir dort waren, war Chabarowsk wegen Massenprotesten weltweit in den Medien. Der Auslöser: eben jener Sergej Furgal war verhaftet worden. Ihm wird vorgeworfen, zu seiner Zeit als Geschäftsmann in Auftragsmorde verwickelt gewesen zu sein. Die Demonstranten forderten vor allem, Sergej Furgal vor ein regionales Gericht zu stellen, anstatt ihn nach Moskau zu bringen, wo er bis heute in Haft sitzt. Auch wenn viele es für denkbar halten, dass die Vorwürfe stimmen, sehen sie die Verhaftung als politisch motiviert an: Die Ergebnisse bei der kurz zuvor abgehaltenen Volksabstimmung über die Verfassungsänderungen entsprachen in der Region nicht den Vorstellungen der Moskauer Regierung.

Bis wir jedoch in die russische Protesthauptstadt 2020 kommen, vergehen noch 42 Stunden Zugfahrt. Wir erinnern uns: Wir waren am Abend des 11. Juli in Tschita in den Zug 100EA Moskau–Wladiwostok gestiegen und hatten noch einen Halt in Karymskoje eingelegt.

12.07.2020: Ein Tag im Zug

So ein kompletter Tag im Zug wird ja vor allem durch die längeren Zwischenhalte gegliedert. Besonders lange waren da allerdings auf der Strecke nicht zu erwarten und viele waren es zudem auch nicht.

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Der erste war am Morgen um viertel vor 9 das Städtchen Mogotscha. Meine Freundin schlief noch, ich sprang kurz raus. Die 15 Minuten reichten gerade, ein Eis zu kaufen und noch ein Foto zu machen. Wenn man fünf Minuten vor Abfahrt nicht wieder am Wagen ist, wird das Personal ja schnell unruhig. Wie man sieht, wurde über Nacht die Zuglok getauscht, eine EP1 gegen eine andere.

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Um halb 11 folgten 18 Minuten Halt in Amasar. Meine Freundin schlief immer noch. Hier war schon deutlich mehr los und es gab ein ordentliches Angebot an Speisen auf dem Bahnsteig. Ich kaufte ein paar Piroschki und Krautsalat. Und wieder ab in den Waggon. In unserem Kupe war eine junge Frau mit ihrem kleinen Kind, das den ganzen Tag auf dem Tablet ein Video schaute. Ich hab das Lied vom „Sinnij Traktor“ bis heute im Ohr. Falls jemand ein Bisschen Russisch lernen will. :-D Es geht um einen Traktor, der im Laden Geschenke für seine Freunde, den Bulldozer und den Bagger etc. kaufen will. Mit extremem Suchtfaktor.

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Nach weiteren zwei Stunden war Jerofej Pawlowitsch erreicht. Die Frau und der Junge stiegen aus, geboten war hier außer den eigenwilligen Empfangsgebäude und einer Denkmallok nicht viel.

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Nun war für eine Weile Schluss mit lustig, der nächste längere Halt sollte erst am späten Nachmittag sein.

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Das war dann Skoworodino, wo gerade Bauarbeiten stattfanden.

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Der letzte nennenswerte Halt war dann am Abend in Magdagatschi, wo Zeit genug war, um die Lebensmittelvorräte etwas aufzustocken.

https://ufoportglufenteich.de/wp-content/uploads/2021/04/2020-07-05-07-Magdagatschi.jpg

Die Zuglok war noch immer die gleiche.

13.07.2020

Bis zur Ankunft in Chabarowsk sollte aber nochmal mehr als ein halber Tag vergehen, als ich morgens gegen 8 Uhr aufwachte. Die Landschaft war mittlerweile bergiger geworden. Wir befanden uns nun in der Jüdischen Autonomen Oblast, kurz vor dem Bahnhof Oblutsche.

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Dessen Empfangsgebäude ist hier zu sehen. Für eine Einkaufstour reichte die Zeit leider nicht.

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Das galt leider auch für die Oblasthauptstadt Birobidschan, die gegen 13 Uhr erreicht wurde. Hier standen nur neun Minuten Aufenthalt im Plan. Der nächste Souvenirstand war leider zu weit weg, um sich einen Magneten zu kaufen. Also blieb es bei einem Foto der Elektritschka. Hätte ich den Zug verpasst, mit der wäre ich auch nach Chabarowsk gekommen.

Um 15:32 kamen wir schließlich an. Nach fast zwei Tagen kompletter Tatenlosigkeit war das Zusammenpacken plötzlich der reinste Stress. Zum Glück hatte der Zug hier über eine Stunde Aufenthalt, sonst hätte ich wohl meine Hose samt Geldbeutel in dem praktischen Fach hinter der Kopfstütze vergessen. Ein Foto von einer EP-1 am Hausbahnsteig gibt es dann am Ende des Beitrags. Die Bilder sind beinahe identisch.

Unser Hotel MilSon war bequem mit der Straßenbahn zu erreichen. Also nichts wie los zum Bahnhofsvorplatz.

https://ufoportglufenteich.de/wp-content/uploads/2021/04/2020-07-05-10-Chabarowsk.jpg

Als hätte man ihn bestellt, kam direkt ein RVZ-6 um die Ecke. Allerdings brauchten wir die Linie 1 und nicht die 5. Da kam ein KTM-23.

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Kaum waren wir an der Uliza Lenina ausgestiegen, ging es direkt weiter. Aus Richtung Süden kam dieses pink-gelbe Exemplar daher. Das ging ja gut los!

Nach dem Einchecken und einer Dusche entschied ich mich dazu, eines meiner Spezial-Anliegen gleich in die Tat umzusetzen. Während die Linie 1 und 5 in relativ dichtem Takt verkehren, gibt es auf der Linie 2 nur ein paar einzelne Fahrten am Morgen und am späten Nachmittag. Und gerade die hat einen recht hübschen Abschnitt mit dörflichem Charakter. Es passte zeitlich ganz gut, den Kurs gegen 16:45 in Richtung Ruberoidnyj Sawod zu nehmen, an einer passenden Stelle auszusteigen und den Wagen dann auf der Rückfahrt zu fotografieren.

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Ich hatte die geplante Haltestelle verschlafen bzw. überhaupt nicht als solche erkannt, denn dort wird nur bei Bedarf gehalten. Daher stieg ich erst an der vorletzten Haltestelle 5-ja Ploschtschadka aus. Dort gelang mir noch schnell ein Foto. Dann blieb jedoch wenig Zeit für die Suche nach einer Stelle, da der Wagen ja schon bald wieder zurückkehren sollte.

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Optimal war es nicht, als ich den KTM-5 schon wieder heranfahren hörte, aber auch nicht ganz schlecht. Wirklich schade, dass auf diesem schönen Abschnitt so wenig fährt. Zurück zur Hauptstecke, auf der die Linie 1 verkehrt, ging es dann zu Fuß.

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Dort kam schon wieder ein RVZ-6 des Wegs – und wieder in einer anderen Lackierung.

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Zurück beim Hotel, machte ich noch ein Foto von diesem Bürogebäude an der Uliza Scheronowa. Die Straße führt hier auf und ab und hast fast ein wenig San-Francisco-Feeling.

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Hier einer der KTM-23, die es in rot und in orange gibt.

Abends zogen wir ein wenig durch die Stadt. Am Ploschtschad Lenina vor dem Regierungsgebäude hatte sich in den Seitenstraßen Einheiten der Sonderpolizei OMON zusammengezogen, es war jedoch ruhig. Die Demos hatten ja vor allem an den Wochenenden stattgefunden. An der Flusspromenade war es wegen der Stechmücken kaum auszuhalten. Auf dem Weg zurück entdeckten wir ein nettes tschechisches Lokal mit Sitzgelegenheiten auf der Straße, wo wir dann den Rest des Abends verbrachten.

14.07.2020: Auf dem Zentralen Markt und an der Linie 5

Am Dienstag stand ich früh auf, um ein paar Straßenbahnfotos zu machen. Es hatte über Nacht ziemlich zugezogen.

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Am Amurskij Bulwar begegnete mir der einzige LM-99K der Chabarowsker Straßenbahn. Die Wagen aus Petersburger Produktion wurden bis vergangenes Jahr auch noch in Moskau eingesetzt. Der Bulwar ist fast mehr ein Parkstreifen mit zwei Fahrspuren als eine Straße und zieht sich vom Amur bis zum Bahnhof. Auf der oberen Hälfte verlaufen zudem Straßenbahngleise darauf, ein herrlicher Ort.

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Auf dem Weg Richtung Bahnhof begegnete mir ein weiteres Petersburger Fabrikat, ein LM-99AVN. Wegen ihrer Form werden sie in Petersburg „Biene“ genannt. Ich bin ein ziemlicher Fan der obskuren Wagen, die schon eine ziemliche Rarität darstellen. Während es in St. Petersburg noch ziemlich viele davon gibt, hat Chabarowsk aktuell noch drei im Einsatzbestand, Osinniki einen.

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Da kam auch schon der nächste angefahren. Diese Lackierung ist einfach der Hammer!

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Als nächstes folgte ein RVZ-6, dieses Mal in gelb-lila.

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Aus der Wendeschleife am Bahnhof kam der KTM-5, mit dem ich am Vortag unterwegs gewesen war, dahinter der vom vorigen Foto bekannte RVZ-6.

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Keiner gleicht dem anderen: ein RVZ-6 in orange-beige an der Uliza Murawjowa-Amurskogo.

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Nach dieser Morgenrunde gingen wir erstmal zum Ploschtschad Lenina.

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Am Regierungsgebäude der Region war es ruhig.

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Nächstes Ziel war der Markt, der mit mit seinem Bau der Sowjetmoderne besonders gefiel. Auch das Angebot an Fisch war beeindruckend.

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Hier noch einmal der Bau von der Straßenseite.

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Danach schauten wir uns den Sewernij Park an, wohin wir mit der Straßenbahnlinie 5 fuhren. Diesen KTM-5 erwischten wir nicht mehr, aufgenommen auf dem Amurskij Bulwar.

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Kurz darauf kam wieder die Biene mit der Nummer 105 an, mit der wir dann auch mitgefahren sind, ...

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... nachdem sie die Wendeschleife durchfahren hatte. Es kam sogar die Sonne raus.

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Vom Park habe ich leider nur ein Handyfoto. Ich musste etwas den Akku der Kamera schonen, da ich vergessen hatte, die Ersatzakkus zu laden. Nun wollten wir uns die berühmte Amur-Brücke anschauen und machten uns zu Fuß auf den Weg dorthin.

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Leider konnte man von dem Ort, an dem wir waren, nicht wirklich gute Fotos machen. Dafür gibt ein ein Foto der Stele, die die Autofahrer begrüßt, wenn sie die Doppelstockbrücke verlassen. Ein Security verriet uns noch den Weg zu einem guten Aussichtspunkt. Da die Brücke aber sowieso im Gegenlicht stand, zog ich es dann vor, einige Straßenbahnfotos zu machen. Also stiegen wir nach einer kurzen Marschrutka-Fahrt wieder in die Linie 5. Meine Freundin fuhr nochmal zum Markt, ich stieg unterwegs aus.

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Diese schöne Stele des Kirowskij Rajon half mir bei der Wahl der Haltestelle.

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Dieses Foto entstand an der Tichookeanskaja Uliza. Lila-hellblau-türkis-weiß – auf diese Farbgebung muss man erstmal kommen. Mir gefällt's.

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Kurz darauf folgt ein kleiner Wald- und Wiesenabschnitt, wo mir wieder Wagen 102 mit seiner nicht weniger extravaganten Lackierung begegnete.

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Es folgte ein KTM-5 im Sonderoutfit zum 75. Jahrestag des Kriegsendes.

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Mit dem nächsten Wagen, dem einzigen KTM-8, der mir begegnet war, fuhr ich ein Stück und stieg an der Sowjetskaja Uliza wieder aus. Hier ein Foto des folgenden Fahrzeugs. Bei dem Ständchen am rechten Bildrand holte ich mir erstmal einen Becher Kwas zur Erfrischung.

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Wir sind schon wieder recht nah beim Bahnhof und so dauerte es nicht lange, bis der gelb-grüne KTM-8 zurück kam.

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Hier nochmal der schon bekannte KTM-5 in türkis-lila.

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Als dieses Farbexperiment ums Eck kam, hatte sich die Sonne leider wieder verzogen.

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Wir trafen uns beim Markt wieder und schauten nochmal beim Ploschtschad Lenina vorbei. Dort hatten sich mittlerweile einige Demonstranten versammelt. Die mit dem Plakat („Putin ist ein Dieb, Furgal gehört uns“) wurden recht schnell von Sicherheitskräften eingesammelt.

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Hier noch einmal die San-Francisco-Stelle an der Uliza Scheronowa.

Am Abend zogen wir nochmal durch die Stadt, auch dem tschechischen Lokal wurde ein weiterer Besuch abgestattet. Auf den Straßen hatte sich mittlerweile ein Autokorso gebildet und es ertönte ein gigantisches Hupkonzert. Am Ploschtschad Lenina versammelten sich einige hundert Leute, die von den Beamten aufgefordert wurden, den Platz zu verlassen. Aber es blieb insgesamt ruhig, im Vergleich zu Moskau wurden ja hier eine eher deeskalierende Strategie gefahren.

15.07.2020: Ein Hefeweizen auf dem Amur

Am nächsten Morgen machte ich wieder eine Fotorunde, bevor es den auf dem Markt gekauften Kaviar zum Frühstück hab. Die Wolken hatten sich verzogen und es war herrliches Fotowetter.

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Hier noch eine Ansicht des Ploschtschad Lenina von der anderen Seite. Von dem Steg aus hatten wir am Abend zuvor das Demo-Geschehen verfolgt.

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Als erstes begegnete mir die dritte Biene, die 106. Und wieder eine andere Lackierung!

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Diesen bunten Kollegen kennen wir schon vom Vortag. Er biegt hier gerade in die Wendeschleife am Bahnhof ein. Das Flair hier erinnerte mich direkt an eine Parkeisenbahn.

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Es folgte der orange-beige RVZ-6.

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Sein lila-gelber Artgenosse wurde auch noch einmal eingefangen.

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Auf der Uliza Murawjowa-Amurskogo musste dann auch mal ein Trolleybusfoto sein.

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Auf dem Weg zurück ins Hotel begegnete mir noch einmal der türkis-lila-weiße RVZ-6, mein Favorit unter den Oldtimern.

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Doch auch die jüngste Fahrzeuggeneration soll nicht zu kurz kommen: ein KTM-23 auf der Uliza Scheronowa.

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Nach dem Frühstück ging es dann nochmal in die Innenstadt, hier das 1907 bis 1909 erbaute Gebäude der Stadtduma an der Uliza Murawjowa-Amurskogo.

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Und noch das Gebäude der Regionalduma.

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An der Strandpromenade.

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Mit diesem Ausflugsboot machten wir noch eine kleine Rundfahrt auf dem Amur. An Bord gab es Chabarowsker Hefeweizen der Brauerei Altunin, das nicht zu verachten ist.

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So bot sich auch mal der Blick von der Flussseite auf die Stadt, hier mit der 2002 erbauten Himmelfahrtskathedrale, ...

https://ufoportglufenteich.de/wp-content/uploads/2021/04/2020-07-05-55-Chabarowsk.jpg

... sowie auf die Klippe mit dem Denkmal für Nikolaj Murawjow-Amurskij, das von der 5000-Rubel-Note bekannt ist. Der Militär aus dem 19. Jahrhundert spielt eine tragende Rolle bei der Erschließung des Fernen Ostens Russlands. Nach der Revolution wurde die Statue demontiert und durch Lenin ersetzt. Sie blieb jedoch erhalten und wurde nach der Restaurierung 2003 wieder hier aufgestellt. Das Boot fuhr bis zur Amurbrücke und machte dann kehrt.

https://ufoportglufenteich.de/wp-content/uploads/2021/04/2020-07-05-56-Chabarowsk.jpg

An der Promenade befindet sich ein Denkmal für die Soldaten, die 1858 hier einen Beobachtungsposten errichteten, aus dem später die Stadt hervorging.

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Auf dem Rückweg musste ich noch über diesen Werkzeugladen schmunzeln.

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Einfach herrlich. Nun ging es zum Hotel, um die Sachen zu holen (die zwei Tage zuvor gewaschene Wäsche war wirklich immer noch feucht) und dann zum Bahnhof.

https://ufoportglufenteich.de/wp-content/uploads/2021/04/2020-07-05-59-Chabarowsk.jpg

Weiter ging es nun mit dem Zug 352JA von Sowjetskaja Gawan nach Wladiwostok, dem Endpunkt der Reise.

Bis dann und schöne Grüße
Jiří





3-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.04.21 02:45.
VT 410 schrieb:
12.07.2021: Ein Tag im Zug
Darf ich mir deine Zeitmaschine mal bitte ausborgen? ;)

Aber sehr schöne Fotos! Danke fürs Mitnehmen.
Super! Danke auch für die Arbeit solche Details zu beschreiben.
tmmd schrieb:
VT 410 schrieb:
12.07.2021: Ein Tag im Zug
Darf ich mir deine Zeitmaschine mal bitte ausborgen? ;)
Zeitmaschine entschärft. :)

Faszinierend. Mit welchen Geschwindigkeit faht man Uliza Scheronowa herunter?

mfG aus Asd (AMS), Robert

RVZ 6

geschrieben von: Der Zeuge Desiros

Datum: 25.04.21 20:21

Hallo VT 410,

diese RVT-6 sehen aus, als wären sie sehr schwer, sehr träge und würden eine Unmenge Strom verbrauchen... Heavy Metal auf der Straße. Gibt es auch Bilder, wie die Teile von innen aussehen?

Danke für´s Mitnehmen in diese unbekannte Großstadt ganz, ganz weit weg.

Heiko

Urlaub nur im eigenen Bundesland?
Viele Grüße nach Bremen! Und die Hamburger fahren alle auf ihre Insel Neuwerk.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.04.21 20:21.

Re: RVZ 6

geschrieben von: VT 410

Datum: 25.04.21 20:41

Hallo Heiko,

ein Handyfoto aus Chabarowsk kann ich bieten:

https://ufoportglufenteich.de/wp-content/uploads/2021/04/rvz6-innen.jpg

Man ist dort offenbar bei der Farbgebung im Inneren so kreativ wie von außen.

Eine Foto der Fahrerkabine habe ich noch aus Osinniki, vom vergangenen Oktober:

https://ufoportglufenteich.de/wp-content/uploads/2021/04/rvz6-fahrerkabine.jpg

Die Kübel sind übrigens gar nicht so alt, wie sie aussehen. Die wurden bis tief in die 1980er gebaut, im Design der 1960er.

Schöne Grüße
Jiří

robert55 schrieb:
Faszinierend. Mit welchen Geschwindigkeit faht man Uliza Scheronowa herunter?
Hallo Robert, es geht schon recht flott den Berg runter, hier bei 3:35 etwa kann man es sehen:

[www.youtube.com]

Schöne Grüße
Jiří

Danke!

geschrieben von: Der Zeuge Desiros

Datum: 25.04.21 23:17

Whow,

rustikal, rustikal! Danke dafür!

"Die Kübel sind übrigens gar nicht so alt, wie sie aussehen. Die wurden bis tief in die 1980er gebaut"
Krass! Ich hätte die mit spätestem Baujahr irgendwann Ende der 1960er vermutet. Wenn man sich anschaut, was "im Westen" in den 1980ern oder - zum Beispiel für Hannover - sogar schon in den frühen 1970ern für Straßenbahnen entstanden, dann liegen zwischen diesen Altersgenossen gefühlt mehrere Jahrzehnte.

Viele Grüße

Heiko

Urlaub nur im eigenen Bundesland?
Viele Grüße nach Bremen! Und die Hamburger fahren alle auf ihre Insel Neuwerk.




3-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.04.21 23:20.
Hallo Jiří,

sehr heiss, das Foto von der Uliza Scheronowa. :-) Und auch sonst eine Stadt, der man definitiv mal mehr Zeit widmen müsste. Ich bin bisher nur zweimal auf dem Hausbahnsteig gestanden, einmal an einem eisigen Februar-Morgen mit tonnenweise Schnee (2015), das letzte Mal in einer schwülwarmen Nacht im Sommer 2019.

Spannung steigt, was ihr in Wladiwostok so erlebt habt. Immer interessant, Reiseerfahrungen zu vergleichen, wenn man selbst vor nicht allzu langer Zeit am selben Ort zugange war.

Viele Grüsse,

Ralph.

da bin ich wieder gerne mitgekommen, Jiri. Herzlichen Dank.

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(

Unterschiedliche Reiseerfahrungen

geschrieben von: schoki41

Datum: 30.04.21 21:02

Hallo Jiri,
danke für deinen Bericht. Ich habe meine Tage in Chabarowsk ja vor allem bei meinem Couchsurfing-Host verbracht und konnte nur sehr wenige RVZ-6 fotografieren - die sonstigen Aktionen waren aber auch nicht zu verachten!

Ich sollte meine Reiseberichte einmal weiterführen...

schoki41

Straßenbahn = keine Zukunft

geschrieben von: cinéma

Datum: 03.05.21 05:31

Eine schöne Reportage, die zeigt, dass in vielen russischen Großstädten die Straßenbahn keine Zukunft haben wird. Wer will sich im Jahr 2021 allen Ernstes in solche Mülleimer setzen?

Re: Straßenbahn = keine Zukunft

geschrieben von: Punkt

Datum: 03.05.21 07:37

Woran machst Du Deine Mülleimererkenntnis fest?

Re: Straßenbahn = keine Zukunft

geschrieben von: VT 410

Datum: 03.05.21 16:55

Viel wichtiger als die Fahrzeuge sind meines Erachtens Faktoren wie Preis, Geschwindigkeit, Taktfrequenz und Verlässlichkeit. Dreckig war keiner der Wagen innen und was in vielen Städten so als Marschrutka unterwegs ist, entspricht auch nicht gerade dem, was man sich in Mitteleuropa unter modernem ÖPNV vorstellt. Mal abgesehen von Krasnoturjinsk hab ich bislang noch keine russische Straßenbahn erlebt, der es an Fahrgästen gemangelt hätte.

Re: Danke!

geschrieben von: Straphan

Datum: 04.05.21 15:54

Wikipedia Link

Die Fahrzeuge wurden von 1960 bis 1987 gebaut.

Viele Gruesse,

Karol Tyszka
Mitglied im Posener Schienenfahrzeugklub
(Wohnhaft zu London)