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Hallo zusammen!

Wir fahren weiter durch Sri Lanka und machen heute die Bereisung der Main Line komplett. Unterwegs halten wir noch ein paar Mal an und lernen dabei auch den absoluten Foto-Hotspot Sri Lankas kennen.

Die bisherigen Reiseetappen können hier noch einmal nachgelesen werden:

Teil 1: Kennenlernen in Colombo
Teil 2: Einmal Galle und zurück
Teil 3: Im Land der Formsignale
Teil 4: Eine heiße Zugfahrt
Teil 5: Tea Time im Hill Country



Dienstag, 29. Januar 2019

Wenn's am schönsten ist, soll man bekanntlich gehen. Leider ist unser Zeitplan eng und wir müssen uns heute morgen aus dem Train View verabschieden. Vorher gibt es aber noch einmal Frühstück und wieder ganz authentisch: String Hoppers, lange dünne Nudeln aus Reismehl, die mit Sambol oder einem Curry gegessen werden. Satt und glücklich packen wir nach einer großen Portion unsere Rucksäcke, sagen unserem Wirt „Newatha Hamuvemu!“ und lassen uns von einem Tuk-Tuk zum Bahnhof fahren. Wir wollen heute weiter in Richtung Osten fahren, über den höchsten Streckenabschnitt der Main Line bis nach Ella, dem touristischen Zentrum des Hochlandes. Das machen wir stilecht mit dem Mixed. Und durch den Rangierhalt im Bahnhof haben wir vorher sogar noch Zeit für ein Foto in der Einfahrt und am Bahnsteig.

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Das Train View in Nanu Oya. Die Freundlichkeit der Lok ist Programm und wir können das Haus uneingeschränkt für zukünftige Sri Lanka-Reisende empfehlen. Die Ortsangabe „Edinburgh“ bezieht sich auf den Stadtteil von Nanu Oya und nicht auf die Stadt in Schottland.

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Für die Einfahrt des Mixed postieren wir uns an einer Brücke kurz vor dem Bahnhof, auf der die Bahn den der Stadt ihren Namen gebenden Fluss überquert. Und genauso pünktlich wie gestern kommt auch heute die M6 mit ihren paar Wägelchen angefahren.

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Am Bahnsteig wartet der Zug auf die Weiterfahrt nach Badulla. Die Zusammenstellung ist die gleiche wie gestern, nur der anrangierte Flachwagen fehlt. Manchmal hat der Zug auch Kesselwagen dabei, so wie in dem von Tom (kbs790.6) an Teil 3 angehängten Bild zu sehen.

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Am Bahnhof ist groß das Wappen der Sri Lanka Railways angebracht. Sri Lanka erkennt man auf den ersten Blick, die dahinterstehende Bahn eher nicht.

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Auch den Abfahrtsplan im Schalterraum schauen wir uns noch einmal an. Die traditionelle Holztafel ist hier bereits mit den Möglichkeiten des modernen Computerdrucks kombiniert. Recht übersichtlich (und wiederholend) ist der Plan aber trotzdem.

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Vor der Abfahrt unseres Zuges kommt wieder der S12 nach Colombo und wir machen noch ein Foto in der Einfahrt. Vielleicht nicht die beste Entscheidung...

Der bescheidene Fahrplan offenbart uns jetzt seine Tücken. Will man nach Ella oder Badulla weiterfahren, geht das entweder mit dem Mixed am Morgen oder erst wieder mit einem der Züge aus Colombo am Nachmittag. Wir wollen natürlich gleich am Morgen weiter und gefühlt alle anderen Touristen aus der Umgebung wollen das auch. Der Mixed ist mit seinen 2½ Wagen auf eine derartige Nachfrage aber nicht ausgelegt und deshalb hoffnungslos überfüllt. Wir sind durch das Fotografieren am Bahnsteig die letzten und müssen nun schauen, irgendwie noch einen Platz zu bekommen. Ein Reinkommen in den Zug ist unmöglich, die Türbereiche sind bereits voll, die Durchgänge durch auf ihrem Gepäck sitzende Touristen versperrt und ein besonders freundliches Exemplar ist der Meinung, dass wir zu spät waren und deshalb im Zug nichts zu suchen haben. Mit ein wenig Drängeln und in die Lücken quetschen gelingt es uns aber, doch noch auf den Zug zu kommen. Ich stehe mit schwerem Rucksack auf dem Rücken und in wenig natürlicher Haltung im Türbereich, stets im Kampf mit dem freundlichen Mitmenschen um jeden Zentimeter, für Thomas gibt es einen „Foot Board Ride“. Blick auf die Strecke habe ich Null und das wir bei Pattipola den höchsten Punkt der Strecke mit dem Marker „1898 Meter above mean sea level“ überfahren, das geht völlig an mit vorbei. Zumindest landschaftlich verpasse ich aber nicht so viel, führt die Strecke nach den späteren Erzählungen von Thomas doch hauptsächlich durch Wald. Aber dennoch, ich freue mich über jede Minute, die vorübergeht.

In Idalgashinna steht wieder eine Kreuzung mit einem Zug nach Colombo an. Der Bahnhof liegt spektakulär auf einem Bergrücken, bietet verschiedene Fotomöglichkeiten und die Sonne scheint – also unterbrechen wir die Fahrt hier spontan bis zum Nachmittag und verschaffen uns etwas Frischluft und Entspannung.

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Wir haben den Mixed verlassen und lassen ihn nach der Kreuzung allein nach Badulla weiterfahren. An der mittleren Tür des ersten Wagens ist der Zug jetzt etwas leerer.

Danach haben wir viel Zeit, der nächste Zug erreicht den Bahnhof erst am Mittag. Nach einem ersten Auskundschaften der Fotostellen setzen wir uns auf einen Aussichtsfelsen an einem Weg. Der Weg führt zu einem größeren, für die örtlichen Verhältnisse recht mondän wirkendem Haus. Nach einer Weile kommt von dort ein Frau auf uns zu. Man hat uns im Haus schon länger beobachtet und möchte uns einladen, auf die Terrasse zu kommen. So viel Freundlichkeit lehnen wir natürlich nicht ab und so sitzen wir ein paar Minuten später bei Ceylon-Tee, frischem Obst und Gebäck und haben einen Panoramablick über halb Sri Lanka. Auch der Hausbesitzer stellt sich vor, er ist Polizeibeamter aus Kandy und nutzt es als Ferienhaus. Wir unterhalten uns eine Weile über Dies und Das bis wir uns wieder verabschieden und zu unserer Fotostelle müssen.

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Unser Ausblick von der Panoramaterrasse.

Der Bergrücken, auf dem wir befinden, ist für sein schlechtes Wetter bekannt. Häufig kommt es vor, dass von Nordosten die Wolken dagegendrücken und ihn in dichtem Nebel verschwinden lassen, während in den Tälern im Süden die Sonne scheint. Von Nebel ist heute aber keine Spur, zwar bilden sich an den Berggipfeln und mitunter sogar fast neben uns immer wieder Quellwolken, aber wir und der Bahnhof haben konstant Sonne. So können wir ganz entspannt den beiden nächsten Zugfahrten entgegensehen.

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Pünktlich nach dem Mittag kommt der lokbespannte Zug aus Badulla. Entlang der Berge im Hintergrund hat er den Aufstieg zum Bahnhof bewältigt und entlässt jetzt eine ganze Reihe von Fahrgästen. Ein paar Kilometer hat er noch vor sich, dann ist er am höchsten Punkt der Strecke.

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Eine dreiviertel Stunde später und nach bereits acht Stunden Fahrzeit ist der Frühzug aus Colombo hier. Und auch er hält im Bahnhof, echte „Schnellzüge“ gibt es hier oben nicht mehr. Der etwas weitere Blick lässt erahnen, in welchem Umfeld der Bahnhof eigentlich liegt – links und rechts geht es jeweils bis zu 1000 m Meter tief bergab.

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Nach dem Stopp geht es für den S12 weiter hinab nach Haputale.

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Wir genießen aber noch ein wenig den Ausblick von unserem Aussichtsfelsen und schauen über das in Richtung Süden steil abfallende Hochland.

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Jenseits der Berge und der Küstenebenen könnte man theoretisch sogar das Meer sehen – zumindest, wenn das Wetter klar genug ist.

Der Mixed nach Kandy folgt dem Zug nach Colombo - entsprechend der Erkenntnisse von gestern - bereits im Abstand von etwa einer Stunde. Im Sinne der Gleichverteilung der wenigen Fahrten über den Tag fraglich, aber für uns praktisch, denn so können wir ihn vor unserer Weiterfahrt auch noch mitnehmen. Wir laufen vom Bahnhof ein Stück die Strecke hinein und kämpfen uns dann durch Gebüsch und über Baumstümpfe einen Hang hinauf.

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Kaum haben wir einen Standort mit freiem Blick gefunden und eine Quellwolke die Sonne wieder freigegeben, taucht der Zug auch schon auf. Er hält kurz am Bahnhof und kurvt dann weiter durch die Häuser von Idalgashinna in Richtung Scheitelpunkt. Das gelbe Gebäude rechts oben ist das Haus, auf dessen Terrasse wir ein paar Stunden zuvor gesessen haben.

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Haben wir vorhin gesehen, wie es rechts vom Bahnhof aussieht, können wir hier noch zur anderen Seite schauen. Die Strecke ist über den Berghang links im Hintergrund heraufgekommen und verläuft dort etwas unterhalb der durch die hellen Gebäude markierten Linie.

Bis zur Abfahrt des nächsten Zuges in Richtung Badulla vervollständigt ein Aufenthalt in einem kleinen Café eines Homestays etwas unterhalb der Bahn unser Nachmittagsprogramm. Hier oben könnte man sicher einen schönen Urlaub verbringen: es ist ruhig, die Menschen freuen sich noch über Touristen, die Landschaft ist schön und die Bahn direkt vor der Haustür. Aber mir wollen ja weiter nach Ella, schließlich „muss“ man das laut jedem Reiseführer gesehen haben.

Der zweite Triebwagen aus Colombo schaukelt uns von den Berggipfeln wieder hinab in die Täler. War die Fahrt am Morgen eher als Tortur einzustufen, so macht diese wieder richtig Freude. Der Zug ist nicht voll, die Gleislage schlecht und die Geschwindigkeit ganz ordentlich. Und natürlich sind die Türen wieder sperrangelweit geöffnet. Einige Touristen nutzen das für Akrobatik und (je nach persönlichem Mut mehr oder weniger) spektakuläre Fotos und Selfies auf den Trittbrettern. Dass die Sicherheit nicht zu kurz kommt, dafür ist natürlich gesorgt. Damit niemand von einer zuschlagenden Tür aus dem Zug gekickt werden kann, lassen sich diese im geöffneten Zustand einhaken. So werden wohl auch heute alle an ihrem Ziel ankommen.

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Die Strecke führt noch ein ganzes Stück weiter am Berghang entlang, später dann durch ein dicht besiedeltes Tal. Den spektakulärsten Abschnitt haben wir aber hinter uns gelassen.

Irgendwann sind wir da: Ella! Myriaden von Touris verlassen den Zug und der Ort besteht schon am Bahnhofsvorplatz nur aus Hotels. Eines davon wird unseres. Das Gepäck abgestellt, den Staub abgeduscht und ab auf die Meile. Dort sieht es so aus, wie wir uns das ausgemalt haben: ein Restaurant neben dem nächsten, zur Abwechslung gibt es Ayurveda oder allerlei Kitsch für Zuhause. Fast wie in einem Skiort, mit Sri Lanka hat es jedenfalls nix zu tun. Und in jedem zweiten Restaurant kann man bei Kochkursen seine Fähigkeiten in der Curryzubereitung erweitern. Wir überlassen das aber lieber einem Koch und sind uns einig: ein lustiger Ort für einen Abend, mehr muss dann aber nicht sein.


Mittwoch, 30. Januar 2019

Zum Pflichtprogramm einer jeden Sri Lanka-Reise gehört ein Aufstieg auf den Adam‘s Peak, den heiligen Pilgerberg des Landes. Über 2200 m ist er hoch, mit der Form einer Pyramide und nachts beleuchtet, um den Aufstieg im Dunkeln zu ermöglichen und zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu sein. Der richtige Adam‘s Peak befindet sich unweit von Hatton, wir haben ihn aus der Ferne gesehen, aber nicht weiter beachtet. Gut, dass Ella einen Ersatz hat: der „Little Adam‘s Peak“ ist der „Hauspilgerberg“ von Ella und zu erreichen ist er mit einem 45 min Spaziergang vom Ort aus.

Nach den relaxten letzten Tage darf es heute wieder etwas sportlicher sein. Um kurz nach 5 Uhr stehen wir auf, laufen ein Stück durch den noch schlafenden Ort, dann durch die Teeplantagen und während es bereits heller wird, auf einem kurzen Pfad zum Gipfel. Und tatsächlich: pünktlich zum Sonnenaufgang sind wir oben, zusammen mit ungefähr 10 anderen Touristen.

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Langsam erhebt sich die Sonne über den Horizont.

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Die Berggipfel liegen noch im morgendlichen Dunst.

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Gegenüber des Little Adam‘s Peak ist der Ella Rock und getrennt sind beide durch das Ella Gap, einen tiefen Taleinschnitt.

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Über dem Ort hängen noch Wolken, aber die Sonne kämpft sich langsam durch. Und wir sehen den Frühzug nach Colombo durch das Grün fahren.

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Rund um Ella gibt es zahlreiche solcher Hüttenunterkünfte. Und wer bei dieser eher gehobenen mit dem Hubschrauber ankommt, der findet sogar einen Landeplatz vor.

Nach einer halben Stunde ist der morgendliche Zauber vorbei und wir laufen den Berg wieder herunter. Für die Teepflückerinnen beginnt gerade der Arbeitstag, einige kommen uns auf dem Weg zu ihren Plantagen entgegen.

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In den Teeplantagen von Ella prallen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite das Touristen-Disneyland, auf der anderen Seite die Teepflückerinnen, meist ältere Frauen, die für wenige Euro am Tag schwere Arbeit verrichten. Und sich dabei auch noch von Touristen wie uns fotografieren lassen müssen.

Zurück im Hotel geht es erst einmal ans Frühstücksbuffet. Dann müssen wir uns wieder dem Zugverkehr zuwenden. Der Fahrplan ist zwar auch in Ella eher dünn, aber durchaus fotofreundlich. Am Morgen die erste Triebwagenfahrt nach Badulla, am Vormittag die zweite. Am Mittag ist schließlich die Peak Season mit drei lokbespannten Züge konzentriert innerhalb von einer Stunde. Am Nachmittag kann man den Tag ruhig mit einer weiteren Triebwagenfahrt ausklingen lassen – oder wie in unserem Fall weiterfahren.

In Ella gibt es natürlich das Highlight für Eisenbahnfreunde in diesem Land, die Nine Arches Bridge. Die Brücke ist so spektakulär, dass sie in jedem Reiseführer zu Sri Lanka erwähnt wird und jeder Besucher der Stadt einmal dort gewesen sein muss. Wer dazu den überall angebotenen Tuk-Tuk-Service nicht nutzen will, kann einfach den anderen Touristen den ausgetretenen Pfad entlang der Gleise folgen. (Aber Vorsicht, nicht jeder kennt den Fahrplan und die Züge haben schon so manchen überrascht!) Auch wir folgen einfach der Masse und stehen nach einer halben Stunde Fußweg schließlich staunend an der Brücke. Überall sind Menschen, die sich mit, auf oder über der Brücke fotografieren, quer über die Gleise legen oder den Flieger auf den Brüstungen machen. So interessant haben wir uns das definitiv nicht vorgestellt!

Da wir ja aber zum Züge fotografieren hier sind und laut unserer Fahrplankenntnis bald einer kommen sollte, gehen wir zu einem der Aussichtspunkte in den umliegenden Hügeln. Dort sind wir allerdings die letzten und die guten Plätze sind schon vergeben. Ein Pfad durch eine kleine Plantage etwas unterhalb bietet aber einen weiteren (und nicht schlechteren) Blick auf die Brücke, auch wenn wir dafür von den vorschriftsmäßig stehenden misstrauische Blicke ernten. Und dann heißt es warten, hoffen und genießen.

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Nix zu sehen von einem Zug, das bunte Treiben auf der Brücke geht weiter.

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Aber dann. Der Sicherungsposten räumt die Gleise und passt auf, dass niemand mehr die Brücke betritt. Im Hintergrund formiert sich derweil die Fotolinie. Gleich geht es los!

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Aus der Kurve kommt kurz darauf der Zug von Badulla nach Colombo angerauscht. Die Fotoapparate klicken und man spürt förmlich das Adrenalin und die Freude, wenn das Foto geglückt ist.

Na das war doch schon einmal ein echtes Highlight! Der Fahrplan sagt uns, dass als nächstes der Mixed aus Kandy kommt und nach Kreuzung im nächsten Bahnhof der Gegenzug. Wir wechseln also schnell auf die andere Seite der Brücke, während wieder fleißig Selfies, Landschaftspanoramen und Akrobatikfotos geschossen werden. Am Gegenhang ist das Finden einer guten Fotostelle aber gar nicht so einfach, das Bauland rund um die Brücke ist gut nachgefragt und so sind in letzter Zeit einige Hütten entstanden, die von den offiziellen Aussichtspunkten den Blick etwas einschränken. So wir müssen wir auch hier wieder improvisieren und dabei noch die Vegetation berücksichtigen, die für so eine wichtige Sehenswürdigkeit ziemlich ungepflegt ist. Schlussendlich bleibt nur ein Standpunkt auf einem steilen Hang, immer nahe am Abrutschen und in einer Position, die man eigentlich gern nach ein paar Minuten beenden möchte. Hoffen wir also, dass der Zug sich an unseren Fahrplan hält…

Natürlich tut er das nicht. Zehn Minuten nach der geplanten Durchfahrtszeit wird zwar die Brücke geräumt, aber ein Pfeifen aus der anderen Richtung signalisiert uns, dass wir hier auch gleich einen Nachschuss machen werden. Immerhin haben wir Hoffnung, dass der Zug nach Badulla in Ella bereits wartet und nun jeden Moment um die Ecke kommt. Aber denkste. Zehn Minuten später ist auf der Brücke wieder ungestörtes Treiben und auch sonst kein Anzeichen eines Zugs zu vernehmen. Nach dreißig Minuten sieht es nicht besser aus und nach einer Stunde auch nicht. Warum kommt der Zug denn heute so spät, gestern und vorgestern fuhr er doch schön pünktlich… Wir sind nahe am Aufgeben. Oder am Abrutschen, denn unser Standort am Hang wird nicht besser. Und oben am Kiosk hat die Kundschaft für einen Tee und einen Sri Lanka-Burger schon fünfmal gewechselt. Aber dann, in der Ferne vernehmen wir tatsächlich ein Tröten. Und kurz darauf auch die Pfeife des Posten auf der Brücke, der die Frühnachmittagsausflügler von den Gleisen scheucht. Ein paar Minuten später hören wir auch das tiefe Grummeln der Lok, und schließlich taucht der Zug aus dem Tunnel auf.

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Für den Mixed nach Kandy stand man heute auf der anderen Seite besser. Doppelt ärgerlich, da er sogar einen Kesselwagen dabei hat.

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Über eine Stunde später folgt schließlich der Zug nach Badulla. Ohne Kesselwagen, dafür aber wieder mit der M6 788 im IC-Design. Mittlerweile hat der Andrang an der Brücke etwas nachgelassen. Aber nur wer aushält, wird auch mit einem Foto belohnt!

Nachdem das überstanden ist, gönnen wir uns auch noch einen Tee und ein Sandwich im Kiosk und sinnen über das Gesehene nach. Brücken dieser Art gibt es in Deutschland, Österreich, der Schweiz und vielen anderen europäischen Ländern zuhauf, während man sich an Göltzschtalbrücke, Landwasserviadukt, Kalter Rinne usw. aber aufwändige Tourismuskonzepte ausdenkt, um ein paar Besucher anzulocken, strömen hier die Leute in Massen. Ein bisschen Mundpropaganda und der Herdentrieb, das reicht offenbar völlig aus, solange das Land nur exotisch genug ist.

Wir fahren mit einem Tuk-Tuk wieder zurück in den Ort, holen unser Gepäck aus der Unterkunft und dann ab zum Bahnhof. Durch die Verspätung sind wir etwas knapp dran, aber hier in Ella verpassen wir sicher nichts. Und wir wollen ja noch das Reststück der Main Line sehen. Aus Colombo rollt unser Triebwagen ein und ein paar Minuten später stehen wir im Rampenlicht hunderter Kameras, als wir über die Brücke rumpeln. Ein paar Kilometer weiter gibt es als letzten Höhepunkt der Strecke noch Demodara (bahnamtliches Kürzel DDR) mit dem Demodara-Loop, bei dem die Strecke sich unterhalb des Bahnhofs selbst unterquert. Und dann, etwa eine Stunde später, sind wir da: Badulla, der Endpunkt der Sri Lanka Main Line, das Ziel unserer Fahrt!

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Der Bahnhof Badulla, seit 1924 Endpunkt der Main Line, empfängt uns mit grauen Wolken. Während unser Zug noch am Bahnhof steht, stellt eine M2 bereits die Wagen für den Nachtzug nach Colombo bereit.

Das Ziel der Reise ist der Anfang – der Anfang der Rückfahrt. Morgen um 11 Uhr soll von Batticaloa ein Mixed nach Maho fahren. Den wollen wir gern erreichen. Die Herausforderung dabei: Batticaloa liegt an der Ostküste der Insel, zweihundert Kilometer Luftlinie von Badulla entfernt. Eine Eisenbahn gibt es nicht, aber eine kurvige Straße, also kommen wir heute Abend noch zu unserer ersten Überlandfahrt im Bus.

Badulla erweist sich größer als gedacht und so dauert es eine Weile, bis wir den Busbahnhof gefunden haben. Einmal da, ist ein passender Bus aber sofort zur Stelle. Überhaupt scheint in jede beliebige Richtung im Zehnminutentakt gefahren zu werden, an den Haltestellen ist ständiges Kommen und Gehen und fast im Konvoi verlassen die Busse den Bahnhof. Unsere Abfahrt ist 17 Uhr und bis Mitternacht wollen wir in Batticaloa sein. Top, die Wette gilt! Der Bus ist voll, es geht wieder die Berge und die Straße ist eine einzige Baustelle. Im Schritttempo kämpfen wir uns einen Pass hoch. Gut dass es bald dunkel wird, denn manchmal ist besser nicht zu sehen, wie weit es hinuntergeht... Geht es einmal schneller, wird beim Überholen aber nicht lang gefackelt, sondern einfach vorbeigezogen. Trotzdem brauchen wir für die ersten Kilometer gefühlte Ewigkeiten. Wir merken schnell, dass unsere Kalkulation viel zu optimistisch war. In Moneregala gibt es aber einen schlanken Anschluss, nicht nur bis Batticaloa, sondern sogar bis Trincomalee, was noch einmal 200 km weiter ist. Und nun wird es flach und schwül. Sogar am späten Abend drückt es. Wir haben die Ebenen des Ostens erreicht und hier ist im Januar per Definition Monsunzeit, und so regnet es bei einer der Unterwegspausen kräftig. Bei einem Bäcker erstehen wir wieder ein paar Snacks und dieses Mal sind sie richtig scharf. Willkommen im Nordosten!

Je näher wir der Küste kommen, desto gerader wird es und desto schneller geht die Fahrt. Um 1 Uhr nachts haben wir die Odyssee geschafft, die Lagunenstadt Batticaloa - das „Venedig Sri Lankas“ - erreicht. Der Busfahrer setzt uns aber nicht im Zentrum, sondern an einer Kreuzung in einer Vorstadt ab. Wir suchen uns per Google Maps ein Hotel in der Nähe aus, aber dort will man zu dieser Zeit niemanden mehr aufnehmen. In einer Bruchbude ein paar Meter weiter kriegen wir den Nachtportier aber geweckt und auch ein Zimmer. Wobei „Zimmer“ das falsche Wort ist. „Loch mit Klimaanlage“ trifft es schon eher, weckt aber wahrscheinlich immer noch zu positive Vorstellungen. Also besser keine weiteren Details… Morgen geht es weiter.



Wir sind in Badulla angekommen und haben die Main Line hinter uns gebracht, aber sind noch lange nicht am unserer Reise. Auch der Norden hat noch einiges Interessantes zu bieten. Schaut also wieder rein, wenn es in ein paar Tagen mit Teil 7 weitergeht.

Bleibt gesund, bis demnächst und viele Grüße,
Gunar

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.05.21 18:12.
Wieder ganz große Klasse und äußerst interessant! Vielen Dank für's Zeigen!

Da kommen doch gleich Erinnerungen an unsere Fahrt auf diesem Streckenabschnitt ab Nanu Oya wieder in den Kopf. Eine herrliche Strecke!

Und die Platzverhältnisse im "Mixed" kann ich auch mehr als gut nachvollziehen. Während die Reisegruppen bei unserer Fahrt 2016 sofort die nicht überfüllte und sogar klimatisierte erste Klasse beanspruchten, bleiben für die zahlreichen Backpacker und einheimischen nur die zwei Wagen der dritten Klasse. Aus heutiger Sicht war die Fahrt an der offenen Tür ein einmaliges Erlebnis, damals war man froh, überhaupt als Familie komplett mitzukommen...

Bei der Einfahrt in Nanu Oya hatte der Zug bereits eine Stunde Verspätung, später sollten wir den Grund dafür noch zu spüren bekommen:

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Was nun beginnt, ist für den europäischen Eisenbahnfreund ein großes Spektakel. Mittels einem der überall bereit stehenden Gepäckkarren wird erst Stückgut aus dem Halbpackwagen ausgeladen, dann Stückgut, zahlreiche Pakete und sogar Gemüse und Zwiebeln verladen:

https://abload.de/img/37.stckgutverladungtmkrd.jpg

Währenddessen machen sich (hier im Bild nicht sichtbar) einige Bahnbedienstete an der Lok zu schaffen, trotz der Verspätung und der mittlerweile abgeschlossenen Stückgutverladung geht es noch nicht weiter.
Doch dann, endlich gibt der Station Master den Abfahrtbefehl, langsam arbeitet sich die M6 durch die Teeplantagen anschließend bergwärts:

https://abload.de/img/39.fahrtdurchteeplantskjiw.jpg

Auch uns bleibt angesichts des gut gefüllten (nach mitteleuropäischen Maßstäben wohl eher gnadenlos überfüllten) Zug kaum Gelegenheit, die Landschaft zu genießen. Erst als an den Unterwegshalten nach und nach einige Einheimische den Zug verlassen, werden einige Sitzplätze frei. Ich freue mich über einen Platz an der Tür, aber auch die Einheimischen scheinen die Türplätze zu genießen, während einige Touristen sich zu teils waghalsigen Aktionen und Akrobatik-Übungen während der Fahrt hinreißen lassen (leider auf keinem Foto wirklich zu sehen):

https://abload.de/img/46.trsitzplatz72kzy.jpg

Nach dem Streckenscheitelpunkt ist das Neblige Grau rund um Nanu Oya Sonnenschein gewichen, so lässt sich die Fahrt am mittlerweile frei gewordenen Vierersitz am offenen Fenster an der Sonne nun deutlich entspannter verbringen:

https://abload.de/img/52.fahrtdurchdiebergej7ja3.jpg

Doch dann, einige Stationen weiter in Bandarawela wieder ein längerer Halt, der sich weit über die Dauer der Gepäck- und Stückgutverladung hinaus zieht. Wieder machen sich einige Bahnbedienstete an der Lok zu schaffen. Wieder dauert es...

https://abload.de/img/53.bandarawelaqrktk.jpg

Nach einiger Zeit beginnt der Station-Master hektisch zu telefonieren und sich mit dem Lokpersonal abzusprechen - langsam kommt im Zug unter den Westlichen Touristen der Verdacht auf, dass da mit der Lok etwas nicht stimmen könnte. Und tatsächlich, einige Minuten später kommen der Station Master und andere Bahnbedienstete wild gestikulierend und im unverständlich-indischen Englisch irgendetwas von "Bus, Bus! Engine has broken" (oder irgendwie so....) rufend auf den Bahnsteig. Ratlosigkeit macht sich breit, schließlich wagen die ersten einen Blick auf den Bahnhofsvorplatz. Und tatsächlich stehen dort einige Busse bereit, die wenig später die mittlerweile aus dem Zug zahlreich herbei strömenden Fahrgäste weiter zum Ziel befördern.
Immerhin hat man es, nachdem die Lok wohl endgültig nicht mehr wollte, geschafft eine schnelle Lösung im Sinne der Fahrgäste zu finden und ausreichend Ersatzbusse zu organisieren. Da könnte man sich in Deutschland gerne etwas davon abschauen ;-)


Ich freue mich schon auf die Fortsetzung des tollen Sri-Lanka-Berichtes!


Viele Grüße
Tom

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Wieder wunderbar, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 22.04.21 08:37

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Zitat
Ich freue mich über einen Platz an der Tür, aber auch die Einheimischen scheinen die Türplätze zu genießen, während einige Touristen sich zu teils waghalsigen Aktionen und Akrobatik-Übungen während der Fahrt hinreißen lassen (leider auf keinem Foto wirklich zu sehen):
Da mir das Thema nicht bekannt war hab ich da mal ein bisschen gesucht, und ja, da findet man zahlreiche durchwegs skurrile Aufnahmen von dieser Strecke. Aber es dürfte ja meist gutgehen ;-)
Hallo Tom,

danke für die Ergänzungen und die Fotos zu deiner Fahrt. Die Verladung von aller Art Stückgut in die Züge konnten wir auch beobachten und unser Zug hatte dafür sogar noch den Güterwagen dabei. Die Akrobatik der Touristen hatten wir im Mixed allerdings nicht, dafür war er einfach zu voll. Man konnte sich praktisch nicht von der Stelle bewegen und bis wir den zug Idalgashinna verlassen haben ist auch niemand ausgestiegen. Interessant ist natürlich auch die Geschichte mit der Lok und dem Schienenersatzverkehr. Da hätte ich fast erwartet, dass man die Fahrt einfach ausfallen lässt oder irgendeine Lösung findet, den Zug anders zum Ziel zu bringen.

Viele Grüße
Gunar
Die Landschaft ist ja wunderbar.

Wisst ihr, wie es dort mit wildem Zelten aussieht von den Aspekten der Legalität, des Verbreitetseins, des Akzeptiertseins, der Sicherheit (Menschen/ Natur)? Und wisst Ihr, wie derzeit (abseits Covid-19) ein Fährverkehr zwischen Indien und Sri Lanka ist? (Das war ja wohl in der Vergengenheit immer wieder mal so oder mal so.)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.04.21 17:33.
Hallo,

Die Frage mit der Fähre interessiert mich auch.
Die Sri Lanka Bahn zeigt auf Ihrer Webseite zwei Züge nach Talaimannar Pier (Gegenrichtung nur einen ?) an, da könnte man hoffen, dass es auch wieder ein Schiff gibt.

Viele Grüße !