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Liebe Freunde des entspannten und genießenden Reisens,

willkommen im vierten Teil unserer Reise in den Süden.

Nachdem Ralf die ersten 3 Teile beschrieben hat, wird es Zeit, dass ich zur Unterstützung eile. Daher ergreife ich für die nächsten beiden Teile die Feder und lade euch ein auf Reise-Etappen, die auch, aber nicht nur, von der Schiene geprägt sein werden. Schließlich sind wir in einer hochattraktiven und abwechslungsreichen Gegend unterwegs.

Wer Teil 3 verpasst hat, kommt hier dahin zurück: [www.drehscheibe-online.de]

Freitag, 04.09.2020 Siracusa – Palermo

Fahrplan


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Karte

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Unsere siebte Tagesetappe führt uns von Siracusa zum Wendepunkt der Reise, nach Palermo. Dort werden wir einen Tag „pausieren“ und wieder startklar machen für den langen Weg nach Norden.

Nach dem ausgedehnten morgendlichen Stadtrundgang in Siracusa, den Ralf in Teil 3 beschrieben hat, freuen wir uns auf die Umrundung der südöstlichen Ecke Siziliens und die Fahrt nach Palermo. Schon die Karte lässt eine sehr attraktive Streckenführung um Ragusa herum erwarten.

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Bild 153
Der Bahnhof von Siracusa von der Gleisseite

Es war nicht immer ein Kopfbahnhof. Ursprünglich führte die Strecke nach Messina im Stadtbereich immer entlang der Küste. Die Züge fuhren südlich dorthin aus, wo jetzt die Prellböcke stehen. Heute geht es nördlich durch einen Tunnel und die alte 10km lange Streckenführung nach Targia wurde 1998 aufgegeben.

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Bild 154
Nördlich des Empfangsgebäudes wartet auf einem der drei kurzen zusätzlichen Bahnsteiggleise mit ALn 668 3001 unser Regionale nach Ragusa

Wenden wir den Kopf nach links, treffen wir auf einen Bereich früherer Gütergleise. Dort gibt es zwei Überraschungen.

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Bild 155
Mit 740 452 finden wir ein Exemplar der sehr erfolgreichen Baureihe 740 mit der Achsfolge 1’D h2 aus den Baujahren 1911-1922

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Bild 156
Außerdem entdecken wir das Bahnhofsgebäude der ehemaligen 96km langen Schmalspurstrecke (950mm) nach Ragusa. Es trug die Bezeichnung „Siracusa Nuova“ und sah 1956 den letzten Zug

Aber jetzt soll es endlich losgehen. Unser Triebwagen hat öffnungsfähige Fenster. Aber die Zugbegleiterin weist uns darauf hin, dass wir diese geschlossen halten sollen wegen der Klimaanlage. Wow, wer hätt’s gedacht. Aber es ist tatsächlich etwas Kühle zu spüren im Wagen. Also nehmen wir Rücksicht und uns etwas zurück.

Die erste nennenswerte Entdeckung machen wir in Noto. Hier ging bis 1986 eine Nebenstrecke nach Pachino ab. Ein zweiständiger dachloser Lokschuppen zeugt noch aus dieser Zeit. Dann macht die Strecke einen 180 Grad-Bogen, der uns einen Blick auf die Stadtsilhouette mit dem davorliegenden Bahnhof ermöglicht. Nebenbei ist Noto noch Bischofssitz und UNESCO Welterbe.

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Bild 157
Noto mit Kathedrale und seinen Palästen. Im Vordergrund im Schatten der Bahnhof, an dem wir gerade abgefahren sind

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Bild 158
Pozallo ist seit der Einstellung der Strecke Noto-Pachino 1986 der südlichste Bahnhof des italienischen Eisenbahnnetzes

Nebenbei befinden wir uns hier 1.543km von Aschaffenburg und 1.637km von Leipzig entfernt (Luftlinie).

Hinter Pozallo auf 17m Meereshöhe beginnt der Aufstieg ins Hinterland. Etwa 50km weiter in Ragusa werden wir auf 514m über NN sein.

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Bild 159
Ragusa Ibla

Zwischen den Bahnhöfen Ragusa Ibla (300m über NN) und Ragusa (514m über NN) befindet sich ein Kehrtunnel, um den erheblichen Höhenunterschied zu überwinden

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Bild 160
Schon weit unter uns (in der linken Bildhälfte) liegt der Eingang des Kehrtunnels von Ragusa, einer der wenigen Kehrtunnel weltweit unterhalb einer städtischen Bebauung

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Bild 161
Unser ALn 668 3001 hat uns gerade im Bahnhof Ragusa ausgespuckt und fährt noch ein paar Stationen weiter bis Donnafugata

Das alte spätbarocke Ragusa muss man im tieferliegenden Stadtteil Ibla suchen. Wir sind in der nüchtern und geometrisch angelegten Oberstadt ausgestiegen. Hier lebt der größere Teil der Stadtbewohner. Wir bekommen sie aber nicht zu Gesicht. Nur ein paar versprengte Gestalten bummeln durch die Straßen oder nehmen eine Erfrischung in einem der Cafés. Eigentlich eine gute Idee, finden wir und genießen zwischen unseren zwei Zügen noch den Inbegriff der sizilianischen Eiskunst, ein Granita!

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Ragusa ebenso wie das Städtchen Nota Bischofssitz ist und zum UNESCO Welterbe wurde.

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Bild 162
Das Zentrum der Oberstadt von Ragusa besteht aus zwei Teilen, die durch eine Schlucht getrennt und mit drei Brücken verbunden sind

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Bild 163
Zurück am Bahnhof Ragusa warten wir auf unseren Regionale, der uns nach Caltanisetta Xirbi bringen soll

Bis dahin schauen wir uns noch etwas um und entdecken links hinter dem Buschwerk ein kleines Ensemble mit Schmalspurschiene und einer Achse, das an die Schmalspurbahn von Siracusa erinnert, die sich ebenfalls bis hier oben hinaufkämpfte und endete. Dieses Schauspiel endete schon 1949.

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Bild 164
ALn 502 024 ist für RV 26700 von Modica nach Caltanisetta Xirbi eingeteilt

Das heißt für den Fotografen wieder nur eine Etappe hinter Glas mit wenig Ausbeute. Die Strecke windet sich wieder auf Meereshöhe herunter, die bei Gela erreicht ist. Die hier abgehende Strecke nach Catania ist seit 2011 bis Caltagirone gesperrt, da ein Viadukt bei Piano Carbone eingestürzt ist. Bei Licata wird die Meeresnähe wieder in nördlicher Richtung verlassen und es geht kontinuierlich bergan.

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Bild 164a
Auch das gehört zu Sizilien: Endlose Folienzelte, die unsere Supermärkte mit leckeren Lebensmitteln versorgen

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Bild 165
Beim Aufstieg hinter Licate kann man noch einen Blick auf das Meer erhaschen

Die nahezu baumlose Gegend erlaubt weite Blicke ins Land. Wir fahren durch zahlreiche Tunnel, die einen seltsamen Eindruck hinterlassen, da sie nur minimal überdeckt sind.
Im Abzweigbahnhof Canicatti haben wir bereits wieder 463m über NN erreicht. Hier beginnt die Fahrleitung, unter der man in Richtung Agrigento weiterfahren kann. Die höchste Stelle ist im Bahnhof Caltanisetta Centrale mit 536m über NN erreicht, danach geht es bei 25 Promille Gefälle noch ca. 7 km hinunter nach Caltanisetta Xirbi.

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Bild 165a
Bei Serradifalco gibt es noch ein Suchbild mit Vulkan

Dieses habe ich auf Wunsch Ralfs noch eingefügt, der ja auch schon im dritten Teil begeistert auf den weit entfernten Stromboli geschaut hat. Im Suchbild zu „sehen“ ist der Ätna, der sich hier tatsächlich in gut 100 km Entfernung befindet [www.luftlinie.org], aber immer noch irgendwie das Geschehen beherrscht.

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Bild 166
Unsere Regionale hat nach fast 3 Stunden Fahrt ihren Endbahnhof Caltanisetta Xirbi erreicht

Ein elektrisches Schwesterfahrzeug aus der Alstom Coradia-Familie wird uns nach Palermo bringen. Der Zug ist richtig voll und wir bekommen keinen guten Platz für das sizilianische Panorama der letzten 1 ½ Stunden! Und das viele Schauen macht auch irgendwann mal müde. Noch ein paar Knipsereien, dann schalte ich innerlich ab.

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Bild 166a
Wir sind in Palermo angekommen

Auf dem Nachbargleis steht der ICN 1954 für seine Fahrt nach Roma bereit.
Auch wenn wir gerade angekommen sind, wecken Nachtzüge doch immer wieder besonders dieses Fernweh, an dem wohl viele von uns hier leiden.

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Bild 167
Friedlich leuchtet der Bahnhof Palermo Centrale in der Abendsonne

Wir suchen und beziehen unser Quartier. Ein praktisches Apartment mit einer gemütlichen Raucherveranda für Ralf. Dann ziehen wir noch mal los durch die abendliche Stadt. Ich vermute, wir haben wohl das ein oder andere Bierchen getrunken, oder Ralf? Könnte sein, dass es bei mir eine Karaffe Rotwein war!

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Bild 168
Irgendwie versteht man es hier, der Morbidität der alten Stadt ihren Charme zu entlocken. Aber dazu gehören auch Menschen, die sich begegnen und in den Bars und Restaurants ihr Schwätzchen halten. Was ist in diesen Zeiten daraus geworden?

Es war ein langer Tag. Fotografisch war es nicht ergiebig seit Ragusa, aber wie ich das schreibe, sehe ich wieder die menschenleere hügelige Landschaft im schönen Abendlicht vor mir. Kahle Hügel, Büsche, einsame Gehöfte, ein paar Ziegen, Kühe und Schafe.

In den meisten Fällen sind meine Langzeiterinnerungen meine Bilder. Wenn ich keine habe, verblasst die Erinnerung sehr schnell. Dann muss ich halt Ralf befragen, der kriegt das mit der Langzeiterinnerung irgendwie besser hin! Das ist spannend, denn dann erfahre ich wieder Geschichten aus meinem Leben, die ich längst vergessen habe.

Samstag, 05.09.2020 Palermo

Heute gibt es keinen Fahrplan, denn unser 8. Reisetag ist der „große (und einzige) Pausentag“. Naja, Pause heißt in diesem Fall, dass wir den ganzen Tag unterwegs sind, um unsere Wäsche zu waschen, die Stadt zu erkunden, die neue Strassenbahn zu besuchen, das wunderbare Spätnachmittagslicht und das Panorama vom Monte Pellegrino zu genießen und nach Sonnenuntergang in die Welt der kulinarischen Genüsse einzutauchen. Zur Ruhe kommen wir heute nicht. Das können wir im nächsten Lockdown dann nachholen. Aber darüber wissen wir noch gar nichts. Viele hoffen noch, dass die „zweite Welle“ nicht kommen wird. Und wir hoffen es auch.

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Bild 169
Zugegeben, die Kultur spielt für uns nur eine untergeordnete Rolle

Es ist sozusagen der „Beifang“. Das heißt nicht, dass wir die Schönheiten um uns herum nicht zumindest optisch würdigen. Man muss ja nicht gleich überall reingehen und sich stundenlang alte Büsten, Gemälde, Rüstungen oder Gnadenbilder anschauen. Zumindest soll das Gesehene einen Namen haben. Daher nennen wir es, die „Fontana Pretoria“ mit einigen Palazzi drumherum und im Hintergrund die Kuppel der „Kirche der heiligen Katharina von Alexandria“.

Unsere Wirklichkeit sieht eher so aus: die Wäsche ist bereits in der Nähe des Hauptbahnhofs in einer kleinen Laundry abgegeben. Das bedeutet eine Stunde Zeit, bevor wir sie wieder gewaschen und getrocknet abholen können. Toller Service für kleines Geld. Und Zeit genug, um die Strassenbahnstation am Hauptbahnhof zu finden, uns über das restliche Streckennetz zu informieren, Tickets für den Verkehrsbetrieb und auch meine Eisenbahntickets für morgen zu besorgen.

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Bild 170
An der Haltestelle Stazione Centrale wendet der Bombardier Flexity Outlook Wagen 03 als L1

Man erreicht die Station der neuen Normalspurstraßenbahn direkt durch den nördlichen Seitenausgang des Kopfbahnhofs. Es sind zwei Stumpfgleise mit dazwischen liegendem Bahnsteig und ein doppelter Gleiswechsel. Die Strecke führt in die östliche Richtung in den Stadtteil Roccella und wird etwa alle 15 Minuten bedient. Es ist derzeit noch eine Inselstrecke. Es gibt drei weitere Linien weiter westlich, die wir noch besuchen wollen. Alle vier Linien wurden im Dezember 2015 eröffnet. Darüber hinaus sind noch drei weitere Linien in der Planung. Dann sollen die Strecken auch miteinander verbunden werden. Aktuell bedient noch eine Buslinie die (große) Lücke.

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Der Bus/Tram-Plan von Palermo zeigt, wohin uns der Erkundungsgang heute noch führen wird

Wie immer zieht es uns erstmal zum Wasser. Dort geht der Blick weit und die Luft ist frisch. Im Stadtviertel La Kalsa, kurz vor dem Hafen La Cala mit einem ansehnlichen Aufgebot an kleinen Fischerbooten, Jachten und der Küstenwache stoßen wir auf Gleisreste der alten schmalspurigen Tram von Palermo.

La Kalsa, war da was? Richtig, das Viertel galt lange Zeit als die Hochburg der Cosa Nostra. Von Bomben des WW II stark zerstört, wurde es Jahrzehnte nicht mehr aufgebaut. Inzwischen ist es wiederbelebt und gilt als Ausgehviertel von Palermo.

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Bild 171
An der Piazza Marina drehte bis 1947 die Linie 1 der Tram von Palermo

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Bild 172
„La Cala“ mit Blick auf den Monte Pellegrino. Wenn es irgendwie möglich ist, müssen wir da rauf!

Wir marschieren eine lange Strecke durch das Hafengelände, das überraschenderweise frei zugänglich ist und ausgestorben wirkt. Eine Muslima mit ihren Kindern scheint auf etwas zu warten. Ich tippe auf die Fähre nach Tunis. Das wäre doch auch mal ein toller Weg, nach Nordafrika zu reisen. Ein andermal!

Zwischenbemerkungen von Ralf:
Ja, per Fähre nach Tunis, da wäre ich auch dabei, wäre dann der dritte Weg für mich nach Afrika ohne Flieger, nach der spanischen Enklave Ceuta (das haben wir gemeinsam gemacht) und dem marokkanischen Tanger.
Anmerken möchte ich, dass wir uns auf unserer Wanderung durch den Hafen an diesem wirklich heißen Tag auch mal auf dem Freisitz eines etwas nobleren Restaurants niedergelassen haben. Dort war aber „Laufkundschaft“ wohl ungewohnt, denn wir wurden komplett ignoriert. Egal, wir konnten uns an einem schattigen Platz ein wenig regenerieren, mein Akku zumindest war da nämlich schon ziemlich leer.

Wir verlassen den Hafen am westlichen Ende und treffen ganz in der Nähe auf den Haltepunkt Giachery, der eingeklemmt ist zwischen Mauern und Straßen.

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Bild 173
Der Haltpunkt Giachery ist derzeit der Endpunkt der nur Mo-Fr befahrenen kurzen Stichstrecke von Notarbartolo

Heute am Samstag fährt kein Zug, dennoch ist der Zugang zum Bahnsteig durch das Bahnhofsgebäude zugänglich

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Bild 174
Am Ende des Bahnsteigs und noch in dem kleinen Tunnel endet die Strecke an einem Prellbock

Hier ging es einmal weiter in das Hafengelände. Und das soll auch wieder so kommen. Die Verlängerung zu einer Station „Porto“ ist geplant

Wir wollen als Nächstes das Trambahnnetz ab Notarbartolo kennenlernen. Ein Zug fährt nicht. Ein Bus kommt gerade auch nicht. Also erst einmal zu Fuß! In der Vorstadt ist nicht viel los. Nachdem wir fast eine Stunde unterwegs sind und die Füße schwer werden, genehmigen wir uns für ein paar Haltstellen doch noch einen Bus. Zuvor konnten wir in einem kleinen Café etwas zur Erfrischung erstehen.
@ Ralf, es wird doch noch kein Bier gewesen sein um diese Uhrzeit?
@ Thomas: Es war schon fortgeschrittener Nachmittag, also doch ein Bier ;-)

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Bild 175
Vor der Stazione Palermo Notarbartolo wenden die drei weiteren Tram-Linien. Es werden die gleichen Fahrzeuge wie auf der Linie 1 eingesetzt. Tw 15 nimmt uns mit auf der Linie 2 nach Borgo Nuovo

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Bild 176
Tw 15 wendet in Borgo Nuovo

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Bild 177
An der Station Giotto-Migliaccio zweigt Linie 4 von der Stammlinie ab und führt beiderseits einer 4-spurigen Schnellstraße entlang

Die Haltestellen der jeweiligen Fahrtrichtungen sind etwas versetzt und haben eigene Namen. Hier treffen wir Tw 09 auf der Fahrt nach Notarbartolo. Alle Einheiten sind 6-Achser mit zwei schwebenden Fahrzeugteilen.

So, genug Tram gefahren! Den Ast der Linie 3 nach San Giovanni-Apostolo lassen wir aus, denn wir wollen ja noch auf den Monte Pellegrino, und zwar bevor es dunkel ist.
Unsere Recherchen verweisen auf die Buslinie 812, die alle 20 Minuten verkehren soll.
An einer passenden Haltstelle stehen wir uns dann eine Stunde lang die Beine in den Bauch, bevor die Fuhre um die Ecke biegt. Mist, da hätten wir Linie 3 auch noch bereisen können. Falsch gepokert!

Aber das Warten hat sich gelohnt! Die Bergfahrt ist grandios. Nach jeder Kehre auf der Serpentinenstraße bieten sich neue spektakuläre Blicke auf die Stadt und das Meer. Wir werden im Bus ziemlich hin- und hergeworfen. Der Fahrer scheint seinen Spaß zu haben und fährt hier nicht zum ersten Mal. Oder muss er etwa eine Riesenverspätung aufholen? Die Verschlusszeit der Kamera steht zumindest am Anschlag!

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Bild 178
Die Buslinie 812 hat ihre Endstation auf dem Monte Pellegrino erreicht

Wir haben eine halbe Stunde Zeit, um ein paar schöne Motive zu finden. Gut, dass alle Läden und die Gastronomie geschlossen haben. Da kommen wir gar nicht erst in Versuchung, die Highlights des Tages zu verpassen! Rechts oben lehnt sich das Santuario di Santa Rosalia an die Felsen. Wir sind jetzt 440 Meter über dem Meer!

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Bild 179
Wir marschieren noch ein Stück bergauf in Richtung der Sendeanlagen

Der Blick geht nach Südwesten. Rechts vor dem Bergrücken kann man den alten Flughafen Palermo-Boccadifalco sehen. In diesen Bereich muss man auch die drei Trambahnlinien von Notarbartolo verorten. Der internationale Flughafen ist seit 1960 der 35 km weiter westlich gelegene Aeroporto di Palermo Falcone e Borsellino in Punta Raisi, zu dem man auch mit der FS fahren kann.

Nebenbei sind die von der Mafia 1992 ermordeten Richter Falcone und Borsellino auch im Stadtviertel La Kalsa aufgewachsen.

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Bild 180
Bevor wir umkehren müssen, erwischen wir einen traumhaften Blick durch die Bäume auf die Stadt, den Hafen, das bergige Hinterland und das Schloss Utveggio auf dem Felssporn im Vordergrund, zu dem eine Stichstraße führt

Das Schloss war einmal ein Luxushotel, dann Casino und ist heute eine Managementschule. Da macht man doch gerne mal einen schönes Seminar! Darf auch etwas länger dauern!

Im Hafen ist mittlerweile Betrieb: es sind einige Fähren zu sehen, die sich wahrscheinlich für ihre Nachtfahrten schick machen.

Bei der Rückkunft in die Innenstadt ist es bereits stockfinster. Zeit für ein schönes Abendmenü in der Via Maqueda, einer gastronomisch gut ausgestatteten Meile in der Altstadt.

Wer kann sich noch erinnern? Hunderte fröhliche Menschen, die in und vor ungezählten hübschen Restaurants sitzen und es sich gut gehen lassen. Überall Strassenmusikanten und Gaukler. Anschließend noch ein Bummel in weniger touristische Ecken und ein einheimisches Bier auf dem Platz vor der Bar! Das Bier ist kalt und die großen Steinquader auf dem Platz strahlen noch die Wärme des Tages ab.
Palermo Anfang September 2020!

Sonntag, 06.09.2020 Palermo - Taormina

Fahrplan

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Karte

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Auf unserer neunten Tagesetappe können wir Sizilien noch nicht ganz loslassen und bleiben noch eine Nacht. Nach dem Motto „Taormina sehen und sterben“ haben wir dieses schöne Städtchen in Sichtweite zum Ätna als unser Quartier erklärt. Unterwegs kommen wir in Messina vorbei und wollen uns auch dort etwas umschauen. Schließlich konnten wir schon von der Fähre eine Strassenbahn ausmachen. Hoffentlich werden wir die Rucksäcke los!

Der gewählte RV erspart uns die Reservierung für den Fernzug und wird uns etwas mehr Zeit in Messina verschaffen.

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Bild 181
Wir nähern uns dem wunderschönen Städtchen Cefalù mit seiner normannischen Kathedrale

Der Fels wird nach dem Halt unterfahren. Bei dem Ausblick müssen wir das Gegenlicht in Kauf nehmen.

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Bild 182
Blick zurück, diesmal mit dem Licht, im Hintergrund wieder der Fels von Cefalù

Die Strecke ist von der Verzweigung in Fiumentore etwa 120 km bis Patti-S.Pero Patti eingleisig und noch nicht der um sich greifenden Vertunnelung zum Opfer gefallen. Der Blick auf Küste und Meer bleibt daher ungetrübt.

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Bild 183
E 464 313 mit ihren 4 Wagen des Nachtzuges nach Palermo kreuzt in Torre del Lauro

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Bild 184
Die gute Sicht heute erlaubt auch einen Blick auf die Liparischen Inseln, die hier ca. 30-50 km vor der Küste liegen

Von den sieben bewohnten Inseln sehen wir von links nach rechts Salina, Lipari und Vulcano. Das legendäre Stromboli mit seinem ständig aktiven Vulkan liegt noch ein ganzes Stück weiter draußen im Tyrrhenischen Meer und versteckt sich aus dieser Perspektive vermutlich gerade hinter Lipari. Aber da hat Euch ja Ralf in Teil 3 schon ein „Suchbild“ gezeigt.

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Bild 185
Die nordöstliche Spitze Siziliens wird durch den 12.817m langen Peloritani-Tunnel abgeschnitten. Gleich nach dem Durchfahren trifft man auf das Depot von Messina mit Halbrundschuppen und Drehscheibe

Die Baureihe E 464 ist dank ihrer eigenwilligen Führerstandsanordnung ein regelmäßiger Drehscheiben-Gast, wenn sie nicht gerade an einem der Nahverkehrs-Wendezüge klebt. Hier wartet E 464 309 auf ihre nächste Aufgabe und steht auf jeden Fall schon einmal richtig herum.

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Bild 186
Die Caimano E 656 054 aus der ersten Serie hat nun auch schon 45 Jahre auf dem Buckel und ist in Messina abgestellt. Zuletzt stand sie in Cargo-Diensten. Im Einsatz haben wir leider keine Kaimane mehr beobachten können

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Bild 187
Seit 2003 gibt es in Messina seit der Stillegung 1951 wieder eine Strassenbahn

Wagen 13T hält an der Haltstelle Repubblica direkt vor dem Bf Messina Centrale zur Fahrt in den Norden der Stadt nach Annunziata

Es gibt eine knapp 8 km lange normalspurige Nord-Süd-Linie und ein gutes Dutzend 5-teilige Alstom Cityway-Fahrzeuge. Die bereits nach 15 Jahren wieder beabsichtigte Stilllegung wurde im Frühjahr 2019 noch abgewendet.

Die Linienbezeichnung 28 ist von der früheren Buslinie übernommen. Die Strassenbahn fährt überwiegend auf eigenem Gleiskörper, die Gleise werden wie Beulen um die Mittelbahnsteige herumgezogen. Leider ist die Gleislage hier durchgängig so schlecht, dass man eher um die Ecke als in einen Bogen fährt. Der Fahrer muss daher zweimal fast bis zum Stillstand abbremsen. Trotzdem bekommen Fahrzeug und Fahrgäste bei der Ein- und Ausfahrt aus den Haltstellen jedesmal noch einen kräftigen Schlag ab.

Anmerkung von Ralf:
Die Streckengeometrie erweckt tatsächlich den Eindruck, als ob diese ein Modelleisenbahner konstruiert hat, der gerade keine gebogenen Gleise im Angebot hatte. In sein Zeugnis kann ich nur ein „ungenügend“ schreiben. So etwas habe ich noch nie erlebt.

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Bild 188
Wagen 13T wendet an der nördlichen Endstation. Die Zielbezeichnung „Museo“ ist dem dort benachbarten Museo Regionale di Messina geschuldet.

Unser Vorhaben, Tickets zu erwerben, scheiterte auf der ganzen Linie. Der Verkaufskiosk am Bf Centrale war geschlossen, Automaten waren nicht zu sehen und der Fahrer verkaufte auch keine.

Dafür fanden wir eine Verkaufsstelle für (Fern-) Bustickets mit integrierter Gepäckaufbewahrung für kleines Geld. Welch ein Segen! So macht die Stadterkundung gleich nochmal so viel Spaß.

Bei der Rückfahrt Richtung Innenstadt steigen wir an der Haltstelle Boccetta aus der jetzt leeren Tram aus und schlendern in Richtung Kathedrale durch die fast menschenleere Stadt.

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Bild 189
Dabei kommen wir an einem Denkmal vorbei, das an das schwere Erdbeben von 1908 erinnert, bei dem die russische Marine selbstlose Hilfe geleistet hat

Immerhin, später an der Kathedrale sehen wir eine 4-köpfige Familie und es gibt ein Straßen-Café mit einigen Gästen. Um der Vereinsamung zu entfliehen, setzen wir uns gleich dazu, werden aber einmal mehr nicht richtig begeistert von der Bedienung aufgenommen. Wir Teutonen scheinen irgendetwas wohl nicht ganz Sizilien-adäquat zu machen. Aber am Ende werden wir dennoch verköstigt.

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Bild 190
Der Palazzo Zanca ist Sitz des Stadtrates von Messina

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Bild 191
Die Kathedrale von Messina ist gerade nochmal dem Hochformat entkommen

Gut, mehr Messina soll es heute nicht sein. Wir holen die Rucksäcke wieder und starten Richtung Taormina.

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Bild 192
Auch vom südlichen Stadtteil Messina Tremestieri gibt es eine Fährverbindung auf das kalabrische Festland nach Villa San Giovanni, unser Zug fährt unmittelbar an den beiden Fährbecken vorbei

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Bild 193
Wir sind in Scaletta Zanclea abgefahren und schauen nochmal zurück.

Auf der anderen Seite der Straße von Messina können wir das Häusermeer von Reggio di Calabria erkennen.

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Bild 194
Beim Blick in Fahrtrichtung sehen wir den kleinen Tunnel vom Capo Ali und viel Platz für die Badenixen und Angler

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Bild 195
Dieser eingleisige Abschnitt ist wirklich sehenswert

Wir sind kurz vor Letojanni und im Hintergrund sehen wir schon Taormina auf dem Bergsattel liegen.

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Bild 196
Die Bahnlinie geht unmittelbar an der Isola Bella vorbei

Eine Sandbank verbindet die kleine Insel mit dem Strand von Mazzaro. Jetzt fehlt nur noch etwas Sonne.

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Bild 197
Blick von der Terrasse unserer freundlichen Ein-Sterne-Pension direkt an der südlichen Ausfahrt des Bahnhofs Taormina-Giardini

Da haben wir einen sagenhaften Standort gefunden, nicht nur um das Herumschleppen der Rucksäcke in die Stadt oben am Berg zu ersparen.

Taormina ist für mich auch immer ein Stückchen „Le Grand Blue“ von 1988. Einige Szenen, unter anderem die legendäre Restaurantszene „Spaghetti di mare“ mit Jean-Marc Barr, Jean Reno, Rosanna Arquette und „Mama“ sind im Hotel Capotaormina rechts am Kap gedreht worden. Ralf hat ja auch schon vom Apnoetaucher Enzo Maiorca berichtet, der in Siracusa lebte und dessen Leben den Film inspiriert hat.

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Bild 198
Bahnhof Taormina-Giardini mit seinen Wasserkränen

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Bild 199
Der Bahnhof Taormina-Giardini ist wirklich ein Schmuckstück mit seinem außergewöhnlichen neogotischen Stil

Welch ein Verlust wird es sein, wenn die angedachte Tunnellösung ihn dereinst überflüssig machen wird.

Wir kurven mit dem nächstbesten Bus bis zum Busbahnhof in der Stadt auf dem Berg. Es gäbe noch einen Anschlußbus in die nächste Etage nach Castel Mola, aber es ist der letzte Bus und wir müssten direkt wieder zurückfahren. Das ist sehr schade, denn wer einmal die Gelegenheit für dieses Panorama hat, sollte sie nicht verpassen. Das Bild wird bestimmt einen besonderen Ort in der Seele bekommen.

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Bild 200
Nicht weit vom Busbahnhof eröffnet sich dieser Blick Richtung Norden mit dem Küstenstädtchen Letojanni und der kalabrischen Festlandsküste

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Bild 201
Taormina, Piazza San Pancrazio

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Bild 202
Kurz vorm Dunkelwerden schlendern wir über den gut besuchten Corso Umberto

Zugegeben, es ist reichlich touristisch in Taormina, mit all dem störenden Kitsch. Aber das Städtchen ist so bezaubernd und die Blicke so überwältigend, dass man sich das ruhig mal wegdenken kann.

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Bild 203
Beim Hotel Excelsior Palace in der westlichen Vorstadt ist Ralf auf der Suche nach dem Ätna. Auf der Bergspitze trohnt Castel Mola. Versteht ihr jetzt, was ich vorhin meinte?

Anmerkung von Ralf: JA, da hinauf haben wir es an diesem Tag nicht mehr geschafft, „König Ätna“ war aber an diesem Tag ohnehin ungnädig.

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Bild 204
Der „Meister“ hat sich verhüllt

Die Gipfelregion seiner 3.323m hängen leider heute Abend in den Wolken. Na ja, man kann nicht immer Glück haben. Dafür haben wir in Napoli den Vesuv in seiner ganzen Schönheit bewundern dürfen.

Zum Abendessen kehren wir in ein hübsches kleines Restaurant mit (Nicht-) Blick auf den Ätna ein.

Dort gibt es aber trotzdem noch einen besonderen Moment an diesem Abend. Denn es erscheint eine Familie, die von unserer freundlichen Bedienung herzlich begrüßt wird.

Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass die Familie Nachbarn unserer Bedienung sind, die sich eigentlich erst während des harten Lockdowns im Frühjahr kennen gelernt haben, als man praktisch in seinen Wohnungen weg gesperrt war. Der Lockdown war also wenigstens auch für ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl in der Nachbarschaft und neue Freundschaften gut. Diese Erzählung hat uns sehr berührt...

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Bild 205
Nach dem leckeren Abendessen schlendern wir den Corso Umberto zurück und sind wieder auf dem nächtlichen Piazza IX. Aprile

Hier erleben wir unerwartet und live wunderbare handgemachte Loungemusik von einer 5-Mann-Band. Es sind die ersten live-gespielten Töne seit vielen Monaten. Jetzt merke ich, wie sehr mir das gefehlt hat. Schon dafür hat es sich gelohnt, hier hoch zu kommen. Das Saxofon ist toll.

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Bild 206
Taormina, Corso Umberto

Den Rückweg zu unserer Pension wagen wir zu Fuß. Zunächst sind es gut beleuchtete Stufen, dann wird der Weg zu einem schmalen, steilen Pfad im Finstern. Gut dass die Smartphones noch genug Energie haben und als Taschenlampe dienen können. Wir sind froh, als wir unten sind. Und das Glück ist fast unfassbar, als der Pizzabäcker, der direkt neben unserer Pension Pizzen backt, Ralf noch ein paar Dosen Bier für den Verzehr auf unserer tollen Terrasse verkauft. Ihr wisst schon, die mit dem Blick!

Damit schließen wir Teil 4 unserer Schienenkreuzfahrt im Corona-Sommer 2020. Fast hätte man das Virus heute vergessen können.

Jetzt haben wir aber wirklich den Wendepunkt erreicht.
Klar, dass es weitergeht, wir müssen ja wieder nach Hause kommen. Und - ihr kennt uns ja schon - das wird nicht auf direktem Weg geschehen! In Teil 5 werden wir nach Kalabrien übersetzen, auf schmaler Spur in grandiose Gebirgslandschaften bis nach Cosenza eintauchen und von dort in einer schnellen Etappe in nördlicher Richtung bis nach Rom fahren.

Wie immer freuen wir uns auf Eure Anmerkungen, Ergänzungen und Kommentare.

Wer Teil 3 verpasst hat, kommt hier dahin zurück: [www.drehscheibe-online.de]

Den Link zum fünften Teil findet ihr hier: [www.drehscheibe-online.de]

Danke für Eure Aufmerksamkeit und freundliche Grüße aus Aschaffenburg (und Leipzig) von

Thomas (und Ralf)




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.02.21 17:14.
Wieder sehr schön, und weckt Erinnerungen an zwei vergangene Sizilien-Reisen von mir. Beim letzten Mal 2018 ging es von Palermo nach Agrigento, das ihr ausgelassen habt (aber unbedingt zu empfehlen ist). Von dort dann auf dem euch bekannten Weg via Gela und Ragusa nach Siracusa.

Die Fahrt mit der Linie 812 auf den Monte Pellegrino habe ich ebenfalls noch in bester Erinnerung. U.a. ist mir noch präsent, dass die Türen bei fürchterlich heissem Wetter offen blieben, nicht ganz "ohne" auf dieser gebirgigen Strasse... ;-)

Und besonders gefreut hat mich natürlich das (mir bis jetzt unbekannte) russische Denkmal in Messina. :-)


Viele Grüsse aus Basel,

Ralph.





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.02.21 11:33.

Sehr schön, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 23.02.21 16:48

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Sehr schöner Bericht, der einige Erinnerungen wieder auffrischt. Vielen Dank!

Um der Vereinsamung zu entfliehen, setzen wir uns gleich dazu, werden aber einmal mehr nicht richtig begeistert von der Bedienung aufgenommen. Wir Teutonen scheinen irgendetwas wohl nicht ganz Sizilien-adäquat zu machen.

In Italien mag man es eigentlich gar nicht, wenn "Wait to be seated" nicht beachtet wird ...

Grüße aus dem Süden

Dst
Hallo ihr beide,

Thomas Klug schrieb:
https://abload.de/img/dsorb1701wj9v.jpg

Man erreicht die Station der neuen Normalspurstraßenbahn direkt durch den nördlichen Seitenausgang des Kopfbahnhofs. Es sind zwei Stumpfgleise mit dazwischen liegendem Bahnsteig und ein doppelter Gleiswechsel. Die Strecke führt in die östliche Richtung in den Stadtteil Roccella und wird etwa alle 15 Minuten bedient. Es ist derzeit noch eine Inselstrecke. Es gibt drei weitere Linien weiter westlich, die wir noch besuchen wollen. Alle vier Linien wurden im Dezember 2015 eröffnet. Darüber hinaus sind noch drei weitere Linien in der Planung. Dann sollen die Strecken auch miteinander verbunden werden. Aktuell bedient noch eine Buslinie die (große) Lücke.
Mal schauen, wann beide Netze zusammenwachsen (erinnert ein die Teilnetze Trambaix und Trambesos in Barcelona). Bemerkenswert ist in Palermo, wie das Planum der Straßenbahnstrecken durch Zäune eingehaust ist. Habe ich so bislang noch nirgendwo gesehen.


Thomas Klug schrieb:
https://abload.de/img/dsorb174s9k20.jpg
Hier ging es einmal weiter in das Hafengelände. Und das soll auch wieder so kommen. Die Verlängerung zu einer Station „Porto“ ist geplant
Zwischen Giachery und Notarbartolo wird gegenwärtig am Innenstadtring gebaut. So richtig ergibt diese Ringbahn allerdings keinen Sinn, weil der Hauptbahnhof damit nicht erschlossen wird. Im ursprünglichen Verkehrskonzept Palermos sollte eigentlich auch eine Metro gebaut werden, die auch den Hauptbahnhof verbinden sollte.


Thomas Klug schrieb:
Aber das Warten hat sich gelohnt! Die Bergfahrt ist grandios. Nach jeder Kehre auf der Serpentinenstraße bieten sich neue spektakuläre Blicke auf die Stadt und das Meer. Wir werden im Bus ziemlich hin- und hergeworfen. Der Fahrer scheint seinen Spaß zu haben und fährt hier nicht zum ersten Mal. Oder muss er etwa eine Riesenverspätung aufholen? Die Verschlusszeit der Kamera steht zumindest am Anschlag!
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https://abload.de/img/dsorb1789okus.jpg

Bild 178
Die Buslinie 812 hat ihre Endstation auf dem Monte Pellegrino erreicht
Danke für den Tipp mit dem Montesanto.


Thomas Klug schrieb:
https://abload.de/img/dsorb187iojbe.jpg

Bild 187
Seit 2003 gibt es in Messina seit der Stillegung 1951 wieder eine Strassenbahn

Anmerkung von Ralf:
Die Streckengeometrie erweckt tatsächlich den Eindruck, als ob diese ein Modelleisenbahner konstruiert hat, der gerade keine gebogenen Gleise im Angebot hatte. In sein Zeugnis kann ich nur ein „ungenügend“ schreiben. So etwas habe ich noch nie erlebt.

Die Straßenbahn in Messina war vor zwei Jahren kurz vor der Einstellung, die Gleisanlagen und die Züge befinden sich in einem erbärmlichen Zustand. Offenbar gab es hier ein umdenken, denn die Stilllegungsüberlegungen sind offenbar vom Tisch. Ohne eine Investition in neue Fahrzeuge oder einer Grundinstandsetzung der Cityways sehe ich allerdings schwarz.


Viele Grüße aus Berlin

Patrick

https://farm1.staticflickr.com/869/27921841298_515929d3d5_c.jpg
Zitat:
https://abload.de/img/dsorb197a1kmy.jpg
Bild 197
Blick von der Terrasse unserer freundlichen Ein-Sterne-Pension direkt an der südlichen Ausfahrt des Bahnhofs Taormina-Giardini

Ich tippe da mal auf "Pensione Cundari"... Richtig ?
PatrickBln schrieb:
Die Straßenbahn in Messina war vor zwei Jahren kurz vor der Einstellung, die Gleisanlagen und die Züge befinden sich in einem erbärmlichen Zustand. Offenbar gab es hier ein umdenken, denn die Stilllegungsüberlegungen sind offenbar vom Tisch. Ohne eine Investition in neue Fahrzeuge oder einer Grundinstandsetzung der Cityways sehe ich allerdings schwarz.
Von den 15 Bahnen sind nur noch 8 betriebsfähig, die Nrn. 01-04, 07, 12 und 15T dienen schon seit Jahren als Ersatzteilspender.

Gruss, Thomas.

Sammelantwort von Ralf

geschrieben von: E 44 051

Datum: 25.02.21 22:13

Hallo liebe Freunde des entspannten und genießenden Reisens,

vielen Dank für Euer Interesse und die zahlreichen Rückmeldungen.

@Ralph (403 002 "Hansestadt Lübeck"):
Thomas hat natürlich schon (fast) sämtliche Strecken auf Sizilien bereist, unsere Reiseroute war also ein Stück weit unserem zeitlichen Budget, mir als Sizilien-Greenhorn, meinem Wunsch nach mindestens einem "Ruhetag" auf der Tour (auf meinen bisherigen Drei-Wochen-Touren 2017-2019, die allesamt nach Lisboa (Zweitheimat) gingen, war das ja jeweils eher eine "Ruhe-Woche") und den fahrplanmäßigen Möglichkeiten geschuldet. Nebenbei ist es auch sehr praktisch, durch den Besuch eines Waschsalons etwa in der Mitte der Reise die mitzuschleppenden Klamotten fast zu halbieren ;-)

Die Buslinie 812 sollte für jeden Palermo-Besucher ein MUSS sein. Auf der Detailkarte von Palermo ist auch der Linienverlauf in rosa gut zu erkennen, Serpentinen ohne Ende. Wenn ich mich recht erinnere, war bei uns auch die vordere Einstiegstür offen.

Das russische Denkmal in Messina war wohl übrigens auch noch nicht sooo alt, wir kamen da auch eher zufällig vorbei.

@Dst:
"In Italien mag man es eigentlich gar nicht, wenn "Wait to be seated" nicht beachtet wird …"

Ja, ich als gelernter DDR-Bürger hätte mich eigentlich an das "Sie werden platziert!" erinnern müssen ;-) Allerdings wurden wir ansonsten auf der Tour meistens von der Bedienung empfangen, die dann auch unserem Tischwunsch entsprachen. Beim Nobelrestaurant im Hafen von Palermo war der Empfang leider gerade nicht besetzt, tja...

@Patrick:
"Mal schauen, wann beide Netze zusammenwachsen (erinnert ein die Teilnetze Trambaix und Trambesos in Barcelona). Bemerkenswert ist in Palermo, wie das Planum der Straßenbahnstrecken durch Zäune eingehaust ist. Habe ich so bislang noch nirgendwo gesehen."

Lassen wir uns überraschen, sowohl bei der Verbindungsstrecke der Straßenbahn, als auch rund um Giachery. Und viel Vergnügen mit dem Tipp!

Die Straßenbahn in Messina sehe ich aus unserer eigenen Ansicht noch nicht nachhaltig bestehend. Die völlig bescheuerte Gleisgeometrie setzt der Infrastruktur mit jeder Fahrt weiter zu, und die Fahrzeuge vertragen diese Tortur auch nicht so ohne weiteres. Die Laufwerke werden schon extrem belastet, und die Reisegeschwindigkeit leidet auch sehr unter diesen "Ecken"... Ob man nach so wenigen Jahren nach dem Neubau schon wieder sanieren wird?

Thomas (@tkautzor) verstärkt mit seinem Einwurf, dass fast die Hälfte der Fahrzeuge außer Gefecht ist, meine Befürchtung...

@portbou:
"Ich tippe da mal auf "Pensione Cundari"... Richtig ?"

100 Punkte! Wir haben uns in dieser einfachen und freundlichen Pension sehr wohl gefühlt. Da unser Zimmer ganz oben war, hatten wir auch nur wenige Meter bis auf die Terrasse.

Morgen gibt es den nächsten Teil, wieder von Thomas, bis dahin freundliche Grüße aus Leipzig von
Ralf


Meine Reiseberichte: [www.drehscheibe-online.de]

Re: Sammelantwort von Ralf

geschrieben von: Axel.Beku

Datum: 26.02.21 12:26

Auf Bild 161 sieht man im Hintergrund in Ragusa Güterwagen...
Güterverkehr?

Güterverkehr in Ragusa?

geschrieben von: Thomas Klug

Datum: 26.02.21 17:27

Axel.Beku schrieb:
Auf Bild 161 sieht man im Hintergrund in Ragusa Güterwagen...
Güterverkehr?
Hallo Axel,

die Frage kann ich leider nicht eindeutig beantworten. Gesehen haben wir keine Güterzüge auf der Strecke. Vielleicht findet sich noch ein kundiger Leser und Kenner der Sizilien-Szene?
So ganz alt und dem Untergang preisgegeben sehen die Wagen allerdings auch wieder nicht aus.
Ich hänge noch mal ein (Gegenlicht-) Bild an, das ich bei der Ausfahrt geschossen habe. Soweit man sehen kann, sind die Wagen leer. Der erste im Bild hat eine geöffnete Seitenwand. So stellt man Wagen eigentlich auch nicht ab, wenn sie noch in Gebrauch sind.

Aber mehr Vermutungen möchte ich mangels Wissen nicht anstellen.
Viele Grüße von
Thomas
A-IT-F-CH-So20 (796).JPG

Re: Güterverkehr in Ragusa?

geschrieben von: Avala

Datum: 26.02.21 18:43

Meines Wissens nach erschöpft sich der kommerzielle Güterverkehr in Sizilien auf die Strecke Messina - Catania. Wenn es noch keine Ewigkeiten dort steht, eventuell irgendwas für den Eigenbedarf der Infrastruktur?

Re: Güterverkehr Sizilien

geschrieben von: julian l.

Datum: 26.02.21 19:02

Ciao a tutti! ;)

Die Güterwagen in Ragusa sind in der Tat etwas rätselhaft, dienen aber sicher nicht dem kommerziellen Güterverkehr. Ich vermute, dass sie einfach dort abgestellt sind, will aber auch die ins Spiel gebrachte interne Nutzung nicht ausschließen.

Planmäßig werden auf Sizilien im Güterverkehr nur noch Bicocca, Pace del Mela und (in stark reduziertem Umfang) Palermo Brancaccio bedient. Alles abseits der Ost- und Nordküste ist seit spätestens 2013 Vergangenheit (zuletzt noch Gela).

Viele Grüße
Julian

Meine schönsten Fotos in der DSO-Galerie...: [www.drehscheibe-online.de]

Re: Güterverkehr Sizilien

geschrieben von: tkautzor

Datum: 26.02.21 22:22

Die Vier Güterwagen in Ragusa stehen schon seit mindestens 5 Jahren an der gleichen Stelle, vielleicht lohnt es sich nicht extra eine Lok hochzuschicken, um sie zum Schrotthändler zu bringen. Eine interne Nutzung für sie gibt es nicht, in Italien wird die kleinste Baustelle an Privatfirmen vergeben, damit auch in diese Richtung die Förder- und Steuergelder weiterfliessen.

In Ragusa wurde zuletzt noch die Zementfabrik und das ENI Versalis-Chemiewerk bedient, die werkseigene ENI-Rangierlok steht aber schon seit mindestens 10 Jahren auf dem gleichen Fleck.

Gruss, Thomas.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.02.21 22:26.

Re: Güterverkehr Sizilien

geschrieben von: roomette

Datum: 27.02.21 13:12

Bild Güterwagen in Ragusa Oktober 2016. Kommen leider nicht vom Fleck!
BA6C186B-B81E-46FA-9972-83263B01E5EC.jpeg

Re: Sammelantwort von Ralf

geschrieben von: portbou

Datum: 28.02.21 23:27

Zitat:
Zitat:
@portbou:
"Ich tippe da mal auf "Pensione Cundari"... Richtig ?"

100 Punkte! Wir haben uns in dieser einfachen und freundlichen Pension sehr wohl gefühlt. Da unser Zimmer ganz oben war, hatten wir auch nur wenige Meter bis auf die Terrasse.

Ich war September 2019 dort und fand es auch sehr gut.