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[HU] Ein Kapitel endete - bebilderte Reiseberich

geschrieben von: Tamás Tasnádi

Datum: 14.02.21 11:00

Vor ein paar Tagen habe ich die erste Fahrt brandneuer Schienenfahrzeuge vorgestellt, aber jetzt berichte ich über die letzten Tage des Laufs von Fahrzeugen, über die Endtage eines typischen ungarischen Zugtyps.
Auf dem Liniennetz der MÁV, hauptsächlich auf der Vorortstrecken von Budapest verkehren Wendezüge seit langem. Die erste Versuche begonnen 1962 durch Umbau eines früheren Triebwagens, zum ersten Mal laufte ein Pendelzug im öffentlichen Verkehr am 17. September desselben Jahres zwischen Budapest-Nyugati pu und Monor, bzw. Albertirsa. Nach den erfolgreichen Testläufen begann in der Reparaturwerkstatt Dunakeszi den Serienbau der neuen Steuerwagen, der wurden durch Neugestaltung des Wagentyps Bah (später Bh) erstellt. Anfänglich wurde eine indirekte Steuerung angewendet, nach dem Erscheinen der entsprechenden Lokbaureihen (1973: V43, später M41) begann dann der Übergang zur direkten Steuerung. Die von Bhv-, Steuerwagen und Lok V43 zusammenstellte Züge bestimmten durch Jahrzehnte hindurch den Vorortverkehr in Budapest. Im Rahmen einer Modernisierung, die in 1998 begann, erhielten mehrere Vorortwagen ein vollständige Umbau, inzwischen die im Programm nicht enthaltene Wagen wurden an ländlichen Standorte stationiert. In den letzten Jahren wurden nur wenige dieser Wagen zu Wendezüge zusammentellt, und mit Lok der Baureihe 431 (V43) verkehren sie nur auf enigen Bahnlinien. Anfang Februar waren nur vier der ursprünglichen Steuerwagen, der 307, 318, 323 und 365 in Dienst, die liefen auf zwei kurzen Linien, zwischen Vámosgyörk und Gyöngyös (13 km), sowie Füzesabony und Eger (17 km). Ab dem 8. Februar sind jedoch ernsthafte Änderungen für diejenigen zu erwarten, die auf dieser Linie reisen. Innerhalb weniger Wochen läuft die Hauptuntersuchung aller vier Wagen ab, und die MÁV-Start beabsichtigt nicht die weiter zu betreiben. Also ein Kapitel wird bald enden: diese für der MÁV bzw. MÁV-Start so charakteristische blaue Wendezüge werden dauerhaft aus der ungarischen Eisenbahn verschwinden und durch die modernisierten Wendezügen "Schwalbe" (genannt auch als streifige Züge) ersetzt.
Der Sonntag, 7. Februar, dämmerte bewölkt und traurig, trotzdem habe ich mich entschlossen nach Füzesabony zu reisen. Der Grund dafür war, daß dies war der letzte Arbeitstag für den Steuerwagen 50 55 80-05 307-0 war, bevor sein Besitzer ihn aus dem Dienst zurückzog. Nach seinem Laufplan pendelte der Wagen an diesem Tag auf der nach Eger führende Nebenlinie, also tauchte ich um halb elf Uhr am Bahnhof der am nördlichen Rand der Ungarischen Tiefebene befindliche Kleinstadt Füzesabony auf. Es war noch Zeit bis der Personenzug 5515 von Eger ankam, also sah ich mich im Bahnhof um. Zuerst ging ich zum Gleis neben dem ehemaligen Lagerhaus, auf dem die Rangierlok 478 301 stand, die schien an diesem Sonntag untätig zu sein.
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Zwei abfahrtbereite Personenzüge standen am Bahnhof. Links, auf dem Gleis 1 ist ein Studenka-Triebzug zu sehen, dessen Ziel war Debrecen - derzeit gibt es zwischen Balmazújváros und Debrecen aufgrund der dort stattfindenden Bauarbeiten jedoch ein Schienenersatzverkehr. Rechts, auf Gleis 2 fährt bald der Ganz-Triebzug mit seinem Steuerwagen vorwärts nach Miskolc ein.
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Da für den durch mich erwarteten Zug eine Verspätung von 15 Minuten gemeldet wurde, ging ich auf einem Pfad neben der Gleise zur ehemaligen Postladesstelle. Ich sah nämlich schon wenn ich am Bahnhof ankam, daß die retro-Ellok der MÁV-Start, die V43 1001 am Ende des Bahnhofs wartete. Das Bild zeigt diese bereits etwas abgenutzte Maschine, neben der ein Inter-Regio Zug verläßt den Bahnhof in Richtung Eger.
https://kepkuldes.com/images/075dc5ada5162f873f3d910b2864116e.jpg

Dann kam der Zug 5515 eigentlich 16 Minuten zu spät aus Eger an. Es ist ein etwas seltsamer Anblick eine relativ leistungsstarke elektrische Lokomotive (3000 PS) mit einem so kurzen Personenzug zu sehen. Früher war dies undenkbar: in den 70-er und 80-er Jahren wurde ein Wendezug von 9 - 10 Wagen zusammenstellt.
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Nachdem ich das Bild aufgenommen hatte, musste mich beeilen, da die Zeit für die Abfahrtszeit des Zuges rückte näher knapp war, und für einen kurzen Wendezug nicht viel Zeit für einen Richtungswechsel benötigt wird. So hatte ich die Gelegenheit den Steuerwagen in Eger zu sehen, wo haltete der Zug eine Stunde. Dies ist auf den ersten Blick kann gesagt werden, daß sich die Schöpfer des Typs nicht viel mit dem Design befasst haben.
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Ich zeige die Inschriften an der Seite des Wagens, die am 7. Februar auslaufende Hauptuntersuchung-Markierung ist deutlich sichtbar. Im Vergleich dazu scheint sich das Fahrzeug in einem guten Zustand zu befinden. Übrigens: Wendezüge mit einem Wagen der 1. Klasse verkehrten in Ungarn ausschließlich zwischen Füzesabony und Eger, dieser Züge wurden von einer Lok der BR V42 traktioniert.
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Ein Blick in den Fahrgastraum des Wagens lohnt sich ebenfalls. Diese Vorortwagenserie war früher mit ausschließlich mit dunkelgrünem Kunstleder bezogenen Sitzen ausgestattet. Später wurden die Sitze mehrerer Wagen um den Fahrgastkomfort zu erhöhen mit rotem oder hellbraun gemustertem Stoff bezogen. Für Steuerwagen 307 wurde jedoch eine einzigartige Lösung verwendet: im Wagen kann man den sogenannten Dalida-Sitzbezug zu sehen, der vormals für Reisezugwagen der 1. Klasse verwendet wurde.
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Und dies ist das andere Ende des Zuges, die für die Traktion verantwortliche Lok 431 368. Der Steuerwagen der Unterbaureihe 300 eignen sich zur Steuerung der 431-ern, obwohl nur ein Teil der Zugfahrzeuge wurden für die Zusammenarbeit mit einem Steuerwagen geeignet gemacht.
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Kurz darauf kam der nächste Interregio von Budapest an, diese Zugart ist vor kurzem erschienen und verkehrt stündlich zwischen der Hauptstadt und Eger. Da ich mir schon alles angesehen hatte, was ich sehen wollte, stieg in diesen Zug ein und machte mich auf den Weg zurück. Dies erwies sich als gute Entscheidung, da der Zug kaum startete, es fing an zu regnen.
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In diesem Zug blieb ich nur bis Vámosgyörk, von dort reiste ich nach einem Umstieg weiter nach Gyöngyös. Zum Glück hatte der Regen bis dahin aufgehört. In diesem Zug laufte der Steuerwagen 318, dessen "Gültigkeit" am 19. Februar läuft ab. Die Stadt selbst für Eisenbahnbegeisterten vor allem für seine Schmalspurbahn ist bekannt, der zu diesem Zeitpunkt, im Winter nicht verkehrt.
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Der Zug war bereitsnach einem Aufenthalt von nur acht Minuten, sowie nach einem schnellen Fahrtrichtungswechsel fuhr vom Kopfbahnhof zurück ab. Da ich hier keine andere Pläne hatte, habe ein paar Fotos gemacht und stieg demnächst wieder in den Zug. Der Schaffner sah mich seltsam an, er verstand wahrscheinlich nicht, wofür zum Teufel ich nach Gyöngyös reiste, wenn ich sofort dorthin zurückkehren, wo ich herkam.
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Keine Stunde verging und ich war wieder in Vámosgyörk. Ein weiteres Foto vom Steuerwagens wurde aufgenommen, rechts ist das alte Wasserhaus zu sehen. Es ist interessant, daß auf der Flügelstrecke nach Gyöngyös bis Mitte der 1980-er Jahre die Wendezüge von Dampflokomotiven gezogen/geschoben wurden - wahrscheinlich das war dar letzte, mit einer Dampflok traktionierte Wendezug bei der MÁV.
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Währenddessen wurde der auf Gleis 1 ein andere, als Leerzug ankommende Wendezug mit einer Rangiermanöver auf das Gleis äußere 1 umgestellt. Am Ende dieses Zuges stand der Steuerwagen 323, also ich konnte drei der vier, zu Beginn meines Beitrags erwähnten betriebsfähigen Fahrzeuge zu sehen und fotografieren.
https://kepkuldes.com/images/aaab4113608a050763c65e3b6fa13e22.jpg

Das Lied "Véget ért egy fejezet" (Ein Kapitel endete) wurde 1970 auf dem Album der ehemalige Band Juventus veröffentlicht. Als ich an diesem Tag die Wendezüge folgte, kam mir dieser, bis heute beliebte Schlager in den Sinn. Obwohl es sich bei dem Song um etwas völlig anderes handelt, ist der Titel sehr passend für die Situation: auch bei MÁV-Start endet ein Kapitel mit der Tatsache, daß diese ikonische Züge bald vollständig von den ungarischen Eisenbahnlinien verschwinden werden. Aber wir werden nicht ohne altmodische Wendezüge bleiben, einige der Steuerwagen der zus Dieselloks der BR 418 geeignete Unterbaureihe 100 sind auf der Linie Budapest - Lajosmizse und in der Gegend von Debrecen in Betrieb.

Re: [HU] Ein Kapitel endete - bebilderte Reiseberich

geschrieben von: jochen11

Datum: 15.02.21 08:51

Auch von mir großen Dank. Dieses Jahr sollte die Ungarische Eisenbahn doch 175 Jähriges Jubiläum feiern, oder? Sind dazu schon Details bekannt? Lg Jochen.
Hallo,

ich habe leider keine Informationen darüber.

Viele Grüße aus Ungarn

Re: [HU] Ein Kapitel endete - bebilderte Reiseberich

geschrieben von: NOIE01

Datum: 16.02.21 00:00

So sahen die Wendezüge zwischen Vámosgyörk und Gyöngyös im März 1980 aus, damals war noch die Dampflok-Reihe 324 dafür im Einsatz.

324.816, Gyöngyös, März 1980, Foto NOIE.jpg

Wendezug, Gyöngyös, März 1980, Foto NOIE.jpg
Hallo,
danke für die tollen Bilder.
Ich war einige Jahre später dort, als eine Dampflok der BR 424 im Einsatz war. http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/03/62110050808.jpg

Herzliche Grüße aus Ungarn

Re: [HU] Ein Kapitel endete - bebilderte Reiseberich

geschrieben von: no-night

Datum: 16.02.21 13:21

jochen11 schrieb:
Auch von mir großen Dank. Dieses Jahr sollte die Ungarische Eisenbahn doch 175 Jähriges Jubiläum feiern, oder? Sind dazu schon Details bekannt? Lg Jochen.
Rechne mit nichts großartiges - egal wie es mit Virus weitergeht - die 90er sind vorbei!