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Hallo!

Und weiter geht die Reise durch Norwegen. Der letzte Teil endete in Verdal an der Trønderbahn und von dort fahren wir heute weiter zum Dovrefjell. Das Wetter soll schön werden und uns erwarten drei sommerliche Tage. :-)

Wer den bisherigen Reiseverlauf noch nicht kennt, kann ihn hier nachlesen:

Teil 1: Auftakt in Oslo
Teil 2: Eine Runde im Süden
Teil 3: Rund um Trondheim



Samstag, 8. August 2020

Das Wetter bleibt sich treu in Norwegen und mit dem Durchzug einer Kaltfront kündigt sich für heute ein wechselhafter Tag an. Am Morgen ist es aber noch gar nicht so schlecht, zwischen einigen Schleierwolken schaut auch einmal die Sonne hindurch. Ich beeile mich deshalb mit dem Frühstück im Hotel, denn eine Chance für ein weiteres Foto des Zuges nach Bodø sowie der Morgengüterzüge will ich nicht verpassen. Cargonet ist heute morgen allerdings nur mit dem Zug nach Norden unterwegs, der Nachtzug aus Bodø hat – entsprechend der fehlenden Hinleistung am Vorabend – Ausfall.

Für den Schnellzug fahre ich zurück nach Skogn und postiere mich an der alten E6. Für den Güterzug ist nicht viel Zeit zum Wechseln und ich stelle mich einfach an einen Hof nördlich des Ortes. Auf Fotos der Triebwagen verzichte ich an diesem Morgen, da sie nur im Zweistundentakt unterwegs sind.

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Zwischen Ronglan und Skogn bringt auch heute wieder Di 4 654 den Tageszug von Trondheim nach Bodø.

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CD 312 001 folgt keine Viertelstunde später mit dem Gt 5795. Etwas nördlich von Skogn lässt ich wieder der Trondheimfjord ins Bild integrieren, an dessen Ufer die Papierfabrik Norske Skog Skogn liegt.

Wenig später ist es mit der Sonne vorbei und es gibt eigentlich wenig Grund, noch länger an der Strecke zu bleiben. Allerdings ist im grafischen Fahrplan für heute ein zusätzlicher Güterzug eingezeichnet. Es soll eine Fahrt von Grenland Rail sein, die vornehmlich im Bauzugdienst tätig ist. Das könnte also von einer einzelnen Lok über die Überführung einer Gleisbaumaschine bis zu einem langen Schotter- oder Gleisumbauzug alles sein. Ich will den Zug noch abwarten, da ich bei der Fahrt von zum Flughafen am Donnerstag bei Ranheim eine ganz interessante Fotostelle gesehen habe, die sich für einen langen Zug lohnen würde.

Über die im näheren Einzugsbereich von Trondheim gut ausgebaute E6 erreiche ich Ranheim schnell und kann sogar noch zwei Triebwagen fotografieren, bevor der Bauzug dran ist. Dessen Abfahrt scheint sich allerdings zu verzögern, zur planmäßigen Durchfahrtszeit in Ranheim steht er laut Togkart immer noch in Trondheim. Allerdings zeigt sich so langsam ein kleiner blauer Streifen in den sonst dichten Wolken. Als der blaue Streifen fast schon an der Sonne ist, setzt sich der Zug in Trondheim tatsächlich in Bewegung. Und da es bis Ranheim nicht weit ist, schafft er es auch noch innerhalb des blauen Lochs. Und, die Fahrt entpuppt sich zum Glück nicht nur als ein Loküberführung.

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Bei Ranheim verläuft die Trønderbahn für einige Kilometer direkt am Meer entlang. Bm92 13 ist auf der Fahrt von Steinkjer nach Trondheim.

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Einen langen Gleisumbauzug haben die Grenland Rail-Loks 6407 und 6448 von Trondheim nach Mosjøen zu bringen. Mit den letzten Ausläufern von Trondheim im Hintergrund kurven sie am Fjord entlang.

Schnell ist die Sonne im Anschluss wieder weg und für mich gibt es nun wirklich keinen Grund mehr, länger zu bleiben. Ich will heute schließlich noch zum Dovrefjell. An Trondheim vorbei fahre ich in Richtung Süden und biege noch vor Melhus auf die E39 ab. Ich will nicht den direkten Weg über die E6 nehmen, sondern eine etwas westlichere Route, die einige kleinere Straßen berührt. Bis Orkanger führt mich der Weg allerdings erst einmal über eine gut ausgebaute Schnellstaße, die fast durchgängig in Tunnel verläuft. In Orkanger will ich mir auf der Karte noch einmal den weiteren Streckenverlauf ansehen und entdecke dabei südlich der Stadt eine Bahnstrecke. Eine Staatsbahnstrecke kann das nicht sein, aber den Namen Orkanger habe ich schon einmal gelesen. Das war in der Reisevorbereitung und bei Orkanger gibt es eine Museumsbahn, die Thamshavnbahn! Das will ich mir natürlich näher ansehen. Ein kurzer Stopp am Haltepunkt etwas außerhalb der Stadt ergibt, dass die Strecke in Betrieb und heute Fahrtag ist. Um 14:15 Uhr soll am südlichen Endpunkt in Løkken ein Zug abfahren. Den könnte ich sogar nehmen. Und bis dahin ist noch genug Zeit, entspannt und über ein paar Nebenstraßen nach Løkken zu fahren.

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Schnell ist außerhalb von Orkanger die Stadt vergessen und man ist auf kleinen Straßen im „richtigen“ Norwegen mit seinen verstreuten roten Gehöften inmitten saftig grüner Landschaft.

Etwa eine halbe Stunde vor der Abfahrt des Zuges erreiche ich den Løkken. Hier ist der Betriebsmittelpunkt der Thamshavnbahn, die in mehreren Etappen bis 1908 zur Verbindung der Kupferminen rund um Løkken mit dem Hafen in Orkanger erbaut wurde. Sie hat 1000 mm Spurweite und ist heute die älteste mit Wechselstrom elektrifizierte Bahnstrecke der Welt, die noch mit ihrem originalen Stromsystem fährt. Neben den Bahnsteig- und Depotanlagen gibt es in Løkken auch ein kleines Museum zur Bahngeschichte und dem Kupferbergbau in der Region. Ich schaue mich noch ein wenig um. Der kleine Zug steht aber schon bereit und das Personal hält bis zur Abfahrt noch einen kleinen Schwatz.

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Am Bahnsteig in Løkken Verk steht die Lok Nr. 5 mit zwei Wagen und wartet auf Fahrgäste.

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Der Zug besteht aus einem normalen Sitzwagen der Holzklasse und einem Speisewagen. Während ersterer ein Originalwagen der Thamshavnbahn ist, ist der Speisewagen ein Nachbau im historischen Stil. Aktuell benötigt der Zug auch etwas „Zusatzausstattung“.

Die gesamte Strecke bis zum Endpunkt in Bårdshaug ist 22 km lang, wird aber nicht von jedem Zug befahren. Die Nachmittagsfahrt um 14:15 Uhr endet bereits in Svorkmo und befährt nur das landschaftlich interessanteste Stück, den Abstieg von Løkken in das Orkladalen. In Svorkmo sind 15 min Aufenthalt, dann geht es wieder zurück.

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Die Strecke führt bis Svorkmo mal mehr, mal weniger hoch an einem Hang entlang und meist durch Wälder. Der Höhepunkt der Fahrt ist der Klingliene tunnel, an dem es auch einen kleinen Haltepunkt gibt.

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In Svorkmo setzt die Nr. 5 um ihren Zug um. Sie gehört ebenfalls zu den Originalfahrzeugen der Bahn und wurde hauptsächlich im Personenverkehr eingesetzt.

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Ein paar Minuten später heißt es schon wieder einsteigen zur Weiterfahrt. Viel Nachfrage hat der Zug heute allerdings nicht, fast jeder Fahrgast hat seinen eigenen Wagen...

Zurück in Løkken schaue ich mir noch kurz das Museum an, in dem verschiedene weitere Fahrzeuge der Bahn besichtigt werden können. Und auch einen Überblick zur Geschichte gibt es.

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Im Museum in Løkken steht die Lok Nr. 8, eine der Güterzugloks der Bahn. Der Erzverkehr war stets das Hauptgeschäft und lief bis 1974, der Einstellung des Bahn.

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Alte Fotografien geben einen Überblick über die Historie der Thamshavnbahn. Links ist auch noch der sogenannte Königstriebwagen zu erkennen, ein Salontriebwagen, mit dem bei der Eröffnung die Geschäftsleitung und der damalige König Haakon VII. die Strecke bereisten. Er ist bis heute betriebsfähig und kann auch für Sonderfahrten genutzt werden.

Nach dem Besuch im Museum fahre ich weiter in Richtung Oppdal. Ein paar Kilometer außerhalb von Løkken kann ich mich zwischen der Hauptstraße und einer kleinen Seitenstraße entscheiden, die die Höfe auf der anderen Talseite anbindet. Da bevorzuge ich natürlich die letztere. Kurz vor Voll gibt es einen Abzweig in Richtung in die Berge, der zwar landschaftlich sicher interessant ist, aber auch einen deutlichen Umweg bedeutet. Da die Straße einen guten Eindruck macht, entscheide ich mich, diesen Weg zu nehmen. Die ersten Kilometer geht es einfach nur in die Berge hinauf, oben gibt es aber einige Seen und immer wieder kleine Hüttensiedlungen. Und sah es unten noch sehr stark nach Regen aus, scheint hier oben in einem Wolkenloch sogar die Sonne.

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Hoch oben in den Bergen liegt der Granasjøen.

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Ein paar Kilometer weiter folgt der Skarvatnet. Um ihn herum verstreut liegen zahlreiche Ferienhütten.

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Rastplatz mit Seeblick.

Hier oben, in der frischen klaren Luft und mit dem konstanten Wechselspiel aus Sonne und Wolken, könnte ich es noch lang aushalten. Aber ich muss ja weiter zum Dovrefjell. Ich fahre wieder hinab nach Oppdal und dort auf die E6. Je weiter ich in Richtung Süden komme, desto klarer wird die Bewölkung. Ein klarer Abend kündigt sich an. Als ich die Hochfläche rund um den Bahnhof Hjerkinn erreiche, ist es bereits fast wolkenlos. Der letzte Zug für heute ist schon durch, aber die Landschaft lädt auch so zum Fotografieren ein.

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Ein Sommerabend auf dem Dovefjell.

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Zwei Wochen Urlaub in einer solchen Hütte, was kann es Entspannteres geben...

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Scheinbar bereits im letzten Licht liegen die Berge, aber bis zum Sonnenuntergang ist es noch eine ganze Weile hin. Dieses lange, klare skandinavische Licht ist zum Fotografieren einfach ein Traum.

Als die Sonne sich endgültig dem Horizont zuneigt, fahre ich weiter und nach Dombås hinab. Hier wird, im örtlichen Vandrerhjem, meine Basisstation für die nächsten Tage sein.


Sonntag, 9. August 2020

Es ist Sonntagmorgen und ich freue mich auf einen der Höhepunkte der Tour – ein Tag auf dem Dovrefjell bei bestem Sommerwetter. Wobei der Morgen nicht ganz so sommerlich-sonnig beginnt, in Richtung des Fjells ziehen noch einige Wolken. An jedem anderen Tag der Woche wäre das nicht schlimm, da fährt der erste Zug dort oben erst gegen 10 Uhr. Aber nicht sonntags, da gibt es morgens einen Güterzug von Trondheim nach Oslo! Also fahre ich nach einem kurzen Frühstück direkt aufs Fjell hinauf, in der Hoffnung, ein Wolkenloch zu erwischen. Unterwegs sieht es wettermäßig auch gar nicht so schlecht aus, zwischen den Wolken sind immer wieder blaue Streifen. Es reicht aber nicht ganz, in Hjerkinn gibt es für den Güterzug doch nur Schatten.

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Eine El 19 bringt den Gt 5738 von Trondheim nach Oslo. Kurz vor dem Bahnhof Hjerkinn hat sie den Aufstieg aufs Dovrefjell geschafft und wird in ein paar Metern den Scheitelpunkt der Strecke überqueren.

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So aussichtslos, wie es auf der Aufnahme scheint, war es mit der Sonne aber gar nicht. Diese Aufnahme der Camper am Pass entstand bei einem kurzen Umdrehen noch während der Güterzug an mir vorbeirollte.

Bis zum ersten Personenzug sind jetzt zwei Stunden Zeit. Zeit für ein zweites Frühstück und ein paar Erkundungen der Umgebung. Als die Abfahrt des ersten Personenzuges näher rückt, wird es auch immer löchriger am Himmel und schon bald dominiert das Blau. Ich bin inzwischen an die Kongsfold Fjeldstue gewechselt, eine Hütte an der nördlichen Auffahrt zum Fjell.

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Der erste Schnellzug des Tages ist lokbespannt und legt im Bahnhof Kongsvoll einen kurzen Halt ein. Benötigt wird Kongsvoll zwar hauptsächlich als Kreuzungsbahnhof, aber er wird auch von Wanderern und Gästen der auf der anderen Talseite liegenden Kongsvold Fjeldstue genutzt.

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Durch den Halt im Bahnhof und die dadurch langsamere Fahrt in der Steigung schaffe ich durch einen kurzen Sprint noch ein zweites Foto des Zuges.

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Die Kongsvold Fjeldstue ist eine alte Pilgerherberge auf dem Weg nach Nidaros. Auch heute kann man hier noch übernachten, in die alten Gebäuden sind unter anderem ein Hotel und ein Café eingezogen.

Für den nächsten Zug fahre ich wieder auf das Fjell hinauf. Mir schwebt eine Perspektive vor, die auch die schneebedeckten Berge westlich der Bahn zeigt. Ich laufe deshalb ein paar Wanderpfade hinein, die von der Hauptstraße abzweigen. Auf einem kleinen Hügel werde ich fündig und vertreibe mir die Wartezeit mit ein paar Fotos der Landschaft.

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Schön kann ich von meinem Hügel aus die Berge des Dovrefjell überblicken. Ungefähr in der Mitte schaut die Snøhetta hervor, mit 2286 m die höchste Erhebung des Fjells.

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Mit etwas mehr Brennweite lässt sich die Snøhetta auch mit Zug fotografieren. Aus Richtung Hjerkinn kommt der Rt 41 von Oslo nach Trondheim angefahren.

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Aufgrund des Sommerfahrplans besteht er aus zwei Triebwagen, die in der weiten Landschaft nicht ganz so verloren wirken.

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Über das Fjell führen einige kleine Pfade, auf denen man schön wandern kann.

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Nicht uninteressant ist auch die arktische Vegetation mit ihren vielfältigen Moosen, Flechten und Zwergsträuchern.

Ich mache noch ein kurze Mittagspause und laufe dann wieder zur Straße zurück. Ich kann mir Zeit lassen, der nächste Zug kommt erst in drei Stunden. Und meine nächste Fotostelle ist nicht weit weg, ich muss praktisch nur auf die andere Talseite. Dort ist die bekannte Fotokurve am Hof Grønbakken.

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Durch das Tal fließt die Driva.

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Auch auf der anderen Seite gibt es einige Pfade, auf denen man weit in die Einsamkeit gelangen kann.

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Wir bleiben aber bei der Bahn. Am Hof Grønbakken vorbei fährt ein einzelner Bm73 als Rt 44 nach Oslo.

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Der Hof hat auch einige kleine Hütten und „Urlaubsparadiese“.

Bis zum nächsten Zug sind es nun wieder zwei Stunden. Also noch einmal Zeit, sich etwas von der Landschaft anzusehen. In Hjerkinn gibt es einen Aussichtsberg mit Rundumpanorama, der sich von einem großen Parkplatz aus bequem erwandern lässt. Dort laufe ich noch hinauf, bevor ich rechtzeitig zur nächsten Zugfahrt wieder am Parkplatz bin.

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Der Aussichtsberg „Snøhetta-Blick“.

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Das Panorama von dort oben ist zwar nicht spektakulär, aber die Snøhetta lässt sich gut einsehen.

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Es ist Urlaubssaison und Wochenende, dementsprechend gut ist der Weg zum Aussichtsberg frequentiert. An dessen unteren Ende sind bereits der Parkplatz und der Standpunkt für die nächsten beiden Fotos zu sehen.

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Um kurz nach halb Sechs kommt der zweite Nachmittagszug von Trondheim nach Oslo. Im Taleinschnitt im Hintergrund ist er auf das Fjell hinaufgefahren und nähert sich jetzt dem Scheitelpunkt.

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Ein paar hundert Meter weiter hat er diesen überquert und fährt er in den Bahnhof Hjerkinn ein. Im Hintergrund sind die Hütte „Frich‘s Hjerkinnhus“ und der Hjerkinnsdammen zu sehen.

In knapp einer Stunde soll der Gegenzug in Richtung Oslo in Hjerkinn sein. Ich muss mich für meinen Stellenwechsel also fast schon beeilen. Da ich den Zug aber unten im Bahnhof Hjerkinn fotografieren will, geht es trotzdem ganz locker und ohne Stress. Und danach ist dann noch einmal Spannung angesagt, denn es folgt noch ein außerplanmäßiger Güterzug. Es ist wieder eine Fahrt von Grenland Rail und eigentlich hätte er schon vor zwei Stunden hier oben sein sollen. Ich bleib einfach im Bahnhof und lasse mich überraschen, was kommt.

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Am Abend geht es wieder lokbespannt zur Sache. El 18 2243 bringt den Rt 45 von Oslo nach Trondheim und macht einen kurzen Stopp in Bahnhof von Hjerkinn. Ein paar Wanderer verließen auch den Zug und verschwanden dann in Richtung der Hütten und Unterkünfte.

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20 Minuten später folgt der Güterzug. Es ist die braune Ex-Schwedin Ma 404, die eine Bauzug von Hamar nach Støren zu bringen hat.

Eine Zugfahrt steht noch aus, nämlich der zweite Nachmittagszug von Oslo nach Trondheim. Für diesen suche ich mir eine Stelle auf der südlichen Seite des Fjells, in der Nähe des Betriebsbahnhofs Fokstua.

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Von der Fokstua Fjellstugu führt ein gut ausgebauter Weg in das Naturreservat Fokstumyra hinein, ein Hochmoor, in dem zahlreiche seltene Vogelarten leben und dem wohl eher Vogel- als Eisenbahnfreunde anzutreffen sein dürften.

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Aber auch für die Bahn gibt es schöne Blickwinkel und das skandinavische Abendlicht tut ein Übriges. Kurz vor Sonnenuntergang fährt im Sommer der Rt 47 und sogar als Triebwagen, so dass neben Streiflichtaufnahmen auch Nachschüsse möglich sind.

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Weil Licht und Landschaft so schön sind, gibt es noch eine zweite Variante.

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Bevor es zurück geht ein letzter Blick über die Fokstumyra mit dem Hof Nysætre im Hintergrund.

Auch wenn das alles sehr entspannt aussieht, bin ich froh, dass ich das Moor wieder verlassen kann. Ich war gefühlt immer von Wolke von Mücken umgeben und das Mückenspray lag dummerweise noch im Auto… Mittlerweile ist es aber auch schon spät und Zeit, zurück in die Unterkunft zu fahren.


Montag, 5. August 2020

Wettermäßig hat sich gegenüber gestern nichts geändert – nur dass es gleich am Morgen sonnig ist. Da morgens auf der Dovrebahn kein Verkehr ist, mache ich zunächst einen Abstecher an die Raumabahn, die am Morgen zwei Züge in Richtung Dombås hat. Langsam steigt während meiner Anfahrt nach Bjorli die Sonne höher und taucht das Tals immer mehr ins Licht. Es ist einer jener strahlend klaren Morgen, an denen man sich einfach auf den Tag freut. Trotz zweier Fotostopps erreiche ich Bjorli und meinen Fotostelle gut in der Zeit.

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Langsam geht über dem oberen Gudbrandsdalen die Sonne auf und taucht die Höfe ins Morgenlicht.

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Sicher eine der schönsten Fotostellen an der Raumabahn ist der Hügel über der Bahn etwas außerhalb von Bjorli. In flotter Fahrt kommt Bm93 01 herangerollt. Als Morgenzug fährt er von Åndalsnes über Dombås nach Lillehammer.

Ich entscheide mich, nicht mehr auf den zweiten Zug zuwarten, da ab 10 Uhr der Verkehr auf der Dovrebahn losgeht. Fünf Züge sind dort für den späten Vormittag angekündigt: ein Güterzug, der lokbespannte Zug nach Oslo, zwei Sonderleistungen und schließlich der Vormittagszug nach Trondheim. Dabei sollen die ersten vier Züge praktisch im Blockabstand fahren und den Zug nach Trondheim alle der Reihe nach zwischen Otta und Dovre kreuzen. Es ist also viel los und genau in diesem Abschnitt sind auch die interessanten Fotostellen für den Vormittag – es verspricht also spannend zu werden.

Ich starte mit dem Güterzug an einem Hang kurz vor Dovre. Es wird aber unfreiwillig knapp, denn während mir die Togkart den Zug noch im 10 km entfernten Dombås vorgaukelt, taucht er in einer Kurve im Hintergrund bereits auf. Ich schaffe es aber noch eine ganz brauchbare Position zu finden, bis er bei mir ist.

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187 403 rollt mit dem Gt 4810 von Trondheim nach Alnabru im Gudbrandsdalen nach Dovre hinab. Der Zug ist eine Leistung von Green Cargo, die mittlerweile auch einige von Railpool gemietete Traxx der neuesten Generation einsetzt.

Die Verfrühung des Güterzuges hat den Vorteil, dass ich jetzt mehr Zeit zum Stellenwechsel für die nachfolgenden Züge habe. Zwischen den Bahnhöfen Brennhaug und Sel gibt es einen recht engen Talabschnitt, an dem sich beide Personenzüge und auch die Sonderleistungen gut machen lassen. Allerdings wird es auch hier spannend, denn der Zug aus Trondheim hat ein paar Minuten Verspätung und die Kreuzung mit dem Gegenzug könnte damit von Sel nach Brennhaug verlegt werden. Damit wäre bei mir die Reihenfolge umgekehrt. Auch nicht gerade für Entspannung sorgt mein Standpunkt direkt zwischen der Leitplanke der hier sehr stark befahrenen E6 und einem Abgrund. Zum Glück läuft aber alles wie geplant und beide Züge kommen in der richtigen Reihenfolge. Und auch die erste Sonderleistung folgt kurz darauf. Von der zweiten ist allerdings keine Spur, sie bleibt ein Geisterzug im Fahrplan.

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Zug Nr. 1 ist der mit einer El 18 bespannte Rt 42 von Trondheim nach Oslo. Kurz vor Sel kurvt er im Tal des hier eher wilden Gudbrandsdalslågen entlang.

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Nach Kreuzung in Sel kommt der Rt 41 von Oslo nach Trondheim, wie gestern in Form zweier Bm73.

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Und Zug Nr. 3 sind schließlich drei bekannte der letzten Tage – die Grenland Rail-Loks Ma 404, 6407 und 6448. Aus Støren sind auf dem Weg zurück nach Hamar.

Nachdem den ganzen Vormittag nichts fuhr, dann alles innerhalb von ein paar Minuten, ist nun wieder eine ganze Weile Ruhe. Der nächste Programmpunkt sind zwei Güterzüge am frühen Nachmittag. Ich habe Zeit, mir noch bisschen Sel und seine Kirchen anzusehen, Proviant zu kaufen und eine Fotostelle für den ersten Zug zu suchen. Groß Auswahl ergibt sich dafür allerdings nicht, da um die Mittagszeit nicht viele Abschnitte für nordwärts fahrende Züge im Licht liegen.

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Sel hat hat zwei Kirchen. Eine schwarze direkt im Ort...

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...und eine weiße an der Straße ein paar Kilometer außerhalb.

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Bei Kjørem finde ich eine Kurve für den Gt 5731. El 14 2200 bringt eine Ladung bunt gemischter Container von Alnabru nach Trondheim.

Für den Gegenzug ist die Stellensuche einfacher, da habe ich mit der Panoramastraße von Otta einen klaren Favoriten. Einen schönen Blick finde ich dort schnell, auch wenn es mit dem Seitenlicht noch etwas knapp ist.

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Auch den südwärts fahrenden Gt 5702 bespannt eine El 14. Am Hof Sandbu vorbei rollt er durch das Gudbrandsdalen.

Eigentlich böte dieser Abschnitt noch eine Menge Fotostellen mehr, aber ich bin jetzt wieder im Sommerloch. In den Sommerferien fährt außer freitags und sonntags nur jeweils ein Zugpaar am Nachmittag, und genau das ausfallende Paar fehlt mir jetzt. So kommt der nächste Zug erst in vier Stunden und bis dahin sind die meisten Abschnitte mit Sicherheit im Schatten. Chancen rechne ich mir lediglich für ein kurzes Stück aus, an dem die Berge etwas niedriger sind. Ich will deshalb erst einmal abwarten und die Schatten beobachten. Eine Stunde vor der planmäßigen Durchfahrtszeit sieht es noch gut aus und ich entscheide mich, es hier zu riskieren. Zwanzig Minuten vorher klettere ich, noch immer in der Sonne, den Fotohang hinauf, sehe oben aber, dass die Schatten sich schon deutlich verändert haben. Zehn Minuten vor dem Zug sind sie dann am Gleis und kurz darauf auch darüber. Ein Satz mit X...

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Entlang der Panoramastraße liegen einige schöne Höfe. Auch der Hof Melem ließe sich gut mit Zug fotgrafieren.

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Und ein Stück weiter folgt noch der Hof Søre Bredi. Hier wäre auch meine Fotostelle für den Personenzug gewesen.

Dem Zug kann ich nur noch zusehen, aber es gibt für den Abend ja noch den lokbespannten nach Trondheim. Da will ich auf Nummer sicher gehen und mich am Sporntunnel vor Dombås postieren. Vorher muss ich aber noch einen kurzen Stopp an der Wiese bei Dovre machen, denn seit dem etwas übereilten Foto des Güterzuges am Vormittag vermisse ich meinen Objektivdeckel. Nach etwas Streifen über die Wiese und Rekonstruktion meines Laufwegs sehe ich in tatsächlich im Gras liegen – Glück gehabt. Anschließend habe ich sogar noch Zeit, ein paar Fotos in und um Dovre zu machen.

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Der höchste Berg der Umgebung ist der 1671 m hohe Blåhø – gut erkennbar am Turm auf der Spitze.

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Auch Dovre hat natürlich eine Kirche. Allerdings in einer Farbe, die doch eher teuflisch wirkt...

Bereits während der Fotos der Kirche fiel mir auf, dass es in Richtung Westen einige Quellwolken gibt und dass das Foto des lokbespannten Zuges keine „sichere Sache“ werden wird. Auf dem Weg zum Tunnel hinauf bin ich meist im Schatten, aber die Wolken werden auch merklich kleiner. Als ich dann meine Fotoposition eingenommen habe, ist um die Sonne herum alles klar – der Zug kann also kommen!

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Das letzte Bild des Tages mit El 18 2243 und dem Nachmittagszug von Oslo nach Trondheim. An den Höfen von Hjelle vorbei geht es in den kurzen Tunnel, dann ist auch schon Dombås erreicht.

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Na gut, ein Foto geht noch. Denn der Blick in das hier sehr breite Gudbrandsdalen ist auch sehenswert. Dann ist aber wirklich Schluss für heute.



Das waren drei Tage sehr ergiebige Tage (fast) ohne Sommerloch. Allerdings kündigt sich für die nächsten Tage eine Wetterverschlechterung an und mir stellt sich die Frage, wie ich die letzten Tage verbringen soll. Wie ich mich entscheide und ob ich dann nicht doch wieder ins Sommerloch falle, das gibt es in ein paar Tagen zu lesen.

Bis demnächst und viele Grüße,
Gunar

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Wieder sehr schön, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 17.10.20 14:13

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
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(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Nagercoil Jn. = Der südlichste Bahnhof, an dem ich bislang war

Die Wusch = Eine Schmalspurbahn in Siebenbürgen

Herrlich...

geschrieben von: Hubert G. Königer

Datum: 17.10.20 15:25

Hallöle,

herzlichen Dank für diese grandiose Bildserie vom Dovrefjell und dem Gudbrandsdalen! Beide zählen wohl zu den schönsten Landschaften Norwegens. Schöne Erinnerungen habe ich an meine Fahrt Trondheim – Oslo im August 1968, bei traumhaften Wetter und in einem bequemen NSB-Schnellzugswagen mit Fenstern, die man zum Rausfotografieren öffnen konnte. Das war noch Eisenbahn...
Der Link zu meinem Bericht ist:
[www.drehscheibe-online.de]

Viele Grüsse,
Hubert.



Das Land, das die Fremden nicht beschützt, geht bald unter.
Johann Wolfgang von Goethe: West-östlicher Divan. Stuttgart, 1819

Wieder Mal ein Topbeitrag! (o.w.T)

geschrieben von: Steven

Datum: 17.10.20 16:22

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Hallo Gunar,

vielen Dank für diesen Berichtsteil. Das sind genau die Fotos auf die ich gewartet habe! Grandiose Landschaften und Ausblicke, dabei auch noch der ein oder andere Rote oder ein Güterzug.

VG Tobias
Hallo Gunar,

sehr schöner Bericht mit guter Mischung aus Bahn und Drumherum. Trotz aller Landschafts- und Stimmungsbilder: Mein Favorit ist hier die Ma404 am schönen Bahnhof von Hjerkin. Schöne Bahnhofsbilder aus Norwegen sieht man ja doch seltener als Landschaftsbilder und die Lok ist einfach der Knaller!

Viele Grüße,

Lennart