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Auch da läuft nicht alles nach Plan:

"Das Bahnunternehmen Arriva, das auch Tondern (Tønder) bedient, hat bereits eigene Triebwagen der Baureihe Lint mit der neuen Sicherheitstechnik ERTMS ausgerüstet. Foto: Arriva Das staatliche dänische Bahn-Infrastrukturunternehmen Banedanmark meldet Erfolge bei der Einführung der europäischen Bahn-Sicherheitstechnik ERTMS. Die neue Technik kommt erst spät nach Nordschleswig.
Vor über zehn Jahren haben Regierung und Folketing beschlossen, das dänische Eisenbahnnetz mit der modernen Signal- und Zugsicherungstechnik ERTMS auszurüsten. Vor einigen Jahren wurde noch mit Kosten in Höhe von 20 Milliarden Kronen für die Ausrüstung aller Bahnstrecken im Lande mit der neuen Technik gerechnet. Sie soll zu weniger Zugverspätungen, kürzeren Fahrtzeiten und dichterer Zugfolge beitragen. Es folgten Meldungen über Verzögerungen aufgrund technischer Probleme und auch die Kosten stiegen an. Nun meldet der zuständige staatliche Bahninfrastrukturbetreiber Banedanmark erste Erfolge..."
[www.nordschleswiger.dk] Der Artikel ist kostenfrei lesbar.
Oberdeichgraf schrieb:
Auch da läuft nicht alles nach Plan:

Das Bahnunternehmen Arriva, das auch Tondern (Tønder) bedient, hat bereits eigene Triebwagen der Baureihe Lint mit der neuen Sicherheitstechnik ERTMS ausgerüstet.
...
Das staatliche dänische Bahn-Infrastrukturunternehmen Banedanmark meldet Erfolge bei der Einführung der europäischen Bahn-Sicherheitstechnik ERTMS. Die neue Technik kommt erst spät nach Nordschleswig.
Vor über zehn Jahren haben Regierung und Folketing beschlossen, das dänische Eisenbahnnetz mit der modernen Signal- und Zugsicherungstechnik ERTMS auszurüsten. ... Es folgten Meldungen über Verzögerungen aufgrund technischer Probleme ...
Nun meldet der zuständige staatliche Bahninfrastrukturbetreiber Banedanmark erste Erfolge ...
Hallo Oberdeichgraf,
das ist doch mal eine gute Nachricht. Auch wenn sie nach der lokalen Pressebearbeitung noch mal von Dir gequirlt wurde.

Also die Erfolgsmeldung kommt vom rollenden Material, nicht von Banedanmark als Infrastrukturbetreiber. Da entnehmen wir einen viel größeren Umrüstungsteil der Fahrzeuge, als die bereits umgerüsteten Strecken ausmachen. Totaler Overkill und Verschwendung nach Meinung vieler Forenteilenehmer. Und nicht die Schnellfahr-/Hochlast-Strecken zuerst ausgerüstet, sondern schlappe Provinzbahnen, wo man bisher ohne Zugbeeinflussung auskam.

Und einen Zehnjahresplan nicht eingehalten, weder in Bezug auf Kostenschätzungen noch auf technische Erfüllung. Das gibt es nirgendwo anders, oder doch?

Nach meiner Einschätzung hat man vieles Richtiger gemacht als in D, inklusive der erfolgten Plananpassungen.

Die Ausgangssituation war wie in vielen anderen Ländern, das Rollmaterial und die Netze waren nicht "compliant" in Bezug auf die computergestützten Planungen. Da halfen auch die schärfsten Excel-Tabellen nicht, die Realität zu überwinden. Man hat aber praktisch angefangen und dabei die Probleme gefunden, die wir hier in D ggf. noch gar nicht erkennen können. Oder in Wohlstand ignorieren und zum Bender schicken oder neue teure ESTW vorschieben, um bei Großsanierungen von HGV-Strecken nicht die neue Technik gleich mit auszurollen.
Man hat also mit Nebenstrecken und deren Material angefangen, dezentral die Erfahrungen zu sammeln und das Personal zu qualifizieren. Das erste umstellbare Rollmaterial waren die Siemens BR642 und die LINT-Züge, beides auch hier weit verbreitet.
Die Ansaldo-Züge waren problematisch. Das sehe ich aber von Entfernung als eher ideologisch. Man wollte vom Generalvertrag bei Alstom für die OBU nicht weg und die Züge nicht bei Ansaldo selbst umrüsten lassen. Mit einem Tick weniger Compliance-Geschwurbel hat man in Rumänien aus den vielgeschimpften Fahrzeugen offensichtlich was Brauchbarens herausgeholt. Und so fahren auch die Fyra's, und die ETR470er wurden fix mal für 50Hz und ETCS tauglich gemacht. Irgendwie scheint mancherorts das Verhältnis zwischen Ingenieuren und Anwälten anders zu sein.
Und auch bei den Altneubau-Loks hat man entsprechende Vorhaben platziert. Die wurden z.B. frühzeitig über die DB-Auslandstöchter zum Subventionsabgriff angemeldet. Allerdings konnte seitens der ERA nicht alles bewilligt werden, da sehr eng verwandte Parallelbaureihen gleichzeitig (teils in mehreren Ländern) beantragt worden sind. Damit ist aber die Serienvorbereitung auch für in D übliche Fahrzeuge wie die 152er oder 185er schon bezahlt. Und bis sich hier jemand bewegt, auch noch die Dosto-Steuerwagen, zumindest für die Alstom-OBUs. Und neben den Streckenloks gibt es ja noch die Dienstfahrzeuge, Rangierloks etc.

Und bei der Streckenausrüstung sieht man deutlich, dass nationale Interessen bevorzugt werden. Eben die kleineren Strecken, die bisher keine, schlechte oder alte Technik hatten. Und die Magistralen hatten mit Sicherheit schon bisher moderne Technik, die noch nicht abgefahren ist. Dabei ist zu bemerken, dass die bisherige Zugbeeinflussung ATC/ZUB123 für bis zu 180 km/h zugelassen ist. Da haben also die neuen Vectrons noch paar Reserven für die Dosto's zu erschließen, die ja vom Maschinenbau den deutschen IC2 mit ähnlichen konstruktiven Höchstgeschwindigkeiten sehr ähnlich sind.
Das Gegenteil davon sieht man hier, wo die DB zur Jagd getragen werden mußte und nur unter äußerstem Zwang hat man dann die Rheinstrecke zugesagt. Alle anderen Pläne sind hier Makulatur, und eine bisherige Ausrüstung eher als Betriebsunfall oder Ungeschicklichkeit zustande gekommen (damit schimpfe ich nicht die engagierten Ingenieure und Bauleiter). Durch die Fokussierung auf die Hauptstrecken in D hat man eine große Menge an "Laufkundschaft" bei den Loks, die man theoretisch alle vorher ausrüsten müßte. Damit hat man aber nicht angefangen. Im Ergebnis muss man die Hauptstrecken mit mehreren Zugsicherungen ausrüsten, was deren Kosten verdoppelt. Das passiert in DK nicht, weil die Nebenbahnfahrzeuge lokal gebunden eine Doppelausrüstung bekommen, und bei Ausrüstung der Hauptstrecken bereits alle Fahrzeuge die neuen Systeme haben.

Ein interessantes Gedankenspiel ist, wenn die NEG für ihre Strecken ETCS als Zugangsbedingung verlangt. Dann sind Großanbieter möglicherweise schlecht vorbereitet. Und dann könnte es sein, dass bei besonderem betrieblichen Interesse seitens der NEG in DK die Ausrüstung vorgezogen wird, weil man im gegenseitigen Einvernehmen die Fahrzeuge des Nachbarn bis zu verkehrsgünstigen Punkten ins eigene Land läßt (z.B. DB-Tochter Arriva). Die NEG hätte dann nur eine günstige Einfachausrüstung für ETCS streckenseitig zu leisten. Das bisherige Desinteresse in D befördert jedenfalls eine schnelle ETCS-Ausrüstung in Nordschleswig auf keinen Fall. In Richtung Abgrenzung sind auch die letzten Fahrzeugausschreibungen in SH zu sehen: Dort war weder 50Hz noch ETCS bei den BEMUs gefordert. Beides wäre aber für den grenzüberschreitenden Verkehr sehr sinnvoll, und wenn es Vorrat für Nachbarschaftshilfe wäre. Vielleicht hätte es sogar CEF-Hilfen gegeben.

Zusammengefasst hat man nach verschiedenen Kriterien (bezogen auf Bruttosozialprodukt, Einwohnerzahl, Streckenlänge, Fahrzeugmenge) deutlich mehr im kleinen Nachbarland vorzuweisen als in D. Und auch die Perspektiven sind hier in D lange nicht so klar wie in DK. Jammern wir also mal lieber nicht über die Fortschritte anderer, nehmen lieber solche regionalen Initiativen auf und nutzen nicht die EU-Vorgaben als Feigenblatt. Irgendwie drängt sich mir der Vergleich mit der DSL-Kupferkabelausrüstung in D auf. Damit haben wir uns selbst fast uneinholbar abgehängt. Und bei der Bahn werden wir zum zentralen Verkehrshindernis in Mitteleuropa. Im ERMTS steckt ja mehr drin als ETCS, nur können wir ohne die Grundlagen auch den Überbau nicht nutzen.

Gute Nacht, saxobav.