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Vor einigen Jahren war ein großer Erfolg, als nach einer längeren Pause eine der legendäre Nohab-Loks, die 2761 017, alias ex M61 017 wieder fahrplanmäßigen Reisezug schleppte auf der Balaton-Vor einigen Jahren war ein großer Erfolg, als nach einer längeren Pause eine der legendäre Nohab-Loks, die 2761 017, alias ex M61 017 wieder fahrplanmäßigen Reisezug schleppte auf der Balaton-Nordstrecke (KBS 29 der MÁV). Das Ereignis zog viele Eisenbahnfans an, auch aus dem Ausland, und durch diesen Erfolg ermutigt im Jahr 2018 entwickelte unsere staatliche Eisenbahngesellschaft jedoch ein noch interessanteres Programm: diesen Sommer an einem Wochenende wurden an der Spitze einiger Züge ihre ursprüngliche Farbschema tragende Diesellokomotiven gestellt. Der Erfolg blieb auch in diesem Fall auch nicht aus, so daß die MÁV-Start 2019 angekündigte die Veranstaltung für zwei Wochenenden. Dann waren nicht nur die Loks alttümliche, der an die 1970er Jahre erinnerte Schnellzug wurde ebenfalls eingesetzt.
Aufgrund der Epidemie in diesem Jahr war lange ungewiss, ob das Retro-Wochenende stattfinden wird. Die ersten Benachrichtigung über diese Veranstaltung habe ich schon am 30. Mai überraschenderweise hier im DOF getroffen. Dann waren im ungarischen Internet keine Informationen verfügbar, weder in offizieller Form noch auf Gerüchteebene. Schließlich ca. eineinhalb Wochen vor der Veranstaltung wurde das Programm auf der Website der MÁV-Start veröffentlicht, damit die Planung für das große Abenteuer beginnen konnte.
Die auf der Balaton-Nordstrecke erschienene Nohab war ein aufsehenerregendes Ereignis, und nicht nur im Kreis der Eisenbahnenthusiasten. Viele reisten dorthin, die wollten ein Foto vom Zug machen, es gab diejenigen, die mit dem von der Nohab geschleppten Zug reisen wollten, aber die meisten bewunderten den Anblick einfach mit weit aufgerissenen Augen. Der erste Wagen war normalerweise von Fans besetzt, die die Stimme der Lok während der Fahrt bewunderten. Leider wurde am letzten Sommer der gesamte Zug von der Bahngesellschaft Nosztalgia Kft ausgestellt, und die üblichen Schlieren-Wagen des Unternehmens passten weder zur Nohab, und noch im Allgemeinen zur ungarischen Eisenbahn. Den "rechtlichen Nachfolger" der Nohab-Wochenenden, die Retro-Wochenenden werden auch von der staatlichen Personenbahn MÁV-Start organisiert. Die Reisezugwagen und einige der Lokomotiven stammen aus ihrem eigenen Bestand und einige weitere Zugfahrzeuge (M40, M61) wurden von der Nosztalgia Kft gemietet. Dies war ein ziemlich großer zusätzliche Kosten für das Bahnunternehmen, und nicht nur wegen der Mieten von Nostalgieloks. Zu diesem Anlass mussten auch seine eigenen, altertümlich gefärbte Loks von weiter entfernten Bw-s umgeleitet werden und es musste auch sichergestellt werden, daß alle Lokführer die Baureihenkenntnisse für die gegebene Loktyp hatten. Es war auch notwendig dafür zu sorgen, daß die altertümlich lackierten Reisezugwagen verfügbar waren, die auch von weit, von Szeged, Debrecen, bzw. Miskolc kamen her. Dies sind keine Nostalgiefahrzeuge, sie nehmen am normalen täglichen Verkehr teil, nur ihr Aussehen erinnert an die frühere Zeit der ungarischen Eisenbahn. Der Laufplan dieser Wagen wurde so gemacht, daß auf mindestens einer Fahrt pro Tag schleppen Sie sie mit einer der altertümlichen Loks.
Die bisherige Sommersaison im Tourismus am Balaton ist nicht gut verlaufen. Auf der Eisenbahn trat der Sommerfahrplan am 20. Juni in Kraft, in Ungarn gibt es jedoch seit einiger Zeit regnerisches, windiges, unangenehmes Wetter. Die alte Wahrheit wurde dieses Jahr bestätigt: laut einer Volksbeobachtung wann es an St. Medard Tag regnet, so regnet es 40 Tage lang - und am Tag von Medard gab es starken Regen. Wir sind bereits nach der Sommersonnenwende, aber eine wirkliche sommerliche Wetter war noch nicht. Hitzewelle, Regen und Sturm jagen sich gegenseitig, fast jeden Tag herrscht ein anderes Wetter. Glücklicherweise gab es an diesem Wochenende keinen Grund uns zu beschweren, obwohl es warm war und manchmal verdeckten Wolken die Sonne, aber unter dem Strich regnete es nicht.
Anlässlich der Ereignisse der Retro-Wochenenden, einmal pro Veranstaltung erschien ich am Nordufer des Balatons. Bei den früheren Gelegenheiten bewegte ich mich im "unteren" Linienteil zwischen Akarattya und Balatonfüred, weil aufgrund der geplanten Elektrifizierung wurde eine radikale Änderung des Erscheinungsbilds dieses Streckenabschnitts erwartet. Die Arbeiten begannen bereits im vergangenen Herbst, und nicht nur das Oberleitungssystem wird gebaut, es werden aber auch die Rekonstruktion eines Teils des Gleiskörpers sowie mehrerer Bahnhöfen durchgeführt. Die elektrische Traktion wird voraussichtlich im April nächsten Jahres aufgenommen, aber in Bezug auf die Fotografie hat dieser Streckenteil bereits seinen Charme verloren, der Zugverkehr wird jedoch hoffentlich schneller, zuverlässiger und wirtschaftlicher. Aus diesem Grund organisierte ich dieses Mal mein Programm jedoch anders, also habe am Endpunkt der Balaton-Nordstrecke, am Bahnhof Tapolca gestartet und rückte auf der oberleitungsfreien Linienteil in Richtung Balatonfüred fort.
Die in einer ausgedörrten Bucht des Balatons liegende Tapolca ist normalerweise für ihre in der Innenstadt gelegener unterirdischer Höhlensee bekannt, die Eisenbahn-Enthusiasten verbinden die Stadt jedoch mit der legendären Lokbaureihe M61 Nohab. In den letzten Jahren, als die letzten Mohikaner der "ungarischen" Nohabs noch im öffentlichen Verkehr arbeiteten, waren sie hier, in Bw Tapolca stationiert und verkehrten normalerweise auf der Balaton-Nordstrecke. Tapolca ist eine echte Eisenbahnerstadt, deren Symbol eine Nohab ist, nämlich die den Namen Tapolca tragende M61 004, die am 4. Juni 1999 bei einem Sturm einen verhängnisvollen Unfall erlitt. Der Torso dieses Fahrzeugs ist an der Seite des alten Wasserturms ausgestellt.
Diesmal bin ich jedoch nicht wegen einer M61 in Tapolca angekommen, die Nohab hatte bereits den Bahnhof mit dem ersten altertümlichen Zug des Tages früher, am 7,40 verlassen. Mich interessierte diesmal jedoch eine solche Lok, deren Schwestern regelmäßig auf der Balaton-Nordstrecke fahren, aber die M41 2103 (seine aktuelle Ordnungsnummer: 92 55 0418 103-1) unterscheidet sich von den anderen. Einerseits schlägt sogar das ursprüngliche Pielstick-Herz darin, während auf der KBS 29 die Züge werden normalerweise von remotorisierte Maschinen gezogen, auf der anderen Seite wurde dieses Fahrzeug einige Jahre in seinem ursprünglichen Farbschema wiederhergestellt. Die Heimatstation dieser Lok ist Békéscsaba, und sie kam speziell für diesen Anlass am Balaton an. Jedenfalls begann für ihn das Retro-Wochenende am Vortag, also am Freitag. Sie kam am Donnerstag von Békéscsaba nach Budapest - sie rollte von Cegléd zusammen mit der von Szeged nach Székesfehérvár fahrende M62 194 -, verbrachte die Nacht im Bw Ferencváros, und am Freitagabend beförderte den Zug 1978 von Kelenföld nach Tapolca - mit einem Verspätung von ca. anderthalb Stunden.
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Als ich am Bahnhof ankam, fand gerade eine kleinere sogenannte "Personenzuggruppe" statt. Im ungarischen Eisenbahnjargon dies bedeutet, daß in kurzer Zeit mehr Züge ankommen und abfahren, und die Möglichkeiten zum Umsteigen zwischen ihnen besteht. In diesem Fall trafen sich am Bahnhof der Interregio 9602 (Balatonszentgyörgy - Győr) und der Personenzug 18807 (Szombathely - Kaposvár), und ein paar Minuten später fuhr der altertümlicher Zug nach Balatonfüred. Auf diesem Foto zeige ich die Abfahrt des Zuges 18807.
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Nachdem auch die M41 2103 mit ihrem Zug den Bahnhof verlassen hatte, hörte ich minutenlang ihre unverwechselbare Stimme. Dieser Loktyp (das heißt, die nicht remotorisierte Unterbaureihe) ist tatsächlich von dieser Eisenbahnlinie verbannt, denn seine sehr laute Stimme stört die Ruhe der Urlaubsgäste. Dies ist kein Wunder, da das eher unangenehme, erzähnliche Lärm des Pielstick-Motors - dem die Lokbaureihe ihren Spitznamen verdankt: Csörgő = Rassel - in vielen Fällen sogar am Südufer des Sees klar zu hören ist. Bei Bedarf kann jedoch jederzeit eine "classic" 418-er auf der Strecke erscheinen. Nachdem alle Züge abgefahrt waren, konnte beginnen im Ladegleis der Entleerung der geschlossenen Toilettensysteme von drei Desiros mit Hilfe eines mobilen Geräts.
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Ich habe mich auf dem Weg gemacht, und plante meinen ersten Fotostandort in Badacsony. Der höchste Zeugenberg im Tapolca-Becken sich zwischen den beiden Buchten des Balatons in den See ellbogt. Der Berg verdankt seinen Ruf nicht nur seiner Schönheit, sondern auch seiner einzigartigen Weinkultur, wichtigste Rebsorte der Region ist der Welschriesling. Hier befindet sich eine der belebtesten Haltestellen am Nordufer des Sees, die im Schatten riesiger Pappeln befindliche gemütliche Station Badacsony, von wo sind die Bootsstation und selbst die Siedlung nach einem kurzen Spaziergangrt erreichbaren. Auch die Weinkeller sind nicht weit entfernt, obwohl die kurvenreichen Straßen am Berghang stellenweise recht steil sind.
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Zuerst fotografierte ich der die Haltestelle Badacsony gerade verlassene Schnellzug "Kék Hullám" (Blaue Welle), der von der 418 304 abgeschleppt wurde. Die Besonderheit der diesjährigen Sommersaison am Balaton war der Einsatz der IC-Wagen der neuen Generation. Diese Wagen verkehren mit Reservierungspflicht, aber wegen der um aufgrund der Epidemie erforderliche Abstandhaltung werden jeweils nur die halbe Kapazität des Wagens mit freier Platzwahl verkauft. Die Stromversorgung von der IC-Wagen und das Abschleppen der schwerer Züge, an allen Bahnhöfen und Haltestellen haltende Personenzüge sind für die Loks sehr stressig, es gab bereits mehrere technische Problemen, die auf eine Überbeanspruchung zurückzuführen sind.
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Dieser Zug kreutzte am nahe, nur 2 km entfernten Bahnhof Badacsonytomaj mit einem anderen, in die entgegengesetzte Richtung fahrende, auch den Fantasiename von "Kék Hullám" tragende Eilzug. An der Spitze dieses Zuges standen diesmal zwei Loks, die erste davon, d. h. die Vorspannmaschine ist für uns interessanter. Diese ist nichts anders, als ein Vertreterin einer der heutzutage als Ikone bezeichneten Lokbaureihen der ungarischen Eisenbahn: die 628 165 (früher M62 165). Derzeit sind nur noch relative wenige Exemplare diesem Loktyp in Betrieb - eine Teil davon sind jedoch umgebaute, remotorisierte Fahrzeuge -, die hauptsächlich im Güterverkehr eingesetzt werden. Im ihren ursprünglichen Farbschema nimmen derzeit drei Maschiene am täglichen Verkehr teil, leider nur eine von ihnen nahm an der Veranstaltung teil. Nach dem ursprünglichen Plan wäre eine der beiden Sergein an diesem Retro-Wochenende die M62 001 gewesen. Die Maschine kam eine Woche zuvor von seinem Heimat-Bw Szolnok nach Székesfehérvár an, und wurde einmal eingesetzt um einen Nahgüterzug zu befördern, aber aufgrund des unzuverlässigen Betriebs musste die Lok jedoch ausgetauscht werden.
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Die Bahnlinie umgeht den Badacsony in Ufernähe auf einer halbkreisförmigen Streckenteil, an dessen Ende sich die bereits oben erwähnte Station Badacsonytomaj befindet. Hier wartete ich auf die absolute Neuheit und Sensation des diesjärigen Retro-Wochenendes: die Dampflokomotive. Die 424 247 am ersten Tag zog einen einzigen Zug, den Schnellzug "Tekergő" (Bummelnde) zwischen Székesfehérvár bis Tapolca. Interessant war auch der Zusammenstellung dieses Zuges selbst, der bestand aus der enzianblauen, altertümlich lackierten Schnellzugwagen und einem passenden Gepäckwagen. Das Gesamtbild des Zuges passte somit perfekt zu einem Expreßzug aus den 60-er, 70-er Jahren, anno dazumal tatsächlich schleppten die 424-ern regelmäßig von solchen Wagen gebildete Schnell- und Expreßzüge. Der Zug kam eine halbe Stunde zu spät, aber wegen der einzigartigen Sicht des Zuges war das Warten definitiv wert.
In der Einleitung dieses Beitrags erwähnte ich, daß die Retro-Wochenenden für die Eisenbahngesellschaft mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden sind. Dies gilt insbesondere für den Verkehr der Dampflok, der sich meines Wissens wie folgt entwickelt hat. Die Maschine kam am Samstag im Morgengrauen aus dem Bahngeschichtspark Budapest nach Székesfehérvár an. Nach mit dem Schnellzug 1972 in Tapolca ankam, am Nachmittag fuhr sie allein nach Celldömölk, wo gedreht wurde. Am Sonntagmorgen kam sie nach Tapolca zurück, woraufhin den morgendlichen Personenzug nach Balatonfüred schleppte. Dann zur Mittagszeit als Leerfahrt rollte die 424 247 nach Székesfehérvár, wo sie wieder gedreht wurde, kehrte bald nach Balatonfüred zurück und von dort beförderte den frühabendlichen Personenzug nach Tapolca. Endlich am Abend fuhr sie mit dem Tender voran, als Leerfahrt nach Székesfehérvár, von wo aus hat ihn ein Nohab nach Hause, in den Park gezogen.
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Dann fuhrten zwei Eilzüge "Kék Hullám" in beide Richtungen vor vorbei. Diese Züge verkehren zwischen dem Bahnhof Budapest Déli und Tapolca, und halten zwischen der Hauptstadt und Balatonfüred nur einige wichtige Haltestellen, aber halten an allen Bahnhöfen und Haltestellen zwischen Balatonfüred und Tapolca. Ich habe diesen, von Budapest nach Tapolca fahrende Eilzug in Ábrahámhegy fotografiert.
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Kurz darauf wartete ich bereits am Bahnhof auf den nächsten altentümlichen Zug, für den der Fahrdienstleiter eine Verspätung von 40 Minuten voraussagte. Ich nutzte die Wartezeit um die hinter dem Bahnhof befindliche Kirchenruine zu besichtigen. Der Kirche der ehemaligen Siedlung Fülöp wurde zum ersten Mal im Jahr 1211 erwähnt. Die Torbögen der Tür bestehen aus rotem Sandstein, an einigen Stellen sind die Bruchstücke noch sichtbar. Obwohl dieses Gebäude ist es eine interessante und wichtige Erinnerung an unsere Árpád-Ära, hat kein Dach und die Mauern bröckeln ab, trotz der Tatsache, daß die Konservierungsarbeiten durchgeführt wurden.
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Aufgrund der erheblichen Verspätung des Zuges, auf den ich ursprünkglich wartete, kam es vor, daß der nächste, in die entgegengesetzte Richtung fahrende Zug kam früher am Bahnhof Révfülöp an. Blau blüht der Enzian - singt der Heino, und gerade dieses Lied kam mir in den Sinn, als dieser Zug auftauchte. Ich habe mit dieser Wagen bereits getroffen, die nicht lange bevor die Dampflok in Richtung Tapolca zog. Jetzt rollten sie zurück nach Budapest, an der Spitze des Zuges mit der 628 165. Für Schnellzüge "Tekergő" stehen sechs Zuggarniture gleicher Zusammenstellung zur Verfügung, die laufen nach einem genau ausgearbeiteten Laufplan zwischen Tapolca oder Szombathely und Budapest oder Záhony. Die Wagen sind älter gebaut, wurden aber kürzlich modernisiert, die spektakulärsten Elemente davon die Türen, die sich auf Knopfdruck öffnen und automatisch schließen lassen. Eines dieser sechs Garnituren ist dieser altertümlich aussehende Zug.
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Sobald die vierzig Minuten vergangen waren, erschien der von Kőbánya-Kispest kommenden Zug 19792 tatsächlich in der Kurve. Dies war ein andere Highlight des Tages: das Erscheinen der Baureihe M40. Die etwas amerikanisch aussehenden Loks arbeiteten früher auch hier, auf der KBS 29 regelmäßig. Derzeit sind die einige zur MÁV-Start gehörende Maschinen im Bezirk Záhony und in der Nähe von Hatvan im Einsatz. Diese Loks rangieren meinst am Bahnhof, aber vor kurzem konnte man an Wochentag Nachmittage zwischen Hatvan und Budapest die 408 224, oder die 408 235 an der Spitze des aus einem einzigen Wagen bestehende Reisezuges gesehen werden. Die Nosztalgia Kft. hat auch Loks dieser Baureihe, die verschiedene altertümliche Farbschämen tragen, ihr Auftreten erwartet überall im Land, hauptsächlich in der Nähe des Eisenbahnbauarbeiten. Zwei Lokomotiven (M40 219 der Nosztalgia Kft und 408 224 der MÁV-Start) zogen den Schnellzug, in dem sich ein Gepäckwagen befand, der in seiner ursprünglichen grünen Farbe wiederhergestellt war, sowie am Ende des Zuges ein Nostalgie-Speisewagen, deren Gäste sich fast in den 70-er oder 80-er Jahren fühlen konnten - außer wann sie zahlen mussten. Die in den 1960-er Jahren im Lokfabrik Ganz-MÁVAG gebaute BR M40, die aufgrund ihres Aussehens nicht versehentlich den Spitznamen „Púpos“ (Buckel) erhielten, sind heutzutage überhaupt nicht in voller Kraft. Im vergangenen Jahr konnte die M40 114 mit einem aus vier Wagen zusammenstellte Personenzug konnte sein Ziel nur mit Verspätung erreichen, daher haben den Zug, nach der Entscheidung der Behörden in diesem Jahr von zwei Loks im Doppeltraktion gezogen. Ich fotografierte diesen Zug aus an einem der klassischen Fotostandorte der Linie, aus der Überführung des Bahnhofs Révfülöp.
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Während der kurzen, etwa zweieinhalb Monaten langen Sommersaison fahren die Züge auf der KBS 29 ungefähr stündlich in beide Richtungen. Die beiden Zugtypen, also die Eil- und Schnellzüge wechseln sich ab, einige zusätzliche Züge fahren am Wochenenden. Am Retro-Wochenende wurden die altertümliche Gastlokomotiven in der Regel mit der Beförderung von Schnellzügen beauftragt, während die an vielen Stationen haltende Eilzüge gemäß den normalen Vorschriften von remotorisierten Loks der BR 418 gezogen wurden. Ich habe diesen Zug "Kék Hullám" in Szepezdfürdő fotografiert, rechts im Hintergrund sieht man der Wasserspiegel des Balatons.
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Nicht lange danach kam ich in Zánka an. Da noch hatte Zeit bis der nächste Zug, spazierte ich nach dem Ufer des ein paar hundert Meter entfernten Sees. Der Tourismus hat sich offenbar noch nicht vollständig erholt, an den Stränden gab es weit weniger Gäste als sonst, und sah ich sehr wenigen Autos mit ausländischen Kennzeichen. Auch für die Bahnfotografie kamen nur wenige Menschen von außerhalb unserer Grenzen, ich habe nur einige deutsche und österreichische Fotografen entlang der Bahnlinie gesehen. Für kurze Zeit beobachtete ich diesen bezaubernden, ruhigen Anblick an der Ufer, dann ging ich zum Bahnhof Zánka-Köveskál.
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Beim Hören des Namens der Siedlung erinnert sich die ältere Altersgruppe an die Ferien im in der Nähe befindliche ehemaligen Pionierlager. Die Einrichtung hatte auch eine eigene Bahnhaltestelle, wohin bei Turnuswächsel mit langen Sonderzügen kamen die Jungpioniere an. Neben der Haltestelle wurden eine Dampflok und einige Wagen ausgestellt, vor einigen Jahren, wenn am letzten Mal als ich dort war, existierte das Gleisfeld noch da. Dann konnte ich noch im geschlossenen Bahnhofsgebäude in einer Glasvitrine eine lilliputische Dampflok sehen, die nichts weiter als die 385 mm spurige Dampflok des Englischen Parks in Budapest, die ursprünglich als Hungária, später als VP 224.01 genannt. Im Dezember 2019 wurde das Empfangsgebäude abgerissen, wodurch die ungarische Eisenbahn mit einem charakteristischen, die sozialistische Pavillonarchitektur darstellende Gebäude ärmer wurde. Über das Schicksal der kleinen Lok habe ich keine Informationen. Übrigens: ein Urlaub in Zánka war eine Ehre für der Jungpionieren, an dem ich, weil ein sehr böses Kind war, keinen Teil hatte. Glücklicherweise ist der Komplex noch heute in Betrieb, ebenso wie die Haltestelle. Jetzt wartete ich jedoch am Bahnhof Zánka-Köveskál auf den nächsten Zug aus Záhony, der wurde von der anderen M62-er, nämlich die M62 194 gezogen wurde.
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Der nächste und letzte Standort, an dem ich habe mit einem altertümlichen Zug getroffen, war der Bahnhof Balatonakali-Dörgicse. Am Bahnhof wartete nur einer, so konnte er bequem auf einer der schattigen Bänke liegen, aber später vervielfachten sich ihre Zahlen. Aus beiden Richtungen wurden Züge erwarten, für die der Fahrdienstleiter eine Verspätung von 15 bzw. 20 Minuten vorhersagte. Es gab auch erhebliche Verspätungen während des Tages (tatsächlich fuhr nur ein Zug pünktlich, der erste altertümliche Personenzug, der wurde von der M41 2103 gezogen), aber nirgends habe ich Wut seitens der Wartenden erfahren. Aber bald kam der Zug von Tapolca, an dessen Spitze die Buckel-Tandem hätten stehen sollen, aber anstelle der beiden M40-ern die 418 330 schleppte den Zug, der auf Gleis 1 hielt.
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Man sagt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Diese Ausnahme ist diesmal der von mir zuletzt fotografierte altertümliche Zug, der Eilzug 19704 "Kék Hullám", der von Székesfehérvár von der M61 020 gezogen wurde. Die Baureihe M61 hat eine große Fangemeinde in Ungarn, und in diesem Zusammenhang ist ihre Rolle bei MÁV stark überbewertet. Angesichts der früheren Leistung der MÁV kann mann jedoch feststellen, daß nur ein kleiner Teil der riesigen Menge der transportierten Gütern und Passagieren an insgesamt zwanzig Maschinen gebunden werden kann. Der Punkt ist jedoch, daß die verbleibenden, fast sechzig Jahre alte Lokomotiven noch heute zuverlässig arbeiten. Ende dieses Jahres werden genau 20 Jahre vergangen sein, seit diese Lokbaureihe verlassene den Bw Tapolca. Die verbliebene Maschinen die MÁV eingestellt hat, seitdem gehören sie zu der Flotte der Eisenbahngesellschaft Nosztalgia Kft. Hinter der M61 020 lief ein Aggregatorwagen, der versorgte für der IC-Wagen mit Strom.
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Es folgte die letzte Etappe meiner Reise, auf der ich mich neben dem Friedhof von Balatonudvari kurz ausruhte. Der heutzutage unter Denkmalschutz stehende Friedhof wurde in der 1770-80-er Jahren für die Angehörigen der reformierten und römisch-katolischen Kirche eröffnet. Die Besonderheiten des Friedhofs sind die herzförmige Grabsteine, die wurden nach der Sage aus auf den Gebiet von Akali gebrochene Steinblöcken von einem Mauergesellen zu Udvari gefertigt. Eine so große Anzahl solcher Grabsteine ​​kommen nirgendwo anders in unseren Land vor.
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Schließlich schaute ich in die Station Balatonfüred. Was mich hier interessierte, war der Zug, mit dem mein ganze altertümlicher Tag begann, dh die Garnitur des Personenzuges Tapolca - Balatonfüred. Dieser Saisonzug, der nur am Wochenende fährt, verbringt den ganzen Tag am Bahnhof der auch als Hauptstadt am Nordufer des Balaton bezeichnete Siedlung. Die Lok fährt auch nirgendwohin, es sei denn sie wird aufgrund einer Panne als Hilfmaschine benötigt. Es lohnt sich aber auch einen Blick auf die Wagen zu werfen. Die für MÁV charakteristischen Vorortwagen erscheinen in ihren Originalfarben und erinnern so an die 60-er und 70-er Jahre. Nach dem Versprechen der Bahngesellschaft wird bis zum zweiten Retro-Wochenende der dazu passende Steuerwagen fertiggestellt sein, somit wird ein vollständiger, einheitlicher Pendelzug zur Verfügung stehen.
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Damit schließte sich der Kreis, ich sah - und fotografierte - alles, was ich wollte. Tatsächlich gab es zwei weitere altertümliche Züge: einer die Rückkehr des oben genanntes, mit zwei M40 gezogene Zuges, und der andere ist ein Zug mit zwei M61, aber die waren schon zu spät für mich. Also es war nichts mehr übrig, als gut zu Abend zu essen und nach Hause zu fahren. Der ganze Tag verlief großartig, wie Kaiser Franz Joseph sagte: alles ist sehr schön, alles ist sehr gut, ich bin mit allem zufrieden. Als anno dazumal in Deutschland auf einiger Bahnlinien an einem Wochenende die fahrplanmäßige Züge von Dampfloks gezogen wurden, ich beneidete die Eisenbahnfans, die die Gelegenheit hatten an diesen Veranstaltungen teilzunehmen. Inzwischen hat sich die Situation radikal geändert. Ich weiß nicht, ob in Deutschland Dampflok-Wochenenden organisiert sind, aber unsere Retro-Wochenenden sind so gut und sogar - zumindest für mich - noch besser. In diesem Jahr wird es eine Wiederholung, aber ob dieses Ereignis nächstes Jahr wieder stattfinden wird, ist zur Zeit zweifelhaft. Es wird gemunkelt, daß im Sommerfahrplan 2021 auf der KBS 29 aufgrund der Elektrifizierung eine neue Struktur eingesetzt wird, dadurch können die besondere Loks nicht laufen werden. Auf jeden Fall hoffe ich, daß dies eine zu pessimistische Prognose ist, und nächstes Jahr werden wir wiedermal die altertümliche Züge auf der Balaton-Nordstrecke sehen.
Moin Tamás,

nette Bilder, vielen Dank. Am herrlichsten ist das mit der 424 und den aus jedem öffnungsfähigen Fenster heraushängenden Köpfen.
Und dem Text widme ich mich später, jetzt ist der Rechner nämlich gleich aus.

Viele Grüße
Sören

Hallo Tamás,

das war ja wieder einmal ein wunderschöner Bildbericht, vielen Dank

und noch viele Grüße
Hallo Tamas,

Dieses Jahr habe ich es nun endlich geschafft auch einmal bei einem MAV-Nostalgiewochenende dabei zu sein. Es ist wirklich bemerkenswert was die MAV dieses Mal der Fangemeinde geboten hat. Daher ein ganz großer Dank an die Mitarbeiter und Verantwortlichen der MAV, die dieses abwechslungsreiche Programm ermöglichten. Für mich steht fest - auch bei der zweiten Verantstaltung Anfang August bin ich dabei - und hoffentlich wird M62-127 bis dahin fertig.

Viele Grüße Alex

http://www.imgbox.de/users/asrm62/neuetraktion.jpg
Danke für deinen Bericht. Ich war von Freitag bis Sonntag in Pálköve und habe auch den einen und anderen Sonderzug fotografiert. Auch mir ist aufgefallen, dass der Großteil der Fotografen Ungarn waren, wobei ich auch ein paar Slowaken gehört habe. Ich bin natürlich mit der Bahn an- ab- und auch beim Fotografieren gereist, was eigentlich ganz gut möglich ist. Der Interregio Győr - Kesthely ist aber eher eine Zumutung. Ein paar Bilder kann ich nächste Woche zeigen.
Hallo!

Sehr schön, danke! :-)

Leider konnte ich diesmal nicht dabei sein - naja, hoffentlich im August...

lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg

August?

geschrieben von: Der Zeuge Desiros

Datum: 10.07.20 10:28

Roni schrieb:
Leider konnte ich diesmal nicht dabei sein - naja, hoffentlich im August...

Hallo Roni (und alle anderen),

gibt es das im August noch einmal? Jetzt hast du mich ja neugierig gemacht...

Danke

Heiko

http://www.desiro.net/Signatur-Deutschland.jpg

Re: August?

geschrieben von: Roni

Datum: 10.07.20 13:58

Der Zeuge Desiros schrieb:

Hallo Roni (und alle anderen),

gibt es das im August noch einmal? Jetzt hast du mich ja neugierig gemacht...

Danke

Heiko
Hallo Heiko!

Hab ich hier aber extra gepostet ;-)
[www.drehscheibe-online.de]

lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
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Hallo Tamás,

Dein Beitrag, ähnlich spektakulär wie die ganze Veranstaltung. DANKE.

Der blaue Dampfzug mit praktisch in jedem Fenster zwei "Maskierten" war schon ein eindrückliches Erlebnis.
Da konnte man auch über das eine oder andere Erlebnis mit Freunden der weitwinklichsten Weitwinkelfotografie hinweg schauen.
Eine echte weiße Fotolinie habe ich an diesem Wochenende auch das erste Mal (in Badacsonytomaj) erlebt. Es gibt nichts, das es nicht gibt. ;-)


Ganz besonders gut gefällt mir das letzte Bild. Gerade eben weil ich es versäumte mal nach Füred hinein zu fahren und in aller Ruhe so eine Aufnahme zu fertigen. Viele werden vermutlich den Zaun verfluchen, aber diese Zäune gehören zu großen ungarischen Bahnhöfen einfach dazu. Du hast also "nur" den Alltag dokumentiert. Wer weiß wie das in wenigen Wochen/Monaten nach der Elektrifizierung aussieht.

Eine Frage noch: Sind denn diese Wagen in dieser "alten" Lackierung auch wirklich mit Steuerwagen gefahren?
Oder steckt man dann neuzeitliche Entwicklungen (Wendezüge) nur in ein altertümliches Kleid?

................... Gruß von Niels .......................

+++ Rettet den SVT "Görlitz" (VT 18.16) ! +++




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.07.20 20:01.
Hallo Niels,

zusätzlich zu den Bhv-Wagen, die eine vollständige Umgestaltung erfahren haben, sind mehrere "classic" Wagen noch im täglichen Gebrauch, auch im Budapester Vorortverkehr. Es wurden nur minimale Änderungen an diesen Fahrzeuge vorgenommen, die Atmosphäre seinem Innenraum ist wie früher. Die erste, aus Bhv- und Steuerwagen zusammenstellten Pendelzüge fuhren am 17. September 1962 zwischen Budapest und Monor, sowie Albertirsa. Heutzutage verkehren relativ wenige "classic" Pendelzüge in dem Schienennetz der MÁV. Dieser Retro-Zug mit einigen kleinen Kompromißen wird ein wahrer zeitgetreuer Pendelzug. [img.index.hu] [img.index.hu]

Viele Grüße aus Ungarn

Re: [HU] Ein altertümlicher Tag am Balaton

geschrieben von: bahamas

Datum: 11.09.20 13:33

Wie immer ein schöner Bericht von dir!