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[MM]Myanma my love – Schwarzfahren in Myanmar (m 47B)

geschrieben von: Flo1979

Datum: 28.05.20 13:51

Myanma my love - Ein Abschied für immer?!

Teil 11b: Ohne Fahrkarte aus Madauk zurück – Zum ersten Mal in meinem Leben fahre ich schwarz



Im letzten Bericht hatten wir zunächst eine unliebsame Bekanntschaft mit der Bahnpolizei in Pyuntaza gemacht, bevor wir dem Dampflokfriedhof unsere Aufwartung gemacht hatten. Zur Aufmunterung steht jetzt eine Fahrt mit dem Lokalzug nach Madauk und zurück an. Dabei zeige ich euch, wie man in Myanmar schwarzfährt. Viel Spaß also beim Lesen.

Das Verhör und die lange Anbahnung zum Besuch des Dampflokfriedhofs hatte einiges an Zeit gekostet. Mittlerweile war es schon Mittag, der Zug nach Madauk würde allerdings erst gegen Nachmittag losfahren. Also stapften wir in ausreichender Entfernung vom Bahnhof wieder über die Hauptstrecke auf die andere Seite, nicht dass uns doch noch irgendjemand verpetzt und uns Polizei oder Militär in Gewahrsam nehmen. Nicht dass es uns so wie ein paar japanischen Eisenbahnfreunden vor ein paar Wochen ging. Die hat man nämlich beim Fotografieren von außen erwischt, was ihnen den Verlust der Kameras und einen Tag auf dem Polizeirevier von Pyuntaza beschert hat.

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Bild 1: Als wir den Lokschuppen verließen, wurde nebenan am Schienen-LKW LRBE 15 gewerkelt. Hoffentlich wird er bis heute Nachmittag fit, schließlich würde ich ja schon gerne mit diesem Schienen-LKW im TEE-Design nach Madauk rumpeln.



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Bild 2: Als wir gerade die Hauptgleise überquerten, rumpelte der japanische Triebwagen RBE 2514 an uns vorbei, der 2005 mit 106 weiteren Triebwagen gebraucht aus Japan kam und seit der Umspurung von Kap- auf Meterspur bei den Myanma Railways im Einsatz ist. Na hoffentlich bespannt nicht dieser Triebwagen den Nachmittagszug nach Madauk, der Schienen-LKW wäre mir lieber. Ich vertraue aber mal auf die Mechaniker mit ihrer burmesischen Improvisationsfähigkeit, die kriegen den Schienen-LKW bestimmt wieder zum Laufen.




Da es anfing zu regnen, suchten wir die nächstbeste Spelunke in Bahnhofsnähe auf. Mr. Han, mit den Vorlieben ausländischer Eisenbahnfreunde bestens vertraut, orderte sofort Bier für mich. Auf die Frage nach Mittagessen zeigte man uns einen großen Bottich, in dem sich wohl kalter, burmesischer Curry befand. So genau konnte man das aber nicht sagen, denn auf der gesamten Oberfläche des nicht abgedeckten Bottichs hatte es sich bereits ein großer Fliegenschwarm gemütlich gemacht. Den Fliegen schmeckte es, mir ging das trotz meines gestählten Magens zu weit. Ein Lokationswechsel kam aktuell aber nicht in Frage, denn mittlerweile prasselte heftiger Regen auf das Wellblechdach, das von vier Bambuspfosten getragen wurde. Also füllte ich meinen leeren Magen (der seit dem gestrigen Abendessen nichts Festes mehr zum Verarbeiten bekommen hatte) mit reichlich Bier. So war ich dann irgendwann auch einigermaßen satt, allerdings verfehlte der Alkohol auf nüchternen Magen seine Wirkung nicht.

Uns wurde zwar eine genaue Abfahrtszeit des Lokalzuges genannt, aber darauf kann man sich nicht verlassen. Als der Regen also etwas nachließ, machten wir uns auf den Weg zum nahen Bahnhof. Der Graben zwischen Straße und Bahnhofsvorplatz hatte sich aufgrund des Regens mit etwas Wasser gefüllt, so musste man über ein schmales Brett über den Graben balancieren. Eigentlich kein Problem, aber wenn man kurz zuvor vier Flaschen Bier auf leeren Magen getrunken hatte… Irgendwie schaffte ich es aber heil und trocken auf die andere Seite. Doch kaum war das erste Problem gelöst, kam das nächste in Form des Bahnhofspolizisten aus dem Bahnhof gerannt. Unser Freund von heute früh wollte uns den Einlass verwehren. Aber Mr. Han zeigte ihm die Fahrkarten und mir war momentan alles andere als nach Fotografieren oder Filmen. Schließlich ließ er uns auf den Bahnsteig. Von unserem Zug war weit und breit nichts zu sehen, der Polizist wich mir nicht von der Stelle, also suchte ich mir die nächste Bank und legte mich zum Ausnüchtern hin. Irgendwann schepperte und krachte es. Ich blickte mich um und sah, wie der Lokalzug bereitgestellt wurde. Wie erhofft bestand der Zug aus einem Schienen-LKW der Marke Eigenbau (konkret LRBE 15) sowie drei angehängten, zweiachsigen Wagen, ebenfalls Marke Eigenbau. Der Polizist stand noch immer direkt neben mir, daher konnte ich die Bereitstellung nicht dokumentieren. Sofort stürmte eine Menschenmenge den Zug, ein Teil der Passagiere war wohl schon auf der Rangierfahrt vom BW auf das Bahnhofsgleis aufgesprungen. Der Polizist begleitete uns bis zum Zug und ließ mich bis zur Abfahrt des Zuges nicht aus den Augen. Wie gestern durfte ich nicht in den Waggons Platz nehmen, sondern wurde vorne direkt hinter dem LKW-Fahrer/Triebfahrzeugführer platziert. Natürlich gab es wiederum ein großes Hallo, weil eine Langnase sich in einen Lokalzug verirrte.

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Bild 3: Das Bahnhofsgebäude von Pyuntaza präsentiert sich von der Straßenseite her praktisch noch im Originalzustand aus der Kolonialzeit. Ich hätte das Gebäude ja gerne ein bisschen erkundet und mehr Fotos gemacht. Da ich aber unter ständiger Aufsicht des Polizisten stand, musste ich leider umplanen.



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Bild 4: Beim Ausnüchtern auf der harten Holzbank im Wartesaal des Bahnhofs wurde ich neben dem Polizisten auch von einem Kind ständig betrachtet. Früh übt sich, wer später mal Bahnpolizist werden möchte…




Bevor wir abfahren vielleicht noch ein paar Worte zur Strecke. Die 18,1km (11,25 Meilen) lange Stichstrecke nach Madauk wurde im August 1929 eröffnet und zweigt im Bahnhof Nyaunglebin von der zweigleisigen Hauptstrecke Yangon – Mandalay ab. Sie führt durch eine pottebene Landschaft, einziger Kunstbau ist eine kleine Brücke, auf der ein kleiner Seitenfluss des Sittaung-Flusses überquert wird. Der Zweck der Strecke erschließt sich mir nicht wirklich. Ich vermute mal, dass der Sittaung-Fluss bis Madauk schiffbar war und die Briten daher den Hafen in Madauk mit der Hauptstrecke verbanden. Eine direkte Verbindung zwischen Pyuntaza und Madauk wäre kürzer, vielleicht ist das Gebiet hier aber zu sumpfig gewesen. Eisenbahnfreunden ist die Strecke ein Begriff, denn bis 2006 fuhren hier die letzten dampfbespannten Personenzüge Myanmars und die Verladung von Tonwaren in Sekundenschnelle an einem Haltepunkt sorgte für wunderbare Fotomotive. Auch wenn die Strecke in Nyaunglebin abzweigt, so beginnen/enden die Züge immer in der nächstgrößeren Stadt Pyuntaza. [Einschub]Als ich den Bericht schrieb, war die Strecke Nyaunglebin –Madauk noch in Betrieb. Inzwischen wurde sie aber stillgelegt und abgebaut, nachdem Farrail nochmals einen Dampfzug auf der Strecke organisieren konnte. Somit sind die folgenden Bilder absolut historisch, da es die Strecke nicht mehr gibt. [/Einschub]

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Bild 5: Übersichtskarte Pyuntaza - Nyaunglebin - Madauk. Pyuntaza und Nyaunglebin liegen an der Hauptbahn von Yangon nach Mandalay, in Nyaunglebin zweigt die
18km lange Strecke nach Madauk ab.



Kaum hatte ich mich gesetzt, schon zuckelte unser Lokalzug los. Noch während wir über das Bahnhofsvorfeld schaukelten und der Polizist außer Sichtweite war, holte ich die Kamera heraus und filmte. Bis Nyaunglebin verkehrte unser Zug auf der zweigleisigen Hauptstrecke. Die ist in relativ gutem Zustand für die Verhältnisse Myanmar, d.h. man kann durchaus bis zu 50km/h schnell fahren, die zahlreichen Gleisverwerfungen und Dammsenkungen bekommt man eben entsprechend zu spüren. Ganz so schnell war unser Zug natürlich nicht, aber im Gegensatz zu der gestrigen Schaukelfahrt mit teilweise Schritttempo von Bago nach Nyaungkashe war das heute schon eine Hochgeschwindigkeitsfahrt.

In Nyaunglebin fuhren wir dann an den kleinen Bahnsteig auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofgebäudes. Rund um den Bahnhof herrschte auch hohe Militärpräsenz, deswegen traute ich mich zunächst nicht zu fotografieren. Unser Zug blieb aber länger stehen und so fragte ich schließlich nach dem Wartegrund. Wir müssten einen Gegenzug auf der Hauptstrecke abwarten, war die Antwort. Das machte Sinn, denn schließlich herrscht Linksverkehr, die Nebenstrecke nach Madauk zweigt aber nach rechts ab, folglich müssen wir das Hauptgleis Richtung Mandalay kreuzen. Es würde also ein Zug aus Mandalay kommen und da lag doch die nächste Frage gleich nahe. Ob ich die Einfahrt des Gegenzuges vom Fußgängersteg über die Gleise ablichten könne. Mr. Han übersetzte für den Triebfahrzeugführer und der machte eine Geste nach dem Motto: „Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.“. Also machte ich mich unauffällig auf den Steg und wartete auf den Gegenzug. Sowohl an der Bahnhofsein- und Ausfahrt gab es Militärposten, am Hauptbahnsteig führte ein Militärpolizist Aufsicht. Im allerletzten Moment holte ich erst die Kamera und den Fotoapparat heraus. Noch während der Zug einfuhr, rief Mr. Han aus dem Triebwagen: „Quick. Come back.“. War das plötzlich doch keine so gute Idee? Noch gezeichnet vom Biermittagessen stolperte ich den Steg hinunter und hüpfte in den bereits anfahrenden Triebwagen. Dort erzählte mir dann Mr. Han, dass der Triebfahrzeugführer einfach sofort losfahren wollte, um möglichst viel Verspätung aufgrund des Wartens auf den Gegenzug wieder aufholen zu können.

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Bild 6: Unser Lokalzug nach Madauk wartet in Nyaunglebin auf dem Nebenbahnsteig den entgegenkommenden Fernzug aus Mandalay ab, das Bahnhofsgebäude mit dem Hauptbahnsteig liegt links außerhalb des Bildes. Im Hintergrund ist ein Holzturm mit Fahne zu sehen, wo sich das Militär eingerichtet hat. Hoffentlich weit genug entfernt, damit sie den ausländischen Spion auf dem Bahnsteg nicht erkennen. Die großen Gebäude daneben sind übrigens Lagerhallen für Reis.



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Bild 7: Das Bahnhofsgebäude von Nyaunglebin ist auch noch im Originalzustand erhalten geblieben. Auf dem Bahnsteig warten schon die Fahrgäste auf den in Kürze eintreffenden Fernzug aus Mandalay. Links von der Bahnsteigüberdachung, verbarrikadiert hinter Sandsäcken und unter einem Strohdach, sitzt die Militärpolizei, die mich zum Glück noch nicht entdeckt hat.



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Bild 8: Ziemlich weit entfernt entdeckte ich noch mit dem Tele auf einem Abstellgleis einen Triebwagen für die Schienenbaurotte, direkt dahinter parkt wohl eine Wickham-Draisine im Originalzustand. Da wäre jetzt eine Detailansicht natürlich besonders interessant, aufgrund der hohen Militär- und Polizeipräsenz und des wartenden Lokalzuges allerdings ein Ding der Unmöglichkeit.



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Bild 9: Endlich rumpelt der Fernzug aus Richtung Mandalay in den Bahnhof ein. Zuglok ist DF 1313, die 2006 mit zehn weiteren Loks gebraucht aus Indien kam, da die Loks dort aufgrund der Umspurung des Meterspurnetzes auf Normalspur freigesetzt wurden. Im Inneren arbeitet ein ALCO 6-251D Motor.



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Bild 10: Jetzt kann mich die Militärpolizei am Bahnsteig nicht mehr sehen. Rechts neben der Lok warten schon die fliegenden Händler, um ihre Waren im Zug an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Rechts steht unser Lokalzug nach Madauk.



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Bild 11: Aus dem Schienen-LKW ruft mein Guide schon zur Eile. Dabei ist der Fernzug noch gar nicht zum Stillstand gekommen.




Mit einem Affenzahn polterten wir über die Einfahrtsweichen und bogen auf die abzweigende Strecke ein. In der ersten Kurve sah ich unseren Zug schon aus den Schienen springen, aber irgendwie hielt sich unser Gefährt auf den Gleisen. Der Streckenzustand war zwar etwas besser als auf dem Streckenstück Abaya – Nyaungkashe, auf dem wir gestern mit einem ähnlichen Zug unterwegs waren. Dafür waren wir heute aber auch um einiges schneller unterwegs. An den Haltepunkten rief der Triebfahrzeugführer so hektisch zur Weiterfahrt, dass ich selten zu richtigen Aufnahmen kam. Als ob es bei diesem Lokalzug auf jede Sekunde ankommen würde. Der hiesige Nahverkehrsverbund verlangt für Verspätungen sicherlich keine Pönale.

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Bild 12: An einem Zwischenhalt gelang mir dieses Bild. Links das Wartehäuschen, welches den nächsten Monsun definitiv nicht überleben wird. Die Frauen haben in Pyuntaza fleißig eingekauft und schleppen nun ihre Waren nach Hause. Diese komische Langnase fotografiert das auch noch.



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Bild 13: Diese Damen warteten an der Strecke schon auf die Rückleistung. Scheinbar hatten wir doch schon einiges an Verspätung, die auch nur schwer aufzuholen ist, weil diese blöde Langnase auch an jedem Haltepunkt aussteigen und fotografieren muss.




Schließlich polterten wir 70 Minuten nach Abfahrt in Nyaunglebin in den Endbahnhof von Madauk. Insgesamt benötigten wir für die 26km von Pyuntaza nach Madauk über 90 Minuten! Kaum waren wir ausgestiegen, schon begann das Personal mit dem Wendemanöver. Zum Glück hatte ich bei der Einfahrt des Bahnhofes gesehen, dass sich die Drehscheibe direkt an der Bahnhofseinfahrt und nicht am Ende der Strecke befindet. Ich sprintete also direkt nach der Ankunft nach vorne und schwitzte so den letzten Alkohol vom Biermittagessen aus. Kaum hatte ich das Stativ vor der Drehscheibe aufgebaut, kam auch schon der Triebwagen. Ich war längst von einer Horde von mindestens zwanzig Kindern umringt, die die ganze Zeit vor der Kamera herumtanzten, während ihre Freunde das Treiben auf dem Display verfolgten. Auf dem Video gibt es vom Wendemanöver daher nicht so viel zu sehen, auf die Höhe meines Fotoapparats kamen die Kinder aber nicht.

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Bild 14: Unser Lokalzug hat den Endbahnhof erreicht. Mein Guide Mr. Han mit der weißen Baseball-Cap macht sich auf zum Bahnhofsgebäude, um Fahrkarten für die Rückfahrt zu besorgen.



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Bild 15: Auch in Madauk ist das Bahnhofsgebäude aus der Kolonialzeit noch komplett erhalten. Rechts ist gerade der biologische Unkrautvernichtungszug auf dem Bahnhofsgelände im Einsatz. Da könnte sich DB Netz doch noch eine Scheibe abschneiden, anstatt tonnenweise Glyphosat zur versprühen. Im Hintergrund ist das Sammeltaxi für die ankommenden Fahrgäste schon gut beladen.



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Bild 16: Jetzt aber flugs. Der Schienen-LKW hat schon abgekuppelt, um in Richtung Drehscheibe zu rumpeln, die sich mehr als hundert Meter hinter meinem Rücken befindet.



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Bild 17: Obwohl der Fahrer rückwärtsfahren muss und nach hinten nichts sieht, legt er wie schon auf der Fahrt nach Madauk ein atemberaubendes Tempo vor. Die Kinder spielen derweil mit ausgedienten Fahrradreifen, sie erleben ja täglich dieses Spektakel.



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Bild 18: Für die Langnase dagegen ist dies etwas vollkommen Einzigartiges. Die burmesischen Frauen können die Wäsche auch bedenkenlos aufhängen, so groß ist der Rußausstoß des Schienen-LKW nicht. Vor ein paar Jahren war das noch anders, damals fuhren hier ausschließlich Dampfloks, die Strecke von Nyaunglebin nach Pyuntaza war bis 2006 die letzte Strecke Myanmars, auf der Personenzüge mit Dampfloks, vornehmlich den Klassen YB und YC, bespannt wurden.



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Bild 19: Der Schienen-LKW visiert die Drehscheibe an.



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Bild 20: Ein halbes Dutzend Bahnmitarbeiter fährt mit, schließlich erfolgt die Drehung mit reiner Muskelkraft. Kindergruppen zur Kleinkindbetreuung kennt man in Myanmar nicht, das wird innerhalb der Familie geregelt.



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Bild 21: Die Drehscheibe ist erreicht, vorsichtig fährt der Fahrer rückwärts auf die Drehscheibe. Der Bahnangestellte bindet noch schnell seinen longyi neu, bevor alle Mann bei der Drehaktion gefragt sind. So prüde die Burmesen auch sind, das Neubinden des Rocks (den auch fast alle Männer tragen) in der Öffentlichkeit ist gang und gäbe. Privatsphäre ist in Myanmar wie in fast allen anderen Ländern im Fernen Osten ein Fremdwort.



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Bild 22: So, der longyi ist frisch gebunden und der Schienen-LKW hat es auch fast schon komplett auf die Drehscheibe geschafft. Der Bahnbeamte in der blauen Uniform kontrolliert das Manöver von unten. Die Drehscheibe ist auf die Länge des Schienen-LKW optimiert, viel Puffer ist da nicht hinten raus, zudem muss der Fahrer ja rückwärts auf die Drehscheibe fahren. Ein bisschen zu viel Gas und ich muss mir eine alternative Rückreisemöglichkeit suchen.



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Bild 23: Geschafft, der Schienen-LKW steht auf der Drehscheibe. Mit ein paar Steinen wird er gegen das Wegrollen gesichert. Und jetzt ist Manneskraft gefragt.



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Bild 24: Hier sieht man nochmals ganz gut das Konstruktionsprinzip der Schienen-LKWs. Die selbstgebastelte Karosserie wird auf zwei Laufachsen gesetzt, der Motor hingegen treibt nur die Gummireifen ein. Auch die Sicherung gegen das Abrollen des Triebwagens mit ein paar Steinchen sieht man hier ganz gut.



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Bild 25: Dank so vieler fleißiger Hände ist der Schienen-LKW gleich um 180° gedreht.



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Bild 26: Der Schienen-LKW hat seine Karussellrunde beendet. Jetzt besteht nur noch das Problem, dass die Schienenoberkanten von Zufahrtsgleis und Drehscheibe noch nicht zusammenpassen. Deswegen müssen alle auf der rechten Seite nochmal beim Anheben helfen, damit der Bahnangestellte in der blauen Uniform die beiden Schienen verbinden kann.



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Bild 27: Hat was von Märklin M-Gleis. Mit einem Metallstück und zwei Bolzen wurden die beiden Gleise verbunden, jetzt wird der Schienen-LKW wieder von der Drehscheibe geschoben. Mr. Han ist inzwischen auch vom Fahrkartenkauf zurückgekehrt und beobachtet die Szenerie.



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Bild 28: Aus eigener Kraft rollt der Schienen-LKW wieder Richtung Bahnhof. Um sich vor die Waggons zu koppeln, ist allerdings noch eine Sägezahnfahrt erforderlich.



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Bild 29: Der Bahnangestellte in der Uniform stellt die Weiche. Jetzt kann der Schienen-LKW auf dem richtigen Gleis in Richtung Bahnhof zu den dort abgestellten Waggons fahren.



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Bild 30: Der Schienen-LKW rumpelt im Rückwärtsgang Richtung Bahnhof. Während für die Kinderschar der Schienen-LKW alltäglich ist und die Langnase die Attraktion des Tages (und vermutlich des ganzen Jahres) ist, verhält sich das bei mir genau umgekehrt. Eine Frau mit kleinem Kind hat sich auch dazugesellt. Ich hatte mal gehört, dass Frauen in Myanmar glauben, es würde Glück bringen, wenn eine Langnase ihnen zuwinkt. Seither winke ich nicht nur in Myanmar allen Babys zu.



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Bild 31: Der Schienen-LKW rumpelt in Richtung Bahnhof und die Kindermeute schart sich noch immer um meine Videokamera. Der Schienen-LKW ist längst aus dem Bild, das Video läuft aber weiter, ich komme ja nicht an die Kamera ran. Für ein paar Kinder ist die Langnase sogar interessanter als die Videokamera. Beides haben die meisten von ihnen bisher wohl selten bis gar nicht gesehen.




Während wir gestern in Nyaungkashe fast eine Stunde Aufenthalt bis zur Rückfahrt hatten, sollte es hier gleich wieder zurückgehen. Mr. Han hatte mittlerweile verzweifelt versucht, eine Rückfahrkarte für mich zu besorgen. In Pyuntaza wollte man mir nur eine Hinfahrkarte verkaufen, in Madauk hatte man keine Vordrucke für Touristenfahrkarten. Der Verkauf einer Fahrkarte für Einheimische an Ausländer ist aber auch strikt verboten. Meinen Dollarschein wollte man auch partout nicht haben. Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich in Pyuntaza eine Fahrkarte für die Rückfahrt nachlösen sollte.

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Bild 32: Nachdem ich mir einen Weg durch die Kindermeute gebahnt habe und meine Kamera samt Stativ abgebaut habe, mache ich mich wieder auf den Weg zum Bahnhof. Der Schienen-LKW hat sich schon vor die Personenwaggons gesetzt, die ersten Fahrgäste für die Rückfahrt steigen schon ein, während im Vordergrund ein Mann Wasser nach Hause trägt, das er am Dorfbrunnen geholt hat.



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Bild 33: Nochmal eine Seitenansicht des Lokalzuges im Bahnhof von Madauk. Die beiden herumliegenden Achsen…



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Bild 34: … waren mir noch eine Detailaufnahme wert.



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Bild 35: Ich gehe nochmal in den Bahnhof und versuche eine Fahrkarte zu kaufen. Erfolglos. Aber wenigstens ein weiteres Bild springt heraus. Der Zug ist schon gut gefüllt, eigentlich hätte ich für die Rückfahrt mit weniger Fahrgästen gerechnet.



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Bild 36: Das Bahnhofsgebäude aus der britischen Kolonialzeit ist noch im Originalzustand erhalten. Nur die Propaganda-Parolen der Militärjunta stören das Bild.



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Bild 37: Umgekehrt sieht das dann übrigens so aus. Der Schaffner mit der weißen Baseball-Cap wartet nur noch auf die Langnase, dann kann es losgehen.



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Bild 38: Mein Zug zurück nach Pyuntaza von der Gegenseite. Die Fahrgäste warten auf die Abfahrt. Da muss ich mich sputen, schließlich will ich ja auch ohne Fahrkarte wieder mitfahren. Also nichts wie einsteigen.




Auf der Rückfahrt waren dann weniger Menschen an Bord, ich war allerdings nicht wie am Vortag auf der Fahrt von Nyaungkashe nach Bago der letzte verbliebene Fahrgast. Die meisten Einwohner Madauks fahren mit dem Morgenzug nach Pyuntaza, verkaufen dort auf dem Markt ihre Produkte und kehren mit dem Nachmittagszug zurück. Da wir wohl aufgrund der kurzen Wendezeit pünktlich losfuhren, war der Triebfahrzeugführer weitaus entspannter. Nach dem ersten Haltepunkt nahm er wieder die Fahrt auf, schaltete dann in den Leerlauf, stand auf, schaute mich an und zeigte auf seinen Sitz. Wenn die Langnase schon keine Fahrkarte hat, dann soll er wenigstens das nicht bezahlte Geld abarbeiten, dachte er vielleicht. Also nahm ich Platz, kuppelte mit etwas Standgas in den dritten Gang und betätigte vorsichtig das Gaspedal. Seinen Aufforderungen, ordentlich Gas zu geben, kam ich nur vorsichtig nach. Schließlich traute ich mich, aber dann kam auch schon der nächste Haltepunkt in Sicht. Ich kuppelte also aus, räumte den Platz und machte mich für den Ausstieg bereit, während der Triebfahrzeugführer den Zug einfach ausrollen ließ.

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Bild 39: Sieht nicht so aus, ist aber ein offizieller Haltepunkt. Nur eben ohne jegliche Infrastruktur. Es steigen sogar noch Fahrgäste zu, darunter auch die Damen, die ich hier bereits bei der Hinfahrt abgelichtet hatte (siehe Bild 13). Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich Triebwagenführer dieses Zuges werden würde.




Bereits auf der Hinfahrt hatte ich diesen pittoresken Haltepunkt erspäht, jetzt kämpfte sich sogar auch noch die Sonne zaghaft durch den bisher den ganzen Tag komplett wolkenverhangenen Himmel. Also sprang ich unter allgemeinem Gelächter der einheimischen Fahrgäste rechtzeitig aus dem fahrenden Zug und sprintete nach vorne, da der Zug ja nur noch in Schrittgeschwindigkeit ausrollte. Eigentlich wollte ich schon anhalten, als mir ein abgestelltes Fahrrad auffiel. Also lief ich noch ein Stückchen weiter und brachte mich in Fotoposition. Der Zug war schon zum Stillstand gekommen, als sich plötzlich eine Wolke vor Sonne schob. Mist, also nochmals Blende neu eingestellt. Als ich dann beim Abdrücken war, hupte der Schienenbusführer bereits schon wieder zur Abfahrt. Ich hatte mich so erschrocken und das Bild verrissen. Also nochmals ein Anlauf, der dann schließlich klappte und dann schnell zurück in den Schienenbus. Trotz aller Hektik und der fehlenden Sonne ist es für mich das schönste Foto aus diesem Urlaub geworden.

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Bild 40: Ohne Sonne, dennoch für mich das beste Bild aus dem Urlaub. Nebenbahnidylle in Myanmar.



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Bild 41: Alle bitte wieder einsteigen.




Ich bin ja lernfähig und vor dem nächsten Haltepunkt sprang ich daher noch früher aus dem fahrenden Zug. Diesmal hatte ich mich aber andersrum verkalkuliert. Der Zug kam viel früher als erwartet zum Stehen und so musste ich wieder in Richtung Zug sprinten. So waren die meisten Fahrgäste leider schon aus dem Bild, als ich endlich abdrücken konnte.


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Bild 42: Mist, zu früh abgesprungen und zu weit nach vorne gelaufen. Und ausgerechnet jetzt scheint noch ein kleines bisschen die Sonne. Trotzdem erst einmal mit Tele abdrücken.



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Bild 43: Die alten Bäume wurden wohl beim Bau der Strecke vor über 80 Jahren gepflanzt. Es handelt sich übrigens um den Haltepunkt, der durch die hektische Verladung von Tonwaren berühmt wurde. Immerhin laufen die aussteigenden Fahrgäste in meine Richtung, das gibt mir …



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Bild 44: … die Möglichkeit für eine weitere Aufnahme.



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Bild 45: Mutter und Tochter laufen im letzten Abendlicht nach Hause und der Schaffner muss schon wieder auf diese lästige Langnase warten, die andauernd Fotos machen muss.




Das war es dann aber schon mit Fotomöglichkeiten. Wir rumpelten das letzte Stückchen nach Nyaunglebin zurück, wo wir direkt freie Fahrt in den Bahnhof bekamen. Auf der Hauptstrecke waren gerade keine anderen Züge unterwegs und so kamen wir nach flotter Fahrt kurz vor Einbruch der Dunkelheit in Pyuntaza an. Dort belästigten wir einmal mehr den Bahnhofsvorsteher. Der Polizist war zum Glück nicht mehr da. Er wusste wohl, dass es zum Fotografieren schon zu dunkel ist. Beim Bahnhofsvorsteher versuchten wir verzweifelt, nachträglich eine Fahrkarte für die Rückfahrt von Madauk nach Pyuntaza für mich zu bekommen. Schließlich wollte ich ja nicht Schwarzfahren. Aber der Bahnhofsvorsteher weigerte sich beharrlich, mir nachträglich eine Fahrkarte zu schreiben, obwohl ich bereits einen US-Dollarschein auf seinen Schreibtisch gelegt hatte. Damit bekenne ich mich schuldig: ich bin zum ersten Mal in meinem Leben mit dem Zug schwarzgefahren. Allerdings bitte ich um mildernde Umstände, schließlich hatte ich ja nichts unversucht gelassen, um eine Fahrkarte zu erwerben.

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Bild 46: Kurz vor Nyaunglebin überquert die Nebenstrecke diesen kleinen Flusslauf. Das relativ tief eingeschnittene Flussbett mag einen Eindruck geben, wie es hier zur Regenzeit aussieht. Dann steht das Wasser dort nämlich bis zur Bahnstrecke hoch. Die Trockenzeit ist aber lange genug, um an der Böschung ein bisschen Gemüse (meist sind es Erdnüsse) anzubauen.



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Bild 47: Die Reisernte wurde auch schon eingebracht und wird an Ort und Stelle gedroschen, natürlich komplett von Hand.




Da wir sowieso schon da waren, wollten wir uns auch nach der Abfahrtszeit des nächsten Zuges erkundigen. Eigentlich müssten fahrplanmäßig in Kürze die ganzen Fernzüge aus Mandalay bzw. Naypidaw Richtung Yangon kommen, die uns zurück nach Bago bringen würden. Aber Fahrpläne stehen in Myanmar wegen Papiermangel nicht einmal auf Papier, der fahrplanmäßige Verkehr hängt von Buddhas Gnaden ab, und der kann manchmal sehr geduldig sein. Der Bahnhofsvorsteher hatte bis jetzt noch keine Nachricht bekommen und funkte daher den Nachbarbahnhof an, wo es aber ebenfalls keine Infos gab. So ging die Funkkette zunächst immer weiter Richtung Mandalay hinauf, bis sie irgendwann kehrt machte und wir nach einer knappen halben Stunde die Info bekamen, dass der erste Fernverkehrszug frühestens in drei Stunden kommen würde. Drei Stunden Verspätung? In Deutschland hätte ich gleich nach dem Entschädigungsformular für Verspätungen gefragt, in Myanmar wäre die Nachfrage sinnlos gewesen.

So trotteten wir aus dem Büro und nach kurzer Diskussion war klar, dass wir die Rückfahrt nach Bago per Pick-Up antreten. Fahrzeitmäßig dauert das zwar länger wie der Zug und normalerweise geht bei einer längeren Fahrt in Myanmar auch immer was kaputt (geplatzter Reifen, gebrochene Achse, gerissener Keilriemen,… ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben). Aber die Aussicht drei Stunden an einem stockdunklen Bahnhof (in Pyuntaza gab es keinen Strom) umschwärmt von Moskitos, Polizisten und Soldaten zu verbringen, war noch weitaus weniger prickelnd. Also stellten wir uns an die Hauptstraße Yangon – Mandalay und nach zehn Minuten kam auch der erste Pick-Up, den wir unverzüglich anhielten. Am Ende der Ladefläche kauerten zwei Frauen, die restliche Ladefläche war mit Kohlesäcken vollgeladen. Wir entschieden uns dennoch zur Mitfahrt, wer weiß, wann der nächste Pick-Up aus der Dunkelheit auftauchen würde. So fläzte ich mich zwischen die Kohlesäcke, meine Kleider waren sowieso schon total verstaubt und verschwitzt. Immerhin kam so auch ohne Dampfloks fast noch ein bisschen Dampflok-Feeling auf.

Da auf unseren Pick-Up Kohletender nun wirklich nichts mehr draufpasste, waren wir einerseits recht flott unterwegs, schließlich mussten wir nicht alle paar Kilometer anhalten, um Fahrgäste aussteigen zu lassen bzw. neue Fahrgäste aufzunehmen. Andererseits war der Pick-Up Kohletender so schwer beladen, dass wir die noch schwereren LKWs nur selten überholen konnten. Zum Glück erlitten wir keine Pannen, so dass wir nach knapp drei Stunden Fahrtzeit das 80km entfernte Bago erreicht hatten. Als erstes suchte ich das „San Francisco Hotel“ auf, dass eigentlich gar kein Hotel, sondern ein Restaurant ist. Schließlich hatte ich den ganzen Tag noch nichts gegessen. Der Restaurantbesitzer war zwar etwas erstaunt, dass ich dreimal hintereinander einen Teller gebratene Nudeln und zwischendurch eine Flasche „Grand Royal Whiskey“ geordert hatte, aber so sind sie halt, die Langnasen. Immerhin fast 10 Euro kostete das Essen samt Whiskeyflasche und Bier, so teuer hatte ich Myanmar glaube ich noch nie gespeist und getrunken.


Als ich zu relativ später Stunde wieder im Myanandar Hotel ankam, waren Manfred & KyiKyi inzwischen auch aus Yangon eingetroffen. Passend zu meinem heutigen Ausflug nach Madauk zeigte mir Manfred im Aufenthaltsraum seine alten Videos von der Strecke Nyaunglebin- Madauk, als dort noch Dampfloks verkehrten. Während wir beide in alten Dampferinnerungen schwelgten, setzte sich ein junges amerikanisches Touripärchen an den Nachbartisch. Irgendwie war es den beiden wohl nicht so ganz geheuer, dass mitten in Myanmar zwei Deutsche an einem Tisch sitzen und Dampflokvideos angucken, sie zogen sich jedenfalls schnell auf ihr Zimmer zurück. Aber auch ich zog mich dann zurück in mein Zimmer, schließlich wollte der morgige, letzte Tag in Bago nochmals ausgiebig genutzt werden. Was ich dort erlebte (Stichwort Heavy-Metal Karaoke im Sportheim von Waw), erfahrt ihr dann im nächsten Bericht.





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Welcher Bahnhof gehört nicht dazu? Ein Rätsel mit 4 Bildern
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Teil 1: Ein Abschied für immer? – Ein letztes Mal Myanma my love!
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Teil 2: Bunt gemischter Zugverkehr rund um die Moschee
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Teil 3: Mit dem Puff-Bus in Berge – Mit Hindernissen von Yangon über Mandalay nach Namtu
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Teil 4a: Da biste platt – Mit Dampflok und Dampfwalze rund um den Bahnhof von Namtu
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Teil 4b: It’ sTEAm time, Lady No. 13 – Ein Dampfnachmittag zwischen Namtu und Lopah
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Teil 5a: Zwischen Nebel und Sonne – Ein Vormittag voller Scheinanfahrten zwischen Namtu und Wallah Gorge
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Teil 5b: Buddha mag nur Dampfloks, aber wohl keine Sonne – Ein bedeckter Nachmittag in und um die Doppelspirale von Wallah Gorge
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Teil 6a: Total verbogen und von Beruf Stromabnehmer – Ein Morgen voller unerwarteter Ereignisse
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Teil 6b: Entgleisungen ohne Ende – Das Benehmen der Reisegruppe entgleist genauso wie kurz darauf die Dampflok
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Teil 7a: Markttag in Namtu – Feilschen um Fotopositionen um jeden Preis
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Teil 7b: Spektakel in der Spirale - Doppelt hält besser oder wenn Männer echte Eisenbahn spielen
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Teil 7c: Dampfdoppeltraktion am Abend – Erquickend und labend
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Teil 8a: Dampf unter Palmen – Ein Morgen mit Hindernissen und vielen Traummotiven
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Teil 8b: “This is the end of the line” – Eine gruppendynamische Fahrt bis zum (gar nicht so) bitteren Ende
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Teil 8c: Überraschung – Im dritten Versuch klappt’s dann doch
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Teil 9a: Ein traumhaftes Industriedenkmal – Vom Horrorhaus zum Hüttenwerk
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Teil 9b: Der Silberschatz am Hüttenwerk – Über „refinery“ und „silver room“ zum Bahnhof Namtu
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Teil 9c: Noch mehr Schätze & Überraschungen – Vom Bahnhof über das Kraftwerk zur „Dame vom Amt“
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Teil 9d: Transfer mit Bus und Zug zum Flug – Mit dem Bus von Namtu über einen Dampfkran zu einem der besten Flughäfen der Welt
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Teil 10a: Britische Formsignalparade – Ein Morgen an der nördlichen Bahnhofseinfahrt von Bago
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Teil 10b: Einmal Nyaungkashe und zurück – Eine Schaukelfahrt im Schienen-LKW
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Teil 11a: Der Schrott bricht mir das Herz – Ein Besuch auf dem Dampflokfriedhof von Pyuntaza
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Teil 11b: Ohne Fahrkarte aus Madauk zurück – Zum ersten Mal in meinem Leben fahre ich schwarz
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Zugliste


Datum Zugnummer Von Nach km Traktion Spurweite
25.11.Circle LineYangon Hbf Yangon Hbf 49,1Diesel1000mm
27.11. NamtuLopah (und zurück)13,9Diesel/Dampf610mm
28.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel/Dampf610mm
28.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
29.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel610mm
29.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
30.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel/Dampf610mm
30.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
01.12. NamtuWallah Gorge10,6Diesel610mm
01.12. Wallah GorgeE.R. Valley5,6 Diesel/Dampf610mm
01.12. E.R. ValleyBawdwin2,4Diesel610mm
01.12. BawdwinE.R. Valley2,4Diesel610mm
01.12. E.R. ValleyWallah Gorge5,6 Diesel/Dampf610mm
01.12. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
03.12.Local BagoNyaungkashe (und zurück) 95,2 Diesel1000mm
04.12.Express BagoPyuntaza 66,4 Diesel1000mm
04.12.Local Pyuntaza Madauk (und zurück) 52,3 Diesel1000mm


Danke

geschrieben von: JensH

Datum: 28.05.20 17:19

Hallo Flo,

danke für deinen interessanten Bericht.

Zum Unkrautbekämpfungszug auf Bild 15 muss man aber auch sagen, dass es nach der Unkrautbekämpfung gleich die Gleisbettdüngung gibt. :-)

Gruß
Jens

Meine (Reise-)Berichte DSO:[www.drehscheibe-online.de]


Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Art.1(1) Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

Re: Danke

geschrieben von: Flo1979

Datum: 28.05.20 17:38

Hallo Jens,

JensH schrieb:
Zum Unkrautbekämpfungszug auf Bild 15 muss man aber auch sagen, dass es nach der Unkrautbekämpfung gleich die Gleisbettdüngung gibt. :-)

da hast du natürlich auch wieder Recht. Und am Ende nistet sich in den Exkrementen noch irgendein geschützter Käfer ein und die Strecke muss vorübergehend stillgelegt werden ;-)
Also doch wieder Glyphosat...

Viele Grüße

Florian

Danke für diese schönen Berichte. Aber die Bahn funktioniert !

Wieder genial, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 29.05.20 13:23

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
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Klasse! Danke! :) (o.w.T)

geschrieben von: sflori

Datum: 30.05.20 02:48

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