DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 08/01 - Auslandsforum "classic" 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Bitte unbedingt vor Benutzung des Forums die Ausführungsbestimmungen durchlesen!
Ein separates Forum gibt es für die Alpenländer Österreich und Schweiz - das Alpenlandforum
Zur besseren Übersicht und für die Suche: Bitte Länderkennzeichen nach ISO 3166 Alpha-2 in [eckigen Klammern] verwenden!

Zugunglück in den Niederlanden, Lokführer tot

geschrieben von: BR146106

Datum: 22.05.20 23:59

Moin,

seid ca 16:00 ist die Strecke zwischen Zwolle und Assen gesperrt, der Grund ein Traktor, hat seinen Anhänger auf einen Bü verloren, in dem dann ein Nahverkehrszug gefahren ist, dabei kam der Lokführer ums Leben. Die Strecke bleibt vsl. bis Montag gesperrt, da leider auch ein paar Oberleitungsmasten zerstört wurden bei dem Unfall.

Weitere Meldungen auf Niederländisch:

[www.rtvdrenthe.nl] Mit Bildern

[www.blikopnieuws.nl]

und die Anteilnahme der NS: [nieuws.ns.nl]

gruß carsten

Für Aktuelle Verkehrsmeldungen der Bahn AG im Störungsfall:[www.bahn.de]




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.05.20 12:09.
Moin,

> seid ca 16:00 ist die Strecke zwischen Zwolle und Assen gesperrt, der Grund ein Traktor, hat seinen Anhänger auf
> einen Bü verloren, in dem dann ein Nahverkehrszug gefahren ist, dabei kam der Lokführer ums Leben. Die Strecke bleibt
> vsl. bis Montag gesperrt, da leider auch ein paar Oberleitungsmasten zerstört wurden bei dem Unfall.

mal wieder ein Traktor, der seinen Anhaenger verloren hat. Die Sicherungssplinte an der Kupplung sind nicht zu Spass vorhanden, was leider viele Traktoristen nicht verstehen wollen.

Traurig, dass dadurch Menschen sterben, wie auch vor einigen Jahren in Laggenbeck, als ein Guellefass von der Westfalenbahn gerammt wurde und der Tf, sowie ein Fahrgast starben.

Armin

[www.muehlenroda.de] (Muehl privat)
[www.museumsstellwerk.de] (Museumsstellwerk Rheine e.V.)

Re: Zugunglück in den Niederlanden, Lokführer Tod

geschrieben von: Rally01

Datum: 23.05.20 14:07

Moin ,

Und da macht das Kraftfahrt Bundesamt nix.

Aber wehe, wenn eventuell ein Weichenantrieb an einem Zugunfall beteiligt sein könnte.
Dann wird der Weichenantrieb gleich deutschlandweit durch das EBA gesperrt.

Wann kommt der regelmäßige Fortbildungsunterricht mit Lernziel Erfolgskontrolle jährlich für Berufskraftfahrer und Treckerfahrer????

Gruß
Ralf

Re: Zugunglück in den Niederlanden, Lokführer Tod

geschrieben von: SteveB

Datum: 23.05.20 15:57

Es stimmt, dass der Treckerfahrer im Gefängnis sein sollte. Es sollten jedoch Fragen zur Sicherheit der Zugkonstruktion gestellt werden. Die Fahrerkabine wird vollständig zerstört und der Schaden erreicht den Fahrgastraum.

Vergleichen mit diesen Fotos von einer Alstom Class 175 in Wales, 2011. Er fuhr mit über 100 km/h, als ein Lastwagen vorbei eine rote Ampel auf den Bahnübergang gefahren wurde. Unter all dem Heu befindet sich ein schwerer Scania LKW und ein Anhänger. Niemand wurde ernsthaft verletzt. Im Fahrgastraum gab es fast keine Schäden. Selbst der Mechanismus der Kabinentür funktioniert noch. Die Class 175 (Entwurf 1998) basierte auf der Rohkarosserie der BR Mark 3 Reisewagen (Entwurf 1973) . Sie verfügen über eine Schutzstruktur um den Fahrer, und das Fahrerhaus kann sich bewegen, anstatt zerquetscht zu werden. Warum ist dies in modernen Zügen nicht obligatorisch?


[i2-prod.walesonline.co.uk]

[i2-prod.walesonline.co.uk]

Re: Zugunglück in den Niederlanden, Lokführer Tod

geschrieben von: Dakkus

Datum: 23.05.20 16:24

Tatsächlich! Die Baureihe scheint erst 3 Jahre alt zu sein: [de.wikipedia.org]

Re: Zugunglück in den Niederlanden, Lokführer Tod

geschrieben von: rvdborgt

Datum: 23.05.20 16:25

SteveB schrieb:
Es stimmt, dass der Treckerfahrer im Gefängnis sein sollte. Es sollten jedoch Fragen zur Sicherheit der Zugkonstruktion gestellt werden. Die Fahrerkabine wird vollständig zerstört und der Schaden erreicht den Fahrgastraum.

Vergleichen mit diesen Fotos von einer Alstom Class 175 in Wales, 2011. Er fuhr mit über 100 km/h, als ein Lastwagen vorbei eine rote Ampel auf den Bahnübergang gefahren wurde. Unter all dem Heu befindet sich ein schwerer Scania LKW und ein Anhänger. Niemand wurde ernsthaft verletzt. Im Fahrgastraum gab es fast keine Schäden. Selbst der Mechanismus der Kabinentür funktioniert noch. Die Class 175 (Entwurf 1998) basierte auf der Rohkarosserie der BR Mark 3 Reisewagen (Entwurf 1973) . Sie verfügen über eine Schutzstruktur um den Fahrer, und das Fahrerhaus kann sich bewegen, anstatt zerquetscht zu werden. Warum ist dies in modernen Zügen nicht obligatorisch?
Ist es schon. Aber statt mit Heu soll der Treckeranhänger jetzt mit Sand und Steinen beladen gewesen sein. Höchstgeschindigkeit war 140 km/h. Hooghalen liegt in der Mitte zwischen Assen und Beilen und die tatsächliche Geschwindigkeit wird nicht viel weniger gewesen sein.

Gruß,
Rian

Re: Zugunglück in den Niederlanden, Lokführer Tod

geschrieben von: Zugsicherer

Datum: 23.05.20 18:25

Rally01 schrieb:
Und da macht das Kraftfahrt Bundesamt nix.

Dann wird der Weichenantrieb gleich deutschlandweit durch das EBA gesperrt.
Naja, es geht hier um die Niederlande. Da ist die gleiche Aufsichtsbehörde, nämlich die Inspectie Leefomgeving en Transport (ILT), sowohl für den gewerblichen LKW-Verkehr als auch die Eisenbahn (und noch einiges mehr) zuständig. Ein treckerfahrender Lohnarbeiter in der Landwirtschaft dürfte allerdings nicht darunter fallen.

Gruß,
Sven
SteveB
Warum ist dies in modernen Zügen nicht obligatorisch?
Moderne Züge müssen verbindliche Normen erfüllen, bspw. die EN 15227. Diese beschreibt u.a. den Zusammenstoß eines 110 km/h schnellen Zuges mit einem 15 t schweren, deformierbaren Anhänger an einem Bahnübergang. Zur Erfüllung dieser Anforderungen reicht es nicht "Schutzstruktur um den Fahrer" in den Prospekt zu schreiben.

Zitat:
Sie verfügen über eine Schutzstruktur um den Fahrer, und das Fahrerhaus kann sich bewegen, anstatt zerquetscht zu werden.
Welche nachlesbaren Anforderungen erfüllt die Konstruktion? Bei einem Zusammenstoß mit über 100 km/h wäre die Zugspitze kaum ein paar Meter hinter dem Bü zum Stehen gekommen, ein Teil des Zuges steht sogar noch auf dem Bü. Vergleiche einfach die Bilder beider Unfälle.

Re: Zugunglück in den Niederlanden, Lokführer Tod

geschrieben von: SteveB

Datum: 23.05.20 20:33

Ich bin zu der Meinung gekommen, dass EN 15227 (die vor einigen Tagen aktualisiert wurde) ist Teil des Problems, nicht der Lösung.

Zu Zeiten von British Rail wurden die Wagen meist von der BR entworfen und von der BR-Tochter BREL gebaut. Jeder Kollisionsschaden war das Problem des BR, jeder Todesfall war das Problem des BR. Es gab niemanden, dem man die Schuld zuschieben konnte. Niemand sonst konnte wegen eines Scheiterns bei der Planung oder Konstruktion strafrechtlich verfolgt werden. Die Wagen wurden entworfen und gebaut, um so stark wie möglich zu sein - niemand würde vorschlagen, billiger zu sein, denn diese Person wäre diejenige, die für jeden Tod verantwortlich gemacht würde. Diese Haltung setzte sich für ein paar Jahren nach der Privatisierung fort, als private Hersteller die BR-Entwürfe anpassten.

Die Alstom Class 175 wurde nach einem britischen Standard gebaut, der die Absorption von 1 MJ Kollisionsenergie erforderte. Alstom (die alte Metro-Cammell-Fabrik in Birmingham) könnte sie so bauen, dass sie 1,5 MJ absorbieren - deshalb haben sie das getan. Sie haben eine nachlesbaren Anforderungen nicht gelesen und sagen, dass wir genug getan haben, um uns aus einem Gerichtsverfahren herauszuhalten Die Ingenieure hatten das Sagen, nicht die Anwälte und Buchhalter.

In einem zweiten walisischen Vorfall einer älteren BR-Bauart Class 158 (mit einer Kabinenkonstruktion, die den Regen nicht abhalten kann!) kollidierte mit einem Anhänger mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 120,2 km/h [assets.publishing.service.gov.uk] Der Anhänger und der Traktor wurden viele Meter über das Feld geschleudert, aber das Fahrerkabine blieb intakt (Fotos an Seite 8).

Jetzt sehe ich Bilder von CAF- und Stadler-Zügen mit Schäden, die wir uns mit BR Mark 3 nicht vorstellen konnten. Diese Entwürfe kommen nach GB. Die EVU wird sagen, dass die Leasinggesellschaft für die Konstruktion verantwortlich ist, die Leasinggesellschaft wird EN 15227 zitieren. Ich bin froh, dass ich keine Züge mehr fahre.

Re: Zugunglück in den Niederlanden, Lokführer Tod

geschrieben von: rvdborgt

Datum: 23.05.20 20:38

SteveB schrieb:
In einem zweiten walisischen Vorfall einer älteren BR-Bauart Class 158 (mit einer Kabinenkonstruktion, die den Regen nicht abhalten kann!) kollidierte mit einem Anhänger mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 120,2 km/h [assets.publishing.service.gov.uk] Der Anhänger und der Traktor wurden viele Meter über das Feld geschleudert, aber das Fahrerkabine blieb intakt (Fotos an Seite 8).
Was aber war im Anhänger? War er leer? Oder war Sand, Steine o.ä. drin? Das macht einen gewaltigen Unterschied.

Gruß,
Rian



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.05.20 14:00.
SteveB
In einem zweiten walisischen Vorfall einer älteren BR-Bauart Class 158 (mit einer Kabinenkonstruktion, die den Regen nicht abhalten kann!) kollidierte mit einem Anhänger mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 120,2 km/h
Der Zug kollidierte mit dem sich noch auf dem Bü befindlichen Ende des leeren Anhängers.
1. Der Anhänger war leer.
2. Der Zug streifte den Anhänger nur und dennoch wurde die Fronttür nach hinten gedrückt sodass der Triebfahrzeugführer eingeklemmt wurde, im Fahrgastraum lösten ich zudem Innenraumteile. Die Kollisionsenergie wurde auf den Fahrgastraum übertragen und nicht abgebaut. SO sieht eine sichere Konstruktion nicht aus. Die Sicherstellung des Überlebensraums für Fahrer und Fahrgäste ist fester Bestandteil der EN15227.

Frage dich einfach wo die Energie bei den alten DMU abgebaut werden kann. Neuere DMU haben auch in UK entsprechende Crumble Zones, hier sichtbar neben der Kupplung: [commons.wikimedia.org]
Die Fensterrahmen sind verstärkt ausgeführt um die Energie des Anhängers aufzunehmen und die Front ist nach vorne geneigt um den Überlebensraum für den Triebfahrzeugführer sicherzustellen. Nichts davon bietet ein alter britische Triebwagen.

Unterste Schublade den tödlichen Unfall in Holland für eine Diskussion mit falschen Argumenten zu nutzen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.05.20 21:49.
Hallo,

> Und da macht das Kraftfahrt Bundesamt nix.

es ist halt so, dass der Fahrer sich um das Sichern des Anhaengers kuemmern muss. Dumm nur, wenn der das nicht macht. Siehe hier der Bericht zum Unfall in Laggenbeck:

[www.agrarheute.com]

Zitat:
"Allerdings stellte der Rechtsanwalt des jungen Mannes die Frage, ob er für den Unfall allein verantwortlich sei, so der WDR weiter. Er habe damals ja einer befreundeten Familie auf dem Betrieb geholfen. Sein Mandant sei zwar den Traktor gefahren, habe aber nicht geahnt, dass der Anhänger nicht ordnungsgemäß befestigt war."

Wenn ich ein Fahrzeug fahre, habe ich das zu pruefen, was fuer die Sicherheit relevant ist. Da gibt es keinen Diskussionsspielraum, zumal wenn ich sogar den speziellen Fuehrerschein fuer so ein Ding habe. Ich halte diesen Verursacher fuer nicht faehig ein solches Fahrezug zu fuehren, wenn der diese Pruefungen nicht fuer noetig haelt. Hoffentlich sitzt der nie wieder auf einem solchen Fahrzeug.
Aber die Landwirtschaft hat leider immer noch viel Narrenfreiheit. Was ich da so manches Mal gesehen habe, ist nicht normal.

Wenn ich mit dem Pkw-Anhaenger fahre, pruefe ich ob der korrekt angekuppelt ist und auch ob das Sicherungsseil dran ist. Wegen so etwas lasse ich mir nicht an Bein pinkeln...


> Aber wehe, wenn eventuell ein Weichenantrieb an einem Zugunfall beteiligt sein könnte.
> Dann wird der Weichenantrieb gleich deutschlandweit durch das EBA gesperrt.

Der K80-Kugelkopf ist durchaus sicher, aber nur wenn man auch kontrolliert, ob die Sicherung aktiv ist.
Dazu noch ein Link:

[www.agrarheute.com]

Immerhin ist man wach geworden...
Bei den modernen Traktoren koennte man so etwas mit wenig Aufwand ueberwachen und eine Fahrsperre aktivieren.


> Wann kommt der regelmäßige Fortbildungsunterricht mit Lernziel Erfolgskontrolle jährlich für Berufskraftfahrer und
> Treckerfahrer????

Meinst Du das hilft? Wie gesagt, ich habe Dinge gesehen, wo ich am normalen Menschenverstand des Fahrers gezweifelt habe.

Armin

[www.muehlenroda.de] (Muehl privat)
[www.museumsstellwerk.de] (Museumsstellwerk Rheine e.V.)