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Myanma my love - Ein Abschied für immer?!

Teil 10b: Einmal Nyaungkashe und zurück – Eine Schaukelfahrt im Schienen-LKW



Im im letzten Bericht hatten wir uns bereits am Morgen warm gelaufen und hatten den Bahnverkehr in Bago samt jeder Menge Formsignale abgelichtet. Aber Züge nur zu fotografieren ist auf Dauer ja langweilig. Es wird jetzt also Zeit, auch mal mit den Zügen zu fahren. Viel Spaß beim Lesen.


Nach dem kurzen Mittagsschlaf ging es für mich mit Mr. Han, der in der Hotellobby an seinem ehemaligen Arbeitsplatz auf mich gewartet hatte (dort hatte ich ihn ja 2007 kennengelernt), zum Bahnhof. Als erstes stand der Kauf einer Fahrkarte an und das ist für Ausländer in Myanmar nicht ganz so einfach. Man bekommt die Fahrkarten nicht am Schalter, sondern muss zum Bahnhofschef ins Büro. Ausländer müssen den Fahrpreis, der meist mehr als 100-mal so hoch wie für Einheimische ist, immer in US$ bezahlen und erhalten im Gegenzug eine handgeschriebene Fahrkarte, auf der auch Name und Passnummer vermerkt wird. Wir betraten also das Büro des Bahnhofchefs und äußerten den Wunsch einer Fahrkarte nach Nyaungkashe und zurück. Man war über mein Fahrtziel zwar höchst erstaunt, die offizielle Preisliste verzeichnete Nyaungkashe aber als offizielles Ziel für Touristen, der Bahnhofschef machte wohl allerdings auch noch Mittagsschlaf. Man sicherte mir den Verkauf einer Fahrkarte zu und machte sich auf die Suche nach einem Bahnmitarbeiter mit der notwendigen Kompetenz zum Verkauf einer Fahrkarte an eine Langnase. Ich überbrückte die Wartezeit und begab mich auf den Fußgängersteg am Bahnhof um zu schauen, ob der Zug nach Nyaungkashe schon abfahrtsbereit ist.

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Bild 1: Der Bahnhof von Bago von der Straßenseite aus gesehen. In einem der Büros im Erdgeschoss mussten wir uns eine Fahrkarte besorgen.



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Bild 2: Die offizielle „Qoller Rate“-Liste (Qoller = US-Dollar) am Bahnhof Bago. Sie verzeichnet die Langnasenpreise für Fahrten ab Bago. Links stehen die Bahnhofskürzel, in der zweiten Spalte die Entfernung in Meilen, anschließend die Preise für 3.- , 2.- und 1.-Klasse sowie für entsprechende Destinationen auch die Preise im Liegewagen. Am teuersten ist mit 29 US$ also eine Fahrt mit dem Liegewagen ins 339 Meilen entfernte MDY=Mandalay (Anschlusskarten muss man dann in Mandalay erwerben). Die Bahnhöfe TZI (Thazi), NPT (Naypitaw), PMA (Pyinmana) und TGO (Toungoo) liegen an der Strecke nach Mandalay, YGN steht für Yangon, die Bahnhöfe WAW (Waw), KKO (Kyaikto) und TTN (Thaton) liegen an der Strecke nach MMN=Mawlamyaing. Bleibt also noch NSE und das ist mein Fahrtziel Nyaungkashe. Die Fahrkarte in der dritten Klasse kostet den Mindestpreis für Ausländer also ein US$.



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Bild 3: Die Wagen stehen seit der Ankunft des Zuges aus Nyaungkashe am Morgen auf einem Gleis im Bahnhof, die ersten Fahrgäste für die Rückfahrt haben sich schon einen Platz gesichert, vom Zugpferd war aber noch nichts zu sehen.



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Bild 4: Meine Fahrkarte für die Fahrt nach Nyaungkashe, meine Passnummer habe ich unkenntlich gemacht. Da man im Endbahnhof Nyaungkashe keine Fahrkarten für Ausländer ausstellen kann, bekam ich gleich eine Rückfahrtkarte. Zusammen kostet der Spass saftige 2 US$, um mit Zug „613 Up“ und „612 Down“ nach Nyaungkashe und zurück zu fahren. Die Sitzplatzreservierung wurde zurückgezogen, denn richtige Sitzplätze gibt es in den Lokalzügen sowieso nicht.




Nachdem sich Mr. Han noch für ein paar Kyat eine Fahrkarte für Einheimische besorgt hatte, sammelte er mich wieder auf. Da vom Schienen-LKW weiter nichts zu sehen war und es mindestens eine Viertelstunde dauert, bis er vom Betriebswerk bis zum Bahnhofsgleis rumpelt, wollten wir die Zeit nutzen und nochmals im Stellwerk vorbeischauen. Mr. Han ging zunächst alleine hin und prüfte die Lage. Der Geheimdienst hielt wohl zusammen mit dem Bahnhofschef Siesta, so wurde mir der Besuch gestattet. Konspirativ schlich ich mich also in das Stellwerk, machte ein paar Fotos und ließ den Stellwerkern ein paar Kyat-Scheine zurück, nachdem ich ihnen am Morgen ja bereits ein paar Bilder dagelassen hatte.


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Bild 5: Mr. Han klärt gerade die Lage. Ich schieße versteckt hinter einer Mauer im Schatten aus der Hüfte schon mal ein Foto und schneide dabei natürlich das Dach ab. Von der anderen Seite wäre die Aufnahme sicherlich viel besser geworden, aber da hätten mich die Aufpasser am Bahnhof wahrscheinlich leicht entdeckt.



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Bild 6: Geschafft, ich darf die heiligen Hallen betreten, die Stellwerker schauen lieber weg.



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Bild 7: Dieses Bild hatte ich im letzten Bericht schon mal gezeigt, der Vollständigkeit halber zeige ich es hier nochmal. Der Gleisplan zeigt alle Weichen und Signale, die von diesem Stellwerk aus gestellt werden. Am südlichen Bahnhofsende gibt es dann nochmal ein baugleiches Stellwerk zur Steuerung der Südseite.



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Bild 8: Gute, alte britische Technik, die sich bewährt hat und viel zuverlässiger wie elektrische Signale, zumindest während der Regenzeit, wenn der Bahnhof von Bago oftmals knapp einen Meter unter Wasser steht. Leider war Bago schon 2011 der letzte größere Bahnhof in Myanmar mit Formsignale. Die Umstellung auf Lichtsignale erfolgte an anderen Bahnhöfen (z.B. Yangon) bereits vor dem Zweiten Weltkrieg! Damals war Myanmar das mit Abstand modernste und reichste Land Südostasiens, heute ist es genau umgekehrt.



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Bild 9: Ergänzt wurde alte Technik nur über eine rudimentäre, elektrische Gleisbesetzungsanzeige.



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Bild 10: Fast schon buddhahaft wacht der Stellwerker über die Hebel.



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Bild 11: Blick aus dem Stellwerk auf die nördliche Bahnhofsausfahrt.




Vom Stellwerk aus waren jetzt auch Aktivitäten im Betriebswerk auszumachen, der Schienen-LKW wurde startklar gemacht Folglich verließen wir wiederum konspirativ das Stellwerk und gingen zurück zu den Waggons. Dort herrschte bereits hektisches Treiben. Waren wurden verladen, fliegende Händler priesen ihre Waren feil und die Fahrgäste stritten sich um die besten Plätze. Der Zug war schon ziemlich voll und die Einheimischen amüsierten sich königlich über die filmende und fotografierende Langnase. Etwas verdattert waren sie dann aber, als Mr. Han die Fahrkarten zückte. Ich wollte eigentlich außen auf dem Schienen-LKW mitfahren. Das war dem Zugpersonal aber nicht geheuer und so wurde ich in die Fahrerkabine beordert. Eigentlich ein Privileg, ich wäre aber lieber draußen mitgefahren.

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Bild 12: Herrliche Lokalbahnatmosphäre wie auf der Schwäbischen Eisenbahn, den Ziegenbock hat man auch schon unter dem Wagen festgebunden. Links versuchen zwei Frauen, kleine Snacks und Eis an den Mann bzw. die Frau zu bringen Auf dem Puffer gäbe es noch einen Stehplatz, ansonsten sind alle Steh- und Sitzplätze schon vergeben.



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Bild 13: Der Schienen-LKW ist inzwischen auch da und wird gleich von den Fahrgästen samt Gepäck gestürmt. Da haben einige wohl einen Großeinkauf in Bago gemacht. Der junge Mann mit der schwarzen Tasche und der ältere Mann mit lila longyi und grauer Windjacke gehören zum umfangreichen Zugpersonal und versuchen, ein bisschen Ordnung in das Chaos zu bringen.



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Bild 14: Das Gepäck ist größtenteils verstaut, so langsam wird der Platz auch auf dem Schienen-LKW eng. Zeit, dass wir uns auch noch einen Platz suchen.




Vorab vielleicht noch ein paar Worte zu den Schienen-LKWs in Myanmar. Sie wickelten große Teile des Lokalverkehrs ab und werden unter der Bezeichnung LRBE bei den Myanma Railways eingereiht. Es sind allesamt individuelle Eigenanfertigungen, die in den jeweiligen Betriebswerken seit ca. 1995 aus gerade vorhandenen Teilen zusammengeschweißt wurden. Basis ist ein altes LKW-Fahrgestell mit Motor (meistens alte Hino-Trucks aus Japan). Die Vorderachse wird ausgebaut und stattdessen ein Drehgestell oder eine feste Laufachse eingebaut. Die angetriebene Hinterachse bleibt dagegen samt Reifen erhalten, sie übertragen die Antriebskraft auf die Schiene, wobei die Hinterachse entsprechend der Spurweite auf einen Meter gekürzt wird. Die Achsfolge ist also so in etwa 1A1, es soll auch welche mit der Achsfolge B‘2‘ geben. Manchmal bleiben die Bremseinrichtungen erhalten, teilweise werden auch manuelle Handbremsen, die auf die Schienen-Radsätze wirken, ergänzt, manche Schienen-LKW haben gar keine Bremseinrichtungen. Die angehängten Wagen (ebenfalls zusammengesetzt aus ausrangierten Personenwaggons und Metallresten) sind dagegen ungebremst, man muss also aufgrund der eingeschränkten oder gar nicht vorhandenen Bremskraft schon sehr gefühlvoll fahren. Schneller als 20 km/h fahren die Dinger sowieso nicht, der Gleiszustand lässt auch selten schnellere Geschwindigkeiten zu. In den 90-er Jahren entstanden so insgesamt ca. 80 Exemplare (die höchste mir bekannte Nummer ist der LRBE 78), im Jahre 2016 wurden dann die letzten Schienen-LKWs stillgelegt und durch gebrauchte und umgespurte Kapspur-Triebwagen aus Japan ersetzt, viele lokale Verbindungen wurden zwischenzeitlich auch komplett eingestellt.


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Bild 15: Den LRBE71 hatte ich 2007 bei meinem ersten Besuch in Bago auf der Drehscheibe im Betriebswerk erwischt. Da die Schienen-LKWs alle auf LKW-Basis gebaut werden und nur einen Führerstand haben, müssen sie bei einem Fahrtrichtungswechsel jeweils gedreht werden. Jeder Schienen-LKW hat sein eigenes, individuelles Aussehen, dieser Schienen-LKW besticht durch das Bemühen um ein modernes Design.




Bevor es nun aber mit dem Schienen-LKW auf die Reise geht, erst nochmal kurz ein Blick auf die Streckenkarte:

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Bild 16: Übersichtskarte Bago – Abaya – Nyaungkashe. Rot eingezeichnet ist der einstige Streckenverlauf bis zum Zweiten Weltkrieg.
Die Streckenlänge Bago – Nyaungkashe beträgt 47,6km, die Strecke wurde im September 1907 eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde Nyaungkashe Endstation, als die Brücke über den Sittoung-Fluss weiter nördlich wieder aufgebaut wurde.



Mit dem LRBE 43 ging es dann also zunächst durch den Bahnhof von Bago, bevor wir direkt nach der nördlichen Signalbrücke auf die Strecke nach Mawlamyaing abbogen. Da ich praktisch die gesamte Zeit filmte, kam ich erst beim ersten Halt vor Waw zur ersten Fotomöglichkeit. Eigentlich kommt es ja bei diesem Lokalzug auf eine Minute hin oder her nicht an. Aber kaum war ich den Bahndamm hinuntergesprintet, kam auch schon die schrille Aufforderung des Bahnpersonals, endlich wieder einzusteigen. So hat das Bild eher Notschusscharakter.


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Bild 17: Blick über die Schulter des Fahrers, der nicht einmal Flip-Flops trägt. Der Arbeitsplatz des Schienen-LKW-Fahrers besticht durch sein klares Design und die einfache Bedienung.



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Bild 18: Platz wäre nur noch auf den Dächern gewesen. Die Myanmar Railways bestechen durch ihre perfekte Auslastungssteuerung ihrer Züge



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Bild 19: Bereits an den ersten Haltepunkten stiegen schon viele Fahrgäste aus. Eigentlich wollte ich das Bild noch von etwas weiterer Entfernung schießen, das Bahnpersonal pfiff mich aber zurück, weil es weiterfahren wollte.



Im Bahnhof von Waw hielten wir dann ebenfalls, bevor es über die Klappbrücke weiter nach Abaya ging, wo wir einen längeren Aufenthalt hatten. Ich hatte die Hoffnung, dass vielleicht ein Gegenzug aus Mawlamyaing kommen würde, allerdings vergeblich. Direkt nach Abaya verließen wir die Strecke nach Mawlamyaing und schwenkten auf die Stichstrecke nach Nyaungkashe ein. Einst war dies die Strecke nach Mawlamyaing. Als im Zweiten Weltkrieg aber die Brücke über den Sittaung-Fluss bei Nyaungkashe zerstört wurde, erfolgte der Wiederaufbau der Brücke nach dem Krieg ein paar Kilometer weiter nördlich. Es verblieb daher die kurze Stichstrecke nach Nyaungkashe, die 2011 noch im Lokalverkehr mit zwei täglichen Zugpaaren bedient wurde. Die Stichstrecke war in einem katastrophalen Zustand. Mehrfach dachte ich, dass der Zug jetzt entgleisen müsste, aber wie durch ein Wunder schafften wir es ohne Zwischenfälle bis nach Nyaungkashe. Für die rund 47 Kilometer benötigten wir ziemlich genau zwei Stunden! In Nyaungkashe brachte ich mich dann gleich neben der Drehscheibe am Ende der Strecke in Position. Denn die Schienen-LKW können natürlich längere Strecken nur vorwärts zurücklegen und müssen daher am jeweiligen Streckenende gedreht werden. Dazu hat man in den Damm, der hier einst bis zur Brücke über den Sittaung-Fluss führte, ein Loch gegraben und eine improvisierte Drehscheibe eingerichtet, auf die der Schienenbus gerade so draufpasste. Mit ein paar Steinen und einem Holzkeil auf den Schienen sicherte man den Schienen-LKW gegen das Abrutschen, um anschließend mit viel Muskelkraft das Gefährt um 180° zu drehen.


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Bild 20: In Abaya hatten wir einen längeren Aufenthalt, der mir eigentlich genügend Zeit zum Fotografieren gab. Leider stand der Schienen-LKW im Schatten der Bäume.



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Bild 21: Ohne Zwischenfälle sind wir in Nyaungkashe angekommen. LRBE 43 hat die Wagen bereits abgekoppelt und sie im Bahnhof stehen lassen. Jetzt fährt sie zur…



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Bild 22: … Drehscheibe am Streckenende. Der Damm ist an dieser Stelle ziemlich breit, vielleicht war die Strecke hier früher sogar zweigleisig. Noch weiter Richtung Fluss gab es auch ein Gleisdreieck (auf Google Maps erkennbar), den vor den Schienen-LKWs fuhren die Züge hier noch mit Dampfloks und die hätte man auf dieser Drehscheibe nicht drehen können. Den Schienen-LKW dagegen...



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Bild 23: … bekommt man auf der kleinen Drehscheibe locker mit Muskelkraft gedreht.



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Bild 24: Rechts im Bild dokumentiert mein Guide Mr. Han ebenfalls das einzigartige Ereignis.



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Bild 25: Um 180° gedreht rumpelt das Gefährt wieder in den Bahnhof Nyaungkashe.




Anschließend setzte der Schienen-LKW wieder vor die im Bahnhof stehenden Waggons. Bis zur Rückfahrt sollte es noch eine knappe Stunde dauern, und so zog ich mich in das nahegelegene „Bahnhofsrestaurant“ für ein kühles Bierchen zurück. Die Rückfahrt verlief dann genauso wie die Hinfahrt, nur dass wir eben in die andere Richtung fuhren und ich fast alleine an Bord war, dennoch durfte ich nicht in den Waggons mitfahren, sondern musste wieder im Fahrerhäuschen Platz nehmen.

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Bild 26: Werbeplakat im Bahnhofsrestaurant. Einen Anti-Stress-Whisky habe ich nicht getrunken, schließlich hatte ich ja gerade eine total entspannte Zugfahrt hinter mich gebracht. Zudem hat mir die Dame auf dem Bild nicht sonderlich zugesagt, da gibt es wesentlich hübscheres in Myanmar.



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Bild 27: Der Schienen-LKW steht am Bahnhof von Nyaungkashe, rechts ist noch das Bahnhofsgebäude im Bild.



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Bild 28: Durch die pottebene Landschaft ging es zurück nach Bago. Mittlerweile hat sich die nahe am Meer gelegene Region von den Folgen des Zyklon Nargis Ende April 2008 erholt. Als ich Anfang 2009 in diese Region reiste, waren die meisten Bäume und Palmen kahl und die Erde von einer grauen Schlamm- und Salzdecke überzogen. Vermutlich bis zu 280.000 Menschen ertranken während des Zyklons oder starben später aufgrund der direkten Folgen des Sturms.



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Bild 29: Kurzer Zwischenstopp am Bahnhof Abaya. Fahrgastwechsel gab es keinen. Ich hätte aussteigen können und nach einer angehenden Lehrerin fragen können, die ich zwei Jahre zuvor auf einer Zugfahrt von Mandalay nach Yangon im Zug getroffen hatte. Wir hatten uns damals längere Zeit unterhalten, weil sie ihr Englisch verbessern wollte. Als ich fragte, wo sie hinfahren würde, antwortete sie „My home village near Bago“. Ich wollte es genauer wissen und sie antworte schließlich „Abaya“. „I know this place“, antwortete ich, was sie mir erst glauben wollte, als ich ihr den Bahnhof beschrieben hatte. Den Bahnhof Abaya hatte ich nämlich schon 2007 kennengelernt…



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Bild 30: ... als ich das erste Mal rund um Bago Dampfloks gejagt hatte.



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Bild 31: Einfahrt in den Bahnhof von Bago. Leider drückte ich auf den Auslöser, als der Schienen-LKW mal wieder gerade über eine heftige Gleisverwerfung schaukelte.



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Bild 32: Dieser Baum hat den Zyklon Nargis überlebt.





Am Bahnhof Bago war ich der letzte verbliebene Fahrgast. Ich stieg schnell aus und dokumentierte noch die Sägezahnfahrt des Schienen-LKWs vom Bahnsteig zurück ins BW. Danach wollte ich das letzte Sonnenlicht für die Fernzüge aus Mandalay nutzen. Da diese aber mehrere Stunden Verspätung hatten und es außerdem wie bisher fast an jedem Spätnachmittag zuzog, blieb die fotografische Ausbeute sehr gering.

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Bild 33: Als der Schienen-LKW am nördlichen Stellwerk in Richtung BW vorbeirumpelt, schien die Sonne noch...



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Bild 34: ... danach verbarg sie sich für den Rest Tages hinter Schlonz und Wolken. Zudem kam auch kein Zug aus Richtung Mandalay, sondern aus Richtung Yangon. Lok DF.2052 (Dalian, 2008) zieht den Expresszug aus dem Bahnhof und passiert die Ausfahrtsignale am nördlichen Bahnhofsende.



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Bild 35: Eigentlich wären die Züge in Gegenrichtung aus Mandalay längst fällig gewesen, jetzt muss ich die Formsignale an der nördlichen Einfahrt per Nachschuss mit auf das Bild nehmen.



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Bild 36: So war das eigentlich gedacht. Leider war die Sonne beim ersten aus Richtung Mandalay eintreffenden Zug längst hinter dem Horizont verschwunden. Zuglok ist übrigens DF.1645 (1977, Alsthom).




Mit dem Einbruch der Dunkelheit verließ ich das Bahnhofsgelände und suchte das Restaurant im Erdgeschoss des San Francisco Hotels auf, schließlich hatte ich den ganzen Tag noch nichts Warmes gegessen. Ich verzichtete allerdings auf den Genuss der lokalen Spezialität (gebratene Ziegenhoden) und nahm mit einem Teller gebratene Nudeln vorlieb. Anschließend wusch ich den im Laufe des Tages angesammelten Staub und Schweiß im Duschraum des Myanandar Hotels ab und ging danach sofort ins Bett. Denn weil die Schienen-LKW-Fahrt am heutigen Tag so interessant war, sollte morgen gleich die nächste folgen. Natürlich auf einer anderen Strecke. Ich hoffe also, dass ihr beim nächsten Bericht gut ausgeschlafen habt und wieder dabei seid.




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Welcher Bahnhof gehört nicht dazu? Ein Rätsel mit 4 Bildern
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Teil 1: Ein Abschied für immer? – Ein letztes Mal Myanma my love!
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Teil 2: Bunt gemischter Zugverkehr rund um die Moschee
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Teil 3: Mit dem Puff-Bus in Berge – Mit Hindernissen von Yangon über Mandalay nach Namtu
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Teil 4a: Da biste platt – Mit Dampflok und Dampfwalze rund um den Bahnhof von Namtu
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Teil 4b: It’ sTEAm time, Lady No. 13 – Ein Dampfnachmittag zwischen Namtu und Lopah
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Teil 5a: Zwischen Nebel und Sonne – Ein Vormittag voller Scheinanfahrten zwischen Namtu und Wallah Gorge
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Teil 5b: Buddha mag nur Dampfloks, aber wohl keine Sonne – Ein bedeckter Nachmittag in und um die Doppelspirale von Wallah Gorge
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Teil 6a: Total verbogen und von Beruf Stromabnehmer – Ein Morgen voller unerwarteter Ereignisse
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Teil 6b: Entgleisungen ohne Ende – Das Benehmen der Reisegruppe entgleist genauso wie kurz darauf die Dampflok
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Teil 7a: Markttag in Namtu – Feilschen um Fotopositionen um jeden Preis
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Teil 7b: Spektakel in der Spirale - Doppelt hält besser oder wenn Männer echte Eisenbahn spielen
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Teil 7c: Dampfdoppeltraktion am Abend – Erquickend und labend
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Teil 8a: Dampf unter Palmen – Ein Morgen mit Hindernissen und vielen Traummotiven
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Teil 8b: “This is the end of the line” – Eine gruppendynamische Fahrt bis zum (gar nicht so) bitteren Ende
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Teil 8c: Überraschung – Im dritten Versuch klappt’s dann doch
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Teil 9a: Ein traumhaftes Industriedenkmal – Vom Horrorhaus zum Hüttenwerk
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Teil 9b: Der Silberschatz am Hüttenwerk – Über „refinery“ und „silver room“ zum Bahnhof Namtu
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Teil 9c: Noch mehr Schätze & Überraschungen – Vom Bahnhof über das Kraftwerk zur „Dame vom Amt“
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Teil 9d: Transfer mit Bus und Zug zum Flug – Mit dem Bus von Namtu über einen Dampfkran zu einem der besten Flughäfen der Welt
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Teil 10a: Britische Formsignalparade – Ein Morgen an der nördlichen Bahnhofseinfahrt von Bago
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Teil 10b: Einmal Nyaungkashe und zurück – Eine Schaukelfahrt im Schienen-LKW
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Zugliste


Datum Zugnummer Von Nach km Traktion Spurweite
25.11.Circle LineYangon Hbf Yangon Hbf 49,1Diesel1000mm
27.11. NamtuLopah (und zurück)13,9Diesel/Dampf610mm
28.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel/Dampf610mm
28.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
29.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel610mm
29.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
30.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel/Dampf610mm
30.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
01.12. NamtuWallah Gorge10,6Diesel610mm
01.12. Wallah GorgeE.R. Valley5,6 Diesel/Dampf610mm
01.12. E.R. ValleyBawdwin2,4Diesel610mm
01.12. BawdwinE.R. Valley2,4Diesel610mm
01.12. E.R. ValleyWallah Gorge5,6 Diesel/Dampf610mm
01.12. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
03.12.Local BagoNyaungkashe (und zurück) 95,2 Diesel1000mm


Wieder super, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 07.05.20 14:10

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
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da bin ich gerne wieder mitgekommen - sehr interessantes Fahrzeug!

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(
als Nahverkehrszug ist doch diese Konstruktion sehr brauchbar.
Danke für diese Dokumentation! Für die Freunde der Dampfzüge gibt es weiterhin Fotofahrten, aber die LRBE werden wir wohl nie mehr in Betrieb erleben, und schon gar nicht mit dem Lokalkolorit wie in deinem Beitrag.
Hallo Andreas,

ja, die meisten LBRTEs sind längst zerlegt oder stehen noch irgendwo nicht mehr betriebsfähig herum. Auch einzelne Strecken, auf denen sie im Einsatz waren, sind mittlerweile stillgelegt. Es waren schon urige Gefährte. Das Know-How zum Neubau wäre sicher noch vorhanden, aber aufgrund der Schwemme gebrauchter japanischer kiha Triebwagen wird man da sicher nicht mehr bauen.

Viele Grüße

Florian