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Myanma my love - Ein Abschied für immer?!

Teil 8b: “This is the end of the line” – Eine gruppendynamische Fahrt bis zum (gar nicht so) bitteren Ende



Im im letzten Bericht hatten wir bereits einen sehr ergiebigen Morgen rund um Wallah Gorge erlebt. Nun folgt der zweite Teil, wo wir der Linie bis zum bitteren Ende in Bawdwin folgen, wo es dann noch eine „Überraschung“ geben sollte. Viel Spaß beim Lesen.


Wie immer vorab ein paar Karten. Am heutigen Tag hielten wir uns zwischen Namtu und Bawdwin auf:

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Bild 1: Übersichtskarte der Minenbahn von Namtu. In Namyao bestand Anschluss an die Meterspurstrecke (Mandalay-) Myomaung - Lashio. Betriebsmittelpunkt ist Namtu, wo sich neben dem Hüttenwerk ein großes Depot mit Betriebs- und Ausbesserungswerk befindet. Zwischen Namyao und Namtu verläuft die Strecke durch eine Hügellandschaft, hinter Namtu folgt die Strecke dann teilweise in einer Schlucht einem Gebirgsbach bis Wallah Gorge. Dort befindet sich eine Verladestelle für das im Untertagebetrieb geförderte Erz. Das letzte Teilstück bis Bawdwin verläuft dann meist oberhalb des Flusses, in Bawdwin bestand Anschluss an den Förderturm der Untertagemine sowie dem Übertageabbaugebiet.
Von Bawdwin bzw. Wallah Gorge wurde hauptsächlich Roherz in das Hüttenwerk in Namtu befördert, zwischen Namtu und Namyao wurden das aufbereitete Erz bzw. auf dem Rückweg notwendige Rohmaterialien wie Kohle und Säure transportiert. Der Personenverkehr wurde mit umgebauten Hino-Schienen-LKWs abgewickelt. 2009 verkehrte der letzte Zug zwischen Namtu und Nahsai, nachdem der Abschnitt Nahsai – Namyao bereits mehrere Jahre zuvor stillgelegt wurde. 2011 wurde dann zwischen Wallah Gorge und Bawdwin im heftigen Monsunregen der Damm bei E.R. Valley weggespült, die bereits isolierte Strecke Namtu – Bawdwin zerfiel also in zwei isolierte Teilstrecken.



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Bild 2: Der Streckenabschnitt Namtu – Wallah Gorge im Detail. Kurz nach Namtu zweigt die Strecke in ein schluchtartiges Seitental ein. In Lopah befindet sich ein Bahnhof mit zwei Ausweichgleisen. Der große Höhenunterschied kurz vor Wallah Gorge wurde zunächst mit zwei Spitzkehren überwunden, später legte man hier zwecks Betriebsoptimierung einen offenen, 540°-Kreisel an. In Wallah Gorge gibt es neben der Verladestelle mehrere Abstellgleise sowie ein Gleisdreieck.



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Bild 3: Der Streckenabschnitt Wallah Gorge – Bawdwin im Detail. Kurz nach Wallah Gorge folgt die erste Spitzkehre in Tiger Camp. Hier kommt die zweigleisige, elektrifizierte Grubenbahn (ebenfalls 610mm Spurweite) zutage und läuft weiter bis zur Verladestelle in Wallah Gorge. Nach dem Ausfahren eines Seitentals folgt eine weitere Spitzkehre, gefolgt von einem zweiten Ausfahren des Seitentals. Danach verläuft die Strecke weit oberhalb des Flusses bis zum Endbahnhof Bawdwin. Einst zweigte kurz vor Bawdwin noch ein Anschlussgleis zum Förderturm und Übertagebau (in der Karte oberhalb von Bawdwin) ab.




Hauptakteurin des heutigen Tages war die nicht unbedingt formschöne Lok Nummer 13, die 1914 bei Kerr Stuart gebaut wurde und die eher exotische Achsfolge B‘1 aufweist.



Der Tag hatte eigentlich perfekt begonnen. Trotz einiger Verzögerungen kamen wir zu traumhaften Motiven, die ich euch im letzten Bericht bereits gezeigt hatte. Unsere Reisegruppe war mittlerweile fast eine Woche zusammen und selbst die sonst so rücksichtsvollen Briten in der Gruppe beschränkten sich nicht mehr nur auf sarkastische Kommentare. Reibungspunkte gab es genug: die ständigen Verzögerungen wegen fehlendem Kesseldruck, einem Teilnehmer, der ständig vor die Lok läuft, geöffnete Türen an Güterwaggons, falsche Fotoapparateinstellungen, die Wiederholungen von Scheinanfahrten verursachen… . Ein Psychologe hätte an den gruppendynamischen Prozessen seine wahre Freude gehabt, Eisenbahnfans sind doch meist eine etwas „spezielle“ Spezies. Ich dagegen war mit der Ausbeute am Morgen mehr als zufrieden und nahm die Gegebenheiten mit burmesischer Gelassenheit hin.

Unsere alte Dame schaffte noch einen Wagenwechsel von geschlossenen Güterwagen auf offene Wagen und eine Scheinanfahrt unter die Verladeanlage, danach war der Kesseldruck mal wieder im Keller und es war jede Menge Geduld gefragt. Der ohnehin schon viel zu straffe Zeitplan der Reiseleitung war längst obsolet, dabei wollten wir ja heute noch bis zum Ende der Linie in Bawdwin kommen, wo es eine „Überraschung“ geben sollte. Bevor es allerdings soweit sein sollte, war noch jede Menge Geduld gefragt.

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Bild 4: Ich wählte für die Einfahrt der Lok unter die Ladeanlage ein etwas anderes Fotomotiv. Leider war mein Blitz zu schwach.



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Bild 5: Blick vom Inneren des Bahnhofskiosks auf die Verladeanlage von Wallah Gorge.



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Bild 6: Mann, ist die scharf! Nein, nicht die Lok, sondern die Sammlung Chilis, die in die Sonne zum Trocknen ausgelegt wurde.



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Bild 7: Unsere zum Warten verdammte Reisegruppe lockte immer mehr Neugierige an. Das kleine Mädchen schaut noch etwas kritisch, wahrscheinlich sieht es zum ersten Mal in seinem Leben Langnasen in natura.



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Bild 8: Verzweifelt sucht der Eisenbahnfotograf in den langen Wartepausen nach Fotomotiven.




Schließlich aber war wieder genügend Druck im Kessel und wir machten uns mit Lok Nummer 13 auf den Weg in Richtung Bawdwin. Die zahlreich geplanten Fotohalte im weiteren Streckenverlauf wurden fast alle gestrichen, schließlich mussten wir einiges an Zeit aufholen, die Sonne stand nun schon viel zu hoch am Himmel und der Abschnitt bis ER Valley ist wegen der steilen Hänge und der Lichtsituation am Vormittag fototechnisch eher schwierig umzusetzen. War aber vielleicht auch wegen der Spannungen in der Gruppe besser so. Oberhalb von Wallah Gorge verläuft die Strecke meist weit oberhalb des schluchtartigen Tales und die meisten Fotostellen liegen direkt am Abgrund. Da kann eine Spannungsentladung, und sei es nur ein kleiner Schubser, schnell böse enden.

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Bild 9: Nach zwei Spitzkehren und zweifachem Ausfahren eines Tals hat unser Zug erheblich an Höhe gewonnen. Hoch über dem schluchtartigen Tag verläuft die Strecke jetzt mit geringer Steigung weiter hinauf nach Bawdwin. Von einem wackeligen Strommast wie rechts zu sehen hatte ich am Morgen die Motive in der Spirale geschossen. Die Stromleitung ist die Lebensader Bawdwins, schließlich hängt der gesamte Untertagebau samt Pumpen an den seidenen Fäden dieser Leitung.



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Bild 10: Dieses Bild gelang erst im dritten Anlauf. Die ersten beiden Versuche scheiterten an der zu geringen Dampfwolke, die die Lokmannschaft trotz der ausführlichen Beschreibung der Reiseleitung nicht hinbekam. Im dritten Anlauf nahm Bernd dann persönlich den Regler in die Hand und zeigte der Lokmannschaft, was er mit einer Dampfwolke meint…




Das Licht stand jetzt im Zenit, passend kam die Wickham-Draisine mit dem Mittagessen aus Namtu. Wie an den Vortagen gab es kalte, gebratene Nudeln mit ein bisschen Rührei, die in einer Styroporschale serviert wurden. Mit in Essig eingelegten Chilis war es sogar recht bekömmlich.

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Bild 11: Immerhin war ich nicht alleine und es leistete mir jemand Gesellschaft. Habt ihr mein Gegenüber am Essenstisch schon erkannt? Nein, dann …



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Bild 12: … vielleicht in diesem Bild. Die Tarnung ist absolut perfekt, schon erstaunlich, was Mutter Natur so alles hervorbringt. Gibt es hier Heuschreckenexperten, die diese Art bestimmen können?



Ich hätte hier jetzt noch Stunden im trockenen Gras liegen und die Heuschrecke beobachten können, zumal die Mittagshitze schon wieder an der 30° Grenze angelangt war, am Morgen lagen die Temperaturen noch bei gerade mal 10°. Half aber alles nichts, es ging weiter bis nach ER Valley, wo unsere Fahrt zwangsweise kurz vor dem weggespülten Bahndamm endete. Auf der anderen Seite wartete ein Schienen-LKW, der während des Monsuns zum Glück in Bawdwin stand und daher jetzt auf dem isolierten Abschnitt zwischen ER Valley und Bawdwin pendeln kann. So stiegen wir hinab ins Tal, wo es auf einem wackligen Holzsteg über das kleine Rinnsal ging, das im Monsun zu einem reißenden Fluss mutierte und den Bahndamm weggespült hatte. Bevor wir allerdings den Schienen-LKW bestiegen, gab es noch ein Fotomotiv mit der weggespülten Strecke.

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Bild 13: Nicht der erste Durchhänger an diesem Tag, der aber weitaus spektakulärste. Bis wenige Meter vor dem Abgrund fuhr unser Hilfszug, bestehend aus einem offenen Güterwaggon zum Transport der Fotografenmeute, einem Flachwagen mit Torf (äh, natürlich Kohle) und dem Wagen mit Wassertanks und Pumpe. Der Hilfszug fährt dem Dampfzug immer voraus, Zuglok ist die kräftige O&K-Lok DC 303.



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Bild 14: Natürlich darf ein Motiv mit Dampfzug nicht fehlen.




Flugs ging es nun mit dem Schienen-LKW nach Bawdwin. Nachdem wir so viele Fotohalte ausgelassen hatten, lagen wir etwas besser in der Zeit und hatten sogar Zeit für einen Fotohalt.

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Bild 15: Die ersten Häuser von Bawdwin sind erreicht. Einst arbeiteten in Bawdwin mehrere Hundert, wenn nicht gar Tausende von Minenarbeitern. Spätestens nachdem die Mine vor zwei Jahren mangels funktionsfähiger Pumpen absoff, sind nur noch ein paar Kumpel übrig. Der Rest musste sich woanders in Myanmar nach Arbeit umsehen. Während man in der Nähe der Besiedlung die Bäume zum Schutz vor dem Monsun stehen ließ, sind die umliegenden Berge komplett abgerodet. Jahrhunderte lange Verhüttung der vor Ort gewonnenen Erze hat ihre Spuren hinterlassen.



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Bild 16: Mit Bahnstrecke und Schienen-LKW sieht das in etwa so aus.



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Bild 17: Der Sandstreuer darf natürlich auch beim Schienen-LKW nicht fehlen. Auf der fast leeren Ladefläche des Schienen-LKW wird sich gleich wieder die Fotografenmeute drängen.



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Bild 18: Schließlich hatten wir den pittoresken Endbahnhof in Bawdwin erreicht. Hinter und etwas über dem Bahnhofsgebäude verlief übrigens einst das Anschlussgleis zum offenen Tagebau und zum Förderturm des Untertagebaus. Die Schienen wurden aber schon vor einigen Jahren entfernt, da die Grube seither mit der Straße von Namtu aus erreicht werden kann.



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Bild 19: Die Züge von und nach Bawdwin werden aber für die Bevölkerung aufrecht erhalten, damit die Bewohner von Bawdwin eine Reisemöglichkeit zum Markt nach Namtu haben. Da mit unserem Sonderzug leider keine Marktfrau unterwegs war, die Reiseleitung aber stets nach möglichst authentischen Bildern lechzt, musste unsere deutsch-burmesische Reiseleitung KyKyi einspringen. Der LKW rechts steht übrigens nicht zur Zierde da, mehr dazu aber erst im nächsten Bericht.




Am Bahnhof Bawdwin selbst gibt es nicht so viele Fotomöglichkeiten, zumal der Schienen-LKW in Bawdwin nicht gedreht werden kann. Zwei Jahre zuvor hatten wir den Bahnhof immerhin noch mit Dampf erreicht, wegen der unterbrochenen Strecke war dies nun aber nicht mehr möglich. Ein Besuch im Tagebau wäre jetzt natürlich die Krönung. Allerdings wurden Anfragen zu einer Besichtigung stets abgeschmettert. Anfang 2009 kam ich bei meinem ersten Besuch trotz einer hart und teuer erkämpften Ausnahmegenehmigung mit dem Zug nur bis kurz hinter Namtu, Ende 2009 beim zweiten Besuch immerhin bis zum Endbahnhof Bawdwin. Aller guten Dinge sind drei, zumal uns ja auch eine Überraschung versprochen wurde. Ob wir es diesmal tatsächlich bis zum Tagebau schaffen, erfahrt ihr im nächsten Bericht.











Zugliste


Datum Zugnummer Von Nach km Traktion Spurweite
25.11.Circle LineYangon Hbf Yangon Hbf 49,1Diesel1000mm
27.11. NamtuLopah (und zurück)13,9Diesel/Dampf610mm
28.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel/Dampf610mm
28.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
29.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel610mm
29.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
30.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel/Dampf610mm
30.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
01.12. NamtuWallah Gorge10,6Diesel610mm
01.12. Wallah GorgeE.R. Valley5,6 Diesel/Dampf610mm
01.12. E.R. Valley Bawdwin2,4Diesel610mm






1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.02.20 10:05.

Wieder super, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 13.02.20 13:49

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de] - Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de]
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das Insekt könnte eine Gottesanbeterin sein...
Hallo

Als Eisenbahnfan und Mantidenhalter kann ich bestätigen, dass es eine Gottesanbeterin ist.
Vermutlich eine Heterochaetula sp. In Burma sind vermutlich noch einige unbekannte Arten zu finden.

Gruss Felix
Hallo Lok35 und Felix,

vielen Dank für die Identifizierung der Heuschrecke. Es ist doch immer wieder toll, welches Expertenwissen auf DSO vorhanden ist. Vielleicht könnt ihr ja auch noch diese Heuschrecke aus einem der vorherigen Berichte identifizieren:

Große grüne Heuschrecke ganz am Ende des Berichts


Und kennt ihr euch auch mit Spinnen aus?

Spinnen am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen


Viele Grüße

Florian