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[MM]Myanma my love – Dampf unter Palmen (m 30B)

geschrieben von: Flo1979

Datum: 30.01.20 12:35

Myanma my love - Ein Abschied für immer?!

Teil 8a: Dampf unter Palmen – Ein Morgen mit Hindernissen und vielen Traummotiven



Da der Nachwuchs trotz seiner erst sechs Wochen aktuell bereits durchschläft und auch ansonsten absolut pflegeleicht ist, kommt ihr bereits heute wieder in den Genuss eines neuen Reiseberichts. Im im letzten Bericht vor der Geburt der beiden Kleinen hatten wir den vierten Tag in Namtu hinter uns gebracht. Jetzt folgt der fünfte und damit vorletzte Tag in Namtu. Viel Spaß beim Lesen.


Wie immer vorab ein paar Karten. Am heutigen Tag hielten wir uns hauptsächlich zwischen Wallah Gorge und Bawdwin auf:

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Bild 1: Übersichtskarte der Minenbahn von Namtu. In Namyao bestand Anschluss an die Meterspurstrecke (Mandalay-) Myomaung - Lashio. Betriebsmittelpunkt ist Namtu, wo sich neben dem Hüttenwerk ein großes Depot mit Betriebs- und Ausbesserungswerk befindet. Zwischen Namyao und Namtu verläuft die Strecke durch eine Hügellandschaft, hinter Namtu folgt die Strecke dann teilweise in einer Schlucht einem Gebirgsbach bis Wallah Gorge. Dort befindet sich eine Verladestelle für das im Untertagebetrieb geförderte Erz. Das letzte Teilstück bis Bawdwin verläuft dann meist oberhalb des Flusses, in Bawdwin bestand Anschluss an den Förderturm der Untertagemine sowie dem Übertageabbaugebiet.
Von Bawdwin bzw. Wallah Gorge wurde hauptsächlich Roherz in das Hüttenwerk in Namtu befördert, zwischen Namtu und Namyao wurden das aufbereitete Erz bzw. auf dem Rückweg notwendige Rohmaterialien wie Kohle und Säure transportiert. Der Personenverkehr wurde mit umgebauten Hino-Schienen-LKWs abgewickelt. 2009 verkehrte der letzte Zug zwischen Namtu und Nahsai, nachdem der Abschnitt Nahsai – Namyao bereits mehrere Jahre zuvor stillgelegt wurde. 2011 wurde dann zwischen Wallah Gorge und Bawdwin im heftigen Monsunregen der Damm bei E.R. Valley weggespült, die bereits isolierte Strecke Namtu – Bawdwin zerfiel also in zwei isolierte Teilstrecken.



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Bild 2: Der Streckenabschnitt Namtu – Wallah Gorge im Detail. Kurz nach Namtu zweigt die Strecke in ein schluchtartiges Seitental ein. In Lopah befindet sich ein Bahnhof mit zwei Ausweichgleisen. Der große Höhenunterschied kurz vor Wallah Gorge wurde zunächst mit zwei Spitzkehren überwunden, später legte man hier zwecks Betriebsoptimierung einen offenen, 540°-Kreisel an. In Wallah Gorge gibt es neben der Verladestelle mehrere Abstellgleise sowie ein Gleisdreieck.



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Bild 3: Der Streckenabschnitt Wallah Gorge – Bawdwin im Detail. Kurz nach Wallah Gorge folgt die erste Spitzkehre in Tiger Camp. Hier kommt die zweigleisige, elektrifizierte Grubenbahn (ebenfalls 610mm Spurweite) zutage und läuft weiter bis zur Verladestelle in Wallah Gorge. Nach dem Ausfahren eines Seitentals folgt eine weitere Spitzkehre, gefolgt von einem zweiten Ausfahren des Seitentals. Danach verläuft die Strecke weit oberhalb des Flusses bis zum Endbahnhof Bawdwin. Einst zweigte kurz vor Bawdwin noch ein Anschlussgleis zum Förderturm und Übertagebau (in der Karte oberhalb von Bawdwin) ab.




Hauptakteurin des heutigen Tages war die nicht unbedingt formschöne Lok Nummer 13, die 1914 bei Kerr Stuart gebaut wurde und die eher exotische Achsfolge B‘1 aufweist.



01.12.2011

Heute sollte der vorletzte Tag in Namtu sein und den wollten wir nochmals ausgiebig nutzen. Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang wollten wird den oberen Streckenabschnitt zwischen Wallah Gorge und Bawdwin bearbeiten. Das hieß allerdings früh aufstehen und noch kurz nach Ende der Dunkelheit die Fahrt am Bahnhof Namtu mit dem Schienen-LKW Richtung Bawdwin anzutreten.

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Bild 4: Der morgendliche Blick vom Gästehaus. Der Nebel hat sich noch nicht verzogen, aber darüber thront ein wolkenfreier Himmel. Bis zum Sonnenaufgang dauert es noch eine Weile.



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Bild 5: Auf der Fahrt mit dem Schienen-LKW von Namtu nach Wallah Gorge ging die Sonne dann auf. Dieses Bild entstand während der Fahrt.




Wir hatten mit der Lokmannschaft am Vortag eine feste Uhrzeit vereinbart, zu der wir mit unseren Aufnahmen starten wollten. Das Zugpersonal des Schienen-LKW war auch pünktlich, die Fahrt nach Wallah Gorge verlief ohne Zwischenfälle. Dennoch hätten wir uns das frühe Aufstehen sparen können, denn die Lokmannschaft hatte zwar mit dem Anheizen von Lok 13 in Wallah Gorge begonnen, der Dampfdruck war allerdings noch nicht ausreichend und das Personal war zunächst mit der Zubereitung des Frühstücks beschäftigt.

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Bild 6: Lok 13 wurde zwar schon angeheizt, war aber noch nicht auf Betriebstemperatur. Das Lokpersonal war zunächst mit dem Anheizen ihres Frühstücks beschäftigt.



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Bild 7: Neben uns warteten auch schon einige Frauen, die in unserem Zug nach Bawdwin mitreisen wollte. Diese Fahrt stand aber erst gegen Mittag an.



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Bild 8: Die Lokmannschaft freut sich jetzt erst einmal auf das Frühstück.



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Bild 9: Im Hintergrund wird der Hino-Schienen-LKW, der uns von Namtu nach Wallah Gorge gebracht hatte, schon mal auf dem Gleisdreieck gedreht. Die zahlreichen Betonschwellen sollen noch auf den Streckenabschnitten rund um Wallah Gorge eingebaut werden.




So mussten wir uns noch gedulden, wurden dann allerdings mit schönen Aufnahmen im allerersten Morgenlicht in Wallah Gorge beglückt. Dank der noch recht kühlen Temperaturen hier oben in Wallah Gorge wurden wir auch mit einer schönen Dampfwolke belohnt.

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Bild 10: Schließlich war die Lokmannschaft mit dem Frühstück fertig und wir konnten mit den ersten Aufnahmen starten. Passend dazu erreichten jetzt auch die ersten Sonnenstrahlen den Talkessel von Wallah Gorge.



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Bild 11: Dank der kühlen Morgentemperaturen gab es auch eine schöne Dampfentwicklung.



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Bild 12: Nach einem kurzen Standortwechsel endlich die gewünschten Motive: Dampf unter Palmen.



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Bild 13: Zwischen Spirale und Bahnhof Wallah Gorge.



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Bild 14: Der Tempel oberhalb der Spirale durfte auch noch mit auf ein Bild.



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Bild 15: Ebenso die Verladeanlage in Wallah Gorge.



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Bild 16: Und weil es so schön ist …



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Bild 17: ... das Ganze nochmal mit Weitwinkel.




Dann war es wie gewohnt mal wieder so weit. Das Feuer in der Lok war durchgebrannt und musste neu aufgesetzt werden, die Lokmannschaft hatte nach den hektisch von der Reiseleitung angeordneten Fahrmanövern am frühen Morgen erst Mal Lust auf eine Ruhepause. Das sorgte bei einigen Reiseteilnehmern für erheblichen Frust, schließlich stand das morgendliche Licht noch so gut. Hilft alles nix, man muss die Dinge in Myanmar wie Buddha nehmen: lächeln und schweigen, dann wird alles gut.

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Bild 18: Wenn sich gerade keine Züge bewegen, muss man sich halt andere Fotomotive suchen. Zum Beispiel diesen Sandstreuer, der unter dem Schornstein der Lok und dem Tempel oberhalb von Wallah Gorge genüsslich die Pause in der Morgensonne genießt.



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Bild 19: Seelenruhig rauchte er auf seinem Platz direkt vor dem Kessel seine Morgenzigarette. Zeit für eine Charakterstudie.



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Bild 20: Und weil wir noch immer warten, ein zusätzliches Bild in Farbe.




Schließlich hatte KyiKyi die Lokmannschaft wieder aufgescheucht, es war wieder genug Dampf im Kessel und die nächsten Fahrmanöver im Umfeld der Verladeanlage von Wallah Gorge konnten beginnen. Und auch wenn sich viele Teilnehmer über die verlorene Zeit mokierten, das Licht war noch immer sehr gut.

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Bild 21: Jetzt müssen der Sandstreuer und sein Kollege wieder ran an die Arbeit. Zum Glück verlief die Fahrt in das Abstellgleis, dessen Schwellen oft nur noch die Konsistenz von Torferde haben, ohne Malheur. Wäre nicht das erste Mal, dass in diesem Gleis ein Zug entgleist (wenn mein Gedächtnis mich nicht täuscht, dann habe ich das an dieser Stelle mindestens dreimal erlebt).



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Bild 22: Und weil so mancher Tourteilnehmer beim ersten Versuch nicht die richtige Einstellung am Fotoapparat gefunden hatten, gab es auch noch einen zweiten Versuch. Wobei sich bei diesem Motiv einige Reisegruppenmitglieder mokierten, dass die Türe am ersten Güterwagen offenstand…




Trotz Drängen versagte die Reiseleitung einen dritten Versuch, schließlich sollte es nun wieder in den Kreisel gehen, der immer mehr Sonne abbekam und mittlerweile zumindest zu einem Drittel ganz gut im Licht stand. Unser aller Lieblingsschweizer hielt sich mal wieder an keinerlei Absprachen. Jetzt haben einige Leute ein Video von Dampfzugfahrten durch die Spirale, bei der eine Person wild mit den Armen fuchtelnd direkt vor der Lok herläuft…

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Bild 23: Für die nächsten Motive kletterte ich ein paar Meter auf einen altersschwachen und rostigen Strommasten. Ich war nicht der einzige mit der Idee und der Mast schwankte bedenklich, dazu kam die äußerst unbequeme Position auf einem schrägen, recht dünnen Metallprofil. Egal, ich biss die Zähne zusammen und lichtete den schwer mit zwei Sandstreuern, zwei Heizern, einem Lokführer und drei Bremsern beladenen Zug auf dem Viadukt im Kreisel ab. Zum Glück hatten wir zuvor alle Türen der Güterwaggons geschlossen…



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Bild 24: Ein Motiv mit dem Tempel oberhalb der Spirale darf natürlich nicht fehlen...



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Bild 25: Beim zweiten Anlauf wählte ich dann ein Weitwinkel lastiges Motiv, bei dem auch die Verladeanlage in Wallah Gorge zur Geltung kommt.



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Bild 26: Im weiteren Verlauf gingen mir dann die alternativen Motive leider aus.



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Bild 27: Deswegen schnell hinab in die Spirale. Dort konnte ich im dritten Anlauf festhalten, wie unsere alte Dame sich durch den Bogen im Viadukt zwängt. Die Sandstreuer haben ordentlich zu tun, sorgen die großen Steigungen und die gegenläufigen und engen Kurvenradien doch oft dafür, dass der Zug hier zum Stehen kommt.



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Bild 28: In der Tat, ein zweiter Versuch war nötig, der mir nochmals eine leicht veränderte Fotoposition ermöglichte. Die Böschung rechts hatten wir schon in den vorherigen Tagen mit unseren Fahrmanövern abgefackelt.



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Bild 29: Schafft es die Lok dieses Mal?



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Bild 30: Ja, sie hat es geschafft!




Damit endet dieser Bericht auch schon. Aber schließlich war das erste Fensterchen im Adventskalender ja schon am Morgen prall gefüllt gewesen. Ob es an diesem Tag gerade so weitergehen sollte? Schaut beim nächsten Bericht wieder rein, dann wisst ihr es.













Zugliste


Datum Zugnummer Von Nach km Traktion Spurweite
25.11.Circle LineYangon Hbf Yangon Hbf 49,1Diesel1000mm
27.11. NamtuLopah (und zurück)13,9Diesel/Dampf610mm
28.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel/Dampf610mm
28.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
29.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel610mm
29.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
30.11. NamtuWallah Gorge10,6Diesel/Dampf610mm
30.11. Wallah GorgeNamtu10,6Diesel610mm
01.12. NamtuWallah Gorge10,6Diesel610mm


Herzlichen Dank für den wunderschönen Bericht und die tollen Bilder. Da bekommt man Lust die Koffer zu packen...

ein Blick in den (Ein-)Topf

geschrieben von: Andreas Illert

Datum: 30.01.20 22:24

auf die Gefahr hin, einige Illusionen von der asiatischen Küche zu zerstören, ergänze ich mit einem Blick in den Topf des Kochs von Wallah Gorge.

"Chicken Potato" wurde die Antwort des Meisters auf meine Nachfrage hin übersetzt. Das Bild zeigt den Zustand des Gerichts vor Zugabe der Kartoffeln. Womöglich ist das schon eher das Mittagessen als das Frühstück. Für jene Leser, die es jetzt nicht als "Traummotiv" einordnen: meistens schmecken die exotischen asiatischen Gerichte deutlich besser, als die Optik für das ungewohnte europäische Auge hergibt. Die Reisegruppe konnte das allerdings nicht testen, denn für uns kam mittags wieder die Draisine mit dem packed lunch.

In dem Wissen um den Inhalt der Fortsetzung: ich freue mich schon auf den nächsten Teil, und wünsche dem Autor derweil viel Spass mit dem Nachwuchs!

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Re: ein Blick in den (Ein-)Topf

geschrieben von: Flo1979

Datum: 31.01.20 11:18

Hallo Andreas,

vielen Dank für die Ergänzung. So macht das doch richtig Spaß im Auslandsforum. Für Europäer sieht das absolut unpassend als Frühstück aus. Das Standardfrühstück in Myanmar ist allerdings mohinga, eine Fischsuppe. Da es rund um Namtu mit Fisch eher schwierig ist, ist ein solcher Eintopf als Ersatz wohl ganz passend.

Viele Grüße

Florian

Wieder super, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 01.02.20 23:04

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
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