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[MA] Marokko im Oktober - Reisebericht Teil 1 (mvB)

geschrieben von: Dennis Kraus

Datum: 25.11.19 13:24

Hallo zusammen,

Schon länger hatten Sebastian und ich Marokko auf der Wunschliste. Dieses Jahr im Oktober konnten wir diesen Wunsch nun in die Tat umsetzen. Zunächst stand nur der Zeitraum fest, das genaue Ziel war abhängig von den Flügen. Wir wollten ohnehin vor Ort möglichst viele von der Eisenbahn erschlossene Landesteile erkunden. Das Resultat der Flugsuche war ein Ryanair-Flug von Memmingen nach Fes und zurück für nur rund 50 Euro pro Person. Nun hieß es noch Mietwagen buchen und die Fahrpläne der Personenzüge heraussuchen.


Sonntag, 20.10.2019

Abflug in Memmingen war heute um 11 Uhr. Unsere Bordkarten hatte ich bereits ausgedruckt und so konnten wir direkt zur Sicherheitskontrolle und Passkontrolle gehen, denn wir hatten nur Handgepäckskoffer dabei und unsere Fotorucksäcke. Auf dem sehr übersichtlichen Flughafen war dies schnell erledigt. Rund 45 Minuten vor Abflug wurde mit dem Boarding begonnen, die Passagiere mussten dann aber zunächst noch länger draußen warten, weil die Ryanair Maschine noch nicht eingtroffen war. Nachdem dann endlich das Flugzeug da war und die ankommenden Fluggäste ausgestiegen waren, durften wir Platz nehmen. Weil wir keine Sitzplatzreservierung gekauft hatten, saßen wir getrennt. Für uns war es der erste Flug mit Ryanair. Die Beinfreiheit hatte ich mir schlimmer vorgestellt, mit meinen 1,93 m konnte ich noch relativ gut sitzen. Der Flug startete mit ca. 10 Minuten Verspätung, weil das Verstauen des Handgepäcks mal wieder ewig dauerte. Und viele Passagiere hatte auch definitiv mehr und größere Gepäckstücke dabei, als eigentlich erlaubt. Hat aber niemand interessiert. Der Flug selbst war dann quasi eine Verkaufsveranstaltung. Die marokkanische Besatzung kam zunächst mit Speisen und Getränken, ehe sie dann die Duty Free Produkte an den Mann bringen wollte. Dazu wurden mehrmals lange Durchsagen gemacht auf Englisch und Arabisch, was es doch für preiswerte Parfüms zu kaufen gibt und welche Sonderrabatte man heute noch erhalten kann. Und so ging das den kompletten dreistündigen Flug bis Fes, in so einer aufdringlichen Form hab ich das bisher auf noch keinen anderem Flug erlebt.
Fes wurde fast pünktlich erreicht und begrüßte uns mit kalten, regnerischen Wetter und komplett bedecktem Himmel. So hatten wir uns das hier eigentlich nicht vorgestellt...
Die Einreise verlief problemlos und wir bekamen einen Stempel und eine Nummer in den Pass. Die Nummer sollte sich noch als wichtig herausstellen, denn in jedem Hotel wollte man diese beim Check-in von uns wissen. Am Flughafen ließ ich gleich noch 350 Euro in marokkanische Dirham wechseln, ehe wir den Mietwagenschalter von Europcar suchten. Dort konnte man immerhin englisch und der Vertrag war schnell ausgestellt. Für die Fahrzeugübergabe mussten wir auf den Parkplatz vorm Flughafen, dort erwartete uns ein älterer Mitarbeiter, der allerdings kein Wort Englisch konnte. Wir bekamen einen Seat Leon, der allerdings schon fast 100 000 km drauf hatte und entsprechend viele Beulen und Kratzer. Das war mir durchaus recht, so fallen ggf. entstehende neue Kratzer wenigstens nicht auf...
Leider war die Wettervorhersage für heute und auch für die kommenden Tage rund um Fes komplett schlecht, es sollte immer wieder regnen. Fotografieren konnten wir damit heute zunächst mal vergessen. Stattdessen wollten wir uns etwas die Stadt ansehen. Davor suchten wir aber noch einen großen Supermarkt auf, um uns mit Getränken und Snacks einzudecken. Im Anschluss besichtigten wir u.a. das bekannte blaue Tor und die dahinter liegende Medina.

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Impressionen aus Fes.


Danach fuhren wir ins direkt am Bahnhof gelegene Hotel Ibis, dass ich im Vorfeld über booking.com reserviert hatte. Natürlich wollte ich dann auch noch kurz am Bahnhof vorbeischauen, doch dieses Vorhaben scheiterte daran, dass man nur mit Fahrkarten auf die Bahnsteige gelangt und der Gleisbereich ansonsten abgesperrt ist.
Abendessen gab es im zum Hotel gehörenden Restaurant.


Montag, 21.10.2019

Die Wetterberichte kündigten nach wie vor für die nächsten Tage komplett schlechtes Wetter rund um Fes an. Die einzige sonnige Region in Marokko sollte rund um Marrakesch sein. Diese Ecke stand eh auf unserer Wunschliste, also ab Richtung Süden. Heute war allerdings auch dort noch schlechtes Wetter, lediglich ein Streifen an der Küste um Rabat und Casablanca sollte etwas Sonne abbekommen. Unser Konzept sah nun vor über die Autobahn und damit über den potenziell etwas sonnigen Bereich nach Marrakesch zu fahren und bei entsprechenden Wetter dort nach Fotostellen Ausschau zu halten.
Die Fahrt erfolgte ereignislos über eine relativ leere Autobahn über Meknes nach Rabat. Dort zeigten sich tatsächlich größere blaue Stellen und ich steuerte bei Skhirat, südlich von Rabat gelegen, mal die Strecke an. Die Stellensuche erwies sich aber als äußerst schwierig, denn die Strecke war komplett auf beiden Seiten von einer Mauer umgeben. Lediglich von Brücken konnte man einen Blick auf die Gleise werfen, aber mit den Mauern sah das auch nicht so toll aus. An einer Brücke warteten wir dann mal einen Zug ab, wir bekamen einen Doppelstock-Triebwagen zu Gesicht, die zwischen Casablanca und Rabat pendeln.

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Der Doppelstock-Triebwagen 115 des Typs Z2M wurde bei Skhirat fotografiert.


Wirklich schön war die Stelle aber nicht und auch sonst fanden wir hier nichts einladendes, also fuhren wir weiter gen Süden. Casablanca konnte man wie auch Rabat über eine Autobahn problemlos zügig umfahren und so kamen wir schnell vorwärts. Bei Settat zeigten sich nochmals größere Wolkenlücken am Himmel und wir verließen daher die Autobahn in Richtung der hier in der Nähe verlaufenden Phosphatbahn aus Oued Zem. Dort verkehren im Personenverkehr drei Zugpaar (davon drei Züge bei Tageslicht) und angeblich soll dort relativ umfangreicher Güterverkehr stattfinden. Wir postierten uns bei Tamdroust. Am Himmel zeigte sich nun ein Sonne-Wolken-Mix. Zunächst kam der Personenzug von hinten, bei Sonne mit einem Japaner. Einige Zeit später folgte der Personenzug nach Oued Zem, leider ohne Sonne. Wir beschlossen noch einige Zeit zu warten, vielleicht folgt ja ein Phosphatzug. Ein derartiger Zug kam dann auch tatsächlich, aber leider von hinten, Zuglok war ebenfalls ein Japaner. Aus der richtigen Richtung kam nichts. Als die Wolken immer mehr wurden, brachen wir ab und fuhren wieder Richtung Autobahn. Als wir Settat durchfahren hatten und wir uns auf der in jede Richtung zweispurigen Ausfallstraße zur Autobahn befanden, überholte ich gerade einen sehr langsam fahrenden PKW und hatte dabei kurzzeitig etwas mehr als die erlaubten 60 auf dem Tacho. Und da war es passiert, am Kreisverkehr vor uns stand die Polizei und hat mich gemessen und uns nun natürlich rausgewunken. Die Verständigung war sehr schwierig, aber er zeigte mir das Radarbild, wo ich mit 71 gemessen wurde. Ich entschuldigte mich, aber das half nichts, er wollte nun Geld sehen. Und zwar 150 Dirham, also rund 15 Euro. Die bezahlte ich und dann durften wir weiter.
Ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir Marrakesch und checkten in das gebuchte Hotel Wazo ein. Zum Hotel gehörte ein Restaurant, dass zum Abendessen ein Buffet anbot. Dort gab es u.a. panierte Putenschnitzel und Kartoffel. Zwar nicht unbedingt typisch marokkanisch, aber es hat zumindest geschmeckt. Als Nachspeise gab es noch Obst und Schokokuchen.


Dienstag, 22.10.2019

Heute sollte es endlich mal mehr Sonne geben, zumindest hier rund um Marrakesch. Auf der elektrifizierten Strecke von Marrakesch nach Casablanca verkehren je Richtung alle zwei Stunden Personenzüge, nachmittags teilweise sogar stündlich. Erster Zug für uns war 602/107 mit Abfahrt um 7.50 Uhr in Marrakesch. Sonnenaufgang war um 7.40 Uhr. Wir wollten ihn von der Böschung der Autobahnbrücke aufnehmen, dort sollte relativ früh bereits das Licht hinkommen, trotzdem war aber fraglich, ob es reicht. Doch es passte und wir konnten eine E 1400, eine von 20 von Alstom an die ONCF gelieferten neuen Prima II Loks, fotografieren.

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E1412 mit Zug 602/107 (Marrakesch – Fes) nördlich von Marrakesch.


Als Nächstes stand der Nachtzug aus Sidi Kacem an. Wir fanden eine passende Stelle auf einer kleinen Straßenbrücke bei Bo Kricha. Zu unserer Freude kam der Zug mit einem Japaner.

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E1261 mit dem Nachtzug aus Sidi Karcem bei Bo Kricha.


Für den nächsten Zug aus Marrakesch fuhren wir nach Sidi Bou Othmane, dort war noch am längsten Frontlicht für Nordfahrer. Von einem Hang hatte man einen schönen Blick auf die Strecke. Auf einmal tauchte aus dem Norden kommend ein Zug auf! Es war ein Güterzug! Dafür standen wir jetzt natürlich äußerst ungünstig und konnten nur ein Notbild machen.

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Dieser Güterzug überraschte uns bei Sidi Bou Othmane.


Das war jetzt richtig ärgerlich! Der hätte wunderbar an der Stelle vom Nachzug eben gepasst und auch sonst hätte es genug Stellen mit passendem Licht gegeben und wir standen an der Stelle, wo das Licht am ungünstigsten stand... Wir hatten hier überhaupt nicht mit Güterverkehr gerechnet, denn ich fand im Vorfeld kein einziges Bild eines Güterzuges auf dieser Strecke im Internet.
Am Himmel bildeten sich nun langsam die ersten Quellwolken und es wurde spannend. Aber zum Glück klappte unser Nordfahrer mit Sonne, bespannt ebenfalls mit einem Japaner.

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Eine E1250 konnte mit Zug 610/115 (Marrakesch – Fes) bei Sidi Bou Othmane abgelichtet werden.


Für den nächsten aus Norden anstehenden Personenzug fuhren wir wieder an die Autobahnbrücke von heute Morgen. Er kam mit einer neuen Prima Lok zusammen mit einem Japaner im Schlepp.

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E1402 und eine E1250 mit Zug 104/605 (Fes – Marrakesch) kurz vor Marrakesch.


Für die nächsten beiden Züge ging es wieder in die Hügelkette ein paar Kilometer nördlich von hier. Zunächst kam der Nordfahrer, zu unserer Überraschung mit einem alten Franzosen, so eine Lok hatten wir bisher noch gar nicht gesehen.

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Eine E1300 beförderte Zug 614/119 (Marrakesch – Fes) nach Norden.

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E1401 kam mit dem Gegenzug 110 aus Fes.


Wie man sieht, hatten sich mittlerweile deutlich mehr Wolken gebildet. Wir fuhren trotzdem für den nächsten Südfahrer in zwei Stunden zu der Straßenbrücke, wo wir heute den Nachtzug fotografiert hatten und wollten sie von der anderen Gleisseite aus umsetzen. Leider kam der Zug aber bei Wolke. Ab jetzt herrschte Stundentakt und wir warteten noch den nächsten Zug hier ab. Aber auch dieser kam wieder bei Wolke. Mittlerweile war es eine fast geschlossene Wolkendecke und so brachen wir ab und fuhren zurück nach Marrakesch in unser Hotel. Abendessen gab es heute im zweiten zum Hotel gehörenden Restaurant, dass überwiegend italienische Gerichte anbietet. Wir aßen entsprechend Pizzas.


Fortsetzung demnächst hier im Forum.

Schöne Grüße,
Dennis