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Von Moskau bis zum Mittelpunkt Asiens


Teil 1/7: Zwischenstopp in Tscheboksary
Teil 2/7: Straßenbahnparadies Omsk
Teil 3/7: Gluthitze in Nowosibirsk
Teil 4/7: Krasnojarsk und der Staudamm am Jenissei
Teil 5/7: hier
Teil 6/7: Die Werksstraßenbahn von Tscherjomuschki
Teil 7/7: Auf der Straße nach Kysyl


Hallo zusammen,

hier geht es jetzt erstmal mit einem kurzen Beitrag weiter. In Abakan war eigentlich eine Übernachtung eingeplant, doch das habe ich wegen eines Abstechers recht kurzfristig verworfen. Mehr dazu dann im sechsten Teil. Ab Abakan ging es dann nur noch auf der Straße weiter, wenn auch durchaus noch ein Beitrag mit viel Schienenverkehr folgt.

Abakan hat 186.000 Einwohner und ist Hauptstadt der Republik Chakassien. Das namengebende Volk stellt nur zwölf Prozent der Einwohner der Republik. Die Stadt liegt in der Nähe der Mündung des gleichnamigen Flusses in den Jenissei, unweit dem oberen Ende des Krasnojarsker Stausees. Es gibt hier ein Stahlwerk sowie Baustoff- und Lebensmittelindustrie. Eine russische Siedlung bestand hier seit 1575, die moderne Stadt wurde jedoch erst 1931 gegründet, als die Bahnstrecke von Atschinsk nach Minusinsk gebaut wurde. Die Verbindung nach Westen über Nowokusnezk nach Barnaul und weiter über Kasachstan bis Magnitogorsk entstand erst nach dem Zeiten Weltkrieg. In Abakan gibt es ein Trolleybusnetz und eine Reihe interessanter Gebäude der Moderne, die Innenstadt ist aber auch relativ schnell erkundet.

16.07.2019: Ein halber Tag in Abakan

Aufgrund der Ankunftszeit kurz vor halb sieben gab es nicht all zu viel Schlaf in der Nacht. Da ich erst am Abend wieder ein Badezimmer von innen sehen sollte, stand ich um kurz nach halb sechs auf, um auch sicher noch in den Genuss der sanitären Anlagen zu kommen. Wie oft schon hatte ich kurz vor der Ankunft regelrechte Schlangen davor erlebt. Ich wollte am frühen Nachmittag mit dem Bus nach Tscherjomuschki weiterfahren, hatte also genug Zeit, mir die Stadt anzuschauen.

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Mein Zug kam am Hausbahnsteig an und stand wieder mal schön im Gegenlicht.

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Das Empfangsgebäude von der Bahnsteigseite. Nachdem die Fahrgäste verschwunden waren, kehrte recht schnell wieder Ruhe ein.

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Auf dem Bahnhofsvorplatz sieht diese Denkmallok, links dahinter befindet sich ein kleines Eisenbahnmuseum, das allerdings um diese Zeit noch geschlossen hatte.

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Mein Zug wurde recht bald wegrangiert und wenig später kam aus der anderen Richtung der Zug aus Barnaul an. Der Bahnhof füllte sich wieder mit Reisenden. Ich gab meinen Rucksack bei der Gepäckaufbewahrung ab und machte mich auf den Weg in Richtung Innenstadt. Die machte noch einen völlig schlafenden Eindruck, es war kaum jemand auf der Straße zu sehen und fast alle Geschäfte hatten noch geschlossen. Was macht man auch morgens um kurz nach sieben in Abakan?

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Trolleybusse fotografieren! Das Bild entstand an der Uliza Puschkina in der Nähe des Bahnhofs. Neben den klassischen SiU-682G sind auch modernere Wagen unterwegs.

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Meine erste architektonische Entdeckung war das Rathaus, über das ich leider nichts weiter herausfinden konnte. Sozialistische Moderne in höchster Vollendung jedenfalls.

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Zurück auf der Puschkina begegnete mir dieser VMZ-5298.01 „Avantgarde“, gebaut 2016 bei Trans-Alpha in Wologda. Die Noten und die Equalizer-Anzeige in den Fenstern stehen dem Fahrzeug ganz gut, wie ich finde. Den Fahrgästen dürften die zugeklebten Scheiben aber wohl weniger Freude bereiten.

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Mein erstes Ziel war das Chakassische Nationalmuseum „Leonid Romanowitsch Kyslasow“, das zwischen 2012 und 2017 nach Plänen des Architekturbüros W. A. Gawrilow entstand. Mit seiner UFO-Architektur gefiel es mir natürlich besonders. Es war allerdings auch noch geschlossen.

So langsam war mir nach einem Kaffee, einem Frühstück und einer Sitzgelegenheit, zumal es zu nieseln begann. Also zurück in Richtung Innenstadt, in der Hoffnung, dass dort irgendwas offen hatte. Ich ging eine lange Wohnstraße entlang und es dauerte ewig, bis es auch nur ansatzweise nach Zentrum aussah. Dann aber entdeckte ich rechts ein Café namens Abakan, das gerade aufgemacht hatte. Und das war genau das Richtige. Ich konnte mich garnicht entscheiden,, was ich mir an der Selbstbedienungstheke holen sollte. Es wurde erstmal Borschtsch, danach noch eine Apfeltasche, den Kaffee gab es in Pulverform mit Heißwasser aus dem Samowar. Es lief 90er-Chilloutsound im Stil von „Café del mar“ und ich konnte im Wintergarten dem Regen auf der Straße zuschauen, der perfekte Ort zur Regeneration. Es blieb auch nicht bei einem Kaffee.

Als sich der Regen legte, machte ich mich nach einer guten Stunde wieder auf den Weg in die nun schon etwas lebendigere Innenstadt.

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Die ist nicht besonders groß, aber eigentlich ganz hübsch.

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Soll noch einer sagen, nur in Moskau würden ständig die Straßen und Gehwege neu gepflastert. Ich ging durch die schachbrettartig angelegten Straßen und klapperte die Buchhandlungen für Postkarten und Magnete ab.

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Wie oft in Sibirien, finden sich auch hier zahlreiche neoklassizistische Häuser in Pastellfarben.

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Obwohl ich ja eigentlich ein Anhänger der Moderne und vor allem der Postmoderne bin, mag ich diesen Stil total. Es kommt immer so ein leichtes K&K-Flair auf.

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Aber das ist auch nicht zu verachten: das 1978 erbaute Lermontow-Theater mit schöner Mosaik-Fassade. Es befindet sich genau gegenüber von dem oben gezeigten Rathaus, jetzt war das Licht besser, während das Rathaus schon völlig unfotogen im Gegenlicht stand.

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Ganz in der Nähe befindet sich auch das Regierungsgebäude der Republik Chakassien. Hier setze ich mich nochmal kurz zum Ausruhen auf eine Bank. Als ich weiterging, kam ein Trolleybus um die Ecke. Ich wollte ein Foto machen und bemerkte im selben Moment, dass ich meine Kamera auf der Bank liegen lassen hatte. Die Nacht war einfach zu kurz gewesen. Zum Glück lag die Kamera noch da, als ich die paar Meter zurück kam. Darauf holte ich mir erstmal noch einen Kaffee.

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Auch hübsch: das 1944 eröffnete Kulturzentrum „Pobeda“ („Sieg“). Ob es den Namen schon damals trug, wage ich zu bezweifeln. Oder war es eine prophetische Bezeichnung?

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Kreative Werbung für eine Konditorei.

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Nahe dem Café Abakan, in dem ich am Morgen war, stand jetzt das „Dom Radio“ („Haus des Radios“) in besserem Licht. In dem kleinen Souvenirgeschäft am rechten Bildrand nahm ich dann auch noch eine Abakan-Kaffeetasse mit.

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Den Plan, nochmal für ein besseres Foto beim Museum vorbeizugehen, musste ich verwerfen, da die Zeit mittlerweile doch recht fortgeschritten war. Also begab ich mich langsam in Richtung Bahnhof, um meinen Rucksack abzuholen. Auf dem Weg dorthin kam ich an diesem schönen Kino namens „Nautilus“ vorbei.

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Sowie am Friseursalon „Linda“.

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Und an einem kleinen Straßenmarkt gegenüber dem Busbahnhof.

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An der Uliza Puschkina bog gerade dieser WSTM-5284 aus Wolgograd um die Ecke. Im Hintergrund ist wieder das Rathaus zu sehen.

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An der gleichen Stelle befindet sich das Gebäude des Stromnetzbetreibers Chakasenergo mit seinen schönen Wandbildern.

Vom Bahnhof zurück zum Busbahnhof fuhr ich dekadenterweise für etwa 100 Rubel mit dem Taxi.

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Ich besorgte mir mein Ticket für den Bus um 14 Uhr nach Tscherjomuschki und ging zum Bussteig, um zu schauen, ob er schon da stand. Das war noch nicht der Fall und ich wollte wieder ins Gebäude rein. Doch der hintere Ausgang war nur ein Ausgang. Der arme junge Typ mit Maschinenpistole, der dort stationiert war, hatte keine andere Aufgabe, als jedem, der dort ins Gebäude wollte, zu sagen, dass er doch außen herum gehen und den Haupteingang nehmen sollte.

Der Bus war dann eher eine Marschrutka und kam erst kurz vor Abfahrt. Auf dem Weg raus aus der Stadt sah ich einen langen Güterzug auf einer Brücke über den Abakanfluss. Trotz der teils spektakulär schönen Steppenlandschaft konnte ich mich nicht durchweg wach halten und döste immer wieder ein. Im Sajanogorsk stiegen außer mir alle Fahrgäste aus und ich war der einzige Beförderungsfall nach Tscherjomuschki, der Staudammsiedlung mit eigener Straßenbahn.

Dieser ist dann der sechste und vorletzte Teil gewidmet.

Bis dahin schöne Grüße
Jiří





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:02:29:14:51:51.
da bin ich gerne wieder mitgekommen - auch zu der Staudammstrab.

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(