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In naher Zukunft wird die ungarische Eisenbahn mit einem neuen Fahrzeugtyp bereichern: ab Februar 2020 werden allmählich 11 KISS-Doppelstocktriebzüge in Dienst stehen, und weitere acht Züge werden Anfang 2021 eintreffen. Drei Exemplare wurden bereits fertiggestellt und die Probefahrten haben begonnen. Einer wird in Deutschland, einer in der Tschechien und der dritte in Ungarn getestet (Berichten zufolge wurde vor einigen Tagen in Treuchlingen die Triebzug durch Graffiti beschädigt). Der Triebzug № 3 wurde am letzten Oktoberwochenende der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Interessenten konnten das Fahrzeug an drei Stationen sehen, zu denen diese Triebzüge später fahrplanmäßig verkehren würde: 26. Oktober in Vác (KBS 70, die Linie Pest - Vác war die erste Dampfeisenbahn in Ungarn), dann 27. Okt. vormittags in Monor und nachmittags in Szolnok (KBS 100a). Ich selbst habe an der Veranstaltung in Monor teilgenommen.
Bei uns gibt es keine Tradition des Verkehrs der Doppelstockzügen: während fast alle umliegenden Länder diesen Fahrzeugtyp verwendeten, wir reisten mit unseren gut bewährten "ebenerdige" Zügen. In den frühen neunziger Jahren führte der MÁV in Ungarn einige Demonstrationsrunden mit 2 DR-Doppelstockwagen durch, aber weil diese Fahrten erfolgten jedoch 5 Minuten nach einem fahrplanmäßigen Zug, nur sehr wenige Reisende haben sie ausprobiert. Vor rund zehn Jahren gab es eine weitere Demonstration mit einem Doppelstock-Wendezug der DB, der von einer Diesellok des BR 218 befördern wurde. Damit haben wir auch eine nicht sehr erfolgreiche Probereise nach Szeged gemacht. In der Zeit vor dem Tag der Allersehens, wenn eine große Menschenmasse ihre Reise antreten, erwies sich die Kapazität der drei Wagen als gering. Der Zug war schon an ihrer Abfahrtsstation, am Westbahnhof voll besetzt, und musste an der ersten Haltestelle (Budapest-Zugló) 20 Minuten warten, weil die Passagiere nicht einsteigen konnten. An der Westgrenze des Landes, auf der Strecke Sopron - Szombathely - Szentgotthárd tatsächlich fuhren Züge, die aus Wiesel-Doppelstockwagen bestanden, mussten jedoch eine Menge für ihre Nutzung für der ÖBB bezahlen, so dass diese Zeit nicht lange dauerte.
In den letzten Jahren hat jedoch die MÁV-Start mit der Fahrgäste nicht konsultiert, sondern entschloss sich einfach die Doppelstock-Triebzüge zu kaufen, also wurde im April 2017 mit der Stadler Bussnang AG einen Rahmenvertrag unterzeichnet über den Transport von 40 KISS-Triebzügen. Daraus bestellte die Bahngesellschaft in der ersten Phase 19 Züge. Ich persönlich mag keine Doppelstokzüge, reise lieber in guten alten ungarischen Bhv-Wagen. Es besteht jedoch kein Zweifel, daß diese Fahrzeuge trotz ihrer Modernisierung veraltet sind, genau wie die Loks der BR 432, die aus ihnen zusammenstellen Züge befördern. Es stimmt auch, daß die KISS-Züge auch eine ungarische Beziehung haben, weil viele Komponenten der neuer Fahrzeuge, z. B. die Drehgestelle werden in Ungarn hergestellt und die Montage erfolgt durch das Ausbesserungswerk Dunakeszi.
Sogar im Sommer verbreitete sich eine Nachricht in der Presse, was besagt, daß diese Triebzüge zu Kaufen sei jedoch Geldverschwendung. Dies liegt daran, zumindest laut den Pressearbeitern, daß diese Züge, aufgrund ihrer Größe, auf vielen Eisenbahnstrecken nicht eingesetzt werden können. Dies ist ein auf einem Missverständnis basierte sehr übertriebener, sensationeller Befund, aber die Journalisten haben dennoch die Wahrheit geschrieben. Diese Fahrzeuge können aufgrund einiger alte, enge Objekten nicht in den Süd- und Ostahnhof einfahren, also können tatsächlich nicht in mehreren wichtigen Vorortbahnen fahren. Es wird jedoch erwartet, daß diese Hindernisse (der Tunnel unter dem Gellért-Berg zwischen den Stationen Kelenföld und der Südbahnhof und der sogenannte Hundertfüßerbrücke in der Ostbhf) nach der Modernisierung dieser Strecken ergänzen werden, aber bis dann sind die Züge am Verkehr der beiden am stärksten frequentierten Linien beteiligt.
Die Städtchen Monor, die zählt etwa 21 tausend Einwohner, liegt ca. 25 km von Budapest und ca. 20 km vom geometrischen Zentrum Ungarns Pusztavacs entfernt. Durch die Stadt verläuft die am 1. September 1847 eröffnete Bahnlinie Budapest - Szolnok, dies ist die dritte in Ungarn gebaute Eisenbahnstrecke. Der Bahnhof spielt im budapesten Nahverkehr eine wichtige Rolle. Aus mehreren Dörfern im Anziehungsgebiet des Bahnhofs viele kommen mit dem Bus, die mit dem Zug reisen weiter. Die von Budapest und Cegléd oder Szolnok, bzw zurück fahrende sogenannte Zonenzüge halten zwischen Monor und Kőbánya-Kispest nur an der Haltestelle Ferihegy Airport, die auf dem Streckenabschnitt Monor - Budapest pendelnde Lokalzüge halten in allen Haltestellen. Dies ist eine der verkehrsreichsten Eisenbahnstrecken unseres Landes, in denen am frühen Morgen alle fünf Minuten fahren die Arbeiterzüge in die Hauptstadt.
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/9270190823053.jpg

Der Triebzug 815 003, der in Ungarn blieb, weit sich noch am Anfang seiner, von der Behörde vorgeschriebenen verbindlichen Probefahrten, ihre erforderlichen Berechtigungen fehlen noch, kann also nicht aus eigener Kraft fahren. Während der zwei Tage der Demonstration hat sie die Lok 630 016 sie von einem Ort zum anderen gezogen, di beide Fahrzeugen waren durch einer Notkupplung miteinander verbunden. Der 815 003 fuhr nach der Veranstaltung in Vác sofort nach Monor ab, wo der die Nacht verbracht hat, als ich in Monor ankam, fand ich es dort. Sie war auf der ersten Gleis ausgestellt, an einem Tisch neben dem Zug hatten nette Mädchen Abzeichen, Kühlschrankmagnete und Ballons verteilen. Eine Menge Leute tauchten am Bahnhof auf - wahrscheinlich haben die Veranstalter nicht so viel Interesse erwartet, weil die Darstellungsmaterialien liefen in kurzer Zeit aus...
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/5760264241093.jpg

Natürlich war es auch möglich den Triebzug von innen zu beobachten, in der Tat war das der Kern dieses Ereignisses, ich habe die Gelegenheit auch selbst genutzt. Hier ist die untere Ebene. Hier sah ich zwei relativ große leere Bereiche, diese sind wahrscheinlich die sogenannte multifunktionale Bereiche für Fahrräder, Rollstühle und Kinderwagen. Nur etwas mehr als die Hälfte der Ebene verfügt über Sitzplätze. Es gibt zusammen nur drei Toiletten im Zug, obwohl diese für Rollstuhlfahrer zugänglich sind. Selbstverständlich ist das Fahrzeug mit modernster Fahrgastinformation, klimatisierter Kabine, Wi-Fi, Netzwerkanschlüssen zum Aufladen von Handys und Laptops sowie einem hochmodernen Kamerasystem ausgestattet.
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/5950313385644.jpg

Die obere Ebene des Fahrgastraums wird sicherlich nicht sehr beliebt bei ungarischen Reisenden sein, zumindest vorerst. Die Sitzgelegenheiten am Fenster sind wegen der sich nach innen beigenden Wand, bzw. Fenster engen. Aber nicht nur dies ist ungewöhnlich für uns, sondern auch, daß der Gepäckrechen hat eine sehr geringe Kapazität - und die Leute sind nicht gern weit von ihrem Gepäck weg, um es nicht zu stehlen. Ein weiteres Problem kann sein, dass diese Gepäckrechen niedrig platziert ist, so größere Passagiere, wie bin auch ich, wenn sie aufstehen, können ihren Kopf zu schlugen. Außerdem müssen wir uns daran gewöhnen, daß im Wagen auch Treppen gibt. Die Interieurfarbe des Fahrzeugs ähnelt der von FLIRT-Zügen, ist aber wesentlich geschmacktvoller.
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/6240493264241.jpg

Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse - Gegenlicht - und vieler Interessenten konnte ich die Stirnseite des Triebzuges nicht fotografieren, aber ich werde dafür ab dem nächsten Jahr reichlich Gelegenheit haben, wenn die Fahrzeuge in Betrieb sind. Die MÁV-Start hofft, daß der der Schienenverkehr nach der Inbetriebnahme der KISS-Triebzüge leistungsfähigerund zuverlässiger wird, weil das bessere Beschleunigungsvermögen der Fahrzeuge und der rasche Fahrgastwechsel durch die 12 Türen pro Seite werden auch den Fahrplan stabiler machen und die Fahrzeit verkürzen.
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/8300590547560.jpg

Neben mir steht mein Nachfolger: ein von Budapest nach Cegléd fahrende Personenzug kommt in Monor an. Auf der KBS 100a wird das Rückgrat des Nahverkehrs immer noch die aus fast ein halbes Jahrhundert alte Wagen und Lok zusammenstellte Pendelzüge bestehen gebildet. Diese Ära endet wahrscheinlich jedoch bald, in der eröffnung der KISS-Demonstration in Vác hat ein Manager der MÁV-Start angekündigt, daß "mit der Einführung von Doppelstockfahrzeugen werden im Herbst 2022 nur noch moderne Flirt- oder Kiss-Triebzüge in den Vororten von Budapest verkehren, die jährlich 60 Millionen Menschen versorgen".
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/1710637333108.jpg

Es gibt auch einen erheblichen Güterverkehr auf der Strecke. Es gibt mehrere Züge, die von der Maschinen der ÖBB gezogen werden, darunter der schwerste Güterzug, der auf dem ungarischen Schienennetz verkehrt. Diese 3200 Tonnen schwere Güterzüge fahren mehrmals wöchentlich von der ukrainischen Grenze nach Leoben-Donawitz und werden von zwei Taurus Lokomotiven gezogen. Triebfahrzeugen fast alle in Ungarn tätigen Eisenbahnunternehmen befahren die Strecke, arbeiten hier alte Maschinen, wie auch Vertreter der neuesten Technologie.
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/9090743055221.jpg

Und diese Aufnahme zeigt schon den Fahrt nach dem Veranstaltungsort der nächsten Demonstration Szolnok. Die Triebüge werden übrigens mit dem Zugbeeinflussungssystem ETCS L2 ausgestattet, mit dem die zulässige Geschwindigkeit von 160 km/h in Abhängigkeit der Gleisparametern effektiv genutzt werden kann. Der Linienabschnitt Albertirsa - Cegléd ist die Strecke ist für 140, und zwischen Cegléd und Szolnok 160 km/h geeignet. Die Eisenbahngesellschaft verspricht, dass die noch fehlende ETCS L2 bald in Betrieb genommen wird, was erlaubt die Fahrzeit weitere einige Minuten verkürzen.
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/3690890856240.jpg

Das Wetter war an beiden Tagen der "Premier" des Triebzuges toll, der diesjährige lange Altweibersommer verabschiedete sich von diesem Wochenende. In der Morgendämmerung am Sonntag mussten die Uhren aufgrund des Beginns der Winterzeit um eine Stunde zurückgesetzt werden, also diese 60 Minuten waren gerade genug um Besichtigung des Triebzuges. Dies ist natürlich nur ein Scherz - tatsache ist jedoch, daß das gute Wetter viele Leute - laut der offiziellen Aussage der MÁV-Start fast sechstausend - nach den oben genannten Stationen angezogen haben sich dieses brandneue Transportmittel anzusehen, das in Ungarn noch ungewöhnlich ist. Natürlich werden diese Fahrzeuge alleine kein Wunder tun, die Eisenbahngesellschaft hat sich daher verpflichtet den ohnehin kritischen Streckenabschnitt Westbahnhof - Kőbánya-Kispest im nächsten Jahr zu sanieren. Auch andere Entwicklungen stehen auf der Agenda der ungarischen Eisenbahnen: es wurden Verhandlungen über die Beschaffung von 115 neuen Elloks aufgenommen.
Danke für den Bericht. Sehr interessant, was um Budapest herum passieren wird. Wie sieht es eigentlich mit der Strecke nach Györ aus? Da habe ich schon Flirts in Dreifachtraktion gesehen...

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg

Ein toller Beitrag!

geschrieben von: RBD-S

Datum: 31.10.19 10:24

Das war ein sehr informativer Beitrag. Danke! Ich hoffe, dass die neuen Triebwagen einen neuen Schwung in die dortige Eisenbahnwelt bringen.
Ich habe einen der Triebzüge kürzlich in Hannover gesehen. Das sind wirklich sehr gute Fahrzeuge und zur Steigerung der Fahrgastzahlen werden sie sicher auch beitragen. Gerade auch für Reisende mit Kinderwagen, Rollstühlen oder sehr viel Gepäck ist hier ein wesentlich einfacherer Zustieg möglich.
Reihenbestuhlung ohne Tische hat aber nicht viel Sinn. Leider passen die Sitze nicht überall zu den Fensterachsen, Stadler bekommt das normalerweise schon gut hin.
Hallo,
die Lieferung der in der zweiten Phase bestellte 21 Triebzüge wird voraussichtlich im Frühjahr 2021 beginnen, diese Fahrzeuge werden nach den heutigen Plänen auf der KBS 1 und KBS 30a laufen.
Viele Grüße aus Ungarn
Wir reden vom Vorortverkehr von Budapest, das ist so eine Art S-Bahn, wenn man es so will. In Österreich würde man da selbstverständlich Tische, verstellbare Sitze, Fußstützen etc. einbauen, aber wir sind in einem Bahnland, das nicht Österreich heißt :P

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg
Ich hatte den Zug am Samstag bei der Durchfahrt in Vác gesehen, waren wirklich viele Leute vor Ort gewesen.
Durchfahrt? Welcher Personenzug fährt denn in Vác durch? 🦧

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 31.10.19 21:17.
Ich mein damit, dass ich nicht ausgestiegen bin auf der Fahrt von Budapest nach Breclav.
Schon klar. Aber in Vác macht der Zug ja einen Halt und fährt nicht durch. Will auch mal klugscheißen 😉

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg
Vielen Dank für deinen interessanten Beitrag und die guten Fotos.

Eine gesunde Skepsis gehört immer dazu wenn etwas Neues eingeführt wird. Unglücklich ist wie du beschreibst, das Marketing und die Kommunikation der MAV mit den Menschen.

Wenn du dich an Doppelstockwagen gewöhnt hast, dann liebst du diese Zügen. Und Ungarn hat die besten Züge mit der höchsten Qualität gekauft. Bombardier, Siemens, Alstom bauen auch Doppelstockwagen, nur reichen diese Wagen nicht an die Qualität und Laufruhe an Stadtler ran. Stadtler ist Premium.

Europaweit sind Doppelstockwagen Jahrzehnte bewährt und beliebt. Klasssich im S-Bahn Verkehr bis zum Hochgeschwindigkeitszug. Der KISS fährt in Österreich als Hochgeschwindigkeitszüge im Fernverkehr. Natürlich bist du die alten Waggons in Ungarn gewöhnt und als Tourist fahre ich liebend gerne in den alten aus Deutschland stammenden Zügen mit. Fenster auf, was gibt es schöneres? Aber muss deshalb ein Land wie Ungarn zum Eisenbahnmuseum Europas werden? Die Pendler und Menschen die täglich mit der Eisenbahn fahren oder fahren müssen, mögen nicht immer die alten Waggons mit hohen Stufen zum einsteigen, laute Rollgeräusche, offene Fenster durch die es zieht und im Winter überheizte Waggons. Da bieten moderne Züge mehr Komfort.

Auch im Wettbewerb mit den Autos, muss sich die ungarische Bahn messen. Die Betriebskosten für moderne Züge, sind niedriger als für die alten fast musealen Waggons.

Wenn wir wir an den alten Zügen festhalten, würden noch Dampfloks mit langsamen Zügen fahren und die Luft verpesten. Die Eisenbahn entwickelt sich weiter und wird attraktiv.

Tamás Tasnádi schrieb:
In naher Zukunft wird die ungarische Eisenbahn mit einem neuen Fahrzeugtyp bereichern: ab Februar 2020 werden allmählich 11 KISS-Doppelstocktriebzüge in Dienst stehen, und weitere acht Züge werden Anfang 2021 eintreffen. Drei Exemplare wurden bereits fertiggestellt und die Probefahrten haben begonnen. Einer wird in Deutschland, einer in der Tschechien und der dritte in Ungarn getestet (Berichten zufolge wurde vor einigen Tagen in Treuchlingen die Triebzug durch Graffiti beschädigt). Der Triebzug № 3 wurde am letzten Oktoberwochenende der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Interessenten konnten das Fahrzeug an drei Stationen sehen, zu denen diese Triebzüge später fahrplanmäßig verkehren würde: 26. Oktober in Vác (KBS 70, die Linie Pest - Vác war die erste Dampfeisenbahn in Ungarn), dann 27. Okt. vormittags in Monor und nachmittags in Szolnok (KBS 100a). Ich selbst habe an der Veranstaltung in Monor teilgenommen.
Bei uns gibt es keine Tradition des Verkehrs der Doppelstockzügen: während fast alle umliegenden Länder diesen Fahrzeugtyp verwendeten, wir reisten mit unseren gut bewährten "ebenerdige" Zügen. In den frühen neunziger Jahren führte der MÁV in Ungarn einige Demonstrationsrunden mit 2 DR-Doppelstockwagen durch, aber weil diese Fahrten erfolgten jedoch 5 Minuten nach einem fahrplanmäßigen Zug, nur sehr wenige Reisende haben sie ausprobiert. Vor rund zehn Jahren gab es eine weitere Demonstration mit einem Doppelstock-Wendezug der DB, der von einer Diesellok des BR 218 befördern wurde. Damit haben wir auch eine nicht sehr erfolgreiche Probereise nach Szeged gemacht. In der Zeit vor dem Tag der Allersehens, wenn eine große Menschenmasse ihre Reise antreten, erwies sich die Kapazität der drei Wagen als gering. Der Zug war schon an ihrer Abfahrtsstation, am Westbahnhof voll besetzt, und musste an der ersten Haltestelle (Budapest-Zugló) 20 Minuten warten, weil die Passagiere nicht einsteigen konnten. An der Westgrenze des Landes, auf der Strecke Sopron - Szombathely - Szentgotthárd tatsächlich fuhren Züge, die aus Wiesel-Doppelstockwagen bestanden, mussten jedoch eine Menge für ihre Nutzung für der ÖBB bezahlen, so dass diese Zeit nicht lange dauerte.
In den letzten Jahren hat jedoch die MÁV-Start mit der Fahrgäste nicht konsultiert, sondern entschloss sich einfach die Doppelstock-Triebzüge zu kaufen, also wurde im April 2017 mit der Stadler Bussnang AG einen Rahmenvertrag unterzeichnet über den Transport von 40 KISS-Triebzügen. Daraus bestellte die Bahngesellschaft in der ersten Phase 19 Züge. Ich persönlich mag keine Doppelstokzüge, reise lieber in guten alten ungarischen Bhv-Wagen. Es besteht jedoch kein Zweifel, daß diese Fahrzeuge trotz ihrer Modernisierung veraltet sind, genau wie die Loks der BR 432, die aus ihnen zusammenstellen Züge befördern. Es stimmt auch, daß die KISS-Züge auch eine ungarische Beziehung haben, weil viele Komponenten der neuer Fahrzeuge, z. B. die Drehgestelle werden in Ungarn hergestellt und die Montage erfolgt durch das Ausbesserungswerk Dunakeszi.
Sogar im Sommer verbreitete sich eine Nachricht in der Presse, was besagt, daß diese Triebzüge zu Kaufen sei jedoch Geldverschwendung. Dies liegt daran, zumindest laut den Pressearbeitern, daß diese Züge, aufgrund ihrer Größe, auf vielen Eisenbahnstrecken nicht eingesetzt werden können. Dies ist ein auf einem Missverständnis basierte sehr übertriebener, sensationeller Befund, aber die Journalisten haben dennoch die Wahrheit geschrieben. Diese Fahrzeuge können aufgrund einiger alte, enge Objekten nicht in den Süd- und Ostahnhof einfahren, also können tatsächlich nicht in mehreren wichtigen Vorortbahnen fahren. Es wird jedoch erwartet, daß diese Hindernisse (der Tunnel unter dem Gellért-Berg zwischen den Stationen Kelenföld und der Südbahnhof und der sogenannte Hundertfüßerbrücke in der Ostbhf) nach der Modernisierung dieser Strecken ergänzen werden, aber bis dann sind die Züge am Verkehr der beiden am stärksten frequentierten Linien beteiligt.
Die Städtchen Monor, die zählt etwa 21 tausend Einwohner, liegt ca. 25 km von Budapest und ca. 20 km vom geometrischen Zentrum Ungarns Pusztavacs entfernt. Durch die Stadt verläuft die am 1. September 1847 eröffnete Bahnlinie Budapest - Szolnok, dies ist die dritte in Ungarn gebaute Eisenbahnstrecke. Der Bahnhof spielt im budapesten Nahverkehr eine wichtige Rolle. Aus mehreren Dörfern im Anziehungsgebiet des Bahnhofs viele kommen mit dem Bus, die mit dem Zug reisen weiter. Die von Budapest und Cegléd oder Szolnok, bzw zurück fahrende sogenannte Zonenzüge halten zwischen Monor und Kőbánya-Kispest nur an der Haltestelle Ferihegy Airport, die auf dem Streckenabschnitt Monor - Budapest pendelnde Lokalzüge halten in allen Haltestellen. Dies ist eine der verkehrsreichsten Eisenbahnstrecken unseres Landes, in denen am frühen Morgen alle fünf Minuten fahren die Arbeiterzüge in die Hauptstadt.
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Der Triebzug 815 003, der in Ungarn blieb, weit sich noch am Anfang seiner, von der Behörde vorgeschriebenen verbindlichen Probefahrten, ihre erforderlichen Berechtigungen fehlen noch, kann also nicht aus eigener Kraft fahren. Während der zwei Tage der Demonstration hat sie die Lok 630 016 sie von einem Ort zum anderen gezogen, di beide Fahrzeugen waren durch einer Notkupplung miteinander verbunden. Der 815 003 fuhr nach der Veranstaltung in Vác sofort nach Monor ab, wo der die Nacht verbracht hat, als ich in Monor ankam, fand ich es dort. Sie war auf der ersten Gleis ausgestellt, an einem Tisch neben dem Zug hatten nette Mädchen Abzeichen, Kühlschrankmagnete und Ballons verteilen. Eine Menge Leute tauchten am Bahnhof auf - wahrscheinlich haben die Veranstalter nicht so viel Interesse erwartet, weil die Darstellungsmaterialien liefen in kurzer Zeit aus...
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Natürlich war es auch möglich den Triebzug von innen zu beobachten, in der Tat war das der Kern dieses Ereignisses, ich habe die Gelegenheit auch selbst genutzt. Hier ist die untere Ebene. Hier sah ich zwei relativ große leere Bereiche, diese sind wahrscheinlich die sogenannte multifunktionale Bereiche für Fahrräder, Rollstühle und Kinderwagen. Nur etwas mehr als die Hälfte der Ebene verfügt über Sitzplätze. Es gibt zusammen nur drei Toiletten im Zug, obwohl diese für Rollstuhlfahrer zugänglich sind. Selbstverständlich ist das Fahrzeug mit modernster Fahrgastinformation, klimatisierter Kabine, Wi-Fi, Netzwerkanschlüssen zum Aufladen von Handys und Laptops sowie einem hochmodernen Kamerasystem ausgestattet.
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Die obere Ebene des Fahrgastraums wird sicherlich nicht sehr beliebt bei ungarischen Reisenden sein, zumindest vorerst. Die Sitzgelegenheiten am Fenster sind wegen der sich nach innen beigenden Wand, bzw. Fenster engen. Aber nicht nur dies ist ungewöhnlich für uns, sondern auch, daß der Gepäckrechen hat eine sehr geringe Kapazität - und die Leute sind nicht gern weit von ihrem Gepäck weg, um es nicht zu stehlen. Ein weiteres Problem kann sein, dass diese Gepäckrechen niedrig platziert ist, so größere Passagiere, wie bin auch ich, wenn sie aufstehen, können ihren Kopf zu schlugen. Außerdem müssen wir uns daran gewöhnen, daß im Wagen auch Treppen gibt. Die Interieurfarbe des Fahrzeugs ähnelt der von FLIRT-Zügen, ist aber wesentlich geschmacktvoller.
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/6240493264241.jpg

Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse - Gegenlicht - und vieler Interessenten konnte ich die Stirnseite des Triebzuges nicht fotografieren, aber ich werde dafür ab dem nächsten Jahr reichlich Gelegenheit haben, wenn die Fahrzeuge in Betrieb sind. Die MÁV-Start hofft, daß der der Schienenverkehr nach der Inbetriebnahme der KISS-Triebzüge leistungsfähigerund zuverlässiger wird, weil das bessere Beschleunigungsvermögen der Fahrzeuge und der rasche Fahrgastwechsel durch die 12 Türen pro Seite werden auch den Fahrplan stabiler machen und die Fahrzeit verkürzen.
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/8300590547560.jpg

Neben mir steht mein Nachfolger: ein von Budapest nach Cegléd fahrende Personenzug kommt in Monor an. Auf der KBS 100a wird das Rückgrat des Nahverkehrs immer noch die aus fast ein halbes Jahrhundert alte Wagen und Lok zusammenstellte Pendelzüge bestehen gebildet. Diese Ära endet wahrscheinlich jedoch bald, in der eröffnung der KISS-Demonstration in Vác hat ein Manager der MÁV-Start angekündigt, daß "mit der Einführung von Doppelstockfahrzeugen werden im Herbst 2022 nur noch moderne Flirt- oder Kiss-Triebzüge in den Vororten von Budapest verkehren, die jährlich 60 Millionen Menschen versorgen".
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/1710637333108.jpg

Es gibt auch einen erheblichen Güterverkehr auf der Strecke. Es gibt mehrere Züge, die von der Maschinen der ÖBB gezogen werden, darunter der schwerste Güterzug, der auf dem ungarischen Schienennetz verkehrt. Diese 3200 Tonnen schwere Güterzüge fahren mehrmals wöchentlich von der ukrainischen Grenze nach Leoben-Donawitz und werden von zwei Taurus Lokomotiven gezogen. Triebfahrzeugen fast alle in Ungarn tätigen Eisenbahnunternehmen befahren die Strecke, arbeiten hier alte Maschinen, wie auch Vertreter der neuesten Technologie.
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/9090743055221.jpg

Und diese Aufnahme zeigt schon den Fahrt nach dem Veranstaltungsort der nächsten Demonstration Szolnok. Die Triebüge werden übrigens mit dem Zugbeeinflussungssystem ETCS L2 ausgestattet, mit dem die zulässige Geschwindigkeit von 160 km/h in Abhängigkeit der Gleisparametern effektiv genutzt werden kann. Der Linienabschnitt Albertirsa - Cegléd ist die Strecke ist für 140, und zwischen Cegléd und Szolnok 160 km/h geeignet. Die Eisenbahngesellschaft verspricht, dass die noch fehlende ETCS L2 bald in Betrieb genommen wird, was erlaubt die Fahrzeit weitere einige Minuten verkürzen.
http://www.kepfeltoltes.eu/images/2019/10/31/3690890856240.jpg

Das Wetter war an beiden Tagen der "Premier" des Triebzuges toll, der diesjährige lange Altweibersommer verabschiedete sich von diesem Wochenende. In der Morgendämmerung am Sonntag mussten die Uhren aufgrund des Beginns der Winterzeit um eine Stunde zurückgesetzt werden, also diese 60 Minuten waren gerade genug um Besichtigung des Triebzuges. Dies ist natürlich nur ein Scherz - tatsache ist jedoch, daß das gute Wetter viele Leute - laut der offiziellen Aussage der MÁV-Start fast sechstausend - nach den oben genannten Stationen angezogen haben sich dieses brandneue Transportmittel anzusehen, das in Ungarn noch ungewöhnlich ist. Natürlich werden diese Fahrzeuge alleine kein Wunder tun, die Eisenbahngesellschaft hat sich daher verpflichtet den ohnehin kritischen Streckenabschnitt Westbahnhof - Kőbánya-Kispest im nächsten Jahr zu sanieren. Auch andere Entwicklungen stehen auf der Agenda der ungarischen Eisenbahnen: es wurden Verhandlungen über die Beschaffung von 115 neuen Elloks aufgenommen.

Oberdeck KISS ODEG im vergleich:
http://railfaneurope.net/pix/de/private/passenger/ODEG/ET445/94_80_0445_102-7_i1.jpg

Da wirkt der MÁV-zug jetzt weniger eingeschränkt. (Wie genau sieht das aus mit dem profil?)
Dass doppelstockzüge nicht überall verkehren können, ist in vielen ländern so, auch in Österreich. Aber das ist bei einem S-bahn-ähnlichen verkehr wohl auch nicht nötig.


Korrespondenz bitte per e-mail, nicht über "Private Nachrichten" - das wird sonst viel zu schnell voll!

Bei der fülle des zu verarbeitenden materials sind trotz sorgfältiger bearbeitung vereinzelte tippfehler oder kleinere unstimmigkeiten nicht immer vermeidbar. Eine rechtliche gewähr für die richtigkeit des inhalts dieses beitrages kann daher nicht übernommen werden.

Re: Premium, aber nicht die ODEG

geschrieben von: RBD-S

Datum: 02.11.19 04:51

Premium Stadler? Mag sein, aber die von ODEG bestellten Kiss von Stadler sind das Unbequemste und Hässlichste was in Berlin-Brandenburg den Kunden zugemutet wird. Mich schüttelt es, wenn ich diese Dinger einfahren sehe.

Re: Premium, aber nicht die ODEG

geschrieben von: tmmd

Datum: 02.11.19 09:05

Die Ausstattung des Fahrzeugs obliegt dem Besteller. Schau ich mir die Westbahn-KISS an, so ist der Begriff "Premium" durchaus richtig gewählt.

Re: Premium, aber nicht die ODEG

geschrieben von: tbk

Datum: 02.11.19 10:15

Bei ODEG ist die frage, inwieweit das engere profil mit entsprechend bescheidener schulterfreiheit an den fensterplätzen oben zulassungsvoraussetzung war.
Auf all diesen strecken fahren oder fuhren doch auch doppelstockwagen mit größerem profil, ist es etwa nicht mehr so leicht möglich, zulassungen für doppelstockfahrzeuge zu erlangen, die oben etwas breiter sind (und dann halt nicht auf strecken fahren können, für die sie ohnehin nicht vorgesehen sind)?


Korrespondenz bitte per e-mail, nicht über "Private Nachrichten" - das wird sonst viel zu schnell voll!

Bei der fülle des zu verarbeitenden materials sind trotz sorgfältiger bearbeitung vereinzelte tippfehler oder kleinere unstimmigkeiten nicht immer vermeidbar. Eine rechtliche gewähr für die richtigkeit des inhalts dieses beitrages kann daher nicht übernommen werden.

Re: Premium, aber nicht die ODEG

geschrieben von: RBD-S

Datum: 02.11.19 11:20

Das sehe ich auch so, tmmd.

Profilfragen

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 02.11.19 11:48

Moin Tobias,

das mit dem Profil verstehe ich auch nicht. Die jüngeren Kiss der Westfalenbahn haben gegenüber der ODEG jedenfalls ein größeres Profil (und die sind gegenüber den Bombardier-Wagen alleine schon durch die fehlenden Geräusche der Übergänge ein Fortschritt).

Viele Grüße
Sören

Re: Premium, aber nicht die ODEG

geschrieben von: Thomaner

Datum: 02.11.19 12:45

tbk schrieb:
Bei ODEG ist die frage, inwieweit das engere profil mit entsprechend bescheidener schulterfreiheit an den fensterplätzen oben zulassungsvoraussetzung war.
Auf all diesen strecken fahren oder fuhren doch auch doppelstockwagen mit größerem profil, ist es etwa nicht mehr so leicht möglich, zulassungen für doppelstockfahrzeuge zu erlangen, die oben etwas breiter sind (und dann halt nicht auf strecken fahren können, für die sie ohnehin nicht vorgesehen sind)?
Hallo Tobias,

diese Frage habe ich anno 2012, als der ODEG KISS und der BLS Mutz auf der Messe standen auch gestellt. BLS mit üblichem Dosto-Profil, so wie auch der MAV-KISS, das ODEG Fahrzeug mit dem hier gezeigten (was beispielsweise auch die Westfahlenbahn nutzt). Aussage des Mitarbeiters vor Ort war, dass man sich mit dem kleineren Profil bessere Wiederverkaufschancen nach Ablauf der Verkehrsleistung erhofft und gleichzeitig weniger Probleme bei der Zulassung erwartet hat.

Gruß

Thomas

Edit, alias Sören, sagt, die Westfahlenbahn hat noch 'ne andere Form

! und ? sind keine Rudeltiere.

Meine Bildbeiträge




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.11.19 18:21.

Re: Profilfragen

geschrieben von: Thomaner

Datum: 02.11.19 12:47

Sören Heise schrieb:
Moin Tobias,

das mit dem Profil verstehe ich auch nicht. Die jüngeren Kiss der Westfalenbahn haben gegenüber der ODEG jedenfalls ein größeres Profil (und die sind gegenüber den Bombardier-Wagen alleine schon durch die fehlenden Geräusche der Übergänge ein Fortschritt).

Viele Grüße
Sören
Hallo Sören,

ich meine die Westfahlenbahn hat auch nur das ODEG Profil, aber zumindest nicht das der BLS Mutze.
Oder gibt es da noch eine Stufe dazwischen?

LG

Thomas

! und ? sind keine Rudeltiere.

Meine Bildbeiträge

Profilfragen (m. B.)

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 02.11.19 14:14

Hallo Thomas,

das ist nicht dieselbe Dachneigung. Denn sonst könnte ich in der Westfalenbahn nicht oben am Fenster sitzen - da klappt es, bei der ODEG wie auch in den DBuz nicht. Ich nehme mir mal Tobias' Bild aus [www.drehscheibe-online.de] und stelle dem eine eigene Aufnahme (allerdings aus anderer Perspektive) dagegen.

> http://railfaneurope.net/pix/de/private/passenger/ODEG/ET445/94_80_0445_102-7_i1.jpg


wfb.jpg

Viele Grüße
Sören

Re: Profilfragen (m. B.)

geschrieben von: tmmd

Datum: 02.11.19 14:19

Es gibt bei den Stadler KISS verschiedene Dachformen. Die Westbahn KISS sind oben auch breiter und bekommen daher in Deutschland auch nur eine streckenbezogene Zulassung.

Re: Profilfragen (m. B.)

geschrieben von: Thomaner

Datum: 02.11.19 18:20

Hallo Sören,

"again what learned", wie der Engländer nicht zu sagen pflegt.
Ich hatte von Außen nur festgestellt, dass die Neigung oben stärker ist, als bei BLS und SBB und hatte daraus geschlossen, dass sie das gleiche Profil haben, wie die ODEG.
Danke für die Aufklärung!

Grüße

Thomas

! und ? sind keine Rudeltiere.

Meine Bildbeiträge

Re: Zulassungsfragen

geschrieben von: RBD-S

Datum: 03.11.19 12:41

Weißt du, warum es nur streckenbezogene Zulassungen geben soll?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.11.19 13:52.

Re: Profilfragen (m. B.)

geschrieben von: tbk

Datum: 03.11.19 14:55

Ich habe mir die Stadler-datenblätter angesehen und folgende "Mitteleuropa-KISS" gefunden (2800 mm breit sind sie alle):

[www.stadlerrail.com] Benex/Netinera/Odeg: 4630 mm hoch
[www.stadlerrail.com] CFL: 4630 mm hoch

Diese beiden scheinen das "eingeschränkte profil" zu haben, sind aber höher als:

[www.stadlerrail.com] bls: 4595 mm hoch
[www.stadlerrail.com] SBB: 4595 mm hoch
[www.stadlerrail.com] Westbahn: 4595 mm hoch

die alle oben etwas mehr platz in der breite haben. (Schwedische und breitspurige lasse ich mal raus, die sind ein ganz anderes kaliber.)

Die größere höhe bei den zügen mit stärker eingezogenen oberen ecken könnte daher kommen, dass vielleicht irgendwelche lüftungskanäle anders angeordnet werden müssen.

Leider steht nirgends dabei, welches lademaß nun für die gestaltung maßgeblich war.

Offenbar folgt die MÁV-variante (dem augenschein nach) bls/SBB/Westbahn, auch wenn ich kein datenblatt dazu gefunden habe.

Streckenbezogene zulassung: So weit ich weiß, sind auch Görlitzer steuerwagen in der "oben breiteren" variante nur streckenbezogen zugelassen; sie tragen ein symbol, dass sie oben das regel-lademaß überschreiten. Das ging mit dem DABgbuzf 760 los, für den eigens das nebengattungszeichen "g" für "größer" eingeführt wurde, aber dieses wurde später wieder fallengelassen.

Ich bin übrigens gespannt, welches profil die KISS für Slowenien haben, die wohl auch bald kommen werden.


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Bei der fülle des zu verarbeitenden materials sind trotz sorgfältiger bearbeitung vereinzelte tippfehler oder kleinere unstimmigkeiten nicht immer vermeidbar. Eine rechtliche gewähr für die richtigkeit des inhalts dieses beitrages kann daher nicht übernommen werden.

Re: Profilfragen

geschrieben von: Baleine rouge

Datum: 03.11.19 16:30

Thomaner
ich meine die Westfahlenbahn hat auch nur das ODEG Profil, aber zumindest nicht das der BLS Mutze.
Oder gibt es da noch eine Stufe dazwischen?
Die ODEG musste den Kiss mit kleinerem Lichtraumprofil bestellen, weil DB Netz G2 als Standardprofil festlegte. Wer weiß schon wo die Fahrzeuge später im Einsatz fahren. CFL-Kiss nutzen mW ebenfalls das geneigte Profil. Erst mit der drohenden Bestellung der IC2 wurde konzernintern beschlossen die bisherige Lademaßüberschreitung als Regelprofil festzulegen. Später bestellte Westfalen-Kiss konnten mW davon profitieren.
Alle neu bestellten Kiss können in Deutschland das größere Profil ausnutzen, wenn nicht streckenbezogene Einschränkungen dagegensprechen. Bombardiers Dostos kommen ohnehin in vielen Teilen Deutschlands zum Einsatz sodass die Ausnahme zur Regel wurde. Papier ist geduldig.

BLS-Kiss wiederum müssen sich an Schweizer Regularien halten. Das dortige Lichtraumprofil ist komplizierter aufgebaut: niedriger und breiter.

tbk
Ich bin übrigens gespannt, welches profil die KISS für Slowenien haben, die wohl auch bald kommen werden.
Ausgeschrieben wurde G2.

Re: Profilfragen

geschrieben von: tbk

Datum: 03.11.19 22:06

Baleine rouge schrieb:
BLS-Kiss wiederum müssen sich an Schweizer Regularien halten. Das dortige Lichtraumprofil ist komplizierter aufgebaut: niedriger und breiter.

und ganz oben wieder schmaler, weshalb loks mit 1950-mm-stromabnehmer nicht auf alle schweizer strecken dürfen. Offiziell nur auf ein paar wenige, inoffiziell sollen es hier und da schon mal ICE 1 mit falschem stromabnehmer schadlos bis nach Zürich geschafft haben.


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