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Von Moskau bis zum Mittelpunkt Asiens


Teil 1/7: Zwischenstopp in Tscheboksary
Teil 2/7: Straßenbahnparadies Omsk
Teil 3/7: Gluthitze in Nowosibirsk
Teil 4/7: hier
Teil 5/7: Zwischenstopp in Abakan
Teil 6/7: Die Werksstraßenbahn von Tscherjomuschki
Teil 7/7: Auf der Straße nach Kysyl


Hallo zusammen,

weiter mit der Reise geht es nun in Krasnojarsk, der östlichsten Millionenstadt Sibiriens. Hauptziel war hier neben der Stadt selbst der Staudamm bei Diwnogorsk mit seinem Schiffshebewerk. Im Gegensatz zu Omsk und Nowosibirsk war das Wetter hier nicht so berauschend, was durchaus dem etwa 400 Kilometer langen und bis zu 15 Kilometer breiten Stausee angelastet werden kann. Seit seinem Bau hat sich das Klima in der Region wohl stark verändert und ist für sibirische Verhältnisse extrem feucht und regenreich. Dafür gab es hier nun endlich mal wieder Berge.

13.07.2019: Ausflug zum Staudamm bei Diwnogorsk

Ich kam pünktlich um 8:45 Uhr in Krasnojarsk an. Unterwegs hatte es in Mariinsk wieder einen Systemwechsel gegeben, es war nun eine EP1P am Zug. Dort befindet sich die Grenze zwischen der Westsibirischen Eisenbahn mit 3 kV Gleichstrom und der Krasnojarsker Eisenbahn mit 25 kV 50 Hz Wechselstrom. Mitbekommen hatte ich von dem Lokwechsel allerdings nichts, wie auch sonst von der Fahrt nur recht wenig.

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Hier ist das schicke grün-gelbe Empfangsgebäude von Krasnojarsk zu sehen. Zum Bus ging ich dann aber lieber über den Steg, um noch ein paar Fotos zu machen.

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Auf dem Bahnhofsgelände ist eine WL60K als Denkmal aufgestellt. Man sieht schon, dass die Landschaft hier hügeliger ist als rund um Omsk und Nowosibirsk.

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Auf dem Bahnhofsvorplatz fiel mir sofort dieses Mosaik-Tryptichon in die Augen. Es stammt aus dem Jahr 1978, die Künstler waren Stepan Egorowitsch Orlow und Wladimir Tichowitsch Baschmakow. Links ist der Aufstand in der Krasnojarsker Eisenbahnwerkstätte zu sehen, in der Mitte Lenin mit Gefolgsleuten, rechts eine Besprechung. Die Informationen habe ich aus einem Artikel von Wladislawa Alaksandrowitsch auf der Seite Prospekt Mira.

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Der Nahverkehr in Krasnojarsk wird mit Straßenbahnen, Trolleybussen und Bussen bestritten. Auch hier gibt es ein Metroprojekt, das im Gegensatz zu dem von Omsk allerdings noch nicht endgültig beerdigt ist. Die Straßenbahn wurde hier aus dem Zentrum verdrängt und verkehrt nur noch in den Stadtteilen rechts des Jenissej. Die Innenstadt und die Vororte auf der linken Flusseite gehören den Trolleybussen. Diese sind größtenteils weiß lackiert, die klassischen SiU9 sind omnipräsent. Unter den Dieselbussen finden sich einige Mercedes O405 und MAN SL202, die gebraucht aus Deutschland übernommen wurden.

Ich hatte das Hotel AMAKS City gebucht, das sich auf der anderen Flussseite befindet, direkt an einem Straßenbahnring nahe der Kommunalny Most, der Hauptverbindung zwischen beiden Seiten. Dorthin musste ich mit dem Bus der Linie 55 fahren. Für meinen Rucksack war hier ein extra Ticket fällig – eigentlich fair, bei dem Volumen. Die Schaffnerin war ganz interessiert, woher ich den komme und gab mir auf der Fahrt gleich ein paar Tipps zu Sehenswürdigkeiten.

Das AMAKS ist ein 15-stöckiger Bau ähnlich dem Turist in Omsk. Ich hatte Glück und bekam ein Zimmer im 13. Stock mit Blick auf den Straßenbahnring. Nachdem ich mich eingerichtet hatte, ging ich erstmal auf dem Predmostnaja Ploschtschad, dem Platz vor der Brücke, nach Straßenbahnen schauen. Amüsant war die Beschallung der Unterführung vor dem Hotel. Dort saß ein älterer Herr mit seiner Ziehharmonika und spielte volkstümliche Lieder, nebenan dröhnte übelst lauter Techno aus einer Schlüsseldienst-Werkstatt.

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Nach etwa fünf Minuten kam ein KTM-5 durch den Ring, das Foto wurde aber in dem Autogewimmel nichts. Besser war es da schon mit diesem Schwesterfahrzeug aus der anderen Richtung. So langsam sah es nach Regen aus, weshalb ich nochmal ins Hotel ging, um meine Regenjacke zu holen. Die Erkundung des Straßenbahnnetzes verschob ich erstmal und machte mich auf den Weg in die Stadt.

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Ich ging zu Fuß über die Kommunalny Most, bei der es sich eigentlich um zwei Brücken handelt. In der Mitte liegt eine große Insel, auf der sich mehrere Sporteinrichtungen befinden. Dazu gehört der Sportpalast „Iwan Jarygin“, der 1981 im brutalistischen Stil nach Plänen von Witalij Wladimirowitsch Orechow erbaut wurde. Zudem begegnete mir auf der Brücke ein O405, der noch das Logo der KVG Stade auf der Front hatte. Auf der anderen Seite des Flusses war einer mit dem Logo der EPNV (Eisenhüttenstädter Personen-Nahverkehr) auf der Seite zu sehen. Von beiden gelangen mir leider nur Sichtungsbilder, doch die Freunde ehemals deutscher Busse kommen noch auf ihre Kosten.

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Hier der Blick von der Brücke in Richtung Bahnhof. Am rechten Bildrand ist die Brücke der Transsib zu sehen. Da es nun wirklich anfing zu regnen, steuerte ich erstmal die Touristeninformation an.

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Auf dem Weg dorthin kam ich an diesem weiteren Mosaik vorbei. Es trägt den Namen „Poljet“ (Flug) und wurde 1976 von Aleksandr Stepanowitsch Lapko erschaffen. Bei der Touristeninformation freute man sich über einen Gast aus so weiter Ferne und ich bekam direkt eine Trinkflasche mit dem Logo des Tourismusverbands geschenkt. Als ich sagte, dass ich mich für Architektur interessiere, versprach die Angestellte, mir bis morgen eine Liste mit interessanten Gebäuden zusammenzustellen. Ansonsten gab es vor allem Infomaterial zum Wandern in der Umgebung. Da das Wetter weiterhin durchwachsen war, beschloss ich spontan, meinen Ausflug zur Talsperre und zum Schiffshebewerk bei Diwnogorsk vorzuziehen. Den hatte ich eigentlich für Dienstag geplant. Der Damm liegt die meiste Zeit im Gegenlicht und schien mir ein wolkiger Himmel ganz sinnvoll dafür. Nach Diwnogorsk fahren sechs Elektritschkas täglich, am Vormittag ist eine Lücke zwischen 9:06 und 14:00 Uhr. Ich war ganz froh, am nächsten Tag nicht so früh raus zu müssen und ging los in Richtung Bahnhof.

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Dort traf ich zunächst auf diesen etwas verwirrenden Bus, ein Mercedes O405, auf den jemand ein MAN-Logo geklebt hat. Die Recherche ergab, dass er früher bei Graf Recke GmbH in Schacht-Audorf fuhr.

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Echte MAN-Busse gab es jedoch auch zu sehen. Um an das Ticket nach Diwnogorsk zu kommen, musste ich erstmal den Nahverkehrsschalter finden, der in einem Seitenflügel des Bahnhofsgebäudes untergebracht wird. Die restliche Zeit verbrachte ich an den üblichen Souvenirbuden im Haupttrakt des Bahnhofs, zudem besorgte ich mir etwas Proviant für die einstündige Fahrt.

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Meine abfahrbereite Elektritschka.

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Ein so luxuriöses Exemplar habe ich selten gesehen. Die Polstersitze und der Tisch waren ideal, um Mittag zu machen und das verregnete Tal des Jenissej an sich vorbeiziehen zu lassen. Nach kurzer Fahrt über den Fluss wird an der Haltestelle Jenissej, wo sich auch ein Rangierbahnhof befindet, die Fahrtrichtung gewechselt. Dann geht es recht sehenswert das Tal entlang. Die Strecke wurde in den 1960er-Jahren gebaut, um Material für den Bau des Staudamms heranzuschaffen. 1970 wurde der öffentliche Personenverkehr aufgenommen.

Mein Mittagessen machte mich etwas müde und ich döste trotz der schönen Landschaft immer wieder in meinem bequemen Sessel ein.

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Da kam es mir ganz recht, dass es in Diwnogorsk ein Bahnhofscafé gab.

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Es hört auf den Namen Vauxhall und ist im Stil eines Eisenbahnwaggons gestaltet. Der junge Kellner erzählte mir, dass die Fenster wirklich aus einer alten Elektritschka stammen. Sehr nett gemacht. Der Fahrer der Elektritschka machte auch hier Pause und wir unterhielten uns eine Weile. Er stammte aus Abakan, was auch auf meiner weiteren Reiseroute lag. Als ich erzählte, dass ich noch vor hatte, danach nach Kysyl weiterzufahren, riet er mir zur Vorsicht: gefährlicher Ort! Nach einem Kaffee war ich wieder fit, um mich zum einige Kilometer entfernten Staudamm aufzumachen.

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Hier noch ein Blick auf das Bahnhofsgebäude vom Fußgängersteg aus. Dieser führt eigentlich auch gleich noch über die benachbarte Straße, doch der Teil war wegen Einsturzgefahr gesperrt. Da die ganze Aktion ja völlig spontan war, war ich nicht besonders gut ausgestattet. Das erste, was fehlte, war mein Autan. Schon auf dem Weg in den Ort hinunter wurde ich von Stechmücken attackiert. Dass ich meine Powerbank nicht dabei hatte, sollte erst später zum Problem werden.

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Hier ein Blick auf Diwnogorsk, eine sowjetische Kleinstadt wie aus dem Bilderbuch. Mein erstes Problem ließ sich recht schnell lösen, in einem kleinen Laden an der Hauptstraße bekam ich ein Insektenschutzmittel. Das wirkte recht gut, verringerte aber vermutlich auch die Lebenserwartung pro Anwendung um ein paar Monate. Jedenfalls brannte die Haut am Abend ganz schön, was mir immer noch lieber war als 50 weitere Stiche. In einem Kiosk nebenan fragte ich noch nach Postkarten oder Magneten. Das hätten sie keine, sagte die Frau, aber einen Bären hätten sie, und zeigte voller Begeisterung auf einen Plüsch-Eisbären. Ich lehnte dankend ab, was ich später fast ein wenig bereute. Wenn ich irgendwann einmal wieder nach Diwnogorsk komme, dann nehme ich ihn mit.

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Der Weg ging noch eine Weile an der Siedlung entlang, die größtenteils aus Chruschtschowki bestand. Auf der anderen Seite des Jenissej war schon die pure Wildnis – endlich mal so richtige sibirische Pampa! Der Regen hatte aufgehört, doch es war unheimlich diesig. Es ging zunächst an einer kaum befahrenen Straße entlang. Ein Stück weit führt auch die Bahnlinie noch weiter parallel das Tal entlang. Am Ortsrand kam ich an einem Gelände mit einigen unter Plane abgestellten Eisenbahnfahrzeugen vorbei. Es gehörte wohl zum einstigen Eisenbahnmuseum Diwnogorsk. Dieses wurde 2009 eingerichtet, jedoch schon im selben Jahr wegen Vandalismus wieder geschlossen. Der weitere Abschnitt der Strecke bis zum Staudamm ist stillgelegt.

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In der Nähe des Industrieparks Diwnogorsk kam ich noch an diesem Bauwerk vorbei. Weiß jemand vielleicht, worum es sich dabei handelt?

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Am Ende des Industrieparks trifft die Uferstraße auf die R257 nach Abakan und es wird für Fußgänger kurz etwas ungemütlich. Hier befindet sich der Denkmalkomplex für die Erbauer des Staudamms. Dieses Monument wurde explizit zum Dank für die LKW-Fahrer errichtet.

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Dahinter befindet sich noch ein weiteres Denkmal, das offenbar schon länger nicht mehr gepflegt wird.

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Am Zaun entlang der Straße sind Folien mit Fotos aus der Bauzeit angebracht.

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Fisch gefällig?

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Knapp zwei Kilometer vor der Staumauer biegt die Straße rechts auf die Brücke über den Jenissej ab. Hier befindet sich eine Bushaltestelle in schönem sowjetischem Betondesign.

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Von der Brücke aus hat man einen tollen Blick auf den Staudamm und das Schiffshebewerk.

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Zumindest, solange das Wetter mitspielt. In dem Dunst ist bei genauem Hinsehen das Schiffshebewerk zu erkennen. Der Trog, der Schiffe von bis zu 2000 Tonnen aufnehmen kann, ist unterhalb der Hochspannungsmasten zu erahnen. Ganz gut sichtbar ist die Zahnradbahn-Trasse, auf der er sich bei Betrieb ins Tal bewegt. Das Gleis hat eine Spurweite von neun Metern. Nachdem ein Schiff oben in den Trog eingefahren ist, bewegt sich dieser zunächst ein Stück bergauf zu einer Drehscheibe und fährt von dort ins Tal. Die Energie erhält das Fahrzeug aus einer Oberleitung. Bilder von einem solchen Vorgang finden sich auf der offiziellen Seite der Betreibergesellschaft. Die Anlage ist allerdings nur vom 3. September bis 3. Oktober in Betrieb.

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Auf einer Straße kommt man bis ans Werktor unterhalb der Staumauer. Schon beeindruckend, wie der 124 Meter hohe Damm das Tal abriegelt.

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Vom Parkplatz hat man einen guten Blick auf die Staumauer, ...

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... die auch auf der Rückseite der Zehn-Rubel-Note zu sehen ist. Ich hätte den Stausee selbst ja schon gerne gesehen, aber es wurde langsam spät. Ich erkundigte mich bei den Pförtnern, ob es eine Möglichkeit gäbe, auf die Staumauer zu kommen. Das war leider nicht der Fall, aber sie empfahlen mir eine Aussichtsplattform am Ufer. Ohne Auto war die allerdings zu dieser späten Stunde kaum zu erreichen. Es war schon gegen 17 Uhr und es wären nochmal fünf Kilometer entlang der Straße gewesen. Zudem begann es auch noch zu regnen. Die letzte Elektritschka zurück nach Krasnojarsk sollte um 20:15 Uhr fahren. Ob und wann noch ein Bus dort hinauf und möglichst auch wieder zurück nach Diwnogorsk fahren würde, war nicht herauszubekommen. Ich dachte an ein Taxi, doch noch bevor meine App eins gefunden hatte, war der Akku leer. Nun hatte ich die Wahl, den Weg zurückzugehen oder auf einen Bus zu warten. Ich entschied mich für ersteres. Bei normalem Tempo sollte dann noch Zeit für ein Bier im Bahnhofscafé übrig sein.

So war es dann auch. Im Nieselregen machte ich mich auf den Rückweg und war deutlich schneller am Ziel, als ich hin gebraucht hatte. So blieb noch eine knappe Stunde im Bahnhofscafé. Der gleiche Angestellte von vorhin war noch immer da und gab mir einige Tipps für weitere Ausflugsziele in der Gegend. Insbesondere ein Aussichtspunkt namens Zar Ryba mit gleichnamigen Denkmal, gelegen an der Straße zwischen hier und Krasnojarsk, hatte mein Interesse geweckt. Letztlich habe ich das Vorhaben dann aber am Mittwoch wegen des schlechten Wetters verworfen. An einem anderen Tisch saß eine Gruppe Damen beim Bier, die mich zu sich an den Tisch einluden. Eine von ihnen hatte schon gut einen im Tee und redete etwas wirr daher, die anderen entschuldigten sich dauernd für ihr Benehmen. Als das Gespräch auf Kysyl kam, fing auch sie an, mich vor der Stadt zu warnen. Im Gegensatz zu dem Elektritschka-Fahrer allerdings etwas dramatischer. Ich solle da um Himmels Willen nicht hinfahren, es wäre mein sicheres Ende, referierte sie mit theatralischer Gestik. Klar. Dieses Kysyl wurde immer interessanter. Ich war ja schon in Moskau gewarnt worden, dort bloß nicht alleine abends auf der Straße herumzulaufen und dazu war ich gefragt worden, was ich denn überhaupt da wolle.

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Nun war es aber an der Zeit, in die Elektritschka einzusteigen. Es war wieder die selbe wie vorhin und auch der Fahrer war der selbe. Zurück in Krasnojarsk fuhr ich direkt mit dem Bus zum Hotel.

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Zum Abendessen holte ich mir etwas im benachbarten Supermarkt und verzog mich todmüde auf mein Zimmer.

14.07.2019: Stadtrundgang und abendliche Straßenbahntour

Am Dienstag war das Wetter besser. Ich beschloss, mir erstmal die Innenstadt anzuschauen und mich später den Straßenbahnen zu widmen. Nach dem Frühstück ging ich erstmal wieder bei der Touristeninformation vorbei. Elisaweta hatte mir eine kleine Liste mit interessanten Bauten und Denkmälern an dem Prospekt Mira zusammengestellt. Zudem gab es schon wieder Geschenke, eine Tasse und einen Kugelschreiber.

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Auf dem Prospekt Mira kam ich erstmal an diesem Denkmal für den polnisch-russischen Revolutionär Feliks Dzierżyński vorbei.

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Was die Baustile angeht, ist Krasnojarsk sehr vielfältig. Hier ein interessantes Wohngebäude der sowjetischen Moderne.

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Und hier gleich noch ein Vertreter dieser Epoche.

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Besonders im östlichen Teil des Prospekt Mira gibt es viele neoklassizistische Bauten. Besonders gefiel mir das Postgebäude.

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Die Palmen in den Kübeln verbreiteten südländisches Flair.

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Hier noch ein moderner Bau.

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Der Adam-und-Eva-Brunnen stammt aus dem Jahr 1999. Die Figuren hören vor Ort wohl auch auf die Namen Valentin und Valentina. Paare, die sich hier küssen, erwartet ewige Liebe – das besagt zumindest die örtliche Tradition.

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Ganz nach meinem Geschmack ist das Einkaufszentrum „Avenue“, das 2008 eröffnet wurde. In einer Buchhandlung darin fand ich ein paar Postkarten. Für mehr wurde ich in einen Laden an der parallelen Uliza Lenina verwiesen.

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Auf der anderen Straßenseite folgte wieder ein hübscher neoklassizistischer Innenhof mit einem Riesenzapfen.

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Geschmackvoll fand ich auch das Regionalgericht mit der Justitia und dem Brunnen.

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Kaffee-Hype in Sibirien: Nirgends sind mir so viele Kaffee-Busse wie in Krasnojarsk begegnet. Besonders europäisch gaben sich die Bullys von „Ludwig 64“ mit ihrer englischen Telefonzelle als Klohäuschen, von denen es zwei am Prospekt Mira gibt. Hinterm Tresen standen bärtige tätowierte Hipster wie in Berlin-Mitte. ;-)

Nach einer Pause und einem Abstecher in ein benachbartes Einkaufszentrum ging ich die Uliza Lenina entlang zurück in Richtung Zentrum.

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Hier erwischte ich endlich mal wieder einen der Mercedes-Busse. Dieser hier fuhr einst bei den Verkehrsbetrieben Minden-Ravensberg GmbH. Einige Meter weiter traf ich dann auf die besagte Buchhandlung, die in einem de wenigen noch erhaltenen Holzhäuser untergebracht war. Hier gab es eine ganze Reihe schöner Postkarten, die zum Teil noch aus den späten 90ern zu stammen schienen. Mein Favorit war eine, die eine Mercedes C-Klasse und ein paar Typen in Lederjacken vor einem Nachtclub zeigte. Außerdem fand ich einen Bildband über Krasnojarsk, dem ich nicht widerstehen konnte. Die junge Verkäuferin war erstaunt über mein Interesse an der Stadt. Touristen seien hier eher selten. Und ob ich keine Angst hätte wegen der schlechten Luft hier. Durch die hier angesiedelten Aluminiumwerke ist Krasnojarsk wirklich nicht gerade die gesündeste Stadt Sibiriens. Subjektiv war davon jedoch nichts zu bemerken.

Nun wollte ich mir noch die Kindereisenbahn an der Uliza Karla Marksa anschauen.

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Auf dem Weg dorthin kam ich zum mittlerweile dritten Mal an diesem faszinierenden Kino vorbei. Nun endlich passte das Licht halbwegs. Ich weiß, es ist Geschmackssache, aber ich mag diesen postmodernen russischen Style total.

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Die Kindereisenbahn befindet sich im Stadtpark und ist unter ihresgleichen eine Besonderheit. Mit der unüblichen Spurweite von 508 mm ist sie deutlich kleiner als die übrigen, die Fahrzeuge entstanden größtenteils aus umgebauten Autos, etwa Toyota-Kleinbussen. Zum 80. Jubiläum im Jahr 2016 erhielt die Bahn jedoch den neuen Zug „Sibirjatschok“, welcher elektrisch betrieben wird. Dieser kommt hier gerade um die Ecke, während auf dem Abstellgleis eine der älteren Loks steht. Die Strecke besteht aus einem 1,3 Kilometer langen Ring durch den Park.

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Nun war es an der Zeit, wieder auf die rechte Seite des Jenissej zu kommen, um noch ein paar Straßenbahnfotos zu machen. Auf dem Weg zur Brücke begegnete mir noch dieser O405, der einst der Firma Löble-Reisen gehörte. Rechts dahinter ist der der Krasnojarsker „Big Ben“ zu sehen, ein 2001 erbauter Uhrturm.

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Ich ging kurz ins Hotel, um Akkus zu tauschen, wobei noch dieses Bild von Wagen 194 aus dem Jahr 1988 auf dem Ring am Predmostnaja Ploschtschad entstand.

Nun ging es aber los auf Straßenbahnfahrt. Der Takt ist nicht sehr dicht, das Netz in Krasnojarsk ist überschaubar und auf den ersten Blick dennoch recht verwirrend. Die Strecke vor dem Hotel wird von vier Linien befahren und ist Teil eines großen Rings. Die Linien 4 und 6 durchfahren diesen im Uhrzeigersinn, die 5 und 7 gegen den Uhrzeigersinn. die Linien 4 und 7 sowie 5 und 6 enden jeweils an zwei verschiedenen Industriegebieten im Südosten der Stadt. Linie 2 verbindet diese peripheren Endstationen miteinander – sofern es sie überhaupt noch gibt, denn bei Yandaex ist sie nicht verzeichnet und gesehen hab ich auch nie eine. Eine Linie 3 gibt es seit 2014 nicht mehr. Fotostellen sind eher rar, da die Gleise meist in der Mitte großer Hauptstraßen verlaufen. Mein Ziel war zunächst die Haltestelle Wosroschdenie Kredit, wo es einen eingleisigen Abschnitt gibt, der allerdings auch nur in einer Richtung befahren wird.

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Dort war es zwar echt recht nett, doch die Sonne stand schon sehr tief. Nach einigem Warten kam Wagen 150 aus dem Jahr 1985 die Straße entlang. Ich ging zu Fuß zur Uliza Mitschurina, wo alle Linien verkehren. Auf dem Weg dorthin bemerkte ich, dass hier nicht gerade die beste Gegend war, es waren ganz schön kaputte Gestalten auf der Straße unterwegs.

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An der Haltestelle Wolgogradskaja Uliza entstand dieses Bild von Wagen 244 aus dem Jahr 1984.

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Mit dem folgenden Wagen 249 fuhr ich ein Stück weit mit, um den nordöstlichen Ast des Netzes zu erkunden. Mit Indienststellung August 1984 war er eines der ältesten Straßenbahnfahrzeuge, die mir auf der Reise begegnet sind.

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Berauschende Aufnahmen versprach dieser nicht, aber die Szenerie mit der Rakete an der Haltestelle Chudoschestwennaja Uliza war dann doch ganz nett.

Mit Wagen 203 ging es dann zurück in Richtung Hotel und von da mit dem Bus in die Stadt. Nach einem Abendessen in einer Stolowaja namens Kalinka Malinka, die mir von Elisaweta empfohlen worden war, fuhr ich noch mit dem Minibus hinauf zur Parasewa-Pjatniza-Kapelle, von wo man eine schöne Aussicht über die Stadt hat.

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Das war zwar ganz hübsch, angesichts der vielen Stechmücken aber auch nicht wirklich gemütlich. Die Kapelle ist übrigens auf der Vorderseite des oben gezeigten Zehn-Rubel-Scheins zu sehen. Für den Weg hinunter musste ich mir ein Taxi nehmen, da der Minibus nur bis 22 Uhr fuhr. Der Fahrer nahm irgendwelche obskuren Schleichwege, die seine Yandex-App vorgeschlagen hatte, und auf denen er in den Kurven zurücksetzen musste, um mit seinem nicht gerade großen Wagen überhaupt durchzukommen. Ich ließ mich direkt zum Hotel fahren und legte ich bald ins Bett.

15.07.2019: Straßenbahnen unter trübem Himmel

Am Mittwoch sollte es abends nach Abakan weitergehen. Davor hatte ich also noch mehr oder weniger den ganzen Tag Zeit, doch das Wetter war regnerisch. Den angedachten Ausflug zum Aussichtspunkt Zar Ryba am Jenissej verwarf ich daher. In der Hoffnung auf etwas besseres Wetter begab ich mich nach dem Frühstück erstmal zu der Eisenbahnbrücke über den Jenissej. Von der parallelen Straßenbrücke kann man die ganz gut Fotografieren und es gibt überall Fußgängerstege. Der Weg dahin war dann doch ein ganz schönes Labyrinth mit den ganzen Auffahrten an der sechsspurigen Nikolajewskij-Brücke.

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Wirklich gelohnt hat sich der Trip nicht. Außer zwei Elektritschkas und einer 2TE10M aus Lz kam nichts durch und es begann dann auch noch zu regnen. Also ging ich wieder zurück zur Bushaltestelle und fuhr in Richtung Hotel. Ich stieg aber schon bei der Haltestelle Studentscheskaja aus, wo sich auch ein Eisenbahnhaltepunkt befindet. Von dort wollte ich mir den südlichen Teil des Straßenbahnnetzes anschauen.

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Dabei traf ich noch auf dieses Wandbild am Wohnheim der Polytechnischen Hochschule. Es wurde 1972 von Georgij Georgijewitsch Nikiforow erschaffen.

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Auf der benachbarten Uliza Aleksandra Matrosowa verkehren die Straßenbahnen teils in Mittel-, teils in Seitenlage. Von einem Steg aus entstand dieses Bild von Wagen 243 im Verkehrsgewimmel. Das Fahrzeug wurde, wie auch Wagen 249, im August 1984 in Dienst gestellt.

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Aus der Gegenrichtung kam der sechs Jahre jüngere Wagen 222.

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Unter der Brücke eines Industriegleises biegt die Straßenbahnstrecke nach Osten ab. Hier ist der übel heruntergekommen Wagen 211 aus dem Jahr 1988 zu sehen, beschildert mit „Ins Depot“. Zu diesem machte ich mich nun zu Fuß auf den Weg.

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Dabei begegnete mir noch Wagen 187, ein 2014/15 modernisierter KTM-5, der 1988 gebaut wurde.

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Es folgte noch eine andere Modernisierungsvariante, bei der es eine komplette neue Front gab. Der Umbau aus einem 1985 gebauten KTM-5 entstand wohl 2013 in der Krasnojarsker Werkstatt.

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Am Depot begegnete mir dann wieder ein klassischer KTM-5 in Form von Wagen 151. Von hier nahm ich dann den nächsten Wagen, um noch zum Zirkus zu kommen, den ich auch noch fotografieren wollte.

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Der entstand zwischen 1968 und 1971 nach Plänen von Witalij Orechow. Ganz in der Nähe entdeckte ich auch noch ein interessantes Einkaufszentrum aus Sowjetzeiten.

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Das „Krasnojarje“ wurde 1981 eröffnet. Für eine Besichtigung von Innen war leider keine Zeit mehr, denn ich wollte noch etwas essen, bevor ich mich auf den Weg machen musste. Dazu ging ich zu Jumbo & Uklejka, einem Burgerladen am Prospekt Mira, denn ich sehr empfehlen kann. Hiernach hieß es aber ab ins Hotel, Sachen packen und auf zum Bahnhof. Ich nahm mir ein Taxi, da ich schon recht spät dran war. Der Fahrer erzählte mir, dass seine Tochter in Deutschland studiere. Er selber sei jedoch erst einmal in Eurpoa gewesen, in Kaliningrad. Da wurde mir erst so richtig bewusst, wie weit ich ja schon in Asien war. Und immernoch im selben Land, die gleichen Produkte in den Supermärkten, die gleichen Autos auf den Straßen, die gleichen Elektritschkas, Straßenbahnen, die gleiche Sprache. Er sagte, sie würden eher mal nach Thailand in den Urlaub fliegen, das sei nicht so weit.

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Am Bahnhof machte ich noch ein Foto der zweiten Denkmallok.

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Hier mein Zug 124Y Krasnojarsk–Abakan, der täglich um 19:10 abfährt. Meine Sitznachbarn im Platzkartny waren zunächst ein paar recht entspannte Jugendliche, recht viele Plätze im Wagen waren frei. Was mir völlig neu war, war die etwas irre Bandansage im Zug, die mich an Ryanair erinnerte. In völlig über-enthusiastischem Englisch wurde darauf hingewiesen, was im Zug alles nicht erlaubt (Alkohol außerhalb des Speisewagens) und worauf man achten soll (verdächtige Koffer, was sonst). Dazu lief dann noch Vivaldi. Was ich erst für eine Spezialität der Krasnojarsker Eisenbahn hielt, ist mir neulich erst im Zug von Uljanowsk nach Moskau wieder begegnet. Es scheint also eher bei besonders modernen Waggons vorzukommen.

Die Fahrt ging durch eine fantastische Hügellanschaft bis zum Abzweigbahnhof Ujar auf der Transsib weiter. Dort, am östlichsten Punkt meiner Reise, bog der Zug auf die eingleisige Zweigsrtecke nach Abakan ab. Bei irgend einem Zwischenhalt, es war schon dunkel, stieg dann eine Jugendgruppe mit massig Gepäck zu. Mit der Ruhe war es damit erstmal vorbei, bis alle ihre Plätze hatten und alles verstaut war, dauerte eine gute halbe Stunde. Viel Schlaf war in dieser Nacht ohnehin nicht zu erwarten, denn die Ankunft in Abakan ist morgens um 6:25 Uhr.

Dort geht es dann im nächsten Teil weiter!

Schöne Grüße
Jiří





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:02:29:14:51:30.
Hallo Jiri,
vielen Dank für den Bericht. Ich bin damals tatsächlich nur Wandern gegangen, hätte den Damm aber liebend gerne besucht!

schoki41
Hallo schoki!

Ja, ich hatte deinen Bericht mit der Seilbahn noch in Erinnerung, die Landschaft dort ist schon verdammt schön. Mangels anständiger Schuhe und wegen des Wetters hab ich das gelassen aber gelassen.
Wie immer bei dir ein gigantischer, lesens- und schauenswerter Bilderbogen. Alleine dein Faible für die Architektur macht die Berichte schon spannend.

Ist der MAN/Mercedes-Bus nicht ein VÖV2-Bus? Die wurden von MAN und Mercedes ziemlich identisch gebaut. Entweder ist das Fahrzeug tatsächlich ein MAN, oder bei einer Reparatur wurde die Front eines MAN recycelt.
Ein klasse Beitrag! Das Schiffshebewerk hätte mich allerdings näher interessiert....

Das turmartige Gebäude scheint mir ein Notüberlauf eines Stausees zu sein.

Noch Fragen Kienzle?

Im Gedenken: Ulrich Kienzle *09.03.36 +16.04.20
Hallo Jiří,
bislang habe ich alle deine Reiseberichte verfolgt und immer ungeduldig auf den nächsten Bericht gewartet. Vor allem die doch den Reiz einer Reise ausmachenden Abschweifungen von dem Thema Eisenbahn finden mein Interesse. Dein Kazan Bericht verführte mich dann genau wegen dieser von dir gewählten breiteren Sicht auf die Dinge neben dem Schienenweg zu einem Besuch in dieser Stadt. Ein guter Tip! Ich möchte mich für deine Berichte bedanken.

Dadurch angeregt hatte ich mir ein Buch mit dem Titel "Auf der sibirischen Bahn nach China" (Zabel, Eugen; Allgemeiner Verein für Deutsche Litteratur, Berlin 1904) augeliehen und in einem Zug gelesen. Das Lesevergnügen bestand ebenfalls in der Mischung aus Eisenbahn und allem was man auf so einer Reise erleben kann. Trotz swa Reisejahres 1903 sind viele Erscheinungen noch aktuell und natürlich der historische Hintergrund bildete das Salz in der Suppe. Wenn ich das Suchergebnis richtig interpretiere, kann man das Buch sogar noch als Nachdruck kaufen. Eine Empfehlung für alle an der Geschichte der sibirischen Eisenbahn interessierten Leser.

Ich warte weiter
Bernd
Lieber Jiri,

Habe wieder ganz großen Dank für einen solch schönen Beitrag, der wieder einhundertprozentig meinen Geschmack getroffen hat.
Deine virtuellen Stadtführungen mit einem gelungenen Mix aus Eisenbahn, Stadtverkehr, Architektur und Hintergrundinformationen gehören einfach in die ewige Bestenliste bei DSO.

Viele Grüße
Alex

http://www.imgbox.de/users/asrm62/neuetraktion.jpg
Hallo und vielen Dank euch allen!

l0wside schrieb:
Ist der MAN/Mercedes-Bus nicht ein VÖV2-Bus? Die wurden von MAN und Mercedes ziemlich identisch gebaut. Entweder ist das Fahrzeug tatsächlich ein MAN, oder bei einer Reparatur wurde die Front eines MAN recycelt.
Ich kenne mich auch nicht 100% aus, aber ich meine, dass sich die VÖV2 von MAN und Mercedes doch deutlich unterscheiden an der Front, siehe das Bild von MAN darunter. Ob es allerdings möglich ist, die Fronten untereinander zu tauschen, das kann ich nicht sagen, da sind Fachleute gefragt.


tram schrieb:
Das Schiffshebewerk hätte mich allerdings näher interessiert....
Ja, das hätte ich auch gerne besser aus der Nähe gesehen. So wirklich dran kommt man leider nicht. Wie es von der Aussichtsplattform gewesen wäre, kann ich nicht sagen.


tram schrieb:
Das turmartige Gebäude scheint mir ein Notüberlauf eines Stausees zu sein.
Sieht in der Tat so aus, nur ist dort kein Stausee. Interessanterweise ist es bei Google Maps als Unterkunft eingezeichnet.


BahnSucher schrieb:
Hallo Jiří,
bislang habe ich alle deine Reiseberichte verfolgt und immer ungeduldig auf den nächsten Bericht gewartet. Vor allem die doch den Reiz einer Reise ausmachenden Abschweifungen von dem Thema Eisenbahn finden mein Interesse. Dein Kazan Bericht verführte mich dann genau wegen dieser von dir gewählten breiteren Sicht auf die Dinge neben dem Schienenweg zu einem Besuch in dieser Stadt. Ein guter Tip! Ich möchte mich für deine Berichte bedanken.

Dadurch angeregt hatte ich mir ein Buch mit dem Titel "Auf der sibirischen Bahn nach China" (Zabel, Eugen; Allgemeiner Verein für Deutsche Litteratur, Berlin 1904) augeliehen und in einem Zug gelesen. Das Lesevergnügen bestand ebenfalls in der Mischung aus Eisenbahn und allem was man auf so einer Reise erleben kann. Trotz swa Reisejahres 1903 sind viele Erscheinungen noch aktuell und natürlich der historische Hintergrund bildete das Salz in der Suppe. Wenn ich das Suchergebnis richtig interpretiere, kann man das Buch sogar noch als Nachdruck kaufen. Eine Empfehlung für alle an der Geschichte der sibirischen Eisenbahn interessierten Leser.
Sehr gerne! Das freut mich total, wenn ich jemand dazu animieren kann, diese tollen Gegenden aus zu bereisen. Ich habe ja auch viele Ideen hier aus dem Forum. In Kasan war ich übrigens vor einigen Wochen auch nochmal. Sobald der Sibirien-Bericht mal fertig ist, gibt es von dort auch wieder ein paar neue Straßenbahnfotos.

Das Buch klingt super. Ich habe ähnliche Werke aus dem späten 19. Jahrhundert schon zu deutschen Strecken gelesen, etwa zur Württembergischen Schwarzwaldbahn oder die „Eine Eisenbahnfahrt von Minden nach Köln“ von Levin Schücking. Dass es das auch zur Trassib gibt, wusste ich bislang nicht. Vielen Dank für den Tipp.



Schöne Grüße
Jiří

Zitat
In der Nähe des Industrieparks Diwnogorsk kam ich noch an diesem Bauwerk vorbei. Weiß jemand vielleicht, worum es sich dabei handelt?
Auf Wikimapia wird es wahlweise als Wasserentnahmeturm oder Wasserdruckturm bezeichnet, mit dem Vermerk, er wäre seit 1961 außer Betrieb. Wenn man nach diesen Begriffen googled, findet man leider auch nicht mehr.

Zitat
Als das Gespräch auf Kysyl kam, fing auch sie an, mich vor der Stadt zu warnen. Im Gegensatz zu dem Elektritschka-Fahrer allerdings etwas dramatischer. Ich solle da um Himmels Willen nicht hinfahren, es wäre mein sicheres Ende, referierte sie mit theatralischer Gestik. Klar. Dieses Kysyl wurde immer interessanter. I
Ja, die Furcht vor den Tuwinern ist in Sibirien weit verbreitet. Bin mal gespannt, ob Du dann dort warst und wie Deine Wahrnehmung war.
Danke! Wieder mal ein genialer Beitrag - der Mix aus Architektur, Straßenbahn, Eisenbahn und Landschaft sowie dein untrüglicher Blick für Kurioses, Interessantes und Unbekanntes sind perfekt!
In Krasnoyarsk fand man die Petersburger Wagen und KTM8 völlig ungeeignet. Die beiden Petersburger Gelenkwagen wurden nach wenigen Jahren verschottet und die meisten KTM8 wurden in KTM5 umgebaut. Der Tw 249 auf dem Bild war utsprünglich KTM8. Der Wagenkasten von Tw 249 dürfte ein von den letzten KTM5 gebaut sein. Ich habe es irgendwann in Blickpunkt Strassenbahn gemeldet wahrscheinlich 2008.
IMG_2548.JPG
Hallo Nils, vielen Dank für die Info, sehr interessant. Und eine tolles Foto! Schöne Grüße Jiří

Danke für die Beiträge.

Wirklich interessant finde ich das Rechsfahrgebot der Strab. Entweder eigener Gleiskörper oder rechter Staßenrand. Han ich so auch noch nicht gesehen!

MfG
maschwa



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:04:22:18:54:24.