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Droht ein Tarifchaos in Tschechien?

Normalerweise funktionieren in Tschechien viele Dinge bei der Eisenbahn gut. Durch die fortschreitenden Ausschreibungen vieler Verkehre besteht allerdings das Problem inkompatibler Tarife.
Ein Musterbeispiel wäre die touristisch wichtige Verbindung von Budweis über Krumau in den Böhmerwald. Fahrkarten für die GW-Züge gibt es nur bei GW selber, was sicherlich Touristen, die in den Ticketshops von ČD, aber auch ÖBB durchgehende Fahrkarten nach Krumau kaufen wollen, abschreckt, die sich dann unter Umständen für den Bus oder semilegale Gelegenheitsverkehre entscheiden.
Nun droht neues Unglück: Die Verantwortung für den SPNV geht auf die Regionen über. In mehreren Regionen gibt es ab 2020 Brutto-Verträge. Brutto-Verträge bedeuten, dass alle Fahrgeldeinnahmen an die Region (bzw. den Verkehrsverbund) gehen und diese bezahlen die Verkehrsunternehmen pro gefahrenen km. Der Vorteil ist, dass die Regionen bzw. Verkehrsverbünde sehr gut zentral planen können, wie der Nahverkehr aussehen soll. Der Nachteil ist, dass die Verkehrsunternehmen kaum Anreize haben, neue Fahrgäste zu gewinnen.
Damit das funktioniert, müssen alle Fahrgeldeinnahmen an die Regionen gehen. Nun kommt der springende Punkt:

In Südmähren wird zum Beispiel ab 1. Jänner 2020 für Fahrten mit Os- und Sp-Zügen innerhalb Südmährens ausschließlich der Verbundtarif verkauft.
Auf Fahrten von außerhalb Südmährens nach Südmähren und umgekehrt gilt weiterhin der ČD-Tarif.
In den R-Zügen gelten sowohl Verbund- als auch Haustarif, während in den höherwertigen Zügen (EC, RJ) nur die Haustarife gelten.
Die IN 100, die Tagesnetzkarte ČD und die Gruppenwochenendnetzkarte sowie internationale Fahrkarten sollen allerdings weiterhin anerkannt werden.
Außerdem werden 18 Personenkassen geschlossen, davon 14 von der ČD (u.a. Valtice město) und 4 von SŽDC (wo offenbar der Fdl Fahrkarten verkauft).
Die Fahrzeuge, die auf den Linien S2 und S3 eingesetzt werden, bekommen auf manchen Fahrzeugen einen zusätzlichen grünen Streifen. Der Fahrkartenverkauf im Zug findet auf diesen beiden Linien nur noch in den grün gekennzeichneten Wagen statt.

Das ist natürlich bitter. Was passiert, wenn man innerhalb Südmährens unterwegs ist und dabei einen Os und einen RJ nehmen will, wird nicht erklärt. Der Rabatt für Inhaber einer IN 25 und IN 50 fällt weg, wenn man mit Os- und Sp-Zügen fährt (das betrifft auch ČD-Streckenkarten, auf die es mit IN-Karten auch eine Ermäßigung gibt).
Kompliziert wird es auch für Pendler. Eine ČD-Streckenkarte von Břeclav nach Brünn gilt in Zukunft nur mehr in den R, EC und RJ, während eine Verbundzeitkarte nur im Os, Sp und R (und in den bahnparallelen Bussen) gilt.
Ein besonderer Bonus: Die Schnellzuglinie R8 (Brno - Ostrava) wird in Zukunft von Regiojet betrieben. Der Verbundtarif wird dort anerkannt. Den ČD-Tarif wird Regiojet aber wohl nicht anerkennen.

In anderen Regionen könnte es zu vergleichbaren Situationen kommen. Geplant ist zwar ein nationaler Tarif ab 2021, aber ob das klappen wird, kann ich nicht einschätzen.

Quellen:

[ct24.ceskatelevize.cz]
[www.idsjmk.cz]
[zdopravy.cz]
[zdopravy.cz]
Fantastisch, einfach fantastisch! Die machen es noch kompizierter alsdass man es bei der Einführung der Ausschreibungen in Deutschland befürchtet hätte. Im von Ausschreibungsgegnern oft zitierten UK haben die das Problem längst gelöst und Tschechien? Das achso tolle Bahnland schafft sich erst einmal genau die Probleme, die anderswo eben bereits zufriedenstellend gelöst sind. Ich bin begeistert!

Und die Einschränkungen im Ticketverkauf sind auch grandios. In Österreich haben wir für sowas Automaten im Zug oder am Bahnhof. Tschechien in 2019 will offenbar partout nichts davon wissen. Da ist man in der Slowakei weiter.

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.10.19 16:16.
Mir gefällt die Idee, dass der Kauf von Fahrkarten nur in dafür bestimmten Wagen möglich ist.

Leicht "off topic", jedoch "Im von Ausschreibungsgegnern oft zitierten UK haben die das Problem längst gelöst " Bitte? In Wirklichkeit hat sich in 20 Jahren wenig geändert. Es war nie so schlimm, wie die Presse schrieb - und die veröffentlichten "Verbesserungen" waren minimal (oder nur Änderungen in Worten). Es ist wahr, dass der Zuggattung den Fahrpreis nicht beeinflusst, und dass die Fahrpreise oft eine Auswahl an Strecken zulassen (nach Bequemlichkeit, nicht nach km), aber dies ist langjährig und keine kürzliche Änderung.
Besonders ärgerlich ist nicht nur das Tarifchaos, sondern dass die CD die Konkurrenz nicht einmal im Fahrplan führt - wer nicht weiß, dass es nach Krumlau eine Privatbahn gibt, wird womöglich denken es gibt keinerlei Zugverkehr dorthin.

In Deutschland hat man es auch geschafft, den ÖPNV auszuschreiben und gleichzeitig den Tarif (DB-Tarif bzw. Verbundtarif) vorzugeben um durchgängige Tickets zu ermöglichen. In Tschechien schreibt man den Verkehr zwar aus, zerstückelt aber das Tarif- und Fahrplansystem bis niemand mehr im Zug sitzt?

Das hat mit den Ausschreibungen wenig zu tun

geschrieben von: pm

Datum: 07.10.19 17:58

Wie Du bei dem beiliegenden, von Dir nicht verlinkten Artikel aus der Region Pilsen auf zdopravy lesen kannst- es geht um die Kontrolle der Einnahmen der Fahrscheinverkäufe. Ob dies nun sinnvoll gelöst wird-ich kann es nicht beantworten. Und ich bin von der Ostslowakei bis Cheb mit 3 verschiedenen Fahrscheinen der jeweiligen EVUs gefahren- dies ist im Zeitalter elektronischer Fahrausweise ganz einfach.

zdopravy



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.10.19 18:14.
Die Tschechen haben mind. 2 sehr gute Fahrplanauskünfte mit allen öffentlichen Verkehrsmittel. Und einen Fahrgastrekord nach den Anderen.
Für viel Wichtiger halte ich eine Anschlusssicherung/garantie- auch zum Bus.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.10.19 18:08.
Die DB feiert auch einen Fahrgastrekord und hat alle EVUs auf seiner App in der Reiseauskunft.

Bei Idos kann man glaub ich nur bei Leo und Regiojet Fahrkarten buchen... wenn

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg
seznam oder idos haben auch alle Busse- also auch RegioJet,Flixbus und Co in der Auskunft. Dies gehört einfach zu einer ÖPNV Auskunft. Beide verlinken in den eshop der CD. Nicht immer alles nur mit der AT oder DE Brille sehen.
Wenn ich in Österreich von Schruns im Montafon nach Güssing im Südburgenland will, kann ich schon jetzt in einem Durchgang sämtliche notwendige Fahrkarten - das sind wegen der Nutzung des Busses von Wien nach Güssing genau 2 - in einem Rutsch erwerben und zwar von der App der Bahn, die ich am meisten nutze und die wie in Tschechien dem Staat gehört.

Das kriege ich mit idos nicht. Beim IDS JMK gibt es auch diese absurde Situation, wo man den Fernverkehr von Regiojet im Verbund integrierte, aber nicht den der ČD. Dabei ergibt letzteres mitunter durchaus Sinn.

Glaubst du wirklich, als Tscheche tut man sich dieses Kaspertheater freiwillig an? Glaubst du, die tun sich solche völlig unintuitiven Spielchen mit Tarifen so gerne an - als ihr Hobby?

Ich glaube, wenn man den Motorisierungsgrad in Tschechien erhöhen will, dann sollen die bloß weiter so machen. Immer mehr Leute können sich ein Auto leisten. Dann hat das Land am Ende eine ganze Menge Geld gespart, weil durch dieses Wirrwarr und der Tatsache, dass man durch die Privaten in der Regel die deutsche Resterampe kriegt, sich die Leute irgendwann fragen, warum sie sich das noch antun. Ich bin ganz ehrlich, wenn ein Land mich motivieren wollte, einen Führerschein zu machen, dann hätte Tschechien in der Hinsicht beste Chancen. Irgendwo hat man einfach auf so einen Blödsinn einfach keinen Bock mehr.

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.10.19 22:26.
Einmal mehr sehen wir, nun eben entlang Böhmens Hain und Flur, dass die Privatisierung des Betriebs durch Ausschreibungen Netze zerstört.
Wenn Du eine ernsthafte Diskussion führen willst- dann informiere dich doch einfach erstmal was Arriva, Leo und Co alle in die Ex D Fahrzeugen investieren und vergleiche sie mal mit dem was ersetzt wird. Und ob Du es glaubst oder nicht- die Mehrheit der Fahrgäste in CZ kommt auf die Linie Prag-Kosice jetzt schon mit 3 verschiedenen Haustarifen und Co klar- es geht sogar soweit dass Tipps dort existieren wie man innerhalb dess selben Zuges die Fahrkarten splittet um vielleicht noch einen Platz ergattern zu können. Die jetzt geplanten Änderungen sind sicherlich für ein paar wenige Reisende problembehaftet-aber für den absolut größten Anteil der Nutzer nicht. Warum der Fernverkehr der CD im Gegensatz zur gelben Konkurrenz nicht beinhaltet ist und warum überhaupt die Besteller der CD die Hoheit über die Tarifeinnahmen wegnehmen wollen- stell Dir doch mal die Frage wer da warum übervorteilt bisher fühlt und wer bei den Verbundtarifen warum auch immer nicht mitmacht.
Es gibt jedenfalls keinen Grund hier den Untergang des Abendlandes und Abwanderung zum Auto zu propagandieren- wer das macht kennt sich in CZ schlicht nicht aus. Und vielleicht hätten die Besteller sinnvollerweise noch ein Jahr warten können- bis der Landestarif kommt.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.10.19 13:04.
Schau, du bist der Meinung, als Kunde kann man sich an die verrücktesten Tarifsysteme ja einstellen.

Wer mit der Bahn fahren muss, weil er sich kein Auto leisten kann, wird auch sich mit dem Tarifsystem irgendwie einstellen. Ist es aber eine gute Idee, wenn man den Tarif so kompliziert macht, dass man am Ende solche Tipps und Tricks anwendet, um dieses System überhaupt halbwegs vernünftig nutzen zu können? Glaubst du ernsthaft, die machen das so super gerne und lieben es über alles, für ihre Strecke erst einmal ein Studium der Betreiberstruktur und derer Tarife hinlegen zu müssen? Nicht zu vergessen die Eigenheiten der Verkehrsverbünde...

Aber in Tschechien können sich mehr Leute ein Auto leisten und ja, es wird auch mehr mit dem Auto gefahren als früher. Warum wohl? Ich glaube spätestens, wenn die großen Autobahnprojekte in Tschechien abgeschlossen sind - und das sind sie zu großen Teilen - wird die Schiene immer weniger an Boden haben, wenn wir es einfach akzeptieren, dass sie für die kommenden Herausforderungen gar nicht gerüstet sind.

Und die Aufarbeitungen? Ernsthaft? Die 628er sind auch nach Aufarbeitung weder klimatisiert, noch barrierefrei. Und bequemer werden sie ja auch eher nicht - der einzige positive Punkt, der Komfort der Sitze, geht ja bei den modernen Billigmodellen ja auch ganz gepflegt verloren. WLAN ist übrigens alleine kein Grund, den Zug zu nehmen. Haben wir doch im Bus auch. Und wir kennen all die Gründe der Autofahrer, wieso sie persönlich anhand der Vor- und Nachteile am Auto als primäres Verkehrsmittel festhalten.

Klar werde ich lieber einen 628er nutzen als einen 810er. Aber jemanden, den du vom Bahnfahren überzeugen müsstest, wirst du weder mit dem einen, noch dem anderen überzeugen können.

Und ja, es gibt auch Fälle, wo modernere Züge fahren, die auch barrierefrei sind. Aber mal ehrlich, wie lange will man die betreiben? Und will man sich darauf verlassen, dass Deutschland nicht benötigtes Material nach Tschechien schickt? Das ist kein Konzept, das Zukunft hat.

Jetzt ist es vielleicht noch nicht ein Problem aber schau noch mal in paar Jahren weiter, wenn dann die Leute aufgrund mangelnder Attraktivität der Schiene dieser dank Alternativen letztlich den Rücken kehren?

Der Bahnverkehr in Tschechien ist ohnehin nicht gerade umweltfreundlich, wo Tschechien zu sehr großen Teilen auf fossile Energieträger und Atomenergie setzt. Mit welchen Argumenten würdest du da meinetwegen jemanden in deinem Umkreis vom Bahnfahren in Tschechien überzeugen und glaubst du das zieht?

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.10.19 16:32.

Wieso zerstören Ausschreibungen Netze?

geschrieben von: Der Zeuge Desiros

Datum: 08.10.19 22:55

Mscr1 schrieb:
Einmal mehr sehen wir, nun eben entlang Böhmens Hain und Flur, dass die Privatisierung des Betriebs durch Ausschreibungen Netze zerstört.

Hallo,

zwischen Deutschlands Alpenrand und Waterkant ist ja in vielen Fällen genau das Gegenteil eingetreten: es konnte auf Strecken durchgelöst werden, zu denen das vorher nicht ging bzw. es wurden Bahncards etc. anerkannt. Beispiel neg Niebüll oder die Gründung großer Verkehrsverbünde. Das ist aber keine zwangsläufige Folge von Ausschreibungen, sondern von genutzten Chancen der Regionalisierung.

Problematisch ist in Deutschland eher das gerade stattfindende Ausgeschreibe von Bahnbus-Linien, in denen, wenn Müller-Reisen & Co. gewinnen, auf einmal keine Schienenfahrausweise mehr gelten. Darauf, das auch weiterhin sicherzustellen, achten leider die wenigstens Landkreise und Bus-Aufgabenträger.

Gruß

Heiko

http://www.desiro.net/Signatur-gruener-Streifen.jpg
Es muss nicht so sein wie in Tschechien. In Tschechien hat man in der Hinsicht schlicht und ergreifend bewiesen, dass man da offenbar nicht sich darum gekümmert hat, wie man mit dem Ausschreibungswettbewerb sicherstellt, dass man weiterhin einen einheitlichen Tarif hat. Deutschland hat das besser gelöst, UK hat das besser gelöst... und die Schweiz ist da quasi die Königsdisziplin.

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg
Er kommt im Dezember 2020- Vater Staat hat sich durch die CD zu lange blockieren lassen und die Regionen wollen anscheinend nicht mehr warten. Trotzdem wird nur eine Minderheit diesen nutzen- die Hausspezialtarife in Kombination mit Verbundtickets etc werden auf jeden Fall darunter liegen. Es zahlt ja jetzt schon kaum jemand den CD Normaltarif-sei es mit Inkarta oder nicht.
Arriva gönnt den 628 ua noch Steckdosen, einen riesen Screen, neue WCs. Mehr geht ja kaum noch-und dazu verbraucht der 628 wohl noch 1/3 weniger Diesel als der 854. Nachschub an Niederflurdieseltriebwagen aus Deutschland ist noch ganz viel gesichert- dank Umstellung auf die alternativen Antriebsformen in D.
Und in Tschechien wird auch wesentlich mehr Bahn gefahren-weil der wichtigste Grund einfach günstige Tarife sind. CO2 und co interessiert dort so gut wie niemanden. Nebenbei diese Nutzer der nicht Staatsbahnen alle als Zwangskunden abzustempeln- schon lustig. Ich bin es jedenfalls nicht.
Ich habe nicht gesagt, die tschechischen Bahnkunden würden per se alle keine Alternativen haben. Was ich meine ist, dass ein 628er in Tschechien nicht gerade überzeugend ist. Ist toll, was man da alles rausholen kann, aber es bleibt daran, dass die Züge weder barrierefrei sind, noch eine Klimaanlage haben.

Und nochmal, es ist möglich, sich auf so ein abstruses Tarifsystem einzustellen, es gibt aber einfach wesentlich bessere Ansätze da draußen, die auch mehr überzeugen.

Und wegen der Preise... für tschechieche Verhältnisse dürften sie halbwegs akzeptabel sein, aber nicht unbedingt allzu billig. Man darf nicht vergessen, dass das tschechische Lohnniveau durchschnittlich niedriger ist als das deutsche.

Und wie gesagt, Komplexität sollte möglichst gemieden werden in einem Tarif, das auch breite Bevölkerungsgruppen ansprechen will.

Ich meine, würdest du so reden, wenn man in Deutschland so ein System wie in Tschechien hat, wo man Insiderwissen braucht, um die optimale Fahrkarte zu kriegen? Das ist nicht mein Verständnis eines vernünftigen Tarifes.

Ein Dichtes Netz ist schön. Aber alleine reicht's langftistig nicht. Es braucht moderne, barrierefreie und komfortable Züge, es braucht Tarife, die man auf Anhieb erfasst, es braucht dann auch Infrastruktur, die dem ganzen dann auch gerecht wird.

Der Weg ist lang und im Tarif geht man den falschen Weg.

Für mich werden zum Beispiel internationale Fahrkarten immer weniger flexibel nutzbar. Zumal man diese dann oft nicht durch zu seinem Ziel buchen kann. Da müssen manche ihre Ferrobrille ausziehen und sich damit beschäftigen, wie man Kunden gewinnen will.

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg




3-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.10.19 13:16.
Schau Dir doch einfach mal idos an- keinerlei Insiderwissen ist nötig um bei verschiedenen Anbietern innerhalb einer Verbindung zu buchen. Für mich (und offensichtlich vielen Tschechen auch-ansonsten hatte es ja die CD nicht kopiert) ist es wesentlich dabei bis 15 Minuten vor Abfahrt bei allen Tickets ohne Wenn und Aber kostenlos stornieren zu können- Verbesserungsbedarf ist dass bei den nächsten Verbindungen mit regiojet Anteil bis Brno überall Spoj vyprodán steht.
Ich konnte auf idos keine Möglichkeiten finden, bei Strecken von GW Train Regio zum Beispiel eine Fahrkarte zu buchen. Ist ja lustig, wenn idos bei Leo und Regiojet es ermöglicht, aber wieso müssen die Fahrgäste bitteschön auf die freiwillige Güte der Unternehmen hoffen, sich im idos aufnehmen zu lassen? Das ist doch absurd.

Und erst sagst du, die Leute würden ja sich eh gegenseitig Tipps geben zum Fahrkartenverkauf - das allein weist schon auf ein schlechtes Tarifsystem hin - jetzt sagst du, dass es doch kein Insiderwissen braucht.

Erzähl das dem, der eine internationale Fahrkarte aus Deutschland oder Österreich in eine Destination will, die nur von den Privatbahnen betrieben wird. Erzähl das denen, die erwägen, das Auto zu nehmen, weil da musst du nur rein, den Schlüssel drehen, den Gang einlegen und kannst sofort los. In Tschechien musst du bei jedem einzelnen frickin' Unternehmen (und mit mehr Ausschreibungen werden das mehr) eine extra Fahrkarte kaufen. Ich zum Beispiel brauch keine Erstattungsmöglichkeit 15 Minuten vor Abfahrt, weil ich meine Fahrkarten auch über mehrere Verbundsgrenzen und mit mehreren Unternehmen 10 Minuten vor Abfahrt in einem Rutsch kriege. Versuch das mal in Tschechien.

Es gibt da nicht nur Regiojet und Leo, mein Freund. Man hätte wie in Deutschland alle Unternehmen in einen Tarifverbund unterbringen können - und zwar von Anfang an!

Deutschland ist für mich nicht gerade das Vorbild in jeder Hinsicht, aber hier ist das Ticketing und auch das Bahnfahren selbst oft viel nutzerfreundlicher. Da kannst du eben die selbstverständliche Möglichkeit nehmen, ein durchgehendes Ticket von A nach B von jedem Bahnhof zu jedem Bahnhof zu kaufen. Wir reden hier über Regionalverkehr, da sollte es nicht normal sein, mehrere Tickets für seine Route kaufen zu müssen.

Ernsthaft, merkst du eigentlich nicht, dass du ein System verteidigst, wo man in Deutschland oder Österreich völlig zu Recht den Planern Inkompetenz zum Quadrat vorwerfen würde? Erzähl mal einem Deutschen, dass es doch völlig akzeptabel wäre, für seine Fahrkarte von A nach B mehrere Fahrscheine zu brauchen, weil's zufällig 2 oder mehrere verschieden bunte Züge auf der Strecke Route sind. Der wird auch nicht davon überzeugt sein, wenn ein Zug auf der Strecke den geilsten Klimbim ever an Bord hätte. Selbst mit einem Bordrestaurant an Bord, bewirtschaftet von JLV wird man so einen Stuss nicht nehmen.

Und ich finde, in Tschechien sollte man die selben Ansprüche wie in Deutschland an den Tarif haben. Er soll bezahlbar sein, leicht verständlich und intuitiv. Und vor allem ohne Drittanbieterapps möglich sein. Ernsthaft, so ein System wie in Tschechien zu verteidigen, ist verdammt realitätsfern.

https://abload.de/img/dwaminic8pum.jpg




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.10.19 16:47.
pm schrieb:
Schau Dir doch einfach mal idos an- keinerlei Insiderwissen ist nötig um bei verschiedenen Anbietern innerhalb einer Verbindung zu buchen.
Ernst gemeinte Frage: Hast du schon einmal die App Poseidon des Verkehrsverbundes der Region Südmähren verwendet? Während die ČD sowohl in der Browser- als auch in der App-Version (Můj vlak) einen einfach zu bedienenden Onlineshop hat und Regiojet ebenfalls eine sehr einfach zu bedienende Homepage hat, würde ich Poseidon jetzt nicht gerade zu den Meisterwerken der Kundenfreundlichkeit zählen. Auf Google Play hat die App eine Bewertung von 2,7, im Apple Store eine von 2,2.

Es beginnt damit, dass man sich zwingend mit seiner E-Mail-Adresse, seinem Facebook- oder Google-Konto registrieren und anschließend seine Telefonnummer hinterlegen muss. Um Fahrkarten kaufen zu können, muss man anschließend erst einmal 156 Kronen an den Verkehrsverbund zahlen, der das dem Kundenkonto zuordnet.

Eine Browserversion gibt es übrigens nicht. Bei der ČD und bei Regiojet kann man online ganz einfach und unkompliziert unangemeldet buchen.

Das ist schon für Tschechen nicht sonderlich attraktiv, aber Ausländer haben wahrscheinlich noch größere Probleme. Bei der ČD funktioniert der Kauf durch Ausländer problemlos, nur Kunden aus Deutschland haben unter Umständen ein Problem, weil diese leider noch immer viel zu oft keine onlinefähigen Debitkarten haben, aber dafür kann die ČD nichts. Bei Regiojet funktioniert es im Prinzip auch problemlos, wenn auch Debitkarten meiner österreichischen Hausbank generell nicht funktionieren dürften und es äußerst ungewöhnlich ist, zwar Giropay, aber kein EPS anzubieten.

Bei Poseidon hingegen steht nirgendwo, ob und welche ausländischen Karten akzeptiert werden. Laut Handbuch kann man auch per Überweisung zahlen, aber auf einem Screenshot des Handbuches sieht man, dass da kein IBAN, sondern eine Inlandskontonummer angegeben ist. Ich hoffe, der App nicht unrecht zu tun, aber die verpflichtende Eingabe einer Telefonnummer lässt auch Schlimmes befürchten, was Auslandskompatibilität angeht.

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