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Guten Abend, liebe Gemeinde!

Es ist soweit, brechen wir auf zur großen Sommertour durch Polen, bei typischem mitteleuropäischem Sommerwetter! An jedem Tag gab es Wolken, manchmal Regen, und immer Überraschungen. Die Tour führt uns durch Masuren, Podlachien, am Rande von Mazowieckie vorbei in die Wojewodschaft Lublin, von dort über Kleinpolen nach Schlesien, und schließlich zum Ausklang nach Niederschlesien.

Mehr wird nicht verraten, damit es spannend bleibt. Die Karte zeigt die Region, in der wir uns am 1. Tag, dem 5. August 2019 aufhalten werden.

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1. Die Tour beginnt mit Regen, na toll! Für ne Weile geht´s aber unter dem Regenschirm, und es sollte auch nicht so bleiben. In Stare Pole hat EN57AL-1464 Ausfahrt Richtung Gdynia Chylonia. Rechts der örtliche Kohlenhändler.

https://abload.de/img/19d0196skk21.jpg

2. Es gibt inzwischen eine verwirrende Vielzahl an modernisierten EN57-Varianten, neben den EN57-20xx versteht sich. Es gibt sie als AL, AP, FPS und AKŚ. Im Bild rollt EN57AP-1507 von Gdynia als R 50600 heran am Stellwerk von Stare Pole vorbei.

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3. Der vor Kurzem noch existente Schrankenposten bei Fiszewo ist ebenso Vergangenheit wie der Bahnübergang selbst. Nicht weit davon rollt die Einheit aus Bild 2 mit EN57AP-1618 voran als R 50631 zurück Richtung Dreistadt. Wie man sieht hat das Gleis Elbląg - Malbork neue Oberleitungsmasten erhalten und wird wegen noch andauernder Bauarbeiten nicht befahren.

https://abload.de/img/19d019811kax.jpg

4. Nun endlich ein klassisches Fahrzeug, der EN71-014, der im Umlauf zwischen Gdynia Chylonia und Elbląg als R 50602 mitläuft, ebenfalls zwischen Stare Pole und Fiszewo. Wer hat sich bloß diese grau-schwarze Lackierung mit roten Türen ausgedacht? Die SBB verwenden interessanterweise dasselbe Farbschema.

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5. Unter einem heftigen Schauer hindurch fahre ich zum Bahnhof Elbląg, wo man vor Kurzem eine neue Straßenbrücke über den westlichen Bahnhofskopf errichtet hat, um den stauanfälligen Bahnübergang auflassen zu können. Für den Fußgängerverkehr existiert dieser allerdings nach wie vor. Die Brücke macht es nun nicht mehr möglich, den alten Wasserturm zusammen mit den Hallen der ehemaligen Schichau-Lokomotivfabrik zu fotografieren. Dafür kann ich theoretisch am äußersten Ende von Peron 3 trocken unter der Brücke stehen und einfahrende Züge von Malbork ablichten. Zunächst aber stehe ich im Schutz des Regenschirms auf der Brücke und befasse mich mit EP07-1004, die mit IC 58103 ŻUŁAWY (Olsztyn Gł. - Szczecin Gł.) - auch der inzwischen kein TLK mehr - eingetroffen ist. Ein nicht standesgemäßer Wagen läuft an erster Stelle noch mit. Die Lok sieht aus wie aus dem Ei gepellt und kommt anscheinend frisch aus der Revision.

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6. Nun stehe ich unter der Brücke, aber es hat aufgehört zu regnen, so dass ich das „Dach“ eigentlich nicht brauche. Impuls EN90-001 trifft als R 85200 von Słupsk ein und beendet seine Fahrt hier. Das polygonal liegende Gleis links wird natürlich auch noch befahren. Links das alte Stellwerk, das „neue“, das vermutlich aus den 1930er Jahren stammt, steht weiter links in der Kurve. Die alten Hallen sind teilweise noch vorhanden, aber das Areal wird als Einkaufszentrum und Lagerfläche genutzt.

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7. Etwas lieber als der moderne Triebwagen ist mir EP07-1031, die mit TLK 53106 BRANICKI (Gdynia Gł. - Kraków Gł.) eintrifft und hier erst einen kleinen Teil ihrer Reise hinter sich hat. Diesen Zug werden wir in den kommenden Beiträgen noch mehrere Male zu Gesicht bekommen.

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8. Gleicher Tag? Ja doch! Ich fahre auf die alte, ehemalige Reichsautobahn Richtung Kaliningrad und verlasse diese wieder in Braniewo Południe. Dieser Autobahnabschnitt ist durchaus sehenswert, nicht nur wegen der ursprünglichen Linienführung, sondern auch wegen der alten Brücken, die fast ausnahmslos noch original sind. Braniewo selbst lasse ich links liegen und fahre zum Bahnübergang bei Zgoda, um nach dem Güterzug aus Russland Ausschau zu halten. Eine Beamtin der Grenzpolizei spricht mich an, fragt nach Warum, Woher und Wohin, lässt sich meinen Ausweis zeigen, telefoniert anschließend mit dem Bahnhof in Braniewo und verkündet mir dann, dass der Güterzug in ca. 1 Stunde kommen würde. Nach 45 Minuten war es soweit und die 2M62U-0272 brodelt mit einer langen Wagenschlange mit nicht mehr als 30 km/h an mir vorbei. Die Kohlenwagen am Schluss des Zuges laufen irgendwann mal nach Chruściel, doch dazu gleich mehr.

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9. Selbstverständlich laufe ich in Braniewo nicht einfach im Güterbahnhof herum, aber man sieht auch vom Bahnübergang und vom Bahnsteig aus ganz gut, was abgeht, nämlich nichts. Der russische Güterzug ist eingetroffen, und damit ist dort erstmal Sendepause. Weiter vorne steht DB Schenker 66163 mit einem Arbeitszug, aber still und ohne Personal. Hinter ihr ist noch die typische Front einer ST48 auszumachen.

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10. Der Sonnenstand passt für ein Bild des schönen Empfangsgebäudes von Braniewo, das irgendjemand vor geraumer Zeit mit einem gläsernen Schandfleck erweitert hat.

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11. Ganz außen am Peron 3 steht SA106-008 herum, der bis 14:40 Uhr arbeitslos sein wird, um dann als R 95912 nach Olsztyn zu entschwinden.

https://abload.de/img/19d0209poky5.jpg

12. Ein Pfiff weckt Hoffnungen, aber es ist nur ein Arbeitswagen von PLK, der von Dobre Miasto kommend ins Bw einrückt. PLK bereitet derzeit die Instandsetzung der Linie 221 vor.

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13. Da sich sonst gar nichts bewegt rücke ich aus nach Chruściel, und entdecke dort immerhin die Breitspur-Tamara TEM2-216. An ihr wird gewerkelt, und sie wird sich vermutlich auch deswegen während meiner Anwesenheit nicht vom Fleck bewegen. Wenn ich mich richtig entsinne sind alle drei Gleise, die hier zu sehen sind, Breitspurgleise.

https://abload.de/img/19d0211p5jvj.jpg

14. Das ehemalige Empfangsgebäude hat man seines Aufsichtsanbaues beraubt, um ein mehrspuriges Gleispaket in kühnem Schwung daran vorbei zu legen. Es endet in einer niegelnagelneuen Fahrzeughalle.

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15. An dem im vorherigen Bild sichtbaren Gebäude der ehemaligen Güterabfertigung ist der frühere Name Tiedmannsdorf schon wieder ganz gut zu lesen.

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16. Den nördlichen Bahnhofskopf mit dem Stellwerk Ch1 will ich Euch nicht vorenthalten. Hier hätte ich gerne mal einen Güterzug fotografiert, aber allzu viel verkehrt leider nicht. Links und Mitte die Normalspurgleise, das ganz rechte sowie das von rechts kreuzende Gleis sind Breitspurgleise.

https://abload.de/img/19d0215wwkwp.jpg

17. Hier sehen wir nun das Ziel der mit dem Güterzug aus Bild 8 herangebrachten E-Wagen, nämlich dieser Kohlenhändler am Bahnhof Chruściel, der sowohl normal- als auch breitspurige Gleise besitzt. Als Rangiergerät wird übrigens der betriebseigene Radlader verwendet.

https://abload.de/img/19d0216snju4.jpg

18. Nachdem rund 2 Stunden später immer noch nichts passiert ist rücke ich ab und fahre über Bartoszyce Richtung Kętrzyn. Ganz bis dahin schaffe ich es nicht mehr, was aber auch nicht schlimm ist, denn sonst hätte ich dieses schöne Motiv zwischen Linkowo und Tołkiny nicht gefunden. Und da ist er auch schon wieder der BRANICKI, diesmal im Laufweg Kraków - Gdynia. SU160-005 wird die ganze Woche hier Dienst tun und anscheinend auch allein auf weiter Flur agieren. Was machen die bloß, wenn das Teil mal den Geist aufgibt?

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19. Noch weiß ich nicht, dass sich zu den 3 Fernzug- und 5 Regiopaaren nochmals mindestens ebenso viele Güterzüge gesellen. Und Giżycko wird in flottem Tempo durchfahren, so dass ich kaum Zeit habe, eine passende Stelle für 285 129 mit ihrem kurzen Kesselwagenzug zu finden, der Richtung Korsze durchfährt. Zu allem Überfluss wird der Zug auch noch Opfer eines Wolkenschadens.

https://abload.de/img/19d0218bpklu.jpg

20. Ein Hai muss auch sein, und auch hier ist nur SA139-024 im Umlauf 90811-90802-90817-90806 unterwegs. Nicht auszudenken, wenn der defekt wird 😉 Hier nun der Klassiker von der Fußgängerbrücke mit der Gesamtansicht des Bahnhofs Giżycko und dem R 90817 (Ełk - Olsztyn). Unter lautem Getröte fordert er die zahlreichen Badegäste am nahen Bahnübergang auf, zu verschwinden, damit sie nicht gefressen werden.

https://abload.de/img/19d0219l4kun.jpg

21. Im Zusammenhang mit dem IC 41104 MAMRY, an diesem Montag von Katowice nach Białystok, muss einmal gesagt werden, dass die meisten Fernzüge lichttechnisch ungünstig verkehren. Hinzu kommt noch, dass in diesem Sommer erstmalig nach Jahrzehnten der Posejdon nicht mit von der Partie ist, so dass es keine Nachtzugverbindungen nach Masuren mehr gibt. Im Mamry war an dem Tag der Wurm drin, denn 754 025 brachte ihn mit satten 195 Minuten Verspätung nach Giżycko. Da die 754er auch die benachbarte Strecke nach Suwałki bedienen sind drei Maschinen im Einsatz, die auch fleißig durchgetauscht werden. Der ehemalige Lokschuppen rechts dient PLK zum Unterstellen von Arbeitsgerät, z.B. in Form von Schwerkleinwagen.

Nach diesem Foto bin ich zeitig schlafen gegangen. Ich hoffe es hat bis hierher gefallen. Demnächst geht´s weiter mit Tag 2.

Einen schönen Abend wünscht

Heiko
Der Wedeler!

DSO-Beitragsverzeichnis

Abellio Polska? ;-)

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 17.08.19 21:32

Moin Heiko,

besten Dank. Da reise ich doch gerne mit

der Wedeler schrieb:
Wer hat sich bloß diese grau-schwarze Lackierung mit roten Türen ausgedacht? Die SBB verwenden interessanterweise dasselbe Farbschema.

Das bezieht sich auf die Bilder 2 bis 4. Ich musste da spontan an Abellio denken... Deren Züge sehen fabrlich ziemlich ähnlich aus. Wer weiß, vielleicht tritt das Unternehmen auch mal in Polen an.

Viele Grüße
Sören

der Wedeler schrieb:
Und da ist er auch schon wieder der BRANICKI, diesmal im Laufweg Kraków - Gdynia. SU160-005 wird die ganze Woche hier Dienst tun und anscheinend auch allein auf weiter Flur agieren. Was machen die bloß, wenn das Teil mal den Geist aufgibt?

Entweder ne Turbostonka da hoch schicken oder was von PKP-Cargo mieten, wie immer. :-P

In Szczecin zog letzte Woche sogar eine Stonka eines privaten EVUs mit rot-schwarzem Lack einen TLK, konnte aber leider das EVU nicht erkennen.
Ein wunderbarer Reisebericht, der auf jeden Fall Appetit auf die weiteren Folgen macht. Lesenswert sind auch die Bildtexte mit den Begebenheiten am Rande. Vielen Dank für die Mühe!

Dirk

"Örtlicher Kohlehändler" :-)

geschrieben von: Streckenrangierbezirk

Datum: 19.08.19 10:58

Hallo Heiko,


danke für Deinen Bericht, wo ich viel Altbekanntes "neu verpackt und/oder lackiert" entdecken konnte. Die von Dir bereiste Gegend östlich der Weichsel bis hoch zur russischen Grenze ist einfach reizvoll.

Über den Begriff "örtlicher Kohlehändler" mußte ich etwas schmunzeln, weil ich dabei in erster Linie eine Butze vermute, die ein, zwei Wagen Kohle am Tag bekommt, welche fein säuberlich mit einem T174-Bagger entladen und auf nen Pritschen-Jelcz verteilt wird.
Tatsächlich steckt eine recht große Firma (ENERGO Sp. z.o.o.) dahinter, welche an mehreren Standorten in Polen die Feinverteilung bzw. Durchmischung insbesondere sibirischer Kohle vornimmt. In Chruściel gelangen zunächst die Breitspurwagen auf das Gelände der Firma BARTEX Sp. z.o.o.. Sie wird dort nach Körnung und Energiegehalt sortiert und weiterverkauft. Ein Teil geht an die Firma ENERGO, welche die Kohle u.a. in Ea-Ganzzügen empfängt. Hierbei handelt es sich oft um Kirchturmleistungen. Die kürzeste Verbindung führt nur ins benachbarte Młynary, wo die Wagen schon wieder entladen oder umgeladen werden. Stare Pole ist hingegen schon mehr als ein Steinwurf entfernt und doch vergleichsweise nah. Eine ähnliche "Nahverkehrsleistung" besteht übrigens zwischen Siemianówka und Bielsk Podlaski.
Auch wird Deutschland von Chruściel versorgt. Entweder nach Entladung der Züge an der westpolnischen Grenze und weiter per LKW. Oder direkt mit Ganzzügen.


Grüße vom SRB

Kohlehändler in CHRUSCIEL

geschrieben von: globetrotter7

Datum: 20.08.19 16:29

Das finde ich sehr interessant, einfach umwerfend:

Sibirische Kohle kommt auf Breitspur-Gleisen bis in ein Dorf nach Ostpreussen
und wird dann nach Deutschland weiter verteilt.

ULI

Ist polnische Kohle aus Schlesien nicht billiger ?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.08.19 21:32.
Dass diese Gegend sehr reizvoll ist, dem kann ich zustimmen: landschaftlich und historisch,
Bernsteinküste und Strände mit Dünen, Hügel- und Seenlandschaft (Endmoräne der letzten Eiszeit).
Ich bin in Pommern geboren (1942) und aufgewachsen in Schleswig-Holstein,
fühle mich auch Ostpreussen (polnisch und russischer Teil) und dem Baltikum verbunden,
den Hansestädten Hamburg und Lübeck über Rostock, Greifswald und Danzig bis Tallin.

1975 war ich zum ersten Mal in dieser Gegend,
zusammen mit einem Amerikaner, der die Trümmer aus dem Weltkrieg II in Danzig
mit Begeisterung fotografierte,
dann auf der "Reichsautobahn" weiter Richtung Königsberg
bis zum Ende, wo Trümmer einer Brücke über den Fluss Passarge lagen,
nach Braniewo und weiter auf der "Fernstrasse 1" (Köln - Berlin - Königsberg),
asphaltiert und mit Baumalleen, wie in alten Zeiten,
bis zur russischen Grenze (damals noch kein Grenzübergang).

Dort ein Schlagbaum in rot/weiss (polnisch) und ein Schlagbaum in grün/rot (russisch).
Dazwischen ein Strich über den Asphalt in roter Farbe (aber niemand sichtbar).
Das reizte mich und wir hatten noch eine Flasche Wein dabei.
Wir setzten uns auf den Strich, ich linke Arschbacke polnisch, rechte russisch,
und prosteten mit dem Wein.
Das war mein Grenzerlebnis.

ULI



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.08.19 23:33.
Moin Uli,

höchst interessant, aber vom Sitzen auf dem Grenzstrich würde ich heute dringend abraten.

Die ehemalige F1, die ja auch heute noch existiert, ist zwischen Berlin und Elbing immer noch im Wesentlichen eine Chaussee mit durchgängig vorhandenen Alleebäumen, sofern keine Umgehungsstraßen gebaut wurden.

Leider wird derzeit der noch originale Pflasterbelag an der Westzufahrt zur Weichselbrücke rausgerissen.

Grüße
Heiko