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Litbelanied-Tour (Juni 2019): 1. Anreise bis Warschau mit Hindernissen
Litbelanied-Tour (Juni 2019): 2. Von Warschau nach Vilnius zur Pride

Was den Belarus-Besuch betrifft bedeutete diese Reise Neuland für mich. Meine Ursprungsidee war eigentlich, mit dem Zug am Dienstag Nachmittag nach Minsk zu fahren, dort eine Nacht zu verbringen und dann mit dem Nachtzug von Mittwoch auf Donnerstag nach Warschau zu fahren. Dafür hätte ich eine Eintrittskarte der European Games genutzt. An sich eine Supersache, dass man vom 10. Juni bis 10. Juli ohne Visum nach Belarus einreisen konnte. Da die Spiele aber nur vom 21. - 30. Juni stattfinden sollten, und ich am 13. Juni das Land wieder verlassen wollte, war mir dieses Ausnutzen dieser Regelung doch ein bisschen heikel, insbesondere weil ich weder Russisch noch Belarussisch sprech.

Also beschloss ich stattdessen Plan B und suchte mir über diese Website ein Reisebüro in Grodno. Für diejenigen, die das nicht wissen: Der Hintergrund ist der, dass zur Tourismusförderung die Gebiete um Grodno und um Brest herum ohne Visum besucht werden können, sofern man touristische Dienstleistungen bei einem Reiseveranstalter bucht. Dieser stellt dann ein Dokument aus, das zum Eintritt berechtigt. Ich frug dann an, ob es möglich wäre, einen Großteil der Reise selbst zu organisieren, sprich ob die touristische Dienstleistung eher gering ausfallen kann. Daraufhin bekam ich ein Angebot für 8€, was ich sehr fair fand. Das Paket beinhaltete eine Stadtführung bzw. eine Taxifahrt (genaues weiß ich nicht, da ich die Leistung nicht explizit erhielt) und einen Museumseintritt. An sich war Grodno wahrscheinlich eh eine gute Wahl, da eine nicht so riesige Stadt für einen Erstbesuch im Land sicher angenehmer ist im Vergleich zu einer großen Stadt wie Minsk. Das einzige Manko war, dass ich von Vilnius nach Grodno den Bus nehmen musste.

Zusätzlich stellte ich dann auf Couchsurfing eine offene Anfrage, ob denn jemand ein bisschen Zeit mit mir verbringen wollen würde, um mir die Stadt zu zeigen. Natürlich wäre ich auch über einen Schlafplatz froh, aber meine Priorität lag definitiv eher darauf, jemand Einheimisches kennen zu lernen. Überraschend bald schrieb mir eine Frau, T., sie könne mich beherbergen und rumführen, denn sie habe sowieso einen ziemlich freien Zeitplan. Dieses Angebot nahm ich sehr gerne an, und es folgten im Laufe der Zeit sogar noch 2 oder 3 weitere Übernachtungs-Angebote, die ich aber ablehnte.

In den 1,5 Tagen legte ich also diese Route zurück.
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Von Vilnius (5) gings über Grodno (6) nach Warschau (7).

Meine Abfahrt in Vilnius war einigermaßen pünktlich um 15:20 mit einem Bus, der über Druskininkai und Grodno nach Brest fahren sollte.
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Dieses Busticket ist natürlich wenig spektakulär, da ist das Ticket für die Einzelfahrt mit dem lokalen Bus in Vilnius doch viel schöner.

Ebenso war die Busfahrt wieder mal bei weitem nicht so schön wie die Zugfahrt, auch wenn der Bus klimatisiert war.
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Dafür war das Wetter gut und wir fuhren in der Nähe von Vilnius an typischen großen Feldern vorbei.
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Sowas ist ja für uns Süddeutsche immer relativ ungewohnt.

Später kamen dann hübsche Seen und Wälder hinzu.
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Am Busbahnhof des Kurortes Druskininkai machten wir eine kurze Pause, und weitere Fahrgäste stiegen zu.
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Viel Betrieb war hier auch nicht.
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Kurz vor der Grenze stieg meine Aufregung etwas.
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Die Autos kamen natürlich etwas schneller durch als wir.
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Für die Ausreise aus Litauen mussten wir alle aussteigen, um das eine Kontrollgebäude rum und auf der anderen Seite den Pass hineingeben. Dieser wurde dann elektronisch registriert. Bei etwa 30 Leuten dauerte das eine Weile. Die meisten andern Reisenden schienen übrigens aus Belarus zu kommen, hatten wirklich viele Stempel im Pass und bekamen auch einen neuen dazu. Als EU-Bürger gabs für mich hier jedoch keinen Ausreisestempel. Aber was dann richtig doof war: als alle Pässe eingescannt waren ist der Computer abgestürzt, und das ganze Prozedere musste wiederholt werden. *nerv* Zusätzlich holte uns dann der Kleinbus ein, der um 16h in Vilnius losfährt und nur bis Grodno fährt. Vielleicht wäre die Reise mit diesem insgesamt schneller gewesen - auf dem Papier sollte jedoch meiner eine kürzere Fahrtzeit haben.

Nachdem das viel zu lange gedauert hatte, und ich meiner Gastgeberin, die am Busbahnhof auf mich warten wollte, noch eine letzte Innerhalb-der-EU-Nachricht schicken konnte, dass wir einiges an Verspätung haben, ging es weiter zur belarussischen Einreise. Hier war der Prozess ungleich komplizierter: wir mussten sämliches Gepäck aus dem Bus nehmen, und damit in ein Gebäude reingehen. Vor dem Gebäude standen aber nette, junge Leute mit T-Shirts von den European Games, die mich gleich ansprachen, ob ich denn deswegen einreisen würde. In diesem Falle würden sie mir bei den Einreiseformalitäten behilflich sein. Als ich das verneinte wollte einer gerne ein bisschen weiterquatschen, während seine Freundin meinte, er solle mich doch bitte in Ruhe lassen.

Ich war so ziemlich der Letzte aus dem Bus, kam aber noch mit anderen Mitreisenden etwas ins Gespräch. Die fanden es auch alle ganz toll, dass ich in ihr Land reise. Am Schalter musste ich dann dem Beamten mit einer viel zu großen Mütze meinen Pass sowie das Formular des Reiseveranstalters vorlegen. Außerdem stellte er mir in ganz passablem Englisch ein paar Fragen, u.a. ob es mein erster Besuch in Belarus sei und ob ich Leute in Grodno kennen würde, was ich halbwahr verneinte - schließlich kannte ich T. ja noch nicht wirklich. Nach meiner finanziellen Situation wurde ich nicht gefragt, aber ob ich denn eine Krankenversicherung für Belarus hätte. Dafür hatte ich mir vorab eine Bestätigung meiner Auslandskrankenversicherung geholt. Dem Beamten reichte jedoch mein einfaches "ja". Daraufhin gabs den Einreisestempel.

Das Prozedere war aber noch nicht vorbei: ich musste nämlich noch mein Gepäck durchleuchten lassen, denn es gibt ja einige Dinge, die man nach Belarus nicht einführen darf. Allgemein dürfen auch nicht so viele Waren eingeführt werden, das Gepäck darf meines Wissens - aber korrigiert mich bitte - nicht schwerer als 25kg sein. Aber auch dieser Prüfung hielt mein Gepäck stand.

Zurück im Bus bekam ich dann einen mittelschweren Schock: ich fand ums Verrecken den Einreisestempel nicht in meinem Pass, blätterte ihn bestimmt 5 mal durch, aber sah ihn einfach nicht. Die Panik wurde größer, wollte ich doch bei der Ausreise keine Probleme bekommen. Aber das kann doch nicht sein, ich hab den Prozess des Stempelns ja sogar gesehn. Dann die Erleichterung: er war auf der allerletzten Seite. Das Stempelkissen muss sehr wenig Farbe gehabt haben und außerdem hob sich das Rosa zusätzlich nur wenig von dem Hintergrund-Rosa des Passes ab. Puh...

Nach ca. 30min Fahrt durch nette belarussische Landschaft erreichten wir schon Grodno. Der Bus hielt zwar im Norden, wo meine Gastgeberin wohnen sollte, aber ich fuhr weiter, denn wir hatten ja ausgemacht, dass wir uns am Busbahnhof träfen. Also gabs noch eine kleine Stadtrundfahrt, wo wir an diesem schönen Gebäude vorbeikamen.
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Am Busbahnhof erkannte ich T. anhand ihres Bildes ohne Probleme. Der erste Schritt war dann der Gang zum Geldautomat, da Kartenzahlung nicht allzu verbreitet ist. Der zweite führte uns dann per Taxi zum Bahnhof. Dort suchten wir die Gepäckaufbewahrung, was etwas dauerte, denn T. erzählte mir, sie würde so gut wie nie mit der Bahn fahren, dementsprechend kannte sie sich im Bahnhof auch nicht aus. Falls ihr die Gepäckaufbewahrung mal sucht: ganz am nordöstlichen Ende des Bahnhofsgebäude, ums Eck herum. Und zwar im ersten Stock also auf Bahnsteigebene. Der Eingang vom Vorplatz ist hingegen eine Ebene tiefer.
Dort konnte ich dann für relativ wenig Geld (ich meine 2 oder 3 Rubel, 1 Rubel = 0,44€) mein großes Gepäck für 24h lassen, für eine Nacht und einen Tag reichte mir schließlich der kleinere Rucksack. Es gab zwar auch Schließfächer, aber ich sollte meinen Rucksack einfach in ein Regal in einem absperrbaren Bereich legen.

Danach beschlossen wir in Richtung Stadtzentrum zu laufen. Auch solche Gebäude haben für mich einen gewissen Charme.
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Aber auch die Auferstehungskathedrale (Пакроўскі кафедральны сабор, Pokrovsky Kathedrale oder Kathedrale der Fürsprache der allheiligen Gottesgebärerin - man findet wohl viele Namen im Netz) hat was für sich.
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Direkt nebendran befindet sich noch eine deutlich kleinere Kirche.
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Dieses monumentale Wandmosaik fand ich auch sehr beeindruckend.
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In der Fußgängerzone wechseln sich alte und neue Häuser ab.
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Ganz in der Nähe wohnte eine Freundin von T., S.. Bei ihr solle ich doch für den Abend meinen kleineren Rucksack lassen. Da auch dieser dank Laptop nicht ganz leicht war, nahm ich das Angebot gerne an.

In der Stadt fand auch ein kleines Essensfestival statt, wobei T. angeregt hatte, dieses zu besuchen. Dort könne man für 8€ relativ viele verschiedene Dinge in einem der teilnehmenden Restaurants ausprobieren. Man müsse aber vorher reservieren, da das Kontingent begrenzt sei. Da ich im Vorfeld Interesse angemeldet hatte, reservierte sie ein Menü für mich, wobei ich meinte, ich hätte gerne etwas, das nicht nur Fleisch beinhaltet und das möglichst belarussisch ist. Es waren nämlich auch viele internationale Restaurants dabei, die dann z.B. ein italienisches Menü anboten, aber das kann ich ja zu Hause auch haben. Somit fiel die Wahl auf das Restaurant Belostok, das - wie ich gerade gesehn hab - nur eine mäßige Bewertung in Tripadvisor hat.

Ich war aber dennoch zufrieden, obwohl es im Restaurant relativ heiß und stickig war. Darüber, dass ich ein Weißbier bekam, will ich auch mal wohlwollend hinwegsehen. Denn da war wohl eher die Sprachbarriere das Problem. Ich wollte nämlich ein belarussisches Bier und mir konnte keiner wirklich erklären, welches Bier welche Sorte war, also nahm ich einfach irgendeines. Als Vorspeise teilten wir uns eine leckere, kalte Suppe. T. nahm dann als Hauptspeise typische Kartoffelpuffer - oder auch Baggers wie man bei uns in Franken sagen würde. Diese waren auch auf meiner Platte dabei.
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Zusätzlich ein Paté-Toast, eine Schnecke, ein überaus leckeres Schweinefilet, Krautsalat, Gurken und Knoblauch. Das war so viel, dass ich auch T. davon noch was abgeben konnte.

Auch der Nachtisch, pochierte Birne, war nicht schlecht.
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Nach dem Essen führte mich T. zu einem Aufzug, mit dem wir auf das Dach eines Gebäudes hochfahren konnte, wobei sich oben eine Roof-Top-Bar befand.
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Unser Ziel war aber hauptsächlich die Aussicht.
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Prominent in der Bildmitte müsste die römisch-katholische Franz-Xaver-Kathedrale sein. Überhaupt kam mir Grodno schon ziemlich multichristlich vor. ;-)

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Das mit dem geschwungenen Dach in der Bildmitte müsste ein Theater sein.

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In Richtung des Stadions war der Himmel schon ziemlich rot eingefärbt.

Danach gings weiter die Fußgängerzone entlang in Richtung Süden, vorbei am Kino.
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Auf Höhe der Franz-Xaver-Kathedrale stieß dann S. wieder zu uns dazu.
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Am Südende des Platzes wartete ein Panzer T-34 darauf, fotografiert zu werden.
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Neben dran steht das Drama-Theater.
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Und der Mond ist auch schon aufgegangen.

Aus der anderen Richtung.
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Beim Hollywood-... äh... Grodno-Schriftzug ließ ich mich dann auch mal fotografieren.
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Nicht weit weg vom Fluss Neman liegt eine ehemalige Brauerei.
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Laut T., die sich vor ein paar Jahren als Fotografin selbstständig gemacht hat, ist das auch ein schöner Ort, um interessante Fotos zu machen. Da würde ich definitiv zustimmen. Überhaupt reist T. relativ oft ins EU-Ausland, teilweise auch für den einen oder anderen Auftrag: wie viele andere Leute aus Belarus hat sie ein Schengenvisum für einen gewissen Zeitraum mit einer unbegrenzten Zahl von Einreisen. Das nutzt sie natürlich auch gerne aus. Nebenbei war es laut ihrer Aussage nicht besonders schwierig, an dieses Visum zu kommen, einzig und allein etwas Wartezeit war erforderlich.

Gewollte "Graffiti" auf städtischen Mauern.
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Abendstimmung am Neman.
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Die Lichter spiegeln sich im Fluss.
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Zwischen altem und neuen Schloss gingen wir wieder nach oben, und kamen am Turm der Feuerwache raus.
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Und der Rest des Abends: S. war, obwohl in der Couchsurfing-Community recht aktiv, eher schweigsam. Das lag aber auch daran, dass sie sich nicht so wirklich traute Englisch zu sprechen. Stattdessen redete sie gerne mit T. auf Russisch (und nicht Belarussisch, wie mir T. erklärte, denn das sei ja die Sprache der alten Leute). Auf jeden Fall war dann noch der Partner von S., P. aus Litauen, angereist, und somit gingen wir zu viert nochmal in ein Restaurant. Dort schauten T. und ich den andern Beiden beim Essen zu, wobei wir immerhin Drinks zu uns nahmen. Und ich kam auch an diesem Abend nochmal unverhofft auf meine Portion Litauisch, während T. und S. miteinander Russisch redeten. Etwas eigentümlich fand ich die Kommunikationsart von S. und P.: sie redete immer auf Russisch und er auf Englisch, beide verstanden sich wohl, hatten aber keine gemeinsame Sprache zum Sprechen.

T. berichtete mir dann außerdem noch, dass sich Grodno in den letzten Jahren stark gewandet hat: während es vor wenigen Jahren noch gar keine Bars und Restaurants gibt, hat man jetzt wirklich viele verschiedene Möglichkeiten, gut auszugehen. Das sei wohl dem geschuldet, dass seit der Einführung der visafreien Einreise deutlich mehr Touristen in die Gegend kommen. Dennoch müsse man wohl gute Beziehungen haben, um eine Lokalität eröffnen zu dürfen.

Nach dem netten Abend fuhren wir zu T. nach Hause, wo ich sogar ein eigenes Schlafzimmer bekam, eigentlich ziemlich luxuriös für Couchsurfing. :-)

Am nächsten Morgen stand ich gemütlich so gegen 9h auf, und startete mit einem Panoramabild vom Küchenbalkon aus.
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In die andere Richtung waren auch Hochhäuser zu sehn, und eine winzige Kirche.
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Diese wird aber höchstwahrscheinlich auch bald Hochhäusern weichen müssen, meinte T. zumindest. Überhaupt würden in der Stadt sehr viele kleine Häuser zu Gunsten größerer Häuser abgerissen.

Zum Frühstücken schlug T. vor, an den Stadtrand zu fahren, dort gäbe es ein kleines Schloss, das Kronon Park Hotel, mit fabelhaftem Essen. Trotz der Hitze konnte man gemütlich auf der Veranda sitzen.
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Für rund 8€ hatten wir jeweils sehr leckere Quarkpfannkuchen sowie Tee.
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Ein Filmteam war auch anwesend.
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Und im Brunnen wurden Schildkröten gehalten.
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Gut gesättigt liefen wir durch den umliegenden Wald.
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Unser Ziel war der Stadtstrand am Neman, wo wir auch baden gingen.
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Ein wirklich nettes Fleckchen.
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Das Wasser war wunderbar warm, und für Kinder gab es sogar einen abgezäunten Bereich im Wasser. Selbst am Morgen war dieses Fleckchen schon gut besucht, und je später am Tag, desto voller wird es wohl in der Regel. Besonders wenn die Temperatur vormittags schon deutlich über 30°C beträgt. Leider konnten wir nicht allzu lange bleiben, da ich auch noch etwas von der Stadt sehen wollte, und um kurz nach 14h schon wieder am Bahnhof sein sollte.

Also liefen wir etwas umwegig in Richtung Stadtzentrum, teilweise an kleinen Häusern vorbei, deren Tage auch möglicherweise gezählt sind.
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Auf dem Weg zur Kirche der Heiligen Boris und Gleb konnten wir verschiedene Skulpturen im Park sehen.
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Die Kirche wurde schon im 12. Jahrhundert gebaut, und ist das älteste noch existierende Bauwerk in Grodno.
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Besonders gut haben wir mir die farbigen Steinkreuze in der Wand gefallen.

Die Kirche ist in die Tentativliste des UNESCO-Welterbes aufgenommen und auch von innen recht schön.
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Allerdings kommen wirklich viele Touristen dorthin.

Leider beginnt der Hang unterhalb der Kirche in Richtung Neman abzurutschen, weshalb die Südseite der Kirche nicht mehr existiert. Stattdessen hat man ein Holzkonstrukt errichtet.
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Über eine Brücke gings zurück ins Stadtzentrum.
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Eigentlich sollte laut Karte dort unten ein Fluss fließen, ich hab aber kein Wasser gesehn.
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Danach schauten wir mal kurz in die Große Synagoge.
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Sie ist 1991, nachdem sie fast 50 Jahre als Lager genutzt wurde, wieder an die jüdische Gemeinde zurückgegeben worden.

Ein heroisches Bild an der Feuerwache.
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Das Alte Schloss wird auch grad renoviert.
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Für das Neue Schloss hatte ich eigentlich die Eintrittskarte, aber es war echt zu heiß für Museum, und so ganz schnell durchhetzen wollte ich auch net.
https://abload.de/img/img_2926cqk1o.jpg Stattdessen gönnten wir uns noch einen Frappé in die Hand.

Ich vermute: Sovetskaya Platz.
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Tagsüber konnte man auch in die Franz-Xaver-Kathedrale reingehn.
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Davon gibts aber keine Bilder, auch nicht vom liebevoll gestalteten Apothekermuseum. Dieses war so klein, dass ein Besuch zeitlich gut möglich war.

Danach gings noch kurz in nen Supermarkt, ein paar Essenssouvenirs kaufen. Auf dem Weg zum Bahnhof kamen wir noch an einer Lenin-Statue vorbei.
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Während Druskininkai nur auf kyrillisch angeschrieben war, hat man für Białystok beide Schreibweisen angebracht.
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Das Bahnhofsgebäude von Grodno ist schon ganz schön massiv.
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Wirkt irgendwie abweisend, find ich.
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Beim Gepäckabholen musste ich den zweiten Teil des Aufbewahrungspreises zahlen, aber auch das war schnell erledigt. Die Verabschiedung von T. war kurz aber herzlich, und die Ausreisekontrolle vergleichsweise unkompliziert. Da man aber spätestens 60min vor Zugabfahrt in der Schlange stehen sollte, und die Kontrolle nicht lang dauerte musste ich noch ziemlich lange im vollen, heißen, und stickigen Wartebereich ausharren.
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Immerhin gab es WLan. Überhaupt hatte ich an relativ vielen Orten in Grodno Internet zur Verfügung, so dass nahezu durchgehend Kommunikation mit der Außenwelt möglich war. ;-)

Ca. 10 Minuten vor Abfahrt wurden die Außentore zum Bahnsteig von wichtig aussehenden Männern geschlossen. Das Ganze lief schon ziemlich militärisch ab. Als nur noch wenige Minuten bis zur Zugabfahrt verblieben, wurde ich etwas unruhig - aber andererseits mussten ja auch alle Anderen, die warteten, in diesen Zug. Knapp 2 Minuten vor Abfahrt wurde dann unsere Türe nach außen auf den Bahnsteig geöffnet.

Auf dem Nachbarbahnsteig stand der Zug nach Gomel.
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Zugende.
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Ich hatte an sich im Großraum einen Wandfesterplatz zugewiesen bekommen.
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Viel blöder gehts ja nicht.

An dieser Stelle passt doch das Ticket samt Reservierung ganz gut hin.
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Leider war nicht mit so viel "Okno".

Eigentlich vergleichsweise teuer, wenn man überlegt, dass ich für Kostrzyn - Suwałki sogar weniger gezahlt hatte.
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Die Mitreisenden suchten sich auch ihre Plätze.
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Ich huschte auch mal kurz auf die andere Seite, um noch Bilder von dieser Seite des Bahnhofes zu machen.
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Ich war mir nicht mehr sicher, ob das Fotografieren am Bahnhof in Belarus überhaupt erlaubt ist, ich denke eher nicht. Aber im Zug, der ziemlich bald abfahren sollte, sah ich ein eher geringes Risiko dafür belangt zu werden.
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Steckdosen gabs auch im Wagen.
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Und die Mützen dieser Beamten waren gar nicht sooooo groß.

Adé, Grodno und Neman!
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Nachdem die Reihe hinter mir zunächst frei blieb, nahm ich lieber einen "echten" Fensterplatz.
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Somit konnte ich dann doch bequem aus dem Fenster gucken.
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Während ich also einfach nur träumend aus dem Fenster blickte - für viel anderes war dank der Hitze auch keine Energie da - hörte ich merkwürdige Geräusche hinter mir. Das war wohl irgendein Reißen von Tesa bzw. Klebeband. Ich drehte mich kurz um und sah nur, wie irgendwer ganz viele Klebestreifen abriss. Weitere "Mitreisende" liefen sobald kein Zugbegleiter im Wagen war in selbigem hin und her, machten an jeder freien Sitzreihe mal kurz halt, und öffneten die Mülleimer. Eine andere hatte gefühlt alle 10 Minuten etwas neues an. Da war mir dann klar - und man hätte es eigentlich im Vorfeld wissen können: es wird geschmuggelt.

Ein belarussisches Grenzgebäude, wobei hier irgendwie die Handykamerazeit durcheinander gekommen ist. Das kann aber auch an der Zeitverschiebung liegen.
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Die Grenze selbst ist gut gesichert.
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Der Grenzbahnhof Kuźnica Białostocka war auch schon mal weniger bewachsen.
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Hier stiegen auch die polnischen Grenzbeamten ein und frugen jeden Einzelnen, ob er denn was zu verzollen hätte. Im Gegensatz zu den weißrussischen Beamten, die passables Englisch konnten, wäre hier eine ausgiebigere Kommunikation wohl nur auf Polnisch oder Russisch bzw. evtl. Belarussisch möglich gewesen. Auch haderte ich ziemlich lange, ob ich was von der versteckten Schmuggelware sagen soll. Jedoch gab es in meinen Augen gute Gründe, das nicht zu tun:
- ich könnte mich selbst in Gefahr bringen, da ich nicht mal weiß, wer tatsächlich alles dazu gehört
- die Grenzer wissen womöglich davon und wollen gar nicht ermitteln bzw. könnten dann im Gegenzug mir was in die Schuhe schieben
Auch Freunde mit denen ich am Chatten war rieten mir drigendst davon ab, was zu sagen. Also lieber schweigen und sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern.

Und aussteigen. Ja... wir alle mussten aussteigen und die Schuhe desinfizieren, indem wir über eine eingeschäumte Matte liefen.
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Sowas kannte ich biser nur aus Neuseeland, wo man bei Betreten und Verlassen von bestimmten Wäldern die Schuhe säubern musste, um keine Samen weiter zu verbreiten. Aber für irgendetwas muss ja die 1h 22min Standzeit auch gut sein.

Der Fahrplan war durchaus überschaubar.
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Der Bahnsteig gegenüber.
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Einige Menschen verließen den Zug tatsächlich schon in Kuźnica Białostocka.

Nachdem der Zug weiterfuhr ging das emsige Treiben schlagartig wieder los: sämtliche Sitzreihen wurden in Windeseile abgeklappert. Von dort wurden kleine Päckchen eingesammelt und in einen großen, schwarzen Müllsack gesteckt. Nach ein bisschen Googeln fand ich Artikel darüber, dass diese Züge zumindest früher v.a. zum Zigarettenschmuggel genutzt wurden, da sich eine entsprechende Fabrik in Grodno befinden würde. Das beruhigte mich wieder etwas, immerhin nix total Schlimmes.

Ab Białystok musste ich dann leider meinen echten Fensterplatz räumen, da Leute mit einer Reservierung für diesen Platz kamen.

Die Schmuggler blieben übrigens dann doch noch ziemlich lang im Zug. Erst in Czyżew stiegen sie aus, wobei einer mit dem gefüllten Müllsack bis zum Rand vom Bahnsteig sprintete und selbigen ins angrenzende hohe Gras schmiss.
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Daraufhin verließ die Gruppe relativ gemütlich den Ort des Geschehens.
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Das war auf jeden Fall mal ne neue Erfahrung für mich und war schon interessant zu beobachten.

Fast pünktlich kam ich in WC an.
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Der Hańcza fährt bekanntlich weiter nach Krakau.
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Dieses Mal hing keine tschechische Lok dran, liegt aber wohl u.a. daran, dass an E-Loks nicht so ein großer Bedarf besteht, bzw. PKP selbst genug hat.
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Auf dem Weg zu meinem Airbnb-Zimmer verlief ich mich erstmal in den unterirdischen Gängen von WC. Außerdem nahm ich einen falschen Aufgang zur Oberfläche, wo ich in der Mitte der gewünschten Straße rauskam, aber da war nur eine Tramhaltestelle. Zum Glück war die Unterkunft nicht weit weg und auch die Schlüssel bekam ich problemlos aus dem Schlüsselkästchen. Die Wohnung war wohl leider eine reine Airbnb-Wohnung, zumindest waren ausschließlich Gäste anzutreffen. Außerdem wirkte alles ein bisschen steril, nicht wirklich bewohnt. Dennoch war ich für eine Nacht zufrieden, insbesondere mit der Lage recht nach am Hauptbahnhof. Nach einer kurzen Pause gings noch in den gegenüberliegenden Supermarkt, noch ein bisschen Verpflegung für den nächsten Morgen besorgen.

An sich hatte mir den Tag über die Hitze ziemlich zu schaffen gemacht, aber gegen halb 11 beschloss ich dann doch, noch ein wenig raus zu gehn, vorbei am WC.
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Der Kulturpalast war schön beleuchtet.
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Ich entschloss mich, in der LGBT*-Bar Ramona noch genau einen Absacker zu nehmen.
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Allerdings wurden dann doch zwei draus.

Selbstverständlich gabs dort Regenbogenplakate.
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Wenn man sich so die aktuelle Stimmung in Polen anschaut, z.B. vor kurzem beim CSD in Białystok (Video auf stern.de), dann ist es natürlich gut, dass es solche sicheren Orte gibt. Wobei Warschau natürlich nicht unbedingt mit dem Rest von Polen vergleichbar ist.

In der Bar lernte ich dann noch einen netten in der Schweiz arbeitenden Briten kennen, der auf einer Konferenz in Warschau war. Somit zogen wir noch zusammen weiter auf die Dachbar in seinem Hotel. Da gabs dann den wirklich letzten Absacker der Nacht, einen leckeren Cocktail. Dies bedeutete aber auch, dass ich erst nach 3h ins Bett kam, und um kurz nach 9h schon wieder den Zug nehmen musste. Aber im Urlaub geht sowas schon mal. ;-)
Hallo Felin,

das ist ein sehr interessanter Bericht aus Grodno, schön das es gut geklappt hat.

Kleine Anmerkungen meinerseits:

In Weissrussland kann man am Bahnhof wirklich getrost fotografieren, man ist dort sehr Stolz auf die Eisenbahn und freut sich wenn Gäste das auch so sehen. Im Gegensatz zu Litauen.....

Nicht ALLE Busverbindungen von Vilnius nach Grodno fahren über den für den Visumfreien Verkehr zugelassenen Grenzübergang! Dies unbedingt beim Fahrkartenkauf erwähnen, bzw. genau abklären, sonst wird man gar nicht erst mitgenommen (Ist einer Bekannten aus Vilnius so passiert).

Diese ach so tollen "Wandfensterplätze" finden sich leider auch in litauischen, als auch in den wiessrussischen Grossraumwagen, man kann aber am Schalter schon einen Fensterplatz bekommen, wenn man hartnäckig fragt.

VIel Vergnügen weiterhin wünscht
Krisai
Sveikas Krisai,

vielen Dank für Deine Hinweise. Hätte ich das mit dem Fotografieren mal vorher gewusst. ;-) Ich dachte da gehts halt darum, dass "strategisch wichtige Orte" in Belarus eigentlich nicht fotografiert werden dürfen. Und ein Bahnhof könnte ja darunter fallen. Auch in der Metro in Minsk soll es ja Probleme geben, wenn man fotografiert. Aber gerne lass ich mich eines besseren belehren. Allgemein hatte ich übrigrens den Eindruck, dass die Menschen in Belarus recht entspannt waren, zumindest die, mit denen ich zu tun hatte. Das war sehr angenehm.

In Litauen mach ich tatsächlich auch eher schnelle Bilder am Bahnhof, und das nur mit dem Handy oder kleiner Handkamera. Wobei das meiner Meinung nach v.a. in Vilnius nicht so gern gesehn wird (Ausnahme ist denke ich, das Eisenbahnmuseum oder auch der Bereich der Bar "Peronas"). An anderen kleineren Bahnhöfen, z.B. Valkininkai, Marcinkonys, oder auch Klaipėda und Kaunas, wurde ich nie angesprochen, wenn ich fotografiert hab, auch nicht wenn ich mir dabei Zeit gelassen hab.

Das mit dem Grenzübergang ins Gebiet von Grodno stimmt, man sollte z.B. keinen Bus nehmen, der über Lida fährt. Wenn man hingegen einen Bus nimmt, der in Druskininkai Station macht und dann ohne Halt nach Grodno fährt, so ist das relativ safe. Denn beide Grenzübergänge in der Nähe von Druskininkai, Raigardas und Švendrubė, sind ja für den visafreien Besuch freigegeben. Bzw. bei dem Bus, den ich genommen hab standen online als Zwischenstationen auch Raigardo muitinė und Privalkų muitinė drin.

Wissen die Leute am Schalter eigentlich, welche Plätze Wandfensterplätze sind? Ist natürlich schwierig zu beschreiben, wenn man die Sprache nicht wirklich gut kann... Wobei ich in Litauen eh fast zum Online-Ticket tendieren würde, insbesondere auf der Strecke Vilnius - Klaipėda, da die Züge ja doch oftmals ausgebucht sind.
Hallo,

vielen Dank für den ausführlichen Bericht aus Grodno, könnte leicht sein, dass ich demnächst dort auch noch aufschlage. Sollte ich noch Fragen dazu haben, würde ich dich per PN konsultieren.

@traukinis
Da ich auch noch Litauen besuchen möchte, gibt es dort Schwierigkeiten beim fotografieren von Eisenbahn?

Grüße
Karlheinz
Hallo Felin,

danke für den ausführlichen Bericht!

Deine Einschätzung zur Kartenzahlung kann ich live aus Grodno allerdings nicht teilen: Mir ist hier außer Kiosken, und selbst da würde ich es nicht beschreien wollen, bislang noch nichts untergekommen, wo man nicht mit Karte bezahlen konnte; selbst Kleinstbeträge in der Mensa.

Was die Wandfensterplätze angeht: Im Reisezentrum in „WC“ nutzen Sie vagonweb zum recherchieren der Sitzpläne...

Ich bin kürzlich mit dem TLK in der Gegenrichtung gefahren und hatte bis einen Abend zuvor keine Fahrkarte - online nirgends erhältlich, kompetente DB-Menschen scheiterten auch, für den Gang nach Schöneberg fehlte mir in den letzten Wochen die Zeit -, aber eine Reservierung, die man mir mal zwischen Tür und Angel am Berliner Ostbahnhof ausstellte. Letztendlich hat diese mir die Mitfahrt gesichert, waren die zwei Wagen wegen einer Kinderreisegruppe doch randvoll. Allerdings hatten viele Mitreisende bloß Onlinetickets bis Kuznica Białystocka und konnten problemlos nach der Abfahrt in Białystok den Anschlussfahrschein erwerben - selbstverständlich auch kontaktlos. Erscheint mir derzeit der praktikabelste Weg zu sein.

Beste Grüße,
Flo
Hallo Flo,

danke für die Hinweise und Richtigstellungen. Das mit vagonweb ist echt ne gute Idee. Ich hatte am Schalter halt nur gesagt, dass ich gerne einen Fensterplatz hätte, und da ist mir halt einfach irgendein Platz zugewiesen worden. Das nächste Mal würde ich versuchen, konkreter zu fragen. Auch in Grodno am Bahnhof waren tatsächlich größere Gruppen von Kindern und Jugendlichen unterwegs, diese fuhren dann wohl auch nach Polen, insofern ist dieses Problem bekannt. ;-)

Mit Kartenzahlung bei PKP Intercity hab ich im Jahr 2017 noch schlechte Erfahrungen gemacht: da brauchten wir eine Fahrkarte von Suwałki bis nach Stettin, und einen Schalter gibts in Suwałki ja nicht mehr, also blieb nur das Kaufen im Zug. Ich hatte vorher im Internet recherchiert, und da hieß es, dass man auch im Zug mit Karte zahlen kann. Also hatten wir beschlossen, überhaupt keine Złoty abzuheben. Im Zug war das dann aber eher problematisch, die Zugbegleiter waren auch nicht begeistert, dass wir kein polnisches Bargeld hatten (Euros wollten oder konnten sie nicht annehmen). Der Fahrkartendrucker und das Kartenlesegerät mussten nämlich erst kompliziert verkabelt werden, und das hat alles natürlich nicht auf Anhieb funktioniert. Somit dauerte unser Fahrkartenkauf fast 30min. Zudem wurde zwischendrin der verkaufende Zugbegleiter "getauscht".

Zur Barzahlung in Grodno: hast sicher Recht, man hätte bestimmt in den meisten Lokalitäten mit Karte zahlen können. Andererseits wollte ich trotzdem ein wenig Bargeld haben, z.B. fürs Taxi oder auch für die Gepäckaufbewahrung. Meine Gastgeberin meinte auch, dass man schon für alle Fälle Bargeld haben sollte. Die Mindestabhebesumme bei meiner Kreditkarte ist allerdings 50€, so dass ich dann prinzipiell alles mit Bargeld gezahlt hab, um nicht zu viel Geld wieder mit nach Hause zu nehmen. Und infolgedessen hab ich gar nicht mehr so arg drauf geachtet, ob man jeweils mit Karte zahlen kann, oder nicht...

Grüße zurück von ebenfalls Flo.
Hallo,

interessant zu sehen sind die Bezeichnungen der Städte auf Wegweisern sowie die Aufschriften auf öffentlichen Gebäuden - auf weißrussisch.

Schöner Reisebericht, danke dafür.

Schöne Grüße aus Slowenien,

Peter
Auch hier wieder danke für den tollen Bericht.

Aber wenn du das Bahnhofsgebäude von Grodno schon als abweisend empfindest frage ich mich, ob du schon mal in Praha-Holešovice warst. :-P
Hallo Karlheinz und die Mitleser,

die Bahn in Litauen ist offiziell "Nationales Strategisches Objekt", d.h. egal wo und was man Fotografiert man muss mit Security oder gar Polizei rechnen. Ich habe in Klaipeda vor Abfahrt des Zuges die M62 ausgiebig Fotografiert, da kam der Stationsvorsteher, pfiff erst den Security zusammen, dann kam er zu mir, kurz vor Abfahrt des Zuges merkte er aber das es vielleicht nicht die beste "Werbung" ist mich verhaften zu lassen und liess mich ziehen. Fotos durfte ich behalten, ich hatte ja gerade noch unser Frühstück fotografiert, wenn der gesehen hätte was da sonst drauf war.....
Kaunas Palemonas auf der Fussgängerbrücke kann man vergessen, Security ohne Ende, selbst ohne Foto ist man verdächtig, Vilnius ist Grenzstation auch Vorsicht geboten, eher unterwegs, im Zweifelsfall Englisch sprechen, mit Russisch ist man gleich verdächtig.

Aber, es wurden ja in den letzten Jahren viele kleine Stationen nicht mehr personell besetzt, da kann schon etwas gehen, wenn nicht alles hinter Lärmschutzwänden verschwunden ist. Auch Überland mit Bahnbeifang geht ganz gut. Wobei Bahnübergang an der Strecke nach Kybartai im Grünen stand sofort die Security da. Diese Strecke wird sehr genau überwacht.

Vorsicht ist auch bei den zahlreichen Militärtransporten geboten, man möchte gern den Amerikanern beweisen, dass man die bessere Security hat, ebenso im Hafen von Klaipeda.

Von Klaipeda Richtung Silute (Heydekrug) geht ganz gut, weiter Richtung Pagegai (Pogegen) ist schon wieder Grenzgebiet, in der Regel fahren hier auch zahlreich Güterzüge.

Ansonsten gilt das 11. Gebot auch in Litauen: " Du sollst Dich nicht erwischen lassen."

Litauen ist eine Reise wert und es gibt auch neben der Bahn viel zu entdecken.

Viel Erfolg wünscht Krisai

der noch ein Bild aus Klaipeda anhängt . M62K1091(Keleivinis=lit. für den Personenzug wurde die Bremse verändert) Der Notwendigkeit eine weitere Lok zu den TEP 70 bzw TEP 70BS ergab sich aus der Abstellung der TEP 60 und der unfreiwilligen Ausserbetriebsetzung durch unachtsame Fernfahrer im Winter, die auf Bahnübergängen steckengeblieben waren. Später kaufte man aus Lettland TEP 70 dazu.
DSCI0038 (2).JPG
@traukinis

Vielen herzlichen Dank für die ausführlichen Informationen.

Grüße
Karlheinz
Ergänzend hierzu noch: es gibt im Nordosten des Landes eine touristische Schmalspurbahn. Diese verkehrt meistens zwischen Anykščiai und Rubikiai, wo es einen netten See gibt. Abundzu gibt es auch Reisen zwischen Anykščiai und Panevėžys, für diese Reisen ist aber auf der Website kein Fahrplan hinterlegt. Außerdem sind sie als Urlaubs- und Bildungsreisen tituliert, evtl. kann man aber trotzdem als Privatfahrgast mitfahren. Aber was ich eigentlich sagen wollte: dort sollte Fotografieren überhaupt kein Problem sein. In Anykščiai gibt es außerdem noch ein kleines Museum, das an die Bahn angeschlossen ist.
Evtl. grab ich auch demnächst mal die alten Bilder von 2009 aus als ich mit dieser Bahn gefahren bin.

Re: [LT] M62K

geschrieben von: 217 055

Datum: 13.08.19 18:19

traukinis schrieb:
M62K1091(Keleivinis=lit. für den Personenzug wurde die Bremse verändert)
Hallo,

da muß ich zu der gebotenen Erklärung noch einmal nachfragen.
Ich kenne den Zusatzbuchstaben hinter der alten Baureihenbezeichnung M62 als Kennzeichnung für Remotorisierungsprojekte - im konkreten Fall K für Kolomna. Dieses K (weiteres Erkennungszeichen sind die Änderungen auf dem Dach) führt auch eine Zahl an Doppelloks 2M62K und auch die 2 regelspurigen M62er der LG, die den Grenzverkehr nach Polen abwickeln - und die werden ganz sicher keinen Umbau für Schnellzugeinsätze erlebt haben.

Bist Du Dir also sicher mit Deiner Erläuterung?


Grüße
217 055



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.08.19 23:10.
Interessant, ich habe in Vilnius an drei aufeinanderfolgenden Tagen mehrmals am und um den Bahnhof fotografiert, u.a. auch die Einfahrt eines russischen Transitzuges von der Brücke und danach die Ausfahrt vom Bahnsteigende bei den Museumsloks und gar niemand hat sich je daran gestossen. Renn natürlich nicht mit der Kamera um den Hals herum, aber Personal hat das jedenfalls gesehen.