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Salam Aleikum und Priwjet,

hier kommt der vierte und letzte Teil eines Reisebericht s von einer Eisenbahn-Tour in den russischen Nordkaukasus. Wer den Anfang verpasst hat, kann hier alles von vorne verfolgen:

Teil 1: Moskau - Saratow
Teil 2: Saratow - Machatschkala
Teil 3: Derbent - Machatschkala - Mineralnye Wody

Gegen Ende des letzten Teils waren wir auf der Rückfahrt aus Dagestan bereits in Mineralnye Wody angekommen - dem Verkehrsknotenpunkt der nordkaukasischen Heilwasser-Kurorte. Es ist hier schon wieder deutlich kühler als am Vortag am Kaspischen Meer. Dass das Personal aber gleich mit Schneeschiebern herumläuft, finden wir dennoch etwas übertrieben...
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An diesem Bahnhof ist eigentlich immer etwas los. Bei unserer Ankunft sind vier Bahnsteige mit langen Nachtzügen belegt. Wohin diese wummernde Prachtlok ihre Waggons und die Passagiere zieht, habe ich mir leider nicht gemerkt.
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Auch der Bahnhof von MinWody wurde im typischen Stil der sowjetischen Kurort-Architektur errichtet. Außer Flughafen und Bahnhof gibt es hier allerdings nichts zu sehen (oder zu tun). Die eigentlichen Mineralwasser-Kurorte befinden sich alle weiter südlich.
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Wir verbringen den Tag in Pjatigorsk, einer Stadt an der Stichlinie, die von MinWody nach Kislowodsk führt. Hier gibt es schon richtige Berge. Zur Spitze des Maschuk führt auch eine Seilbahn, aber wir wandern lieber.
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Im Vergleich zu Dagestan, wo wir so manchen grandiosen Ausblick und viele Attraktionen für uns allein hatten, ist Pjatigorsk zu dieser Zeit des Jahres bereits überflutet von russischen Urlaubern und Kurgästen. Am Eingang zur "Prowal"-Grotte (bekannt aus dem Roman "12 Stühle") muss man eine Weile in der Schlange stehen, und wenn man sich auf einen der zwölf Stühle neben den Roman-Ganoven Ostap Bender setzen will, noch viel länger.
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Am Abend beginnt nun unsere letzte Bahn-Etappe zurück nach Moskau. Ich habe drei Schlafwagen-Plätze im komfortablen Doppelstock-Nachtzug Nr. 3 Kislowodsk-Moskau gebucht. Diese Verbindung sollten sich alle Kaukasus-Reisenden gut merken, selbst, wenn sie in andere Teile der Region wollen. Mit einer Gesamtreisezeit von rund 24 Stunden ist dieser Express um stolze zehn bis 12 Stunden schneller als die anderen Nachtzüge auf dieser Strecke. Wer beispielsweise zum Elbrus oder nach Tschetschenien will, ist mit dieser Verbindung und einem Umstieg in Taxi oder Linienbus auf jeden Fall am schnellsten.
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Wir sind jetzt schon mehrfach mit den russischen Doppelstockzügen unterwegs gewesen. Allen etwas längeren Globetrottern, die eine (günstigere) obere Liege im Abteil buchen, würde ich zum "Untergeschoss" raten, da oben etwas weniger Platz ist.
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Als wir alle aufwachen, sind wir bereits im Norden des Rostower Gebietes auf der kürzlich fertiggestellten Neubaustrecke, die den früher nötigen Kurz-Transit durch die östlichste Ost-Ukraine überflüssig macht. Immer wieder begegnen uns lange Nachtzüge, die jetzt zum Beginn der Strandsaison Richtung Süden unterwegs sind.
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Auf dem Gegengleis steht der Moskau-Suchum-Express auf seinem Weg nach Abchasien.
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Am Vormittag überqueren wir den Don. Die Landschaft in dieser Gegend mit ihren kreideartigen Felsen gefällt mir recht gut, irgendwann müssen wir hier einmal einen Zwischenhalt in unsere Reiseroute einbauen.
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Kurz hinter dem Fluss liegt Liski, der einzige längere Zwischenhalt des Tages. Die meisten Passagiere steigen hier kurz aus, um ihre Proviant-Vorräte aufzufüllen - und auf dem Bahnsteig gibt es so ziemlich alles. Die Dame im Vordergrund verkauft riesige geräucherte Fische, gekochte Maiskolben und leckeres Sahneeis.
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Wer auf der Strecke unterwegs ist und Zweifel hat, ob er schon in Liski angekommen ist, muss nach der großen orthodoxen Kirche mit den blau-metallic-Glitzerkuppeln Ausschau halten. Die gibt es nirgendwo sonst.
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Der Doppelstockexpress ist so groß, dass man sich als Fahrgast wie ein Zwerg vorkommt.
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Vor einem Jahr sind wir während unserer kleinen Kaukasus-Rundreise schon einmal mit diesem Zug unterwegs gewesen - und haben dieses Mal die selbe nette Schlafwagenschaffnerin erwischt wie 2018. Auch sie erinnert sich noch an uns. Zufälle gibt das...
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Mittlerweile sind über zwei Tage vergangen, seit wir in Derbent am Kaspischen Meer die lange Rückreise nach Moskau und Deutschland angetreten haben. Zeit für eine Dusche! Im Kislowodsk-Moskau-Express gibt es einen entsprechend ausgerüsteten Waggon. Gegen geringe Gebühr kann man vom Zugchef den Schlüssel für die blitz-blank-saubere Duschkabine abholen. Zum Fotografieren ist es dort etwas eng, aber ihren Zweck erfüllt sie.
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Aber nicht, dass jetzt jemand hier auf dumme Gedanken kommt! Für die Benutzung gelten strenge Regeln. Verboten ist unter anderem: Lautes Singen, Fluchen und - natürlich - der Konsum alkoholischer Getränke.
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Am Abend erreicht unser Express den Kasaner Bahnhof in Moskau - nach landesüblicher Manier pünktlich auf die Minute. Für uns geht es jetzt getrennt weiter in die Heimat. Ein Teil der Familie mit Flugangst nimmt nach kurzem Aufenthalt im "Dritten Rom" den Polonez-Express nach Warschau und steigt dort um Richtung Deutschland...
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... der andere Teil der Familie, der mehr Angst vor den Ungewissheiten des Weißrussland-Transits als vor dem Fliegen hat, reist durch die Luft und erlebt auf dem Weg nach Berlin noch einen Hauch Fernost. Und nach Dagestan wollen wir sowie unbedingt noch einmal, denn dort muss Anno 2019 nun wirklich niemand mehr Angst haben.
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Einen weniger eisenbahnlastigen Bericht über unsere Reise nach Dagestan und weitere Bahntouren durch Russland gibt es auf meiner Webseite.
vielen Dank für die sehr interessante Berichtsreihe! Da kommen Erinnerungen an die Reise von vor zwei Jahren hoch...

D299 - Bruxelles 19.13 - Milano 07.10

meine Reiseberichte:
[www.drehscheibe-online.de]

Guter Bericht :-)

geschrieben von: Drehstromator

Datum: 09.08.19 15:25

Auch von mir danke, habe Deinen Bericht mit großem Interesse gelesen.
Die Doppelstock-Wagen der RZD sind ein weiterer Beleg dafür, dass Bahnreisen in Russland definitiv nicht mehr nur etwas für abenteuerlustige Bahnfans oder Einheimische sind, sondern durchaus modern sein können.

Grüße aus Israel, wo keine Bahnfahrt länger als knapp 3 Stunden dauert ;-)
Vielen Dank für den interessanten Bericht.

Iwan Parowosow schrieb:
An diesem Bahnhof ist eigentlich immer etwas los. Bei unserer Ankunft sind vier Bahnsteige mit langen Nachtzügen belegt. Wohin diese wummernde Prachtlok ihre Waggons und die Passagiere zieht, habe ich mir leider nicht gemerkt.
Wahrscheinlich nur in oder aus den Abstellanlagen, handelt es sich bei der Prachtlok doch eher nur um einen Bahnhofs-Rangierhobel.

Gruss, Thomas.