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Hallo zusammen,

Weiter geht es mit der Reise auf Schienen quer durch Nordamerika. Wer den ersten Berichtsteil verpasst hat:

Teil 1

Teil 2/7: Durch endlose Prärie in die Canadian Rockies (m.33B)

Als ich am nächsten Morgen wiederum früh erwache, hat sich die Landschaft im Vergleich zum Vortag fundamental verändert: Seen und Birkenwälder sind endlosen Feldern gewichen und die Strecke führt nun schnurgerade durch die topfebene Prärie. Ich begebe mich dann auch bald in den Dome Car um die Weite der Landschaft auf mich wirken zu lassen. Es ist noch kühl im Dome und die ersten zaghaften Sonnenstrahlen des Tages erleuchten die noch leere Glaskuppel während ich mich quer über zwei Sitze in die bequemen Polster fläze. Ich genieße die sich ausbreitende Morgenstimmung und döse noch ein bisschen vor mich hin, bis über die Lautsprecher der Halt in Winnipeg angekündigt wird. Im Fahrplan ist ein rund dreistündiger Halt vorgesehen welcher unter anderem für einen Crewwechsel sowie für Servicearbeiten genutzt wird. Mittlerweile haben wir die Abgangsverspätung aus Toronto aufgeholt, ja sind sogar zu früh dran so dass wir bereits gegen 8:30 Uhr Lokalzeit (Achtung Zeitumstellung über Nacht!) in die Hauptstadt der Provinz Manitoba einrollen. Der Uhrzeit geschuldet zieht es uns wie einige Mitreisende erstmal in ein Café neben dem Bahnhof wo wir bei Kaffee und Bagels ein wenig die morgendliche Müdigkeit abschütteln. Danach geht es auf einen Spaziergang durch die Forks, ein Parkgelände gleich neben dem Bahnhof welches früher wohl auch zu Eisenbahnzwecken genutzt wurde.

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1 – Erst einmal ein Kaffee


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2 – Blick auf den Bahnhof und die Skyline Winnipegs, vor dem rechten Hochhaus erkennt man gerade noch so die hintersten Wagen des Canadian

Eher planlos spazieren wir ein wenig am Fluss entlang und spielen eine Runde Frisbee auf der Wiese, die Bewegung tut gut. Pünktlich zur Öffnung um 10 Uhr (???) begeben wir uns dann zum eindrucksvollen Bau des Human Rights Museums, welches wir uns noch ansehen wollen. Extra für Passagiere des Canadian wird nämlich ein ermäßigter Eintritt angeboten, da aufgrund der Abfahrtszeit des Zuges am Mittag nur eine limitierte Besuchsdauer möglich ist.

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3 – Der auffällige Bau des Human Right Museums in Winnipeg

Wir können dann auch nur einen Teil des sehr interessanten Museums besichtigen, bevor wir uns zur Abfahrt des Zuges wieder an den Bahnhof begeben müssen. Besonders angetan hat es mir die Innenarchitektur des Museums, im Einklang mit dem generellen Thema Menschenrechte und Rechtegleichheit soll im gesamten Museum wohl keine einzige Stufe verbaut sein. Anstelle von Treppen führt daher eine Reihe von Rampen von einem Stockwerk zum nächsten, von oben erinnert die ganze Konstruktion entfernt an die Treppen im Schloss Hogwarts aus dem Harry-Potter-Universum.

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3-4 – Treppenhaus


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5 – Bald geht es dann wieder zum Zug zurück, wir würden ja nur ungern in Winnipeg stranden

Zurück auf dem Zug kehrt im Dome gewissermaßen der Alltag wieder ein, während draußen die endlosen Prärien Manitobas vorbeiziehen werden die in Winnipeg ergänzten Vorräte wieder reduziert, es werden Karten gespielt und man unterhält sich mit seinen Mitreisenden. Auf der gefühlt schnurgeraden Strecke geht es jetzt schneller voran als noch am Vortag, das regelmäßige Hornen vor Übergängen ist aber ebenso geblieben wie die Tatsache, dass auf der größtenteils eingleisigen Strecke immer wieder Kreuzungen mit Güterzügen anstehen. Als wir irgendwo besonders lange in einer Ausweiche stehen kommt per launiger Durchsage die Information, dass ein in der Nähe liegengebliebener Güterzug für Chaos auf der Strecke sorge und der Zeitpunkt der Weiterfahrt noch relativ unklar sei. Alle Reisenden nehmen diese Information gelassen entgegen, eilig hat es niemand und die Stimmung im Dome ist weiterhin gut bis wir nach einer guten Stunde bereits wieder weiterfahren können. Draußen wird es nun kurzzeitig wieder ein wenig interessanter da der Zug für eine ganze Weile dem Tal des Assiniboine River folgt und sich einige schöne Ausblicke über das Flusstal ergeben, wobei gleichzeitig die Provinzgrenze zwischen Manitoba und Saskatchewan überquert wird.


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6 – Das Flusstal des Assiniboine River sorgt für etwas Abwechslung vor dem Fenster


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7 – Blick dem Zug entlang zurück

Ennet der unsichtbaren Grenze tut sich dann wieder die altbekannte, flache Prärielandschaft auf, aus dem Dome schweift der Blick in alle Richtungen über Kornfelder welche in regelmäßigen Abständen von schnurgeraden Feldwegen und -straßen unterbrochen werden. Eintönig-langweilig und doch unendlich faszinierend, nirgendwo kann man die Weite Kanadas intensiver erleben als hier.

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8 – Felder soweit das Auge reicht


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9 – Wide open skies


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10 – Per Zufall gelingt irgendwo in der Prärie noch ein Schnappschuss des entgegenkommenden Canadian aus Vancouver

Auf Snack und Kartenspiel folgen Abendessen und Drink, während sich draußen die Maisonne langsam über den flachen Horizont senkt und sich eine schöne Abendstimmung über den Kornfeldern ausbreitet. Ein angekündigter Halt in Melville wird zum Anlass genommen, sich in der wärmenden Abendsonne ein wenig die Beine zu vertreten und die Bahnhofsatmosphäre fotografisch einzufangen.
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11 – Abendlicht im Dome des Canadian


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12-15 – Stimmungen in Melville


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16 – Der sehr übersichtliche Aushangfahrplan, die Zeiten sind angesichts der üblichen Verspätungen auch eher Richtwerte. Das Foto ist laut Kamera um 21:21 Lokalzeit entstanden :-)


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17 – Eine wunderbare Abendstimmung breitet sich im Dome aus


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18-19 – Spielereien mit entgegenkommenden Güterzügen


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20 – Gleich ist Licht aus

Die dritte und vorerst letzte Nacht an Bord des Canadian wird dann mit einem wundervollen Sonnenuntergang eingeläutet, wobei die rot glühende Kugel erneut direkt über dem Wagendach in den Boden versinkt. Andächtig wird der Moment in aller Ruhe genossen bevor nach einiger Zeit die Gespräche im Dome wieder aufgenommen werden während die Nacht über die Prärie hereinbricht. Einige äußerst knappe Runden Tichu (Schweizer Kartenspiel) sorgen dann noch für allgemeines Haareraufen und Erheiterung und so wird der Tag unter viel Gelächter in geselliger Runde beschlossen.

Als ich am nächsten Morgen aufwache sind meine Mitreisenden bereits auf den Beinen und am Horizont ist auch schon die Skyline der Ölmetropole Edmonton zu sehen, da habe ich in meiner tollen Liegekonstruktion länger geschlafen als ich je gedacht hätte. Im Gegensatz zum Gros der Passagiere welches mindestens bis Jasper an Bord bleibt ist dies für unsere Vierergruppe dann auch das Signal zum Zusammenpacken, wartet in Edmonton doch ein Mietwagen auf uns. Die Einfahrt in den aus einem Bahnsteig bestehenden Bahnhof North Edmonton verzögert sich durch ein kurioses Manöver bei welchem zuerst ein Panoramawagen zwischen Economy und Sleeper rangiert wird bevor der ganze Zug schließlich rückwärts in das Kopfgleis des „Bahnhofs“ gedrückt wird. Durch die vielen Wartenden bahnen wir uns einen Weg zum bestellten Uber-Taxi, die Anbindung per Bus/Stadtbahn ins Stadtzentrum ist nämlich irgendwo zwischen unterirdisch schlecht und inexistent. Bei Avis im Zentrum geht es dann wie gewohnt raketenschnell und ein weißer Chevrolet Cruze wird bis oben hin mit Gepäck und Passagieren befüllt und für strassentauglich erklärt. Mehrheitlich schnurgerade geht es so auf dem Highway #2 südwärts in Richtung Calgary, das Wort öde beschreibt die Fahrt auf der vielspurigen Straße durch die Prärie ziemlich gut. Unterbrochen wird der allgemeine Dämmerzustand erst, als rechterhand am Horizont langsam eine ganze Reihe schneebedeckter Berge auftaucht; die Canadian Rockies. Nachdem wir tagelang die Ebenen Kanadas durchquert haben ein schöner und für mich auch vertrauter Anblick, sind doch die Rockies aufgrund mehrerer (teils längerer) Aufenthalte sowieso so etwas wie mein Sehnsuchtsort.
An dieser Stelle wird es nun ein wenig Off-Topic, wir sind nämlich nun für etwa zehn Tage mit unserem Chevy, bzw. auf Wanderschuhen in den Banff, Yoho und Jasper Nationalparks unterwegs. Der extrem schneereiche Frühling sorgt dabei für einige Komplikationen da Wege oft nicht begehbar sind und Straßen und Zeltplätze teilweise noch gesperrt sind. Ohne allzu viele Erklärungen folgen nun einfach ein paar Bilder aus diesen Tagen, ganz wenig Eisenbahn ist auch noch darunter:


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21 - Endlich wieder in den Canadian Rockies


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22 - Quasi zum Warmwerden gibt es eine kleine Wanderung auf den Mt. Lady MacDonald oberhalb Canmore


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23 – Die „Three Sisters“ sind DAS Wahrzeichen des Städtchens


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24 - Weiter geht es am nächsten Tag bei Banff am Lake Minnewanka, Kanada pur


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25 – Unser „kleiner“ Chevy neben einem landestypischeren Modell


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26 – Auf der Fahrt nach Lake Louise machen wir an einem Aussichtspunkt eine kurze Lunchpause…


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27 – …als plötzlich ein Zug auftaucht! Leider ist die Beleuchtung gelinde gesagt ungünstig.


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30 – Container braucht die Welt


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31 – Als wir etwas später an der berühmten Morant’s Curve noch einen Stopp einlegen kommt dafür natürlich kein Zug mehr


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32-33 – Mit diesen zwei Bildern vom wunderschön gefrorenen Emerald Lake im Yoho Nationalpark möchte ich diesen Beitrag beenden. Im nächsten Teil geht es dann nach Jasper, ab da gibt es dann auch wieder Eisenbahn zu sehen ;-)


Wie immer freue ich mich über Anregungen, Berichtigungen oder sonstige Kommentare.

Einen schönen Abend wünscht,
Samuel

Wieder sehr schön, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 12.06.19 22:51

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
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