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Myanma my love - Ein Abschied für immer?!

Teil 2: Bunt gemischter Zugverkehr rund um die Moschee



Nachdem es im letzten Bericht den obligatorischen off-topic Bericht zur Einstimmung gab, folgt nun der erste richtige Eisenbahnbericht. Viel Spaß beim Lesen.

Zur besseren Orientierung zunächst einmal eine Übersicht der Bahnstrecken rund um Yangon:

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Bild 0: Im Bahnhof von Yangon laufen die beiden Hauptstrecken aus dem Norden zusammen. Westlich kommt aus Pyay die größtenteils zweigleisige Strecke, östlich die zweigleisige Strecke aus Bago (in Bago geht es entweder zweigleisig weiter in den Norden in die zweitgrößte Stadt Mandalay oder eingleisig Richtung Süden nach Mawlamyaing (und von dort seit einigen Jahren weiter bis nach Dawei). Die Ringbahn nutzt diese beiden Strecken, in Danyingon zweigt dann zweigleisig die Ringbahn ab und führt bis nach Mla Hwa Gone (Mahlwagon), zwischen Mla Hwa Gone und dem Hauptbahnhof ist die Strecke sogar viergleisig. Am Flughafen Yangon wurde die alte Strecke der Ringbahn (in der Karte rot) aufgrund einer Flughafenerweiterung verlegt. Am Bahnhof Dagon zweigt eine neue Stichstrecke zur Universität ab, sie soll zu einer zweiten Ringbahn erweitert werden), zudem kann man von dort auch durch Kopfmachen den Tiefseehafen in Thilawa erreichen. Zwischen Pazundaung und Kemmendine gibt es ein Gütergleis, das einst die ganzen Bootsanlegestellen anband. Zwischen Pazundaung und Mla Hwa Gone befindet sich ein großes Depot samt Rangier- und Güterbahnhof. In Insein gibt es noch ein großes Ausbesserungswerk.
Die Fernzüge von/aus Pyay und Bago/Mandalay laufen bis in den Hauptbahnhof, auf der Ringbahn gibt es in beide Richtungen umfangreichen Personenverkehr. Zudem gibt es Nahverkehrszüge vom Hauptbahnhof nach Dagon University sowie hinüber nach Thilawa. Auf dem Abschnitt Pazundaung – Kemmendine gab es kaum noch Verkehr, seit aufgrund der geringen Wassertiefe kaum mehr Schiffe anlegen, teilweise war die Strecke bei Kemmendine schon abgebaut. Bei meinem Besuch 2011 war man aber wieder mit dem Aufbau beschäftigt, 2015 richtete man dort sogar eine elektrische Straßenbahn ein, die inzwischen aber schon wieder stillgelegt wurde.



Wer etwas mehr über die Geschichte der Eisenbahn Myanmars und der dort eingesetzten Fahrzeuge wissen möchte, dem seien diese Berichte ans Herz gelegt, die ich vor kurzem im HiFo veröffentlicht habe:

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24.11.2011

Heute war mein letzter ganzer Tag in Yangon. Nicht nur für diese Reise, sondern vielleicht für das ganze Leben. Das sollte natürlich ausgenutzt werden. Also um halb acht aus dem Bett und ab zum Hauptbahnhof. Mal schauen, ob sich dort die Veränderungen im Land auch schon ausgewirkt hatten. Früher artete das Fotografieren dort schnell zum Spießrutenlauf aus. Kaum hatte man den Fotoapparat ausgepackt, schon kam irgendjemand angewatschelt, winkte mit den Händen und rief „No photo! No photo!“. Ich war mit Turnschuhen und Hose zwar immer schneller wie die einheimischen Aufpasser mit Flip-Flops und Wickelrock, nervig war es trotzdem.

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Bild 1: Der Bahnhofsvorplatz von Yangon. Oft kamen hier schon Gestalten auf mich zu und riefen „No photo! No photo!“. Heute aber nicht…




Zunächst aber wollte ich mir eine Fahrkarte für eine Fahrt mit dem Ringzug einmal rund um Yangon gönnen. Einheimische müssen vor Betreten des Bahnsteigs eine Fahrkarte lösen (alternativ geht man auf einen der Fernbahnsteige, die frei zugänglich sind und läuft von dort über die Gleise zum Bahnsteig der Ringbahn und fährt somit kostenlos, denn im Zug kontrolliert niemand die Fahrkarten). Ausländer müssen jedoch für den geringstmöglichen Betrag, nämlich einen US-Dollar, eine Fahrkarte an einem Schalter auf dem Bahnsteig kaufen. Leider sollte der nächste Ringzug in Uhrzeigerrichtung erst um 10:40 losfahren, vielleicht schon zu spät für den Bauernmarkttrubel am Bahnhof Danyingon. Dennoch löste ich eine Fahrkarte. Ich stellte den Offiziellen gleich noch die Frage, ob ich am Bahnhof fotografieren könne. „Yes of course. We are now a democracy!“. Zum ersten Mal hatten die Veränderungen in Myanmar für mich persönlich auch positive Auswirkungen. Ich machte von der neu gewonnene Freiheit reichlich Gebrauch. Zunächst ging es entlang der Gleise nochmals zur Moschee am östlichen Bahnhofsende.

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Bild 2: Meine Fahrkarte: für einen Dollar geht es von Yangon nach Yangon (mein auf der Fahrkarte vermerkte Passnummer habe ich unkenntlich gemacht).



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Bild 3: Die Moschee am östlichen Bahnhofsende. Der Bahnhof beginnt im Hintergrund hinter der Straßenbrücke. Das Hochhaus links war 2011 noch eines der ganz wenigen modernen Gebäude in Yangon, mittlerweile dürfte sich das aber geändert haben. Auf den vier Gleisen rechts (von rechts nach links: Fernbahngleis vom Bahnhof, Fernbahngleis zum Bahnhof, Ringzuggleis vom Bahnhof, Ringzuggleis zum Bahnhof) herrscht gerade kein Verkehr, auf den Rangiergleisen links ist dafür DD.520 (1989 Kawasaki/Insein workshop) mit Rangierarbeiten beschäftigt.



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Bild 4: Als erstes kam aber ein Ringzug in Richtung Bahnhof. Lichttechnisch nicht ganz optimal und die Moschee ist in meinem Rücken. Dennoch habe ich abgedrückt, als DD.936 (1977 Alsthom) mit einem Ringzug an mir vorbeibrummt.



https://farm6.staticflickr.com/5822/30474730463_65086b741e_b.jpg Bild 5: Kurz danach folgt aber mit DF.1220 (1964 Alsthom) der erste aus dem Bahnhof ausfahrende Ringzug und das erste Moschee-Motiv ist im Kasten.



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Bild 6: Danach brummt es wieder aus der anderen Richtung. Lichttechnisch wiederum nicht optimal, aber bei einem GmP konnte ich die Finger nicht vom Abzug lassen. Und loktechnisch gibt’s auch noch einen Leckerbissen, DF.1205 (1958 Alsthom) gehört zu den ersten sechs Dieselloks, die nach Myanmar geliefert wurden.



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Bild 7: Und schon wieder falsche Richtung. Aber auch diesmal ein besonderes Exemplar. DD 1115 kommt nämlich ursprünglich aus China, wo sie als Baureihe DFH21 (Dongfanghong = „Der Osten ist rot“) jahrzehntelang auf der Meterspurbahn zwischen Kunming und Hekou (Yunnan-Bahn) unterwegs war. Aufgrund des dort immer geringer werdenden Verkehrs (parallel haben die Chinesen ja eine Strecke in Normalspur gebaut), wurden die dieselhydraulischen Loks nach Myanmar und Vietnam verkauft. Am Haken hat DD 1115 drei Personenwagen, vermutlich kommt sie aus Dagon.



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Bild 8: Arg weit kommt DD 1115 aber nicht, sie muss am Einfahrtsignal direkt unter dem Fußgängersteg anhalten. Das Lokpersonal nutzt die Wartezeit zur Lektüre der „New Light of Myanmar“, der Propagandapostille der Militärjunta. Das Layout entspricht 1:1 dem der „Pyoengyang Times“, auch inhaltlich schenken sich die beiden Zeitungen nichts. Das erste Drittel der meisten Artikel nennt nur den Namen und sämtliche Titel irgendeines hohen Militärs, der dann irgendeine neue Straße, Bahnstrecke, Krankenhaus oder sonst irgendwas einweiht. Wirklich interessieren tun sich die Einheimischen nur für die hinteren Seiten, da kommt nämlich der Sportteil mit den Ergebnissen aus der englischen Premier League. Der Rest tauge nicht einmal als Klopapier, wie mir einige Einheimische mehrfach im Vertraulichen gesagt haben. Umso verwunderlicher ist, dass der Bahnbedienstete (in Einheitsuniform der Myanma Railways, sprich Wickelrock und Flip-Flops) den vorderen Teil der Zeitung liest.



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Bild 9: Während DD 1115 noch auf freie Einfahrt in den Bahnhof wartet, rauscht von hinten schon DF 1212 (1964 Alsthom) mit einem Ringzug heran. Da das Nahverkehrsgleis schon besetzt ist, rollt sie auf dem Ferngleis heran …



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Bild 10: ... und überholt den wartenden Zug aus Dagon (rechts im Bild nicht sichtbar). Arg viel weiter kommt sie aber auch nicht, denn auch sie muss am Einfahrtssignal warten (das Einfahrtssignal der Ferngleise liegt näher am Bahnhof). Dort muss der Ringzug sogar …



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Bild 11: … dem Kurzzug auf dem Nahverkehrsgleis den Vorzug lassen. Selbiger wird allerdings von Personenwagen verdeckt, die DD.522 (1989 Kawasaki/Insein workshop) ganz links rangiert. Die Personenwagen stammen ursprünglich auch vom chinesischen Teil der Yunnan-Bahn, sie haben sogar noch die originale Lackierung aus China behalten. Mit der Aufgabe von weiten Teilen des Personenzugbetriebs auf der Yunnan-Bahn im Jahre 2005 kamen die Wagen schließlich auch nach Myanmar.



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Bild 12: Schließlich haben es aber beide Züge in den Bahnhof geschafft, aus dem kurz darauf die zweitälteste Diesellok Myanmars (DF.1202 1958 Alsthom) wiederum einen Ringzug zieht.



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Bild 13: Dann kehrt wieder Ruhe ein und DD.522 schiebt entspannt mit ihrem vorgespannten Flachwagen die chinesischen Personenzugwaggons auf eines der Abstellgleise am Bahnhof.



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Bild 14: Zur Abwechslung kommt jetzt endlich mal ein Triebwagen, vermutlich aus Dagon, der mit einem Waggon im Schlepptau auf dem Nahverkehrsgleis unterwegs ist. Der Triebwagen RBE 2533kommt ursprünglich aus Japan, wo er nach Ausmusterung und Umspurung von Kapspur auf Meterspur jetzt in Myanmar weiter treu seine Dienste leistet. Aber der Triebwagen muss auch erst einmal am Einfahrtssignal warten, denn ...



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Bild 15: … zunächst hat DF 1213 (1964 Alsthom) mit einem Ringzug am Haken Ausfahrt aus dem Hauptbahnhof. .



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Bild 16: Dann darf aber auch der Triebwagen in den Bahnhof einfahren.



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Bild 17: Und während der eine Ringzug soeben den Bahnhof verlassen hat, kommt der nächste Ringzug in Gegenrichtung schon wieder angebrummt. Gezogen wird selbiger von DD.934 (1977 Alsthom).



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Bild 18: Ohne Verzögerungen fährt der Ringzug an der Moschee vorbei in Richtung Hauptbahnhof, während zwei der typischen Omnibusse die Straßenbrücke überqueren. Auf der Straßenbrücke könnte man doch auch noch ein paar Fotos machen…




So langsam wurde es Zeit, wieder in Richtung Hauptbahnhof zu gehen. Vorher machte ich allerdings noch an der Straßenbrücke in der Nähe des Hauptbahnhofes kurz Halt.

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Bild 19: Als erstes fuhr mir (leider in falscher Richtung) eine rein chinesische Garnitur vor die Linse. Zuglok ist nämlich DF.2066 (2008, Dalian), ein nicht wirklich lizenzierter Nachbau der alten Alsthom DF-Baureihe. Die Personenwaggons wiederum wurden von den Myanma Railways gebraucht aus China gekauft, wo die Wagen auf der meterspurigen Yunnan-Bahn nach der weitgehenden Einstellung des Personenverkehrs obsolet wurden.



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Bild 20: Anschließend wurde das Fernverkehrsgleis wieder als Fußgängerweg benutzt. Die Kleidung der Mutter und ihrer Tochter geht noch als Warnweste durch, also kein Grund für eine Streckensperrung samt Großeinsatz der Bundespolizei.



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Bild 21: Dann kam ich sogar noch in den Genuss einer Doppelausfahrt, leider nur auf den Gleisen der Ringbahn, die größtenteils im Schatten lagen. Während der Triebwagen RBE.2533 nur einen Waggon am Haken hat und wahrscheinlich Richtung Dagon fährt, hat DF.1217 (1964 Alsthom) mit dem Ringzug etwas mehr zu ziehen.



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Bild 22: Danach kommt DF.2066 (2008 Dalian) als Leerfahrt zurück. Sie hatte ja kurz zuvor einen Fernzug in den Hauptbahnhof gebrach. Jetzt fährt sie zum Frisch machen ins Depot nach Mla Hwa Gone (Mahlwagon).



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Bild 23: Rangieren unter Palmen. Gleich drei Rangierlok-Exemplare finden sich auf dem Bahnhofsvorfeld. Damit die Palme auch noch auf das Bild passte, musste ich auf das bei Eisenbahnfotografen unbeliebte Hochformat ausweichen.


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Bild 24: Einem allerletzten Zug wollte ich an dieser Fotostelle noch eine Chance geben. Dummerweise kam er wieder aus der falschen Richtung, dafür war es eine recht bunte Mischung, die mir vor die Kamera fuhr.




Nun war es aber endgültig Zeit und ich machte mich zurück zum Hauptbahnhof, wo ich am Bahnsteig und im Bahnhofsvorfeld nach Lust und Laune filmte. Ein vollkommen neues Gefühl, so frei und unbeschwert mitten im Bahnhof zu fotografieren und sogar mit Stativ zu filmen. Das geht ja nicht einmal auf deutschen Bahnhöfen mehr…

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Bild 25: Erstes Opfer meiner Fotoorgie war der ehemalige Japaner RBE.5018, der abgestellt auf dem Umfahrungsgleis auf den nächsten Einsatz wartete.



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Bild 26: Da am Bahnsteig zwei abfahrtsbereite Züge standen, begab ich mich ans Ende der Bahnsteige, da dort bessere Lichtverhältnisse vorherrschten. Als erstes kam DD.931 (1977, Alsthom). Das weiße Gebäude im Hintergrund ist übrigens nicht das Bahnhofsgebäude, das versteckt sich mit seinen goldenen Dachspitzen vielmehr dahinter. Der kleine Junge gehörte zur Kioskbesitzerin am Ende des und betrachtete neugierig mein Treiben, bis ihn seine Mutter wieder zurück rief.



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Bild 27: Anschließend folgte mit RBE.2504 noch ein ehemaliger japanischer Triebwagen. Damit hatte ich genug von dieser Fotoposition und ging zurück zum Bahnsteig, wo mein Ringzug aber noch immer nicht bereit stand ...



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Bild 28: ... also fotografiere ich einfach weiter, um mir die Zeit zu vertreiben. Nächstes Opfer war DD.936 (1977, Alsthom), die mit ihrem Zug am Nachbarbahnsteig stand. Die Überdachung ist typisch für größere Bahnhöfe in Myanmar. Ihre Konstruktion hat sich wohl insbesondere während der heftigen Regenzeit bewährt.



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Bild 29: Am anderen Ende des Bahnsteigs gab es noch ein indisch-französisches Doppel zu sehen. Der Neubau mit der Reklametafel im Hintergrund kündet schon die neuen Zeiten an. Seit der Öffnung des Landes gibt es immer wieder Diskussionen, den Bahnhof komplett zu schließen und das Bauland an Spekulanten zu verhökern. Y-21 sozusagen, wobei man den Bahnhof in Yangon nicht einfach unter die Erde verlegen kann, das wird insbesondere in der Regenzeit schwierig. Stattdessen soll weit außerhalb ein neuer Hauptbahnhof entstehen. Den aktuellen Stand der Diskussionen/Planungen kenne ich leider nicht.



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Bild 30: Der chinesischen Lok DD 1115 waren wir heute ja schon mal begegnet, ich gönnte ihr aber noch eine Nahaufnahme. So haben die Lok-schräg-von-vorne-Verfechter in diesem Forum auch noch ein Bild, bei dem sie nicht die Nase rümpfen müssen.




Rechtzeitig zur Abfahrt traf ich am Bahnsteig ein und dort traf mich fast der Schlag. Eine knapp zwanzigköpfige Studiosus-Reisegruppe deutscher Rentner wartete auch schon auf den Zug. Während sich die eine Hälfte über den schmutzigen Bahnhof mokierte (die waren wohl noch nie auf einem deutschen Bahnhof, die sehen nämlich oft weitaus schmutziger und heruntergekommener aus), scharte sich der andere Teil um einen selbsternannten Eisenbahnexperten der Reisegruppe. Er blickte auf die Gleise und analysierte messerscharf, dass in Myanmar die Züge wie in Deutschland auf 1.435mm Spurweite verkehren würden. Dann fiel sein Blick auf das Signal am Bahnsteig, welches er eindeutig als ein „altes AEG Signal“ identifizierte. Ein Raunen ging durch die Menge: deutsche Qualitätsprodukte in diesem Land! Also in Myanmar gibt es keinen einzigen Meter Gleis in Normalspur und selbst ein Laie hätte erkannt, dass es sich um Meterspur (900mm hätte ich auch noch akzeptiert) handelt. Und auf dem Signalkasten prangte in dicken, gegossenen Lettern „Westinghouse“. Gehörten die mal zu AEG? Als ich die Einfahrt des Zuges filmte, rannte mir die ganze Gruppe auch noch aufgeregt durchs Video. Die Bahnbediensteten lotsten die Reisegruppe in einen eigenen, wohl reservierten Wagen und achteten darauf, dass keine Einheimischen den Wagen betraten. Das ist ja schlimmer wie in Nordkorea in der U-Bahn von Pjöngjang! Mich drängten die Bahnbediensteten auch in diesen Wagen. Nur über meine Leiche! Stattdessen suchte ich mir den Wagen, der am weitesten vom Touriwagen entfernt war, aus.

Während der Fahrt filmte ich nur, wer Fotoimpressionen der Fahrt mit dem Ringzug sehen möchte, dem seien meine Berichte aus dem Jahre 2009 ans Herz gelegt:

Teil 60a: Unterwegs mit der Gemüse-S-Bahn – Einmal mit der Circle Line rund um Yangon
Teil 60b: Unterwegs mit der Gemüse-S-Bahn – Einmal mit der Circle Line rund um Yangon

Ich amüsierte mich königlich im Wagen der Einheimischen. Anfangs war er noch ziemlich leer und neben mir saßen zwei Kinder, die nur mit ein paar dreckigen Stofffetzen bekleidet waren. Sie hatten Spaß mit meiner Videokamera: ich filmte, wie sie Quatsch machten, dann filmte sie mich, wie ich Quatsch machte. Am Bahnhof Danyingon war dann doch noch ordentlich was los. Eifrig stopften die Verkäuferinnen riesige Säcke mit Obst und Gemüse durch die Fenster, auf meinem Schoß landete ein großer Plastiksack voller Lotosblätter. Unser Wagen war im Nu komplett voll und weiter ging die Fahrt. Die Einheimischen sind die Ausländer in den Zügen mittlerweile aber gewohnt, im Gegensatz zu früher war ich nicht mehr die Hauptattraktion.

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Bild 31: Der Gemüsemarkt auf dem Bahnsteig von Danyingon (Foto von 2009).



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Bild 32: In der Gemüse-S-Bahn von Yangon (Foto von 2009).




Nach gut drei Stunden Fahrt war ich wieder an meinem Ausgangspunkt angelangt, machte dort noch ein paar Fotos, bevor ich mich zum „Bogoyke Aung Sang Market“ begab, wo ich unter anderem Babykleidung erstand (man muss sich ja auf die Rolle als Vater vorbereiten). Ich wollte noch weitere Fotos an der Bahnhaltestelle des Marktes machen, aber das Wetter zog wie gestern Nachmittag wieder zu. Die Uhrzeit passte aber und so zog ich mich zum Vier-Uhr-Tee in meinen Lieblingsteashop in der Nähe zurück, schlürfte meinen Milchtee, aß mich quer durch das Gebäcksortiment, paffte genüsslich eine Cheeroot und beobachtete das Treiben auf dem Gehweg. Herrlich!

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Bild 33: Der Fahrkartenschalter am Haltepunkt des Bogoyke Aung San Markets hatte schon geschlossen. Man beachte aber die stilvolle Beleuchtung, die sich nahtlos der eleganten Schlichtheit des Gebäudes anpasst.



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Bild 34: Für Interessierte hier nochmals der Streckenplan der Ringbahn in Yangon. Danach sollten keine Fragen mehr offen sein, oder? Wir befinden uns am rot markierten Haltepunkt. Drei Punkte weiter oben zweigt in Mla Hwa Gone (Mahlwagon) die Strecke nach Bago/Mandalay ab. Umsteigen kann man hier aber nur in Nahverkehrszüge nach Dagon, Fernverkehrszüge halten in Mla Hwa Gone nicht. Einmal knapp halb im Kreis herum kommt man nach Danyingon, wo die Strecke nach Pyay abzweigt.



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Bild 35: Ein fliegender Gemüsehändler balanciert seine Waren über den Bahnsteig, im Hintergrund steht DF.1248 (1970, Alsthom). Zu meinem Motivglück fehlt nur noch die Sonne…



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Bild 36: … ebenso, als eine überladene Händlerin und ein Mönch die Szenerie bereichern.



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Bild 37: Kurzfristig schien die Sonne und mit DF.1248 stand weiterhin ein Schienenfahrzeug auf den Schienen. Auf dem Bahnsteig herrschte aber dummerweise tote Hose, also wieder nichts mit schönem Fotomotiv.



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Bild 38: Dann kam wieder die Sonne und ein Fotomotiv auf dem Bahnsteig gab es auch. Dafür war die Lok jetzt weg und auch sonst kein Eisenbahnfahrzeug in Sicht.



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Bild 39: Und ihr könnt’ s euch natürlich denken. Als der nächste Zug mit Zuglok DF 1212 (1964, Alsthom) in Form eines Ringzuges einfuhr, war die Sonne weg und auf dem Bahnsteig war auch kein richtiges Motiv. Spätestens jetzt hatte ich die Schnauze voll und brach die Fotosession ab.




Alle Herrlichkeit hat aber mal ein Ende. Ich musste nochmals ins Internet-Café, um meine E-Mails zu lesen. Dann ging es ab in eines der besten Hotels Yangons, wo sich die gesamte Eisenbahnreisegruppe mit Ausnahme meiner Wenigkeit einquartiert hatte. Die Reiseleitung hatte zum Briefing gerufen. Das hätte ich mir eigentlich sparen können, denn ich fuhr ja nicht zum ersten Mal nach Namtu. Aber ich musste den morgigen Treffpunkt in Erfahrung bringen und natürlich ein paar Worte mit unserer deutsch-burmesischen Reiseleiterin und ihrem deutschen Mann wechseln, die ich auch schon seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte (in diesem Sinne schöne Grüße an KyiKyi und Manfred, falls ihr mitlesen solltet). Ich hatte mich festgequatscht und hatte somit wieder Probleme, nach Einbruch der Dunkelheit etwas Essbares zu finden. Gebratene Nudeln im Hotel wie am Vortag, darauf hatte ich keine Lust. Mir kam noch ein thailändisches Restaurant in den Sinn, das tatsächlich noch geöffnet hatte. Der servierte Curry war auch ganz gut, allerdings auch höllisch scharf. Hoffentlich gibt das morgen auf der Reise nach Mandalay keinen Durchfall.


Mit dem Tag endet dann auch dieser Bericht. Im nächsten Bericht machen wir uns dann auf den Weg über Mandalay nach Namtu. Davon gibt es dann auch wieder das eine oder andere zu erzählen und zu zeigen. Ich hoffe, dass ihr dann also wieder dabei seid.

Und da nicht jeder Auslandsforum-Leser ins HiFo schaut, sei mir ein Link in selbiges erlaubt. Dort gibt es aktuell parallel zu dieser Berichtsreihe eine Berichtsreihe, die sich meinem Myanmar-Aufenthalt im Jahre 2007 widmet. Bei Interesse einfach auf eines der Bilder oder die Bildunterschrift klicken, dann werdet ihr automatisch zum aktuellen Bericht geleitet.






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Hier geht’s zum aktuellen Myanmar-Bericht im HiFo. Dort gibt es diese und noch viel mehr Bilder aus dem Januar 2007 zu sehen.













Zugliste
Datum Zugnummer Von Nach km Traktion Spurweite
25.11.Circle LineYangon Hbf Yangon Hbf 49,1Diesel1000mm


Super, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 10.05.19 17:43

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen: [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Re: Schöner Bericht zum Planbetrieb!

geschrieben von: RailBox

Datum: 11.05.19 09:43

Hallo!

Vielen Dank für den tollen Einblick in den interessanten Planbetrieb. Das hebt sich positiv ab von den üblichen Berichten von Museumsdampfaktionen ;-)

Allein die ex DFH21 machen einen Besuch lohnend.

Bin gespannt auf mehr!

Grüße
RailBox
Hallo Stefan,

An der Moschee hatte ich 2008 auch fotografiert. Leider dient das Gleisfeld nebenan auch als öffentliche Toilette.

Gruss, Thomas.