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Nach dem vielen Rätselraten der vergangenen Wochen wird nun heute tatsächlich die Istanbuler Stadtbahn feierlich wiedereröffnet. Sie soll umsteigefrei von Halkalı bis Gebze verkehren und somit die beiden ehemals getrennten europäischen und asiatischen Vorortsbahnen entlang des Marmarameers durch den bereits 2013 eingeweihten Tunnel unter dem Bosporus vereinen. Über den Takt und welche Abschnitte durch Verdichtungsfahrten ergänzt werden nach wie vor keine Auskunft. Technisch sind 2-Minutenabstände möglich, wie immer wieder gerne lanciert wird, was gefahren wird, werden wir bald sehen. Die Strecke beträgt 19 km auf der europäischen und 44 km auf der asiatischen Seite. Eine Fahrt über die gesamte Strecke soll 115 Minuten dauern.
Die S-Bahnhöfe sind nicht mehr dieselben wie vor der Schließung. Einige sind renoviert und wieder in Betrieb, andere geschlossen und durch Neubauten in der Nähe ersetzt, wiederum andere ersatzlos geschlossen oder ganz neu eröffnet. Den Fotos nach zu urteilen und auch von meinem Kurzeindruck bei Ankunft mit dem Nachtzug in Halkalı (entspricht in etwa Düsseldorf Flugh Bf, eine Klammer über die Gleise) sind die neuen Bahnhöfe halbwegs ordentlich, aber architektonisch absolut langweilig. Die 14 historischen Bahnhöfe, also alles vor etwa 1938, mussten einem Gerichtsurteil nach erhalten und in Stand gesetzt werden, auch wenn sie entweiht sind.
Wie Kollege Vojagento herausgefunden hat, ist nun auch das Buchungssystem für den Fernverkehr ab morgen frei gegeben, so dass wir einiges über den künftigen Verkehr in die Istanbuler Innenstadt erfahren können. Die meisten YHT (Hochgeschwindigkeitszüge) verkehren nun ab Söğütlüçeşme und halten anscheinend ohne Ausnahme in Bostancı, Pendik und Gebze. Einen Halt in Maltepe, der auch versprochen wurde, habe ich hingegen nicht gesehen. Zwei Züge pro Tag und Richtung nach (bzw. von) Ankara-Eryaman verkehren auch durch den Bosporustunnel und halten in Bakırköy und enden in Halkalı (die erste Abfahrt des Tages sowie eine Abfahrt in der Mittags- bzw. frühen Nachmittagszeit). Allerdings dürfte der erste YHT schon weg sein, wenn der Nachtzug aus Sofia ankommt. Ferner verkehrt auch die erste Abfahrt des Tages Richtung Konya ab dort.
Für alle, die nicht non stop durch Istanbul durch wollen, dürfte das irrelevant sein. Die einzige Haltestelle in halbwegs zentraler Lage ist Söğütlüçeşme, kurz hinter Haydarpascha. Diesen Bf erreicht man von Sirkeci (ehem. Istanbul Bf) aus mit der Marmaray (S-Bahn) in 3 Stationen. Wer aus Karaköy (Galata), Kabataş (bei Taksim) oder Beşiktaş Richtung asiatischen Fernverkehr will, nimmt am Besten eine Fähre nach Üsküdar und steigt dort auf die Marmaray um (2 Stationen nach Söğütlüçeşme). Ferner ist der Bahnhof auch Endhaltestelle der Metrobus-Strecke, so dass man diesen aus Europa beispielsweise auch aus Mecidiyeköy oder Gayrettepe/Zincirlikuyu ohne Umsteigen erreichen kann. In Kadıköy erreicht man Söğütlüçeşme wohl am besten fußläufig oder durch kurze Taxifahrt.
Der Adapazarı Express, ein Art Regionalbahn, verkehrt unverändert Pendik-Midhatpaşa. Wir können mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Zug aus Sofia weiter in Halkalı endet. Vermutlich wird der SEV-Bus von/ab dort eingestellt und Passagiere auf die S-Bahn verwiesen, aber das ist weiter Spekulation.

"Die Eisenbahn ist eine heilige Fackel, die ein Land mit dem Licht der Zivilisation und des Wohlstandes erleuchtet." Mustafa Kemal A., Flugverweigerer




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.03.19 20:53.
Insgesamt 22 Ein- und Ausfahrten in Söğütlüçeşme, zwischen 7 Uhr morgens bis 23:30 Uhr, auf weitesgehend einem Gleis sind ja recht sportlich. Bemerkenswert das hier ab Tag 1 ein umfangreicher Fahrplan angeboten wird. Daumen druecken das alles gut geht und die Signaltechnik ausgiebig getestet wurde.
Schöne Nachrichten. Und immerhin hat man ab 1. Juni planmäßig 9 Minuten Umsteigezeit vom YHT Ankara-Halkali auf den Istanbul-Sofia-Express (bis 31. Mai sind es sogar 1 Stunde und 9 Minuten...)
Komme gerade zurück von meiner ersten Inspektionsfahrt des europäischen Abschnitts. So gut habe ich mich nicht mehr amüsiert seit der Wiederinbetriebnahme der Berliner Stadtbahn. Mal fuhren oder standen die Züge Puff er an Puffer, mal gab es große Lücken. Ein eher peinlicher Auftakt. Auch diesen Klassiker haben sie aufgeführt in Ataköy: "Alles aussteigen, dieser Zug endet hier." Nach kurzem Rumstehen der Passagiere und des Zuges am Bahnsteig dann: "Der Zug am Bahnsteig ist nun zum Einsteigen bereit." Und weiter ging's, mit vielen Kunstpausen.
Aber dafür, dass die Informationen vorab so spärlich waren, haben doch viele Leute gleich am ersten Tag die Züge genutzt. Ohne die heutigen Verzögerungen im Betriebsablauf dürfte eine Fahrt Sirkeci-Halkalı nicht länger als 35 Minuten dauern.
Als Fahrkarte braucht man wie für fast allen ÖPNV hier eine Istanbulkart. Anders als bei U-Bahn, Bus oder Fähre muss man bei Marmaray ab sofort auch nicht nur ein-, sondern auch auschecken, da der Tarif entfernungsabhängig ist. Also ohne Karte kommt man nicht aus der Absperrung heraus.
Abfahrten sollen planmäßig alle 15 Minuten auf der Gesamtstrecke und alle 8 Minuten zwischen Söğütlüçeşme und Zeytinburnu sein, also je eine Station hinter den bisherigen Endstationen. Erste Abfahrt morgens gegen 6 und letzte abends kurz nach 22 Uhr an den Endstationen.
In Halkalı gibt es jetzt einen Schalter mit Fernfahrkarten, Auskunft, Klo. Istanbulkart-Automat. Vieles, insbesondere die Abstellgleise und die Einfahrt der Fernverkehrszüge sind momentan noch komplett provisorisch. Eine Durchbindung der Züge aus Thrakien in die Innenstadt ist meinem Eindruck nach technisch noch nicht möglich.
In Küçükçekmece das größte Ärgernis. Es hieß der Bahnhof wird vom Ortsplatz weg Richtung Stadtautobahn verlegt, damit das Umsteigen zum Metrobus einfacher ist. Tatsächlich sind die beiden Stationen nun aus der Luft gesehen näher, aber da der einzige Zugang von der Hinterseite des Bahnhofs ist und man diese vom Ort aus nur durch die Unterführung des alten Bahnhofs erreicht, ist der Weg deutlich länger als zuvor. Unter 15-20 Minuten ist das kaum zu machen. Stattdessen geht jetzt eine Autobrücke quer über den ehemaligen Bahnhofsvorplatz, das ist wohl der wahre Grund der Verlegung.
Menekşe, den manche Zeitungen noch als aktiven Bahnhof zeigen, ist abgerissen, was schade ist, da er unmittelbar auf einen recht ruhigen Strand und einige bodenständige Tavernen hin hinausführt.
Dafür kann man in Florya etwas gediegener gegenüber vom Bahnhof mit Meerblick essen. Hier steht auch das ehemalige Sommerhaus von Mustafa Kemal, ein Museum im Bauhausstil. Leider ist der ebenfalls stilvolle ehemalige Bahnhof hier abgerissen und ersetzt worden durch einen der belanglosen Neubauten.
Bei Zeytinburnu fallen hingegen die ganzen unsäglichen Wohnhochhäuser in Meeresnähe auf, die hier in die Höhe geschossen sind in den letzten Jahren.
Aber endlich wieder die wichtigste Schienenverbindung dieser Stadt wieder in Betrieb, das ist schon eine gute Nachricht. Hoffentlich gibt es bald mehr Abfahrten.

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Inwiefern, kommst du zum Schluss, dass der Nachtzug aus Sofia nicht nach Sirkeci fahren wird ?
Einfach: es hängt kein Fahrdraht zwischen den Bahnsteigen des Fernverkehrs, wo heute die Züge aus Edirne, Uzunköprü und Sofia ankommen/abfahren und den Weichen, wo von diesen Bahnsteigen auf die Stadtbahn eingebogen werden kann. Ob die Fernzüge theoretisch von der anderen Seite aus kommend auf die S-Bahnsteige einfahren könnten, habe ich nicht gesehen, aber erstmal wird das nicht praktiziert, wie man mir auch an der Auskunft bestätigte. Der YHT aus Anatolien fährt jedoch, ich haben einen gesichtet auf der Strecke.

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Ich habe vor, im Juni die Marmaray und den YHT zu testen.... gibt es eine Übersicht, welche YHT-Fahrzeuge (ICE/CAF) zu welchen Fahrzeiten unterwegs sind?
Meines Wissens bleibt es dabei, dass nach Istanbul nur CAF fahren. Das liegt wohl daran, dass zwischen Eskisehir und Istanbul noch auf mehreren Abschnitten auf die Altstrecke umgeleitet wird, auf der es kein ETCS gibt. Die Velaros sind nur mit ETCS ausgestattet, soweit ich das richtig verstehe. Auf anderen Verbindungen kann man die unterschiedlichen Züge bei der bildlichen Sitzplatzbuchung online erkennen: die CAF-Wagen haben nur eine Mitteltür, während Velaros 2 Türen an den Enden der Wagen haben.

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Vielen Dank.... auf dem Rückweg von Ankara nach Istanbul werde ich dann einen Umweg via Konya machen, dort dürfte dann die Velaro-Trefferquote recht hoch sein!
Ist schon absehbar, wann die YHT wieder bis Ankara YHT fahren?
Die Sperrung war zunächst auf einen Monat begrenzt und wurde dann unbefristet verlängert. Was hoffnungsvoll stimmt, ist dass in dem neuen Fahrplan Ankara schon mit angegeben ist, auch wenn die Züge im Moment noch in Eryaman enden. Der Fahrplan ist nur ein Winterfahrplan, irgendwann im Frühjahr wird die Anzahl der verkehrenden YHT normalerweise hochgefahren.
Zu einem stopover in Konya kann ich nur raten: eine interessante Stadt mit einigen Überresten aus dem 14. Jahrhundert, als dies die Hauptstadt der Seldschuken von Rum warten. Was ich in der Vergangenheit gemacht habe, ist den Kombi-Verkehr der TCDD mit YHT und Bus Istanbul-Konya-Antalya zu benutzen. Die Busfahrt ist sehr schön übers Taurusgebirge, und insgesamt schlägt man immer noch die Fahrtzeit der direkten Busse.

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Über 4 Stunden für Istanbul - Ankara ist ja immer noch nihct so der Hit. Mit welchen mittelfristigen Verbesserungehn ist den auf der Strecke noch zu rechnen?
In der Tat, es wurde mal von 3 Stunden vor Beginn der Bauarbeiten schwadroniert. Verbesserungspotential:
- nach Ende der Signalarbeiten im Großraum Ankara müsste die Stadtausfahrt deutlich schneller gehen, 10 min oder mehr
- nördlich von Bilecik ist ein Tunnel der NBS während den Bauarbeiten eingestürzt, so dass hier der YHT kurz auf die Altstrecke umgeleitet wird. Am Tunnel wird weiter gebaut.
- Der Doğancay-Bypass: um die ca 90°-Kurve bei Arifiye etwas abzukürzen, wurde nachträglich in die Pläne eine großzügige Umfahrung und Einfädelung am Bf Sapanca aufgenommen. Die Ausschreibung zeigte, dass die Kosten angesichts des Hochgebirges, das im Weg steht, astronomisch wären. Der Doğancay-Bypass wurde also zurückgezogen, kostensparender neu geplant und ist mittlerweile im Bau. Da aufgrund dieser Umplanung auch weite Teile der fertigen Strecke nicht am Netz sind und auf Altstrecke mit 70 kmh gefahren wird, ist hier das größte Potential, noch ordentlich Minuten rauszuschlagen.
- Izmit-Gebze: dieser Abschnitt ist ABS. Angeblich sollte dieser von 120 auf 160 kmh ertüchtigt werden, es werden aber nach wie vor 120 kmh gefahren. Die Gründe entziehen sich meiner Kenntnis.

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Baron schrieb:
Was ich in der Vergangenheit gemacht habe, ist den Kombi-Verkehr der TCDD mit YHT und Bus Istanbul-Konya-Antalya zu benutzen. Die Busfahrt ist sehr schön übers Taurusgebirge, und insgesamt schlägt man immer noch die Fahrtzeit der direkten Busse.
Wie ist dieser Kombi-Verkehr zu buchen? Geht das online?

Viele Grüße !
Hi, auf der Seite der TCDD Trenler, gibt es neben der Übersicht über alle YHT Züge auch eine Übersicht der Kombiverkehre (yht + Otobüs). Man muss online dies leider als getrennte Tickets kaufen. An den beteiligten Bahnhöfen und Busbahnhöfen gibt es allerdings eine doppelte Fahrkartenausgabe. Man kann z.B. am Busbf Antalya bei der Busfirma (ich glaube Özkaymak?) beide Tickets lösen. Auch stopovers (z.B. Antalya-Konya im Bus, eine Nacht, folgenden Mittag weiter) sind drin. Die Abfahrt am Bf von Konya bietet sowieso einen großen Vorteil, da der Busbf hoffnungslos weit draußen liegt. Online Kauf von türkischen Bustickets scheitert leider häufig an der ausländischen Kreditkarte.
Seat 61 hat das Prozedere meine ich gut beschrieben auf der Seite für Reisen innerhalb der Türkei.

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Es ist also noch einiges zu holen, aber trotzdem bleibt bei mir der Eindruck, dass man das ganze Projekt Istanbul - Ankara nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit angegangen ist. Die Tatsache, dass man für die gut 80km Luftlinie von Izmit nach Istanbul 1:20 Stunden Fahrzeit über eine längere eingleisige Streckenführung benötigt, finde ich nur schwer verständlich.

Ebenso die Tasache, dass man immer noch keinen Plan für einen richtigen Hauptbahnhof in Istanbul hat und stattdessen die Fahrgäste auf irgendwelchen besseren S-Bahnhalten rauswirft...



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.03.19 14:39.
Im klassischen Korridor über Eskesehir mit Nutzung der Stadtbahn in Istanbul ist die jetzige NBS schon ein sehr guter Kompromiss bzgl. Schnelligkeit einerseits und Finanzierbarkeit andererseits.

Richtig schnell würde man werden, wenn man die seit Jahrzehnten projektierte und teilweise begonnene NBS durch den Ayas-Tunnel bauen würde, und dann am besten gleich für vmax=300km/h oder mehr.
[en.m.wikipedia.org]
Aufgrund der Topographie ist das aber eine andere Liga...

In Istanbul selbst halte ich die Dreigleisigkeit für einen - leider teuren - Treppenwitz. Für eine >15Mio-Stadt kann eine eingleisige FV-Anbindung mittelfristig nicht reichen, wenn die Eisenbahn spürbar Marktanteile gewinnen soll (wozu sie in der Türkei dank Netzausbau und Urbanisierung auf bestem Weg ist!). Allerdings ist die Altstrecke eh sehr kurvig und nicht allzu schnell, d.h. das Thema Reisezeiten wäre auch mit Viergleisigkeit nicht besser. Bloß, wo könnte eine richtige Diretissima mit halbwegs zentralem Endpunkt überhaupt verlaufen? Wahrscheinlich bräuchte man lange Tunnel...
Railturkey.org meldet, dass seit heute (15.3.) die YHT's wieder ab Ankara Hauptbahnhof aus starten. Es gibt somit wieder eine durchgehende Direktverbindung vom Zentrum in Ankara zum "Zentrum" nach Istanbul.