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[FR] Verkehrskonzept Strasbourg: Tram+Bus auf Vormarsch

geschrieben von: D 895

Datum: 10.01.19 03:01

Das scheint rund zu laufen für den ÖPNV in Straßburg:

4,10€ für bis zu 7 Personen inkl.Parkplatz

Salut Frédy (der die Crit-Air-Plakette in der jetzigen Form allerdings aufgrund schwieriger Beschaffung ablehnt, laut deren Seite existiert mein PKW-Modell nicht ergo gibt es keine Plakette)





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.01.19 03:05.
Die Franzosen begreifen seit Jahren dass der MIV unterm Strich mehr Schaden als Nutzen anrichtet.


In Deutschland wird der ÖPNV hingegen nach wie vor nur als ich möchte mal sagen "lästiger Zusatz" angesehen. Nach dem Motto: Ausbau ja aber um Himmels Willen nicht zu Lasten der Autofahrer. Ja die Folge ist ein nicht konsequent ausgebautes ÖPNV-Netz welches dadurch mit den Reisezeiten im PKW wiederum nicht konkurrieren kann. Dadurch verharrt der Modal Split oftmals bei jämmerlichen 20 - 25 % obwohl von den Politikern immer irgendwas mit Verkehrswende herbeigeredet wird...

Zumindest Dresden und Leipzig (in diesen beiden Städten bin ich hauptsächlich unterwegs) ist das so. Da kann man von Straßburger Zuständen nur träumen
PauLe Theo schrieb:
Zumindest Dresden und Leipzig (in diesen beiden Städten bin ich hauptsächlich unterwegs) ist das so. Da kann man von Straßburger Zuständen nur träumen
Das kann ich als Selten-Nutzer des Leipziger ÖPNV nur gut und gerne unterschreiben. Denn nicht das ich ihn nicht nutzen wollte, aber mitunter ist es schon sehr beschwerlich und das eigene Fahrrad dann doch die bessere Alternative. Was man im MDV und speziell bei den LVB für 2,70€ pro Fahrschein geboten bekommt macht einen mitunter schon sprachlos.

Strasbourg ... da war ich vor einigen Monaten selbst und habe mit der ganzen Familie auch die Tram genutzt. Das funktioniert dort wirklich gut, die Fahrpreise sprechen ohnehin für den ÖPNV. Einziges Manko ist, das bei Störungen leider nur auf französisch angesagt wird, auch bei der grenzüberschreitenden Tram. Das ist für die vielen Touristen eher nicht so toll ...



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.01.19 22:43.

Re: [FR] Verkehrskonzept Strasbourg: Tram+Bus auf Vormarsch

geschrieben von: def

Datum: 10.01.19 16:58

PauLe Theo schrieb:Zitat:
Zumindest Dresden und Leipzig (in diesen beiden Städten bin ich hauptsächlich unterwegs) ist das so. Da kann man von Straßburger Zuständen nur träumen
Gerade in Leipzig und Dresden kann man sich doch nicht beklagen, z.B. hinsichtlich Taktdichte und Betriebszeiten. Und zumindest in Dresden stehen in den nächsten Jahren auch einige Projekte zum Ausbau an, und man verküpft S-Bahn und Stadtverkehr immer stärker miteinander (letzteres hat in Leipzig bei der Milliardeninvestition Citytunnel nicht geklappt) und baut die S-Bahn aus. Und der Dresdner Nachtverkehr ist - gerade werktags - einer der besten in Europa, erst recht in Städten dieser Größe; aber selbst der Nachtverkehr in einigen Millionenstädten kommt nicht an die Dresdner Qualität heran. Das Problem ist eher, dass gerade in Dresden die Straßen zu gut ausgebaut sind.

Ich wäre aber auch vorsichtig mit der Beurteilung des Straßburger Nahverkehrs aus der Ferne, also durch Medienberichte oder selbst nach ein paar Tagen Urlaub. Wirklich beurteilen kann man m.E. die Qualität eines ÖPNVs erst, wenn man längere Zeit vor Ort gelebt hat und regelmäßig Termine einhalten musste. Im Urlaub stört eine Betriebsstörung oder eine ausfallende Bahn nämlich viel weniger, außer vielleicht, wenn man zum Bahnhof oder zum Flughafen muss. Demzufolge nimmt man sie auch weniger wahr als im Alltag.

Es ist schon erstaunlich, dass sich die "Klartext"-Fraktion immer am meisten aufregt, wenn man Rassisten "Rassisten" nennt. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Mut zur Wahrheit!
PauLe Theo schrieb:
Die Franzosen begreifen seit Jahren dass der MIV unterm Strich mehr Schaden als Nutzen anrichtet.

In Deutschland wird der ÖPNV hingegen nach wie vor nur als ich möchte mal sagen "lästiger Zusatz" angesehen. Nach dem Motto: Ausbau ja aber um Himmels Willen nicht zu Lasten der Autofahrer. Ja die Folge ist ein nicht konsequent ausgebautes ÖPNV-Netz welches dadurch mit den Reisezeiten im PKW wiederum nicht konkurrieren kann. Dadurch verharrt der Modal Split oftmals bei jämmerlichen 20 - 25 % obwohl von den Politikern immer irgendwas mit Verkehrswende herbeigeredet wird...
So einseitig würde ich es nicht formulieren. Frankreich hatte viel Rückstand nachzuholen, die meisten Städte waren regelrecht ÖPNV-Frei, außer Busse. Deutsche Städte hatten immer recht gute Straßen/Stadtbahnen, und man muss auch ehrlich sagen, dass hierzulande viel investiert wurde. Ich finde z.B. die Leipziger und Dresdner Straßenbahnen sehr attraktiv; in welcher französischen Stadt hat man derart dichte Netze?

Ja, ich schaue auch neidisch auf Frankreich, wie schnell man dort aufgeholt hat. Da können wir einiges von lernen. Aber für ein Schwarz/Weiß-Bild taugt es nicht.
PauLe Theo schrieb:
Die Franzosen begreifen seit Jahren dass der MIV unterm Strich mehr Schaden als Nutzen anrichtet.

In Deutschland wird der ÖPNV hingegen nach wie vor nur als ich möchte mal sagen "lästiger Zusatz" angesehen. Nach dem Motto: Ausbau ja aber um Himmels Willen nicht zu Lasten der Autofahrer. Ja die Folge ist ein nicht konsequent ausgebautes ÖPNV-Netz
Hm, so ganz würde ich das nicht stehen lassen wollen. Selbst im ÖPNV-mäßig für französische Verhältnisse noch recht vorbildlichen Elsass gibt es viele Gemeinden, die überhaupt gar keine ÖPNV-Anbindung haben, nicht mal mit dem Bus. Das wäre in Deutschland nicht vorstellbar.

Die Tram in Straßburg funktioniert sehr gut. Für eine Stadt mit fast 500.000 Einwohnern (Gebiet der Eurometropole) reicht sie aber als Beförderungsmittel eigentlich nicht mehr aus. Sie fährt zwar durchgehend auf eigenem Gleiskörper, ist aber von der Trassierung her oft eben doch eine Straßenbahn mit entsprechender Fahrgeschwindigkeit. Sowohl für den Vorortverkehr wie auch für den innerstädtischen Verkehr wäre eigentlich dringend eine S-Bahn nötig. Es gibt zwar Vorortzüge, aber an den mittlerweile in vielen deutschen Städten bestehenden S-Bahn-Verkehr kommen sie bei weitem nicht heran. Entsprechend voll ist dann auch die Stadtautobahn zur Rush Hour.

Die Stadt Straßburg und die Region Grand Est haben das mittlerweile auch erkannt und befassen sich mit der Einrichtung eines Réseau Express Métropolitain, einer Art S-Bahn-Netz. Wann das wirklich kommen wird, ist aber noch offen, jedenfalls habe ich noch von keinem Datum gehört.

D 895 schrieb:
Zitat:
Ja, dieses Angebot (Parken + ÖPNV-Tageskarte), das es schon lange gibt, ist schon sehr gut. Man kann es allerdings nur kaufen, wenn man mit einem Auto vorfährt. Wenn man z.B. mit dem Zug ankommt, gibt es diese günstige Tageskarte nicht, man muss deutlich mehr zahlen. Das kann man durchaus auch kritisch sehen.

D 895 schrieb:
Zitat:
… der die Crit-Air-Plakette in der jetzigen Form allerdings aufgrund schwieriger Beschaffung ablehnt, laut deren Seite existiert mein PKW-Modell nicht ergo gibt es keine Plakette
Bist Du sicher, dass Du auf der richtigen Seite nachgesehen hast? Man muss doch eigentlich nur die Daten aus der EU-Zulassungsbescheinigung in das Web-Formular abtippen. Gibt es da wirklich Modelle, die das Web-Formular dann nicht akzeptiert? (sorry für OT)

Gruß
X73900



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.01.19 17:34.
Zitat
Das Problem ist eher, dass gerade in Dresden die Straßen zu gut ausgebaut sind.

Da sprichst einen entscheidenden Punkt an. Man will in Deutschland immer am besten BEIDES. In Dresden stimmt ham wir nen verhältnismäßig gut ausgebauten NV und der durchgehende Straßenbahn- und teilweise Busbetrieb ist ein Segen. Hier wurde auch massig in nen mordernen Wagenpark investiert, alles gut und schön. Die Praxis sieht aber trotzdem so aus dass die Durchschnittsgeschwindigkeit der Bahn bei 20, die des MIV aber bei sage und schreibe 28 km/h liegt. Und das ist der Punkt

Dann kommt noch hinzu dass du quasi mitten in der Stadt immer noch für 50 Ct die Stunde mit der Karre parken kannst. Ein Einzelticket kostet hingegen 2,40 da kann ich also schonmal fast 5 h parken - zum Einkaufen reicht das dicke. Konsequenz: P&R wird, wenn überhaupt dann nur zu echten Großveranstaltungen wirklich genutzt
def schrieb:
Gerade in Leipzig und Dresden kann man sich doch nicht beklagen, z.B. hinsichtlich Taktdichte und Betriebszeiten.
Bezüglich Takt- und Betriebszeiten stimme ich Dir zu, aber das ist nicht alles, was guten ÖPNV ausmacht.
So fallen mir in Leipzig die kaum aufeinander abgestimmten Linien auf (man fährt sich gegenseitig vor der Nase weg, egal ob planmäßig oder absichtlich), die an Umsteigepunkten oft weit voneinander und nur über 2 Ampeln erreichbaren Bahnsteige, der in einigen Teilen des Netzes schlechte Gleiszustand (niedrige Geschwindigkeiten) und die für das Fahrgastaufkommen heute völlig unterdimensionierten Haltestellen im Zentrum, oft sogar als Doppelhaltestellen, wo der Fahrgast im größten Andrang immer fürchten muss, seine Bahn gar nicht erwischen zu können. Die LVB tun auch noch so, als sei das alles kein Problem und werben mit "tollen" Plakaten und Kurzclips für das - vermeintlich - richtige Verhalten.
Da fühlt man sich als Kunde nicht wirklich geschätzt.

In Strasbourg wirkte das ganze viel ordentlicher, organisierter und fahrgastfreundlicher. Auch wenn ich dort nur Tourist war, war ich von einer Betriebsstörung betroffen und empfand diese mit der Familie im Schlepptau als ärgerlich, trotzdem war es der einzige für mich feststellbare Mangel in einem ansonsten gut funktionierenden System.

Das die Region um Strasbourg eher eine S-Bahn braucht ist klar, die Straßenbahn taugt nunmal nur für die Stadt selbst wirklich.
Die Fahrpreise, vor allem wenn man nicht allein reist, sind in Strasbourg aber wirklich ein Argument FÜR den ÖPNV - das hat man in Deutschland in den meisten Verbünden noch nicht so richtig begriffen.
Bei aller Anerkennung für die neuen Straßenbahnsysteme in Frankreich stören die relativ niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeiten. Weichen oder Kurven können meist nur mit 15 oder 20 Km/h befahren werden. Viel zu enge Radien wurden verbaut, auch wenn mehr Platz gewesen wäre. Auch auf geraden Abschnitten gibt es keinen Geschwindigkeitsrausch. 50 km/h werden innerorts trotz eigener Gleiskörper praktisch nie erreicht. Insofern verschlechtern sich idR die Fahrzeiten nach einer Umstellung von Bus auf Tram. Strasbourg steht im Vergleich zu anderen Städten Frankreichs allerdings noch ziemlich gut da. Trotzdem deutlich langsamer als in Deutschland.

Grüße

RS

Re: [FR] Verkehrskonzept Strasbourg: Tram+Bus auf Vormarsch

geschrieben von: JanH

Datum: 11.01.19 12:26

baureihe218 schrieb:
Weichen oder Kurven können meist nur mit 15 oder 20 Km/h befahren werden.
Gut, auch in Deutschland gibt es von Betrieb zu Betrieb stark schwankende Ansichten darüber, wie schnell man Weichen/Kreuzungen denn nun befahren darf, von einem französischen Weichenhersteller selber weiß ich aber, dass dieser z.B. beim Auffahren von stumpf befahrenen Weichen von vorneherein nur 15 km/h empfiehlt. Auch auf Flachrillen scheint man eher allergisch zu reagieren (als Erklärung habe ich mal gehört, dass das französische Radreifenprofil da ungünstiger sein soll, inwieweit das stimmt, kann ich aber auch nicht beurteilen) und empfiehlt bis 100 m Radius 10 km/h, darüber hinaus dann rasante 15 km/h. [1]
Die meisten französischen (oder französisch beeinflussten) Betriebe sind ja Neubauten, wenn dann also schon der Weichenhersteller so konservative Werte empfiehlt und dann gleichzeitig noch die Betriebserfahrung fehlt, dass es vielleicht doch auch etwas schneller ginge, kann das schon zu niedrigeren Geschwindigkeiten als hierzulande üblich führen.

Zitat:
50 km/h werden innerorts trotz eigener Gleiskörper praktisch nie erreicht.
Während in Deutschland erst mal nur die 40 km/h an Haltestellen aus der BOStrab gesetzt sind, scheint die französische Planungsphilosophie z.b. an Straßenkreuzungen gerne generell auf 40 km/h oder weniger zu beschränken.

Passend zum Thema bin ich übrigens gerade über diesen interessanten Artikel gestoßen: Lents, les tramways français ?

[1] Alternativ führt das dann zu etwas seltsam anmutenden Trassierungen, bei denen zwischen Weiche und Abzweigbogen erstmal eine Zwischengerade kommt um den Kreuzungswinkel zu begrenzen, was umgekehrt aber den Fahrkomfort im Vergleich zu einem durchlaufenden Bogen auch nicht unbedingt verbessert und auch mehr Platz benötigt.
"Man kann es allerdings nur kaufen kann, wenn man mit einem Auto vorfährt. Wenn man z.B. mit dem Zug ankommt, gibt es diese günstige Tageskarte nicht, man muss deutlich mehr zahlen. Das kann man durchaus auch kritisch sehen."

Da gebe ich dir uneingeschränkt Recht! Ungünstig ist auch, dass der nördliche P+R-Parkplatz in Hoenheim-Tram bereits im Crit-Air-Gebiet liegt, man also diese Kosten trotzdem hat oder bei einem älteren Wagen gar nicht hin kommt (wenn man sich an die Gesetze halten möchte).

"Bist Du sicher, dass Du auf der richtigen Seite nachgesehen hast? Man muss doch eigentlich nur die Daten aus der EU-Zulassungsbescheinigung in das Web-Formular abtippen. Gibt es da wirklich Modelle, die das Web-Formular dann nicht akzeptiert?"

Ja, natürlich ist es die richtige Seite: [www.certificat-air.gouv.fr]

Zitat:
"- Prix.
Le prix est fixé à 3,11 € auxquels s’ajoute le montant de l’acheminement par voie postale.
- Si vous faites partie de la zone Union Européenne + la Suisse, cela revient à 4,21€.
- Si vous ne faites pas partie de la zone Union Européenne, cela revient à 4,41€.
- Expédition.
Après vérification des pièces fournies, le Certificat Qualité de l'Air sera expédié à l'adresseque vous aurez indiquée."


Auf meine Anfrage (auf frz.), wieso mein Pkw trotz korrekter Angaben und neuen Baujahrs nicht akzeptiert wird, erhielt ich die Antwort, dass bei einigen ausländischen Herstellern leider noch nicht alle Modelle registriert sind, man aber daran arbeite.
Aber Strafen gäbe es trotzdem, oder wie? Wobei mir in meinem teilweise frz. Bekanntenkreis bisher noch niemand von einer Kontrolle berichtet hat.

Man weiß ja nicht vorher zu 100%, wie die Luftqualität am Reisetag sein wird, wovon aber abhängen kann, ob die Bestellung einer Plakette überhaupt Sinn macht, denn was nützt mir eine Plakette z.B. Kategorie 3,4,5, wenn ich damit dann zu meinem Wunschziel an dem Tag wegen schlechter Luft nicht hin darf?
Besonders für Besucher aus ferneren Gefilden, die nicht des öfteren nach Strasbourg fahren und spontan mal die Stadt besuchen wollen, ist das suboptimal.

Edith hat Ergänzungen hinzugefügt.





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.01.19 17:40.
PauLe Theo schrieb:
Die Franzosen begreifen seit Jahren dass der MIV unterm Strich mehr Schaden als Nutzen anrichtet.
Ich bin da eher bei X73900. Für mich ruft der (generalisierte) Blick auf Frankreich immer in Erinnerung, wie froh man eigentlich – bei all verbleibendem Verbesserungspotenzial – über den ÖPNV in Österreich (und wohl auch Deutschland) sein kann.

Du wirst in F kaum eine TER-Relation finden, die einen lückenlosen Takt hat, selbst zwischen Großstädten besteht der oft nur in der HVZ. Und auch diese löchrigen Takte sind erst der Verdienst der letzten zehn Jahre. An Wochenenden ist der regionale Zugverkehr außerhalb Île-de-France in der Regel massiv eingeschränkt, oft mit nur einer Hand voll Verbindungen am Tag. Auch einige Stadtbuslinien, die unter der Woche im dichten Takt fahren, fahren Sonntags plötzlich nur mehr 1-2 Mal in der Stunde.

Gerade auch das Elsass liefert da viele solcher Beispiele: Wenn du z.B. von Strasbourg nach Fegersheim fährst (Hauptstrecke nach Colmar), dort hast du Mo-Fr zwischen 16 und 19 Uhr bei kreativer Interpretation der Abfahrtszeiten einen 15 Min-Takt. Den Rest des Tages gibt es einen Quasi-Stundentakt mit 2-Stunden-Loch am frühen Nachmittag, gefüllt mit einem SEV. An Sonntagen hast du dort plötzlich nur mehr vier Verbindungen am Tag und die erste fährt um 12:30 von Strasbourg ab. Würde man in Deutschland oder Österreich solche Fahrpläne einführen, dann würden die Leute auf die Straße gehen.

Ich würde zustimmen, dass Frankreich in den letzten zehn Jahren überrissen hat, dass es ohne ÖPNV nicht geht, das aber nur in den urbanen Gebieten. Straßenbahnen wurden geschaffen, Stadtverkehre ausgebaut, die Tarife sind in der Regel sehr günstig. Der ÖPNV als wirkliche Alternative zum Auto endet aber spätestens an der Stadtgrenze, wenn nicht sogar schon in den Vororten.

Im ländlichen Raum kommt hinzu, dass der Schulbusverkehr in Frankreich deutlich strikter vom ÖPNV getrennt ist. Damit haben viele, viele Ortschaften in Frankreich tatsächlich gar keinen ÖPNV-Anschluss. Zwar gibt es immer mehr Initiativen auch solche Orte zu erschließen, das Schlagwort „TAD“ Transport à la demande (=AST) ist immer öfter zu sehen. Aber das sind nur einzelne kleine Maßnahmen, von denen nicht alle überleben, weil das Gesamtsystem einfach zu autozentriert ist. Die "Covoiturage" hingegen ist in Frankreich als Alternative immer mehr in Mode gekommen, es muss halt immer ein Auto sein.

Auch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Verkehrsunternehmen ist überhaupt nicht vergleichbar, nicht nur in der Planung, sondern auch in der Information und Tarifgestaltung. Selbst in manchen Départments (also nochmal eine Ebene unter den Regionen) gibt es keine Fahrplanauskunft, die alle ÖPNV-Unternehmen abbildet, geschweige denn abgestimmte Anschlüsse oder ein gemeinsames Tarifsystem.

Frankreich ist eine eigene Welt, was den ÖV angeht, aber ich muss sagen, sie hat immer auch ihren Reiz. ;)

Beste Grüße
Régiolis
D 895 schrieb:
X73900 schrieb:
"Man kann es allerdings nur kaufen kann, wenn man mit einem Auto vorfährt. Wenn man z.B. mit dem Zug ankommt, gibt es diese günstige Tageskarte nicht, man muss deutlich mehr zahlen. Das kann man durchaus auch kritisch sehen."
Da gebe ich dir uneingeschränkt Recht! Ungünstig ist auch, dass der nördliche P+R-Parkplatz in Hoenheim-Tram bereits im Crit-Air-Gebiet liegt, man also diese Kosten trotzdem hat oder bei einem älteren Wagen gar nicht hin kommt (wenn man sich an die Gesetze halten möchte).
Ein Bekannter von mir wohnte übrigens früher in der Nähe von einem P+R-Platz in Straßburg. Wenn er Besuch hatte, ist er tatsächlich manchmal ins Auto gestiegen, die wenigen Meter zum P+R-Platz gefahren und hat sein Auto dort abgestellt, nur um die nur dort erhältliche günstige Gruppentageskarte für die Tram zu bekommen und so Geld zu sparen. Sans blague.

Danke im übrigen für die Erläuterungen zu Crit'air, wusste nicht, dass es Probleme dieser Art gibt.

Gruß
X73900



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.01.19 00:09.
Régiolis schrieb:Zitat:
Gerade auch das Elsass liefert da viele solcher Beispiele: Wenn du z.B. von Strasbourg nach Fegersheim fährst (Hauptstrecke nach Colmar), dort hast du Mo-Fr zwischen 16 und 19 Uhr bei kreativer Interpretation der Abfahrtszeiten einen 15 Min-Takt.
Ein noch extremeres Beispiel an der gleichen Strecke ist Graffenstaden, der Bahnhof der Stadt Illkirch-Graffenstaden (27.000 Einwohner), noch im Großraum Straßburg gelegen. Der Bahnhof liegt mitten im Gewerbegebiet La Vigie mit zahlreichen Arbeitsplätzen und viel Einzelhandel (und viel Stau vor allem Samstags), in 2 km Straßenentfernung vom Stadtzentrum von Illkirch-Graffenstaden, mit Busverbindung. Das Zentrum der Gemeinde Ostwald (14.000 Einwohner) liegt 1,5 km entfernt. Die Fahrzeit zum Hauptbahnhof Straßburg mit dem Zug beträgt 6 Minuten.

In Deutschland würde dort alle 15 oder 20 Minuten die S-Bahn halten. Die SNCF hält dort (in Richtung Süden) MO-FR 9x täglich, SA 3x täglich und SO 1x täglich. MO-FR gibt es zwischen 08:01 und 16:07 nur eine weitere Abfahrt um 12:31. SA wird 12:31, 18:31 und 20:38 gehalten. SO ist der einzige Halt um 18:13. Die Fahrt Straßburg Hbf. - Graffenstaden kostet 2,70 €, einen Verbundtarif mit Bus und Straßenbahn gibt es bei Einzelfahrkarten nicht (CTS-Monatskarten gelten dagegen nach zähen Verhandlungen seit einiger Zeit auch im Zug).

Natürlich ist Illkirch-Graffenstaden auch mit der Tram an Straßburg angebunden (ebenso wie Ostwald). Die Linie A ist zwar eine der am zügigsten trassierten Linien, braucht aber von Illkirch bis zum Straßburger Hauptbahnhof dennoch 30 Minuten.

Ansonsten gibt es als Alternative noch den Bahnhof Geispolsheim 1,5 km weiter südlich. MO-FR wird dort ähnlich wie in Fegersheim immerhin etwa stündlich gehalten, SA aber auch nur (in Richtung Süden) 6x täglich und SO 4x täglich (erstmals um 12:36).

Wenn man von Illkirch z.B. mal einen Sonntagsausflug nach Colmar machen wollte, würde sich eine Nutzung des Bahnhofs in Graffenstaden anbieten und viel Zeit sparen - aber bei nur einer Abfahrt am Tag?

Hier wird besonders deutlich, dass die SNCF lange keine wirkliche Vorstellung hatte, dass man Bahnstrecken im Umfeld von Großstädten auch für einen S-Bahn-Verkehr nutzen könnte (außer im Großraum Paris). Zugegebenermaßen wäre für einen engen Takt ein Infrastrukturausbau notwendig.

Gruß
X73900
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a8/Gare_de_Graffenstaden.JPG/640px-Gare_de_Graffenstaden.JPG
Bahnhof Graffenstaden, Autor: Pehaha, Lizenz CC BY-SA 4.0


https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d4/Gare_SNCF_de_Geispolsheim.jpg/640px-Gare_SNCF_de_Geispolsheim.jpg
Bahnhof Geispolsheim, Autor: GabrielTXPR01, Lizenz GPL





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.01.19 00:05.

Illkirch-Graffenstaden (m1B)

geschrieben von: D 895

Datum: 12.01.19 20:06

...und sowas hält da auch noch (neben dem modernen Geraffel):
https://s1.imagebanana.com/file/190112/ezVj4cSK.jpg

19.10.18 letzter TER Séléstat-Strasbourg mit Danseuse.

Salut Frédy

Zitat
Du wirst in F kaum eine TER-Relation finden, die einen lückenlosen Takt hat, selbst zwischen Großstädten besteht der oft nur in der HVZ.


Bei genauerem Hinsehen ja, stimmt geb ich dir Recht. Ich selber habe 1 Jahr in einem kleinen Dörfchen nahe Valence gewohnt (mitm Auto ca. 30 Min entfernt). Was mir aufgefallen ist:

- in Valence selbst gibts Bus-Spuren, obwohl die Stadt glaube keine 100.000 EW hat
- Dazu passt eine äußerst großräumige Zentralhaltestelle mitten in der Innenstadt
- Die Parkgebühren sind höher. Falschparken wird gar mit 75 € bestraft (zumindest bei mir, und das war 2010!) Vgl. Deutschland: Parken im absoluten Halteverbot hatte mich wenn ich mich richtig erinner letztens 20 € gekostet ?! Auf jeden Fall im Vergleich dazu lächerlich
- Die Bus-Preise sind wahnsinnig niedrig. Dieses Jahr war ich wieder dort und habe für eine halbstündige Fahrt ins Umland gerade 1,20 € hingelegt. Dazu ein nagelneuer Bus mit WLAN

Das sind vielleicht ganz kurz die Dinge die für den ÖPNV sprechen

Auffällig war hingegen auch:

- Der SPNV ist insgesamt dürftig (viele Regionen sind von der Eisenbahn abgeschnitten und dann das erwähnte Problem mit den Taktzeiten), obwohl ich das Fahrzeugmaterial bis auf Ausnahmen relativ gut gepflegt, neu und komfortabel empfinde. Besser als vieles was hierzulande rumgurkt
- Auf einigen TER Verbindungen wird ein Großteil der Fahrten bereits als AUTOCAR angeboten, als wär das nicht schon schlimm genug sogar von der SNCF selbst!
- Die Preise sind, zumindest als Nicht-Einheimischer im SPNV verhältnismäßig teuer. Ländertickets oder SWE habe ich dort nicht entdecken können. Vielleicht lags auch an mir aber eigentlich würde man für sowas ja auch offensiv werben am Bahnhof

Exkurs FV:

- Hier gibts erstaunlicherweise ganz gute Spezialpreise, wenn man unbedingt will kann man also durchaus sparsam unterwegs sein
- Durch PKW Maut und Tempolimit bei gleichzeitigem Ausbau des HGV ist die Bahn auf den entsprechenden Relationen i.d.R. das Verkehrsmittel 1. Wahl. Zumindest mein Eindruck und ich habe, da ich in einem Gasthaus gearbeitet habe viele Franzosen kennengelernt über das Jahr

Re: [FR] Verkehrskonzept Strasbourg: Tram+Bus auf Vormarsch

geschrieben von: JeDi

Datum: 13.01.19 10:10

X73900 schrieb:
Ein Bekannter von mir wohnte übrigens früher in der Nähe von einem P+R-Platz in Straßburg. Wenn er Besuch hatte, ist er tatsächlich manchmal ins Auto gestiegen, die wenigen Meter zum P+R-Platz gefahren und hat sein Auto dort abgestellt, nur um die nur dort erhältliche günstige Gruppentageskarte für die Tram zu bekommen und so Geld zu sparen. Sans blague.
Das machen Bekannte von mir in Stuttgart, Deutschland auch immer. VVS-Tageskarte 12,30 EUR; Parkschein inkl. Fahrschein 11,90 EUR, jeweils für 5 Personen. Sowas sollte eben auch nicht sein, da fühlen sich die "eigenen" (ÖV-)Kunden dann auch verarscht.

Die S21 fährt von Elbgaustraße nach Aumühle!
JeDi schrieb:
X73900 schrieb:
Ein Bekannter von mir wohnte übrigens früher in der Nähe von einem P+R-Platz in Straßburg. Wenn er Besuch hatte, ist er tatsächlich manchmal ins Auto gestiegen, die wenigen Meter zum P+R-Platz gefahren und hat sein Auto dort abgestellt, nur um die nur dort erhältliche günstige Gruppentageskarte für die Tram zu bekommen und so Geld zu sparen. Sans blague.
Das machen Bekannte von mir in Stuttgart, Deutschland auch immer. VVS-Tageskarte 12,30 EUR; Parkschein inkl. Fahrschein 11,90 EUR, jeweils für 5 Personen. Sowas sollte eben auch nicht sein, da fühlen sich die "eigenen" (ÖV-)Kunden dann auch verarscht.
Das sind die Schwoowe...Die fahren dann mitdem grossen Suv zum Parkplatz...
Wie schon geschrieben, die Verkehrseinschränkungen an Wochenenden und die komplette Einstellung Z.B. am 1. Mai. Da fährt in Strasbourg keine Tram.
PauLe Theo schrieb:
Die Franzosen begreifen seit Jahren dass der MIV unterm Strich mehr Schaden als Nutzen anrichtet.

Ach ja? Liegt es daran, dass ÖPNV ausserhalb von Großstädten und deren Vorortbereichen in weiten Teilen des Landes fast nicht existent ist?

Für Ballungsräume stimme ich dir zu, der ÖPNV in der Ile der France ist grandios im Vergleich zum Ruhrgebiet.

Aber wenn ich den ÖPNV in Rheinland -Pfalz mit dem in der Region Occitan vergleichen, dann merke ich aber nichts davon, dass die Franzosen begreifen.

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