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[CN] RB: Mit Hochgeschwindigkeit in den Süden (11/12)

geschrieben von: Dani86

Datum: 12.07.18 20:13

<-- Teil 10
Hallo zusammen und willkommen zum elften Teil der Beitragsserie. Der heutige Tag steht eigentlich ganz im Zeichen einer Zugfahrt. Und gleichzeitig ist es (fast) der letzte Tag, an dem wir Zug fahren.


12. Juni 2018, Beijing West ab 10:00 Uhr, Kilometer 10890
Wir packen unser Gepäck zusammen und lassen einiges im Abfalleimer zurück, was wir nicht mehr benötigen. Das bei der Rezeption bestellte Taxi kommt zeitnah und wir spielen etwas Tetris, bis alles Gepäck verstaut ist. Ursprünglich wollten wir mit der Metro zum Westbahnhof fahren. Die Rush Hour wollen wir mit Gepäck aber lieber nicht erleben. Bis zum Bahnhof dauert die Fahrt trotz Stau weniger lang als befürchtet, so dass wir frühzeitig dort ankommen.

An den Zugangssperren versuchen wir erfolglos, einzutreten. Die Chinesen müssen nur das Zugticket und ihre ID-Karte auf den Leser legen und erlangen Einlass. Für uns mit ausländischen Pässenklappt dies nicht, so werden wir zu einem personenbedienten Zugang geschickt. Dort werden wir per Sichtkontrolle eingelassen. Anschliessend erfolgt einmal mehr eine Sicherheitskontrolle, bevor wir erst einmal im Gourmettempel zu den goldenen Bögen einen Kaffee trinken. Zum ersten Mal auf der Reise kehren wir dort ein, wo niemand zugibt reinzugehen, aber trotzdem immer voll ist.

Danach begeben wir uns in den für unseren Zug zugewiesenen Warteraum, der schon sehr voll ist. Das Einsteigen geht gleich los, also macht uns der Stehplatz nichts aus. Als die automatischen Gates endlich freigegeben sind, geht die Hektik los. Jeder möchte schneller als der andere in den Zug kommen. Wir gehen auf den Bahnsteig und können noch die Spitze unseres Zuges fotografieren. Unsere Plätze sind in der hinteren Einheit, das bedeutet einen kurzen Fussmarsch.


Transsib50.jpg
Unser Zug für die nächsten achtdreiviertel Stunden ist ein CRH400. Zug G79 (Beijing West - Futian), 12.06.2018


Endlich eingestiegen stellen wir fest, dass unsere Plätze in den Reihensitzen nicht 1+2 nebeneinander, sondern 1+2 hintereinander sind. Das macht uns aber nichts aus. Die Platznummerierung ist wie im Flugzeug; z.B. auf dem Bild unten von links nach rechts die Plätze 9F, 9D, 9E und 9A. Für das Gepäck meiner beiden Mitreisenden hat es noch Platz hinter der letzten Sitzreihe, mein Koffer hingegen wird durch die Zugbegleiterin kurzerhand im kleinen Abteil der Business-Klasse untergebracht. Der Fahrpreis dort vorne ist etwa drei Mal so hoch wie in der ersten Klasse, dies gönne ich mir vielleicht ein nächstes Mal.


Transsib51.jpg
Die erste Klasse im CRH400. Zug G79 (Beijing West - Futian), 12.06.2018


Zwei Minuten vor der veröffentlichten Abfahrtszeit schliessen sich die Türen und der Zug rollt los. Wir spüren sofort die Kraft der Motoren. Bevor wir Peking hinter uns gelassen haben, kommt schon eine Mitarbeiterin durch den Wagen und wischt den Boden feucht auf. Auch sonst ist der Zug extrem sauber, hier präsentiert sich China im besten Licht. Ein Zug besteht aus sechs Wagen zweiter Klasse (2+3 Bestuhlung), einem Wagen zweiter Klasse mit Bistro und einem Wagen, in dem die erste Klasse (2+2 Bestuhlung) sowie die Business Klasse (1+2 Bestuhlung mit Flugzeugsitzen) Platz findet.

Nachdem wir Peking verlassen haben und sich die erste Aufregung über meine erste Fahrt im chinesischen Hochgeschwindigkeitszug legte, lasse ich die bisherigen Erlebnisse der Reise Revue passieren. Der bisher ungepflegteste Zug der ganzen Reise: Das war der ICE von München nach Berlin. Seit dort bis Peking waren wir immer in Zügen unterwegs, die pro Wagen durch zwei Provodniks betreut und geputzt wurden.


Transsib52.JPG
Kilometer 11560: Alle Fahrwege scheinen kreuzungsfrei ausgeführt worden zu sein. Hier mit Güterzug in Zhengzhou, 12.06.2018.


Die Fahrt verläuft insgesamt ruhig. An vielen Unterwegsbahnhöfen rauschen wir durch das Hauptgleis und überholen Züge, die am Bahnsteiggleis einen Halt einlegen. Unser Zug hält nur wenige Male. Nach jedem Halt dauert es nicht lang, bis wir wieder über 300 km/h schnell sind. Hier haben die Chinesen uns etwas voraus – das landesweite HGV-Netz scheint nur Unterwegsbahnhöfe wie Durchfahrmöglichkeiten à la KRM zu besitzen.

Bei Wuhan überqueren wir den mächtigen Yangtse-Fluss.

Transsib53.JPG
Kilometer 12374: Auch Siemens ist in China vertreten, wenngleich deutlich in der Unterzahl. Changsha, 12.06.2018


Nach Changsha verändert sich die Landschaft wie auch das Klima deutlich. Nachdem seit Peking lange Brücken die Strecke prägten, mischen nun auch noch Tunnels mit. Acht Stunden nachdem wir Peking verlassen haben, erreichen wir Guangzhou South. Draussen regnet es in Strömen, während dem Aufenthalt drückt die warme, feuchte Luft förmlich in den Zug. Die Klimaanlagen sind aber ausreichend dimensioniert und schaffen dieses Problem innert kürzester Zeit aus der Welt.

12. Juni 2018, Futian an 18:45 Uhr, Kilometer 13106
Achtdreiviertel Stunden sitzen wir nun schon im Zug. Draussen ist es dunkel geworden; die Tage im Süden sind kürzer als die im Norden. Unser Zug läuft in seiner Endstation Futian ein. 2216 Kilometer haben wir seit Peking zurückgelegt. Wir steigen aus und gehen mit der Menschenmasse in Richtung Ausgang. Erst müssen wir aber alle nochmals anstehen und mit dem Barcode auf unseren Fahrkarten eine Sperre öffnen. Die Anzahl der Sperren ist natürlich in keinem Verhältnis zu den Menschenmassen, die aus dem Zug strömen – gemäss Wikipedia haben die gekuppelten Kompositionen zusammen 1152 Sitzplätze. Daher müssen wir anstehen, bis wir eine weitere Ebene hinauf dürfen. Da haben wir den Chinesen etwas voraus...


Transsib54.jpg
Kilometer 13106: Wir sind in Shenzhen angekommen. Endstation nach 2216 Kilometern seit Peking. Futian Railway Station, 12.06.2018


Im Vorfeld hatte ich zum Glück schon bei Baidu Maps recherchiert, welchen Ausgang wir nehmen müssen. Bei entsprechender Zoomstufe sind dort nämlich auch die unterirdischen Wege und Ausgänge der öffentlichen Verkehrsmittel verzeichnet. Da haben die Chinesen uns wieder etwas voraus.

Auf den Tafeln im Bahnhof ist einmal unsere Metrolinie vermerkt, die einen Block östlich des Bahnhofs Futian verläuft. Und ein andermal ist wieder die Nummer des Ausganges vermerkt. Beide Anschriften führen uns zum gewünschten Ausgang aus dem unterirdischen Labyrinth. Es regnet gerade weniger stark, so schauen wir rasch die Skyline von Shenzhen an, bevor wir wenige hundert Meter weiter wieder in den Untergrund gehen.

Das Ticket für die U-Bahn ist schnell gekauft, ein letztes Mal müssen wir noch durch eine Sicherheitskontrolle, um ein schienengebundenes Fortbewegungsmittel zu nutzen. Die Rush Hour ist schon vorbei, beziehungsweise findet in Gegenrichtung statt. Drei Haltestellen später steigen wir aus der U-Bahn und gehen hoch, immer den Wegweisern folgend bis zur Ausreisekontrolle. Es sind nur wenige Schalter geöffnet und der Computer will zumindest bei meinem Reisepass nicht so recht. Kurz habe ich Angst, irgendwo etwas übersehen oder vergessen zu haben und kurz vor dem Ziel noch Ärger zu kriegen. Nach einem Neustart klappt es dann aber auf Anhieb, ich erhalte den Ausreisestempel und bin somit nun aus China ausgereist.

Im nächsten und zugleich letzten Teil fahren wir mit einem Vorortszug, bevor wir das Ziel unserer Reise erreichen. Aber auch der Stadtverkehr hat schienengebundene Schönheiten zu bieten.

Gruss Dani

Teil 12 -->





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.07.18 08:13.