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[RU] RB: Endlich auf der Transsib (3/12)

geschrieben von: Dani86

Datum: 21.06.18 10:14

<- Teil 2

Hallo zusammen. Weiter geht es mit dem dritten Teil meines Reiseberichtes.

23. Mai, Moskau
Am dritten Tag in Moskau lag noch eine kurze Tour durch die Metro mit ihren wunderschönen Bahnhöfen drin. Nun waren wir vor drei Tagen gerade erst angekommen und es geht schon wieder weiter. Wir holten unser Gepäck im Hotel ab und fuhren mit der Metro wieder zur Haltestelle Komsomolskaja. Hier liegen drei Fernbahnhöfe an einem einzige Platz. Im Billa gegenüber des Jaroslawler Bahnhofes deckten wir uns mit Allerlei ein, das wir während der Zugfahrt brauchen. So fanden wir uns dann mit vollen Rucksäcken und Tragtaschen wieder auf dem Bahnhofplatz ein. Wiederum findet eine Sicherheitskontrolle vor dem Zutritt ins Bahnhofsgebäude statt. Anschliessend bleibt noch Zeit auf ein kurzes Bier, bevor wir in unseren Zug einsteigen dürfen.

Dies gestaltete sich nicht einmal so einfach, die Provodnitsa wusste nicht so recht, was sie mit den DB-Tickets anfangen musste. Gleichzeitig schien sie den Begleitbrief der Agentur mit den Erklärungen, was auf DB Tickets wo zu finden ist, auf Russisch schon mal gesehen zu haben. Auf ihrem Smartphone musste sie irgendetwas bestätigen, möglicherweise die Passnummer, welche auf russischen Tickets nebst Namen und Geburtsdatum vermerkt ist. So wurde dann die zweite Provodnitsa gerufen, die auch keinen Rat wusste. Anschliessend suchte sie mit unseren Tickets den Provodnik des übernächsten Wagen auf. Schlussendlich durften wir einsteigen, kurz nach Abfahrt kam sie nochmals die Pässe einsammeln und gab sie später zurück.

Was haben wir alles über russische Züge, fehlende Klimaanlagen bei geschlossenen Fenstern, langzeitig geschlossene Zugtoiletten, Raucherinseln am WC-seitigen Wagenende gelesen. Und nun sitzen wir endlich drin: Der Wagen war klimatisiert, hatte grüne Polsterbezüge, geschlossene Toilettensysteme, einen Fernseher und eine Steckdose im Abteil. Das mit dem Rauchen dürfte ebenso der Vergangenheit angehören.

23. Mai 2018, Moskva-Jaroslavskaja ab 16:20 Uhr, Kilometer 2867

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Kilometer 2867: Wir sind bereit für die nächste Etappe. Moskva, 23.05.2018

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Kilometer 2867: Unser Zug wurde bereitgestellt: Firmenny 56 "Enisei" (Moskva - Krasnojarsk). Moskva, 23.05.2018

Pünktlich rollen wir los. Wir verliessen Moskau, wie wir es erreicht hatten. Vor uns liegen noch ein paar Tausend Kilometer Schienen. Endlich waren wir auf der Transsibirischen Eisenbahn unterwegs, von der wir soviel gehört und gelesen haben. Und so unspektakulär war es eigentlich, in einem modernisierten Wagen, durch Birkenwälder, das Zeitgefühl stetig verlierend. Genau dies machte die Zugfahrt aber aus, sonst hätten wir ja direkt das Flugzeug nach Asien nehmen können – oder eher: die Reise gar nie antreten müssen.

Frische Luft schnappen konnten wir nach drei Stunden Fahrt in Vladimir und nach weiteren drei Stunden Fahrt nochmals in Nishni Novgorod. Anschliessend legen wir uns schlafen, bisher ist das vierte Bett im Abteil leer. Die Distanzen sind riesig, und das schon bevor wir Sibirien erreichen.

24. Mai 2018
Am Morgen haben wir unbemerkt die erste Zeitzonengrenze überquert. Die Mobiltelefone haben selbstständig umgeschaltet, vermeintlich kamen wir mit einer Stunde Verspätung in Balesino an. Ebenso schienen die Zeitzonengrenzen nicht mit den Angaben in unserem Reiseführer übereinzustimmen. Nun gut, in Russland gehört es zum guten Ton, zwischendurch mal an der Uhr zu drehen. Wir geniessen die Morgenluft, bevor wir wieder in unser Abteil zurückkehren.


Transsib12.jpg
Kilometer 4017: Nach der ersten Nacht auf der Transsib. Balesino 24.05.201


24. Mai 2018, Balesino ab 10:14 Uhr, Kilometer 4017

Ein Blick nach draussen bringt keine neuen Erkenntnisse. Es gab Birken zu bestaunen. Mittags gingen wir in den Speisewagen ein Bier trinken. Am Nachmittag hielten wir eine halbe Stunde in Perm, wo wir beschlossen, das Abendessen ebenso im Speisewagen einzunehmen. Wir sassen noch keine fünf Minuten da, gesellten sich zwei junge Russen zu uns und offerierten den ersten Wodka. Das kann ja noch heiter werden. Als erstes lernten wir, dass beim Trinken nicht "Nastrowje" gesagt wird. Vielmehr sagt jeder einen Spruch oder eine Lebensweisheit, worauf das Glas geleert wird. Nebenbei tranken wir ein Getränk, das bis 2011 in Russland als Softgetränk galt. Zu unserem Glück stiegen die zwei schon in Jekaterinburg wieder aus - und wir gingen betrunken zurück in unser Abteil.


Transsib13.jpg
Irgendwo im Nirgendwo: Unterwegs auf der Transsib.


24. Mai 2018, Jekaterinburg ab 21:41 Uhr, Kilometer 4640

Im Abteil haben wir einen neuen Mitreisenden bekommen, der nach Omsk reist. Er konnte etwas englisch und erklärte uns, dass wir das aus dem Speisewagen mitgebrachte Bier nur bei geschlossener Abteiltüre trinken dürfen. Anschliessend legten wir uns schlafen. Am nächsten Morgen erwachten wir erst, als die Provodnitsa unseren Mitreisenden auf die Ankunft in Omsk aufmerksam machte. Dort hatte unser Zug 18 Minuten Aufenthalt.

25. Mai 2018, Omsk ab 11:04 Uhr, Kilometer 5538

Die Landschaft hat sich verändert. Während bisher hauptsächlich Birkenwälder zu sehen waren, gibt es hier weite Felder. Wir können uns noch nicht entscheiden, was wir spannender finden.

Nachmittags erreichen wir Barabinsk, wo wir eine halbe Stunde Aufenthalt haben. Wir nutzen den Aufenthalt, um an einem der kleinen Kioske Bier zu kaufen. Dies wird auf russischen Bahnhöfen, wo überhaupt noch vorhanden, als sogenannte Bückware verkauft. Erst auf gezielte Nachfrage, zeigt der Händler sein Sortiment und verpackt es dann in schwarze Plastiksäcke. Auffällig unauffällig steigen wir damit wieder in den Zug ein.

Am Abend erreichen wir Novosibirsk. Das Wetter war nicht einladend, den 50-minütigen Aufenthalt draussen zu verbringen.


Transsib14.jpg
Kilometer 6163: 50 Minuten dauert der Aufenthalt hier. Novosibirsk, 25.05.2018


25. Mai 2018, Novosibirsk ab 19:39 Uhr, Kilometer 6163

Über sechstausend Kilometer haben wir hinter uns, und dennoch noch nicht die Hälfte. Wir warteten wir die Weiterfahrt im Abteil ab. Anschliessend begaben wir uns einmal mehr in den Speisewagen, offenbar kannte man uns noch. Heute tranken wir dort nur zwei Bier, assen etwas und begaben uns wieder ins Abteil. Wir legen uns Schlafen, morgen steigen wir aus.

Im nächsten Teil erkunden wir dann eine sibirische Stadt.

Gruss Dani

Teil 4 -->





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:06:26:09:17:05.

Re: [RU] RB: Endlich auf der Transsib (3/12)

geschrieben von: westkurier

Datum: 21.06.18 14:01

Herzlichen Dank, Dani, für den Bericht und die tollen Fotos!
Erinnert mich an "meine" große Transsib-Reise vom Februar 2016, da bin ich auch mit dem "Jenisej" gefahren - allerdings nahm er damals noch die "Südstrecke" durch den Ural via Kazan und ich bin von Kazan (äußerst sehenswerte Stadt!) direkt nach Krasnojarsk gefahren.
Freue mich auf die nächsten Teile, es werden gute Erinnerungen wach!

Re: [RU] RB: Endlich auf der Transsib (3/12)

geschrieben von: willi79

Datum: 22.06.18 20:55

Vielen Dank für den Bericht! Ich freue mich schon auf die nächsten Teile.

VG willi

Re: [RU] RB: Endlich auf der Transsib (3/12)

geschrieben von: Dani86

Datum: 26.06.18 09:20

Hallo,

Kazan hatten wir auch auf dem Radar, dann hätten wir aber fahrplanbedingt noch eine weitere Stadt besuchen "müssen", was uns zeitlich nicht reinpasste. Vielleicht kann ich das in eine nächste Reise einbauen.

Gruss Dani