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12b Wladiwostok

My lost charging devices find a way back to me – though not the official way: Since being a conductor on russian trains does not make you rich, some conductors accept little extra jobs – like giving lost camera chargers a lift to the terminus. So after presenting myself at the right coach I can receive my package! Great!

Today’s plan is to explore the university of Wladiwostok – the campus is situated outside the town what makes a bus ride necessary. The very large campus is best explored by bikes which can be hired at the center of the park. As ambitioned tourists we also explore the countryside – including a maneuver by the russian army and a hillbilly camp… Well, it was not that bad…

In the evening I have a look at the Wladiwostok tramway which has a huge network of exactly one line, although you still can see traces of the tramway (like sleepers!) all over town.

Bild 1: Mein Paketdienst
https://abload.de/img/12b_wladiwostok01k2p25.jpg

Hallo, wie Werner schon richtig erraten hat: Meine Ladegeräte kamen im Abteil eines Provodniks in Wladiwostok an.

Nach Eruieren der Versandmöglichkeiten “Russische Post” (Aufwendig), DHL (teuer) kommt noch die Idee, die Tasche mit dem Elektronikgerümpel einfach einem Provodnik in die Hand zu drücken. Mein Gastgeber zögert, lässt sich aber dann durch Hanna überzeugen und fährt zum Bahnhof, um mit Provodniks in Verhandlung zu treten. Das erste Gebot lag bei 1000 Rubel für eine kleine Federmappe und 600 Kilometer – ich muss gestehen, dass ich ihn bitte, da noch etwas zu handeln, da dass doch sehr teuer ist. Kurze Zeit später meldet er das Finden eines Provodniks, der das Päckle auch für 300 Rubel mitnimmt – na wenn das nichts ist. Abends steht noch ein Film auf dem Programm (das Hostel hat einen großen Fernseher), bei dem es um die Grenzregion zwischen Finnland und Russland geht. Der Film ist auch ohne Sprachkenntnisse unterhaltsam.

Da der betreffende Zug wieder der 008 war, muss ich am nächsten Tag etwas früher raus und finde mich, leicht aufgeregt, am Bahnsteig ein. Tatsächlich bin ich nicht der Einzige, der auf ein Paket aus dem “Okean” wartet – drei Leute warten am Wagen 7 ebenfalls darauf, dass ihnen Pakete herausgereicht werden. So bekomme ich auch mein Mäppchen zurück – ich zahle 500 Rubel (der Host sagte, dass die Provodniks sehr nett waren – da darf man durchaus etwas großzügiger sein) und beschaffe schon einmal Frühstück.
Aus dem Zug steigt auch eine asiatische Reisegruppe aus – so dass am Meilenpfosten erst einmal richtig Gedränge ist.

Bild 2: Gedränge am Meilenpfosten
https://abload.de/img/12b_wladiwostok02f5o9n.jpg

Bild 3: Soo, jetzt erst einmal in Zweierreihen aufstellen
https://abload.de/img/12b_wladiwostok03a2pln.jpg


Bild 4: Blick aus dem Hostel
https://abload.de/img/12b_wladiwostok04i2qlo.jpg

Am Morgen buche ich dann erst einmal meine erste Unterkunft in Japan, dass ich schon einmal weiß, wo ich die erste Nacht schlafe. So ganz bin ich noch nicht zufrieden mit meinem Planungsstand was Japan anbelangt, aber was nicht ist kann ja noch werden.

Bild 5: schon wieder russischer Jugendstil
https://abload.de/img/12b_wladiwostok057arsg.jpg


Heute hat Hanna ein großes Programm aufgestellt – es geht auf die Insel Russki. Nach einem zweiten Frühstück stellen wir uns an eine Bushaltestelle und besteigen später einen Bus, der in zweiter Reihe parkt, während der Fahrer seelenruhig quarzt. Nach einer ganzen Weile geht es dann los. Um Höhe zu gewinnen, fahren wir eine Schleife durch die Stadt, bevor es auf die erste Hängebrücke über den Hafen geht. Der Bus wird dann doch recht voll, so dass ich meinen Fensterplatz – koreanische Busse haben Schiebefenster, was ideal für Fotos ist – kurz vor der Brücke auf die Insel aufgeben muss – daher kann ich hier nicht mit Bildern dienen.
Wir steigen an der ersten Haltestelle auf der Insel aus, die am Nordeingang des Außengeländes der Uni liegt. Hier ist in einer Bucht ein sichelförmiger Campus auf der grünen Wiese entstanden – inklusive Seepromenade, Teichen, Sportpark und einzelnen wilden Abschnitten.
Hanna ist schwer begeistert – es finden sich vielleicht zwanzig große Studentenwohnheime und zehn Institutsgebäude auf dem Gelände.
Am Wasser sind viele Leute mit Fahrrädern unterwegs, auch die üblichen Leihgeräte wie Roller und Rollschuhe sind zu sehen. Angesichts der Weitläufigkeit des Geländes ist das keine schlechte Idee, allerdings kann man uns am Verleih für Tretroller nicht so wirklich mit unserem Wunsch nach Fahrrädern weiterhelfen. Wir werden dann keine fünfhundert Meter von dort auf einem Hügel fündig, wo wir für 150 Rubel pro Stunde zwei Räder bekommen – zwar die üblichen Leihräder zweifelhafter Qualität, aber was solls, sie fahren.

Bild 6: Überblick über den Campus
https://abload.de/img/12b_wladiwostok065rpk4.jpg

Bild 7: Künstlicher Wasserfall
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Bild 8: Blick auf die Bucht
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Bild 9: Unsere Drahtesel
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Da wir den Campus auch einmal verlassen wollen, bahnen wir uns einen Weg nach oben – Fahrradfahren scheint abseits der Promenade nicht wirklich vorgesehen, da die Straßen alle recht steil sind und die Wege auch gerne einmal Treppen beinhalten. Irgendwann sind wir aber am Ausgang und fahren entlang der Schnellstraße (auf der linken Fahrbahnseite, so sehen wir wenigstens, wer uns umfährt) weiter auf die Insel.
So richtig schön ist die Fahrt entlang der Straße nicht – aber immerhin kommt uns auch einmal ein Konvoi mit Panzern entgegen. An einem Abzweig zu einem Freizeitpark verlassen wir die Schnellstraße, da wir auch nicht so richtig Lust haben, hier zurückzufahren. Der Park selber ist wegen einer Militärübung gesperrt, aber es gibt eine Seitenstraße, über die wir wieder ans Ufer gelangen. Wir kommen durch eine Art Datschensiedlung – eher mittelgemütlich – und machen kurz Pause am Wasser. (Bild – Raucherhäuschen) Von hier klettern wir wieder herauf zur Straße, um nach einer kurzen Fahrt samt Begutachtung der russischen Parkkünste (nicht sehr gut – zumindest wenn “jeder kommt auch wieder raus” ein Maßstab ist) wieder auf dem Universitätsgelände zu landen. Nachdem ein Versuch, in eine Art Audimax zu gelangen, scheitert, geben wir die Drahtesel zurück und machen uns auf den Weg zum Bus.

Bild 10: Motorad mit Beiwagen
https://abload.de/img/12b_wladiwostok10lfqzq.jpg
Bild 10b: Russischer Humor… “Räucherhäuschen”
https://abload.de/img/12b_wladiwostok_010blhslm.jpg

Leider sind uns zwei strategische Fehler unterlaufen: Zunächst ist jetzt 4 Uhr, viele Studenten fahren also von hier in die Stadt. Desweiteren ist die Haltestelle, an der wir einsteigen, die letzte am Campus – die Busse sind also alle schon ordentlich voll. Zum Trost kommt ein recht neuer MAN-Bus, der uns über die beiden Brücken zurückbringt.
Da uns die Linienverläufe in der Stadt nicht bekannt sind und der Bus hinter der Brücke einige wilde Schleifen fährt steigen wir auf Gefühl an einer geeigneten Haltestelle aus – und haben Glück – nicht nur befindet sich hier ein Aussichtspunkt auf die städtische Brücke, nein, von hier aus führt auch die Standseilbahn herunter. Da ich Hanna ja wohl nicht gehen lassen kann, ohne dass sie zum ersten Mal innerstädtische Standseilbahn gefahren ist, nehmen wir ebendiese nach unten.

Bild 11: Aussicht
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Am Fuße der Standseilbahn befindet sich die Pauluskirche, eine evangelische Backsteinkirche, die sowohl deutsche als auch russische Gottesdienste zu haben scheint. Es hängen auch deutsche Zeitungsartikel in der Kirche. Ich habe irgendwie das Bedürfnis, hier ein paar Töne zu spielen, dummerweise ist mein Instrument aber gerade 8000 Kilometer von mir entfernt – naja, man kann nicht alles haben.
Eine Kollegin aus dem Posaunenchor hat einmal eine Konzertreise in Siebenbürgen gemacht, wo sie verschiedene Gottesdienste begleitet haben – ich habe momentan schon Lust, so etwas einmal in Russland zu machen. Dafür bräuchte ich nur noch drei Bläser, die sich so etwas antun würden ;-).

Bild 12: Kinderzeichnungen der Standseilbahn
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Bild 13: Standseilbahn
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Bild 14: Blick auf den Hafen
https://abload.de/img/12b_wladiwostok14vmrek.jpg

Bild 15: St. Paulus-Kirche
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Bild 16: Seitenansicht https://abload.de/img/12b_wladiwostok16yzrco.jpg

Bild 17: Alles ist nicht mehr heile https://abload.de/img/12b_wladiwostok17zzqf1.jpg

Bild 18: Innenraum https://abload.de/img/12b_wladiwostok18lxoja.jpg

Bild 19: Na, wer kennt ihn?
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Bild 20: Auch deutsche Zeitungen berichten
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Da Hanna heute Abend noch einmal auf die Piste möchte, fährt sie in die Stadt, während ich mich noch einmal der Straßenbahn widmen möchte – beziehungsweise deren kläglichen Resten. Momentan lässt sich auf einem größeren Teilstück Archäologie betreiben als tatsächlich Kilometer in Betrieb sind.

Kurz Zusammengefasst: In Wladiwostok gibt es noch eine Linie mit einem Depot, die in einem Vorort fährt. Es sind allerdings noch deutliche Spuren einer (aus meiner Sicht sehr sinnvollen) Strecke in die Innenstadt (heute 15-20 Buslinien – also fast wie Aachen) zu finden. Neben den Einheitsfahrzeugen mit den Schiebetüren gibt es auch noch Exotisches, mindestens einen Schneepflug. Dazu habe ich noch drei RVZ-6 im Depot gesehen, die sich bewegt haben.

Bild 21: Jugendstil
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Bild 22: Kunstbauwerk
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Gefahren wird natürlich in Einfachtraktion. Das Fahrgeld von 14 Rubel wird auf zwei Arten erhoben – entweder durch einen Schaffner oder beim Aussteigen durch den Fahrer – habe ich schon erwähnt, dass mir Letzteres nicht gefällt?

Der Gleiszustand ist sehr unterschiedlich – schnell geht es zwar nirgends, aber manchmal hat man neuen, recht feinen Schotter, manchmal liegt das Gleis im Lehm. Vereinzelt ist auch das bekannte “Ich mache aus vielen Geraden eine Kurve” zu sehen, aber nicht überall.

Beginnen wir mit dem aktiven Teil des Netzes – es ist ein Minimalnetz, der einzige Luxus ist eine beidseitige Ausfahrt aus dem Depot sowie ein Überholgleis an einem Streckenende. Am Draht sind Lyrabügel und bei den Fahrzeugen öffnen sich in der Regel nur die vorderen Türen, die letzte ist teils dauerhaft verschlossen. Die Wagen sind sehr farbenfroh (pinsel-)lackiert. Einige haben eine Sonderfarbgebung, die an Geburtstag der Straßenbahn oder an den 9. Mai erinnert. Die Straßenbahn fährt auf eigenem Gleiskörper.

Bild 23: Depotzufahrt https://abload.de/img/12b_wladiwostok232asi6.jpg

Bild 24: Arbeitswagen
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Bild 25: Teleblick
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Bild 26: Innenraum
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Die Straßenbahnreinigung kann auch außerhalb des Depots erfolgen – man beachte hier das Set “Wladiwostok” aus Unterbodenbefeuchtung und Unterbodenbürste, zu installieren an beliebiger Stelle im Netz:

Bild 27: Unterbodenbefeuchtung
https://abload.de/img/12b_wladiwostok28z3sms.jpg

Bild 28: nachwachsende Straßenbahnunterbodenbürste
https://abload.de/img/12b_wladiwostok268xs88.jpg

Bild 29: modisches Grün
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Bild 30: Linienschild. Kann man auch festschweißen…
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Bild 31: Wozu braucht eine Straßenbahn schon drei Türen?
https://abload.de/img/12b_wladiwostok31pvspx.jpg

Bild 32: Abzweig
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Bild 33: Typenschild
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Bild 34: Am Busumsteigepunkt
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Die Strecke in die Innenstadt ist kaum verborgen – einige Wände sind sogar entsprechen bemalt:

Bild 35: Schwellen
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Bild 36: Straßenbahnremineszenz 1
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Bild 37: Straßenbahnremineszenz 2
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Bild 38: Straßenbahnremineszenz 3
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Bild 39: Eigentlich fehlen nur Oberbau und Oberleitungen…
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Bild 40: Kein Pit-Stop, sondern ein Piv-Stop (Bier-Stop…)
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Bild 41: Nochmal Architektur
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Bei Bedarf kann ich eine Liste der gesichteten Wagen nachreichen. Am heutigen Tag fahre ich einfach einmal die ganze Strecke, bevor ich ins Hostel zurückkehre. Hanna ist magenbedingt außer Gefecht gesetzt – glücklicherweise ist das nur kurzzeitig. Sie ist aber so vernünftig, sich für alle Fälle ein Einzelzimmer zu nehmen, damit sie nichts weiterverteilt.


Bis nächste Woche,

schoki41
Danke für deine sehr kurzweiligen Berichte. Macht Spaß sie zu lesen und freue mich daher schon auf die Fortsetzungen aus Japan.
Der Knaller im letzten Bericht ist für mich die Straßenbahn mit den Lattenbänken. Sollte man mal im verwöhnten Mitteleuropa bringen......... :-)

Grüße
Karlheinz
Frankenland schrieb:
Danke für deine sehr kurzweiligen Berichte. Macht Spaß sie zu lesen und freue mich daher schon auf die Fortsetzungen aus Japan.
Der Knaller im letzten Bericht ist für mich die Straßenbahn mit den Lattenbänken. Sollte man mal im verwöhnten Mitteleuropa bringen......... :-)

Grüße
Karlheinz
Zumindest ressourcensparend, jede 2. Latte herausgenommen... :-)

"Es gehört nicht zum Begriff der Demokratie, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen"
Carlo Schmid (SPD) 1948

„Si vis pacem para bellum“ Marcus Tullius Cicero
Frankenland schrieb:
Danke für deine sehr kurzweiligen Berichte. Macht Spaß sie zu lesen und freue mich daher schon auf die Fortsetzungen aus Japan.
Der Knaller im letzten Bericht ist für mich die Straßenbahn mit den Lattenbänken. Sollte man mal im verwöhnten Mitteleuropa bringen......... :-)

Hallo,

es gibt aber halt auch Gründe, warum Straßenbahnen in Russland keinen guten Ruf haben und zusehends verschwinden...

Gruß
westring
Vielen Dank für die bisherigen Berichte (ich reagiere ja nicht auf jeden Bericht, ich weiß).

Und ab nun wird es ja für mich besonders spannend, denn nun geht es nach Japan, und da kenne ich mich ein wenig besser aus als in Rußland. Darauf freue ich mich also schon sehr!!!

Ein Zitat:
Das Fahrgeld von 14 Rubel wird auf zwei Arten erhoben – entweder durch einen Schaffner oder beim Aussteigen durch den Fahrer – habe ich schon erwähnt, dass mir Letzteres nicht gefällt?

Tja, da wirst Du Dich wohl in Japan auf diese Art des Bezahlens (beim Aussteigen zahlen) gewöhnt haben müssen, denn meines Wissens ist das fast überall in Japan so.

Apropos Japan und Rußland:
Ich kenne mich mit den heutigen Automarken nicht mehr so aus wie zu meiner Jugendzeit, aber die vielen modern wirkenden Autos in Rußland (auch hier in Wladiwosstok), die man in Deinen Berichten immer sehen kann: woher stammen die? Was für Marken sind es? Auf mich wirken sie wie japanische oder koreanische Marken. Sind es solche oder gibt es auch russische, die so aussehen? Hast Du auf so etwas geaachtet? Oder weiß es ein anderer Leser? Ich stamme ja noch aus einer Zeit, in der russische Autos von wenigen einheimischen Marken kamen und entsprechend antik aussahen (Lada, Zhiguli, Zaz, Moskvich, Wolga...)
Offensichtlich hat sich da sehr viel getan...

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!
Ebenfalls vielen Dank für die Berichterstattung!

Habe alle(?) bisherigen Teile interessiert verfolgt. Das Fragezeichen deshalb weil mir der ein oder andere Teil anfangs durch die Lappen gegangen ist und ich den erst später entdeckt, bzw. gesucht habe nachdem mir eine Lücke im Erzählfluss aufgefallen ist.

Daher zwei kleine Bitten/Anregungen um die "Rückwärtsnavigation" zu erleichtern (den Link zum nächsten Teil ergänzt du ja nach dessen erscheinen):
- Kannst du die Nummer des Berichtsteils auch im Titel vermerken? z.B. "[RU] 30000 Kilometer auf der Nordhalbkugel (12b) – Rad trifft Panzer m43B"
- Und ggf. zu Beginn des Berichts immer auf dein Inhaltsverzeichnis ( [www.drehscheibe-online.de] ) verweisen, welches du ohnehin pflegst.

tokkyuu schrieb:
Apropos Japan und Rußland:
Ich kenne mich mit den heutigen Automarken nicht mehr so aus wie zu meiner Jugendzeit, aber die vielen modern wirkenden Autos in Rußland (auch hier in Wladiwosstok), die man in Deinen Berichten immer sehen kann: woher stammen die? Was für Marken sind es? Auf mich wirken sie wie japanische oder koreanische Marken. Sind es solche oder gibt es auch russische, die so aussehen? Hast Du auf so etwas geaachtet? Oder weiß es ein anderer Leser? Ich stamme ja noch aus einer Zeit, in der russische Autos von wenigen einheimischen Marken kamen und entsprechend antik aussahen (Lada, Zhiguli, Zaz, Moskvich, Wolga...)
Offensichtlich hat sich da sehr viel getan...
Wladiwostok ist ein wichtiger Importhafen für (Gebraucht-)Fahrzeuge, meinen Beobachtungen nach v.A. aus Japan. Wenn man sich in Sibirien ostwärts bewegt ist daher auch ein steigender Anteil an Rechtslenkern zu beobachten. Auf der Transsib sind mir auch immer wieder entsprechende Güterzüge westwärts aufgefallen.
Vor einigen Jahren hatten wir ein Paar aus Ulan-Ude im Abteil, die nach Wladiwostok fuhren um dort einen Gebrauchtwagen zu kaufen und damit die Rückreise anzutreten. Der Preisvorteil durch Direktkauf beim Importeur ggü. Kauf beim örtlichen Händler hat offensichtlich den Aufwand der mehrtägigen Reise über ~3500 km pro Richtung gerechtfertigt.
EC315Agram schrieb:tokkyuu schrieb:
tokkyuu schrieb:Zitat:
Apropos Japan und Rußland:
Ich kenne mich mit den heutigen Automarken nicht mehr so aus wie zu meiner Jugendzeit, aber die vielen modern wirkenden Autos in Rußland (auch hier in Wladiwosstok), die man in Deinen Berichten immer sehen kann: woher stammen die? Was für Marken sind es? Auf mich wirken sie wie japanische oder koreanische Marken. Sind es solche oder gibt es auch russische, die so aussehen? Hast Du auf so etwas geaachtet? Oder weiß es ein anderer Leser? Ich stamme ja noch aus einer Zeit, in der russische Autos von wenigen einheimischen Marken kamen und entsprechend antik aussahen (Lada, Zhiguli, Zaz, Moskvich, Wolga...)
Offensichtlich hat sich da sehr viel getan...
Wladiwostok ist ein wichtiger Importhafen für (Gebraucht-)Fahrzeuge, meinen Beobachtungen nach v.A. aus Japan. Wenn man sich in Sibirien ostwärts bewegt ist daher auch ein steigender Anteil an Rechtslenkern zu beobachten. Auf der Transsib sind mir auch immer wieder entsprechende Güterzüge westwärts aufgefallen.
Vor einigen Jahren hatten wir ein Paar aus Ulan-Ude im Abteil, die nach Wladiwostok fuhren um dort einen Gebrauchtwagen zu kaufen und damit die Rückreise anzutreten. Der Preisvorteil durch Direktkauf beim Importeur ggü. Kauf beim örtlichen Händler hat offensichtlich den Aufwand der mehrtägigen Reise über ~3500 km pro Richtung gerechtfertigt.
Hallo,

der Anteil der russischen Marken bei Neuwagenverkäufen (ohne Nutzfahrzeuge) liegt bei etwa 20%, Tendenz weiter fallend (Zahlen aus 2015). Fast der gesamte Anteil entfällt auf AvtoVAZ/Lada. Die aktuellen Modelle heißen Kalina II, Vesto, Granta, X-Ray, Niva (4x4) und Largus. Nur der kleine Geländewagen Niva ist noch eine sowjetische Konstruktion. Der Largus ist die Lizenzproduktion des Dacia/Renault Logan MCV. Viele russische Hersteller haben die Produktion von PKW mittlerweile eingestellt (GAZ/Wolga, Izhavto, Moskwitsch). Dafür haben viele ausländische Hersteller Produktionen in Russland eröffnet. Teilweise produzieren sie speziell auf den russischen Markt gerichtete Modelle, so z.B. VW in Kaluga mit dem Polo Sedan. Die meistverkaufte Marke bei Neuwagen ist Toyota, es tummeln sich aber auch viele andere Hersteller. Japanische, koreanische, chinesische, deutsche, französische oder auch amerikanische Unternehmen. Um die hohen Importsteuern auf Neuwagen zu umgehen werden die Autos vielfach vor dem Export nach Russland wieder auseinandergebaut und dann als Kits zu russsichen Montagebetrieben gebracht. Das ist günstiger. So baut Avtotor z.B. BMW, Kia, GM und chinesische Fahrzeuge. Wenngleich BMW wohl die Entscheidung getroffen hat, in Kaliningrad ein eigenes Werk aufzubauen.


Ein etwas anderer Markt sind importierte Gebrauchtwagen. Bis vor einigen Jahren wurden sie massenhaft billige Autos aus Europa und Japan nach Russland gebracht. Mittlerweile sind die Zölle stark erhöht worden, sodass praktisch nur noch 3-5 Jahre alte Autos importiert werden können, für die anderen sind die Zölle extremst hoch. Wladiwostok ist in der Tat ein großer Umschlagplatz für gebrauchte japanische Autos und war jahrelang der Ort in Russland, an dem man Autos am günstigsten kaufen konnte. Aber aufgrund der Zoll-Situation ist dies deutlich zurückgegangen. Da Transport und Verzollung sich nur noch für wenige Autos wirklich lohnen und eben durch den Import von Kits Neuwagen dann wieder eine teilweise günstigere Kostenstruktur aufweisen. Allerdings sind in Wladiwostok sehr viele Anlagen (z.B. Parkhäuser) für Autos mit Steuer auf der rechten Seite ausgelegt.

Wie schon gesagt, je weiter man nach Osten kommt, desto höher der Anteil von Rechtslenkern. Allerdings sind diese auch in Moskau anzutreffen. Schon 2003 gab es in Wladiwostok eigentlich keine Ladas (damit ist jetzt wirklich das alte Modell gemeint) im Straßenbild zu sehen.

Gruß
westring
Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Es scheint also doch auch in Rußland schon eine größer Zahl von Menschen zu geben, die sich Autos leisten können. Zu meiner Jugend konnten sich das ja nur Bonzen leisten bzw. war der Besitz von privaten PKW sowieso verboten.
Kann man das durchschnittliche Leben in Rußland mit einem anderen (ehemaligen Ostblock-)Land vergleichen? Von den ex-UdSSR-Teilrepubliken kenne ich nur die Ukraine und die baltischen Staaten. Die Ukraine kommt mir "ärmer" vor als z.B. Rumänien.
Im Baltikum hab ich eigentlich kein wirkliches "Ost-Flair" gefühlt.

LG Gustav
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tokkyuu schrieb:
Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Es scheint also doch auch in Rußland schon eine größer Zahl von Menschen zu geben, die sich Autos leisten können. Zu meiner Jugend konnten sich das ja nur Bonzen leisten bzw. war der Besitz von privaten PKW sowieso verboten.
Kann man das durchschnittliche Leben in Rußland mit einem anderen (ehemaligen Ostblock-)Land vergleichen? Von den ex-UdSSR-Teilrepubliken kenne ich nur die Ukraine und die baltischen Staaten. Die Ukraine kommt mir "ärmer" vor als z.B. Rumänien.
Im Baltikum hab ich eigentlich kein wirkliches "Ost-Flair" gefühlt.
Hallo,

ein paar Zahlen, um das einordnen zu können. In Russland gibt es etwa 42,5 Millionen PKWs und etwa 115 Millionen Einwohner über 18 Jahre. Statistisch hätten somit etwa 37% der erwachsenen Bevölkerung ein Auto. Es gibt natürlich auch viele Firmenwagen und einige reiche Menschen haben auch mehr als ein Auto. In Städten ist der Motorisierungsgrad höher als in ländlichen Regionen. Gleichzeitig ist das Durchschnittsalter der Fahrzeuge auf dem Land höher. In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl von Kraftfahrzeugen in Russland um 50% gewachsen. Das merkt man bei der Infrastruktur insbesondere in und um die Ballungsräume besonders stark, auch wenn es beispielsweise in Moskau durch viele fertiggestellte Ausbauten in den letzten zwei, drei Jahren vorübergehend etwas besser geworden ist. Außerhalb der Metro gilt der ÖPNV leider als nicht gesellschaftstauglich (nach dem Motto: nur Alte, Arme und Alkoholiker fahren mit der Elektritschka oder dem Bus).
Es gibt gerade in Moskau ein paar Initiativen das zu ändern, aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Aktuell ist die Verkehrspolitik überwiegend noch sehr konservativ: neue Metrolinien bauen und Straßen verbreitern.

Gruß
westring