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Hello everybody,
This part is actually one of the most scenic journey of my tour: I am writing about the circumbaikal railway, a branchline of the transsiberian starting from Sludjanka and making its way 86 kilometres along the shore of lake Baikal. Unlike most tourists, I take a regular train on this line which takes about five hours scince the maximum speed is 20 kilometres per hour. Luckily one of the two coaches is a bunk-bed-coach which makes a nap very comfortable. For me, the day at the shore is very relaxing, though the lake water is refreshing since the temperature is something around four degrees centigrade…
In case you have to do something boring, e.g. folding shirts or something : Why not watching the video I made? [youtu.be]

Hallo Allerseits,
da habe ich euch ja zwischen den Jahren etwas hängengelassen… Eigentlich sollte das hier ja eine Weihnachtsfolge sein… Nun ja, gut Ding will Weile haben. Viel Spaß mit dieser Folge.


Ich werde noch vor Irkutsk wach, wobei ich leider aufgrund der wirklich großen Sanitätszone (eine Stunde pro Richtung!) noch nicht frühstücken kann. Der Herr im Anzug geht, dafür kommt ein Gentlemen, der eine 0.7er-Dose Baltiska unterm Arm hat und mich erst einmal sehr munter ausfragt – er sei Ingenieur für Panzer… Er zeigt mir auch Bilder von Frau und Tochter. Das Baltiska führt bei der Provodniza nicht gerade zu Begeisterungsstürmen, sie belässt es dann aber bei einem strengen Blick. Nach einer Weile verkündet er, dass er die Nacht nicht geschlafen habe – schwupps, ist er weg und wacht nur einmal kurz auf, setzt sich hin, nimmt eine Zigarette, steckt sie wieder weg, und schläft weiter. So geht es auch.

Die Steigung herunter zum Baikalsee ist eine richtige Gebirgsbahn – man sieht seine eigene Strecke mehrmals beim Ausfahren von Seitentälern. Toll, dass ich die Strecke in ein paar Tagen noch einmal fahre. In Sludianka steige ich aus, da ich ja schließlich auf die Nebenbahn am Baikalsee möchte.

Bild 1: Lac Baikal
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Bild 2: Hafen von Sludjanka
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Bild 3: Kämpfende anderthalbfache Doppellok
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Bild 4: Mein Zug
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Die Fahrkarte ist schnell besorgt, allerdings ist der Fahrplan des Regionalzuges in Ortszeit angegeben – Trennung zwischen Fern- und Nahverkehr auf andere Art. Da auf der Fahrkarte Ortszeit abgedruckt ist kann ich feststellen, dass ich noch vier Stunden Zeit in Sludianka habe, einem Ort, der auf den ersten Blick ausschließlich aus Bahnhof besteht.

Bild 5: Fahrplan für Lokalzüge (Wremia Mestaja: Stadtzeit)
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Bild 6: Bahnhofshalle
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Zunächst mache ich es mir auf einer Buhne für mein zweites Frühstück gemütlich – Käse hat im Gegensatz zu Wurst leider den Nachteil, dass er ohne Kühlung recht schnell gegessen werden muss, sonst tritt eine Aggregatszustandsänderung ein… Auch wenn es am See recht ruhig ist, fällt ein Grummeln auf, ähnlich einer Autobahn, nur tiefer. Ob es von der Bahnstrecke kommt? Irgendwie kann ich mir am Ufer nicht helfen und muss ein paar Teile Plastikmüll einsammeln, damit sie meinen Blick auf das klare Wasser nicht stören.

Bild 7: Lecker!

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Bild 8: Caspar David Friedrich

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Bild 9: Ein Stück Kaninchen
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Bild 10: Die Kirche von Sludjanka

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Hinter dem Bahnhof von Sludianka verbirgt sich dennoch eine Innenstadt inklusive altem Wasserturm, Dampflokdenkmal, Kino und Russenmarkt. Bei letzterem kann ich nicht wiederstehen und muss mir einen Becher Kwaß direkt aus dem Tankwagen kaufen – nachdem ich gesehen habe, dass auch andere dort etwas erwerben. Auf dem Russenmarkt gibt es typischerweise alles mögliche vom Nachbarn im Südosten, unter Anderem Unterwäsche der Marke “Fatpants”. Für welche Kleidergröße das ist, brauche ich denke ich nicht zu erwähnen.

Der Bahnhof von Sludjanka muss zeitweise weiter in der Innenstadt gelegen haben – schließlich steht hier eine Denkmallok und ein Wasserturm, wo heute kein Gleis mehr liegt. Vom Wasserturm gibt es auch Zeichnungen im Bahnhofsmuseum.

Bild 11: Sockelteekessel
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Bild 12: Wasserturm
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Bild 13: Nebenan: Das Gemeindezentrum
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Bild 14: Straße
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Dummerweise wird mein Rucksack langsam doch schwerer und ich mache mich wieder auf zum Bahnhof. In der Kirche ebendort muss ein Gemeindefest sein, da auf Tischen Waren feilgeboten werden und jemand recht laut und schnell ein Glockenspiel unter freuem Himmel spielt. Das ist auch auf dem unten verlinkten Youtubevideo zu hören.

Im Bahnhof von Sludianka befindet sich – wie bereits erwähnt – ein kleines Bahnhofsmuseum.

Bild 15: Kinderzeichnung von Gefahren im Bahnbetrieb
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Bild 16: Mechanischer Rasierapparat Edit: Haupthaartrimmer
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Der Zug nach Baikal – so der offizielle Name auf der Fahrkarte – wird am Gleis 1 bereitgestellt und besteht aus einer Diesellok, einem Platzkartnywagen sowie einem Großraumwagen. Da ich ohnehin den hinteren Einstiegsbereich in Beschlag nehmen möchte, bin ich einer von zwei Gästen im letzteren. Nicht das der Zug leer wäre, aber bei 5 Stunden für 100 Kilometer ziehen es die meisten eben vor, sich im Platzkartny zu lümmeln, so dass dieser auch in der unteren Etage fast belegt ist.

Bild 17: Mein Zug nach Baikal
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Die Provodniza lässt mich gewähren, als ich es mir im hinteren Einstiegsbereich bequem mache, schließt aber alle Türen ab, um eventuellen dummen Gedanken einen Riegel vorzuschieben.
Die ersten Kilometer bis Sludianka-2, wo zumindest dem Anschein nach ein schlanker Anschluss an die Elektritschka aus Irkutsk besteht. Die Infrastruktur des Personenbahnhofes ist hier recht einfach gehalten – 30x1 Meter Bahnsteig müssen es tun.

Bild 18: Ausfahrender Güterzug
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Bild 19: Wartender Güterzug
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Nach dem Abzweig von der Hauptstrecke geht es im Schneckentempo weiter – zunächst kommt noch eine gesperrte Brücke und ein Bahnhof, danach kommen wir zum schönen Teil der Fahrt, die über 90 Kilometer direkt am Baikalsee entlangführt. Hier endet wohl auch die Sanitätszone (Prinzip ist Prinzip).

Bild 20: Abzweig
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Bild 21: Steinbrücke
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Die Landschaft ist spektakulär – ich fühle mich unweigerlich an eines meiner Bücher, “Expresszüge des vorderen Orients” erinnert, in dem Reisen auf vielen spektakulären Strecken beschrieben werden. Die Felswände steigen zum teil fast senkrecht auf, Lawinengalerien wechseln sich mit kurzen Tunnelabschnitten und Brücken ab.

Bild 22: langer Bahnsteig
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Bild 23: Bucht
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Bild 24: Alt gegen Neu bei Brücken
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Bild 25: Noch ein Tunnel
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Bild 26: Stall?
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Diese Buden mit den charakteristischen Rundbögen finden sich immer wieder. Ob das Ställe waren?

Auch wenn die niedrige Geschwindigkeit Anderes vermuten lässt: Auf den ersten 20 Kilometern wirkt der Oberbau neu. Immer wieder halten wir an Haltepunkten mit so klangvollen Namen wie “Kilometer 124”, die teilweise sehr nett gestaltet sind und im wesentlichen aus fünf Metern Holzbahnsteig bestehen, so dass der Lokführer gut treffen muss, dass genau die beiden richtigen Türen am Bahnsteig stehen. Unterstützt wird er dabei von Schildern, die ihm den Standort seiner Lokomotive vorgeben. Selbstverständlich ist auch ein Fahrplanaushang und ein Stationsschild im Corporate Design der RZD vorhanden. Man kann deutlich erkennen, dass diese Strecke einmal zweigleisig war – was aber sicher knalleng gewesen sein muss – insbesondere in Tunneln. Es sind auch vereinzelt Radfahrer und Fußgänger auf der Strecke unterwegs. Alle paar Kilometer drückt sich eine Siedlung in ein Seitental.

Bild 27: Los gehts…
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Bild 28: ohne Titel
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Bild 29: Lawinengallerie
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Bild 30: Verlassene Bude
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Bild 31: Bahnhof Marituj
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Bild 32: Ausfahrt Bahnhof Marituj
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Bild 33: Tunneinfahrt
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Bild 34: Ausgefahrene Bucht
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Bild 35: Haltepunkt. Immer noch gemütlicher als Duisburg Ruhrort…
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Bild 36: Brücke
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Wie ich bereits erwähnte, bin ich auf dieser Reise recht unvoreingenommen – charmant ausgedrückt. Ich bin also sehr überrascht, dass es auf dieser Strecke a) Kreuzungsbahnhöfe gibt, die b) vollständig signalsiert und ferngestellt sind. Zudem finden nicht nur c) Kreuzungen statt, sondern auch noch mit Dampfloks. Nicht dass ich ein übertriebener Fan dieser überdimensionierten Teekessel Samoware wäre, zwei dieser Fahrzeuge russischer Provenienz sind allerdings schon recht eindrucksvoll. Netterweise informiert mich die Provodniza über die Kreuzung, so dass ich reagieren kann und zumindest ein Foto und ein verwackeltes Video dabei herauskommen. Dummerweise sind meine Akkus relativ leer, so dass ich zudem etwas haushalten muss.

Bild 37: Zug vor See
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Bild 38: Teekesselchen
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Bild 39: nun einmal mit ruhigerer Luft
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Zwischen Strecke und See finden sich häufig Ferienhäuser, die augenscheinlich von den RZD betrieben werden. Ich muss gestehen, dass mich eine Übernachtung dort samt Streckenwanderung sehr reizen würde – aber auf dieser Reise ist dafür keine Muße.

Bild 40: Fischbauchbrücke
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Bild 41: Denkmallok
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Bild 42: Brücke
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Bild 43: ohne Worte
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Bild 44: dito
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Bild 45: Hüttenurlaub gefällig?
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Nach weiteren Kilometern kommt es auch noch zu einer weiteren Kreuzung – selbstverständlich signalgesichert. Es begegnet uns der den Dampfloks zugehörige Sonderzug, der von zwei Dieselloks gezogen wird und eine sehr stolze Länge aufweist. Es findet also doch etwas mehr Verkehr auf der Strecke statt, als ihre Lage vermuten lässt. Beide Kreuzungen sind übrigens sehr gut abgestimmt: Wir stehen kaum herum.

Bild 46: Kreuzung
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Weil die Sonne immer stärker senkrecht in mein Privatabteil scheint, was ein Fotografieren verunmöglicht, ziehe ich in den Platzkartniy um – habe ja auch langsam genug gestanden. Leider wird meine Hoffnung auf etwas Sound aus der Lok enttäuscht – Last und Geschwindigkeit geben das einfach nicht her. Dafür ists in den Tunneln schön dunkel, denn die Provodniza ist rücksichtsvoll gegenüber ihren größtenteils schlafenden Passagieren und lässt das Licht aus. Auch wenn die Reisegeschwindigkeit es nicht vermuten lässt: Dieser Zug ist ein Transportmittel. Hier steigen ein paar Bäuerinnen aus, dort freut sich ein Junge überschwänglich, dass Papa mit dem Zug aus der Stadt kommt.

Bild 47: Doch mal Platzkart…
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Ich bin mir übrigens nicht sicher, ob die Reisegeschwindigkeit so niedrig sein muss – zwischendurch fahren wir auch mal schneller, die Gleise und die Kurvenradien müssten eigentlich auch mehr hergeben. Vielleicht soll das Risiko für Radfahrer und Fußgänger verringert werden.

In jedem Falle sollte man mal dem Land Brandenburg vorschlagen, auch zwischen Berlin und Stettin Züge mit Platzkartnyi zu bestellen – das ware den Reisegeschwindigkeiten jedenfalls angemessen.

Bild 48: Endstation des Kurswagens aus Behringersmühle
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Bild 49: Auch Schiffsverkehr gibts
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Bild 50: Lokparade
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Baikal wird in der Dämmerung erreicht – ich werde direkt bezüglich meiner Unterkunft angesprochen, es dauert aber etwas, bis ich deutlich gemacht habe, was ich will – und verstanden habe, dass die Bediensteten mir genau das geben wollten. Ich bekomme gleich die Fährverbindung nach Listwianka mitgeliefert. In der Unterkunft gibt es ein Bufe (kein Büffet im herkömmlichen Sinne), aber ich habe keinen Hunger. Mein Zimmer ist ein Sechsbettzimmer, in welchem auch Bücher zum Thema sibirische Eisenbahnen ausliegen. Ich bin faul und beschränke mich auf einen Bildband aus den 90ern. Mir war nicht bewusst, dass man damals schon elektronische Stellwerke genutzt hat.

Bild 51: Museum im Bahnhof Baikal
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Bild 52: Passagierdampfer
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Bild 53: Kirche
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Nachdem die Elektronik versorgt ist mache ich noch einen Abendspaziergang durch Baikal – es gibt zwei Läden, ein Dorfgemeinschaftshaus mit Bibliothek und das Hauptverkehrsmittel sind Boote oder Motorräder mit Beiwagen. Am einfachsten ist es bisweilen, auf den Schienen zu gehen.

Bild 54: DGH Baikal
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Bild 55: DGH mit Ausblick
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Bild 56: Signal mit Ausblick
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Bild 57: Verlassenes Motorrad
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Bild 58: Fördertechnik
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Ein paar Leute meinen Alters grillen am See, wobei sie das Feuerholz vom Zaun eines (möglicherweise) verlassenen Hauses nehmen. Gut – das würde man in Deutschland vielleicht nicht unbedingt machen, aber da bin ich ja gerade auch nicht. Leider ist irgendwie Nebensaison, da weder Eisenbahnmuseum noch Souvenirshop offen sind. Das ist ungünstig, da ich gerne Postkarten schreiben würde, aber ohne Postkarte ist das etwas witzlos. Die Post macht auch erst morgen wieder auf. Im Bahnhof, wo auch schon Reisende für den Rückzug um 3 Uhr nachts zu sitzen scheinen, sitzt aber ein Sicherheitsmann, den ich frage. Dieser knipst mir nicht nur das Licht im Souvenirshop an, sondern ruft auch die Besitzerin an, ob sie für mich aufmachen könne. Das geht leider nicht, da sie in Irkutsk ist.

Bild 59: Elektritschka – 80 km vom nächsten Stück Fahrdraht
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Am nächsten Tag stehe ich zu spät für die erste Fähre auf, also nehme ich die zweite und nutze die Chance für ein paar Fotos in Baikal. Irgendeiner hat eine kaputte Schreibmaschine auf die Gleise gestellt – schwupps habe ich mein erstes Hipsterfoto.

Bild 60: Frühstück
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Bild 61: Teekessel, abgeschaltet
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Bild 62: Plus de lettres du Baikal…
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Bild 63: Bedürfnisanstalt
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Anschließend klettere ich noch auf den Hügel, um mir die Elektritschka in Gänze anzusehen. Dabei komme ich auch an einem Hilfsmittel für den Materialtransport vorbei. Sich zu beherrschen fällt schwer…

Im Bahnhof steht interessanterweise noch eine 8-teilige Elektritschka – fernab jeden Fahrdrahtes – die an eine Diesellok gekuppelt ist. Während ich mich auf meine Fähre begebe wird die Lok aufgerüstet. Sofern ich das später aus der Mashrutka erkennen kann, muss sie bis Mittags dann abgefahren sein.

Bild 64: Elektritschka vorm See
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Bild 65: Hilfsmittel
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Bild 66: Transportmittel
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Es ist ja manchmal überraschend, was für Leute so aus den kleinen Holzhäusern kommen. Auf der Fähre spricht mich ein Mädchen, dass von der Kleidung her auch in Luxusmalls in Paris, Moskau oder München nicht auffallen würde an, ich solle einmal auf das klare Wasser achten – sicher, das mache ich.

Bild 67: Mole von Baikal
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Bild 68: Abschiedsbild
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Anders als sie nehme ich am anderen Ufer aber nicht sofort die Mashrutka nach Irkutsk sonder gehe zunächst ins Baikalmuseum gegenüber des Anlegiers, einem nichtstaatlichen Museum über den Baikalsee. Zunächst kommt es mir massiv zu teuer vor: 310 Rubel für eine Etage mit Fischtank und Robbenbatterie (zwei lebende Robben in einer Badewanne), dazu eine kleine Fotoausstellung und eine Ausstellung zum Tauchen.

Bild 69: Krabbeltierchen
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Bild 70: Fischstäbchen “natur” – möglicherweise ein Baikallachs mit weißem Fleisch
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Bild 71: Höhenprofil des Baikalsees
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Zudem ist auch noch eine deutsche Reisegruppe da – so kann ich mich wenigstens bei der Führung durchzecken, dazu auch noch bei einer englischsprachigen Führung für zwei Australier. Interessanterweise macht eine Russin auch eine Führung auf chinesisch. Ich versöhne mich etwas mit der Ausstellung, als ich ein Mikroskopierlabor mit 30 Arbeitsplätzen und fertigen Proben betrete – hier können sich die Besucher das Leben im Baikalsee durch Okular oder Bildschirm angucken. Sicher haut das keinen Biologen vom Hocker, aber für jemanden, der das Mikroskopieren in der Schule hinter sich gelassen hat, ist das schon interessant.

Bild 72: Versuchsaufbau
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Bild 73: Fisch.
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Neben dem Museum ist auch noch ein Park, den man auf Bohlenwegen durchlaufen kann – das nehme ich auch noch mit, bevor ich entlang der Straße nach Listwianka laufe.

Bild 74: Blick auf den Baikalsee
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Bild 75: Streifenhörnchen
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Bild 76: Süß, oder?
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Da es langsam etwas heiß wird, kommt mir die Idee, im Baikalsee schwimmen zu gehen. Das klappt auch, aber so ziemlich genau zweimal für 30 Sekunden – vielleicht 6 Grad Wassertemperatur laden nicht unbedingt zum Verweilen ein. Immerhin – ich war drin. Auf dem Strand muss man auch vorsichtig laufen – die eine oder andere Eisenbewehrung schaut aus den Kieseln hervor.

Bild 77: Strandfoto
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Bild 78: Parkbank aus Industriekultur
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Listwianka selbst ist ein Touristenort, der hauptsächlich dem Besteigen eines Schiffes zu einer Rundfahrt auf dem See dient. Immerhin bekomme ich also hier meine Postkarten inklusive Kontrolle der korrekten Frankierung und Beschriftung, aber ansonsten finde ich hier in erster Linie teure Banjaangebote. Also besteige ich eine der etwa halbstündlich verkehrenden Mashrutkiy nach Irkutsk.


Wer das ganze auch noch einmal in Bewegtbildern ansehen will: [youtu.be]


So, die nächsten Teile werden wieder kleiner.

Ergänzungen (insbesondere zu den Bahnhöfen im Video, ich bekomme die nicht mehr verortet) sind wie immer willkommen.

Was meint ihr: Lässt sich vom Schreibmaschinenbild noch etwas Brauchbares machen?

Viele Grüße,

schoki41



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.01.18 21:21.
Die Elektritschka abseits vom Fahrplan ist wahrscheinlich ein Ausflugszug. Ich hab 2008 so eine Tour gemacht. Da gehts früh in Irkutsk los, elektrisch bis Sludjanka, dann mit Dieselvorspann. Entlang der Uferstrecke sind diverse Stopps, die für Spaziergänge u.ä. genutzt werden. Am Bf. Baikal ist dann länger Aufenthalt, für Picknick o.ä. Damals waren hauptsächlich Männer- oder Frauengruppen im Zug, die vier Damen uns gegenüber hatten noch im Bahnhof Irkutsk die erste Dose Bier geöffnet.
Auf den Monitoren im Zug liefen Karaoke-Videos in Endlosschleife.
Jedenfalls waren wir offenbar die einzigen Nicht-Russen im Zug, es war sehr unterhaltsam.
Danke für deinen Bericht. Aber vielleicht guckst du ihn noch mal durch. Ich glaube du bist bei einigen Bildunterschriften durcheinander gekommen.

---------------------------------------------------
"Verspätung ist ja auch das Kerngeschäft der Bahn"
Urban Priol
----------------------------------------------------
Im Doppelstockwagen sieht man mehr von der Welt.
Wunderbare Eindrücke von der Bahnstrecke am Ufer entlang. Hab ich so noch nie gesehen!
Bitte erkläre noch, was da mit "Sanitätszone" gemeint ist. Du hast das Wort zweimal erwähnt, einmal etwas mit "einer Stunde" oder so. Ich kapiere das nicht.

Der "mechanische Rasierapparat" ist ein Haarschneider. Also ein manuelles Haarschneidegerät. Mit so etwas hat mir meine Mutter in jungen Jahren die Haare geschnitten (natürlich längere Haare auch mit einer Scheere). Ich habe dieses Folterinstrument gefürchtet, denn es hat immer gerissen und gezogen und daher geschmerzt. Friseure hatten so etwas auch, bevor die elektrischen Apparate für das Kurzhaartrimming gekommen sind.
Bärte wurden mit so etwas nicht rasiert. Es war für die kurzen Haare am Hals zum Beispiel oder auch an den Schläfen.
Meine Mutter ersparte sich solcherart die 5 Schilling für den Friseurbesuch. Damals mußte man sparen... (1960er-Jahre)

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!

Sammelantwort

geschrieben von: schoki41

Datum: 12.01.18 21:46

Hallo Allerseits,
danke für die Rückmeldungen.

@tokkyuu: In Russland gibt es noch recht häufig offene Toilettensysteme. Anders als in Belgien oder Frankreich hält man es für besser, wenn in den Bahnhöfen nicht so viel Mist auf den Gleisen liegt und schließt die Klos ab. (Geht natürlich hier auch, weil es pro Wagen einen Schaffner gibt). Damit sich niemand in die Hosen macht, wird das auch auf Aushangplänen kommuniziert. Für alle Fälle ist es aber auch praktisch, wenn man sich auf einem längeren Zwischenhalt mal umschaut, welche Wagen mit geschlossenen Systemen ausgestattet sind.

@Schmalspurbahnfreund: Ja, die Elektritschka war auch entsprechend beschildert. Ich muss aber gestehen, dass ich meine Variante vorziehe...

@Womenzel: Danke, habe die Bilder jetzt sortiert - waren ja doch eine ganze Menge...

schoki41

Re: Sammelantwort

geschrieben von: Ernst

Datum: 13.01.18 09:53

schoki41 schrieb:
@tokkyuu: In Russland gibt es noch recht häufig offene Toilettensysteme. Anders als in Belgien oder Frankreich hält man es für besser, wenn in den Bahnhöfen nicht so viel Mist auf den Gleisen liegt und schließt die Klos ab. (Geht natürlich hier auch, weil es pro Wagen einen Schaffner gibt). Damit sich niemand in die Hosen macht, wird das auch auf Aushangplänen kommuniziert. Für alle Fälle ist es aber auch praktisch, wenn man sich auf einem längeren Zwischenhalt mal umschaut, welche Wagen mit geschlossenen Systemen ausgestattet sind.
Wir fuhren 2006 mit einem Touristenluxuszug von Moskau nach Peking. Damals wurde an den Stationen eine sog. chemische Toilette hingestellt. Man sieht sie auf dieser Seite gegen Schluss: [www.ernst-joss.ch]

Gruss
Ernst





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.01.18 17:11.

Super, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 13.01.18 10:15

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen: [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Danke!

geschrieben von: derReisende

Datum: 14.01.18 15:25

Hallo schoki,

Danke für den tollen Bericht vom Baikalsee! Die Zugfahrt dem Seeufer entlang sieht wirklich wunderschön aus, und Glück mit dem Wetter scheinst du ja auch gehabt zu haben. Wie sieht das eigentlich temperaturmässig so aus in der Region vom Baikalsee?

Ansonsten verfolge ich die Serie interessiert und bin gespannt, wo die Reise noch überall so hinführt. Bei 30'000 Kilometern liegt ja hoffentlich noch einiges drin... ;-)

Gruss,
Samuel

Re: Danke!

geschrieben von: Ernst

Datum: 14.01.18 17:14

Da ging bei meinem Beitrag oben der Link verloren. Ich habe ihn nachträglich eingefügt. Hier noch die Bilder der chemischen Toilette:

http://www.ernst-joss.ch/images/Eisenbahn/transsib2006/zug/biowczu.jpg

http://www.ernst-joss.ch/images/Eisenbahn/transsib2006/zug/biowc.jpg

Gruss
Ernst

Re: Danke!

geschrieben von: schoki41

Datum: 16.01.18 19:20

Hallo Ernst,
zunächst einmal: Interessante Homepage.

Das mit dem Chemieklo ist ja ne interessante Lösung - man hätte ja auch einfach einen Eimer unterstellen können ;)

schoki41