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User Nailik hat mich zurecht (und doch sehr diplomatisch ;-) ) darauf aufmerksam gemacht, dass mein Bericht doch endlich fortgesetzt werden sollte. Here we go!

Fortsetzung von: Teil 6

Wir befinden uns Kutaisi.

06.07.2015

Dieser Tag war ganz der Seilbahn- und Bergbaustadt Chiatura gewidmet. Um die Stadt mit dem Zug erreichen zu können, mussten wir verdammt früh aufstehen.

Der Zug in Richtung Sachkhere füllte sich; offenbar war irgendwo Markttag, denn es wurden neben Gemüsesäcken auch solche mit Hühnern drin transportiert.

Wir hatten geplant, unser Gepäck am Schalter des Bahnhofs von Chiatura unterzustellen, doch einen Schalter konnten wir nicht erblicken. Das Bahnhofsgebäude war scheinbar nicht mehr in Gebrauch, doch etwas entfernt davon fanden das Stellwerksgebäude, das auch Besetzt war. Das Personal erlaubte uns, das Gepäck bei ihnen zu deponieren. Trotz vorhandenen Sprachbarrieren entwickelte sich ein Gespräch, aus dem wir zu verstehen glaubten, dass neben dem im Fahrplan veröffentlichten Zug am Mittag noch ein weiterer am Nachmittag talauswärts fahren würde.

Wir überquerten das Gleisfeld über die abenteuerliche Fussgängerbrücke und fanden sogleich die zentrale Seilbahnstation, von der drei Seilbahnen (1, 5, 6) ausgehen. Als wir da waren, funktionierten aber nur deren zwei (1, 5). Die Bahnen fuhren in einem durchaus dichten Takt abwechselnd, da nur eine Besatzung (Maschinist in der Talstation und Kabinenführer) anwesend war.

Wir fuhren zuerst mit der "1" über den Bahnhohof auf die andere Talseite und mit der "2" wieder runter. Die "3", die zu einem Wohnblock über einer Steilwand führt und eine der ältesten sowjetischen Seilbahnhen ist, war leider auch ausser Betrieb. Die "4" ist wirklich abenteuerlich, da sie sehr steil ist und die Kabinen bloss Blechkisten sind, die von (immerhin frischer) Farbe zusammengehalten werden. Bei der Bergstation der "4" befindet sich der Ausgang einer Manganerzmine und die Umladestation für ebendieses Erz von der Minenbahn auf eine Lorenseilbahn (7). Beim Fotografieren der Minenbahn wurde ich von einem Sicherheitsmann erwischt, der mir bedeutete, die Bilder zu löschen. Glücklicherweise verstand er nichts von Digitalkameras und ich konnte zumindest ein Bild retten. Danach wurden wir verscheucht. Mit der "4" fuhren wir wieder runter ins Zentrum, wo wir umherschlenderten und etwas Essbares suchten. Das fanden wir einzig in Form von Chips, die wir im "Stadtpark" verspeisten. Das stiess auf reges Interesse der Einheimischen.
Zurück beim zentralen Seilbahnhof wurden wir vom Maschinisten wiedererkannt und auf eine Besichtigung des Maschinenraums eingeladen. Das liessen wir uns natürlich nicht entgehen.
Eine Fahrt mit der "5" bildete den Abschluss dieses Seilbahntages.
Abschliessend ist zu sagen, dass die Seilbahnen in Chiatura durchaus ein wichtiges Verkehrsbedürfnis abdecken und auch rege benutzt werden. Deshalb wäre es durchaus zu begrüssen, wenn diese modernisiert würden, um den Betrieb für die Bevölkerung sicherer und zuverlässiger zu machen - auch wenn es natürlich sehr schade um diese Relikte wäre.

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IMG_5812 (2) by Tristan Fiechter, auf Flickr
Der Zug aus Kutaisi I in Chiatura. Obwohl er zu unmenschlichen Zeiten verkehrt, war er gut gefüllt.

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IMG_6216001 (2) by Tristan Fiechter, auf Flickr
Auch für den Güterverkehr scheint die Stichstrecke nach Sachkere bedeutend zu sein.

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chiatura by Tristan Fiechter, auf Flickr
Ein Übersichtsplan (© OpenStreetMap-Mitwirkende) über die Seilbahnen in Chiatura. Nicht alle, die da eingezeichnet sind, existieren (noch). Die Nummerierung ist von mir und hat keinen offiziellen Charakter, sie dient der Übersichtlichkeit in diesem Beitrag.

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Die Kabine der "6". Diese Bahn war zum Zeitpunkt unseres Besuches ausser Betrieb, und die Kabine war vor der Station parkiert.

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Der zentrale Seilbahnhof. Vorne die "6", rechts die "1", links die "5".

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DSC01835 (2) by Tristan Fiechter, auf Flickr
Die Wartehalle, die immer noch das Flair der Sowjetunion versprühte.

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IMG_6241001 by Tristan Fiechter, auf Flickr

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IMG_6244001 by Tristan Fiechter, auf Flickr
Der Schaffner, der übrigens beide funktionierende Seilbahnen zu betreuen hatte. Wer sich über die Betriebssicherheit sorgt, sei beruhigt: Alle Kabinen sind mit einem Verbandsset ausgerüstet, es kann also nichts passieren. Von der zuverlässigen Kabinentürverriegelung und der modernsten Kommunikationstechnik ganz zu schweigen.

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Die Bergstation der "1".

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*Hust* Fangbremse.

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Die ganze Kabine der "2".

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Diese hatte eine durchaus ansprechende Talstation.

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DSC01852 by Tristan Fiechter, auf Flickr

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Die Bergstation samt einer der Kabinen/vulgo Blechsärge der "4". Nicht zu sehen sind die Rostlöcher im Kabinenboden sowie die Bedienerin, die der maximal erlaubten Nutzlast der Bahn entsprach.

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DSC01856 (2) by Tristan Fiechter, auf Flickr
Auf der gegenüberliegenden Seite des Tales ist die Bergstation der "3" zu sehen. Die Bewohner des Wohnblockes hätten eine eigene Seilbahnverbindung direkt ins Haus - hätten, denn die Bahn war ausser Betrieb.

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DSC01858 (2) by Tristan Fiechter, auf Flickr
Ebenfalls zu sehen ist der Schriftzug am gegenüberliegenden Hang ("Chiatura", und was noch?. Dank diesem wird Chiatura in einer Reihe mit Hollywood und Kronstadt genannt wird.

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Ein Blick auf das Stadtzentrum...

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DSC01861 (2) by Tristan Fiechter, auf Flickr
...und die "Flacheren" Stadtteile.

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Wir erblicken die Minenbahn.

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Ein Bild, geschossen durch den Maschendrahtzaun, das die Löschaktion des Sicherheitsmannes überlebt hat.

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Der Abtransport des Manganerzes findet mit dieser Lorenseilbahn statt.

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Ein Blick auf die Blechkistenbahn "4" von unten.

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Die Talstation der "3".

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Nochmals der zentrale Seilbahnhof. Natürlich braucht es pro zwei Mann, die die Bahn bedienen, zwei Mann Verwaltungspersonal.

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Der Maschinenraum.

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Die "5", mit der wir den Seilbahntag beschlossen.


Im baufälligen Bahnhofsgebäude von Chiatura erblickten wir endlich, was es in der zweitgrössten Stadt Georgiens, Kutaisi, nicht zu geben schien: eine Poststelle! Diese war geschätzt anderthalb Quadratmeter gross und darin sassen an einem Minipult zwei Postangestellte. Eine davon sprach sogar gut Englisch. Die Aufgabe unserer Postkarten ins Ausland war aber auch für sie eine neue Herausforderung, die eine telefonische Absprache mit der Zentrale bedingte. Schliesslich klappte es dann, und die meisten Karten erreichten sogar ihr Ziel.
Da die Abfahrtszeit unseres ominösen Geheimzuges nahte, wollten wir im Stellwerk unser Gepäck abholen. Dort war aber niemand zu sehen. Glücklicherweise war es nicht abgeschlossen, so dass wir unser Zeug selbst rausholen konnten.
Wir setzten uns ans Perron und warteten. Und warteten. Die Abfahrtszeit verstrich, und ausser einem kurzen Güterzug taleinwärts war kein Zug zu sehen. Langsam dämmerte uns, dass der Zug bloss ein Ergebnis der Kommunikationsprobleme mit den Bahnarbeitern war.
So machten wir uns auf zum Busbahnhof. Wir hatten Glück, denn es sollte nach kurzer Wartezeit eine Expressmarshrutka abfahren, die auch bei unserem nächsten Etappenziel, Gori, Halt machen würde.
Die Route verlief über Sachkhere und dem Grenzgebiet zu Südossetien entlang nach Chashuri, wo die Autobahn erreicht wurde. Der Zwischenhalt in Gori war etwas anders, als wir es uns vorstellten: Wir wurden auf dem Pannenstreifen der Autobahn rausgeworfen. Die letzten fünf Kilometer ins Ortszentrum legten wir dann in einem Taxi zurück.
In Gori bezogen wir unser Quartier bei der rührigen Gastgeberin Nitsa. Das Guesthouse Nitsa können wir sehr weiterempfehlen.
Das Abendessen in einem Restaurant nahe des Stalin-Museums war eher eine Enttäuschung-die wohl einzige auf dieser Reise.

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Die Poststelle in Chiatura.

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Der Arbeitsplatz im Stellwerk von Chiatura.

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IMG_5825 (2) by Tristan Fiechter, auf Flickr
Unsere Marshrutka auf dem Weg nach Tbilisi, nachdem sie uns auf dem Pannenstreifen abgesetzt hatte.


Fortsetzung folgt.

Georgen scheint derzeit sehr in zu sein... ;-)

Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, daß fast ganz Georgien verrostet ist.

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!
tokkyuu schrieb:
Georgen scheint derzeit sehr in zu sein... ;-)

Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, daß fast ganz Georgien verrostet ist.
Hallo Gustav!

"Derzeit", wie mans nimmt, es sind ja schon zwei Jahre her. Allerdings waren wir diesen Herbst schon wieder dort! :)

Irgendwo, wahrscheinlich im Reiseführer, war zu lesen, dass das Hauptexportprodukt Georgiens um die Jahrtausendwende Altmetall war ;-)
Rost findet sich wohl in allen Ex-UdSSR-Staaten. Auch in Georgien kommt der Pinsel öfter zum Einsatz, allgemein wurde und wird, wie wir beim letzten Besuch feststellen konnten, viel gebaut.

Auf Bild 6320001 halten nicht ernsthaft zwei Cola-Schraubverschlüsse als Schalter her?! Das sind wirklich Zustände wie man sie in Europa nirgends mehr zu Gesicht bekommt. Sehr interessant und die ganze Stadt wirkt für mich wie aus einer anderen Zeit wenn ich die Fotos sehe...
Danke für den tollen Bericht! Da war bei euch noch einiges mehr geboten als letzten Sommer! Die Bergstation der „1“ ist bzw. war einfach faszinierend. Die ist mittlerweile außer Betrieb und wird durch einen Neubau ersetzt.

Der Schriftzug am Hang heißt übrigens „Chiatura mein Stolz“, wie ich in dieser netten Doku auf YouTube erfahren habe.

Ich träume ja insgeheim davon, zur Eröffnung der neuen Seilbahnlinien nochmal hinzufahren.

Schöne Grüße
Jiří



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.01.18 23:02.