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[GB][IM] Schmalspur in Nordwales und Isle of Man - Teil 6: Fairbourne – Barmouth und Talyllyn Railway


Zunächst die Links zu den bisherigen Teilen:
Teil 1: Llandudno
Teil 2: Llangollen, Pontcysyllte-Aquädukt, Chester
Teil 3: Llanberis und Holyhead
Teil 4: Llandudno - Blaenau Ffestiniog - Machynlleth
Teil 5: Aberystwyth und Devil’s Bridge



Sonntag, 23. Juli 2017


In diesem Teil besuchen wir die Fairbourne Miniature Railway, sehen uns in Barmouth ein wenig um und fahren mit der Talyllyn Railway von Tywyn nach Nant Gwernol und zurück.



Auf dem Bahnhof ist es heute etwas verwirrend, weil die Züge auf dem falschen Bahnsteig stehen. Warum das so ist, können wir natürlich nicht erraten. Es sind mehrere Fahrgäste, die aufgrund der Anzeigen zuerst ungläubig schauen und dann doch den Bahnsteig wechseln.
Als wir in Tywyn vorbeifahren, kann ich den Abfahrtsbahnsteig der Talyllyn Railway sehen und fotografieren. Außerdem ist auch die Landschaft ganz hübsch, und ein längeres Stück geht es auch an der Küste entlang. Nur fällt auf, dass wir recht langsam unterwegs sind.
Ich mache heute einige Bilder vom Zugfenster aus:

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Kurz nach Dovey Junction (walisisch Cyffordd Dyfi) überqueren wir den Fluss Dyfi.

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Selbstverständlich sehen wir immer Unmengen von Schafen.

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Die Abfahrtsstelle der Talyllyn Railway in Tywyn vom vorbeifahrenden Zug aus.

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Und immer wieder die Ferienkolonien mit Caravan-Häusern.

Fahrt mit der Fairbourne Miniature Railway

Bei der Ankunft in Fairbourne finde ich es seltsam, dass es hier keinen walisischen Namen gibt! Die Erklärung dazu findet sich bei Wikipedia, denn der Ort wurde erst vor etwas über 100 Jahren gegründet. Wir begeben uns gleich zu der kleinen Bahn, die noch kleiner als etwa die Wiener Liliputbahn wirkt. Es gibt zwei Spurweiten, obwohl die Strecke selbst nur eine Spurweite aufweist (die schmälere nämlich). Was die andere Spurweite ist, und ob sie auch je verwendet wird, kann ich nicht erraten. Vielleicht gibt es Fahrzeuge, die nur im Bahnhofsbereich hin und her fahren, die diese etwas größere Spur verwenden. Leider haben wir zu wenig Zeit, um uns näher umzuschauen. Aber im Inneren kann man ein Lokomotiv-Denkmal sehen, außerdem eine kleine Eisenbahnanlage, die ich aber nicht sehr interessant finde. Die Lokomotive heißt Beddgelert und wurde 1979/80 in halber Große nachgebaut. Da sie momentan nicht im Einsatz ist, steht sie im Museum im Bahnhof Fairbourne.

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Lokomotive Beddgelert im Eingangsbereich des Bahnhofs (Museum).

Also schauen wir gleich hinaus zum Bahnsteig und sehen einen abfahrbereiten Zug da stehen. Wegen der Kleinheit der Wagen beschließe ich gleich, dass ich in einem offenen Wagen sitzen will, aber selbst diese sind nicht wirklich angenehm zum Sitzen. Die Bahn wirkt also wie eine Spielzeugeisenbahn, die Lokomotiven sind Nachbauten in halber Größe von real existierenden Lokomotiven. Die Lokführer haben auf ihren Loks eine Öffnung im Dach, damit sie ggf. auch mal stehen können. Es wirkt alles sehr spielzeughaft, aber natürlich voll funktionstüchtig. Ich vermute, es ist eben eine Art Hobby, so ähnlich wie die noch kleineren Gartenbahnen.

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Hier wird offenbar Wasser genommen.

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Und schon ist die Lokomotive an den Zug gekuppelt. Gebaut wurde diese Lok 1978.

Die Strecke ist 3,2 km lang und der Fahrpreis von 6 £ ist natürlich nicht mit normalen Bahnfahrpreisen zu vergleichen. Entsprechend ist der Kilometerpreis von 2,15 Euro auch der höchste von allen „Bahnstrecken“, die ich in diesem Urlaub befahren habe. Das liegt aber auch an uns, denn wir hätten ja auch zurückfahren können, womit der Kilometerpreis auf 1,07 Euro gesunken wäre, was billiger als die Llanberis Lake Railway gewesen wäre. Mit nur 192 Betriebstagen pro Jahr rangiert sie in diesem Punkt an letzter Stelle aller von uns besuchten Schmalspurbahnen. Aufgrund der Kürze der Strecke kommt man pro Jahr auch nur auf rund 6300 Zugskilometer. Hier gehört nun eine nähere Information zu dieser Bahnlinie:

Die Schmalspurbahn Fairbourne – Barmouth Ferry (Fairbourne Railway - Rheilffordd y Friog)

1895 wurde eine Pferdebahn auf dieser 3,2 km langen Strecke zum Transport von Baumaterial für den Bau der Ortschaft Fairbourne errichtet. In der Gegend waren damals mehrere Pferdebahnen errichtet worden. Schon seit der Frühzeit wurde die Bahn auch von Touristen benützt. Die Spurweite betrug 610 mm (2 Fuß).
1916 wurde die Spurweite auf 381 mm reduziert, was einer verbreiteten Spurweite bei Parkbahnen (z.B. Liliputbahn in Wien) entsprach. Für die Passagiere gab es nun offene Wagen. Der Güterverkehr endete 1940. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bahn kurzzeitig geschlossen, verschiedene Geschäftsleute konnten die Strecke 1947 wieder eröffnen, die auch bis dahin schon öfter den Besitzer und Betreiber gewechselt hatte. In den 1960er- und 1970er-Jahren erlebte die Bahn ihre beste Zeit, danach verlor sie an Bedeutung, weil in Wales viele Schmalspurbahnen wiederaufgebaut wurden.

Nach einem erneuten Verkauf 1984 wurde die Bahn 1986 auf 12 Zoll (311 mm) umgespurt, die alten Lokomotiven (Spur 381 mm) wurden verkauft und vier neue angeschaft, die allesamt verkleinerte Nachbauten von realen Schmalspurloks sind. 1990 wurde die Fairbourne Railway erneut zum Kauf ausgeschrieben, aber bis 1995 verschlechterte sich der technische Zustand zusehends, weil sich keine Käufer fanden.
1995 wurde die Bahn schließlich von einem neuen Besitzer erworben, der viel in die Strecke investierte und zusätzliche Attraktionen einführte, so z.B. 2007 eine Modellbahnanlage in Baugröße IIm. 2009 übernahm eine gemeinnützige Gesellschaft die Bahn.
Im Endbahnhof Barmouth Ferry, der eine Wendeschleife besitzt, die allerdings nicht mehr verwendet wird, kann man in kleinen Fährbooten nach Barmouth übersetzen, wo man wieder in Züge von National Rail umsteigen kann.

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Unterwegs mit der Fairbourne Railway.

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Die Häuser am Hang sind schon auf der anderen Seite der Flussmündung in Barmouth.

Endstation Barmouth Ferry

Auf der kurzen Fahrt frage ich mich natürlich, ob es überhaupt Fahrgäste gibt, die die Haltestellen unterwegs bedienen, also ob es Leute gibt, die die Bahn als Verkehrsmittel (zum Strand oder ähnliches) wirklich benutzen, oder ob sie sie alle nur für eine Vergnügungsfahrt benutzen. Unterwegs gibt es auch einen künstlichen Tunnel und nach rund 20 Minuten Fahrt erreichen wir Barmouth Ferry, die Endstation. Hier gibt es zwar eine Schleife, sodass man sich das Umkuppeln der Lok ersparen könnte, aber die Schleife ist gesperrt. Im Inneren der großen Schleife befinden sich weitere Gleise mit zwei Spurweiten (Dreischienengleis), die offensichtlich schon seit längerem nicht mehr befahren wurden. Welche Art von Lokomotiven hier im Einsatz waren, kann man natürlich auch nicht feststellen.

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Unsere Lok nach der Ankunft. Im Hintergrund ist die große Holzbrücke der Cambrian Line über die Mündung des Mawddach zu sehen.

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Und noch ein schönes Porträt unserer Lokomotive.

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Der Wagensatz unseres Zuges in der Endstation.

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Warum die Schleife nicht mehr in Betrieb ist, weiß ich nicht. Jedenfalls scheint sie schon länger ungenutzt zu sein.

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Neben der Gleissperre sind auch Gartenbahngleise als Dreischienengleis zu sehen.

Nach einigen Fotos gehen wir zum Ufer und schauen, wo hier die Fährboote anlegen, denn es gibt hier natürlich keinen wirklichen Anlegeplatz. Ein Boot ist gerade abgefahren, aber ein weiteres ist gerade unterwegs zu uns. Das Ein- und Aussteigen ist ein wenig abenteuerlich, denn ein Holzbrett muss genügen, um trockenen Fußes das wackelige Boot zu erreichen, das mit dem Bug gerade den Kies am Ufer berührt. Mit Hilfe gelingt das auch allen Fahrgästen und die kurze Fahrt hinüber nach Barmouth kann beginnen. Während des Betriebes der Bahn verkehren diese Fährboote nach Bedarf, also wenn Fahrgäste da sind. Da gerade Ebbe ist, können wir nicht zum vorgesehenen Anlegeplatz fahren, sondern müssen an der Kaimauer, an der Treppen hinunter zum Wasser führen, aussteigen. Auch ein ungewohntes Unterfangen für Leute, die das Meer mit seinen Gezeiten nicht gewohnt sind. Ich kenne das ein wenig von meinem Aufenthalt auf der Insel Man, als wir 1975 mit meinem Freund Robin über mehrere andere Boote bis zu seiner Boot balancieren mussten (das auch nicht größer war), um es zu erreichen und zum Fischen hinausfahren zu können. Wo sein Boot lag, konnte man nur wenige Stunden während der Flut überhaupt mit dem Boot wegfahren, die übrige Zeit lag es im Trockenen. Aber Leute wie Robin haben ja immer eine Gezeitenkarte einstecken, auf der sie ablesen können, wann die Tide wie hoch oder wie tief ist.

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Eines der Fährboote ist gerade abgefahren.

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Aber das nächste Boot ist schon da, nur das Aus- und Einsteigen ist etwas abenteuerlich.

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Das Aussteigen in Barmouth ist nicht minder abenteuerlich.

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Blick zurück an andere Ufer zum „Bahnhof“, wo noch ein paar Leute warten. Der Zug ist inzwischen schon zurückgefahren.

Spaziergänge in Barmouth

In Barmouth spazieren wie ein wenig herum, zunächst gleich an diesem Eck, dann Richtung Bahntrasse, denn die lange Holzbrücke über die breite Mündung des Flusses Mawddach (sprich: Maudhach - dh = wie th in Englisch this). Sehr beeindruckend, aber bei einem Intervall von zwei Stunden hat es keinen Sinn, hier auf einen Zug zu warten. Der nächste, der kommen würde, ist sowieso der, mit dem wir zurückfahren nach Tywyn.
Daher spazieren wir also Richtung Norden durch die Hauptstraße des Ortes Richtung Bahnhof, kaufen unterwegs was zu trinken und sehen die große, wuchtig wirkende Kirche, die etwas erhöht am Fuß der hiesigen Hügel steht. Zum Anschauen nehmen wir uns aber keine Zeit. Es ist schönes, sonniges Wetter, und es fällt auf, dass junge Möwen überall herumsitzen und jämmerlich piepsen. Es wirkt auf mich so, als ob sie gerade flügge geworden sind und sich noch nach den Eltern sehnen, die sie aber offensichtlich bewusst alleine lassen wollen. Sie müssen sich also schon selbst zurecht finden (so scheint es mir zumindest).

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Die schöne, lange Holzbrücke über den Mawddach.

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Die Kirche erscheint für den kleinen Ort etwas wuchtig.

Wir kommen dann am Bahnhof vorbei, überqueren hier die Gleise und marschieren entlang der Bahntrasse nach Norden, um eine dort abgestellt Diesellokomotive zu sehen, die gelb lackiert ist (klar: Network Rail). 97 304 lautet die Nummer, und ich finde später bei Tante Wiki heraus, dass diese Lok früher Class 37 gewesen ist und heute eine „ERTMS Signalling Test Loco“ ist. Wie Tante Wiki verrät, sind unter Class 97 zahlreiche Lokomotiven verschiedener Bauarten und Ursprünge zusammengefasst, zum Beispiel 08, 24, 25, 31, 37, 40, 45, 46, 47 und noch ein paar. Direkt bei der Lok ist eine Brücke über die Gleise, die wir gleich nutzen und auf anderem Weg zum Bahnhof zurückkehren.

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Die 97304 von Network Rail war einst die 37217.

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Und hier kommt auch schon unser Zug: 158 822. Baureihenvielfalt gibt es hier nicht.

Nun geht es in schleichendem Tempo ein Stück zurück bis Tywyn, wo wir eine andere Schmalspurbahn besuchen wollen.

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Unterwegs fallen mir wieder die Feriensiedlungen auf, die aus Caravan-Bauten bestehen. Immer wieder überlege ich mir, ob ich so einen Urlaub aushalten könnte und wie man sich in so einer „Umgebung“ wohl fühlt.

Die Schmalspurbahn Tywyn – Nant Gwernol (Talyllyn Railway - Rheilffordd Talyllyn)

Als wir in Tywyn ankommen, sehen wir schon den Zug im Schmalspur-Bahnhof stehen und der Weg dorthin ist so kurz, dass wir gleich diesen Zug nehmen (9 Minuten Übergangszeit) und nicht auf den nächsten warten. Andere Fahrzeuge stehen hier nicht herum und das Museum können wir später auch noch besuchen. Die Züge hier haben einige Besonderheiten, und mir fällt vor allem auf, dass es seitliche Puffer gibt, was bei Schmalspurbahnen nicht so oft vorkommt. Es werden noch immer die Ursprungswagen von 1866 verwendet, die liebevoll in gutem Zustand gehalten werden. In unserem Wagen befindet sich auch ein entsprechender Hinweis darauf: „This coach was built by Brown Marshalls of Birmingham in 1866 and with its sisters has run on the Talyllyn ever since. All these original vehicles are lovingly maintained in full running order. Nowhere else in the world are such old vehicles still in regular passenger service.“
Bevor wir die Fahrt beginnen, ein paar nähere Informationen zu dieser Bahn:

Die Talyllyn Railway ist weltweit die erste Museumsbahn, die von Freiwilligen besessen und betrieben wird.
Nachdem die normalspurige „Aberystwyth and Welsh Coast Railway“ 1863 die Stadt Tywyn erreicht hatte, entschloss sich der Eigentümer der seit 1830 bestehenden Schiefersteinbrüche nördlich von Tywyn, eine schon geplante Schmalspurbahn zu diesem Bahnhof zu bauen, die 1866 eröffnet wurde.
Eine Besonderheit ist, dass die Personenwagen dieser Bahn nur auf einer Seite Türen haben. Das hat seinen Grund in einem zu kleinen Lichtraumprofil, sodass die Personenwagen nicht genehmigt wurden, weil auf Brücken der Abstand auf beiden Seiten zu klein war. Gelöst wurde das Problem damit, dass das Gleis auf den Brücken seitlich verlegt wurde und die Türen auf einer Seite verschlossen wurden. So konnten die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Personenverkehr bestand nur im Abschnitt Tywyn – Abergynolwyn. Die beiden erstgebauten Lokomotiven sind auch heute noch vorhanden, wenngleich viele Metallteile nicht mehr original sind.

In den 1880er-Jahren gab es bereits Touristik-Rundfahrten, wobei Fahrten auf anderen Schmalspurbahnen mit der Talyllyn Railway kombiniert wurden. Die Strecken zwischen den Bahnlinien wurden mit Pferdefuhrwerken zurückgelegt. In den 1920er-Jahren wurde der Tourismus wieder populär und man rüstete sogar Güterwagen mit Sitzbänken aus, um der gestiegenen Anzahl an Fahrgästen Herr zu werden. Als die Schieferproduktion zurückging und der Bahneigentümer verstarb, endete der Bahnbetrieb im Jahr 1950. Schon während des Krieges gab es Überlegungen von Eisenbahnfreunden, Schmalspurbahnen in Wales zu erhalten. In kurzer Zeit wurde eine Eigentümerübertragung bewerkstelligt, sodass bereits im Jahr 1951 ein erster Abschnitt als Museumsbahn wieder eröffnet werden konnte. 1960 war Abergynolwyn erreicht. 1969 entschloss man sich, auch die früher nur im Güterverkehr befahrene Strecke bis Nant Gwernol wieder aufzubauen. Die Verlängerung wurde 1976 eröffnet. In den folgenden Jahrzehnten gab es viele Modernisierungen und Ausbauten. Der Fuhrpark besteht aus originalen Fahrzeugen aus der Anfangszeit (alle Personenwagen von 1866 sind noch vorhanden!) wie auch aus modernem neugebauten Rollmaterial. Die Strecke ist auch heute noch mit einem Zugstabsystem gesichert. In Tywyn befindet sich ein Schmalspurbahnmuseum mit über 1000 Exponaten aus Großbritannien und Irland.

Fahrt auf der Talyllyn Railway

Die Fahrt ist recht hübsch und die Gegend erinnert uns an die Vale of Rheidol Railway, weil es auch zuerst durch hügeliges Gebiet geht und dann in ein Tal hinein. Unterwegs gibt es eine Zugskreuzung, aber die Lok „Talyllyn“ kann ich nicht gut fotografieren dabei, aber ich kann die Wagenkupplung im Vorbeifahren fotografieren, die genau wie bei der Normalspur aufgebaut ist.
Die Fahrt führt an steilen Hängen entlang, die voll mit Farnen bewachsen sind. Unterwegs fällt mir auch auf, dass der Lokführer bzw. einer der zwei Personen auf der Lok immer recht weit nach außen gelehnt ist oder außen stehend/hängend die Fahrt genießt. Am Endbahnhof ist nur kurzer Aufenthalt (10 Minuten), man kann hier nichts tun, außer man will wandern, denn es gibt hier zahlreiche Wanderwege. Ortschaft gibt es jedoch keine in Nant Gwernol, allerdings ist der Fußweg von hier zum Ort Abergynolwyn näher als von der gleichnamigen Station davor.

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In Wales gibt es nicht nur Schafe, sondern auch Rinder und Pferde, hier sogar friedlich vereint auf der selben Weide.

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Bei der Zugskreuzung sieht man nicht viel von der Lokomotive.

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Am Hang neben der Trasse: Farne so weit das Auge reicht.

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Je weiter und höher wir ins Tal kommen, umso abwechslungsreicher wird die Landschaft.

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Wir erreichen den Endbahnhof Nant Gwernol.

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Ein Blick auf die Kupplung zwischen den Wagen.

Bei der Rückfahrt setzen wir uns in einen anderen Waggon. In Abergynolwyn haben wir 30 Minuten Aufenthalt, den wir mit Tee und Cremeschnitte überbrücken. Da wir als Fahrkarte eine Donation Adult Day Rover genommen haben, zu der wir einen Voucher über 2,85 £ bekommen haben, können wir ihn hier einlösen. Den Rest schenken wir dem Unternehmen, denn Rückgeld gibt es mit einem Voucher natürlich nicht. Natürlich hab ich hier endlich auch Gelegenheit, unsere Zuglok zu fotografieren: es ist Nr. 7 Tom Rolt, gebaut 1991.

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Der Endpunkt der Bahn liegt etwas seitlich der Ortschaft Abergynolwyn, die wir hier sehen. Das Tal geht aber noch weiter.

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Endlich ist auch Gelegenheit, unsere Zuglok zu fotografieren.

Bei der weiteren Rückfahrt fallen mir Zäune auf, die aus Schieferplatten gemacht sind. Sie erinnern mich an Zäune aus Walknochen auf den Ostfriesischen Inseln. Während wir bei der Hinfahrt in Brynglas den Gegenzug kreuzten, ist dies bei der Rückfahrt in Quarry Siding Halt der Fall. Aber jetzt kann ich die Lokomotive zumindest von vorn fotografieren: es ist Nr. 1 Talyllyn, gebaut 1864. Auch auf dieser Strecke gibt es noch einige alte Bahnschranken, die aus weißen Gattern bestehen, die die Gleisstrasse absperren, wenn sie Straße frei ist und um 90° „geöffnet“ bzw. „geschlossen“ werden, wenn ein Zug kommt.

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Die Landschaft im Tal gefällt uns.

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Und wieder eine Zugskreuzung, diesmal sehen wir die Rauchkammertür...

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Zäune aus Schieferplatten.

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Und zwischendurch mal auch ein Bild unseres Zuges.

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Wir kommen in die Ebene und die Fahrt ist bald zu Ende.

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Kaum sind wir über die Straße gefahren, werden die Schranken auch schon wieder geschlossen oder geöffnet, je nach Sichtweise.

Narrow Gauge Railway Museum

Am Endbahnhof Tywyn Wharf besuchen wir das Museum, das auch eine Art Balkon hat, von dem aus man einen Blick auf die Hauptbahnstrecke hat. Da es aber hier nur einen Zweistundentakt gibt, können wir nicht warten, bis wirklich ein Zug kommt. Wir schauen uns also die Ausstellungsstücke an und spazieren anschließend in den Ort Tywyn, wo es eine Kirche zu besichtigen gibt, um die herum auch noch ein Friedhof besteht. Und Friedhöfe interessieren mich in fremden Ländern ja immer. Ein Einheimischer macht uns auf eine besondere Statue im Inneren der Kirche aufmerksam, aber ich habe vergessen, um wen es sich handelte und was das Besondere war.

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Vom Balkon des Museums können wir das Wasserfassen unserer Lokomotive beobachten.

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Der Blick auf die Strecke muss aber leider ohne Züge auskommen.

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Die Dorfkirche ist sicherlich nichts Besonderes, aber für Österreicher, die völlig andere Kirchenbauten gewohnt sind, ist diese Art von Kirche dennoch sehenswert.

Abendessen in Tywyn

Nach diesem Spaziergang suchen wir ein Lokal zum Abendessen und finden nicht wirklich etwas Ansprechendes. So nehmen wir also das Nächstliegende und sitzen im Freien bei einer Art Bistro. Hier gibt es wenig Angebote, die mich wirklich reizen, so nehme ich also einen Cader Lamb Burger, immerhin Lammfleisch also, obwohl ich ja kein Burger-Freund bin. Es ist aber recht gut, bei uns daheim kennt man ja kein Faschiertes aus Lammfleisch. Dazu gibt es natürlich ein Bier (ein dunkles Brooklin Lager). Tagsüber war das Wetter wechselhaft, aber nun ist es sonnig und wir genießen die Sonne auch, bevor sie unseren Tisch im Schatten zurücklässt. Da ist dann meine Jacke auch wieder gut zu gebrauchen. Es ist hier so wie im Oktober bei uns, wenn wir Altweibersommer haben. Tagsüber kann man oft kurzärmelig gehen, aber kaum sinkt die Sonne, ist man über Pullover und ggf. Jacke sehr froh. Da es hier auch Scones gibt, muss es natürlich noch Scones als Nachspeise geben: zwei Stück bekommt man, dazu Clotted Cream und Rasberry Jam. Einfach köstlich!

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Auch vom heutigen Tag muss ein Essensbild dabei sein, auch wenn es nicht unbedingt ein Mahl meiner Wahl ist. Aber das Lamm-Faschierte machte es doch zu etwas Besonderem.

Mit dem letzten Zug des Tages (an Sonntagen gibt es nur drei Züge auf der Strecke nach Pwllheli) kehren wir sodann nach Machynlleth zurück. Um halb neun sind wir daher auch schon im Quartier. Heute sind wir wirklich müde! Natürlich gibt es wieder Tee und Bisquits.
Für morgen planen wir die Fahrt nach Caernarfon (Welsh Highland Railway), allerdings haben wir die ursprünglichen Pläne umgestoßen, damit wir nicht so früh wegmüssen. Wir machen daher zuerst eine große Runde über Shrewsbury, Chester und Bangor und werden die vorletzte und längste Schmalspurbahn unseres Walesaufenhaltes nur in einer Richtung fefahren.

Fortsetzung:
Teil 7: Caernarfon und Welsh Highland Railway


LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:11:10:21:52:33.

Fairbourne Railway und 15 Zoll

geschrieben von: DVG1214

Datum: 26.10.17 00:38

Das Dreischienengleis (15 Zoll und 12 1/4 Zoll) wurde extra installiert, damit bei Galas ehemalige Fahrzeuge der Bahn ein Stückchen auf ihrer alten Heimatstrecke fahren können.

Das ist zwar ein herrlich britischer Grund, aber an dem eher suboptimalen Kosten-Nutzen-Quotienten ändert das nichts.

One motorman albeit given to some overstatement, when asked if he liked his job, replied that he thought he had died and gone to heaven. Only it wasn't an overstatement at all.
This is the M.E.R.
-A. M. Goodwyn